{"id":83960,"date":"2023-05-12T00:01:59","date_gmt":"2023-05-11T22:01:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=83960"},"modified":"2022-02-25T15:13:55","modified_gmt":"2022-02-25T14:13:55","slug":"im-kokon-der-esoterik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/05\/12\/im-kokon-der-esoterik\/","title":{"rendered":"Im Kokon der Esoterik"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Ich wollte ganz nach drau\u00dfen gehen und einen symbolischen Beginn machen f\u00fcr ein Unternehmen, das Leben der Menschheit zu regenerieren innerhalb des K\u00f6rpers der menschlichen Gesellschaft, und um eine positive Zukunft in diesem Zusammenhang vorzubereiten.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Joseph Beuys<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Eichenlaub ist ein politisches und milit\u00e4risches Symbol sowie eine gemeine Figur in der Heraldik, das den gelappten Laubbl\u00e4ttern von in Mittel- und S\u00fcdeuropa heimischen Eichenarten (h\u00e4ufig der auch \u201eDeutsche Eiche\u201c genannten Stieleiche) nachempfunden ist. &#8222;Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung&#8220; war ein Landschaftskunstwerk des K\u00fcnstlers Joseph Beuys, das 1982 auf der documenta 7 der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt wurde. Der Artist pflanzte mit der Hilfe von freiwilligen Helfern im Verlauf mehrerer Jahre 7000 B\u00e4ume zusammen mit jeweils einem begleitenden Basaltstein an unterschiedlichen Standorten in Kassel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Projekt war im Hinblick auf die allgemeine Verst\u00e4dterung eine umfangreiche k\u00fcnstlerische und \u00f6kologische Intervention mit dem Ziel, den urbanen Lebensraum nachhaltig zu ver\u00e4ndern. Joseph Beuys selbst bezeichnete das Projekt als &#8222;Soziale Plastik&#8220;. Das anfangs umstrittene Projekt hat sich zu einem stadtbildpr\u00e4genden Bestandteil des \u00f6ffentlichen Raums der Stadt Kassel entwickelt. Beuys sah 7000 Eichen als \u201eR\u00fcckbesinnung zur alten Organisationsstruktur.\u201c Durchgehende Baumstreifen wurden in dieser Zeit in vielen St\u00e4dten abgeholzt, um Stra\u00dfen- und Gehwegverbreiterungen zu erm\u00f6glichen. Nun sollen die B\u00e4ume diesen Platz wieder einnehmen. Er betrachtete B\u00e4ume als wesenhafte Subjekte, denen die Rechte fehlen:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">\u201eSie sind entrechtet. Sie wissen das ganz genau, dass sie entrechtet sind. Tiere, B\u00e4ume, alles ist entrechtet. Ich m\u00f6chte diese B\u00e4ume und diese Tiere rechtsf\u00e4hig machen.\u201c<\/span><\/em><span id=\"Finanzierung\" class=\"mw-headline\"><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die New Yorker Dia Art Foundation, heute Dia Center for the Arts, hatte einen Beitrag zum Anlauf des Projekts geleistet.<sup id=\"cite_ref-6\" class=\"reference\"> <\/sup>Der Restbetrag sollte durch Spenden von Privatleuten, Firmen und Institutionen finanziert werden. Ein Baum kostete 500 Mark (255 Euro). Der Aufruf zur Spende geschah vorwiegend durch Plakate, die zur Beteiligung an Beuys\u2019 Projekt aufriefen. <sup id=\"cite_ref-8\" class=\"reference\"><\/sup>Trotz der internationalen Popularit\u00e4t des K\u00fcnstlers reichte das Spendenaufkommen nicht f\u00fcr die Finanzierung des Vorhabens aus, so dass Beuys gezwungen war, einen gro\u00dfen Teil der Gelder selbst aufzubringen. 1982 zerlegte Beuys vor Publikum eine Kopie der Krone des Zaren Iwans und schmolz sie ein. Daraus goss er <i>Der Friedenshase und Zubeh\u00f6r<\/i> (bestehend aus einer etwa 30 Zentimeter gro\u00dfen Hasenfigur und einer Sonne), der f\u00fcr 777.000 DM an den Stuttgarter Sammler Joseph W. Fr\u00f6hlich verkauft wurde.<sup id=\"cite_ref-9\" class=\"reference\"> <\/sup>Zudem machte Beuys 1984 eine Whisky-Reklame f\u00fcr die Marke Nikka im japanischen Fernsehen zu Gunsten der Aktion, samt eingeblendetem Hinweis: \u201eJoseph Beuys ist hier aufgetreten, seine \u00f6kologischen Unternehmen zu f\u00f6rdern.\u201c Der Satz: \u201eIch habe mich vergewissert, der Whisky war wirklich gut.\u201c brachte ihm 400.000\u00a0DM ein. Beuys kommentierte diesen Einsatz mit der Bemerkung: \u201eIch habe mein ganzes Leben lang geworben, aber man sollte sich mal daf\u00fcr interessieren, wof\u00fcr ich geworben habe.\u201c<sup id=\"cite_ref-10\" class=\"reference\">\u00a0<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur etwa die H\u00e4lfte der B\u00e4ume des Kunstwerkes sind Eichen, vorwiegend Stieleichen, zahlreiche andere Laubbaumarten sind vertreten. H\u00e4ufig sind insbesondere Eschen, Linden, Ro\u00dfkastanien und ahornbl\u00e4ttrige Platanen. Die meisten B\u00e4ume wurden als &#8222;Stra\u00dfenbegleitgr\u00fcn&#8220; auf st\u00e4dtischen Fl\u00e4chen gepflanzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">War Joseph Beuys ein Gr\u00fcner?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-83712 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2029\/05\/Beuys-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2029\/05\/Beuys-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2029\/05\/Beuys-260x367.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2029\/05\/Beuys-160x226.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2029\/05\/Beuys.jpg 429w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/>1976 trat Joseph Beuys als Kandidat f\u00fcr die <em>nationalistische Aktionsgemeinschaft Unabh\u00e4ngiger Deutscher<\/em> an. Der Regisseur Andres Veiel sieht in Beuys&#8216; Zusammenarbeit mit einem ehemaligen SS-Mitglied und seinen Abenden mit alten Kriegskameraden eine &#8218;Transformierung der Katastrophe&#8216; und eine &#8218;M\u00f6glichkeit, sich von den Schatten der Vergangenheit zu befreien.&#8216; Wie Beuys hier den Begriff vom \u201eschaffenden Volk\u201c benutzt, zeigt welch geistes Kind er ist. Es ist nicht seine Trivialmythen zu dekonstruieren, der Filmemacher Andres Veiel hat es mit einer Filmbiografie im Dokumentarstil \u00fcber den K\u00fcnstler Joseph Beuys dargelegt. Wie k\u00f6nnen Joseph Beuys in einer Collage unz\u00e4hliger, bisher unerschlossener Bild- und Tondokumente wiederbegegnen, Andres Veiel stellte ein <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fNBY_OaA6Qs\">Zeitdokument<\/a> zusammen. Wie sehen wie Beuys sich mit Fragen des Humanismus, der Sozialphilosophie und Anthroposophie auseinandersetzt. Dies f\u00fchrte zu seiner Definition eines \u201eerweiterten Kunstbegriffs\u201c<sup id=\"cite_ref-2\"> <\/sup>und zur Konzeption der <i>Sozialen Plastik<\/i> als Gesamtkunstwerk, in dem er Ende der 1970er Jahre ein kreatives Mitgestalten an der Gesellschaft und in der Politik forderte. Der Film \u201eBeuys\u201c ist eine intime Betrachtung des Menschen, seiner Kunst und seiner Ideenr\u00e4ume.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Ich erinnere mich an den Filz, aus dem die Zelte gemacht waren, an den scharfen Geruch von K\u00e4se, Fett und Milch. Sie rieben meinen K\u00f6rper mit Fett ein, damit die W\u00e4rme zur\u00fcckkehrte, und wickelten mich in Filz ein, weil Filz die W\u00e4rme h\u00e4lt.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Joseph Beuys<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Absturz mit seiner <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1994\/03\/04\/die-tartarenlegende\/\">Nachgeschichte<\/a> diente Beuys als Stoff einer Legende, der zufolge nomadisierende Krimtataren ihn \u201eacht Tage lang aufopfernd mit ihren Hausmitteln\u201c (Salbung der Wunden mit tierischem Fett und Warmhalten in Filz) gepflegt h\u00e4tten. Diese Legende, die Beuys\u2019 Vorliebe f\u00fcr die Materialien Fett und Filz erkl\u00e4ren sollte und die Beuys in einem BBC-Interview ebenso beschrieb,<sup id=\"cite_ref-19\" class=\"reference\"> <\/sup>hat auch sein Biograph Heiner Stachelhaus vertreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ging Joseph Beuys zu Kameradschaftsabenden seiner Luftwaffeneinheit, wo er sich lachend mit ihnen fotografieren lie\u00df, nur, weil er sie zu aufrechten Demokraten bekehren wollte?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinem Buch <em>Beim Wort genommen<\/em> unterzieht der Kunsthistoriker Ron Manheim vor allem die \u00c4u\u00dferungen von Joseph Beuys einer kritischen Betrachtung. Zum 100. Geburtstag von Joseph Beuys begegnet er dem K\u00fcnstler kritisch und wirft in <em>Beim Wort genommen<\/em> einen genaueren Blick auf seine \u00c4u\u00dferungen zur Zeit des Nationalsozialismus. Unbestritten ist, dass er in seiner Jugend gl\u00fchender Nationalsozialist war. Und nach dem Krieg? Lange Zeit galt Beuys als unkonventioneller Aktivist, der die Natur vor der Zerst\u00f6rung und uns alle vor dem Kapitalismus bewahren wollte. In diesen hat Beuys nicht nur die eigene, pers\u00f6nliche Geschichte einem Idealbild \u201aangepasst\u2018. Da, wo seine Erinnerungen und seine Einsch\u00e4tzungen der Gegenwart einen direkten Bezug zum Nationalsozialismus aufzuweisen hatten, zeigte er auffallend oft ein erstaunliches bis absto\u00dfendes Erinnerungs- und Weltbild.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Diese Gesellschaft ist letztlich noch schlimmer als das Dritte Reich. Hitler hat nur die K\u00f6rper in die \u00d6fen geschmissen. Hier geschieht eine Hinrichtung im geistigen Bereich.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Joseph Beuys<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist zwar bereits un\u00fcberschaubar viel \u00fcber das Denken und Reden von Joseph Beuys ver\u00f6ffentlicht worden, doch wurde bis heute nicht der Frage nachgegangen, woher seine Aussagen zur Zeit des Nationalsozialismus stammen, aus welchen Quellen Beuys dabei sch\u00f6pfte, was er mit diesen \u00c4u\u00dferungen bezweckte und wie sich diese zu den kunst- und gesellschaftstheoretischen \u00c4u\u00dferungen des K\u00fcnstlers verhalten k\u00f6nnten. Manheim stellt Beuys\u2019 Aussagen zur Zeit des Nationalsozialismus in Themengruppen zusammen: Erinnerungen an die eigene Kindheit und (Hitler-)Jugend, an seine Lehrer und j\u00fcdischen Mitsch\u00fcler, die Gr\u00fcnde f\u00fcr Beuys\u2019 freiwillige Meldung zur Luftwaffe, die Erlebnisse im Krieg, die Beweggr\u00fcnde f\u00fcr die Hinwendung zum K\u00fcnstlerberuf, die Ideen zum \u201adeutschen Volk\u2018 und den sp\u00e4ten Vergleich der Gegenwart mit \u201eAuschwitz\u201c. Dabei entstand in der offensichtlichen Fantasiewelt des K\u00fcnstlers ein vielfach bis ins Extreme verf\u00e4lschtes Bild der realen Verh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Im K\u00fcnstlerhabitus hat Beuys Ideen und Symbole verinnerlicht, die er als Hitlerjunge eingeimpft bekam: An erster Stelle stand die antiautorit\u00e4re NS-Jugendpolitik, die es darauf anlegte, die Kinder als verwegene Phalanx des Systems und Aufpasser gegen Eltern und Lehrer einzusetzen. Denn die Jugend unter dem Hitlerregime war bildbarer und kontrollierbarer, als die Elterngeneration; indoktriniert von Schule und Vereinen, kannte sie nichts anderes als die Ideologie des \u201eDritten Reichs\u201c.<\/em> <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Beat Wyss<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ursache sieht Manheim in der Pers\u00f6nlichkeit des K\u00fcnstlers, dessen Hang zur Esoterik ihn blind machte f\u00fcr die Wirklichkeit. Schon vor Kriegsende stie\u00df Beuys auf die Gedankenwelt des Anthroposophen Rudolf Steiner, nachdem er sich bereits w\u00e4hrend seiner Flieger-Ausbildungszeit im damaligen Posen mit den braun gef\u00e4rbten gesellschaftlichen Ganzheitsvorstellungen von Eduard Spranger auseinandergesetzt hatte. Unmittelbar nach dem Krieg tauchte er in die metaphysische Weltsicht Steiners ein, ohne auch nur im Geringsten eine Phase der ideologiekritischen Reflektion zu durchleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Man wei\u00df wenig \u00fcber die Seele&#8230; Es gibt allerdings Menschen und Str\u00f6mungen in der Zeit, die dort umfassenderes wissen, also die eine Seelenforschung betrieben haben. Und wir sehen den gr\u00f6\u00dften in unserer eigenen Zeit, des 20. Jahrhunderts, das ist Rudolf Steiner, der etwas \u00fcber die menschliche Seele aussagt &#8211; in dieser umfassenden Weise, die hineinreicht in alle Bereiche der menschlichen Arbeit.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Joseph Beuys<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den zahlreichen Gespr\u00e4chen und Interviews w\u00e4hrend seiner k\u00fcnstlerisch-aktionistischen Erfolgsjahre zeigte Beuys sich den Fragen nach der Jugend, der Kriegszeit und den Realit\u00e4ten der Aktualit\u00e4t gegen\u00fcber als v\u00f6llig hilflos. Wie bei der Verkl\u00e4rung des eigenen Lebenslaufs, so befand er sich auch bei seiner Deutung von Gegenwart und Zukunft als ein Gefangener im Kokon der Esoterik, wobei nicht selten Begriffe und Auffassungen aus der dunklen j\u00fcngsten Vergangenheit aufschienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Der restaurative Geist der achtziger Jahre beg\u00fcnstigte die historische Verdr\u00e4ngungsarbeit, die Beuys buchst\u00e4blich ins Werk setzte. Die postmoderne Sehnsucht strebt nach Friede, Freude, Eierkuchen im Fabulieren von \u201eindividuellen Mythologien\u201c.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Beat Wyss 2008 in Monopol, Magazin f\u00fcr Kunst und Leben<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einem andern begegneten wir bereits in \u201eBeuys. Die Biographie\u201c. Bereits diese erste umfassende und kritische Biographie nimmt eine Neubewertung eines der herausragenden \u2013 und umstrittensten \u2013 K\u00fcnstler des 20. Jahrhunderts vor. Anhand von bislang unerschlossenen Archivmaterialien sowie Gespr\u00e4chen mit Marina Abramovi\u0107, Lukas Beckmann, Dieter Koepplin, Klaus Staeck u. a.. Doch nicht wenige namhafte Kunstexperten betrachten ihn als Scharlatan. HP Riegel legt erstmals eine ausf\u00fchrliche, minuti\u00f6s recherchierte Darstellung des Lebens und Wirkens von Joseph Beuys vor, die zu einer grunds\u00e4tzlichen Neubewertung Anlass gibt. So geht es vor allem um seine existentielle Verbindung mit Rudolf Steiner, seine N\u00e4he zu v\u00f6lkischem Gedankengut, seine kriegsbedingte Traumatisierung, die Hintergr\u00fcnde seiner Entlassung aus der D\u00fcsseldorfer Akademie und sein Engagement bei den Gr\u00fcnen. &#8222;Unter den Beuys-Anh\u00e4ngern finden sich viele, die man eher dem linken Spektrum zurechnen w\u00fcrde, weil sie nicht wissen oder wahrhaben wollen, was er wirklich vertrat. Aber Beuys hat dezidiert Thesen verk\u00fcndet, die sich bei den Querdenkern wiederfinden. Beuys war gegen den Parlamentarismus, er machte Parteien und Politiker l\u00e4cherlich. Sein Ziel war eine andere Gesellschaft, die nach anthroposophischem Schnittmuster funktionieren sollte. Eine seiner zentralen Aussagen war immer, dass die Menschen spirituell und geistig unterdr\u00fcckt w\u00fcrden von h\u00f6heren, unbestimmten Kr\u00e4ften. Das ist auch eine Kernthese der Querdenker und Verschw\u00f6rungstheoretiker.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei aller offensiver Rhetorik blieb Beuys eine kritische Auseinandersetzung mit Nazi-Deutschland schuldig. Wir d\u00fcrfen diesen Schamanen der alten BRD und seinen Aktionismus mit zeitlichem Abstand neu betrachten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Beuys. Die Biographie<\/strong>, von Hans Peter Riegel, Aufbau Verlag, Berlin. 2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Beim Wort genommen<\/strong>. \u00adJoseph Beuys und der Natio\u2044nalsozialismus, von Ron Manheim. Neofelis-Verlag, Berlin 2021<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-96372 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Beim-Wort-genommen-193x300.jpg\" alt=\"\" width=\"193\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Beim-Wort-genommen-193x300.jpg 193w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Beim-Wort-genommen-322x500.jpg 322w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Beim-Wort-genommen-160x249.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Beim-Wort-genommen.jpg 643w\" sizes=\"auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/>Weiterf\u00fchrend<\/strong>\u00a0\u2192<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Joseph Beuys hat den Kunstbegriff erweitert. Auch der Literaturbegriff geh\u00f6rt erweitert. Bestand die Modernit\u00e4t des Aphorismus bisher in der Operativit\u00e4t, so entspricht diese literarische Form im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit der Denkgenauigkeit der Sp\u00e4tmoderne. Es ist <em>Twitteratur<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur<\/em><\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wollte ganz nach drau\u00dfen gehen und einen symbolischen Beginn machen f\u00fcr ein Unternehmen, das Leben der Menschheit zu regenerieren innerhalb des K\u00f6rpers der menschlichen Gesellschaft, und um eine positive Zukunft in diesem Zusammenhang vorzubereiten. 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