{"id":8389,"date":"2012-11-05T00:01:24","date_gmt":"2012-11-04T23:01:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=8389"},"modified":"2022-02-22T05:28:56","modified_gmt":"2022-02-22T04:28:56","slug":"freiraum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/05\/freiraum\/","title":{"rendered":"Freiraum"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/exil.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-8391\" title=\"exil\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/exil-211x300.jpg\" alt=\"\" width=\"211\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/exil-211x300.jpg 211w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/exil.jpg 282w\" sizes=\"auto, (max-width: 211px) 100vw, 211px\" \/><\/a>Als Angelika Janz im Rheinland in den 70er Jahren erste Schritte in die Literatur- und Kunstszene unternahm, lehrte in D\u00fcsseldorf Joseph Beuys, in der Kunst wurden nicht die Schlachten des 19. Jahrhunderts geschlagen, sondern zwischen Pop Art und Fluxus wurde im Zukunftslabor gearbeitet \u2013 an den Hochschulen, in den Werkst\u00e4tten und auf der Stra\u00dfe. In Zeitschriften wie Sprache im technischen Zeitalter wurde nicht (wie heute) Kanon verwaltet, sondern Zukunft gesucht. Serendipity hie\u00df ein Schlagwort damaliger Debatten \u2013 Angelika Janz beteiligte sich mit einem Statement und sah ihre Fragmenttexte als ein m\u00f6gliches Verfahren in diesem Rahmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahre 1993 konstatierte Michael Glasmeier in einem Text \u00fcber ihre Fragmenttexte den Abbruch des Experiments: <em>was ich von der Literatur erwarte \u2013 Experiment, l\u00e4ngeres Gedankenspiel, Zeitgenossenschaft, Grenzg\u00e4ngertum \u2013, scheint sich in ein merkw\u00fcrdiges statisches Gejammer, in eine weinerliche, selbstbezogene Enge verkrochen zu haben<\/em>. Und in diesem Kontext sah er in ihren Fragmenttexten den Beleg, dass trotz <em>des langsamen Vergl\u00fchens der Konkreten und Visuellen Poesie Ende der 70er und der konservativen Haltung von Feuilleton und Literaturwissenschaft<\/em> ein Freiraum f\u00fcr Experimente fortbestehe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Geho\u0308rverschaffer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-9013 alignright\" title=\"Geho\u0308rverschaffer\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Geho\u0308rverschaffer-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Geho\u0308rverschaffer-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Geho\u0308rverschaffer-723x1024.jpg 723w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Geho\u0308rverschaffer.jpg 1240w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a>Avantgardistische<\/em> oder <em>experimentelle<\/em> Kunst wird oft als schwer verst\u00e4ndlich empfunden. Selbst in den meist im Internet gef\u00fchrten Debatten junger Autoren geistert das Gespenst einer <em>unverst\u00e4ndlichen<\/em>, akademischen Kunst herum. Dieser Zustand hat mehr als eine Ursache \u2013 man m\u00fcsste nach dem Deutsch- und Kunstunterricht ebenso fragen wie nach Paradigmenwechseln in den Theoriedebatten der letzten Jahrzehnte sowie nach sozialen Bedingungen der arbeitsteiligen Gesellschaft. Leicht zu zeigen w\u00e4re aber, dass ihm auch ein fundamentales Missverst\u00e4ndnis zugrunde liegt, das in den Institutionen (Schule, Wissenschaft und Medien) weitergetragen wird. Wesentliche Teile der Avantgarde des 20. Jahrhunderts waren von dem Bestreben getragen, Kunst und Lebenswelt zusammenzuf\u00fchren. Namentlich der konkreten und visuellen Poesie eignet ein eminent demokratischer Grundzug. Einer der Gr\u00fcnde, warum sich dort entwickelte Verfahren in der Werbung verbreitet haben. Wenn man in der Schule lernen w\u00fcrde, den eigenen Sinnen zu trauen, anstatt krampfhaft nach einer in der Tiefe verborgenen Bedeutung zu suchen, w\u00e4re viel gewonnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die heute modisch gewordene Schreibung mancher Worte mit Gro\u00dfbuchstaben in der Mitte, wie beim taz-\u201eI\u201c in AutorInnen oder wie eben beim ZuFall ist technisch gesehen eine Verfremdung, die uns das automatisch Gewordene und daher nicht mehr Wahrnehmbare in den Worten wahrnehmen l\u00e4sst. Das Wort FragMentalit\u00e4t (so der Titel einer Notiz) \u00fcberlagert die Bedeutung des Wortes Fragment mit den Worten <em>Frage<\/em> und <em>Mentalit\u00e4t<\/em>. So findet mitten im Wort eine Diskussion statt. Solchen Worten begegnet man im vorliegenden Buch \u00f6fter. \u201eDeutschwund\u201c kann man verschieden lesen. Ist das \u201cDeutsch-wund\u201c, also wund am Deutschsein? Oder vielleicht \u201eDeut-Schwund\u201c: entzieht sich uns die Bedeutung? Anders als oft in der Schule gilt hier immer: beides zugleich. Nicht Einfalt, sondern Vielfalt f\u00fchrt weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Beispiel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-8396\" title=\"Beispiel\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Beispiel-140x300.jpg\" alt=\"\" width=\"140\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Beispiel-140x300.jpg 140w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Beispiel.jpg 449w\" sizes=\"auto, (max-width: 140px) 100vw, 140px\" \/><\/a>Dabei f\u00e4llt auch auf, dass diese Schreibweise (diese SchreibWeise) ebenfalls Fragmentcharakter hat. Das Wort zerf\u00e4llt in zwei oder mehr Fragmente verschiedener Herkunft, die zusammentreffen und eventuell neue Sinnm\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus dieser Mehrfachlesbarkeit erkl\u00e4rt sich auch, warum Angelika Janz die Grenzen zwischen Fremd- und Eigentext bewahrt. Man k\u00f6nnte ja den so entstandenen Text abschreiben \u2013 vielfach k\u00f6nnte man das Ergebnis nicht von ihren \u201erichtigen\u201c Gedichten unterscheiden. Die Wunde im Textk\u00f6rper erinnert an die Disparatheit der Elemente, die diesen Text formten, und erschwert eine allzu glatte und eindimensionale Lesart. An ihre Stelle tritt \u201eder Deutung Vielraum\u201c (vgl. \u201eDen Sinn, den Stoff, die Worte\u201c in diesem Band).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #888888;\">* * *<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #888888;\">Quelle: <span style=\"color: #000000;\"><strong>tEXt bILd<\/strong>. Ausgew\u00e4hlte Werke 1: Visuelle Arbeiten und Essays von Angelika Janz. Greifswald: freiraum-verlag 2012.<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<h5><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-98669 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Janz_KommaStrich-300x225.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=36409\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a>, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz \u00fcber den Zyklus fern, fern gef\u00fchrt hat. Vertiefend ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber ihre interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der Fragmenttexterin. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/05\/asthetische-prothetik\/\">Ann\u00e4herung<\/a> an die visuellen Arbeiten von Angelika Janz. Und nicht zuletzt, Michael Gratz \u00fcber Angelika Janz\u2018<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/05\/freiraum\/\"> tEXt bILd<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Angelika Janz im Rheinland in den 70er Jahren erste Schritte in die Literatur- und Kunstszene unternahm, lehrte in D\u00fcsseldorf Joseph Beuys, in der Kunst wurden nicht die Schlachten des 19. 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