{"id":83829,"date":"2014-04-27T00:01:05","date_gmt":"2014-04-26T22:01:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=83829"},"modified":"2022-02-23T13:17:09","modified_gmt":"2022-02-23T12:17:09","slug":"landschaft-und-nachlandschaft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/04\/27\/landschaft-und-nachlandschaft\/","title":{"rendered":"Landschaft und Nachlandschaft"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Vierteljahrhundert ist der historische Bruch her, jene f\u00fcr diesen Kontinent un\u00fcbliche, friedliche \u00dcbergabe eines Staatswesens zun\u00e4chst in die Verantwortung der Hoffnung, dann ins treuh\u00e4nderische Verwesen durch eine kr\u00e4ftigere Ordnung: die 89er Revolution. Wie ist die Hinterlassenschaft der ostdeutschen Landstriche, hier explizit in literarischer Hinsicht, zu bewerten, was ist in den 25 Jahren aus dem Ansehen ihrer \u201aLeitfossilien\u2018 wie auch den immer noch im Nachklang des Ph\u00e4nomens DDR Lebenden geworden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser elementaren Frage geht Ulrich Kaufmann in seinem umf\u00e4nglichen Kompendium, das Aufs\u00e4tze, Gespr\u00e4che, Ausz\u00fcge aus Briefwechseln und Rezensionen zur Literatur der DDR wie vor allem ostdeutschen Autoren bis zur unmittelbaren Gegenwart enth\u00e4lt. Etwas anders als in den \u201agebrauchten\u2018 geht die Literatur\u00f6ffentlichkeit der neuen Bundesl\u00e4nder mit einer Verschiebung der Wahrnehmung einher; jenseits der Metropole Berlin auch mit einem m\u00fchsamen Erhalten des Status quo, was seine Gr\u00fcnde auch in der geringeren \u201aWirkkraft\u2018 der Literatur in den heraufkommenden Iden der Nachwende hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kaufmann, Mitglied einer renommierten Wissenschaftlerfamilie, gibt Einblicke in diesen ostdeutschen Literaturbetrieb \u2013 sichtbar wird dabei eine reiche Szene auch jenseits der gro\u00dfen Triftwege, wenngleich der Bestand an bedeutenden Autoren, der zu verhandeln ist, auff\u00e4llt. So wird Brechts \u201eUr-Faust\u201c-Rezeption verdeutlicht; Seghers, Becher, Strittmatter, Kant, Loest werden, als Antagonisten wie in der ihnen gemeinsamen Verlorenheit an die Literatur, gew\u00fcrdigt wie die gro\u00dfen Erz\u00e4hlerinnen Christa Wolf und Brigitte Reimann; Wulf Kirsten, Harald Gerlach, Gisela Kraft, Volker Braun, Heiner M\u00fcller.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einiges ist dabei einer aufregend pers\u00f6nlichen Wichtung (der man sich im Umgang mit Literatur, wenn man nicht aus Holz ist, nicht entzieht) untergekommen; nicht weniges ist Neuland, einiges diskutabel. Der Ulbricht-Becher-Aufsatz zum Beispiel birgt wohl auch heute noch manches an Diskussionsstoff. Eine Fundgrube ist \u00fcberdies Kaufmanns Besch\u00e4ftigung mit Wulf Kirsten, der als Dichter und nicht zuletzt Mentor sichtbar wird. Die Coverabbildung wie auch die einzige Innengrafik, zwei Arbeiten von Susanne Theumer, sind einem Werk wie der Person des bedeutenden Wahl-Weimarers gewidmet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bleibt zu sagen? Dass es aus einem verschollenen Land \u00fcber sein Ende hinaus Schreiber gibt, die es wert sind, gelesen zu werden. Dazu leistet dieses Buch, das mit Sichten zu Sigrid Damm, zur j\u00fcngsten Prosa Brauns ausklingt, einen Beitrag. Die Literatur in wieder \u201afiebriger Zeit\u2018, sie m\u00f6ge Existenz und Auskommen haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Abgeschlossenes Sammelgebiet<\/strong>, Roman von A. J. Weigoni, Edition Das Labor, M\u00fclheim 2014 \u2013 Limitierte und handsignierte Ausgabe des Buches als Hardcover<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Sammelgebiet_Cover-1-e1523975024523.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-50088\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Sammelgebiet_Cover-1-e1523975024523.jpeg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"309\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>Zur historischen Abfolge, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25344\">Einf\u00fchrung<\/a>.\u00a0Eine Rezension von Jo Wei\u00df findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=24394\">hier<\/a>. Einen Essay von Regine M\u00fcller lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=24412\">hier<\/a>. Beim <em>vordenker<\/em> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/10\/09\/lebensabschnittsgefaehrten\/\">entdeckt<\/a> Constanze Schmidt in diesem Roman einen Dreiklang. Auf <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/12\/26\/parallelfuehrung-der-liebesverhaeltnisse\/\">Fixpoetry<\/a> arbeitet Margretha Schnarhelt einen Vergleich zwischen A.J. Weigoni und Haruki Murakami heraus. Eine weitere Parallele zu <em>Jahrestage<\/em> von Uwe Johnson wird <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=24922\">hier<\/a> gezogen. Die Dualit\u00e4t des Erscheinens mit Lutz Seilers \u201cKruso\u201d wird <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26315\">hier<\/a> thematisiert. In der Neuen Rheinischen Zeitung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/13\/liebe-sinnlich-ideologisch\/\">w\u00fcrdigt<\/a> Karl Feldkamp wie A.J. Weigoni in seinem ersten Roman den Leser zu Hochgenuss verf\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ein Vierteljahrhundert ist der historische Bruch her, jene f\u00fcr diesen Kontinent un\u00fcbliche, friedliche \u00dcbergabe eines Staatswesens zun\u00e4chst in die Verantwortung der Hoffnung, dann ins treuh\u00e4nderische Verwesen durch eine kr\u00e4ftigere Ordnung: die 89er Revolution. 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