{"id":82966,"date":"2023-06-05T00:01:03","date_gmt":"2023-06-04T22:01:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=82966"},"modified":"2023-05-18T15:12:49","modified_gmt":"2023-05-18T13:12:49","slug":"klingende-namen-verheerende-narben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/06\/05\/klingende-namen-verheerende-narben\/","title":{"rendered":"Klingende Namen, verheerende Narben"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Diese Artistin nimmt Bezug auf neue Tendenzen in der k\u00fcnstlerischen Auseinandersetzung mit Aspekten des Lebendigen und konzentriert sich dabei besonders auf Holzskulpturen, die explizit biologisches Formenvokabular darstellen. Das Geometrische tritt zur\u00fcck, in manchen Plastiken verschwindet es sogar ganz.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">(Aus der Rede zu Verleihung des Hungertuchpreises an Pia Bohr)<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Erebos_PiaLund.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-56752 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Erebos_PiaLund-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Erebos_PiaLund-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Erebos_PiaLund-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Erebos_PiaLund-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Erebos_PiaLund-560x373.jpg 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Erebos_PiaLund-260x173.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Erebos_PiaLund-160x107.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Erebos_PiaLund.jpg 1360w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Die Dreidimensionalit\u00e4t erm\u00f6glicht eine gro\u00dfe Heterogenit\u00e4t der Arbeiten, ebenso eine Vielfalt von visuellen Eindr\u00fccken und Deutungen. Die Formensprache von Hans Arp oder die Verzerrungen eines Francis Bacon haben mich von Anfang an sehr fasziniert. Auch meine Skulpturen sind organisch und zeigen biomorphe Formen, sie bewegen sich zwischen Fig\u00fcrlichkeit und Abstraktion, sie sind bestimmt und unbestimmt zugleich \u2013 es geht um Verk\u00f6rperung von Energien und Natur, Materialit\u00e4t und Unsichtbarkeit wirken zusammen. F\u00fcr mich ist Bildhauerei das Medium zur Bew\u00e4ltigung der Realit\u00e4t, ich versuche das Reale in die Kunst zu integrieren und erschaffe bewusst neue Kompositionen. Meine Holz- und Bronzeskulpturen tragen klingende Namen und verheerende Narben, erz\u00e4hlen Geschichten von Liebe und Leid, sind ber\u00fchrend und beseelt. Der Betrachter erkennt K\u00f6rperlichkeiten, Analogien aus Flora und Fauna, das Lebendige, das Ver\u00e4nderliche \u2013 das psychologische Potenzial der organischen Formen ist unermesslich.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Neue Perspektiven<\/span><\/em><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Hinterhofatelier war fr\u00fcher ein Teil der Geburtsstation der Kliniken in Dortmund, hier wurden Babys geboren, nun sind es meine Skulpturen, die das Licht der Welt erblicken. Meine Arbeit ist sehr k\u00f6rperlich, ich benutze Kettens\u00e4gen, Spezialfr\u00e4sen, aber auch Beitel und Kl\u00fcpfel, und am Ende die Schleifwolle. Ich bevorzuge schwere Harth\u00f6lzer wie Obst-Nuss-Olivenholz \u2013 wegen ihrer hohen Dichte ist die Maserung besonders lebhaft und sch\u00f6n. Ich kann sogar im letzten Arbeitsschritt mit m\u00fchsamer Handarbeit eine vollendete Glattheit erzeugen, die sofort ein Gef\u00fchl des Ber\u00fchrenwollens beim Betrachter erzeugt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Prozess des Sehens einer Skulptur im Holz kann lang sein und fordert Flexibilit\u00e4t. Die k\u00fcnstlerische Arbeit lehrt so etwas wunderbar. Das Lernen des Sehens geht einher mit Motivation, Entt\u00e4uschung, Gl\u00fccksempfinden. Es bleibt notwendig, sich st\u00e4ndig zu hinterfragen und weiterzuentwickeln, so entsteht auch das Gl\u00fcck, das ist die Freiheit der Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige meiner Skulpturen habe ich in einer Serie als Bronzen gie\u00dfen lassen. Auch hier lege ich gro\u00dfen Wert auf eine \u00e4sthetisch sch\u00f6ne Oberfl\u00e4chenbehandlung und Farbgebung \u2013 inklusive der philosophisch-k\u00fcnstlerischen Fragestellungen, die die Vervielf\u00e4ltigung und Verbreitung eines Artefakts oder die Besch\u00e4ftigung mit 3D-Technik und Skalierbarkeit mit sich bringen. Neue Technologien bedeuten eben auch die \u00d6ffnung neuer Perspektiven.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Zum Ber\u00fchren freigegeben<\/em><\/span><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Kunst ist auch eine haptische Kunst. F\u00fcr die Bildende Kunst hat normalerweise die Realit\u00e4t nur insofern Bedeutung, als sie sich im optischen Bild manifestiert. Kunsthistoriker und \u00c4sthetiker gehen bei der Betrachtung eines Kunstwerks von vornherein vom Visuellen aus; die formbildende F\u00e4higkeit des haptischen Sinns wird mit keinem Wort erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00e4ufer und Sammler meiner Arbeiten bauen eine emotionale Bindung zu ihrer Skulptur auf und lassen immer wieder verlauten: \u201eIch muss sie mindestens einmal am Tag ber\u00fchren.\u201c Ich habe auch bei einer Ausstellung f\u00fcr Blinde und Behinderte eine unglaubliche Resonanz erfahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Wir bilden nicht ab, sondern wir bilden.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Hans Arp<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der heutigen Zeit mit Corona und Digitalisierung findet eine kulturelle Wende statt. Die physische Pr\u00e4senz und das Lebendige bekommen einen anderen, sehr wichtigen Stellenwert. F\u00fcr mich w\u00e4re es deshalb m\u00f6glich, bei Ausstellungen ein oder zwei Skulpturen zum Ber\u00fchren freizugeben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><\/h5>\n<h5><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-100596 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/pia04.png\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"295\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/pia04.png 180w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/pia04-160x262.png 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<p>Lesen Sie auch das KUNO-Portr\u00e4t von Pia Bohr\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11770\">Die Maserung erz\u00e4hlt eine Geschichte<\/a>.<\/p>\n<p>Ein R\u00fcckblick auf den Hungertuchpreis findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/09\/06\/recap-hungertuchpreis\/\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Artistin nimmt Bezug auf neue Tendenzen in der k\u00fcnstlerischen Auseinandersetzung mit Aspekten des Lebendigen und konzentriert sich dabei besonders auf Holzskulpturen, die explizit biologisches Formenvokabular darstellen. 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(Aus der&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/06\/05\/klingende-namen-verheerende-narben\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":100596,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1384,1052],"class_list":["post-82966","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-hans-arp","tag-pia-bohr"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82966","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=82966"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82966\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104704,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82966\/revisions\/104704"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/100596"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=82966"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=82966"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=82966"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}