{"id":82749,"date":"2022-01-29T00:01:40","date_gmt":"2022-01-28T23:01:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=82749"},"modified":"2022-02-18T11:20:07","modified_gmt":"2022-02-18T10:20:07","slug":"geklebte-papiere","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/01\/29\/geklebte-papiere\/","title":{"rendered":"Geklebte Papiere"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Bildlich im besten Sinne ist auch die Kunst der Collage. Zusammengef\u00fcgt wird hier was im Original keine offensichtliche Koh\u00e4renz hat. Unter der Hand des Collageurs f\u00fcgen sich Gestalten zusammen, entstehen Bez\u00fcge, formal wie inhaltlich. Boris Kerenski zeigt dies meisterlich, zumal in Verbindung mit den Titeln hier ganz neue Welten sich erschlie\u00dfen. Ernsthafte, vision\u00e4re, skurrile, mitunter erotische &#8230;<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Dr. Annette Schmidt<\/span><\/p>\n<h1 style=\"text-align: justify;\"><\/h1>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Buch zeigt Collagen, f\u00fcr die auch die Max Ernstsche Auffassung zu gelten scheint, die besagt, dass die Collage nicht vom Kleben her komme \u2013 eine nette Finte, denn der Begriff meint im eigentlichen Sinne: Papiers Coll\u00e9 und er erg\u00e4nzt: \u00bbCollage-Technik ist die systematische Ausbeutung des zuf\u00e4lligen oder k\u00fcnstlich provozierten Zusammentreffens von zwei oder mehr wesensfremden Realit\u00e4ten auf einer augenscheinlich dazu ungeeigneten Ebene \u2013 und der Funke Poesie, welcher bei der Ann\u00e4herung dieser Realit\u00e4ten \u00fcberspringt.\u00ab Es geht Ernst also darum, was eine Collage in uns zu bewirken vermag und nicht darum, wie sie zu machen ist! Es ist klar, dass es ums Verbinden und T\u00e4uschen \u2013 Vort\u00e4uschen geht und darum, monierte auch an sich unstimmig wirkende Dinge so aussehen zu lassen, als ob sie tats\u00e4chlich eine Einheit ergeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Boris Kerenskis Collagen verraten durch ihre vielschichtigen Ebenen und die kunstvoll umgesetzten Schritte und Prozesse: Schneiden, Kleben, Verbindungen durch \u00dcbermalungen und \u00dcberzeichnen, Z\u00e4suren durch vertiefte Schichten &#8230; deutlich, dass sie gemacht sind \u2013 sie verleugnen ihre Machart nicht, und damit auch nicht, was ihre Einzelteile vormals waren oder woher sie stammten. Trotzdem geht alles Verwendete auf ihnen geistreich und formal stimmig zusammen. Darin liegen ihr Reiz und Charme und darin zeigt sich auch ihre Doppelb\u00f6digkeit. Denn ganz offensichtlich geht es darum, aus vorhandenen Bildern von Menschen und Situationen, die durch die Printwelt geisterten, neue, andere Bilder zu erschaffen. Er bedient sich dabei vorgefertigter und vorgefundener, und somit bereits konnotierter Bilder, die uns bereits bekannt sein d\u00fcrften und schafft aus Ihnen neuen Bildwelten \u2013 bildgewordene Aussagen und Geschichten, die auch mit ihren Ausgangsbedeutungen spielen und arbeiten und so auch aufzeigen, dass ein bekanntes Bild, an dem inhaltlich bereits einiges h\u00e4ngt, in anderen Kontexten v\u00f6llig anders wirkt und eine v\u00f6llig andere Bedeutung haben kann \u2013 das ist wie Sampeln: Werbebilder oder Reportage-Fotos werden so zumeist zu narrativ-erz\u00e4hlerischen Situationen zusammengezogen \u2013 zu poetischen Welten \u2013 wie sich Ernst ausdr\u00fccken w\u00fcrde. Dabei spielen Ebenen und Tiefen formal wie inhaltlich eine Rolle. Verschachtelt sind sie, kompositorisch reich angelegt und inhaltlich voller Anspielungen, Untiefen und Br\u00fcche \u2013 im Zentrum steht der Mensch, der Dinge erlebt, durchlebt und dabei auf- oder untergeht; sie bleiben immer geistvoll, mit Esprit, Haltung und feiner Melancholie \u2013 darauf verweisen auch die vielschichtigen Titel, die die Lesart lenken oder brechen. So klein sie sind, so gewagt sind ihre Kompositionen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schnitte<\/strong> &#8211; Die Kunst der Schere, von Boris Kerenski. Vor- bzw. Nachwort von Gerhard van der Grinten und Dr. Annette Schmidt. Moloko, Sch\u00f6nebeck 2020<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Schnitte.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-82753 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Schnitte-223x300.jpg\" alt=\"\" width=\"223\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Schnitte-223x300.jpg 223w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Schnitte-260x350.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Schnitte-160x215.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Schnitte.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 223px) 100vw, 223px\" \/><\/a><\/strong><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00fcnstlerb\u00fccher verstehen diese Artisten als Physiognomik, der B\u00fcchersammler wird somit zum Physiognomiker der Dingwelt. Die bibliophilen Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bildlich im besten Sinne ist auch die Kunst der Collage. Zusammengef\u00fcgt wird hier was im Original keine offensichtliche Koh\u00e4renz hat. Unter der Hand des Collageurs f\u00fcgen sich Gestalten zusammen, entstehen Bez\u00fcge, formal wie inhaltlich. 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