{"id":82562,"date":"2023-02-13T00:01:28","date_gmt":"2023-02-12T23:01:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=82562"},"modified":"2022-02-25T11:14:53","modified_gmt":"2022-02-25T10:14:53","slug":"kunstwerke","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/02\/13\/kunstwerke\/","title":{"rendered":"Kunstwerke"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht war es immer so. Vielleicht war immer eine weite Fremde zwischen einer Zeit und der gro\u00dfen Kunst, welche in ihr entstand. Vielleicht waren die Kunstwerke immer so einsam, wie sie es heute sind, und vielleicht war der Ruhm niemals etwas anderes als der Inbegriff aller Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse, die sich um einen neuen Namen versammeln. Es liegt kein Grund vor zu glauben, da\u00df es jemals anders war. Denn das, was die Kunstwerke unterscheidet von allen anderen Dingen, ist der Umstand, da\u00df sie gleichsam zuk\u00fcnftige Dinge sind, Dinge, deren Zeit noch nicht gekommen ist. Die Zukunft, aus der sie stammen, ist fern; sie sind die Dinge jenes letzten Jahrhunderts, mit welchem einmal der gro\u00dfe Kreis der Wege und Entwicklungen sich schlie\u00dft, sie sind die vollkommenen Dinge und Zeitgenossen des Gottes, an dem die Menschen seit Anbeginn bauen und den sie noch lange nicht vollenden werden. Wenn es trotzdem scheint, als ob die gro\u00dfen Kunstdinge vergangener Epochen mitten im Rauschen ihrer Zeiten gestanden h\u00e4tten, so mag man dies damit erkl\u00e4ren, da\u00df den entfernten Tagen (Von denen wir so wenig wissen) jene letzte und wunderbare Zukunft, welche die Heimat der Kunstwerke ist, n\u00e4her war als uns. Das Morgen schon war ein Teil des Weiten und Unbekannten, es lag hinter jedem Grab, und die G\u00f6tterbilder waren die Grenzsteine eines Reichs tiefer Erf\u00fcllungen. Langsam entfernte sich diese Zukunft Von den Menschen. Glaube und Aberglaube dr\u00e4ngte sie hinaus in immer gr\u00f6\u00dfere Fernen, Liebe und Zweifel warf sie \u00fcber die Sterne hinaus und in die Himmel hinein. Unsere Lampen endlich sind weitsichtig geworden, unsere Instrumente reichen \u00fcber Morgen und \u00dcbermorgen, wir entziehen mit den Mitteln der Forschung kommende Jahrhunderte der Zukunft und machen sie zu einer Art noch nicht begonnener Gegenwart. Die Wissenschaft hat sich aufgerollt wie ein weiter, unabsehbarer Weg, die schweren und schmerzhaften Entwicklungen der Menschen, der einzelnen und der Massen, f\u00fcllen die n\u00e4chsten Jahrtausende als eine unendliche Aufgabe und Arbeit aus.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Und weit, weit hinter alledem, liegt die Heimat der Kunstwerke, jener seltsam verschwiegenen und geduldigen Dinge, die fremd umherstehen unter den Dingen t\u00e4glichen Gebrauches, unter den besch\u00e4ftigten Menschen, den dienenden Tieren und den spielenden Kindern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-99289 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rainer-Maria-Rilke-e1645458261240.jpg\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"300\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen Sie auch den Essay von Rainer Maria Rilke auf KUNO \u00fcber <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28345\">Moderne Lyrik<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Vielleicht war es immer so. 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