{"id":82540,"date":"2023-12-04T00:01:21","date_gmt":"2023-12-03T23:01:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=82540"},"modified":"2022-02-21T16:58:46","modified_gmt":"2022-02-21T15:58:46","slug":"ueber-kunst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/12\/04\/ueber-kunst\/","title":{"rendered":"\u00dcber Kunst"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Graf Lew Tolstoj hat in seinem letzten vielumfragten Buche \u00bbWas ist Kunst?\u00ab seiner eigenen Antwort eine lange Reihe von Definitionen aus allen Zeiten vorangestellt. Und von Baumgarten bis Helmholtz, Shaftesbury bis Knight, Cousin bis Sar Peladan ist Raum genug f\u00fcr Extreme und Widerspr\u00fcche.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Allen diesen Meinungen von Kunst, derjenigen Tolstojs mit eingeschlossen, ist aber Eines gemeinsam: es wird nicht so sehr das Wesen der Kunst betrachtet, vielmehr sind alle bem\u00fcht, sie aus ihren Wirkungen zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Es ist, als ob man sagte: Die Sonne ist das, welches Fr\u00fcchte reift, Wiesen w\u00e4rmt und W\u00e4sche trocknet. Man vergi\u00dft, da\u00df dieses letztere jeder Ofen vermag.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Wenngleich wir Modernen am weitesten entfernt sind von der M\u00f6glichkeit, anderen oder auch nur uns selbst durch Definitionen zu helfen, haben wir doch vielleicht vor den Gelehrten die Unbefangenheit und Aufrichtigkeit und eine leise Erinnerung aus Schaffensstunden voraus, welche unseren Worten in W\u00e4rme ersetzt, was ihnen an historischer W\u00fcrde und Gewissenhaftigkeit fehlt. Die Kunst stellt sich dar als eine Lebensauffassung, wie etwa die Religion und die Wissenschaft und der Sozialismus auch. Sie unterscheidet sich von den anderen Auflassungen nur dadurch, da\u00df sie nicht aus der Zeit resultiert und gleichsam als die Weltanschauung des letzten Zieles erscheint. In einer graphischen Darstellung, bei welcher die einzelnen Lebensmeinungen als Linien in die ebene Zukunft fortgef\u00fchrt w\u00fcrden, w\u00e4re sie die l\u00e4ngste Linie, vielleicht das St\u00fcck einer Kreisperipherie, das sich als Gerade darstellt, weil der Radius unendlich ist.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Wenn ihr einmal die Welt unter den F\u00fc\u00dfen zerbricht, bleibt sie als das Sch\u00f6pferische unabh\u00e4ngig bestehen und ist die sinnende M\u00f6glichkeit neuer Welten und Zeiten.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Deshalb ist auch der, welcher sie zu seiner Lebensanschauung macht, der K\u00fcnstler, der Mensch des letzten Zieles, der jung durch die Jahrhunderte geht, mit keiner Vergangenheit hinter sich. Die anderen kommen und gehen, er dauert. Die anderen haben Gott hinter sich wie eine Erinnerung. Dem Schaffenden ist Gott die letzte, tiefste Erf\u00fcllung. Und wenn die Frommen sagen: \u00bbEr ist\u00ab, und die Traurigen f\u00fchlen \u00bbEr war\u00ab, so l\u00e4chelt der K\u00fcnstler: \u00bbEr wird sein\u00ab. Und sein Glauben ist mehr als Glauben; denn er selbst baut an diesem Gott. Mit jedem Schauen, mit jedem Erkennen, in jeder seiner leisen Freuden f\u00fcgt er ihm eine Macht und einen Namen zu, damit der Gott endlich in einem sp\u00e4ten Urenkel sich vollende, mit allen M\u00e4chten und allen Namen geschm\u00fcckt.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Das ist die Pflicht des K\u00fcnstlers.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Weil er sie aber als Einsamer mitten im Heute wirkt, so sto\u00dfen seine H\u00e4nde da und dort an die Zeit. Nicht, da\u00df sie das Feindliche w\u00e4re. Aber sie ist das Z\u00f6gernde, Zweifelnde, Mi\u00dftrauische. Sie ist der Widerstand. Und erst aus diesem Zwiespalt zwischen der gegenw\u00e4rtigen Str\u00f6mung und der zeitfremden Lebensmeinung des K\u00fcnstlers entsteht eine Reihe kleiner Befreiungen, wird des K\u00fcnstlers sichtbare Tat: das Kunstwerk. Nicht aus seiner naiven Neigung heraus. Es ist immer eine Antwort auf ein Heute.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Das Kunstwerk m\u00f6chte man also erkl\u00e4ren: als ein tiefinneres Gest\u00e4ndnis, das unter dem Vorwand einer Erinnerung, einer Erfahrung oder eines Ereignisses sich ausgiebt und, losgel\u00f6st von seinem Urheber, allein bestehen kann.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Diese Selbst\u00e4ndigkeit des Kunstwerkes ist die Sch\u00f6nheit. Mit jedem Kunstwerke kommt ein Neues, ein Ding mehr in die Welt.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Man wird finden, da\u00df in dieser Definition alles Raum hat: von den gotischen Domen des Jehan de Beauce bis zu einem M\u00f6bel des jungen van der Velde. \u2013<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die Kunsterkl\u00e4rungen, welche die <i>Wirkung<\/i> zur Grundlage nehmen, umfassen viel mehr. Sie m\u00fcssen in ihren Konsequenzen auch notwendig den Fehler begehen, statt von der Sch\u00f6nheit vom Geschmack, das hei\u00dft statt von Gott vom Gebete zu reden. Und so werden sie ungl\u00e4ubig und verwirren sich immer mehr.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Wir m\u00fcssen es aussprechen, da\u00df das Wesen der Sch\u00f6nheit nicht im Wirken liegt, sondern im Sein. Es m\u00fc\u00dften sonst Blumenausstellungen und Parkanlagen sch\u00f6ner sein als ein wilder Garten, der vor sich hinbl\u00fcht irgendwo und von dem Keiner wei\u00df.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">[II]<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich die Kunst als eine Lebensanschauung bezeichne, meine ich damit nichts Ersonnenes. Lebensanschauung will hier aufgefa\u00dft sein in dem Sinne: Art zu sein. Also kein Sich-Beherrschen und \u2013 Beschr\u00e4nken um bestimmter Zwecke willen, sondern ein sorgloses Sich-Loslassen, im Vertrauen auf ein sicheres Ziel. Keine Vorsicht, sondern eine weise Blindheit, die ohne Furcht einem geliebten F\u00fchrer folgt. Kein Erwerben eines stillen, langsam wachsenden Besitzes, sondern ein fortw\u00e4hrendes Vergeuden aller wandelbaren Werte. Man erkennt: diese Art zu sein hat etwas Naives und Unwillk\u00fcrliches und \u00e4hnelt jener Zeit des Unbewu\u00dften an, deren bestes Merkmal ein freudiges Vertrauen ist: der Kindheit. Die Kindheit ist das Reich der gro\u00dfen Gerechtigkeit und der tiefen Liebe. Kein Ding ist wichtiger als ein anderes in den H\u00e4nden des Kindes. Es spielt mit einer goldenen Brosche oder mit einer wei\u00dfen Wiesenblume. Es wird in der Erm\u00fcdung beide gleich achtlos fallen lassen und vergessen, wie beide ihm gleich gl\u00e4nzend schienen in dem Lichte seiner Freude. Es hat nicht die Angst des Verlustes. Die Welt ist ihm noch die sch\u00f6ne Schale, darin nichts verloren geht. Und es empfindet als sein Eigentum Alles, was es einmal gesehen, gef\u00fchlt oder geh\u00f6rt hat. Alles, was ihm einmal begegnet ist. Er zwingt die Dinge nicht, sich anzusiedeln. Eine Schar dunkler Nomaden wandern sie durch seine heiligen H\u00e4nde wie durch ein Triumphtor. Werden eine Weile licht in seiner Liebe und verd\u00e4mmern wieder dahinter; aber sie m\u00fcssen Alle durch diese Liebe durch. Und was einmal in der Liebe aufleuchtete, das bleibt darin im Bilde und l\u00e4\u00dft sich nie mehr verlieren. Und das Bild ist Besitz. Darum sind Kinder so reich.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ihr Reichtum ist freilich rohes Gold, nicht \u00fcbliche M\u00fcnze. Und er scheint immer mehr an Wert einzub\u00fc\u00dfen, je mehr Macht die Erziehung gewinnt, die die ersten unwillk\u00fcrlichen und ganz individuellen Eindr\u00fccke durch \u00fcberkommene und historisch entwickelte Begriffe ersetzt und die Dinge, der Tradition gem\u00e4\u00df, zu wertvollen und unbedeutenden, erstrebenswerten und gleichgiltigen stempelt. Das ist die Zeit der Entscheidung. Entweder es bleibt jene F\u00fclle der Bilder unber\u00fchrt hinter dem Eindr\u00e4ngen der neuen Erkenntnisse, oder die alte Liebe versinkt wie eine sterbende Stadt in dem Aschenregen dieser unerwarteten Vulkane. Entweder das Neue wird der Wall, der ein St\u00fcck Kindsein umschirmt, oder es wird die Flut, die es r\u00fccksichtslos vernichtet. Das hei\u00dft das Kind wird entweder \u00e4lter und verst\u00e4ndiger im b\u00fcrgerlichen Sinn, als Keim eines brauchbaren Staatsb\u00fcrgers, es tritt in den Orden <i>seiner<\/i> Zeit ein und empf\u00e4ngt ihre Weihen, oder es reift einfach ruhig weiter von tiefinnen, aus seinem eigensten Kindsein heraus, und das bedeutet, es wird Mensch im Geiste <i>aller<\/i> Zeiten: K\u00fcnstler.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">In diesen Tiefen und nicht in den Tagen und Erfahrungen der Schule verbreiten sich die Wurzeln des wahren K\u00fcnstlertums. Sie wohnen in dieser w\u00e4rmeren Erde, in der niegest\u00f6rten Stille dunkler Entwicklungen, die nichts wissen von dem Ma\u00df der Zeit. M\u00f6glich, da\u00df andere St\u00e4mme, die aus der Erziehung, aus dem k\u00fchleren, von den Ver\u00e4nderungen der Oberfl\u00e4che beeinflu\u00dften Boden ihre Kr\u00e4fte heben, h\u00f6her in den Himmel wachsen als so ein tiefgr\u00fcndiger K\u00fcnstlerbaum. Dieser streckt nicht seine verg\u00e4nglichen \u00c4ste, durch welche die Herbste und Fr\u00fchlinge ziehen, zu Gott, dem Ewigfremden, hin; er breitet ruhig seine Wurzeln aus, und sie umrahmen den Gott, der hinter den Dingen ist, dort, wo es ganz warm und dunkel wird.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Darum, weil die K\u00fcnstler viel weiter in die W\u00e4rme alles Werdens hinabreichen, steigen <i>andere<\/i> S\u00e4fte in ihnen zu den Fr\u00fcchten auf. Sie sind der weitere Kreislauf, in dessen Bahn immer neue Wesen sich einf\u00fcgen. Sie sind die Einzigen, die Gest\u00e4ndnisse tun k\u00f6nnen, wo die Anderen verh\u00fcllte Fragen haben. Niemand kann die Grenzen ihres Seins erkennen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Den unme\u00dfbaren Brunnen m\u00f6chte man sie vergleichen. Da stehen die Zeiten an ihrem Rand und werfen ihr Urteil und Wissen wie Steine in die unerforschte Tiefe und lauschen. Die Steine fallen immer noch seit Jahrtausenden. Keine Zeit hat noch den Grund geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">[III]<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Geschichte ist das Verzeichnis der Zufr\u00fchgekommenen. Da wacht immer wieder Einer in der Menge auf, der in ihr keine Ursache hat und dessen Erscheinen sich in breiteren Gesetzen begr\u00fcndet. Er bringt fremde Gebr\u00e4uche mit und fordert Raum f\u00fcr unbescheidene Geb\u00e4rden. So wachst eine Gewaltsamkeit aus ihm und ein Wille, der \u00fcber Furcht und Ehrfurcht wie \u00fcber Steine schreitet. R\u00fccksichtslos redet Zuk\u00fcnftiges durch ihn; und seine Zeit wei\u00df nicht, wie sie ihn werten soll, und in diesem Z\u00f6gern vers\u00e4umt sie ihn. Er geht an ihrer Unentschlossenheit zu Grunde. Er stirbt wie ein verlassener Feldherr oder wie ein voreiliger Fr\u00fchlingstag, dessen Dr\u00e4ngen die tr\u00e4ge Erde nicht begreift. Aber Jahrhunderte sp\u00e4ter, wenn man seine Standbilder schon nicht mehr bekr\u00e4nzt und sein Grab vergessen ist und irgendwo gr\u00fcnt, \u2013 dann wacht er wieder auf und geht n\u00e4her und als Zeitgenosse durch den Geist seiner Enkel.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">So haben wir schon Viele wiedererlebt; F\u00fcrsten und Philosophen, Kanzler und K\u00f6nige, M\u00fctter und M\u00e4rtyrer, denen ihre Zeit Wahn und Widerstand war, leben leiser neben uns und reichen uns l\u00e4chelnd ihre alten Gedanken, die nun keinem mehr laut und l\u00e4sterlich sind. Sie gehen neben uns zu Ende, beschlie\u00dfen m\u00fcde ihre Unsterblichkeit, setzen uns zu Erben ihres Ewigen ein und haben den t\u00e4glichen Tod. Dann haben ihre Denkm\u00e4ler keine Seele mehr, ihre Historie ist \u00fcberfl\u00fcssig geworden, weil wir ihr Wesen wie ein eigenes Erlebnis besitzen. So sind die Vergangenheiten wie Ger\u00fcste, die zusammenbrechen vor dem fertigen Bau; aber wir wissen, da\u00df jede Vollendung wieder Ger\u00fcst wird und da\u00df, von hundert St\u00fcrzen verh\u00fcllt, das letzte Geb\u00e4ude ersteht, das Turm und Tempel sein wird und Haus und Heimat.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Einst, wenn dieses Monument sich bekr\u00f6nt, wird die Reihe an die K\u00fcnstler kommen \u2013 Zeitgenossen jener Vollender zu sein. Denn sie sind als die Allerzuk\u00fcnftigsten durch die Tage gegangen, und wir haben noch nicht den Geringsten von ihnen wie einen Bruder erkannt. Sie kommen uns vielleicht mit ihrer Gesinnung nah, sie r\u00fchren uns mit irgend einem Werke an, sie neigen sich uns, und wir begreifen einen Blitz lang ihr Bild; \u2013 allein wir k\u00f6nnen sie im Heut nicht leben und nicht sterben denken. Und eher werden uns die H\u00e4nde m\u00e4chtig, Berge und B\u00e4ume zu heben, als einem von diesen Toten die Augen zu schlie\u00dfen, die schauenden.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Und selbst die Schaffenden unserer Zeit k\u00f6nnen jene Gro\u00dfen, deren Heimat erst sein wird, nicht zu G\u00e4ste laden; denn sie sind selber nicht zu Hause und sind Wartende und einsame k\u00fcnftige und ungeduldige Einsame. Und ihr gefl\u00fcgeltes Herz st\u00f6\u00dft \u00fcberall an die Mauern der Zeit. Und wenn sie gleich Weise sind, die ihre Zelle lieb gewinnen und das St\u00fcckchen Himmel, das in ihrem Fenstergitter wie im Netz gefangen liegt, und die eine Schwalbe, die ihr Nest, Vertrauens voll, \u00fcber ihre Traurigkeit geh\u00e4ngt hat, \u2013 so sind sie doch auch Sehns\u00fcchtige, die nicht immer bei gefalteten T\u00fcchern und geh\u00e4uften Truhen warten wollen. Oft dr\u00e4ngt es sie, die Gewebe auszubreiten, da\u00df die unterbrochenen Bilder und Farben, die der Weber ersann, Sinn erhielten vor ihren Blicken und Zusammenhang, und sie wollen Gef\u00e4\u00dfe und Gold, das ihnen die Laden f\u00fcllt, aus dem dunklen Besitzen heben in den klaren Gebrauch.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Aber sie sind Zufr\u00fchgekommene. Und was sich ihnen nicht l\u00f6st im Leben, das wird ihr Werk. Und sie stellen es br\u00fcderlich neben die dauernden Dinge, und die Trauer des Nichterlebten ist die geheimnisvolle Sch\u00f6nheit \u00fcber ihm. Und diese Sch\u00f6nheit weiht ihnen S\u00f6hne und Erben. Und so halt sich, am Schaffen entlang, ein Geschlecht Nochnichtlebender und harrt seiner Zeit.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Und der K\u00fcnstler ist immer noch dieser: ein T\u00e4nzer, dessen Bewegung sich bricht an dem Zwang seiner Zelle. Was in seinen Schritten und dem beschrankten Schwung seiner Arme nicht Raum hat, kommt in der Ermattung von seinen Lippen, oder er mu\u00df die noch ungelebten Linien seines Leibes mit wunden Fingern in die W\u00e4nde ritzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_15981\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/kuenstlerbuch_unbehaust1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15981\" class=\"size-full wp-image-15981\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/kuenstlerbuch_unbehaust1.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"275\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15981\" class=\"wp-caption-text\">Holzschnitt von Haimo Hieronymus f\u00fcr das K\u00fcnstlerbuch &#8222;Unbehaust&#8220;<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00fcnstlerb\u00fccher verstehen diese Artisten als Physiognomik, der B\u00fcchersammler wird somit zum Physiognomiker der Dingwelt. Die bibliophilen Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Graf Lew Tolstoj hat in seinem letzten vielumfragten Buche \u00bbWas ist Kunst?\u00ab seiner eigenen Antwort eine lange Reihe von Definitionen aus allen Zeiten vorangestellt. 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