{"id":82522,"date":"2010-12-05T00:01:18","date_gmt":"2010-12-04T23:01:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=82522"},"modified":"2023-12-29T10:49:04","modified_gmt":"2023-12-29T09:49:04","slug":"koenig-bohusch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/12\/05\/koenig-bohusch\/","title":{"rendered":"K\u00f6nig Bohusch"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als der gro\u00dfe Mime Norinski um drei Uhr nachmittags in das National-Caf\u00e9, welches vor dem Prager tschechischen Theater liegt, eintrat, erschrak er ein wenig, l\u00e4chelte aber gleich darauf sein ver\u00e4chtlichstes L\u00e4cheln: in dem Spiegel, schr\u00e4g gegen\u00fcber der T\u00fcr, hatte sich irgend eine entfernte Ecke des Saales gefangen, und er hatte drinnen eine schiefe Marmors\u00e4ule und unter dieser S\u00e4ule einen kleinen, buckligen Mann erkannt, dessen seltsame Augen dem Eintretenden wie lauernd aus einem unf\u00f6rmigen Kopfe entgegenstarrten. Das Fremde dieses Blickes, in dessen Tiefen irgend ein unerh\u00f6rtes Geschehen sich dunkel zu spiegeln schien, hatte ihn einen Augenblick in Schrecken versetzt. Nicht etwan, weil er besonders furchtsamer Natur gewesen w\u00e4re, sondern infolge des profunden und, versonnenen Wesens, welches so gro\u00dfen K\u00fcnstlern meistens eignet und durch dessen Wall sich jedes Ereignis gleichsam durchbohren mu\u00df. Dem Original gegen\u00fcber empfand Norinski nichts \u00c4hnliches. Er \u00fcbersah den Verwachsenen sogar eine ganze Weile, w\u00e4hrend er mit unn\u00f6tiger Wichtigkeit den andern am Stammtisch die Hand reichte. Die H\u00e4ndedr\u00fccke nahmen eine ziemliche Zeit in Anspruch, denn jeder hatte gleichsam drei Akte. Erster Akt: Z\u00f6gernd folgt die Hand des Schauspielers dem Flehen der entgegengestreckten H\u00e4nde. Zweiter Akt: Seine Hand spricht nachdr\u00fccklich zu der, welche sie umfa\u00dft: Merkst du auch die Bedeutung dieses Moments? Dritter Akt und Katastrophe, wobei Norinski jede Hand ver\u00e4chtlich loslie\u00df, fortwarf: Oh du Erb\u00e4rmlicher, das kannst du ja gar nicht merken&#8230; Diese Erb\u00e4rmlichen waren diesmal: Kar\u00e1s, der lange blasse Kritiker des \u203aTschas\u2039, ausgezeichnet durch einen \u00fcberaus langen Hals und \u2013 wie ein boshafter j\u00fcdischer Kollege mal behauptet hatte \u2013 einen \u00fcberaus h\u00f6flichen \u203aAdamsapfel\u2039, welcher jeden Tropfen durch die Einsamkeit der Kehle bis an den Kragenrand, wo er sich nicht mehr verirren konnte, begleitete und von dort diensteifrig auf seinen Posten zur\u00fcckschnellte, Schileder, der sch\u00f6ne Maler, der so traurige Dinge malte, der Novellist P\u00e1tek, der Lyriker Machal, der Student Rezek, der etwas abseits sa\u00df, aus einem gro\u00dfen Stammglas hei\u00dfen Tschaj mit viel Kognak trank und schwieg. Endlich schien Norinski auch den Buckligen zu bemerken. Er lachte: \u00bbK\u00f6nig Bohusch!\u00ab und streckte mit ironischem \u00bbMajest\u00e4t\u00ab die Hand \u00fcber den Marmortisch. Der Kleine fuhr auf und schickte ihm, um die Mimenhand nicht warten zu lassen, \u00fcberhastig seine gelben unreifen Finger entgegen, so da\u00df sich die beiden H\u00e4nde wie V\u00f6gel in der Luft haschten. Dem Bohusch kam das ziemlich drollig vor, und er lie\u00df ein zitterndes, zerbrochenes Lachen h\u00f6ren, das er \u00e4ngstlich unterbrach, als er bemerkte, wie die Blatternarben auf Norinskis Stirne sich unter \u00e4rgerlichen Falten versteckten. Der Mime murmelte etwas, gab die Jagd auf und sagte in schlechter Laune zu Kar\u00e1s:<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbIhr schreibt auch einen Kohl, mein Lieber. Aber das sag ich dir, ich spiele meinen Hamlet das n\u00e4chstemal just so, wie gestern. Ich spiele eben <i>meinen.<\/i> Verstehst du, Liebster?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Kar\u00e1s schluckte irgendwas hinunter und sagte etwas von der Auffassung, die andere bekundet h\u00e4tten, Bedeutende; er m\u00f6chte nur Kainz nennen oder \u2013 der Student Rezek trank heftig sein Glas aus, und Norinski sagte erregt:<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbLiebster, was geht mich ein deutscher Hamlet an. Du wirst doch nicht etwan behaupten wollen, wir d\u00fcrften nicht auch unsere Meinung haben? Ist der Shakespeare ein Deutscher? Nun, was gehn uns also die Deutschen dabei an? Ich nehme meine Auffassung sozusagen direkt aus dem Englischen.\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDas einzig richtige\u00ab, sanktionierte P\u00e1tek und strich den spitzen Modebart mit gepflegten Fingern.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDein Kost\u00fcm \u00fcbrigens, ich meine vom malerischen Standpunkt \u2013\u00ab bes\u00e4nftigte der sch\u00f6ne Maler, und rasch wandte sich ihm Norinski zu. \u00bbJa\u00ab, g\u00e4hnte er so ganz obenhin, und dann mit herablassender G\u00f6nnerstimme: \u00bbWas macht denn Ihr Schauspiel, Machal?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Der Lyriker schaute eine Weile schweigend in sein Absinthglas und erwiderte leise und kummervoll: \u00bbEs ist Fr\u00fchling.\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Alle erwarteten noch etwas, aber der Dichter schien schon wieder unterwegs nach dem blassen Garten seiner Tr\u00e4ume. Er sah sein Absinthglas wachsen und wachsen, bis er selbst sich mittendrin f\u00fchlte in dem opalnen Licht, ganz leicht, ganz gel\u00f6st in dieser seltsamen Atmosph\u00e4re. Nur Schileder hatte das gewaltige Wort ernst hingenommen. Es lag \u00fcber ihm, so dicht, da\u00df er auch nicht mit den Wimpern h\u00e4tte zucken m\u00f6gen. In seinem Tiefsten dachte er: Gott, das trifft jeder. Hat er denn etwas Besonderes gesagt? Das kann ich auch: es ist&#8230; Er kam nicht zu Ende damit. Alle lachten, und Schileder atmete auf, als er an den Mienen der anderen sah, da\u00df der Ausspruch doch nicht so gewichtig gewesen sein mochte. Kar\u00e1s wandte sich an den Lyriker: \u00bbDas hei\u00dft, es bl\u00fcht dein St\u00fcck. Hm?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Da sagte Machal seiner Muse mit einer Verbeugung: \u00bbEntschuldigen Sie \u2013\u00ab, und kam ungern zur\u00fcck aus der opalnen Welt; aber das Mi\u00dfverst\u00e4ndnis war auch zu arg: \u00bbNein,\u00ab betonte er, \u00bbdas hei\u00dft, ich bin zu traurig jetzt. Das hei\u00dft, es ist jetzt die Zeit, wo die Natur alles Werden mi\u00dfversteht, das hei\u00dft, da\u00df ich m\u00fcde bin \u2013 m\u00fcde dieses wunden Keimens.\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbAber verzeih,\u00ab der Novellist tippte ihn mit dem modegelben Handschuh auf die Schulter, \u00bbdas mag ja sein, aber das ist doch nicht Fr\u00fchling.\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Und der Maler dachte: nein, das ist nicht Fr\u00fchling.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbIm wundersch\u00f6nen Monat Mai\u00ab, deklamierte der Mime.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbEinst,\u00ab hauchte der Dichter und machte eine Bewegung mit der Hand, mit welcher er dieses Einst noch weiter zur\u00fcckdr\u00e4ngte, \u00bbeinst war das vielleicht so, wie es in alten Gedichten steht \u2013 der Fr\u00fchling: \u203aLicht und Liebe und Leben.\u2039 Wer das noch glaubt, bel\u00fcgt sich.\u00ab Er seufzte tief.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Wie schade, dachte der Maler, also kein Fr\u00fchling mehr.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Machal aber erhob sein Gesicht, das durch gro\u00dfe Sommerflecken entstellt war, hoch in das klare Nachmittagslicht und konnte durch das Fenster gerade die Rampe des Nationaltheaters sehen, l\u00e4ngs welcher ein Schutzmann auf und nieder ging. Das wollte er nun gerade niemandem zeigen, allein er sagte gleichwohl:<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbSchaut nur hinaus. Dieser Kampf mit den bl\u00f6den brachen Schollen, den jeder der feinen schwachen Keime k\u00e4mpfen mu\u00df, um zu seinem Sommer zu kommen. Hier\u00ab, und er schraubte sich noch ein wenig h\u00f6her \u2013 \u00bbsteht die hilflose Bl\u00fcte und will bl\u00fchen; das ist das einzige, was sie kann, sie kann nur bl\u00fchen, und sie will wirklich niemanden st\u00f6ren damit, und doch sind alle gegen sie: die schwarzen Krumen, die sie nur nach langem Bitten durchlassen, die Tage, die wahllos W\u00e4rme und Regen und Wind auf sie herabstreuen, und die N\u00e4chte, die sich langsam an sie heranschleichen, um sie zu w\u00fcrgen mit ihren eisigen Fingern. Dieser feige traurige Kampf, das ist der Fr\u00fchling.\u00ab Machal fr\u00f6stelte; seine Augen starben. \u203aK\u00f6nig Bohusch\u2039 sah ihn ganz starr an. Das war etwas sehr Ungerechtes, was der Dichter sagte, schien ihm, und er hatte vieles dagegen im Sinn. Es dr\u00e4ngte ihn aufzustehen und hochragend und heiter den Fr\u00fchling zu verteidigen, der dennoch voll Sieg und Sonne war. Ihm stiegen so viele sch\u00f6ne Gedanken in den Kopf, da\u00df ihm die Wangen ganz warm wurden und er eine Sekunde das Atmen verga\u00df. Aber ach, was h\u00e4tte es gen\u00fctzt, aufzustehen; sie h\u00e4tten es kaum bemerkt, denn Bohusch sah, auf der hohen Samtbank sitzend, fast gr\u00f6\u00dfer aus, als wenn er stand. Auch seine Stimme h\u00e4tte kaum bis zu Norinski hin\u00fcber fliegen k\u00f6nnen; bei solchen Entfernungen wurde sie schon ungewi\u00df und flatterte wie ein angeschossener Vogel. Das wu\u00dfte Bohusch. Und so schwieg er, pre\u00dfte die Lippen, die wie aus Holz geschnitzt waren, eng aneinander und begann, wie oft als Kind, still f\u00fcr sich mit den vielen goldenen Gedanken zu spielen, ganze Berge und Burgen zu bauen, aus deren schlanken S\u00e4ulenfenstern seine Tr\u00e4ume ihn gr\u00fc\u00dften. Und er war so reich, da\u00df er jedesmal neue Pal\u00e4ste errichten konnte, von denen keiner einem alten \u00e4hnlich sah, und das will etwas bedeuten, da der Kleine \u00fcber drei\u00dfig Jahre diese Besch\u00e4ftigung trieb, seit seinem f\u00fcnften Lebensjahre etwan \u2013 und sich doch nicht wiederholen mu\u00dfte. Die anderen sprachen jetzt, w\u00e4hrend Machal sich gewi\u00df wieder im Absinthglas sitzen f\u00fchlte, von lauten Dingen und Allt\u00e4glichkeiten in wirrem Durcheinander, und \u00fcber allem schwebte die Ba\u00dfstimme des Schauspielers mit ausgebreiteten Fl\u00fcgeln. Bohusch aber dichtete in seiner Ecke an seiner Apologie des Fr\u00fchlings. Er kannte ihn ja eigentlich nur so, wie er im finstern und feuchten Hirschgraben oder auf dem Kirchhof Malvasinka aussah; einmal als Kind hatte er ihn in der wilden Sch\u00e1rka gesehen, und heute h\u00f6rte er noch in seiner Brust ein feines, altes Echo jenes Sonnentages. Wie selig mu\u00dfte der erst drau\u00dfen zu schauen sein, wo er seine Heimat hat, weit von der Stadt und ihrer Unrast, und es \u00e4rgerte und kr\u00e4nkte ihn, da\u00df die Menschen um ihn, die doch weit herumgekommen sind, zugaben, da\u00df man den Fr\u00fchling verleugne. Das mu\u00dfte er ihnen doch sagen. Aber ein zager Versuch seiner Lippen ging in dem allgemeinen Hin und Wider schnell und spurlos unter, und der arme Bohusch h\u00e4tte auch nichts mehr zu sagen gewu\u00dft. Als f\u00fcrchteten sie, verraten zu werden, fl\u00fcchteten seine Gedanken in \u00e4ngstlichem Ungest\u00fcm aus der sch\u00f6nen Versammlung, und statt ihrer f\u00fcllte eine einzige Vorstellung sein Gehirn, und die sprach er willenlos und unbemerkt aus: Ja, mein Vater. Es bedurfte eines Augenblicks, ehe der Bucklige sich klarmachte, warum er gerade an ihn dachte. Er sah ihn: in seinem riesigen dunkelblauen Tressenpelz, dessen Kragen mit dem m\u00e4chtigen Vollbart zu verschmelzen schien, ging er mit breiten, selbstbewu\u00dften Schritten in dem lichtget\u00fcnchten hohen Flur des alten F\u00fcrstenpalastes in der Spornergasse her und hin. Der goldene Knopf seines Stabes r\u00fchrte fast an die goldenen Fransen, die von der Krempe des dreispitzigen Hutes hingen, unter welchem seine Augen ernst und wachsam waren. Dann stand der kleine kr\u00e4nkliche Bohusch oft hinter der T\u00fcre der Portierswohnung und schaute scheu durch eine Spalte dem gewaltigen Schreiten des Vaters nach, dessen Gestalt h\u00f6her war als die aller anderen Menschen, um so vieles ragender auch als die des alten F\u00fcrsten, vor dem der Vater den Tressenhut ganz tief abnahm, ohne sich indessen sonderlich zu verneigen. An einen Ku\u00df oder ein L\u00e4cheln dieses Mannes konnte sich Bohusch, soweit er zur\u00fccksann, nicht erinnern, wohl aber geh\u00f6rte seine Gestalt und seine Stimme zu den deutlichsten Eindr\u00fccken seiner armen Kindheit. Und darum fiel ihm der Vater auch immer dann ein, wenn er den l\u00e4ngst Toten um diese beiden Eigenschaften beneidete und sich sagte: Beides ist doch eigentlich jetzt so gut wie unbenutzt; er braucht weder Stimme noch Gestalt mehr, warum hat er das alles dann mitgenommen? Und wenn der Bucklige das dachte, kam es immer so: auf einmal f\u00fchlte er etwas, das ihn mitnahm, fortri\u00df. Seine Gedanken waren nicht mehr in ihm, sie liefen vor ihm her, und er mu\u00dfte sie verfolgen, um sie wieder zu fangen. Man konnte sie doch nicht so ohne weiters laufen lassen. Atemlos holte er sie immer an derselben Stelle ein. Das war eine helle Herbstnacht mit hastigen Wolken. Das fl\u00fcchtige Licht war gerade geduldig genug, um Bohusch eine Marmortafel erkennen zu lassen, auf welcher, halb von wildem Gezweig verdeckt, stand: Vit\u011bzlav Bohusch, f\u00fcrstlicher Portier. Und so oft der Kleine das las, begann er immer mit gierigen N\u00e4geln in Gras und Schollen zu graben, bis er immer matter und der Atem der feuchten Erde immer schwerer und dunstiger wurde und seine blutigen N\u00e4gel endlich kreischten auf dem glatten Holz eines gro\u00dfen gelben Sarges. Und dann sah er sich auf dem Kasten in der schwarzen Grube knieen und eine Sekunde oder zwei ratlos sein. Bis immer dieselbe L\u00f6sung ihm kam: Man mu\u00df dieses Brett mit dem Kopf durchdr\u00fccken k\u00f6nnen, wie eine Fensterscheibe. Hatten sie ihn nicht immer geh\u00f6hnt um seines schweren Sch\u00e4dels willen? Also zu etwas mu\u00df er doch gut sein, nicht? Krach! Das Brett weicht \u2013 nat\u00fcrlich \u2013 wie eine Fensterscheibe, und der Bohusch holt sich mit hei\u00dfer Hand aus dem dumpfen Dunkel die Brust des Vaters und schnallt sich dieselbe wie einen Harnisch um die sch\u00fcchternen Schultern, und er langt wieder hinein und sucht und sucht mit krampfigen Fingern und schickt auch die andere Hand zu Hilfe und kann es gar\u00a0nicht begreifen, da\u00df er mit beiden wunden H\u00e4nden die Stimme des Vaters nicht finden kann.<\/p>\n<p class=\"zenoPC\" style=\"text-align: justify;\">* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An den Abenden des fr\u00fchen Fr\u00fchlings ist die Luft von feuchter K\u00fchle, die sich leise \u00fcber alle Farben legt und sie lichter und einander \u00e4hnlicher macht. Die hellen H\u00e4user am Quai haben fast alle den blassen Ton des Himmels angenommen, und nur ihre Fenster zucken dann und wann in hei\u00dfem Leuchten und verl\u00f6schen vers\u00f6hnt in dem D\u00e4mmer, sobald erst die Sonne sie nicht mehr aufst\u00f6rt. Dann steht nur noch der Turm von St. Veit in seinem ewigen greisen Grau aufrecht da. \u00bbEr ist wirklich ein Wahrzeichen\u00ab, sagte Bohusch zu dem schweigsamen Studenten. \u00bbEr \u00fcberdauert jedes D\u00e4mmern und ist immer ganz gleich. Ich meine in der Farbe. Nicht?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Rezek hatte nichts geh\u00f6rt. Er sah hin\u00fcber nach dem Kleinseitner Br\u00fcckenturm, wo man eben die Lichter anz\u00fcndete.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Bohusch fuhr fort: \u00bbIch kenne mein M\u00fctterchen Prag bis ins Herz \u2013 bis ins Herz,\u00ab wiederholte er, als wenn jemand seine Behauptung bezweifelt h\u00e4tte, \u00bbdenn das ist doch wohl sein Herz, die Kleinseite mit dem Hradschin. Im Herzen ist immer das Heimlichste, und, sehen Sie, es ist soviel Heimliches in diesen alten H\u00e4usern. Ich mu\u00df es Ihnen sagen, Rezek, denn Sie sind vom Lande und wissen es vielleicht noch nicht. Aber es giebt da alte Kapellen, Jesus, und was da f\u00fcr seltsame Dinge sind. Bilder und Ampeln, und ganze K\u00e4sten, Rezek, ich l\u00fcg nicht, ganze K\u00e4sten voller Gold. Und aus diesen alten Kapellen f\u00fchren G\u00e4nge weit, weit unter der ganzen Stadt durch, vielleicht bis nach Wien.\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Rezek sah den Verwachsenen von der Seite an.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbBei meiner Seele\u00ab, beschwor der und legte die Hand auf die schiefe, gedrungene Brust. \u00bbIch h\u00e4tts ja auch nicht geglaubt. Nie, mein Leben nicht. Aber ich habs einmal gesehen, nicht in einer Kapelle, aber \u2013\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWo?\u00ab forschte der Student pl\u00f6tzlich mit so entschiedenem Interesse, da\u00df der Kleine zusammenschrak.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbSehen Sie,\u00ab sagte er, \u00bbSie m\u00f6chtens nicht glauben. Aber in unserem Keller da ist ganz am Ende eine Vertiefung, so etwa zwei Stufen abw\u00e4rts, und dann ein Loch in der Mauer, gerade so gro\u00df, da\u00df einer durchkrauchen kann \u2013 so \u2013 nat\u00fcrlich auf allen vieren.\u00ab Bohusch lachte sein zerbrochenes Lachen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbNa und \u2013\u00ab dr\u00e4ngte Rezek, f\u00fcgte aber ruhiger hinzu, w\u00e4hrend er zwischen seinen lebendigen Fingern eine Zigarette formte, \u00bbwas dann?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch w\u00e4r niemals hineingekrochen. Bewahre. Aber mir fiel mal die Kerze, mit der ich hinuntergestiegen war, brennend zwischen alte Holzscheite. Mein Schrecken! Na, Sie k\u00f6nnen sich vorstellen, Rezek, eine brennende Kerze in altem, trockenem Holz. Ich finde sie endlich wieder; sie war verl\u00f6scht nat\u00fcrlich, aber in lauter Angst grabe ich weiter. Es h\u00e4tte doch ein Funke irgendwo darunter sein k\u00f6nnen. Da gleite ich auf einmal mit dem Holz tiefer und sitze vor dem Loch. Schau hinein. Nicht m\u00f6glich. Noch ein Keller, denk ich. Ich leuchte. Aber es ist nur ein Gang, und der f\u00fchrt wei\u00df Gott wie weit, wei\u00df Gott.\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Sie schritten jetzt ganz langsam den Quai abw\u00e4rts, der steinernen Br\u00fccke zu. Rezek tat einen langen Zug aus seiner kleinen, ganz durchfeuchteten Zigarette und sagte, ohne zu Bohusch herabzusehen: \u00bbDas ist selbstverst\u00e4ndlich l\u00e4ngst vermauert, das Loch?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbVermauert?\u00ab kicherte Bohusch, \u00bbvermauert\u00ab, und konnte sich kaum fassen vor Heiterkeit. \u00bbWer so was vermauern soll?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbNun, Sie habens doch jedenfalls angezeigt?\u00ab Der Student sah \u00e4rgerlich aus. Seine dunklen Augen lauerten in dem blassen Gesicht, als wollten sie sich auf die Antwort des Kleinen st\u00fcrzen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Der war eben erst wieder vern\u00fcnftig: \u00bbSie wissen ja, meine Mutter, \u2013 der hab ichs erz\u00e4hlt. Und sie hat gesagt: \u203aEin Loch? Was geht uns das an, Bohusch. Leg das Holz wieder davor, wie es war.\u2039 Und da hab ich also das Holz davor gelegt, so wie es war. Sie hat ja recht, was geht uns das Loch an.\u00ab Der Student nickte zerstreut und sagte dann rasch: \u00bbEs ist doch noch kalt im April.\u00ab Er schob die eckigen Schultern h\u00f6her und nahm den sch\u00e4bigen gelben Sommer\u00fcberzieher, den er den ganzen Winter getragen hatte, vorn fest zusammen; \u00bbwollen wir da hin\u00fcber ins Caf\u00e9? Ein Tschaj wird wohltun. Kommen Sie.\u00ab Er schob seine Hand unter den Arm des Buckligen und wollte ihn mitziehen. Bohusch str\u00e4ubte sich: \u00bbAber, was glauben Sie, Rezek; wir waren lang genug im Caf\u00e9.\u00ab \u00bbJa so, mit <i>denen.<\/i>\u00ab Der Student legte den Ton der Verachtung auf das letzte Wort. \u00bbIch will mit <i>Ihnen<\/i> plaudern, Bohusch; nicht mit diesen gro\u00dfen Herren, mit diesen K\u00fcnstlern.\u00ab \u00bbWas reden Sie denn,\u00ab staunte Bohusch, \u00bbdas Volk mu\u00df stolz sein auf sie.\u00ab Rezek blieb stehen und war ganz bla\u00df: \u00bbWenn diese Menschen lieber stolz sein wollten auf das Volk. Aber glauben Sie mir, sie wissen nichts von einander \u2013 das Volk nicht von ihnen und sie nicht vom Volk. Ich bitte Sie, was sind sie denn, sind das Tschechen, ja? Schauen Sie nur irgend einen an. Der Kar\u00e1s schreibt in deutsche Zeitungen \u00fcber unsere Kunst. Und unsere Kunst, was ist das? Lieder vielleicht, wie sie das ganz junge, gesunde, kaum erwachte Volk singen k\u00f6nnte? Erz\u00e4hlungen von seiner Kraft und von seinem Mut und von seiner Freiheit? Bilder von seiner Heimat? Ja? Keine Spur. Davon wissen ja diese Herren gar nichts. Sie sind ja nicht von heute, wie das Volk, das noch ganz kindisch ist, voller W\u00fcnsche und ohne eine einzige Erf\u00fcllung. Sie sind ja \u00fcber Nacht fertig geworden. \u00dcberreif. Das ist ja soviel bequemer, als der lange, eigene Weg durch Bedr\u00fcckung hindurch, wie das Volk ihn gehen mu\u00df, das arme! Fast m\u00fchelos ist das. Man importiert alles aus Paris: die Kleider und die Gesinnung, die Gedanken und die Inspiration. Man war gestern Kind und ist heute ein junger Greis, ein \u00dcbers\u00e4ttigter. Man wei\u00df auf einmal alles. Und man macht danach seine Kunst. Man malt Greuelszenen und Orgien. Man sucht im Weib die Dirne und verherrlicht sie in Romanen; dann verurteilt man in frivolen Liedern diese Dirne und feiert die Mannesliebe in schweren Strophen, und endlich ist man am Ziel: man verherrlicht nicht mehr und verurteilt auch nicht mehr. Man ist dessen m\u00fcde. Man ist ja so \u00fcber alles hinaus. Man ist Mystiker. Man ist \u00fcberhaupt gar nicht mehr hier, in B\u00f6hmen, zu Haus; i wo, man hat seine Heimat irgendwo \u2013 was wei\u00df ich \u2013 an dem Urquell des Lebens. Das ist doch lustig. Nicht? W\u00e4hrend das Volk sich r\u00fchrt und zum erstenmal f\u00fchlt, wie jung und gesund es ist und die neue zage Kraft des Anfangs in seinen Adern quillt, sch\u00e4nden die K\u00fcnstler seine Sprache dadurch, da\u00df sie ihren Fr\u00fchling f\u00fcr die kranke Kunst eines Endes mi\u00dfbrauchen.\u00ab Der Student hatte sich hei\u00df und heiser gesprochen. Sie standen immer noch an derselben Stelle. Vor\u00fcbergehende begannen aufmerksam zu werden, und auch ein Schutzmann sandte von Zeit zu Zeit einen mi\u00dftrauischen Blick her\u00fcber. Bohusch schaute schweigend zu dem Studenten auf, und er schien ihm jetzt ebenso hoch und stolz in die Nacht zu ragen, wie dr\u00fcben der alte Turm des Doms. \u2013<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jetzt sagte Rezek mit ver\u00e4nderter Stimme, ge\u00e4rgert durch die Neugier der Menschen: \u00bbSo kommen Sie doch ins Caf\u00e9.\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Und Bohusch, ganz unter dem Bann dieses Befehles, ging mit. Er konnte sich gar nicht vorstellen, da\u00df er h\u00e4tte nein sagen k\u00f6nnen. Als sie aber an der T\u00fcr des kleinen Caf\u00e9s stillestanden, sagte er zaghaft: \u00bbIch kann doch wirklich nicht, Herr Rezek, verzeihen Sie, aber nun kann ich doch wirklich nicht. Meine Mutter, Sie wissen ja. Sie erwartet mich am Abend. Und sie h\u00e4tte Angst, wenn ich nicht komme. Sie ist so. Entschuldigen Sie&#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Der Student unterbrach ihn kurz: \u00bbDann begleit ich Sie.\u00ab Er schien jetzt gar nicht mehr zu frieren. Und sie gingen nach der Kleinseite. Schweigend. Als sie an dem Schutzmann vor\u00fcberkamen, f\u00fchlte der Verwachsene, wie Rezek einen dunklen, mi\u00dftrauischen Blick von dort auffing. Er schaute auf; aber der Student hatte den Kopf schon abgewendet und spuckte gleichg\u00fcltig nach der anderen Seite, wobei er bem\u00fcht schien, den Eckstein zu treffen. Bohusch dachte nach; er f\u00fchlte eine Verwandtschaft zwischen den sch\u00f6nen Gedanken, die ihm heute nachmittag im \u203aNational\u2039 gekommen waren, und dem, was Rezek gesagt hatte und was er nun noch sagen w\u00fcrde. Es war zum erstenmal, da\u00df ihn diese Empfindung \u00fcberfiel, obwohl er oft mit dem Studenten zusammentraf; er hatte ihn stets f\u00fcr dumm gehalten. Warum? Vielleicht weil er sonst so viel schwieg? Deswegen hielt man ja wahrscheinlich ihn, Bohusch, f\u00fcr beschr\u00e4nkt. Andererseits aber, wie sch\u00f6n war das an sich magere und h\u00e4\u00dfliche Gesicht des Studenten w\u00e4hrend seiner begeisterten Worte geworden. Alles, was eckig und h\u00f6lzern aussah in seinem Gesicht und in seinen Gesten, erhielt eine Betonung ins Erhabene: es wurde streng, herrisch, r\u00fccksichtslos. Dieser ganze, hoch aufgeschossene junge Mensch, der zu schnell gewachsen, zu schlecht gen\u00e4hrt und zu erb\u00e4rmlich gekleidet war, hatte f\u00fcr Bohusch ganz unversehens etwas Elementares, Ewiges bekommen, und wie er so neben ihm hinging, wurde er die Empfindung nicht los, da\u00df er sich diesen Tag besonders merken m\u00fcsse: Samstag, den 17. April. Die Vorstellung wuchs in ihm ganz bestimmt und deutlich, aber gleichsam im Hintergrund seiner Seele, w\u00e4hrend vorn sein eigenes Ich stand, sich verneigte und zu Bohusch sprach: Das mu\u00df ich mir entschieden verbeten haben, ganz entschieden! Du hast gar nicht das Recht, mein Lieber, alle Sch\u00e4tze, welche ich dir, dem Bohusch, gebe, zu verschweigen. Heraus damit. Sprich. Die Leute sollen wissen, da\u00df ich reich bin. Ich wei\u00df, was du sagen willst. Du bist h\u00e4\u00dflich. Aber rede nur erst. Reden macht sch\u00f6n. Da hast du es gerade sehen k\u00f6nnen. Versprich mirs. \u2013 Und der arme Bohusch gab seinem Ich das Ehrenwort: Gewi\u00df, von jetzt an werde ich reden. Und Bohusch wollte gerade beginnen, als der Student neben ihm stehen blieb und \u00fcber die Moldau hinwies, auf deren hohen dunklen Wogen verlorene Lichter trieben: \u00bbSchauen Sie dort den Vyschehrad, die alte Stammburg der Libuscha, und da den Hradschin, und hinter uns die Teynkirche, lauter Heiligt\u00fcmer. Wenn die Herren zur Vergangenheit fl\u00fcchten, wie sie immer wieder behaupten, warum nicht zu <i>dieser<\/i> Vergangenheit. Warum erz\u00e4hlen sie uns vom Orient und von den Kreuzz\u00fcgen und vom schwarzen Mittelalter? Das ist eine k\u00fcnstlerische Frage, sagen sie. Nein, sage ich: Das ist eine Herzensfrage. Das ist nicht Zufall, da\u00df ihnen jene entfernten Dinge \u203aliegen\u2039 und das Nahe, Vertraute ihnen nichts zu sagen hat. Sie sind einfach Fremde. Und das Volk pflegt \u00e4ngstlich seine alte, unbeholfene Tradition, die trotz aller Sorgfalt blasser und blasser wird von Enkel zu Enkel, so da\u00df es kaum mehr wei\u00df von den lebendigen Reicht\u00fcmern seiner Heimat. Freilich! Es w\u00e4re doch auch zu erniedrigend f\u00fcr diese gro\u00dfen Herren, das Volk vor seine heiligen Erbst\u00fccke zu begleiten und ihm in neuen, klaren Worten zu sagen von ihrem alten Wert und ihrer geweihten W\u00fcrde.\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Bohusch sah starren Auges die Steine des Gangsteiges an und sagte, wie sich zwingend, leise, immer wieder von H\u00fcsteln unterbrochen:<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbSie haben recht, Rezek, Sie haben ganz gewi\u00df recht. Ich kann das alles ja nicht so gut verstehen; denn es ist gewi\u00df nicht so ganz einfach, was Sie da sagen. Aber recht haben Sie. Ich hab mir das ja manchmal gedacht. Warum malt man das und nicht das. Warum schreibt man so und nicht so&#8230; aber doch, wenn Sie mir gestatten wollen zu bemerken, da\u00df die Dichter nichts vom Hradschin und vom Teyn erz\u00e4hlen, das macht nichts, das macht nichts. Ich meine, \u2013 sehen Sie, ich kenne mein M\u00fctterchen Prag bis ins Herz, ja, und mir hat nie ein Dichter davon was gesagt. Man mu\u00df nur gro\u00df werden mitten unter diesen Kirchen und Pal\u00e4sten. Die brauchen, wei\u00df Gott, keinen, der f\u00fcr sie spricht, die sprechen selbst, mein&#8216; ich. Wenn man nur h\u00f6ren mag. Oh, was die f\u00fcr Geschichten wissen. Lieber, ich will Ihnen einmal einige erz\u00e4hlen, ja? Oder noch besser: Sie sollen meine Mutter davon reden h\u00f6ren.\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Rezek machte eine Bewegung der Ungeduld. Bohusch bemerkte es sogleich und stockte einen Augenblick, dann: \u00bbVerzeihen Sie. Ich hab eigentlich nur noch sagen wollen&#8230; ja, also das mit dem Hradschin ist nicht schade, aber das andere. Das, was nicht Vergangenheit ist. Die Gassen da und diese Menschen und dann besonders die Felder hinter der Stadt und die Menschen dort. Das haben Sie doch sicher auch schon gesehen:<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ein Feld, wissen Sie, so ein Feld ohne Ende, traurig und grau. Und der Abend dahinter. Und nichts, nur ein paar B\u00e4ume und ein paar Menschen; und die B\u00e4ume geb\u00fcckt und die Menschen auch. Oder so ein Steinbruch, wie sie da drau\u00dfen hinter Smichov sind. Von dem grauen, kahlen Berg rollen die kleinen Kiesel herunter in die Schuttmulde. Wie das klingt. Ja, das ist auch ein Lied; und unten sitzen M\u00e4nner und behauen den ganzen Tag die grauen Steine und machen kleine, brave, glatte W\u00fcrfelchen aus ihnen und sehen die Sonne tr\u00fcb durch die Horngl\u00e4ser, die sie vor den Augen haben. Und die j\u00fcngeren von ihnen vergessen manchesmal und heben leise zu singen an, kein ausgelassenes Lied, bewahre, irgend eins, das zum Takt pa\u00dft, \u203a<i>Kde domov muj<\/i>\u2039 oder so was. Und dann horchen alle. Es dauert aber nicht lang. Dem Jungen f\u00e4llt bald ein, da\u00df der Kieselstaub zu scharf ist, schlecht f\u00fcr die Lunge, na, und da ist er halt wieder still&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als eine von <strong><i>Z<\/i>wei Prager Geschichten<\/strong> wurde die Novelle <em>K\u00f6nig Bohusch<\/em> von Rainer Maria Rilke 1899 erstmals ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-99289 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rainer-Maria-Rilke-188x300.jpg\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"300\" \/>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO widmet sich der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19652\">Kunstform<\/a> Novelle. Diese Gattung lebt von der Schilderung der Realit\u00e4t im Bruchst\u00fcck. Dieser Ausschnitt verzichtet bewu\u00dft auf die Breite des Epischen, es gen\u00fcgten dem Novellisten ein Modell, eine Miniatur oder eine Vignette. Wir gehen davon aus, da\u00df es sich bei dieser literarischen Kunstform um eine k\u00fcrzere Erz\u00e4hlung in Prosaform handelt, sie hat eine mittlere L\u00e4nge, was sich darin zeigt, da\u00df sie in einem Zug zu lesen sei. Und schon kommen wir ins Schwimmen. Als Gattung l\u00e4\u00dft sie sich nur schwer definieren und oft nur ex negativo von anderen Textsorten abgrenzen. Die Redaktion postuliert, da\u00df viele dieser Nebenarbeiten bedeutende Hauptwerke der deutschsprachigen Literatur sind, wir belegen diese mit dem R\u00fcckgriff auf die Klassiker dieses Genres und stellen in diesem Jahr alte und neue Texte vor um die Entwicklung der Gattung aufzuhellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Als der gro\u00dfe Mime Norinski um drei Uhr nachmittags in das National-Caf\u00e9, welches vor dem Prager tschechischen Theater liegt, eintrat, erschrak er ein wenig, l\u00e4chelte aber gleich darauf sein ver\u00e4chtlichstes L\u00e4cheln: in dem Spiegel, schr\u00e4g gegen\u00fcber der T\u00fcr, hatte&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/12\/05\/koenig-bohusch\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":143,"featured_media":99289,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[267],"class_list":["post-82522","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-rainer-maria-rilke"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82522","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/143"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=82522"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82522\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":105183,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82522\/revisions\/105183"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99289"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=82522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=82522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=82522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}