{"id":82205,"date":"2023-04-26T00:01:23","date_gmt":"2023-04-25T22:01:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=82205"},"modified":"2022-04-27T09:47:15","modified_gmt":"2022-04-27T07:47:15","slug":"boheme","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/04\/26\/boheme\/","title":{"rendered":"Boh\u00eame"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Philistrosit\u00e4t ist die Tendenz zur Verallgemeinerung. Pr\u00e4ziser: Philistrosit\u00e4t ist die Tendenz, den eigenen sittlichen Horizont als moralischen Schutzkordon um die Menschheit zu legen. Der Satz erhellt aus der Gegenprobe. Der einwandfreieste Nichtphilister ist der, dessen soziales Verhalten am wenigsten von Forderungen und Verboten gegen die Mitmenschen bestimmt ist. Das Kriterium der Philistrosit\u00e4t ist n\u00e4mlich nicht die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Anpassung an die Gepflogenheiten der Mehrzahl, sondern die eifers\u00fcchtige Bewachung des Nebenmenschen, ob er nicht etwa die Grenzen des Philisterhorizonts \u00fcberschreitet und sich so der moralischen Wertung und der Vergleichungsm\u00f6glichkeit mit den \u00fcbrigen Philistern entzieht. Der wesentlichste Charakterzug des Philisters ist also die schlotternde Angst vor der sittlichen Entgleisung des Zeitgenossen und ihrer psychologischen Unkontrollierbarkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Waffe des Philisters gegen den Unf\u00fcgsamen ist sittliche Entr\u00fcstung, eine Fehlgeburt aus Angst und Gr\u00f6\u00dfenwahn. Ihr verdanken die Gesetzb\u00fccher \u2013 die einzigen im eigentlichsten Sinn unsittlichen Schriften \u2013 mit allen ihren generalisierenden Verlogenheiten, den Rechtsg\u00fctern, den \u00f6ffentlichen Interessen und allen \u00fcbrigen abstrakten Fetischen, die Entstehung. Das zentralistische Staatsprinzip mit seiner auf Formeln gezogenen Verallgemeinerungstendenz gibt der sittlichen Entr\u00fcstung des Philisters die M\u00f6glichkeit, sich in soziale \u00c4chtung und mithin in wirtschaftliche Ruinierung des ethischen Outsiders umzusetzen. Dem Staat, der wirtschaftlichen und \u00bbrechtlichen\u00ab\u00a0Organisation zur Verh\u00fctung der \u00dcberschreitung des Philisterhorizontes, untrennbar verehelicht, hat die Kirche die Zentralisierung der seelischen Bedingungen, der Angst, des Neides, der Begriffsst\u00fctzigkeit und der Plattheit durchzuf\u00fchren. Die liberale Forderung der Trennung von Staat und Kirche ist somit ein Unding. Beide Institutionen sind durcheinander geworden und leben von einander. Der Weg zur Kultur f\u00fchrt \u00fcber ihr gemeinsames Grab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem in Staat und Kirche zentralistisch organisierten, durch die raffiniert-unsinnige kapitalistische Gesellschaftsordnung \u00f6konomisch gefestigten Philisterium \u2013 politisch ausgedr\u00fcckt: der Bourgeoisie \u2013 steht die Minderheit der untereinander fast gar nicht liierten, materiell g\u00e4nzlich wehrlosen, von den Konkurrenz- und Bildungsm\u00f6glichkeiten nahezu ausgeschlossenen, verha\u00dften Paria gegen\u00fcber. \u2013 Von der werkt\u00e4tigen Arbeiterschaft, die naturgem\u00e4\u00df im Klassenkampf gegen den Besitz (der mit dem Philistertum identisch ist) in der vordersten Reihe stehen m\u00fc\u00dfte, will ich hier ganz absehen. Das Proletariat \u2013 \u00fcbrigens geh\u00f6rt das Wort zu den abgr\u00fcndigsten Unwahrhaftigkeiten \u2013 ist von der zukunftstaatsbesessenen Sozialdemokratie, wenigstens in Deutschland und \u00d6sterreich, dem Klassenkampf v\u00f6llig entfremdet worden. Die, dem Staat nachgebildeten, zentralistischen Arbeiterorganisationen haben durch die Ausschaltung des individuellen Temperaments des Einzelnen die revolution\u00e4re Kernidee des gewerkschaftlichen Kampfes verwischt und den Arbeiter, den nat\u00fcrlichen Tr\u00e4ger der sozialen Revolution, in die Rolle eines mit seinen Feinden Schacher treibenden Politikers gedr\u00e4ngt. Die Arbeiterschaft steht also jetzt in der Mitte zwischen Bourgeoisie und den Tschandala, auf deren\u00a0Seite nur noch die unorganisierten Gruppen k\u00e4mpfen: Verbrecher, Landstreicher, Huren und K\u00fcnstler.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit den ersten drei Gruppen dieser Ausgesto\u00dfenen wei\u00df die sittliche Entr\u00fcstung des Philisters schnell fertig zu werden. Der Verbrecher, den Wut oder Verzweiflung den moralischen Kordon der \u00f6konomischen Zweckm\u00e4\u00dfigkeit f\u00fcr den Philister durchbrechen hie\u00df, wird im Zuchthaus interniert. Der Landstreicher, der sich nicht f\u00fcr traurigen Hungerlohn zum Kuli eines Ausbeuters machen will, wird zur Zwangsarbeit verurteilt. Die Hure, in deren wildem Lachen mehr Genialit\u00e4t steckt, als der gute B\u00fcrger, der sie sich f\u00fcr eine Nacht erstanden hat, mitsamt seiner Ehefrau bei verzehnfachter Lebensdauer jemals aufbringen k\u00f6nnte, wird mit ihrem, dem entr\u00fcsteten Philister, ach, so notwendigen \u00bbSchandgewerbe\u00ab\u00a0ins Bordell gebracht und bekommt ihr Kontrollbuch, damit der l\u00fcsterne Kunde nicht von der Lustseuche befallen werde. Kurz, \u00fcberall findet die sittliche Entr\u00fcstung ein \u00e4u\u00dferes Zeichen ihrer Berechtigung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur mit dem K\u00fcnstler ger\u00e4t der Spie\u00dfer in die Br\u00fcche. Ich will hier bemerken, da\u00df ich unter \u00bbK\u00fcnstlern\u00ab\u00a0nur solche verstanden wissen will, die ihre Kunst nicht zum Gewerbe erniedrigen, die es also unter allen Umst\u00e4nden ablehnen, ohne k\u00fcnstlerischen Antrieb zu produzieren. Dagegen geh\u00f6ren zu den K\u00fcnstlern, die ich als Outsider der Gesellschaft behandle, auch solche, die ohne k\u00fcnstlerisch \u00fcberhaupt produktiv zu sein, in allen ihren Lebens\u00e4u\u00dferungen von k\u00fcnstlerischen Impulsen geleitet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier sind Menschen, die die gesellschaftliche Nutzarbeit verweigern, die in ihrem Gehaben vielfach die Schranken des philistr\u00f6sen Horizonts durchbrechen, denen man aber doch nicht beikommen kann, weil hier und da ein Dichter, ein Maler, ein Bildhauer, ein Komponist darunter ist, den Autorit\u00e4ten anerkennen und \u2013 auf den man seine Kulturfreundlichkeit loslassen kann, indem man ihn feiert und verhungern l\u00e4\u00dft. Den K\u00fcnstlern gegen\u00fcber tritt die bleiche Angst des Philisters vor dem Au\u00dfergew\u00f6hnlichen am jammervollsten in die Erscheinung. Dieses Hosenschlottern von Respekt und Furchtsamkeit ist n\u00e4mlich nicht nur der Ausdruck der Besorgtheit um das korrekte Benehmen des andern, sondern hier wirkt auch ein instinktives Gef\u00fchl f\u00fcr die\u00a0kritische \u00dcberlegenheit des K\u00fcnstlers mit, die die Nichtigkeit des Philisters durchschauen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So hilft sich denn die Gesellschaftsst\u00fctze dadurch, da\u00df sie dieser Art K\u00fcnstlern einen Freibrief f\u00fcr unkonventionelle Schaustellungen ausstellt und sie unter einen Sammelbegriff registriert: Boh\u00eame. Da aber dem braven Mann des besitzenden B\u00fcrgerstandes jede k\u00fcnstlerische Bet\u00e4tigung, weil brotlos, ver\u00e4chtlich erscheint und er auf der andern Seite doch ganz gern einmal so ein Monstrum um sich sieht \u2013 nur aus der eigenen Familie darfs keiner sein; der w\u00fcrde schonungslos versto\u00dfen werden \u2013, so d\u00fcnkt ihn in seiner Unterscheidungsunf\u00e4higkeit bald jeder pinselnde Million\u00e4rsspr\u00f6\u00dfling ein \u00bbBoh\u00e9mien\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wort \u00bbBoh\u00e9mien\u00ab\u00a0ist, wie mir sprachkundige Leute versichern, falsch. Es mu\u00df richtig auch \u00bbder Boh\u00eame\u00ab\u00a0hei\u00dfen. Trotzdem werde ich den Vertreter der Boh\u00eame einen Boh\u00e9mien nennen, da mir eine Vokabelunterscheidung zwischen dem Gattungsbegriff und der Bezeichnung der einzelnen zur Gattung geh\u00f6rigen Person sprachlich willkommen erscheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um den Begriff der Boh\u00eame zu definieren, ist das Wort zun\u00e4chst von den Schlacken zu s\u00e4ubern, die ihm die Sensationslust und die Unterscheidungsunf\u00e4higkeit grinsender Banausen angesetzt haben, und die es besonders der Renommierwut durch irgend ein Talentchen in die K\u00fcnstlerschaft verirrter Philister verdankt. Ein Kartoffelh\u00e4ndler entdeckt eines Tages seine Stimme, l\u00e4\u00dft sich zum Konzert-Tenor ausbilden und h\u00e4lt sich von Stund\u2019 an f\u00fcr einen Boh\u00e9mien. Ein entlassener Kommis, der an das Stubenm\u00e4del<span style=\"font-size: 12px;\">\u00a0<\/span>seines Prinzipals Gedichte richtet, setzt sich abends in ein Literatencaf\u00e9, trinkt Absinth und nennt sich, wenn ihn jemand fragt, \u00bbSchriftsteller\u00ab; des Sonntags aber spielt er sich beim Onkel T\u00f6pfermeister als \u00bbBoh\u00e9mien\u00ab\u00a0auf. Ein verbummelter Student schmei\u00dft sich einem K\u00fcnstler an den Hals, schmarotzt ihn aus und glaubt sich auch zur Boh\u00eame z\u00e4hlen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Arge Verwirrung in der Auffassung des Wesens der Boh\u00eame hat Murger mit seinem bekannten Roman angerichtet. Es stehen ja sehr h\u00fcbsche Sachen drin, aber Boh\u00e9miens sind die Helden seiner Geschichte nicht. Das sind besitzlose Lebeleute, die sich recht lustig \u00fcber ihren Dalles hinwegzuhelfen wissen \u2013 aber am Schlusse des Buches, wo alle zu Geld und Ruhm kommen,\u00a0da dampfen sie friedlich in den sicheren Hafen des Philisteriums ein, und die Boh\u00eamezeit liegt hinter ihnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Eigenschaft des Boh\u00e9miens von der Besitzlosigkeit herzuleiten, ist doch ein \u00e4u\u00dferst primitiver Standpunkt. Noch absurder ist die Auffassung, der Boh\u00e9mien g\u00e4be seinen Charakter in dem Augenblicke auf, wo er es nicht mehr n\u00f6tig hat, unphilistr\u00f6s zu leben. Nein, Boh\u00eame ist eine Eigenschaft, die tief im Wesen des Menschen wurzelt, die weder erworben oder anerzogen werden, noch durch die Ver\u00e4nderung der \u00e4u\u00dferen Lebenskonstellation verloren gehen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich pers\u00f6nlich, der ich bei der Untugend der Deutschen, jeden Menschen, mit dem sie sich abzugeben haben, auf eine bestimmte Note festzulegen, das Pech habe, wo immer von mir die Rede ist, mich als das Musterexemplar eines Boh\u00e9miens bezeichnet zu finden, verwahre mich entschieden und ausdr\u00fccklich gegen diese Charakterisierung, solange sie von den \u00e4u\u00dferen Symptomen meines Wesens, etwa von meiner Haartracht oder meiner nicht eben \u00fcberm\u00e4\u00dfig eleganten Toilette hergeleitet wird *)<sup id=\"cite_ref-2\" class=\"reference\"><a href=\"https:\/\/de.wikisource.org\/wiki\/Boh%C3%AAme#cite_note-2\">[1]<\/a><\/sup>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was in Wahrheit den Boh\u00e9mien ausmacht, ist die radikale Skepsis in der Weltbetrachtung, die gr\u00fcndliche Negation aller konventionellen Werte, das nihilistische Temperament, wie es etwa in Turgenjeffs \u00bbV\u00e4ter und S\u00f6hne\u00ab\u00a0zum Ausdruck kommt, und wie es Peter Krapotkin als das Charakteristikum der russischen Nihilisten in den \u00bbMemoiren eines Revolution\u00e4rs\u00ab\u00a0schildert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gewi\u00df offenbart sich dieses Temperament, das alle Anpassung an die uniforme Lebensart des Philisters fanatisch perhorresziert, \u00e4u\u00dferlich in der Methode, die der Boh\u00e9mien w\u00e4hlt, um sein eigenes Ich gegen die Masseninstinkte der Gesellschaft durchzusetzen. Immer wird der Boh\u00e9mien ein Sonderling sein, und schon deshalb w\u00e4re es l\u00e4cherlich, ein Schema f\u00fcr die Lebensweise der Boh\u00eame aufzeigen zu wollen. Ganz allgemein l\u00e4\u00dft sich \u00fcber die Anpackung des Lebens seitens des Boh\u00e9miens kaum mehr sagen, als was ich fr\u00fcher einmal in einer Brosch\u00fcre (\u00bbAscona.\u00ab\u00a0\u2013 Locarno 1905) so ausgedr\u00fcckt habe: Ein Boh\u00e9mien ist ein Mensch, \u00bbder aus der gro\u00dfen Verzweiflung heraus, mit der Masse der Mitmenschen innerlich nie F\u00fchlung gewinnen zu k\u00f6nnen \u2013 und diese Verzweiflung ist die eigentlichste K\u00fcnstlernot \u2014, drauf losgeht ins Leben, mit dem Zufall experimentiert, mit dem Augenblick Fangball spielt und der allzeit gegenw\u00e4rtigen Ewigkeit sich verschwistert.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verzweiflung \u00fcber die Un\u00fcberbr\u00fcckbarkeit der Kluft zwischen sich und der Masse, die Wut gegen den vertrottelten Konventionsdrill der Gesellschaft mag nat\u00fcrlich den Boh\u00e9mien oft genug zum bewu\u00dften Auftrotzen gegen das Gew\u00f6hnliche verf\u00fchren, das sich in der brutal zur Schau getragenen Unterstreichung des Andersseins \u00e4u\u00dfert. Den Schlu\u00df, den Julius Bab in seiner Arbeit \u00fcber die Berliner Boh\u00eame daraus zieht, indem er den Boh\u00e9mien \u00bbasozial\u00ab\u00a0nennt, halte ich f\u00fcr falsch. Im Gegenteil wird die schroffe Ablehnung der bestehenden Zust\u00e4nde mit allen ihren Ausdrucksformen in den allermeisten F\u00e4llen mit der sehr sozialen Sehnsucht nach einer idealen Menschheitskultur verbunden sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr verdienstvoll ist dagegen die Parallele, die Bab zwischen der Boh\u00eame und dem Anarchismus zieht. Der Ha\u00df gegen alle zentralistischen Organisationen, der dem Anarchismus zugrunde liegt, die antipolitische Tendenz des Anarchismus und das anarchistische Prinzip der sozialen Selbsthilfe sind wesentliche\u00a0Eigenschaften der Boh\u00eamenaturen. Daher stammt denn auch das innige Solidarit\u00e4tsgef\u00fchl zum sogenannten f\u00fcnften Stande, zum Lumpenproletariat, das fast jedem Boh\u00e9mien eigen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist dieselbe Sehnsucht, die die Ausgesto\u00dfenen der Gesellschaft verbindet, seien sie nun ausgesto\u00dfen von der kaltherzigen Brutalit\u00e4t des Philistertums, oder seien sie Verworfene aus eigener, vom Temperament diktierter Machtvollkommenheit. Die Mitmenschen, die mit lachendem Munde und weinendem Herzen die Kaschemmen und Bordells, die Herbergen der Landstra\u00dfe und die W\u00e4rmehallen der Gro\u00dfstadt bev\u00f6lkern, der Janhagel und Mob von dem selbst die patentierte Vertretung des sogenannten Proletariats weit abr\u00fcckt \u2013 sie sind die engsten Verwandten der gutm\u00fctig bel\u00e4chelten, als Folie philistr\u00f6sen Gr\u00f6\u00dfenwahns sp\u00f6ttisch, geduldeten K\u00fcnstlerschaft, die in ihrer verzweifelten Verlassenheit mit der Sehnsucht eines erhabenen Zukunftsideals die Welt befruchtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verbrecher, Landstreicher, Huren und K\u00fcnstler \u2013 das ist die Boh\u00eame, die einer neuen Kultur die Wege weist.<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: Die Fackel. Jg. 8, Nr. 202 (30. April 1906).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-98331\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/ErichMu\u0308hsam.jpg\" alt=\"\" width=\"239\" height=\"256\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/ErichMu\u0308hsam.jpg 239w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/ErichMu\u0308hsam-160x171.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 239px) 100vw, 239px\" \/>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir begreifen die Gattung des Essays auf KUNO als eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Versuchsanordnung<\/a>, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Weitere Informationen \u00fcber Erich M\u00fchsam finden Sie <a href=\"http:\/\/www.muehsam.de\/appl\/index.php\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"reference-text\">*) Da\u00df man solcher Anschauung auch im Milieu des \u00bbCabarets\u00ab\u00a0begegnen kann, beweist, da\u00df sich diese Einrichtung von dem Wesen einer freien K\u00fcnstlergemeinschaft bis zu jener gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfigen Auffassung verirrt hat, die dem \u00bbSpezialit\u00e4tentheater\u00ab\u00a0Konkurrenz macht, indem sie zwar nicht dressierte Pudel als K\u00fcnstler, aber K\u00fcnstler als dressierte Pudel dem zahlenden Publikum vorf\u00fchrt. Wenn der Verfasser dieses Aufsatzes, der neulich hier der wahren Cabaretkunst als einem Vergn\u00fcgen der K\u00fcnstler f\u00fcr die K\u00fcnstler das Wort geredet hat, in den Ank\u00fcndigungen des Cabarets ausdr\u00fccklich als \u00bbBerliner Boh\u00e9mien\u00ab\u00a0bezeichnet wird, so ist damit die Unechtheit einer Boh\u00eame, die sich selbst bestaunt, so ist die Entfernung bezeichnet, in der der Geist des deutschen und wiener Cabarets von dem Geist der Boh\u00eame waltet. Eine F\u00fclle k\u00fcnstlerischer Darbietungen kann \u00fcber den Verdacht nicht hinweghelfen, da\u00df die legere Form dieser Cabaretkunst nicht dem K\u00fcnstler, sondern dem Philister frommen soll, an den Impresariogeschicklichkeit die Geheimnisse der Boh\u00eame zu verraten scheint. Wenn Herr Henry \u2013 als Chansonnier mit Recht beliebt \u2013 den \u00bbBerliner Boh\u00e9mien\u00ab, der auf dem Podium zu rauchen pflegt, allabendlich mit der halb deutschen, ganz \u00fcberfl\u00fcssigen Conf\u00e9rence vorstellt: \u00bbJetzt wird auftreten Erich M\u00fchsam. Er hat kolossal lange Haare. Er ist das Prototypus von eine Boh\u00e9mien. Er kann rauchen, wie wenn nichts w\u00e4re\u00ab, so behalten die Recht, die \u2013 die Schaubude als moralische Anstalt betrachten, weil ihr die Spekulation auf die Neugierde des P\u00f6bels wenigstens organisch ist. Anm. d. Herausgeb.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Philistrosit\u00e4t ist die Tendenz zur Verallgemeinerung. Pr\u00e4ziser: Philistrosit\u00e4t ist die Tendenz, den eigenen sittlichen Horizont als moralischen Schutzkordon um die Menschheit zu legen. Der Satz erhellt aus der Gegenprobe. Der einwandfreieste Nichtphilister ist der, dessen soziales Verhalten am wenigsten&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/04\/26\/boheme\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":104,"featured_media":98331,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1237],"class_list":["post-82205","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-erich-muhsam"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82205","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/104"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=82205"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82205\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":102906,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82205\/revisions\/102906"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98331"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=82205"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=82205"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=82205"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}