{"id":81916,"date":"2024-07-15T00:01:22","date_gmt":"2024-07-14T22:01:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=81916"},"modified":"2022-02-22T19:45:23","modified_gmt":"2022-02-22T18:45:23","slug":"zu-einer-totenfeier-fuer-arnold-boecklin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/07\/15\/zu-einer-totenfeier-fuer-arnold-boecklin\/","title":{"rendered":"ZU EINER TOTENFEIER F\u00dcR ARNOLD B\u00d6CKLIN"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">(In die letzten Takte der Symphonie tritt der Prolog auf, seine Fackeltr\u00e4ger hinter ihm. \u2013 Der Prolog ist ein J\u00fcngling; er ist venezianisch gekleidet, ganz in Schwarz, als ein Trauernder.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nun schweig, Musik! Nun ist die Szene mein,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und ich will klagen, denn mir steht es zu!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Von dieser Zeiten Jugend flie\u00dft der Saft<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In mir; und er, des Standbild auf mich blickt,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">War meiner Seele so geliebter Freund!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und dieses Guten hab ich sehr bedurft,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Denn Finsternis ist viel in dieser Zeit,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und wie der Schwan, ein selig schwimmend Tier,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aus der Najade triefend wei\u00dfen H\u00e4nden<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sich seine Nahrung k\u00fc\u00dft, so bog ich mich<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In dunklen Stunden \u00fcber seine H\u00e4nde<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Um meiner Seele Nahrung: tiefen Traum.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Schm\u00fcck ich dein Bild mit Zweig und Bl\u00fcten nur?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und du hast mir das Bild der Welt geschm\u00fcckt<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und aller Bl\u00fctenzweige Lieblichkeit<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit einem solchen Glanze \u00fcberh\u00f6ht,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da\u00df ich mich trunken an den Boden warf<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und jauchzend f\u00fchlte, wie sie ihr Gewand<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mir sinken lie\u00df, die leuchtende Natur!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">H\u00f6r mich, mein Freund! Ich will nicht Herolde<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aussenden, da\u00df sie deinen Namen schrein<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In die vier Winde, wie wenn K\u00f6nige sterben:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein K\u00f6nig l\u00e4\u00dft dem Erben seinen Reif<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und einem Grabstein seines Namens Schall.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch du warst solch ein gro\u00dfer Zauberer,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dein Sichtbares ging fort, doch wei\u00df ich nicht,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was da und dort nicht alles von dir bleibt,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit heimlicher fortlebender Gewalt<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sich dunklen Auges aus der n\u00e4chtigen Flu\u00df<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Zum Ufer hebt \u2013 oder sein haarig Ohr<\/p>\n<p>Hinter dem Efeu horchend reckt, drum will ich<\/p>\n<p>Nie glauben, da\u00df ich irgendwo allein bin,<\/p>\n<p>Wo B\u00e4ume oder Blumen sind, ja selbst<\/p>\n<p>Nur schweigendes Gestein und kleine W\u00f6lkchen<\/p>\n<p>Unter dem Himmel sind: leicht da\u00df ein Etwas,<\/p>\n<p>Durchsichtiger wie Ariel, mir im R\u00fccken<\/p>\n<p>Hingaukelt, denn ich wei\u00df: geheimnisvoll<\/p>\n<p>War zwischen dir und mancher Kreatur<\/p>\n<p>Ein Bund gekn\u00fcpft, ja! und des Fr\u00fchlings Au,<\/p>\n<p>Siehe, sie lachte dir so wie ein Weib<\/p>\n<p>Den anlacht, dem sie in der Nacht sich gab!<\/p>\n<p>Ich meint um dich zu klagen, und mein Mund<\/p>\n<p>Schwillt an von trunkenem und freudigem Wort:<\/p>\n<p>Drum ziemt mir nun nicht l\u00e4nger hier zu stehen.<\/p>\n<p>Ich will den Stab dreimal zu Boden sto\u00dfen<\/p>\n<p>Und dies Gezelt mit Traumgestalten f\u00fcllen.<\/p>\n<p>Die will ich mit der Last der Traurigkeit<\/p>\n<p>So \u00fcberb\u00fcrden, da\u00df sie schwankend gehn,<\/p>\n<p>Damit ein jeder weinen mag und f\u00fchlen:<\/p>\n<p>Wie gro\u00dfe Schwermut allem unsern Tun<\/p>\n<p>Ist beigemengt.<\/p>\n<p>Es weise euch ein Spiel<\/p>\n<p>Das Spiegelbild der bangen, dunklen Stunde,<\/p>\n<p>Und gro\u00dfen Meisters trauervollen Preis<\/p>\n<p>Vernehmet nun aus schattenhaftem Munde!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_18516\" style=\"width: 194px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/220px-Nicola_Perscheid_-_Hugo_von_Hofmannsthal_1910-184x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18516\" class=\"size-full wp-image-18516\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/220px-Nicola_Perscheid_-_Hugo_von_Hofmannsthal_1910-184x300.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-18516\" class=\"wp-caption-text\">Hugo von Hofmannsthal 1910 auf einer Fotografie von Nicola Perscheid<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Im Alter von achtundzwanzig Jahren verschafft sich Hofmannsthal mit dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/05\/19\/13384\/\"><i>Brief des Lord Chandos<\/i><\/a> ein Ventil, seinem Zweifel an der Sprache Raum zu verschaffen. Der Sprache traut er jedenfalls nicht l\u00e4nger zu, den Zusammenhang von Ich und Welt herstellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(In die letzten Takte der Symphonie tritt der Prolog auf, seine Fackeltr\u00e4ger hinter ihm. \u2013 Der Prolog ist ein J\u00fcngling; er ist venezianisch gekleidet, ganz in Schwarz, als ein Trauernder.) &nbsp; Nun schweig, Musik! 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