{"id":81024,"date":"2024-07-03T00:01:51","date_gmt":"2024-07-02T22:01:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=81024"},"modified":"2024-03-15T07:53:17","modified_gmt":"2024-03-15T06:53:17","slug":"ich-kann-ihre-gedichte-nicht-leiden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/07\/03\/ich-kann-ihre-gedichte-nicht-leiden\/","title":{"rendered":"Ich kann ihre Gedichte nicht leiden"},"content":{"rendered":"<div>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Vor 100 Jahren starb Franz Kafka. Inzwischen ein Klassiker der Moderne war auch er von Vorurteilen nicht frei.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-99615 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Franz_Kafka-246x300.jpg\" alt=\"\" width=\"246\" height=\"300\" \/>\u201eIch kann ihre Gedichte nicht leiden, ich f\u00fchle bei ihnen nichts als Langweile \u00fcber ihre Leere und Widerwillen wegen des k\u00fcnstlichen Aufwandes. Auch ihre Prosa ist mir l\u00e4stig aus den gleichen Gr\u00fcnden, es arbeitet darin das wahllos zuckende Gehirn einer sich \u00fcberspannenden Grossst\u00e4dterin. Aber vielleicht irre ich da gr\u00fcndlich, es gibt viele, die sie lieben, Werfel z. B. spricht von ihr nur mit Begeisterung. Ja, es geht ihr schlecht, ihr zweiter Mann hat sie verlassen, soviel ich weiss, auch bei uns sammelt man f\u00fcr sie; ich habe 5 K hergeben m\u00fcssen, ohne das geringste Mitgef\u00fchl f\u00fcr sie zu haben; ich weiss den eigentlichen Grund nicht, aber ich stelle mir sie immer nur als eine S\u00e4uferin vor, die sich in der Nacht durch die Kaffeeh\u00e4user schleppt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">, schrieb Franz Kafka in einem Brief an Felice Bauer, seine erste Verlobte. Kafka widmete ihr die 1913 ver\u00f6ffentlichte Erz\u00e4hlung <i>Das Urteil<\/i> (Untertitel: <i>Eine Geschichte f\u00fcr Felice B.<\/i>). Nachdem sich Franz Kafka und Felice Bauer zweimal ver- und wieder entlobt hatten, trennten sie sich 1917 endg\u00fcltig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<div class=\"desktop xl-medium mb-1\" style=\"text-align: justify;\"><strong>S\u00e4mtliche Werke<\/strong> von Franz Kafka, erschienen bei Suhrkamp Insel. Mit einem Nachwort von Peter H\u00f6fle<\/div>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Anmerkung der Redaktion:<\/span> In der Zeit von identit\u00e4tspolitischen \u00dcberlegungen muten der Redaktion solche \u00dcberlegungen fast so fern an, wie das Mittelalter, in dem Hexen verbrannt wurden. Misogynie ist eine auf Frauen gerichtete Form der Misanthropie. Mit der aufkommenden Frauenbewegung im 19. Jahrhundert wurde gesellschaftliche Misogynie zunehmend thematisiert und bek\u00e4mpft. Auch Schriftstellerinnen wie Else Lasker-Sch\u00fcler sind im 20. Jahrhundert zu symbolischen Objekten einer Debatte geworden, die mit ihnen als Person oft gar nichts zu tun hat. K\u00fcnstler sind jedoch keine Opfer einer Multioptionsgesellschaft, bei denen das Nicht-festgelegt-Sein und der schnelle gesellschaftliche Wandel mit unbegrenzten M\u00f6glichkeiten an Vielfalt zu einer individuellen \u00dcberforderung f\u00fchrt. K\u00fcnstler d\u00fcrfen, ja sie sollen sich au\u00dferhalb der Norm bewegen d\u00fcrfen, das sollte auch ein Versicherungsvertreter einsehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"attachment_75724\" style=\"width: 197px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-75724\" class=\"size-medium wp-image-75724\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler-187x300.jpg\" alt=\"\" width=\"187\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler-187x300.jpg 187w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler-260x417.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler-160x256.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler.jpg 440w\" sizes=\"auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-75724\" class=\"wp-caption-text\">Else Lasker-Sch\u00fcler aka Prinz Yussuf (1912)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO teilt die Einsch\u00e4tzung von Franz Kafka nicht und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=80975\">begr\u00fcndete<\/a> dies in einem Essay.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den wichtigsten identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 100 Jahren starb Franz Kafka. 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