{"id":80975,"date":"2023-02-11T00:01:09","date_gmt":"2023-02-10T23:01:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=80975"},"modified":"2024-10-13T15:47:27","modified_gmt":"2024-10-13T13:47:27","slug":"die-elfenfelderin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/02\/11\/die-elfenfelderin\/","title":{"rendered":"Die Elfenfelderin"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Else Lasker-Sch\u00fcler ist die st\u00e4rkste und unwegsamste lyrische Erscheinung des modernen Deutschlands.<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #999999;\">Karl Kraus<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_104420\" style=\"width: 238px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-104420\" class=\"wp-image-104420 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Else-Lasker-Schueler-228x300.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-104420\" class=\"wp-caption-text\">Aus der Sammlung Gerlinger: Karl Schmidt-Rottluff, \u201eLesende (Else Lasker-Sch\u00fcler)\u201c, 1912, \u00d6l auf Leinwand, 102 mal 76 Zentimeter &#8211; Nun eine Dauerleihgabe an das Wuppertaler Von der Heydt-Museum<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wupper ist nicht nur ein Flu\u00df, der sich durch das bergische Land schl\u00e4ngelt. Er verbindet unterschiedliche Ortschaften, wie die ehemaligen Gro\u00dfst\u00e4dte Barmen und Elberfeld. Die Topografie wird durch das Tal dieses Flu\u00dfes gepr\u00e4gt, die sich rund 20 Kilometer durch das Stadtgebiet windet und deren steile H\u00e4nge oft bewaldet sind. Else Sch\u00fcler wurde am 11.2.1869 als j\u00fcngstes von sechs Kindern in Elberfeld geboren. Das konstrukt &#8222;Wuppertal&#8220; wurde erst zum 1. August 1929 im Rahmen des Gesetzes \u00fcber die kommunale Neugliederung des rheinisch-westf\u00e4lischen Industriegebiets gegr\u00fcndet, zu der Zeit lebte die <em>Elfenfelderin<\/em> l\u00e4ngst in Berlin, wahrscheinlich hat sich dieses bergische Oberzentrum lange Zeit so schwer mit der W\u00fcrdigung ihrer Mitb\u00fcrgerin getan. Die erfolgte 1990 durch die Gr\u00fcndung der <em>Else-Lasker-Sch\u00fcler-Gesellschaft<\/em> (<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/01\/22\/gegen-die-universalitaet-des-vergessens\/\">ELSG<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zudem hat KUNO einen Besuch des Wuppertaler Von der Heydt-Museum vorgemerkt. Die Sammlung wurde k\u00fcrzlich um eine bedeutende Dauerleihgabe bereichern: Karl Schmidt-Rottluffs expressionistisches Portr\u00e4t \u201eDie Lesende\u201c der Dichterin Else Lasker-Sch\u00fcler aus der Sammlung Hermann Gerlinger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSchmidt-Rottluff hat mich im Zelt sitzend gemalt\u2026\u201c, schrieb Else Lasker-Sch\u00fcler in einem ihrer 1912 in der Zeitschrift \u201eDer Sturm\u201c ver\u00f6ffentlichten \u201eBriefe nach Norwegen\u201c, \u201e\u2026 mein Mund ist rot wie eine Dickichtbeere, in meiner Wange schm\u00fcckt sich der Himmel zum blauen Tanz, aber meine Nase weht nach Osten, eine Kriegsfahne, und mein Kinn ist ein Speer, ein vergifteter Speer. So singe ich mein hohes Lied.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Im Nationalsozialismus war die Stadt ein wichtiges Zentrum sowohl der NSDAP als auch des Widerstands, sowohl der Gewerkschaften und politischen Opposition als auch der Kirchen, was nicht zuletzt die Barmer Erkl\u00e4rung zum Ausdruck brachte.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Mutter wurde zu einer zentralen Gestalt ihrer Dichtung, ihr Vater, Aaron Sch\u00fcler, ein j\u00fcdischer Privatbankier wurde sp\u00e4ter Vorbild f\u00fcr die Hauptfigur aus \u201eDie Wupper\u201c. Else galt als Wunderkind der Familie, denn sie konnte bereits mit vier Jahren lesen und schreiben. Ab 1880 besuchte sie das Lyzeum West an der Aue. 1894\u00a0 heiratete sie den Arzt Dr. Jonathan Berthold Lasker und zog nach Berlin. Dort arbeitete sie im Rahmen ihrer zeichnerischen Ausbildung. Ihr erste Gedichtband \u201eStyx\u201c erschien 1902. Am 11.4.1903 wurde Lasker-Sch\u00fcler von Berthold Lasker geschieden, am 30.11. heiratete sie den Schriftsteller Georg Lewin, dem sie sein Pseudonym Herwarth Walden vorschlug. Nach der Trennung von Herwarth Walden 1910 wurde 1912 auch die zweite Ehe geschieden. Ohne eigenes Einkommen lebte Lasker-Sch\u00fcler jetzt von der Unterst\u00fctzung durch Freunde, insbesondere Karl Kraus. 1912 begegnete Lasker-Sch\u00fcler Gottfried Benn. Es entstand eine intensive Freundschaft, die sich literarisch in einer gro\u00dfen Zahl von Liebesgedichten niederschlug, die sie Benn (<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/07\/07\/giselheer-dem-tiger\/\">Giselheer<\/a>) widmete.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #808080;\"><em>Else Lasker-Sch\u00fclers Kunst ist sehr verwandt mit der Ihres Freundes, des blauen Reiters Franz Marc.<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Fabelhaft gef\u00e4rbt sind alle ihre Gedanken und schleichen wie bunte Tiere. Zuweilen treten sie aus dem Wald in die Lichtung: wie zarte rote Rehe.<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Sie \u00e4sen ruhig und heben verwundert ihre H\u00e4lse, wenn jemand durchs Dickicht bricht. Sie laufen nie davon.<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Sie geben sich ganz Preis ihrer K\u00f6rperlichkeit. Else Lasker-Sch\u00fcler tr\u00e4gt ihr Herz an einer goldenen Kette um den Hals. Sie ist ohne Scham: jeder darf es betrachten &#8230;<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #999999;\">Klabund<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_80981\" style=\"width: 350px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/340px-Marc_-_Verso\u0308hnung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-80981\" class=\"wp-image-80981 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/340px-Marc_-_Verso\u0308hnung.jpg\" alt=\"\" width=\"340\" height=\"278\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/340px-Marc_-_Verso\u0308hnung.jpg 340w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/340px-Marc_-_Verso\u0308hnung-300x245.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/340px-Marc_-_Verso\u0308hnung-260x213.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/340px-Marc_-_Verso\u0308hnung-160x131.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-80981\" class=\"wp-caption-text\">Franz Marc: Vers\u00f6hnung nach dem Gedicht von Lasker-Sch\u00fcler<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr das Titelblatt der Doppelnummer des Septemberhefts 1912 von Herwarth Waldens Kunstzeitschrift \u201eDer Sturm\u201c schuf Franz Marc den Holzschnitt \u201eVers\u00f6hnung\u201c, eine Illustration des gleichnamigen Gedichts von Else Lasker-Sch\u00fcler. Im Dezember 1912 lernten Franz und Maria Marc die Dichterin im Berliner Heim seiner Schwiegereltern kennen. Dem Treffen war eine Korrespondenz vorausgegangen, die sich zu einem regen Briefwechsel zwischen dem Prinzen Jussuf von Theben (Else Lasker-Sch\u00fcler) und dem Blauen Reiter (Franz Marc) bis zum Sommer 1914 entspann. Von den privaten eigenh\u00e4ndig bemalten Kartengr\u00fc\u00dfen und Briefen sind 66 von Else Lasker-Sch\u00fcler, 28 von Franz Marc erhalten. Nach Peter Klaus Schuster liegt das Einzigartige dieser K\u00fcnstlerfreundschaft in der \u201edoppelten Doppelbegabung\u201c: So wie sich Franz Marc in seinen Karten \u00fcber das Bild hinaus als poetischer Maler zeige, antworte Else Lasker-Sch\u00fcler in ihren Briefen nicht nur mit Worten, sondern auch mit Zeichnungen. Mit dem Gedichtband \u201eMeine Wunder\u201c (1911) wurde Lasker-Sch\u00fcler zur f\u00fchrenden deutschen Expressionistin.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #808080;\"><em>Es ist zu hoffen, dass diese Stadt Wuppertal langsam begreift, welches Kind der Sterne in diesen Mauern zur Welt kam.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #808080;\">Teo Otto<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_75724\" style=\"width: 197px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-75724\" class=\"wp-image-75724 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler-187x300.jpg\" alt=\"\" width=\"187\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler-187x300.jpg 187w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler-260x417.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler-160x256.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler.jpg 440w\" sizes=\"auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-75724\" class=\"wp-caption-text\">Else Lasker-Sch\u00fcler aka Prinz Yussuf (1912)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es w\u00e4re sehr einseitig, Else Lasker-Sch\u00fcler auf die Lyrik zu reduzieren. KUNO stellt in diesem Jahr eine Reihe ihrer Essays (meist Portr\u00e4ts befreundeter K\u00fcnstler oder von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/12\/31\/alfred-kerr\/\">Alfred Kerr<\/a>) vor, aber auch ihre Kurzprosa zeigt sie sich als genaue Beobachterin des gro\u00dfst\u00e4dtischen Lebens. Es gibt eine Reihe von Prosatexten und Portr\u00e4ts aus den zehner und zwanziger Jahren, also aus der Zeit, in der Else Lasker-Sch\u00fcler in Berlin lebte, die eine \u00fcberraschend pr\u00e4zise formulierende Autorin zeigen und das Bild korrigieren, das von vielen Interpreten (\u00e0 la &#8222;eine ganz nach innen gekehrte Seherin&#8220;) gepr\u00e4gt wurde. Sie ist hier als Autorin zu entdecken, die ihre soziale Umgebung mit allen Details und Widerspr\u00fcchen wahrnahm, sie hinrei\u00dfend genau beschreiben konnte und dann mit ihrer einzigartigen Ausdruckskraft zum Leuchten brachte. In einer manchmal ironischen, manchmal ganz sachlich am Gegenstand (Stra\u00dfen, Pl\u00e4tze, B\u00e4ume, Hotels, Caf\u00e9s etc.) oder an Personen (Portr\u00e4ts von Zeitgenossen, bekannten wie unbekannten) orientierten Sprache hat Else Lasker-Sch\u00fcler etwas \u00fcber die damalige Zeit und das damalige Berlin zu sagen, was \u00fcber die Feuilletons anderer Autoren dieser Zeit hinausgeht und eine ganz eigene Farbe tr\u00e4gt. KUNO empfiehlt daher die von Heidrun Loeper editierte Zusammenstellung \u201eDie kreisende Weltfabrik\u201c, die diese Berliner Ansichten und Portr\u00e4ts zusammenfa\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Ich brachte wahrscheinlich mein Herz ins Flie\u00dfen, als ich mein Schauspiel \u00bbDie Wupper\u00ab schrieb. Es war in der Nacht, ich schlief, ja ich schlief. Mein Gehirn war also nicht imstande, mich zu dirigieren, den Takt zu meiner kleinen Erdkugel zu schlagen. Ein Theaterst\u00fcck mu\u00df ja immer eine Welt sein, ins Rollen zu kommen. Nicht um etwa auf die B\u00fchne zu gelangen. Wer daran im Erschaffen auch nur heimlich denkt oder denken kann, der zimmert eine Welt, aber er erschafft sie nicht und \u2013 Geschicklichkeit ist keine Zauberei und zaubern hei\u00dft des Dichters \u2013 Handwerk.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch f\u00fcr die B\u00fchne hat sie gro\u00dfartiges geleistet. Einerseits als Performerin, aber auch als Theaterautorin.\u00a0 \u201eDie Wupper\u201c ist ein stilistisch dem Expressionismus zuzuordnendes Schauspiel in f\u00fcnf Akten von Lasker-Sch\u00fcler. Es wurde 1909 ver\u00f6ffentlicht und 1919 in Berlin uraufgef\u00fchrt. Seine Formensprache ist vielf\u00e4ltig und selbstverst\u00e4ndlich eigenwillig. Das erste Drama der Dichterin thematisiert soziale und religi\u00f6se Gegens\u00e4tze im Industriemilieu des Wuppertals. Es gibt keine stringente Handlungsentwicklung, sondern schlaglichtartig und atmosph\u00e4risch verdichtet werden Szenen aneinandergereiht. An den Schicksalen von Mitgliedern der Unternehmerfamilie Sonntag und der Arbeiterfamilie Pius wird die innere Beziehungslosigkeit und Sinnlosigkeit des Lebens dargestellt. Bei der ersten Auff\u00fchrung nach dem Krieg, 1958 an den B\u00fchnen der Stadt K\u00f6ln in der Inszenierung von Hans Bauer und mit dem B\u00fchnenbild von Teo Otto, kam es zu w\u00fctenden Protesten. Im 1966 neu er\u00f6ffneten Schauspielhaus Wuppertal war <em>Die Wupper<\/em> die zweite Er\u00f6ffnungspremiere und wurde begeistert aufgenommen. Diese Auff\u00fchrung wurde zum Berliner Theatertreffen 1967 eingeladen und vom WDR f\u00fcr das Fernsehen aufgezeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Ich habe mir nie ein System gemacht, wie es kluge Frauen tun, nie eine Weltanschauung befestigt, wie es noch kl\u00fcgere M\u00e4nner tun, nicht eine Arche habe ich mir gezimmert. Ich bin ungebunden, \u00fcberall liegt ein Wort von mir, von \u00fcberall kam ein Wort von mir.<\/em> <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lasker-Sch\u00fclers Theaterst\u00fcck <i>Arthur Aronymus und seine V\u00e4ter<\/i>, das 1933 im Berliner Schillertheater kurz vor der Premiere stand, wurde von den Nationalsozialisten sofort vom Spielplan genommen. In diesem St\u00fcck hat die Dichterin die Judenverfolgung vorweggenommen:<\/p>\n<dl>\n<dd>\n<dl>\n<dd><i>Unsere T\u00f6chter wird man verbrennen auf Scheiterhaufen<\/i><\/dd>\n<dd><i>Nach mittelalterlichem Vorbild.<\/i><\/dd>\n<dd><i>Der Hexenglaube ist auferstanden<\/i><\/dd>\n<dd><i>Aus dem Schutt der Jahrhunderte.<\/i><\/dd>\n<dd><i>Die Flamme wird unsere unschuldigen j\u00fcdischen Schwestern verzehren.<\/i><sup id=\"cite_ref-23\" class=\"reference\"><\/sup><\/dd>\n<\/dl>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Bezug zum politischen Zeitgeschehen wird noch deutlicher im letzten, unvollendeten Drama der Dichterin \u2013 <i>IchundIch<\/i> \u2013, an dem sie im Jerusalemer Exil bis kurz vor ihrem Tod arbeitete. Mit <i>IchundIch<\/i> entstand eine vielschichtige Fortsetzung von Goethes <i>Faust<\/i>, in welcher Mephisto und Faust vom H\u00f6llengrund aus beobachten, wie Hitler St\u00fcck um St\u00fcck die Welt erobert. Schlie\u00dflich muss auch Mephisto angesichts der Gr\u00e4ueltaten erkennen, dass das B\u00f6se nicht unterst\u00fctzt werden darf. Gemeinsam mit Faust bittet er Gott um Vergebung. Sie werden beide in den Himmel aufgenommen, w\u00e4hrend das Dritte Reich in einem Flammenmeer untergeht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>&#8230;durch das wiederum Entfalten<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Des IchundIch<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Komm ich gekl\u00e4rt und pfingstgel\u00e4utert ich zu mir!<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>IchundIch<\/i> f\u00fchrte zu zahlreichen Kontroversen unter Werkkundigen der Dichterin. W\u00e4hrend die einen Else Lasker-Sch\u00fcler nahezu prophetische Weitsicht unterstellten, da sie schon weit vor 1944 den Untergang des Nazi-Regimes beschrieb, sahen andere in dem Drama vielmehr Anzeichen geistigen Verfalls. So schrieb Armin Juhre voller Bewunderung: \u201eWelcher der vielen deutschen emigrierten Schriftsteller hat sich je zu solcher K\u00fchnheit aufgeworfen?\u201c Ernst Ginsberg bemerkt dagegen 1958 in einem Brief an den Nachlassverwalter Manfred Sturmann: \u201eIch habe es nur mit tiefster Ersch\u00fctterung, ja ich gestehe: zuweilen nur unter Tr\u00e4nen lesen k\u00f6nnen. [\u2026] Man sp\u00fcrt die geistige Nacht \u00fcber die greise Dichterin hereinbrechen, \u00fcber die nur noch seltene Sternschnuppen hinzucken.\u201c So war das Werk viele Jahre lang nur zu wissenschaftlichen Zwecken \u00fcberhaupt einsehbar: <i>IchundIch<\/i> wurde zun\u00e4chst gar nicht, 1961 in wenigen Ausschnitten und erst 1969 kritisch kommentiert vollst\u00e4ndig im <i>Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft<\/i> ver\u00f6ffentlicht. Es wurde schlie\u00dflich am 10. November 1979 im Gro\u00dfen Schauspielhaus D\u00fcsseldorf welturaufgef\u00fchrt, am 8. Dezember 1979 folgte die Auff\u00fchrung im Schauspielhaus Wuppertal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammen mit Richard Billinger erhielt die Dichterin 1932 den letztmals vor der nationalsozialistischen Machtergreifung vergebenen Kleist-Preis. Am 19.4.1933, nach t\u00e4tlichen Angriffen und angesichts der Bedrohung ihres Lebens, emigrierte sie nach Z\u00fcrich, erhielt dort jedoch Arbeitsverbot. Die Kantonale und die St\u00e4dtische Fremdenpolizei mit ihren Kontrolldetektiven erlie\u00dfen nur befristete Aufenthalte und verursachten dadurch st\u00e4ndige Ortswechsel. Von Z\u00fcrich unternahm sie 1934 und 1937 zwei Reisen nach Pal\u00e4stina, ihrem \u201eHebr\u00e4erland\u201c. 1938 wurde ihr die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft aberkannt, sie wird \u201eschriftenlos\u201c, wie es in der Schweiz hei\u00dft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ausb\u00fcrgerung 1938: <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geheime Staatspolizei \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Berlin SW 11, den 14.Juli 1938.<br \/>\nGeheimes Staatspolizeiamt \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Prinz-Albrecht-Str. 8<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An den Reichsf\u00fchrer SS<br \/>\nund Chef der Deutschen Polizei<br \/>\nim Reichsministerium des Innern<br \/>\nReferat S-PP (II B9)<br \/>\n<u>in Berlin<\/u><br \/>\n<u>Betrifft: <\/u>Aberkennung der deutschen Staatsangeh\u00f6rigkeit der j\u00fcdischen Emigrantin Else Lasker geb. Sch\u00fcler gesch. Levin,11.2.1869 in Wuppertal-Elberfeld geboren, letzter inl. Wohnsitz: Berlin, Motzstr. 78, jetziger Aufenthalt: Z\u00fcrich.<br \/>\n<u>Vorgang: <\/u>Ohne.<br \/>\n<u>Anlagen: <\/u>3 Durchschriften<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die j\u00fcdische Emigrantin Else Lasker besitzt die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit. Sie war die typische Vertreterin der in der Nachkriegszeit in Erscheinung getretenen &#8222;emanzipierten Frauen&#8220;. Durch Vortr\u00e4ge und Schriften versuchte sie, den seelischen und moralischen Wert der deutschen Frau ver\u00e4chtlich zu machen. Lasker-Sch\u00fclers Leben ist durch die doppelte Au\u00dfenseitererfahrung als J\u00fcdin und Frau gepr\u00e4gt gewesen, doch sie hat stets die Opferrolle zur\u00fcckgewiesen und die Erfahrung der Fremdheit als sch\u00f6pferische[s] Potential f\u00fcr einen eigenen Lebens- beziehungsweise Identit\u00e4tsentwurf genutzt, der sich von den Klischees j\u00fcdischer oder weiblicher Identit\u00e4t emanzipierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Machtergreifung der Nazis fl\u00fcchtete sie nach Z\u00fcrich und brachte dort ihre deutschfeindliche Einstellung durch Verbreitung von Greuelm\u00e4rchen zum Ausdruck. Ihre schriftstellerische T\u00e4tigkeit setzte sie fort und ver\u00f6ffentlichte Artikel in dem ber\u00fcchtigten deutschfeindlichen \u00bbPariser Tageblatt\u00ab. Ferner gab sie Schriften in dem deutschfeindlichen Verlage \u00bbOprecht\u00ab in Z\u00fcrich, dessen gesamte Produktion auf der Liste des sch\u00e4ndlichen und unerw\u00fcnschten Schrifttums steht, heraus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich beantrage daher, der J\u00fcdin Else Lasker die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit abzuerkennen. Eine Verm\u00f6gensbeschlagnahme und Verfallerkl\u00e4rung er\u00fcbrigen sich, da Verm\u00f6genswerte im Inlande nicht festgestellt werden konnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Erstreckung der Ausb\u00fcrgerung auf Familienangeh\u00f6rige kommt nicht in Betracht, da die Lasker, die 2 mal verheiratet war, von ihrem letzten Ehemann rechtskr\u00e4ftig im April 1913 geschieden worden ist. Der aus der Ehe hervorgegangene Sohn Paul Lasker, 24.8.99 in Berlin geboren, ist bereits im September 1923 nach Wien verzogen. Nachteiliges \u00fcber ihn ist nicht bekannt geworden.<br \/>\nIm Auftrage:<br \/>\ngez. Keller<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">..erinnert mehr an Tonbandaufnahmen als an Briefe. Sie ist ein richtiger Germanistenschreck.<em><br \/>\n<\/em>Erich Fried<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_81790\" style=\"width: 288px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Else_Lasker-Schu\u0308ler-e1617433306866.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-81790\" class=\"wp-image-81790 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Else_Lasker-Schu\u0308ler-e1617433306866.jpg\" alt=\"\" width=\"278\" height=\"431\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-81790\" class=\"wp-caption-text\">Else Lasker-Sch\u00fcler an ihrem 50. Geburtstag. Quelle: National Library of Israel, Schwadron collection<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">1939 reiste Else Lasker-Sch\u00fcler zum dritten Mal nach Pal\u00e4stina. Der Kriegsausbruch hinderte sie an einer R\u00fcckkehr in die Schweiz. Zudem hatten ihr die Schweizer Beh\u00f6rden das R\u00fcckreisevisum verweigert. 1944 erkrankte sie schwer. Nach einem Herzanfall am 16. Januar starb Else Lasker-Sch\u00fcler am 22.1.1945. Sie wurde auf dem \u00d6lberg in Jerusalem begraben. Nachdem der \u00d6lberg bei der Teilung Jerusalems 1948 unter jordanische Verwaltung gekommen war, wurde Lasker-Sch\u00fclers Grab, wie viele andere historische Gr\u00e4ber auch, zerst\u00f6rt. Der von Leopold Krakauer geschaffene Grabstein wurde nach der israelischen Eroberung Ostjerusalems im Sechstagekrieg neben einer Schnellstra\u00dfe gefunden, welche die jordanische Verwaltung 1960 quer durch den jahrtausendealten j\u00fcdischen Friedhof hatte bauen lassen. 1975 wurde der Grabstein an seinem heutigen Ort aufgestellt. Er liegt auf einem wei\u00dfen Sockel. Eine hebr\u00e4isch und deutsch beschriftete Tafel verk\u00fcndet, wer unter dem Stein geruht hat.<sup id=\"cite_ref-21\" class=\"reference\"><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Der schwarze Schwan Israels, eine Sappho, der die Welt entzwei gegangen ist. Strahlt kindlich, ist urfinster. In ihres Haares Nacht wandert Winterschnee. Ihre Wangen feine Fr\u00fcchte, verbrannt vom Geiste.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Else\u2019s Seele aber steht in den Abendfarben Jerusalems, wie sie\u2019s einmal so \u00fcberaus gl\u00fccklich bezeichnet hat.<\/em>\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Peter Hille<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Dichtung Else Lasker-Sch\u00fclers, die von Jerusalem und dem Gelobten Land erz\u00e4hlt, steht im Spannungsfeld zwischen idealen Bildvorstellungen und den realen politischen und pers\u00f6nlichen Lebensumst\u00e4nden. Das Jerusalem, dem die Sehnsucht gilt, mag im Herzen liegen, mag ein Kindheitstraum oder der Ort gesch\u00fctzter Kindheit und m\u00e4rchenhafter Phantasiewelt sein. Zumeist ist es jedoch das verhei\u00dfene Jenseitsbild. In Prosa und Gedicht verflechten sich daher biblische Bilder, die Geschichte des j\u00fcdischen Volkes, individuelle Exilerfahrungen und das sinnliche Erleben des Landes und der Stadt Jerusalem. Gershom Scholem verweist in diesem Zusammenhang auf eine \u201eOpposition von messianischer und geschichtlicher Existenz\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Psalmistin der deutschen Avantgarde<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #999999;\">Walter Mehring<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In ihrem Werk nimmt Liebeslyrik einen breiten Raum ein, aber daneben finden sich tief religi\u00f6se Gedichte, Gebete. Die \u00dcberg\u00e4nge sind dabei oft flie\u00dfend. Vor allem das sp\u00e4tere Werk ist reich an biblischen und allgemeiner orientalischen Motiven. Lasker-Sch\u00fcler ist sehr frei gegen\u00fcber den \u00e4u\u00dferen Regeln poetischer Form, dabei gelingen ihr aber Werke von gro\u00dfer innerer Konzentration. Auch vor sprachlichen Neusch\u00f6pfungen schreckt sie nicht zur\u00fcck. Else Lasker-Sch\u00fcler ver\u00f6ffentlichte f\u00fcnf Einzelausgaben ihrer Gedichte: <em>Styx <\/em>(1902), <em>Der siebente Tag <\/em>(1905), <em>Meine Wunder<\/em> (1911), <em>Hebr\u00e4ische Balladen<\/em> (1913; in zweiter Auflage 1914, vermehrt um die beiden Gedichte \u201eMoses und Josua\u201c und \u201eIm Anfang\u201c) und <em>Mein blaues Klavier<\/em> (1943). Daneben erschienen noch zu ihren Lebzeiten zwei ,Gesamtausgaben\u2018 ihrer Gedichte: bei Kurt Wolff in einem Band mit dem Titel <em>Die gesammelten Gedichte<\/em> (1917; 1919 und 1920 in zweiter und dritter Auflage), bei Paul Cassirer in zwei B\u00e4nden (als Teil einer zehnb\u00e4ndigen Werkausgabe) mit den Titeln <em>Hebr\u00e4ische Balladen<\/em>. <em>Der Gedichte erster Teil und Die Kuppel. Der Gedichte zweiter Teil<\/em> (1920). Beide ,Gesamtausgaben\u2018 weisen, was den Textbestand betrifft, allerdings L\u00fccken auf. Ferner brachte Alfred Flechtheim 1923 unter dem Titel <em>Theben<\/em> als Faksimiledruck eine Sammlung von zehn Zeichnungen und zehn Gedichtautographen Else Lasker-Sch\u00fclers heraus. Ihre Gedichte aus den zwanziger Jahren nahm Else Lasker-Sch\u00fcler zum Teil in die Prosa wie Lyrik enthaltende Sammlung <em>Konzert <\/em>(1932) auf, die Gedichte aus den drei\u00dfiger Jahren wurden \u00fcberwiegend in <em>Mein blaues Klavier<\/em> aufgenommen. Zahlreiche Gedichte aus dieser Zeit aber sind in keiner zu Lebzeiten publizierten Buchausgabe Else Lasker-Sch\u00fclers enthalten und nur aus Ver\u00f6ffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien bekannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Dies war die gr\u00f6\u00dfte Lyrikerin, die Deutschland je hatte &#8230; Ihre Themen waren j\u00fcdisch; ihre Phantasie orientalisch, aber ihre Sprache war deutsch, ein \u00fcppiges, prunkvolles, zartes Deutsch, eine Sprache reif und s\u00fc\u00df, in jeder Wendung dem Kern des Sch\u00f6pferischen entsprossen.<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #999999;\"><em>Immer unbeirrbar sie selbst, fantastisch sich selbst verschworen, feindlich allem Satten, Sicheren, Netten, vermochte sie in dieser Sprache ihre leidenschaftlichen Gef\u00fchle auszudr\u00fccken, ohne das Geheimnisvolle zu entschleiern und zu vergeben, das ihr Wesen war<\/em>.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #999999;\">Gottfried Benn<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Rezeption der Lyrik Else Lasker-Sch\u00fclers nach dem Tod der Dichterin ist weitgehend bestimmt worden von der durch Friedhelm Kemp besorgten ,Gesamtausgabe\u2018 <em>Gedichte 1902\u20131943<\/em>, die zuerst 1959 erschienen ist und die mehrfach neu aufgelegt wurde. Sie ber\u00fccksichtigt in aller Regel allein die Gedichte, die Lasker-Sch\u00fcler selbst in die Buchausgaben ihrer Werke aufgenommen hat. Friedhelm Kemp folgte in seiner Ausgabe eng dem Prinzip, das Lasker-Sch\u00fcler selbst in den zuerst 1917 erschienenen <em>Gesammelten Gedichten<\/em> angewandt hat und dem sie auch in der zweib\u00e4ndigen Gedichtausgabe von 1920 gefolgt ist: der Anordnung der Gedichte in Zyklen. Hierbei \u00fcbernahm Lasker-Sch\u00fcler Gedichte aus \u00e4lteren Ver\u00f6ffentlichungen, \u00fcberarbeitete diese zum Teil und stellte sie in neue Kontexte. In der hier vorliegenden Leseausgabe hingegen werden die Sammlungen wie auch die in Zeitschriften und Anthologien ver\u00f6ffentlichten Gedichte in ihrer urspr\u00fcnglichen Chronologie und in ihrem urspr\u00fcnglichen Wortlaut wiedergegeben. Diesen Ver\u00f6ffentlichungen kommt gegen\u00fcber den Abdrucken der einzelnen Gedichte in den beiden ,Gesamtausgaben\u2018 von 1917 und 1920 entstehungs- und wirkungsgeschichtlich ein nicht nur zeitliches Primat zu. W\u00e4hrend der gut vier Jahrzehnte, in denen sie publizierte, war Lasker-Sch\u00fcler mit ihren Gedichten in fast allen wichtigen Journalen vertreten: Gerade diese Ver\u00f6ffentlichungen waren es, mit denen sie die Aufmerksamkeit der literarischen \u00d6ffentlichkeit wecken konnte. Hinzu kommt, da\u00df in nahezu allen namhaften Anthologien der Zeit Gedichte von Else Lasker-Sch\u00fcler, meist Wiederabdrucke, aufgenommen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Das St\u00fcck von Pina Bausch \u00fcber Else Lasker-Sch\u00fcler, begleitet vom Saxophonisten Peter Br\u00f6tzmann&#8230; gibt es nur in meiner Erinnerung&#8230;<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">A.J. Weigoni<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wirkungsgeschichtlich spielen demgegen\u00fcber die ,Gesamtausgaben\u2018 nur eine untergeordnete Rolle. Leser, die sich f\u00fcr Else Lasker-Sch\u00fclers eigene Anordnung ihrer Gedichte in Zyklen interessieren, seien auf die Anmerkungen zum Band I (<em>Gedichte<\/em>) der Kritischen Ausgabe der Werke und Briefe Else Lasker-Sch\u00fclers verwiesen, der 1996 im <em>J\u00fcdischen Verlag<\/em> erschienen ist: In Synopsen sind dort die Zyklen detailliert dargestellt. Die <em>Kritische Ausgabe<\/em> der Werke von Else Lasker-Sch\u00fcler sollte in keiner Sammlung fehlen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die kreisende Weltfabrik<\/strong>: Berliner Ansichten und Portr\u00e4ts, von Else Lasker-Sch\u00fcler. Transit Buchverlag, 2012<\/p>\n<p>Die <em>Kritische Ausgabe<\/em> der Werke von Else Lasker-Sch\u00fcler, erschienen im <em>J\u00fcdischen Verlag<\/em> 1996<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/ElseLasker_Schu\u0308ler.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-80984 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/ElseLasker_Schu\u0308ler-178x300.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/ElseLasker_Schu\u0308ler-178x300.jpg 178w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/ElseLasker_Schu\u0308ler-260x439.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/ElseLasker_Schu\u0308ler-160x270.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/ElseLasker_Schu\u0308ler.jpg 379w\" sizes=\"auto, (max-width: 178px) 100vw, 178px\" \/><\/a><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> 1995 betrachteten wir die Lyrik vor dem Hintergrund der Mediengeschichte als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/01\/02\/laboratorium-der-poesie\/\"><em>Laboratorium der Poesie<\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 2005 vertieften wir die Medienbetrachtung mit dem Schwerpunkt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/01\/02\/transmediale-poesie\/\"><em>Transmediale Poesie<\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 2015 fragen wir uns in der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/01\/02\/poetologische-positionsbestimmung\/\"><em>Minima poetica<\/em><\/a> wie man mit Elementarteilchen die Gattung Lyrik neu zusammensetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192 \u00a0<\/strong>Ein Video von Frank Michaelis und A.J. Weigoni aus der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_xE7BPCey68\">Schwebebahn<\/a>\u00a0zwischen Elberfeld und Barmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Else Lasker-Sch\u00fcler ist die st\u00e4rkste und unwegsamste lyrische Erscheinung des modernen Deutschlands. Karl Kraus Die Wupper ist nicht nur ein Flu\u00df, der sich durch das bergische Land schl\u00e4ngelt. Er verbindet unterschiedliche Ortschaften, wie die ehemaligen Gro\u00dfst\u00e4dte Barmen und Elberfeld. 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