{"id":8097,"date":"2012-10-07T00:21:46","date_gmt":"2012-10-06T22:21:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=8097"},"modified":"2024-08-17T07:30:18","modified_gmt":"2024-08-17T05:30:18","slug":"mit-macbeth-in-den-untergang-%e2%88%99-wie-freunde-und-feinde-israels-dazu-beitragen-die-katastrophe-herbeizufuhren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/10\/07\/mit-macbeth-in-den-untergang-%e2%88%99-wie-freunde-und-feinde-israels-dazu-beitragen-die-katastrophe-herbeizufuhren\/","title":{"rendered":"Mit Macbeth in den Untergang? Wie Freunde und Feinde Israels dazu beitragen, die Katastrophe  herbeizuf\u00fchren"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Macbeth,<\/strong><\/p>\n<div style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/5\/50\/MacbethAndBanquo-Witches.jpg\/220px-MacbethAndBanquo-Witches.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"164\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Th\u00e9odore Chass\u00e9riau \u00b7 Macbeth und Banquo treffen die Hexen in der Heide<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">der schottische Edelmann, wird zu Beginn der Shakespeareschen Trag\u00f6die als ein Mensch mit widerspr\u00fcchlichen, aber \u00fcberwiegend positiven Eigenschaften vorgestellt: Er ist mutig, sensibel, nobel, loyal. Aus einer m\u00f6glicherweise falsch verstandenen Vision heraus\u00a0\u2013 drei Hexen prophezeien die K\u00f6nigskrone f\u00fcr Macbeth\u00a0\u2013 begeht er den ersten schwerwiegenden Fehler. Um diesen zu verdecken, erfolgt der zweite, der dritte. Alle folgenden Rechtsbr\u00fcche dienen der Verdeckung der vorangegangenen. Er mordet, l\u00e4sst morden, verbreitet L\u00fcgen und beordert Spione in die H\u00e4user anderer Regenten. In diesem verzweifelten und paranoiden Zustand sieht er sich von allen Seiten von Feinden umgeben. Je verzweifelter die Lage f\u00fcr Macbeth wird, desto gr\u00f6\u00dfer ist der Verlust des moralischen Empfindens. Es scheint f\u00fcr Macbeth kein Zur\u00fcck zu geben. Er muss weiter t\u00f6ten, bis er selber im Kampf mit dem Feindbild get\u00f6tet wird. Mit Laubzweigen des nahen Waldes getarnt n\u00e4hert sich das feindliche Heer der Burg Macbeths und erf\u00fcllt eine weitere Vision der Hexen: Der Wald von Birnam bewegt sich \u2013 auf Macbeths Untergang zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine Vision<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">steht auch zu Beginn der ersten zionistischen Einwanderungen nach Pal\u00e4stina: Eretz Israel. Mit der Vision des Landes verbunden ist die Hoffnung, nach Jahrhunderten der Verfolgung und grausamer Pogrome endlich unbehelligt leben zu k\u00f6nnen und einer Besch\u00e4ftigung nachzugehen, die den j\u00fcdischen Einwanderern in ihren Herkunftsl\u00e4ndern untersagt worden war, beispielsweise die Betreibung der Landwirtschaft. Die neuen Siedler des Landes begehen einen verh\u00e4ngnisvollen Fehler: Sie schlie\u00dfen die arabische Beteiligung von der Bewirtschaftung aus. Die arabischen Bauern, die bis zum Verkauf durch Gro\u00dfgrundbesitzer das Land als P\u00e4chter bestellt hatten, sehen sich nicht nur ihrer Erwerbsquellen beraubt, sie sehen auch eine fremde Mentalit\u00e4t in immer gr\u00f6\u00dfer werdender Zahl in das Land eindringen. Sie wehren sich mit Angriffen. Gegenangriffe der Eingewanderten erfolgen. Die ersten Fehler werden nicht erkannt oder (bewusst?) ignoriert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Ausma\u00df<\/strong><\/p>\n<div style=\"width: 208px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" \" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/1\/16\/Karte_Gazastreifen.png\/220px-Karte_Gazastreifen.png\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"241\" \/><p class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Lencer<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">der \u00dcbertretungen vergr\u00f6\u00dfert sich. Noch vor der Staatsgr\u00fcndung werden arabische D\u00f6rfer vernichtet. W\u00e4hrend des Krieges von 1948 setzen sich Vernichtungs- und Vertreibungsaktionen fort. In den Aufbaujahren werden Spuren der Vernichtung beseitigt, Parkanlagen und W\u00e4lder entstehen \u00fcber den Stellen vernichteter arabischen\u00a0 D\u00f6rfer und Landg\u00fcter. Die Verdeckung vorangegangener Fehler l\u00e4sst Propagandal\u00fcgen entstehen. Israel sieht sich von Feinden umgeben, zum T\u00f6ten gezwungen, l\u00e4sst t\u00f6ten &#8230; Israel als Verk\u00f6rperung der Macbeth-Figur?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Israel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ist nicht Macbeth. Wenn \u00fcberhaupt die Mythosfigur sich auf Staatswesen \u00fcbertragen l\u00e4sst, w\u00e4re die Festlegung auf das <em>eine<\/em> Wesen Israel nicht gerechtfertigt. Was aber lockt den Vergleich hervor, der sich nachsagen lassen muss, einseitig zu sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Den vergleichenden Betrachtungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">zwischen Israel und Macbeth k\u00f6nnen \u00c4hnlichkeiten und Unterschiede entnommen werden, die richtungweisend f\u00fcr einen Weg aus dem mit Israel verbundenen Nahost-Dilemma sein k\u00f6nnen. Wie der mythischen Figur fehlt es auch Israel an weisen beratenden Freunden. Schlecht gesch\u00fctzt ist Israel, stellt der Rabbi von Bacharach\u00a0 in Heines gleichnamigem Romanfragment fest: \u00bbFalsche Freunde h\u00fcten seine Tore von au\u00dfen.\u00ab Die angeblichen Freunde helfen mit, Israel mit einem Waffenarsenal gef\u00e4hrlichen Ausma\u00dfes zu best\u00fccken. Die Waffenlieferungen m\u00f6gen geeignet sein, das Gewissen \u203ahistorischer Schuld\u2039 zu bes\u00e4nftigen, aber sie beseitigen nicht die Angst des Empf\u00e4ngers, der sich von Feinden umgeben sieht. Die Angst wird zus\u00e4tzlich gen\u00e4hrt durch die Vorstellung, sich auf niemanden verlassen zu k\u00f6nnen. Die geschichtliche Erfahrung des Holocausts hat gezeigt, dass diese Angst nicht ganz unbegr\u00fcndet ist: Selbst nach Bekanntwerden des Ausma\u00dfes der Gr\u00e4ueltaten war kaum ein Land bereit, die Gestrandeten aufzunehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00bbFalsche Freunde\u00ab<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">k\u00f6nnen auch jene Pro-Israel-Lobbyisten sein, Gruppen wie Individuen, die Israel uneingeschr\u00e4nkt Solidarit\u00e4t bekunden. Eine \u2013 m\u00f6glicherweise aus einem Mitgef\u00fchl kollektiven Leids oder auch aus einer religi\u00f6sen Ideologie erwachsene \u2013 Mentalit\u00e4t nach der Devise \u203aEgal was du machst, wir halten zu dir\u2039 kann den Weg in die Katastrophe beschleunigen helfen. Eine ebenso gro\u00dfe Gefahr geht von Friedenswilligen aus, die sich der Durchsetzung von Recht und Gerechtigkeit verschrieben haben. Was zun\u00e4chst paradox klingt, wird aus der Gefahr der immer st\u00e4rker zunehmenden Polarisierung zwischen Israel-Unterst\u00fctzern und Israel-Gegnern verst\u00e4ndlich. Unter den Letztgenannten finden sich auch sogenannte \u203aFriedensk\u00e4mpfer\u2039, nach Gerechtigkeit Strebende, die sich in guter Absicht die Zweige des Waldes von Birnam umgelegt haben, der in Shakespeares Drama das Ende Macbeths ank\u00fcndigt. Wenn Aktionen zur Unterst\u00fctzung einer Konfliktpartei nicht gleichzeitig von Gespr\u00e4chen mit der anderen Seite begleitet werden, k\u00f6nnen sie zu einer Gefahr werden: Sie treiben die andere Konfliktpartei in die Enge und trotzen ihr m\u00f6glicherweise eine unvern\u00fcnftige Verteidigungshandlung ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Frieden<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">kann nicht erk\u00e4mpft werden, man kann sich ihm nur in ruhigen, geduldigen Schritten n\u00e4hern. Der Weg zum Frieden setzt die M\u00fche voraus, auf die \u203aandere Seite\u2039 zuzugehen, den Mut, Fakten beim Namen zu nennen und die Empathie, mit dem Gegen\u00fcber gemeinsam nach M\u00f6glichkeiten zu suchen. Dies m\u00fcsste auf allen Ebenen, der individuellen wie der politischen, recht bald geschehen; denn der Wald von Birnam n\u00e4hert sich, und Macbeth, in seiner Angst, wird paranoid.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die zunehmende Polarisierung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">unter den Pro- und Contra-Gruppen hat wie\u00a0 auf der gro\u00dfen politischen Ebene zwischen Israel und Pal\u00e4stina eine Stufe der Eskalation erreicht, auf der Gespr\u00e4che nicht mehr wahrgenommen werden. Setzt sich diese Entwicklung ungehindert fort, wird sie bald die letzte Stufe im Eskalationsmodell erreicht haben: \u203aGemeinsam in den Abgrund\u2039.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><span style=\"color: #000080;\">Hier\u00a0\u2192 in der <strong><a href=\"http:\/\/www.tikkun.org\/tikkundaily\/2012\/11\/30\/israel-macbeth-and-the-march-toward-catastrophe\/\"><span style=\"color: #000080;\">englischen Fassung<\/span><\/a><\/strong> zu lesen.<\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Macbeth, der schottische Edelmann, wird zu Beginn der Shakespeareschen Trag\u00f6die als ein Mensch mit widerspr\u00fcchlichen, aber \u00fcberwiegend positiven Eigenschaften vorgestellt: Er ist mutig, sensibel, nobel, loyal. 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