{"id":80941,"date":"2024-01-22T00:01:37","date_gmt":"2024-01-21T23:01:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=80941"},"modified":"2022-06-11T14:44:30","modified_gmt":"2022-06-11T12:44:30","slug":"recap","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/01\/22\/recap\/","title":{"rendered":"Recap"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir uns den <i>Gesammelten Gedichten<\/i> der Else Lasker-Sch\u00fcler hingegeben haben, m\u00f6chten wir an die Kunst nicht denken und das erh\u00f6hte Wort der Dichterin noch einmal nachsprechen: \u201eIch werde heimw\u00e4rts von deinem Atem getragen\u201c. Die Liebe zu Menschen ist ihre ganze Welt und alles andere nur ein Teil dieser Welt, \u2013 Wald, Meer, Sterne: und da sie alle <i>immer <\/i>Gleichnis sind, bleiben sie nicht blo\u00dfes Gleichnis mehr. Das Gef\u00fchl ist gr\u00f6\u00dfer als sie: sie haben Raum darin. \u201e\u2212 den Rauscheton Spielt die Nacht und wei\u00df nichts vom Geschehn.\u201c Jenes T\u00f6nen ist das Geschehn. Ihm halten die altj\u00fcdischen Sagen still, verlieren die \u00e4u\u00dferliche Bewegung und regen sich nach den Gesetzen seines Taktes, ihm f\u00fcgen sich nach den gleichen Gesetzen die Balladen von gestern und heute. Die Liebe zu den Menschen entdeckt, erkl\u00e4rt, macht mythisch. Darum sind die Charakterbilder der von der Dichterin begr\u00fc\u00dften Weggenossen bei aller Verkl\u00e4rung scharf und wahr. Sie hat die herrliche Gewohnheit, von vielen ihrer Freunde und Kameraden zu reden und sie wirklich zu meinen. Sie kann das wagen, weil es ihr unm\u00f6glich ist, den Bezirk des Dichterischen, der ihr Gef\u00fchl ist, irgend zu verlassen. Sie lebt einsam darin, und einsam sind wir ja nur, wenn uns die Welt geh\u00f6rt: ohne ihrer gew\u00e4rtig zu sein, sind wir blo\u00df vereinzelt. Und sie singt wie eine Einsame, der alles angeh\u00f6rt; alles ist gleich fern und gleich nah und merkt auf, gerufen zu werden; alles ist verbunden; weniges nur braucht genannt zu werden, so ist alles genannt. Aus dieser Durchdrungenheit mit Seele das Alls bildet die Dichterin h\u00e4ufig den Reim der Dinge, den man mit d\u00fcrrem Wort Parallelismus nennt. (Auch der vokalische Reim ist, wenn wir aufs Wesen sehen, ein Parallelismus, und auch der Rhythmus ein Reim.) Oft geht er durch die Entwicklung eines ganzen Gedichts fort. Seine Musik wei\u00df nichts vom Geschehn und ist das Geschehn. Bei einer Meerfahrt f\u00e4hrt der abgemessene Horizont des Auges mit uns, und wir wissen doch: hinter diesem Horizont ist auch Flut. Mit Worten wie ,immer\u2018 oder ,alles\u2018 weist Else Lasker-Sch\u00fcler gern auf das Unsichtbare. Da seine Gr\u00f6\u00dfe ihr angeh\u00f6rt, umwittert es uns mit ihrer G\u00fcte, Gnade, und Tapferkeit. Unser Herz f\u00fchlt einen tiefen, verehrenden Dank f\u00fcr das Dasein dieser Gedichte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<div id=\"attachment_75724\" style=\"width: 197px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-75724\" class=\"size-medium wp-image-75724\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler-187x300.jpg\" alt=\"\" width=\"187\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler-187x300.jpg 187w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler-260x417.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler-160x256.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler.jpg 440w\" sizes=\"auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-75724\" class=\"wp-caption-text\">Else Lasker-Sch\u00fcler aka Prinz Yussuf (1912)<\/p><\/div>\n<div class=\"mod\" lang=\"de-DE\" data-md=\"61\">\n<div class=\"LGOjhe\" style=\"text-align: justify;\" role=\"heading\" data-attrid=\"wa:\/description\" data-hveid=\"CA0QAA\"><span class=\"ILfuVd\"><span class=\"hgKElc\">\u201eDie gr\u00f6\u00dfte Lyrikerin, die Deutschland je hatte\u201c, sagte Gottfried Benn \u00fcber Else Lasker-Sch\u00fcler. Sie bewegte sich wie eine M\u00e4rchenfigur durch Berlin und fiel mit ihrer exzentrischen Erscheinung auf. <\/span><\/span><\/div>\n<div class=\"LGOjhe\" style=\"text-align: justify;\" role=\"heading\" data-attrid=\"wa:\/description\" data-hveid=\"CA0QAA\">Else Lasker-Sch\u00fcler wurde geboren am 11. Februar 1869 in Elberfeld. Sie starb am\u00a022.1.1945 in Jerusalem.<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO w\u00fcrdigte die Poetin mit einem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=80975\">Rezensionsessay<\/a>.\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr die <em>Kulturnotizen<\/em> weiterhin zu den wichtigsten identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Wenn wir uns den Gesammelten Gedichten der Else Lasker-Sch\u00fcler hingegeben haben, m\u00f6chten wir an die Kunst nicht denken und das erh\u00f6hte Wort der Dichterin noch einmal nachsprechen: \u201eIch werde heimw\u00e4rts von deinem Atem getragen\u201c. 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