{"id":80937,"date":"2016-03-04T00:01:06","date_gmt":"2016-03-03T23:01:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=80937"},"modified":"2021-03-30T08:10:50","modified_gmt":"2021-03-30T06:10:50","slug":"franz-marc","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/03\/04\/franz-marc\/","title":{"rendered":"Franz Marc"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em>Heute vor 100 Jahren starb Franz Marc.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der blaue Reiter ist gefallen, ein Gro\u00dfbiblischer, an dem der Duft Edens hing. \u00dcber die Landschaft warf er einen blauen Schatten. Er war der, welcher die Tiere noch reden h\u00f6rte; und er verkl\u00e4rte ihre unverstandenen Seelen. Immer erinnerte mich der blaue Reiter aus dem Kriege daran: es gen\u00fcgt nicht alleine, zu den Menschen g\u00fctig zu sein und was du namentlich an den Pferden, da sie unbeschreiblich auf dem Schlachtfeld leiden m\u00fcssen, gutes tust, tust du mir.<\/p>\n<div id=\"attachment_80981\" style=\"width: 350px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/340px-Marc_-_Verso\u0308hnung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-80981\" class=\"wp-image-80981 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/340px-Marc_-_Verso\u0308hnung.jpg\" alt=\"\" width=\"340\" height=\"278\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/340px-Marc_-_Verso\u0308hnung.jpg 340w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/340px-Marc_-_Verso\u0308hnung-300x245.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/340px-Marc_-_Verso\u0308hnung-260x213.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/340px-Marc_-_Verso\u0308hnung-160x131.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-80981\" class=\"wp-caption-text\">Franz Marc: Vers\u00f6hnung nach dem Gedicht von Lasker-Sch\u00fcler<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er ist gefallen. Seinen Riesenk\u00f6rper tragen gro\u00dfe Engel zu Gott, der h\u00e4lt seine blaue Seele, eine leuchtende Fahne, in seiner Hand. Ich denke an eine Geschichte im Talmud, die mir ein Priester erz\u00e4hlte: wie Gott mit den Menschen vor dem zerst\u00f6rten Tempel stand und weinte. Denn wo der blaue Reiter ging, schenkte er Himmel. So viele V\u00f6gel fliegen durch die Nacht, sie k\u00f6nnen noch Wind und Atem spielen, aber wir wissen nichts mehr hier unten davon, wir k\u00f6nnen uns nur noch zerhacken oder gleichg\u00fcltig aneinander vorbeigehen. In dieser N\u00fcchternheit erhebt sich drohend eine unerme\u00dfliche Blutm\u00fchle, und wir V\u00f6lker alle werden bald zermahlen sein. Schreiten immerfort \u00fcber wartende Erde. Der blaue Reiter ist angelangt; er war noch zu jung zu sterben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nie sah ich irgend einen Maler gotternster und sanfter malen wie ihn. \u201eZitronenochsen\u201c und \u201eFeuerb\u00fcffel\u201c\u00a0nannte er seine Tiere, und auf seiner Schl\u00e4fe ging ein Stern auf. Aber auch die Tiere der Wildnis begannen pflanzlich zu werden in seiner tropischen Hand. Tigerinnen verzauberte er zu Anemonen, Leoparden legte er das Geschmeide der Levkoje um; er sprach vom <i>reinen<\/i> Totschlag, wenn auf seinem Bild sich der Panther die Gazell vom Fels holte. Er f\u00fchlte wie der junge Erzvater in der Bibelzeit, ein herrlicher Jakob er, der F\u00fcrst von Kana. Um seine Schultern schlug er wild das Dickicht; sein sch\u00f6nes Angesicht spiegelte er im Quell und sein Wunderherz trug er oftmals in Fell geh\u00fcllt, wie ein schlafendes Kn\u00e4blein heim, \u00fcber die Wiesen, wenn es m\u00fcde war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"poem\">\n<p>Das war alles vor dem Krieg.<br \/>\nFranz Marc, der blaue Reiter vom Ried,<br \/>\nStieg auf sein Kriegspferd.<br \/>\nRitt \u00fcber Benediktbeuern herab nach Unterbayern,<br \/>\nNeben ihm sein besonnener, treuer Nubier<br \/>\nH\u00e4lt ihm die Waffe.<br \/>\nAber um seinen Hals tr\u00e4gt er mein silbergepr\u00e4gtes Bild<br \/>\nUnd den totverh\u00fctenden Stein seines teuren Weibes.<br \/>\nDurch die Stra\u00dfen von M\u00fcnchen hebt er sein biblisches Haupt<br \/>\nIm hellen Rahmen des Himmels.<br \/>\nTrost im stillenden Mandelauge,<br \/>\nDonner sein Herz.<br \/>\nHinter ihm und zur Seite viele, viele Soldaten.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<div id=\"attachment_75724\" style=\"width: 197px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-75724\" class=\"size-medium wp-image-75724\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler-187x300.jpg\" alt=\"\" width=\"187\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler-187x300.jpg 187w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler-260x417.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler-160x256.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Else_Lasker-Schueler.jpg 440w\" sizes=\"auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-75724\" class=\"wp-caption-text\">Else Lasker-Sch\u00fcler aka Prinz Yussuf (1912)<\/p><\/div>\n<div class=\"mod\" lang=\"de-DE\" data-md=\"61\">\n<div class=\"LGOjhe\" style=\"text-align: justify;\" role=\"heading\" data-attrid=\"wa:\/description\" data-hveid=\"CA0QAA\"><span class=\"ILfuVd\"><span class=\"hgKElc\">\u201eDie gr\u00f6\u00dfte Lyrikerin, die Deutschland je hatte\u201c, sagte Gottfried Benn \u00fcber Else Lasker-Sch\u00fcler. Sie bewegte sich wie eine M\u00e4rchenfigur durch Berlin und fiel mit ihrer exzentrischen Erscheinung auf. <\/span><\/span><\/div>\n<div class=\"LGOjhe\" style=\"text-align: justify;\" role=\"heading\" data-attrid=\"wa:\/description\" data-hveid=\"CA0QAA\">Else Lasker-Sch\u00fcler, geboren am 11. Februar 1869 in Elberfeld.<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den wichtigsten identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute vor 100 Jahren starb Franz Marc.\u00a0 &nbsp; Der blaue Reiter ist gefallen, ein Gro\u00dfbiblischer, an dem der Duft Edens hing. \u00dcber die Landschaft warf er einen blauen Schatten. 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