{"id":8074,"date":"2012-10-18T00:05:36","date_gmt":"2012-10-17T22:05:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=8074"},"modified":"2020-05-04T12:03:29","modified_gmt":"2020-05-04T10:03:29","slug":"zum-kuckuck-sach-ich-mal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/10\/18\/zum-kuckuck-sach-ich-mal\/","title":{"rendered":"Zum Kuckuck sach ich mal"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Quote<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"border: 1px solid black;\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/e\/e4\/Murphy_TV_1951.JPG\/200px-Murphy_TV_1951.JPG\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"195\" \/>Deutsche Sprache = merkw\u00fcrdige Sprache. Das merkt auch der Fernsehzuschauer immer \u00f6fter, wenn ihm eine anscheinend klare Sachlage als scheinbare H\u00e4ngepartie verkauft wird. Weil es zwar nur scheinbar unm\u00f6glich ist, die beiden Begriffe zu unterscheiden, aber anscheinend weder bei den Privaten noch beim \u00d6ffentlich Rechtlichen auch nur eine Quote von 50 Prozent aller Versprecher, pardon: Sprecher, in der Lage ist, den kleinen, aber ungemein wichtigen Unterschied zu bemerken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz zu schweigen von den wunderbaren F\u00fcllseln, angefangen von \u203a\u00e4h\u2039 \u00fcber \u203ahm\u2039 bis zum Modeban\u00e4lchen \u203aammm\u2039, Verlegenheitsw\u00f6rtchen, die nach dem Pfefferstreuerprinzip als W\u00fcrze der klugen Gescheitheiten ausgestreut werden, damit der, der sich ver\u00e4ht oder verammt, nicht verrennt in den Weisheitsdschungeln der deutschen Sprache. Hat auch noch ein Sportler aktiv das Wort ergriffen, dann rette sich, wer kann. Der verbl\u00fcffte Zuh\u00f6rer wird mit S\u00e4tzchen konfrontiert, die ihm das Gehirnfett gerinnen lassen. Wie w\u00e4r\u2019s mit: \u203aJa gut, \u00e4h, ich meine \u2026 \u2013 das hei\u00dft, im Grunde genommen, ammm, \u2013 ich sag mal so, \u00e4h\u2026 \u2013 eigentlich bin ich auf jeden Fall\u2039\u201c \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil das alles nicht genug ist, hat sich ein Begriff eingeschlichen, der dabei ist, alles auszumerzen, was der Zuschauer jemals \u00fcber deutsche Sprache gelernt hat. Ich meine die Vernorddeutschung der Verben \u203aschauen\u2039 oder \u203asehen\u2039. Denn, Hand aufs scheinbar gesunde Herz, wer ist heute noch ein Zuschauer? Nein, ginge es nach allen Moderatoren und Redakteuren des \u2013\u203aIch-sach-mal\u2039-Morgenmagazins, dann w\u00e4ren es l\u00e4ngst Zukucker. Nein, nicht \u2013gucker. Kucker. Denn kucken ist die nordeutsche Verballhornung des umgangsprachlichen Guckens. Ich seh\u2019s schon kommen, eines Tages tritt Franz Beckenbauer auf und beendet seine geistigen Erg\u00fcsse mit der Erkenntnis: \u00bbKuck mer mal!\u00ab<\/p>\n<div style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/8\/82\/Kuckuck_im_Flug_v._J._Schmidt.jpg\/220px-Kuckuck_im_Flug_v._J._Schmidt.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"147\" \/><p class=\"wp-caption-text\">\u00a9 J\u00fcrgen Schmidt<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wei\u00df der Schauschau \u2013 naja, gut, der Kuckuck \u2013, wer diesen Sprachwurm eingef\u00fchrt hat. Kaum hat man sich vom \u203aKuck mal, mal kucken, kucken wir mal, jetzt kucken wir mal, wohin wir kucken\u2039 erholt, holt uns schon die neue norddeutsche sprachliche Erneuerungswelle ein: \u203aJetzt mal Butter bei die Fische\u2039 h\u00f6ren wir mit gebl\u00e4hten Kiemen. Oder auch nur mal akuuuustisch vom Wettermoderator: \u203aAuf kaaaainen Fall schaaaaint die Sonne, es w\u00fc\u00fc\u00fc\u00fcrd regnen!\u2039 Oh. \u00dcg\u00fctt\u00fcg\u00fctt! Oder wenn Fernsehsprecher von jenseits der Mainlinie \u00fcber das M\u00fcnchener Oktoberfest reden (m\u00f6chten): \u203aJetzt hei\u00dft es wieder oaaazopft iiiis.\u2039 Nein, so hei\u00dft es w\u00fc\u00fc\u00fcrglich nicht, pardon: nischt, wie man neudeutsch jugendlich zu palavern pflegt. Liebe Zugereiste, Weitentfernte oder Weggerannte: Es ist ein ganz einfaches, hochdeutsches \u203ao\u2039 wie im Wort \u203aoffen\u2039. Und ein kurzes (nein: nicht kuaazes, wie manche sagen), also ein kurzes \u203aa\u2039 wie in \u203aaffengeil\u2039. Ozapft. Ohne Oaargegurgel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich betrachte den Sprachverfall in den deutschen Medien mal kanzlerm\u00e4\u00dfig. Sagte doch Angela Merkel vor so gar nicht langer Zeit zum R\u00fccktritt von Bundespr\u00e4sident K\u00f6hler: \u00bbIch bedauere dies aufs Allerh\u00e4rteste.\u00ab Jo, merkel Dir das. Der fr\u00fche Vogel wurmt die verkaterte Katze. Auf jeden Fall! Es sei denn, das ist ein No-Go und geht gaaaar nich. Oder so. Sach isch getz mal.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Portr\u00e4t von Peter Ettl und der Edition Silver Horse finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/04\/29\/wild-horses-could-not-drag-me-away\/\">hier<\/a>. \u2013 Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quote Deutsche Sprache = merkw\u00fcrdige Sprache. Das merkt auch der Fernsehzuschauer immer \u00f6fter, wenn ihm eine anscheinend klare Sachlage als scheinbare H\u00e4ngepartie verkauft wird. 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