{"id":80390,"date":"2022-01-13T00:01:21","date_gmt":"2022-01-12T23:01:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=80390"},"modified":"2022-02-17T18:23:56","modified_gmt":"2022-02-17T17:23:56","slug":"der-lottospieler","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/01\/13\/der-lottospieler\/","title":{"rendered":"Der Lottospieler"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Walburga \u00bbdie Titte\u00ab Oschmann verdankte ihren despektierlichen Spitznamen einer anatomischen Besonderheit, die sie weit \u00fcber das Viertel hinaus zu einer Art Sehensw\u00fcrdigkeit machte. W\u00e4hrend sich ihre linke Brust zu einer ansehnlichen D-K\u00f6rbchen-Gr\u00f6\u00dfe entwickelt hatte, war die rechte Brust praktisch nicht vorhanden. \u00bbEin Igel-Schn\u00e4uzchen\u00ab, sagte Heribert Korenke, der die fragliche Fehlbildung schon bei verschiedenen Gelegenheiten n\u00e4her in Augenschein neh- men konnte. Verst\u00e4ndlich, dass Walburga Oschmann \u00fcber den Zustand ihres Vorbaus ungl\u00fccklich war. \u00bbDer Mensch strebt schlie\u00dflich nach Symmetrie\u00ab, sagte sie, meist nach dem dritten Ramazzotti, also so gegen elf Uhr vormittags.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie f\u00fchrte mit ihrer Krankenkasse seit Jahren eine rege Korrespondenz in dieser Angelegenheit, mit der Bitte, ihr die rechte Brust aufpolstern oder \u2013 falls nicht anders m\u00f6glich \u2013 die linke Seite verkleinern zu lassen. Denn die von der Natur so nicht vorgesehene Ungleichheit verursachte bei der 43-J\u00e4hrigen immer mehr unangenehme R\u00fcckenschmerzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Krankenkasse verstand man Walburgas Dilemma, sah sich aber rechtlich nicht in der Lage, sie von diesem zu befreien. Bei \u00f6ffentlichen Auftritten war sie also weiterhin gezwungen, die eine H\u00e4lfte ihres BH\u2019s auszustopfen, damit sie f\u00fcr nicht allzu viel Irritation sorgte. Diese \u00f6ffentlichen Auftritte beschr\u00e4nkten sich aber vorwiegend auf die Besuche beim Discounter, um Katzenfutter und Fertiggerichte f\u00fcr den t\u00e4glichen Bedarf zu holen. F\u00fcr ihre Basisversorgung mit Tabak und Alkoholika sorgte <em>Gerti\u2019s St\u00fcbchen<\/em>, gleich im selben Haus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinem Leben war Heribert Korenke eigentlich nur auf seinen betagten Golf GTI stolz. Zwar war der schon seit langem nicht mehr fahrbereit, dennoch hing der Bauhelfer an ihm auf eine sentimentale Weise, weil es sonst nicht viel gab, an dem er gro\u00df h\u00e4ngen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit Jahren spielte Korenke f\u00fcr kleines Geld Lotto, war aber immer zu nerv\u00f6s, die Ziehung live im Fernsehen zu verfolgen. Stattdessen lauschte er auf seinem durchgesessenen senffarbenen Sofa, wie die Zahlen im Radio verlesen wurden. Und je mehr Zahlen er zu h\u00f6ren bekam und sich so sein erneutes Scheitern manifestierte, desto mehr steigerte sich seine Wut. Diese m\u00fcndete schlie\u00dflich in der w\u00fcsten Beschimpfung der Radio-Sprecherin: \u00bbDu Schlammfotze, du widerliche, miese Schlammfotze!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihm gefiel der Ausdruck, also wiederholte er ihn ein paar Mal, w\u00e4hrend die Nachrichtensprecherin l\u00e4ngst unger\u00fchrt beim Wetterbericht und der Verkehrslage angekommen war. Die Nachbarn kannten diese Auftritte und nahmen sie kommentarlos hin, nur Walburga rief gelegentlich durchs offene Fenster: \u00bbLass mal gut sein, Heribert!\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann Korenkes Leben aber nicht als komplette Katastrophe bezeichnen. Es gab Tage, da fand er es insgesamt eigentlich ganz in Ordnung. Dann h\u00f6rte er Musik von Tony Marshall oder schaute etwas im Fr\u00fchst\u00fccksfernsehen. Doch diese Tage waren eher selten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das galt auch f\u00fcr den regnerischen Mittwoch, an dem sein Golf verschwand. Jeder hier kannte Korenkes Auto, nicht zuletzt, weil er ihn eigenh\u00e4ndig giftgr\u00fcn lackiert hatte, mit einer billigen Farbe, die z\u00fcgig wieder abbl\u00e4tterte. Doch weil Korenke in seinem sonstigen Leben kaum mehr als eine Fallnummer war, schien es ihm wichtig, mit seinem Auto Individualit\u00e4t zu zeigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und eines Morgens war dieses Auto weg, trotz des defekten Vergasers. Eigentlich hatte es unter der Stra\u00dfenlaterne an der Mauer mit dem ACAB-Graffito geparkt, wo es schon ein halbes Jahr gestanden hatte, eben weil es einfach keinen Meter weiterkam. Und wohl jeder in der Stra\u00dfe erinnerte sich an den Tag, an dem der Golf den Geist aufgegeben hatte. Damals hatte der vor Wut weinende Korenke so heftig gegen die Fahrert\u00fcre getreten, dass diese eine deutliche Delle bekam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Irgendwann sp\u00e4ter brach dann jemand die Scheibenwischer ab und knickte die Antenne um, was Korenke relativ gelassen nahm, da ihm das dazugeh\u00f6rige Autoradio schon lange vorher gestohlen worden war. Doch der pl\u00f6tzliche Verlust des Autos traf ihn st\u00e4rker, als er sich selbst eingestehen wollte. \u00bbFutsch, einfach so\u00ab, fasste er es tief ersch\u00fcttert gegen\u00fcber Walburga Oschmann zusammen, die noch den Morgenmantel trug und f\u00fcr ihren Nachbarn eine Tasse Pulverkaffee aufgebr\u00fcht hatte. \u00bbNaja\u00ab, sagte sie dann, um \u00fcberhaupt etwas zu sagen, seufzte kurz, wollte ihre R\u00fccken- schmerzen erw\u00e4hnen, verkniff es sich aber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den kommenden Tagen stromerte Korenke durch das Viertel, vage spekulierend, dass sein Auto in dem insgesamt maladen Zustand nicht weit kommen w\u00fcrde. Die Diebstahlsanzeige schob er immer wieder hinaus, nicht zuletzt, weil seine Begegnungen mit der Polizei bislang meist nicht sehr erfreulich verlaufen waren. Irgendwann stand er dann immer durchgefroren bei Walburga Oschmann vor der T\u00fcr, die bestenfalls eine Portion eingeschwei\u00dftes Nasi Goreng in die Mikrowelle schob, um dann, ihre R\u00fcckenschmerzen ignorierend, mit Korenke noch ein wenig zu schmusen. Mehr ging ja sowieso nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so gingen die Tage und Wochen ins Land, bis Korenke schlie\u00dflich doch den Autodiebstahl bei der Polizei anzeigte. Dann aber ging alles ganz schnell. Die kleine, pummelige Polizistin lie\u00df sich das Kennzeichen geben und forschte im Computer nach. \u00bbDa isser ja. Ein Golf GTI von \u201992, sagten Sie?\u00ab Korenke konnte sein Gl\u00fcck kaum fassen. Endlich wird alles wieder gut: \u00bbWo steht er denn? Ich hole ihn gleich ab.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbTja, stehen tut er jetzt eigentlich nirgendwo mehr&#8230;\u00ab, sagte die Polizistin gedehnt und dann erkl\u00e4rte sie es ihm. Schon vor Monaten hatte irgendjemand bei der Stadt ange- rufen und den Golf als Schrottauto gemeldet. Dann hatte sich die Verwaltung erfolglos bem\u00fcht, den Besitzer heraus- zufinden: \u00bbHaben sie denn nicht den roten st\u00e4dtischen Auf- kleber am Auto gesehen\u00ab, wunderte sich die Polizistin. Und Korenke dachte daran, dass er seinen letzten Umzug extra nicht gemeldet hatte, auch um den l\u00e4stigen Briefen seiner Gl\u00e4ubiger zu entgehen. Genau deshalb konnte ihn auch die Stadt nicht erreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Irgendwann hatte die Verwaltung dann den Golf abschleppen lassen. \u00bbDer ist inzwischen l\u00e4ngst verschrottet\u00ab, meinte die Polizistin, nicht sicher, ob der Autobesitzer sie auch verstanden hatte. Hatte er aber. \u203aDu dusselige, frigide Arschkuh\u2039, wollte Korenke noch sagen, besann sich aber ei- nes Besseren und sackte etwas in sich zusammen. Dann nickte er kurz und taumelte durch die T\u00fcre der Wache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie bet\u00e4ubt schlich Korenke wieder zur\u00fcck in seine Stra\u00dfe. Dieser Tag war gelaufen. Sein ganzes Leben war ge- laufen. Ihm blieb nun nur noch der Besuch in der Lottoannahmestelle. \u00bbNa Heribert, isses mal wieder so weit\u00ab, begr\u00fc\u00dfte ihn Metin, der ihn so seit Jahren begr\u00fc\u00dfte, wenn er seinen Lottoschein abgab. Zwei Spielfelder g\u00f6nnte er sich jeden Montag, mehr war einfach nicht drin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heribert hatte immer einen ganzen Stapel Lottoscheine zuhause, um im Falle eines Verschreibens auf alle Eventualit\u00e4ten vorbereitet zu sein. Das Ausf\u00fcllen war stets eine Art rituelle Handlung, immer mit dem Kugelschreiber von der Kreissparkasse, den er nur f\u00fcr diesen Zweck verwendete. Andererseits schrieb Korenke sonst ja kaum etwas.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zahlen f\u00fcr das erste Spielfeld waren seit Jahren immer dieselben, irgendwelche Geburtstage und Jahrestage, die Heribert aus Sentimentalit\u00e4t ausgew\u00e4hlt hatte. Das zweite Spielfeld wurde immer intuitiv ausgef\u00fcllt; ein Vorgang, der einige Zeit und Aufwand in Anspruch nahm. Meist schaltete Heribert daf\u00fcr das Radio ein und drehte es etwas leiser. Dann machte er sich einen leicht gek\u00fchlten Tetra-Pak mit <em>Winzerstolz trocken <\/em>und eine Packung Salzstangen auf, ehe er sich gut eine Stunde lang der heiklen Aufgabe wid- mete, die m\u00f6glichst vielversprechendste Zahlenkombination zu ermitteln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fast \u00e4rgerte es ihn, dass Metin so respektlos den aufw\u00e4ndig komponierten Spielschein entgegennahm. Aber er verkniff sich seine Wut, kaufte noch die obligatorischen zwei P\u00e4ckchen Schwarzer Krauser und zahlte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An der Bushaltestelle sah er ihn dann. Eingeklemmt zwischen M\u00fclleimer und Sitzbank, leidlich gesch\u00fctzt vor Wind und Regen lag dort die Spielquittung eines vollst\u00e4ndig ausgef\u00fcllten Lotto-Scheins. Korenke wollte zuerst seinen Augen nicht trauen, dann beugte er sich vor und fummelte den Schein aus der Ritze nahe dem Boden, ohne ihn zu zerrei\u00dfen. Niemand war in der N\u00e4he, der diesen Schein verloren haben k\u00f6nnte. Heribert strich den Zettel glatt und steckte ihn behutsam in seine Brieftasche. Auf den Gedanken, den Zettel als Fundsache abzugeben, kam er keinen Moment.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn Heribert Korenke war sich so sicher, wie noch nie zuvor in seinem Leben: Das war ein Zeichen. Erst der tragische und unersetzliche Verlust seines Autos, dann dieser magische Fund.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So jedenfalls erz\u00e4hlte er es Walburga Oschmann, die bei seinem Eintreffen gerade wieder mal mit ihrem Arzt telefo- nierte. Walburga zuckte mit den Achseln, schenkte ihm aber immerhin einen halben Schwenker Weinbrand ein: \u00bbDen kannste jetzt vertragen, was Heribert?\u00ab Und er nickte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die n\u00e4chsten Tage lebte Korenke wie in Trance. Er sah sich au\u00dferstande, seine wenigen allt\u00e4glichen Routinen aus- zuf\u00fchren, sogar das Radio blieb aus. Stundenlang starrte er auf den gekachelten und verkratzten Wohnzimmertisch, wo die Lottoquittung lag, die, da war er sich ganz sicher, f\u00fcr ihn die Eintrittskarte in ein neues, besseres Leben war: \u00bbEs muss ja gar nicht mal der Hauptgewinn sein\u00ab, erl\u00e4uterte er Oschmann: \u00bbEin paar Hunderttausend reichen \u2013 so als Grundstock. Ich brauche ja nicht viel.\u00ab Und Walburga nickte, mehr mit sich selbst besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Korenke achtete auch peinlich darauf, dass er keine Fenster \u00f6ffnete, damit kein Durchzug den Lottoschein aus dem Fenster wehen w\u00fcrde. Zuzutrauen w\u00e4re es ihm, da machte er sich nichts vor. Am Tag der Lotto-Ziehung schien er zu fiebern, auch speichelte er heftig. Der gr\u00f6\u00dfte Druck war, jetzt noch keine Pl\u00e4ne mit dem gewonnenen Geld machen zu k\u00f6nnen, auch wenn ihm das schwerfiel. Zum ersten Mal in seinem Leben sp\u00fcrte er sein Herz pumpen, sein Kopf war knallrot.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen seine Gewohnheit schaltete er den Fernseher mit der \u00dcbertragung der Lottozahlen ein. Er verachtete die Lottofee f\u00fcr ihre belanglose Plauderei zur Einstimmung und schloss die Augen, als die 49 Kugeln mit einem nahezu synchronen \u00bbKlack\u00ab in den Plastikbeh\u00e4lter rollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Mal fluchte er nicht. Keine einzige Zahl stimmte, nicht eine einzige auf dem ganzen Schein \u2013 und wenn Korenke ein wenig ehrlich zu sich selbst war, \u00fcberraschte ihn das kein bisschen: \u00bbScheibenkleister, J\u00e4germeister\u00ab, murmelte er dann, als im Fernsehen bereits der Programmhinweis f\u00fcr den <em>Tatort <\/em>lief. Er wollte aufstehen, setzte sich dann wieder hin und befand, er hatte keine Kraft mehr f\u00fcr gar nichts. Auf dem zweiten, von ihm selbst ausgef\u00fcllten Schein, waren es immerhin drei Richtige, aber das sollte ihm erst einige Tage sp\u00e4ter auffallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Walburga Oschmanns R\u00fcckenschmerzen waren immer schlimmer geworden. Endlich vertraute sie ihre Katzen San- ne an und ging ins Krankenhaus. Drei Tage sp\u00e4ter hatte Korenke endlich Kraft genug gefunden, sie zu besuchen. Walburga sa\u00df in einem dunkelblauen Jogginganzug auf dem Bett. Als sie ihn sah, platzte es aus ihr heraus: \u00bbBrustkrebs. sie nehmen mir die linke Brust ab. Endlich. Nach all den Jahren.\u00ab Walburga weinte und strahlte ihn gleichzeitig an. \u00bbIst nicht wahr\u00ab, sagte Korenke und weinte und lachte ebenfalls. \u00bbDas Leben ist manchmal so&#8230;\u00ab, sagte Walburga Oschmann und wandte sich ab, weil sie nicht wollte, dass Korenke noch l\u00e4nger ihre Tr\u00e4nen sah.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An diesen Moment dachte Heribert Korenke auch acht Monate sp\u00e4ter, als sie Walburga auf dem kleinen Stadtteilfriedhof beerdigten, er, der Metin, die G\u00fclay, Sanne und die Gerti aus <em>Gerti\u2019s St\u00fcbchen<\/em>. \u00bbDer Herr ist mein Hirte\u00ab, hatte der Pfarrer gebetet, und Heribert war sich sicher, dass sich Walburga gewundert h\u00e4tte: \u00bbWas soll das denn, ich bin doch kein Schaf.\u00ab Doch jetzt musste sich Heribert allein wundern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">300 Euro hatte Walburga ihm hinterlassen und die beiden Katzen; das h\u00e4tte gereicht, um den Vergaser des Golfs reparieren zu lassen. Und um endlich mal wieder richtig Lotto zu spielen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Irgendwas ist immer<\/strong>, Stories von Markus Peters, CHORA Verlag, Duisburg, 2021<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Peters_Cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-80343 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Peters_Cover-189x300.jpg\" alt=\"\" width=\"189\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Peters_Cover-189x300.jpg 189w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Peters_Cover-160x255.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Peters_Cover.jpg 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px\" \/><\/a>Mit diesen gro\u00dfartig geschriebenen Prekariatsstories setzt Markus Peters die Tradition der nonkonformistischen Literatur nicht etwa fort, er f\u00fchrt sie zu neuer literarischer Gr\u00f6\u00dfe. Man merkt seinen Worten an, das sich der Autor auch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/09\/23\/gastro-picasso\/\">Lyriker<\/a> einen Namen gemacht hat, so pr\u00e4zise ist die Sprache gesetzt. Es sind Geschichten von der Schattenseite der deutschen Gesellschaft, die Peters umso heller ausleuchtet, er begibt sich an Orte, zu denen sich die Kommerzsender mit ihren gecasteten Formaten nicht mehr hintrauen.\u00a0<span class=\"body\" role=\"main\">Das Bemerkenswerteste an seinen Satiren, Stories und Kolumnen ist, bei aller Lakonie und Unsentimentalit\u00e4t, die uneingeschr\u00e4nkte Solidarit\u00e4t mit seinen Figuren, ohne jegliche Distanz und Ironie. Unterschichten-Elendsvoyeurismus wie ihn der NDR mit einer get\u00fcrkten Reportage \u00fcber den Stra\u00dfenstrich ins \u00f6ffentlichen-rechtlichen Geb\u00fchren-TV hob,\u00a0<\/span><span class=\"body\" role=\"main\">sucht man in seinen Satiren, Stories und Kolumnen vergeblich, es ist vielmehr ein journalistischer Blick auf die Realit\u00e4t. Seine gleichsam essayistischen Betrachtungen leben\u00a0<\/span>von der Schilderung der Realit\u00e4t im Bruchst\u00fcck.\u00a0<span class=\"body\" role=\"main\">Auf unterhaltsame Weise\u00a0verpasst dieser Autor dem Alltag in seinen Satiren, Stories und Kolumnen einen wohldosierten Dreh ins Aberwitzige. Einen Vergleich mit der Prosa von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/08\/31\/ziegelsteingroesse\/\">Clemens Meyer<\/a> braucht dieser Autor nicht zu scheuen. F\u00fcr KUNO war dieses Buch ein Anw\u00e4rter auf &#8222;das Buch des Jahres&#8220; 2021.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend zur Theorie des Sozialen<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Theorie des Sozialen lautet, es gebe in der Politik keine L\u00fccken. Immer wo sich eine auftue, werde sie sofort von anderen Akteuren besetzt. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a>. Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>. Produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. \u2013 Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Walburga \u00bbdie Titte\u00ab Oschmann verdankte ihren despektierlichen Spitznamen einer anatomischen Besonderheit, die sie weit \u00fcber das Viertel hinaus zu einer Art Sehensw\u00fcrdigkeit machte. W\u00e4hrend sich ihre linke Brust zu einer ansehnlichen D-K\u00f6rbchen-Gr\u00f6\u00dfe entwickelt hatte, war die rechte Brust praktisch&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/01\/13\/der-lottospieler\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":60,"featured_media":98028,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[771],"class_list":["post-80390","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-markus-peters"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80390","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/60"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=80390"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80390\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":98029,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80390\/revisions\/98029"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98028"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80390"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=80390"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=80390"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}