{"id":80305,"date":"2023-08-11T00:01:12","date_gmt":"2023-08-10T22:01:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=80305"},"modified":"2023-07-15T19:56:19","modified_gmt":"2023-07-15T17:56:19","slug":"gezeitengespraech-8","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/08\/11\/gezeitengespraech-8\/","title":{"rendered":"Gezeitengespr\u00e4ch 8"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Vorbemerkung der Redaktion:<\/span> In diesem Jahr machen wir das vergriffene <em>Gezeitengespr\u00e4ch<\/em> von Haimo Hieronymus und Karl Hosse auf KUNO recherchierbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Zeitnah<\/em><\/strong><em> <strong>(hier und dort):\u00a0<\/strong><\/em>Es ist Fr\u00fchling, ich wei\u00df wohl, da kochen die S\u00e4fte wieder langsam auf. Da w\u00e4re das Verliebtsein sch\u00f6n, jenseits der \u00fcblichen Selbstverliebtheit, ohne die Kunst nicht geht. Das Spiegelbild ist dann nicht ganz so n\u00f6tig wie sonst. Im Verliebtsein stehen die Bilder im Raum, fangen ihre Schleiert\u00e4nze an. Aber du wei\u00dft, letztlich liegt der Kopf auf dem Silbertablett, unsere Bilder. Die Selbstoffenbarung des Lebenswollens und \u2013k\u00f6nnens und stetigen Versagensgef\u00fchls. Dann reden wir von Spielerei. Diese, die es gleichzeitig niemals ist, weil sie Disziplin einfordert, f\u00fcr jede Arbeit, die ihr eigene Regel zu finden. Und dabei gleiten wir, wenn es ganz schlecht l\u00e4uft, auch in Routinen ab. In Bildgef\u00fcge, von dem von Vorneherein bekannt ist, das sie funktionieren werden. Die Verh\u00e4ltnisse, ich brauch dir nichts von Harmonien und Kontrapunkten zu sagen, von den vielf\u00e4ltigen M\u00f6glichkeiten des goldenen Schnitts. Du tr\u00e4gst es in dir, die Formzusammenh\u00e4nge, die Balance der Volumen und Farbqualit\u00e4ten. Doch die Aussagen der Lineaturen sind Teil geworden. Die Kunst ist vielleicht die einzige Art, die Gegenwart festzuhalten. Kurz vor dem Sturz ins Vergessen. Diese Gedankenpartikel zu jonglieren und auf das Blatt zu werfen. Das ist wohl diese perfide Erotik des Augenblickes, in dem du das absolute Gl\u00fcck der gegl\u00fcckten Linie f\u00fchlen kannst. Wir sind keine Wissenden, weil so die Bruchst\u00fccke einer allgemeinen Erkenntnis gefunden, sortiert und neu arrangiert werden. Ja, das Schaffende, das G\u00f6ttliche in uns, das antreibt, um weiter zu machen. Wenn die g\u00f6ttliche Liebe Kunst ist, dann ist die absolute Liebe wohl das Momenthafte, Begreifende des Ganzen als Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Zeitfern:<\/em><\/strong> \u00a0 Ach ich bin kein Wissender. Ich zeichne, mal, schmiere das auf die Leinwand, das Papier, das was ich bin. Das, was ich war. In der Nacht. Alles Liebenswerte, alle Schreckliche wird in meinem Kopf in der Nacht erfunden. Alles Dialog, was wir hier f\u00fchren. Wie ein Spatzengeschwader. Komm, jetzt, es ist Fr\u00fchling, spring. Eine Welle aus Kraft in dieses Geschwader. Welle leidend. Der Schatten nicht malbar. Die Passh\u00f6hen sind die Versuche. Fangeisen lauern. Herrlich. Die kenne ich. Was sch\u00f6n machen. Und die Frage: Wie gef\u00e4llt euch das? Antwort: du hast bessere Bilder gemacht. Ich wei\u00df es, ja, ja. Versuchen als Versuch. Vom Bild gerichtet, von Betrachter gerichtet. Nachtfinster gerichtet. Fr\u00fchling, die Hummel brummt auf gelben Bl\u00fcten. Und ich habe das Licht in der Nacht vom Licht unterschieden. Die Bienen schweigen noch. Ich schweife ab, ja, die Bienen sollen etwas Falsches sammeln. Soll ungesund sein. Gelesen, nicht geglaubt. Zur\u00fcck auf das Spatzengeschwader, und dann zur\u00fcck in die Erinnerung. Da f\u00e4llt mir Mutter ein. In meinem Leben ein Defizit. In Jahrzehnten aufgelaufen. Die Jahre ohne die H\u00e4nde der Mutter. Ohne Augenblicke. Nur die Angst, vieles Sch\u00f6nes nicht erlebt zu haben. Zur\u00fcckgedr\u00e4ngt in Tr\u00e4ume, die pl\u00f6tzlich wecken in Schrecken. Wei\u00df nicht, welcher Schrecken. Defizit. Den Wunsch wachrufen, alles zu erleben, in wenigen Sekunden. Mit ihr, der Mutter. Dem absoluten Universum. Sich drehen und w\u00e4rmen im Uterus der Bl\u00fcten. Beh\u00fctet immer. Und au\u00dferhalb sie sehen. Ihre Gesichtsfalten durchwandern, in ihren Augen verweilen, und sich selber sehen. Das gleiche erleben wie sie. L\u00e4cheln, Leben und umarmen. Ohne diese Angst der Gewohnheit. Wird nicht mehr sein. Einen Moment nur, mein lieber Zeitnah, den ich sagen wollte: Defizit gleich Sehnsucht. Keine Romantik. Und schon wieder lauert der Pinsel vor der fastleeren Leinwand. &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;Und auch tote M\u00fctter lieben. Das Rautenherz habe ich durchgebl\u00e4ttert. Nun ist deine Zunge beredt, bereit?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gezeitengespr\u00e4ch<\/strong> von Haimo Hieronymus und Karl Hosse in der Edition Das Labor, Neheim 2014<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Skizzenbuch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-80267 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Skizzenbuch-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Skizzenbuch-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Skizzenbuch-260x347.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Skizzenbuch-160x213.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Skizzenbuch.jpg 440w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/strong><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Einf\u00fchrung zum Projekt <em>Gezeitengespr\u00e4ch<\/em> findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/12\/17\/gezeitengespraech\/\">hier<\/a>. Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier. K\u00fcnstlerb\u00fccher verstehen diese Artisten als Physiognomik, der B\u00fcchersammler wird somit zum Physiognomiker der Dingwelt. Die bibliophilen Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung der Redaktion: In diesem Jahr machen wir das vergriffene Gezeitengespr\u00e4ch von Haimo Hieronymus und Karl Hosse auf KUNO recherchierbar. \u00a0 Zeitnah (hier und dort):\u00a0Es ist Fr\u00fchling, ich wei\u00df wohl, da kochen die S\u00e4fte wieder langsam auf. Da w\u00e4re das&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/08\/11\/gezeitengespraech-8\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":218,"featured_media":100402,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[44,961],"class_list":["post-80305","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-haimo-hieronymus","tag-karl-hosse"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80305","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/218"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=80305"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80305\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104864,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80305\/revisions\/104864"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/100402"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80305"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=80305"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=80305"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}