{"id":80273,"date":"2023-02-10T00:01:35","date_gmt":"2023-02-09T23:01:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=80273"},"modified":"2023-02-10T05:38:32","modified_gmt":"2023-02-10T04:38:32","slug":"gezeitengespraech-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/02\/10\/gezeitengespraech-2\/","title":{"rendered":"Gezeitengespr\u00e4ch 2"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Vorbemerkung der Redaktion:<\/span> In diesem Jahr machen wir das vergriffene <em>Gezeitengespr\u00e4ch<\/em> von Haimo Hieronymus und Karl Hosse auf KUNO recherchierbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Zeitfern (n\u00e4chster Tag): <\/em><\/strong>Immer Hoffnung, dass du was sagst. Ist das Realit\u00e4t? Meinungen haben schon immer ein Intermezzo gegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Zeitnah (Ich bin heute):<\/em><\/strong> Hinterfrage es nicht, aber doch, da sind Dinge, die befragbar sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Zeitfern:<\/em><\/strong> Wenn die Dinge des Himmels befragbar sind, frage ich: \u201eWer gibt die Antworten?\u201c Die Dinge sind in uns, von uns erfunden. Also Zwiegespr\u00e4ch mit mir selbst. Eine wahre Erkenntnis gibt es nicht. Erkenntnis ist gleich Paradies. Ein Doppelmopper. Doch wenn die Frage gestellt wird, l\u00f6st sie das Chaos im Kopf aus. Doppeldeutigkeit, wei\u00dft du. Also Chaos im Kopf, gleich Messer im Bauch. Schmerz lass nach, darum male ich meine Welt. Gebannt ist dann weg. Auge schlie\u00dft sich, Gehirn hat neue Freiheit. Das soll ich gemalt haben? Unheimlich. Wo bleibt die Liebe. Das einzigr, was wir erfunden haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Zeitnah (heute und hier):<\/em><\/strong> Lesbarkeiten und Denkbarkeiten. Manchmal sind die Fragen eben Antworten. Paradiese gibt es nicht. Adam musste sich nicht verstehen mit Gott. Gl\u00fccklicherweise haben Eva und die Schlange erkannt, dass das Paradies langweilig ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Zeitfern:<\/em><\/strong> &#8212;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Zeitnah (wieder da):<\/em><\/strong> Und dann bin ich hier, sitze auf dem harten Hocker, der das Umsehen erlaubt und wieder seichtes Klaviergeklimper wie aus dem Kaufhaus, fern der Realit\u00e4t die Gedanken melancholisch schweifen lassen, ohne Anspruch. Ohne das verbissene Gef\u00fchl eines wie auch immer gearteten Wollens, gar M\u00fcssens. Der Zeit erlauben zu gleiten, die Sekunden, Minuten, wer wei\u00df, gar Stunden flie\u00dfen. Wer wei\u00df schon, wo die Gedanken hinf\u00fchren, zur Mitte zur\u00fcck, vielleicht auch an den Rand der Welt. Sich neue Horizonte erschlie\u00dfend, ohne jene ber\u00fchmte Tr\u00e4ne im Knopfloch. Diese Blicke im Nacken, die Silhouette im Kopf, loslassen, treiben lassen. Als Abschied auf Zeit von dem Erleben derselben. Nicht atemlos, sondern atemholend. Erleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Zeitfern:<\/em><\/strong> Dieses romantische Leseeckengeklimper, Klavier leicht, l\u00f6st oft mehr aus im Gef\u00fchl, als ich will. Es ist wie Luft holen ohne denken. Loslassen wohin? Der Schlaf k\u00fcndigt sich an. Ich will tr\u00e4ume. Ein Bild ist fertig. Die Welt liegt entfernt. Mein Kopf gereinigt. Nichts raubt mir die Bl\u00e4ue. Der Pfeil fliegt in die andere Richtung. Und \u201edu wieder da\u201c. Eva liebt die Schlange. Und die Pferde sind wieder da. Eins weniger. Die Weide wird kleiner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Zeitnah (im Jetzt ankommen):<\/em><\/strong> Biotope finden, den Lebensraum kl\u00e4ren. Egal welche Tiere da herumstehen. Es sollte mich angehen, lasse aber den Blick schweifen. Verweigere die Suche nach dem Missing Link.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geigenhimmel im Herbst, ein doppelter Regenbogen vor dunkler Wolkenwand. Die Holzst\u00fccke fallen vom Holzbock. Kettens\u00e4gengesurre scharf in den Ohren. Die Rindenstrukturen, die Pilzformationen finden sich, ohne mein Zutun, ohne Suche. Wie war das noch mit den Physiognomien, die angeblich \u00fcberall zu finden sind. Die Geruchsmischung aus Eichenlohe und Zweitaktmotor. Erinnerungen kehren zur\u00fcck. Der Sturm schl\u00e4gt auf das Wasser und l\u00e4sst es gef\u00e4hrlich kr\u00e4useln.<br \/>\nWas-Fragen sind leichter als Wie-Fragen. Die Funktion n\u00e4mlich ist immer schwer zu beantworten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Zeitfern:<\/em><\/strong> Ja, mein Lieber, die Erinnerungen kehren zur\u00fcck. Haben gestern einen Toten, Peter, wieder auferstehen lassen, f\u00fcr 2 Stunden war er pr\u00e4sent. Im Herbst sterben. Die Romantik \u00fcberschl\u00e4gt sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Zeitnah (wieder hier):<\/em><\/strong> Die Sehnsuchtsmotivik also soll zum Thema werden? Jenes Unerreichbare, das und hoffen und bangen l\u00e4sst? Aber kann heute, gef\u00fchlte 200 Jahre sp\u00e4ter dieses hehre Ansinnen noch G\u00fcltigkeit haben? Womit w\u00fcrden wir jene Sehnsucht noch f\u00fcllen k\u00f6nnen? F\u00fcllen wollen? W\u00e4re es noch das Sehnen nach Natur, nach der Ferne, der Mystik, dem Religi\u00f6sen?\u00a0 H\u00e4tte es nach Jahrhunderten noch Sinn, sich zur\u00fcck ins Mittelalter zu w\u00fcnschen, wie es die Alten taten? Glauben wir in diesen allzu aufgekl\u00e4rten Zeiten denn wirklich an das Mystische oder ist es nicht vielmehr ein virtuelles Spiel? Gelddruckmaschine f\u00fcr die Unterhaltungsindustrie. Die Geister, die ich heraufbeschwor, heute sind sie l\u00e4ngst geb\u00e4ndigt. Aber vielleicht hast du doch recht, vielleicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Zeitfern:<\/em><\/strong> F\u00fcnf gro\u00dfe Einsen am Himmel. Kraniche. Diese wehm\u00fctigen Schreie \/ rufe im Herbst. Die h\u00f6rten die Menschen im Mittelalter auch schon. Hatten die gleiche Wehmut im Herzen. Heute der Spaziergang an der Ruhr entlang. Die Kraniche oben. Die rufe im Herzen. Ich. Vor mir eine Mutter mit Sohn. Sie haben nicht einmal aufgeschaut. Warum h\u00f6rten und reagierten sie nicht? Nichts habe ich verstanden. Ist es eine andere Zeit? Romantik, was bedeutet das jetzt? Ich wei\u00df es nicht. Bin ich aus der Zeit gefallen? Mein lieber \u201ewieder hier\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Skizzenbuch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-80267 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Skizzenbuch-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Skizzenbuch-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Skizzenbuch-260x347.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Skizzenbuch-160x213.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Skizzenbuch.jpg 440w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>Gezeitengespr\u00e4ch<\/strong> von Haimo Hieronymus und Karl Hosse in der Edition Das Labor, Neheim 2014<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Einf\u00fchrung zum Projekt <em>Gezeitengespr\u00e4ch<\/em> findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/12\/17\/gezeitengespraech\/\">hier<\/a>. Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier. K\u00fcnstlerb\u00fccher verstehen diese Artisten als Physiognomik, der B\u00fcchersammler wird somit zum Physiognomiker der Dingwelt. Die bibliophilen Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Vorbemerkung der Redaktion: In diesem Jahr machen wir das vergriffene Gezeitengespr\u00e4ch von Haimo Hieronymus und Karl Hosse auf KUNO recherchierbar. \u00a0 Zeitfern (n\u00e4chster Tag): Immer Hoffnung, dass du was sagst. Ist das Realit\u00e4t? 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