{"id":79696,"date":"2022-11-30T00:01:19","date_gmt":"2022-11-29T23:01:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=79696"},"modified":"2022-11-27T16:20:23","modified_gmt":"2022-11-27T15:20:23","slug":"eine-romantische-maerchennovelle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/11\/30\/eine-romantische-maerchennovelle\/","title":{"rendered":"Eine romantische M\u00e4rchennovelle"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl das Marmorbild eine Novelle der Romantik ist, kam die Anregung dazu vom Barockdichter Eberhard Werner Happel. Dieser ver\u00f6ffentlichte 1687 eine Gespenstergeschichte, in der ein junger Reisender in Lucca in den Bann einer \u201eteuflischen Frau\u201c ger\u00e4t, aber noch einmal mit dem Schrecken davonkommt. Auch einzelne Szenen und Figuren, z.\u00a0B. der Ritter Donati, kommen bereits bei Happel vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eichendorff viel von diesem fr\u00fcheren Werk \u00fcbernommen hat, meint er in einem seiner Briefe, die Quelle war:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201e[\u2026] irgendeine Anekdote aus einem alten<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Buche, ich glaube es waren Happelii<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Curiositates, die entfernte Veranlassung,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>aber weiter auch nichts gegeben hat..\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Motiv der Statuenbelebung (die \u00fcbrigens auch wieder bei Happel zu finden ist) hat eine lange Tradition. Angefangen mit dem r\u00f6mischen Dichter Ovid, der ca. 46 v. Chr. geboren wurde, hat dieser Stoff im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Ver\u00e4nderungen erfahren. Im Mittelalter schlie\u00dflich stand der Gegensatz zwischen christlicher Erl\u00f6sungsvorstellung und heidnischer Antike im Vordergrund.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dieser Grundlage schrieb Eichendorff die Novelle und sandte sie dem befreundeten Ehepaar de la Motte-Fouqu\u00e9 zu. Beide waren gro\u00dfe Bewunderer Eichendorffs und der Mann, Friedrich, au\u00dferdem Herausgeber des <em>Frauentaschenbuchs<\/em>, einer literarischen Zeitschrift. In der Ausgabe von 1819 erschien dort <em>Das Marmorbild<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Achtung, die folgenden Inhaltsangabe enth\u00e4lt Spoiler:<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein junger Mann namens Florio ist im Zwiespalt seiner Gef\u00fchle: Auf der einen Seite stehen Fortunato, ein bekannter und fr\u00f6hlicher S\u00e4nger, und die reine und unschuldige Bianka, die ihn liebt. Auf der anderen Seite stehen das zu Fleisch gewordene Marmorbild der Venus und der Ritter Donati.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erz\u00e4hlung beginnt, als Florio auf dem Weg in die Stadt Lucca sein Vorbild, den S\u00e4nger Fortunato, trifft. Am Abend wird in Lucca ein Fest gefeiert, auf dem Florio sich in die sch\u00f6ne Bianka verliebt. Doch pl\u00f6tzlich st\u00fcrmt ein bleicher, dunkler Ritter (Donati) in die Gesellschaft hinein und leert, ganz im Gegensatz zu der zwar fr\u00f6hlichen, doch aber stets auf das rechte Ma\u00df achtenden Abendgesellschaft, hastig ein Glas Wein. Auch wenn sich Donati meistens an die ma\u00dfvollen, eleganten Umgangsformen seiner Umgebung anpasst, durchbricht immer wieder ein diabolischer Zug seinen Charakter. Dies wird auch dadurch verst\u00e4rkt, dass ihm von Eichendorff die symbolische Farbe gr\u00fcnlichgold zugeordnet wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Als sie ans Tor kamen, stellte sich Donatis Ro\u00df, das schon vorher vor manchen Vor\u00fcbergehenden gescheut,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>pl\u00f6tzlich fast gerade in die H\u00f6he und wollte nicht hinein. Ein funkelnder Zornesblitz fuhr fast verzerrend<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00fcber das Gesicht des Reiters und ein wilder, nur halb ausgesprochener Fluch aus den zuckenden Lippen, wor\u00fcber<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Florio nicht wenig erstaunte, da ihm solches Wesen in der feinen und besonnenen Anst\u00e4ndigkeit des Ritters<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>ganz und gar nicht zu passen schien.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Florio in tiefer Nacht zu seiner Herberge zur\u00fcckkehrt, kann er keinen Schlaf finden und wird von der im Mondschein liegenden Landschaft fast magisch angezogen. Er schleicht sich also an seinem schlafenden Diener vorbei (oft als Gewissen oder Bewusstsein gedeutet) und entdeckt, als er \u2013 wie in Trance \u2013 durch den Park wandert, ein marmornes Abbild der G\u00f6ttin Venus, das in ihm eine starke, in seine Jugend zur\u00fcckreichende Wehmut ausl\u00f6st. Am n\u00e4chsten Morgen versucht Fortunato, Florios Sorgen zu verscheuchen, jedoch sucht er wieder den geheimnisvollen Weiher, an dessen Ufer das Marmorbild steht, auf. Nun herrscht in dem Park fr\u00f6hliche Betriebsamkeit, doch schon bald ger\u00e4t er in einen unwirklichen Buchenhain, der ihn weiter zu einem pr\u00e4chtigen Palast f\u00fchrt. In diesem entdeckt er eine singende Edelfrau in Gestalt des Venusbildes, die wie ein Geist, ohne von ihm Notiz zu nehmen, vor\u00fcbergeht. Tiefbewegt eilt Florio weiter und entdeckt bei einem, nun wieder verfallenen, Mauerwerk den tot scheinenden Ritter Donati, den er weckt und nach der Identit\u00e4t der wundersamen Edeldame best\u00fcrmt. Dieser macht jedoch kaum klare Aussagen und verspricht Florio einen Besuch bei ihr am folgenden Tage. Am n\u00e4chsten Tage, einem Sonntag, besucht Donati Florio, um ihn zur Jagd abzuholen, flieht jedoch beim Gel\u00e4ut der Kirchenglocken:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Unterdes hatte sich der Glockenklang von den T\u00fcrmen der Stadt erhoben und ging wie ein Beten durch die klare Luft.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Da schien Donati erschrocken, er griff nach seinem Hute und drang beinahe \u00e4ngstlich in Florio, ihn zu begleiten,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>der es aber beharrlich verweigerte. \u201eFort, hinaus!\u201c \u2013 rief endlich der Ritter halblaut und wie aus tiefster geklemmter<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Brust herauf, dr\u00fcckte dem erstaunten J\u00fcngling die Hand und st\u00fcrzte aus dem Hause fort.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Florio ist erleichtert, als kurz darauf Fortunato \u201ewie ein Bote des Friedens\u201c zu ihm kommt, um ihm eine Einladung zu einem Feste am folgenden Abend zu \u00fcberbringen. Er deutet auch an, Florio werde dort eine \u201ealte Bekannte\u201c treffen. Er verbringt den Tag damit, wieder durch den Park zu schweifen, doch der Palast, bei dem er tags zuvor die Venus erblickt hatte, ist fest verriegelt und verlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem Maskenball in einem Landhaus trifft er wiederum eine mysteri\u00f6se, als Griechin verkleidete und maskierte Dame. Auch von dieser fremden Sch\u00f6nen f\u00fchlt er sich angezogen. Die \u201eGriechin\u201c verwirrt Florio sehr, da er sie auf einmal neben sich und zugleich am anderen Saalende stehen sieht. Als sie verschwindet, sucht er sie und kann sie im Garten beim Singen eines Liedes belauschen. Er erkennt in ihr die sch\u00f6ne Dame, die der Statue gleicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Florio, von Sehnsucht \u00fcbermannt, wird einige Tage sp\u00e4ter in das Schloss der sch\u00f6nen Dame gef\u00fchrt. W\u00e4hrend der Begegnung mit ihr ert\u00f6nt vor dem Fenster ein altes christliches Lied: pl\u00f6tzlich werden die Statuen und die Figuren auf den Wandteppichen lebendig, von Entsetzen gepackt st\u00fcrzt er hinaus. Als er in Lucca ankommt, graut der Morgen; er beschlie\u00dft abzureisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Fortunato verl\u00e4sst die Stadt, und Florio schlie\u00dft sich ihm und seinen zwei Begleitern an. Die Begleiter entpuppen sich als \u201edas M\u00e4dchen mit dem Blumenkranze\u201c, Bianka, und ihr Onkel. Fortunato berichtet in einem Lied vom Zauber der heidnischen Venus, die einmal im Jahr wieder unter den Menschen weilt und in ihrem Tempel J\u00fcnglinge verf\u00fchrt. Florio erkennt, als sie an einer Ruine vorbeiziehen, die Stelle wieder, wo der Garten der sch\u00f6nen Dame war; er begreift, dass er das Opfer eines Spuks war und wendet sich Bianka zu, welche als Junge verkleidet ihren Onkel Pietro begleitet, da dieser ihre tiefe Schwermut bemerkte, denn Bianka ertrug das Abwenden Florios von ihr nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Es rauschen die W\u00e4lder, schlagen die Nachtigalle, pl\u00e4tschern die Brunnen und blitzen die Str\u00f6me<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eichendorffs Novelle weist Merkmale der romantischen Epoche auf: So wurde im Laufe der Zeit der Begriff Romantik erweitert in Richtung der empfindsamen und phantasievollen Schriften, was auf diese Geschichte sicherlich zutrifft. In der Romantik fl\u00fcchtete man in seine Erinnerungen an eine gute Zeit. Dies zeigt sich besonders in Eichendorffs Motiven der Sehnsucht und des Heimwehs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei Eichendorff findet man auch viele solcher Stellen: \u201eEs rauschen die W\u00e4lder, schlagen die Nachtigalle, pl\u00e4tschern die Brunnen und blitzen die Str\u00f6me\u201c. Und immer wieder kommt die Stille und die Ruhe vor. Man wei\u00df nie genau, ob Florio etwas tr\u00e4umt oder ob er sich wirklich in der Situation befindet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Welt der Romantik ist \u00e4u\u00dferst naturverbunden. Es werden auch viele Adjektive benutzt, um die Stimmung besser beschreiben zu k\u00f6nnen. Im Text kommen viele Lieder vor, was f\u00fcr Eichendorff typisch ist. Der starke christliche Glaube an Gott in dieser Zeit kommt hier ebenfalls sehr oft zum Vorschein. So wird beispielsweise \u00fcber den Tod geschrieben, dass man von Gott in den Himmel aufgenommen werde und dort die Erl\u00f6sung finde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Realit\u00e4t wird romantisiert, was man an den Tr\u00e4umen Florios sieht. Die M\u00e4dchen und Frauen sind dann immer noch sch\u00f6ner und herrlicher als dort, wo er sie zum ersten Mal gesehen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres Merkmal, das besonders in vielen Gedichten von Eichendorff eine bedeutende Rolle spielt, ist der Gegensatz zwischen Tag und Nacht. In <em>Das Marmorbild<\/em> wird der Tag von Fortunato und dem Blumenm\u00e4dchen verk\u00f6rpert, er steht f\u00fcr das Wirkliche und die reelle Umsetzung der pers\u00f6nlichen Entwicklung. Die Nacht, die in dieser Novelle vom Ritter Donati und der Venus dargestellt wird, beinhaltet etwas Bedrohliches. In der Nacht tr\u00e4umt der Mensch und vergoldet sozusagen seine Zeit mit Gedanken und Tr\u00e4umen, die mit der Realit\u00e4t nichts zu tun haben. Das Nachtmotiv tr\u00e4gt in der Romantik weitreichend Bedeutung. So gelten dunkle Schaupl\u00e4tze als konkrete Chiffren f\u00fcr das Unbewusste. Die Nacht gilt als Raum des Numinosen, des Vieldeutigen, des Ungeordneten und des Unbestimmten, vor allem aber als Ursprungsraum der kreativen Phantasie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer Konflikt dieser Parteien geht mit der Religion einher: Wie oben genannt, verk\u00f6rpern der Ritter Donati und die Venus den alten r\u00f6mischen Glauben und stehen somit als starker Gegensatz zum Christentum, das von dem S\u00e4nger Fortunato und dem Blumenm\u00e4dchen verk\u00f6rpert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ausgehend von Sigmund Freuds Strukturmodell der Psyche ergibt sich eine klare Aufteilung der Personen. Florio ist das Ich, welches von den beiden anderen Instanzen hin und her gerissen wird. Fortunato und Bianka verk\u00f6rpern das \u00dcber-Ich und damit die moralische Instanz. Venus und Donati verk\u00f6rpern das Es und damit die Triebe, in diesem Fall vor allem die sexuellen Triebe bzw. W\u00fcnsche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Davon ausgehend ist auch die Konnotation mit dem Tag bzw. der Nacht ganz klar, da das Gute am Tag stattfindet und alles Schlechte, von den Trieben Gelenkte, in der Nacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Florio befindet sich in der Adoleszenz und sucht einen Weg, um die beiden Instanzen zufriedenzustellen, was ihm allerdings nicht gelingt. In Lucca lebt er vollkommen die W\u00fcnsche des Es aus, indem er der Venus nachsteigt und sich von der Verf\u00fchrerin blenden l\u00e4sst. Zu dem Zeitpunkt, an dem das \u00dcber-Ich die Kontrolle wiedererlangt, verl\u00e4sst Florio Lucca und trifft nat\u00fcrlich auf Fortunato und Bianka, die Verk\u00f6rperung seines \u00dcber-Ichs. Durch die Entsexualisierung Biankas (sie ist verkleidet als Junge und erscheint ihm wie ein Engel und Engel sind geschlechtslose Wesen) kann das \u00dcber-Ich das Es vollkommen sublimieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vom christlich-religi\u00f6sen Ansatz betrachtet, kommt noch eine tiefere Interpretationsebene dazu. W\u00e4hrend wir beim psychoanalytischen Interpretationsansatz vordergr\u00fcndig den Kampf zwischen dem Es und dem \u00dcber-Ich sehen, erkennen wir vom christlichen Standpunkt aus den Kampf Florios zwischen der Versuchung des Heidentums, verk\u00f6rpert durch die Venus als heidnische G\u00f6ttin und Donati, ihrem teuflischen und d\u00e4monischen Ritter, und dem richtigen, christlichen Weg, welcher von der keuschen Bianka und dem christlichen S\u00e4nger Fortunato verk\u00f6rpert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bianka ist der Ausl\u00f6ser f\u00fcr Florios Verwirrung, als er ihre roten Lippen k\u00fcsst, erwacht die triebhafte Sehnsucht in ihm und dadurch kann er die Venus und damit die Verf\u00fchrung des Heidentums erst sehen. Erst wenn diese sich selbst entsexualisiert und als asexueller Engel auftritt, findet Florio auf den richtigen Weg zur\u00fcck und entsagt den Verf\u00fchrungen der Venus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christlich-religi\u00f6s interpretiert ist das Ende der Novelle also ein gutes, da Florios Entwicklung als positiv zu verstehen ist, da er auf den rechten Weg zur\u00fcckfindet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Sinne des von Friedrich Schlegel \u00fcbernommenen Gedankens, dass \u201ePoesie nur durch Poesie rezensiert\u201c werden k\u00f6nne, setzt sich Eichendorff in der Erz\u00e4hlung kritisch auseinander mit Dichtung seines Dichterfreundes und Mentors in der Heidelberger Zeit, Otto Heinrich Graf von Loeben. Zugleich distanziert er sich damit von seiner eigenen Dichtung, die er im Gefolge Loebens schrieb. Ein erstes einfaches Indiz f\u00fcr diese Bez\u00fcge ist der Name der Hauptfigur: Florio. Der Dichtername, den Loeben Eichendorff damals gegeben hatte und unter dem dieser damals seine Gedichte ver\u00f6ffentlichte, lautete Florens. So wie die Geliebten und Musen bei Eichendorff die Art der Dichtung verk\u00f6rpern, die der jeweilige Dichter anstrebt, steht also die verf\u00fchrerische Venusdame, in deren Bann Florio zeitweilig ger\u00e4t, f\u00fcr die Dichtung Loebens. In der Tat warf Eichendorff Loeben eine zweifelhafte Vermischung von Maria und Venus vor. Demgem\u00e4\u00df ist das von der Venusdame gesungene Lied in Sonettform gehalten, eine Form, die Eichendorff bei Loeben \u00fcberm\u00e4\u00dfig und allzu k\u00fcnstlich angewandt sah. Bei Donati, dem Diener der Venusdame, konnte Eichendorff an dem in seiner Quelle vorgegebenen Namen festhalten, weil er Loebens Dichternamen, Isidorus Orientalis, nah verwandt war: Der griechische Name Isidorus bedeutet \u201eDer von (der G\u00f6ttin) Isis Geschenkte\u201c, der lateinische Name Donatus bedeutet \u201eDer (von Gott) Geschenkte\u201c. Bianka verk\u00f6rpert gegen\u00fcber der Venusdame die wahre volkst\u00fcmliche Dichtung, der Eichendorff sich nach der Abwendung von Loeben zuwandte. So zeigt sie bis zuletzt die nach Eichendorff f\u00fcr jede rechte Liebe wesentliche und f\u00fcr die entsprechenden Musengestalten typische Verbindung von venushaften und marienhaften Z\u00fcgen. Florio kann deshalb am Schluss noch einmal dar\u00fcber staunen, \u201ewie sch\u00f6n sie war\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u00a0***<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Das Marmorbild<\/b>, romantische M\u00e4rchennovelle von Joseph von Eichendorff aus dem Jahre 1818. Erstmals wurde sie im <i>Frauentaschenbuch f\u00fcr das Jahr 1819<\/i> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/eichepor.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-79676 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/eichepor-207x300.jpg\" alt=\"\" width=\"207\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/eichepor-207x300.jpg 207w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/eichepor-260x377.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/eichepor-160x232.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/eichepor.jpg 345w\" sizes=\"auto, (max-width: 207px) 100vw, 207px\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In 2022 widmet sich KUNO der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19652\">Kunstform<\/a>\u00a0Novelle. Diese Gattung lebt von der Schilderung der Realit\u00e4t im Bruchst\u00fcck. Dieser Ausschnitt verzichtet bewu\u00dft auf die Breite des Epischen, es gen\u00fcgten dem Novellisten ein Modell, eine Miniatur oder eine Vignette. Wir gehen davon aus, da\u00df es sich bei dieser literarischen Kunstform um eine k\u00fcrzere Erz\u00e4hlung in Prosaform handelt, sie hat eine mittlere L\u00e4nge, was sich darin zeigt, da\u00df sie in einem Zug zu lesen sei. Und schon kommen wir ins Schwimmen. Als Gattung l\u00e4\u00dft sie sich nur schwer definieren und oft nur ex negativo von anderen Textsorten abgrenzen. KUNO postuliert, da\u00df viele dieser Nebenarbeiten bedeutende Hauptwerke der deutschsprachigen Literatur sind, wir belegen diese mit dem R\u00fcckgriff auf die Klassiker dieses Genres und stellen in diesem Jahr alte und neue Texte vor um die Entwicklung der Gattung aufzuhellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Obwohl das Marmorbild eine Novelle der Romantik ist, kam die Anregung dazu vom Barockdichter Eberhard Werner Happel. 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