{"id":7964,"date":"2012-11-01T00:01:00","date_gmt":"2012-10-31T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=7964"},"modified":"2022-02-19T14:14:10","modified_gmt":"2022-02-19T13:14:10","slug":"ein-buch-ist-eine-stadt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/01\/ein-buch-ist-eine-stadt\/","title":{"rendered":"Ein Buch ist eine Stadt"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 26.08.2012 um 17:34 landete ich in <span style=\"color: #ff6600;\"><a style=\"color: #ff6600;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=229\">Cyberspasz<\/a><\/span>, einem Buch, das eigentlich eine Stadt ist, eine Migropole, ein Wohnmeer, durchschnitten von Magistralen, ein Gedicht, eine Erfindung, zu real, um darin zu leben, der Asphalt schmilzt, es brennt an jeder Ecke, die Tage sind d\u00fcnn, wie Zelluloid, unter den Milchglastischen liegen blaue Blumen oder tote Hasen, und wer nicht von herabfallenden Ziegelsteinen erschlagen wird, wird es von der Anzahl der Netzanbieter. Ich nehme ein Taxi, der Fahrer kommt mir bekannt vor, es ist der Schwarze Josh, der sich in der dritten Story eines jazzthetischen Touristen v\u00e4terlich annimmt. Der frischverliebte Florin sammelt Platten und biografische Bruchst\u00fccke des Musikers <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Roland_Kirk\">Roland Kirk<\/a>, dessen ans \u00dcberirdische grenzende Virtuosit\u00e4t ihn wie eine Erfindung erscheinen lie\u00dfe, w\u00e4re dies nicht in einer ebenso mitrei\u00dfenden und musikalischen Sprache geschrieben, von einem real existierenden Autor, der unter uns weilt:<\/p>\n<div id=\"attachment_8009\" style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/220px-Roland-Kirk1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8009\" class=\"size-full wp-image-8009\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/220px-Roland-Kirk1.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"325\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/220px-Roland-Kirk1.jpg 220w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/220px-Roland-Kirk1-203x300.jpg 203w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8009\" class=\"wp-caption-text\">Roland Kirk 1972 (Hamburg; Foto: Heinrich Klaffs)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Sie bewegen sich nicht, sie werden von der Sprache bewegt, geben den eingeschlossenen, den verschlossenen Worten Raum. Und befreien sie aus ihrer Enge. Der Rest ist einfach. Florin braucht sich nicht mehr anzustrengen. (&#8230;) Es ging ihm darum die Unschuld und Ehrlichkeit der Musik zu feiern, damit sie zu einer Best\u00e4tigung unserer Ewigkeit wird. Danach setzt ein Wachstum ein. Jedes St\u00fcck hat seine eigene DNA. Wenn er in der Stadt war, besuchte er die Studios mit seinem Blindenstock, an dem seine Instrumente bandagiert waren. Er war ein kraftvoller Mann mit einem enormen Appetit auf das Leben, der sich furchtlos um die Hindernisse herum bewegte. Im Konstrast dazu seine tastenden H\u00e4nde, welche die Umgebung b\u00fcrsteten und Informationen absorbierten. Ich schloss die Augen, wenn ich mit ihm redete, weil ich jeden Vorteil brauchte, den ich kriegen konnte.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Kann man verreisen, wenn man frisch verliebt ist?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Liebe ist eine Reise, eine Reise zum eigenen Ursprung, wie Florin zum Ursprung der Musik von Raashan reist, wie der Ursprung der Musik von Raashan die Inspiration ist, wie der Ursprung der Inspiration dieser Novelle die knisternde Erotik zwischen Fatima und Florin ist, wie der Ursprung der knisternden Erotik zwischen Fatima und Florin eine Begegnung auf dem Flohmarkt ist, wie die Begegnung auf dem Flohmarkt Ursprung der Novelle ist &#8230; Die Amerikaner nennen es great, doch was wirklich great ist, liegt im Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen den Noten der Jazz-Komposition von Kirk \u2013 wie zwischen den Worten des Text-Kosmos von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weigoni\">Weigoni<\/a> &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Nachrichten aus der Dromosph\u00e4re<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das \u203aNeue\u2039 in der Novelle ist dabei nicht nur die Verortung in der heutigen Zeit, sondern auch der stilistische Vorgriff auf die Zukunft. Vor dem Hintergrund einer dauerhaft unterwegs seienden, medialisierten Gesellschaft gr\u00e4bt Florin, auf den Spuren seiner Leidenschaft und begleitet von ihr, nach einer wahren Geschichte. Verst\u00f6rend, die poetisierten O-T\u00f6ne der nach Rahsaan Befragten. Indem sie den Musiker beleuchten, werden sie selbst zu Musik.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ein literaturp\u00e4dagogischer Schlenker<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_8007\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Schlossgymnasium1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8007\" class=\"size-medium wp-image-8007\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Schlossgymnasium1-300x203.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"203\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Schlossgymnasium1-300x203.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Schlossgymnasium1-1024x695.jpg 1024w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Schlossgymnasium1.jpg 1654w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8007\" class=\"wp-caption-text\">Sch\u00fcler des Schlossgymnasiums Benrath mit dem Tontechniker Volker F\u00f6rster<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Sinne m\u00fcsste ich die \u00dcberschrift im Nachhinein wieder \u00e4ndern (was ich ja gern tue, weil das ein Zeichen daf\u00fcr ist, dass der Akt des Schreibens eng mit dem Akt des Erkennens verbunden ist): Ein Buch ist eine Stadt ist ein <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/ohryeure.htm\">H\u00f6rspiel<\/a>. Exakt diese Episode n\u00e4mlich ist in einem medienp\u00e4dagogischen Projekt mit Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern des Schlossgymnasium Benrath unter der Leitung des Autors zu einem H\u00f6rspiel verarbeitet worden. Man merkt der Produktion nicht unbedingt die M\u00fchen an, die sie gekostet hat, so locker und selbstredend kommen die Sch\u00fcler daher, so nat\u00fcrlich und lebendig klingen ihre Stimmen&#8230; In ca. 45 Minuten bringen sie die Partitur der Novelle zum Klingen, relativ nah am Text, aber auch im Dialog mit dem Autor und an einigen Stellen mit sogar Neuerungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u2192 <a style=\"color: #999999;\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nAPthi8lM-Y\">Ja mach nur einen Plan<\/a><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/cityspace1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8012 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/cityspace1.jpg\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"120\" \/><\/a>Im Zentrum schaue ich ratlos auf die Hieroglyphen des Netzplans. \u201eWas ist daran so schwierig\u201c, frotzelt Josh, \u201edas Prinzip ist doch einfach: der 96er Bus f\u00e4hrt in der 96. Stra\u00dfe.\u201c \u2013 Aber die Einfachheit ist ein Trugschluss \u2013 die Stra\u00dfen sind zu lang, als dass die Zahlen allein mir n\u00fctzen k\u00f6nnten. Jeder, der schon mal ein Haus auf der 110. Stra\u00dfe gesucht hat, wei\u00df, dass diese Stra\u00dfe ein Tagesmarsch ist und dass man wissen muss, wo die U-Bahnlinien A, B und C kreuzen, und dass man dann auch noch wissen muss, auf welcher Seite man den letzten Rest zu Fu\u00df geht. Broadway kann okay sein, w\u00e4hrend Amsterdam schon wieder Schauplatz einer Stra\u00dfenschlacht ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Landmarken &#8211; Wegweiser<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weigoni gelingt es, das System, nach dem die gro\u00dfst\u00e4dtischen Gesellschaften sortiert sind &#8211; und bei dem der Mensch mit seinen Bed\u00fcrfnissen leer ausgeht &#8211; mit seiner Sprache zu durchkreuzen, zu durchleuchten. Neue Kapitel fangen meist mit Ein- oder Zweiworts\u00e4tzen an, beschleunigen dann mit l\u00e4nger werdenden Satzbauten und \u00fcberscharfen Beschreibungen, um schlie\u00dflich im Widerstreit, ob nun Schrecken oder Sch\u00f6nheit \u00fcberwiegt, zu enden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ein Besuch im MoMa<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_8017\" style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/220px-MET_Hall_New_YorkCity.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8017\" class=\"size-full wp-image-8017\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/220px-MET_Hall_New_YorkCity.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"293\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8017\" class=\"wp-caption-text\">Empfangshalle des MoMa<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dieser Stimmung besuche ich Vera, unbestritten eine Sch\u00f6nheit, ebenso K\u00fcnstlerin und Cyberfrau, pr\u00e4destiniert dazu, im Metropolitan Museum of Modern Art ausgestellt zu werden, wenn sie denn eine echte Amerikanerin w\u00e4re. Vera wohnt im obersten Stockwerk (und in der 1. Novelle) und wei\u00df nicht, wie sie durch die Gegensprechanlage klingt, daf\u00fcr aber, dass ich sie besuchen komme, bereits durchs Internet. Ihr Rechner spinnt, Freund Jack muss helfen, aber ist die L\u00f6sung des Problems die Behebung des Fehlers oder ist der Fehler die L\u00f6sung des Problems?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Cyborgs<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ann\u00e4herung von Mensch und Maschine ist so weit fortgeschritten, dass die Beantwortung der Frage weder m\u00f6glich noch sinnvoll erscheint. Selbst die Treppenh\u00e4user der Wolkenkratzer, die wie Rei\u00dfverschl\u00fcsse gl\u00e4nzen, verwischen den Unterschied zwischen Beton- und Biomasse und wollen mir weismachen, dass die Stadt ein gro\u00dfes Lebewesen ist. Der Protagonist Jack ist so pr\u00e4zise gezeichnet, dass ich auch das, was von seinem Charakter nicht beschrieben wird, vor mir sehe: Er mag keine Gesellschaftsspiele, tr\u00e4gt sommers wie winters dieselbe Jacke und liebt blaue Bilder. Er hat die Realit\u00e4ten umgedreht: Der Weg durch die Stadt zu Vera ist f\u00fcr ihn ein Weg durch un\u00fcberschaubare Datenfluten \u2013 die Wege, die er im Netz zur\u00fccklegt, hingegen die heimeligen Flure seines Zuhauses &#8230; Ger\u00e4t das A.L. (Artificial Life) au\u00dfer Kontrolle? Kann die A.I. (Artificial Intelligence) das verhindern? Ist Jack die A.I? oder Vera? Oder beide? &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Autofiktion. Im Netz gibt es mindestens drei Obzessionen: ein Verschw\u00f6rungsfieber, das die Grenze zwischen Wahrheit und L\u00fcge aufl\u00f6st. Ein Sammler und Anarchivierungswahn, der nur mit unbegrenztem Speicherplatz denkbar ist und ein Detailfetischismus, der aus nebens\u00e4chlichsten Informationen geheime Bedeutungen schr\u00f6pft. Jack h\u00e4lt diese Mitteilungen f\u00fcr veraltete stenagografische Daten, die eine Mitteilung im Rauschen einer anderen verbergen. Oder hat er eine intakte Version der Poetikmaschine SARA entdeckt?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Wiederg\u00e4nger<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/ZombiesCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8015 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/ZombiesCover.jpg\" alt=\"\" width=\"142\" height=\"207\" \/><\/a>Ich werde entmaterialisiert und nehme den Weg \u00fcber die Blutbahnen des Internets in die 5. Novelle, und eigentlich m\u00f6chte ich es lieber 5. Kapitel nennen, weil die Figuren in Weigonis Werken herumspazieren, als bef\u00e4nden sie sich alle in demselben Buch, bzw. in ein- und derselben Stadt. (So gesehen ist <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=52\">Zombies<\/a>, der Vorg\u00e4nger von Cyberspasz eine optimale, wenn auch optionale, auf jeden Fall aber opiumhaltige Einf\u00fchrung, destilliert aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=4\">Vignetten<\/a>, und es scheint unwahrscheinlich, dass Weigoni nicht bereits an einem Roman schreibt. Die Figuren in <em>Zombies<\/em> ruhen nicht in sich selbst, daf\u00fcr aber in den treffenden Worten, die der Autor gefunden hat, um diesen Zustand zu beschreiben. Es sind Menschen in ihren Rollen, Identit\u00e4ten, Berufen, Verrufen, Verrissen, W\u00fcnschen, \u00c4ngsten, Utopien, Menschen in ihren Dienstleistungsk\u00f6rpern, Wohnmaschinen, Solarmodulen, B\u00fcrot\u00fcrmen, Menschen mit Pistolen und Menschen mit Fl\u00fcgeln. Diese Sammlung von Kurzgeschichten ist eine c<em>om\u00e9die humaine<\/em>, die ausschlie\u00dflich in der H\u00f6lle spielt, wobei das Ende einer Geschichte hier nichts anders ist, als das Ende eines Kapitels.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Eigenheiten von Weigonis Sprache kommen in diesem Band noch pr\u00e4gnanter zum Ausdruck. Die Sagen-Verben m\u00fcssen sich nicht mehr mit der Frage aufhalten, wieviele Kasus sie regieren &#8211; sie sind ein halber Lebensweg. So der Praktikant beim Pr\u00e4parator:<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u201e<em>Biofleisch kauft kaum noch jemand. Hab&#8216; bei meinem Vater in der Firma gearbeitet und der finanziert mein Studium\u201c, liest Willbert eigentlich lieber Windschutzscheiben als B\u00fccher, h\u00e4lt es sich offen, als Biologe Insekten zu erforschen.<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">An anderer Stelle in derselben Geschichte geht es um das Verh\u00e4ltnis des Protagonisten zu seiner Sprache und damit um sein innerstes Wesen. Damit ist in einem Absatz soviel gesagt, wie man <em>lapidar<\/em> auf 50 Seiten ausgedr\u00fcckt h\u00e4tte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wortrauschen. Manfred ist ein Boxer mit Samthandschuhen. Sein zwanghafter Aktionismus ist eine Art R\u00fcckversicherung der eigenen Lebendigkeit, ein Abwehrmechanismus gegen den Tod. Der begegnet ihm in der Morgue t\u00e4glich. Der Pr\u00e4parator ist zerrissen zwischen seiner antrainierten H\u00e4rte und der vermeintlichen Erkenntnis, das ALLES keinen Sinn hat. Die Sprache verbarrikadiert sich in ihm, sie tobt und schl\u00e4ft gegen die Schl\u00e4fen. Bisweilen f\u00fcrchtet er, der Sturm sei draussen zu h\u00f6ren. Dann h\u00e4lt er sich den Mund zu. In seinem Hirn tanzen die W\u00f6rter und bringen ihn zum Taumeln. Zur Erleichterung l\u00e4sst er bisweilen lapidare S\u00e4tze fallen, wie Kleingeld, nachdem er sich niemals b\u00fccken w\u00fcrde.<\/em>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Br\u00fccken m\u00fcnden in Kitsch und Unverdaulichem. Man darf auf ihnen keine Autopanne haben &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u2192 <a style=\"color: #999999;\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1MWN_duZfIs\">Memories Are Made Of This<\/a><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erinnere mich daran, wie Ulli aus der Werbeagentur bereits 1998 meinte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWenn du heute ernsthaft mit deiner Kunst bekannt werden willst, musst du mindestens mit einem Flugzeug in ein Hochhaus brettern.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Hitchcock <a style=\"color: #999999;\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=LkyUxfSOKbI\">describes<\/a> a McGuffin<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Z7NN18HLg_U&amp;feature=related\">McGuffin<\/a> wird das Kunstverst\u00e4ndnis der heutigen Zeit ger\u00f6ntgt. Eine Kneipe, in der sich die Kunstszene trifft, ein Hacker, der Daten aus dem Internet klaut, wie Bilder aus einem Museum, ein Vampir, der die K\u00fcnstlerin liebt, ein Kommissar, der die Gesellschaft analysiert, eine Gesellschaft, die zu modern ist, um echt zu sein, eine Echtheit, die belgischen M\u00f6nchen vorbehalten bleibt, ein Glaube an die Sehnsucht, ein Leser, der die Daten nicht zu verorten wei\u00df, ein Sound, der die Daten ordnet, ein Biss, der alles Vorherige infrage stellt, ein Bis-hierher-und-nicht-Weiter, ein Vorschlag, die Novelle von Art Jones inszenieren zu lassen &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bringt Profit?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer ist Profi?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer hat Profil?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was wei\u00df Pozozza?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie es hier rausgeht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, ein Entkommen ist nicht m\u00f6glich, als ich begriffen habe, dass ich auch in dieser Stadt wohne.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"> Druckerschw\u00e4rze, ein Literatur-Noir<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/220px-Taxi.svg_.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-8019\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/220px-Taxi.svg_.png\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"67\" \/><\/a>Kann man sich in der 2. Novelle \u2013 Der gro\u00dfe Wurf \u2013 erholen, weil sie so \u203anormal\u2039 ist? Es geht hier um Frauen, Geld und schnelle Autos bzw. den Glauben daran, und ich muss an eine australische Eingeborenensprache denken, in der es eine sprachliche Kategorie f\u00fcr \u203aFrauen, Feuer und gef\u00e4hrliche Dinge\u2039 gibt. Der Taxifahrer hei\u00dft hier Fridolin Fleppe. Seine Geschichte ist eine Legende &#8230; Ich seh ihn, stilisiert, als Titelbild auf einem blanko Notizbuch, welches man im Museum f\u00fcr Anthropologie erwerben kann. Er ger\u00e4t durch verdrehte Umst\u00e4nde an eine Lieferung Kokain und will diese dann mit Automechaniker Justaff und der Prostituierten Anouk an einen Killer verticken, um mit dem Geld neu anzufangen, was ihnen, nach ein paar Todesf\u00e4llen, auch gelingt. Die Morde in der Geschichte sind folgerichtig und erfunden, folgenschwer und hyperreal. Ein Hauch des Traums schwebt \u00fcber ihnen, wie der Smog \u00fcber der Stra\u00dfe, auf der sie verschwinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Kopfkino, ein WortVideo f\u00fcr eingeweihte Ohryeure<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angeblich e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Kane.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8024 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Kane.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"317\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Kane.jpg 214w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Kane-202x300.jpg 202w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><\/a>xistiert eine unvollendete Fassung des allerersten Filmes von Orson Welles. George Kaplan wird auf eine merkw\u00fcrdige Recherche geschickt. Reflexionen \u00fcber das Verh\u00e4ltnis Film \u2013 Realit\u00e4t \u2013 Kopfraum \u2013 Weltende. Kann verhindert werden, dass Medienmogul Salzinger eine F\u00e4lschung ver\u00f6ffentlicht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Daseinssorgfalt. Die Autot\u00fcr des Taxis ist einladend ge\u00f6ffnet. George blickt in die Dunkelheit malerischer Tristesse. Verlockend klingt aus dem Autoradio: <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2IVYKICeAK0\">As real as Disneyland<\/a> von Julian Dawson. Als er diese Musik h\u00f6rt, nimmt er einzelne Noten nicht wahr. George erinnert sich, wie die amerikanische Touristen mit den Fingern an die Fassade von Neuschwanstein klopften. Sie konnten nicht glauben, dass ein M\u00e4rchenk\u00f6nig dieses Geb\u00e4ude einst wirklich hat errichten lassen; a real virtuality.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich brauche diese Stadt nicht zu verlassen \u2013 sie hebt ab; die Propeller der unz\u00e4hligen Klimaanlagen sind die Turbinen einen riesigen Flugzeugs.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cyberspasz, a real virtuality<\/strong>, Novellen von A. J. Weigoni, Edi\u00adtion Das Labor, M\u00fclheim an der Ruhr 2012.<\/p>\n<div id=\"attachment_44223\" style=\"width: 204px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44223\" class=\"wp-image-44223 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz-194x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz-194x300.jpeg 194w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz.jpeg 657w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-44223\" class=\"wp-caption-text\">Covermonatge: Jesko Hagen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO \u00fcbernimmt Artikel von Jo Wei\u00df aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/10\/05\/turbokapitalistischer-realismus\/\">Kultura-extra<\/a>, von Karl Feldkamp aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/09\/alles-klappt-in-ihrem-leben-doch-nichts-gluckt\/\">Neue Rheinische Zeitung<\/a> und von <span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Christine Kappe<\/span><\/span> <span data-offset-key=\"cphj4-0-0\">aus der vom Netz gegangenen<\/span> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/01\/ein-buch-ist-eine-stadt\/\">fixpoetry<\/a>. Betty Davis sieht in <em>Cyberspasz<\/em> eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/12\/26\/eine-ebenso-poetische-wie-praezise-geschichtsprosa\/\">pr\u00e4zise Geschichtsprosa<\/a>. Margaretha Schnarhelt erkennt in der <em>real virtuality<\/em> eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/09\/30\/cyberzomb\/\">hybride Prosa<\/a>. Enrik Lauer deutet diese Novellen als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/09\/01\/der-cyberspace-als-wille-und-vorstellung\/\">Schopenhauer<\/a>s Nachwirken im Internet. In einem Essay betreibt KUNO <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/16\/dystopische-zukunftsforschung\/\">dystopische Zukunftsforschung<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Am 26.08.2012 um 17:34 landete ich in Cyberspasz, einem Buch, das eigentlich eine Stadt ist, eine Migropole, ein Wohnmeer, durchschnitten von Magistralen, ein Gedicht, eine Erfindung, zu real, um darin zu leben, der Asphalt schmilzt, es brennt an jeder&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/01\/ein-buch-ist-eine-stadt\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":98173,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,239,1785,907],"class_list":["post-7964","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-christine-kappe","tag-orson-welles","tag-rahsaan-roland-kirk"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7964","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7964"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7964\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":98541,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7964\/revisions\/98541"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98173"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7964"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7964"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7964"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}