{"id":795,"date":"2012-01-25T00:01:45","date_gmt":"2012-01-24T23:01:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=795"},"modified":"2021-12-01T06:44:02","modified_gmt":"2021-12-01T05:44:02","slug":"portrat-des-hungertuchpreistragers-thomas-suder","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/01\/25\/portrat-des-hungertuchpreistragers-thomas-suder\/","title":{"rendered":"Portr\u00e4t des Hungertuchpreistr\u00e4gers Thomas Suder"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Thomas Suder <\/span><span style=\"color: #999999;\">aus D\u00fcsseldorf <\/span><span style=\"color: #999999;\">erh\u00e4lt in Anerkennung seines k\u00fcnstlerischen Werks <\/span><span style=\"color: #999999;\">das Hungertuch f\u00fcr Bildende Kunst 2009<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_12460\" style=\"width: 170px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12460\" class=\"size-full wp-image-12460\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/suder.jpg\" alt=\"\" width=\"160\" height=\"160\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/suder.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/suder-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 160px) 100vw, 160px\" \/><p id=\"caption-attachment-12460\" class=\"wp-caption-text\">Selbstbildnis als Linolschnitt<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Konflikt moderner Kunst l\u00e4\u00dft sich in zwei S\u00e4tzen res\u00fcmieren: \u201eJeder Mensch ist ein K\u00fcnstler\u201c proklamierte Joseph Beuys. \u201eJeder K\u00fcnstler ist ein Mensch\u201c, entgegnet Thomas Suder. Der eine will hoch hinaus, will mit Kunst die Welt heilen, der andere viel lieber zur\u00fcck auf den Teppich. Die eine Seite reklamiert Ideologie f\u00fcr alle, die andere Anarchie f\u00fcr sich selbst. Im Zeitalter der Kunst als Aktie, kann man sicher sagen, da\u00df die Person Beuys zwar ber\u00fchmter, Suders Programm aber weitaus zeitgem\u00e4\u00dfer ist. Mit dem Untergang des B\u00fcrgertums verabschiedet sich die Kultur, die Entwicklung des globalisierten Kapitalismus breitet sich als kalte, hoch reflektierte, gef\u00fchllose Welt aus, die von Prinzipien der Effizienz, der Kalkulation und der Rationalisierung beherrscht wird, also in entfremdende Lebensformen m\u00fcndet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer wie Suder die Popmusik als Teil eines historischen Prozesses der soziokulturellen Nachkriegsdemokratisierung versteht, begreift, da\u00df die Jugendkultur eine Neuerfindung der Nachkriegszeit war, eine romantische Idee, aber keine Warenwelt. Mit ihrem Marktwert erhielt die Jugend eine Stimme, und bis in die siebziger Jahre gab es dann kein anderes kulturelles Feld als Pop, das ein vergleichbares Versprechen auf gesellschaftlichen Wandel gemacht h\u00e4tte. Die Idee des Individuums, \u00fcberhaupt von Identit\u00e4t, Geschlecht, Sexualit\u00e4t, wurde wesentlich von Popmusik transportiert. Das ist perd\u00fc. Pop war das erste kulturelle Feld, das vom Demokratisierungsph\u00e4nomen zur Strecke gebracht wurde. Danach kam die Mode dran, dann das Design, im Moment erleben wir den gleichen Prozess in der bildenden Kunst: der privilegierte Zugang f\u00e4llt. Das Kunstwerk als sichtbare Gabe, dargereicht im symbolischen Tausch, hat die unmittelbare Evidenz einer archaischen Opferhandlung. So wird K\u00fcnstler vom Medienstar zum Produzenten von Warenfetischen. Sein Auftritt verbindet mediale Allgegenwart in Fernsehen, Internet und Regenbogenpresse mit der uralten, singul\u00e4ren Realpr\u00e4senz auratischer Werke. Demzufolge vollf\u00fchrt Suders Kunst eine Zangenbewegung von Hybridit\u00e4t und Urspr\u00fcnglichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinen neuen seriellen Arbeiten verwendet Suder ein bekanntes Muster, den K\u00f6rper speziell f\u00fcr m\u00e4nnliche Blicke darzubieten \u2013 um diese desto nachhaltiger zu entt\u00e4uschen: das ber\u00fchmte Ausklappbild einschl\u00e4giger Magazine in der Mitte jeden Heftes, das angeblich Teile der amerikanischen Jugend mit der Vorstellung heranwachsen lie\u00df, Heftklammern geh\u00f6rten zur erotischen Ausstattung einer nackten Sch\u00f6nen. Tr\u00e4fe dies zu, w\u00e4re es der schlagende Beweis f\u00fcr die These, wonach sich der menschliche K\u00f6rper l\u00e4ngst in seine Darstellungsformen verfl\u00fcchtigt habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Keine Fluchtpunkte sind in diesen Arbeiten auszumachen, mit dem sich dieses Wesen noch in der richtigen Welt, zwischen Einkaufszettel wohl und Coiffeurtermin, halten k\u00f6nnte. Wer freilich ein bi\u00dfchen genauer hinschaut, findet \u2013 sozusagen als Daseins\u2013Anker im aufgew\u00fchlten Linnen \u2013 ein St\u00fcck schwarzes Selbstausl\u00f6serkabel. Damit machte sich der K\u00fcnstler selbst zum Objekt nicht so sehr der Begierde, sondern des Traumes, der Kunst. Mag diese letzte Maskerade noch so naheliegend sein, so liest sie sich doch ein bi\u00dfchen wie eine Fu\u00dfnote zum eigenen Werk: Auch als K\u00fcnstler bin ich immer noch jemand anderes. Zur Sp\u00e4tmoderne geh\u00f6rt die Vielheit der Identit\u00e4ten. Suders Bilder sind gleichsam doppelt vermittelt. Es sind Bilder \u00fcber Bilder, \u00fcber Bilder von erheblicher sozialer Reichweite allerdings und einem nicht zu untersch\u00e4tzenden Einflu\u00df auf die g\u00e4ngige Wahrnehmung jeglicher Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1148 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/hungertuch-230x300.jpg\" alt=\"\" width=\"230\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/hungertuch-230x300.jpg 230w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/hungertuch.jpg 384w\" sizes=\"auto, (max-width: 230px) 100vw, 230px\" \/>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 2001 wurde mit dem <em>Hungertuch<\/em> vom rheinischen Kunstf\u00f6rderer Ulrich Peters ein K\u00fcnstlerpreis gestiftet, der in den Jahren seines Bestehens von K\u00fcnstlern an K\u00fcnstler verliehen wird. Es gibt im Leben unterschiedliche Formen von Erfolg. Zum einen gibt es die Auszeichnung durch Preise und Stipendien, zum anderen die Anerkennung durch die Kolleginnen und Kollegen. Letzteres manifestiert sich in diesem K\u00fcnstlerpreis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"right\">Die Dokumentation des Hungertuchpreises ist in der erweiterten Taschenbuchausgabe erschienen:\u00a0 <strong>Twitteratur<\/strong>, Genese einer Literaturgattung. Herausgegeben von Matthias Hagedorn, Edition Das Labor 2019.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong>ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur<\/em><\/a>. Und ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/09\/06\/recap-hungertuchpreis\/\">Recap<\/a> des Hungertuchpreises. Eine Liste der bisherigen Preistr\u00e4ger finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?page_id=368\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thomas Suder aus D\u00fcsseldorf erh\u00e4lt in Anerkennung seines k\u00fcnstlerischen Werks das Hungertuch f\u00fcr Bildende Kunst 2009 Der Konflikt moderner Kunst l\u00e4\u00dft sich in zwei S\u00e4tzen res\u00fcmieren: \u201eJeder Mensch ist ein K\u00fcnstler\u201c proklamierte Joseph Beuys. \u201eJeder K\u00fcnstler ist ein Mensch\u201c, entgegnet&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/01\/25\/portrat-des-hungertuchpreistragers-thomas-suder\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":796,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3193,57],"class_list":["post-795","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-hungertuch","tag-thomas-suder"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/795","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=795"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/795\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=795"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=795"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=795"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}