{"id":79244,"date":"2022-10-26T00:01:06","date_gmt":"2022-10-25T22:01:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=79244"},"modified":"2022-02-24T17:27:48","modified_gmt":"2022-02-24T16:27:48","slug":"ein-tod","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/10\/26\/ein-tod\/","title":{"rendered":"Ein Tod"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Endlich, nachdem jetzt der alte Svendsen unten seine eint\u00f6nige Patrouille eingestellt hatte, konnte sich auch Olaf nicht mehr l\u00e4nger aufrecht erhalten.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die lange Nachtwache, der scharfe Karboldunst, der das ganze enge, schw\u00fcle Zimmer f\u00fcllte, das feine Ticken der Taschenuhr dr\u00fcben vom Sofatische her, das leise, unerm\u00fcdliche Br\u00fchen und Blaffen, mit dem sich das \u00d6l in der kleinen, tiefheruntergeschraubten Lampe verzehrte, sein eigenes Blut, das ihm in den Ohren summte und zwischendurch wie fernes, d\u00fcnnes Glockengel\u00e4ute klang: das alles bet\u00e4ubte ihn!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Er hatte sich jetzt in den alten, gro\u00dfen, kattunenen Lehnstuhl dicht neben dem Bett noch tiefer zur\u00fccksinkenlassen. Die glitzernde Fl\u00fcssigkeit in dem halbvollen Glase neben ihm, die er vergeblich zu fixieren suchte, war jetzt in einen orangefarbnen Lichtklecks verschwommen, der allm\u00e4hlich ins Bl\u00e4uliche \u00fcberging, Schlie\u00dflich war&#8217;s nur noch ein braunroter Funke, der \u00fcbrigblieb, zuletzt war auch der verloschen. Alles schien jetzt schwarz! Das Glas, das Bett, die Lampe, das ganze Zimmer &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Sein Kinn war ihm auf die Brust gefallen, er war eingeschlafen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230; Gott sei Dank! Er war wieder wach geworden. Es mu\u00dfte eine Maus gewesen sein!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Sein Schatten, der jetzt lang und wunderlich geknickt dr\u00fcben \u00fcber die wei\u00dfe, niedrige T\u00fcr weg, das kleine, blaue St\u00fcck Tapete dr\u00fcber und die alte, verr\u00e4ucherte Zimmerdecke hinfiel, brachte ihn wieder zu sich.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Er sah nach der Uhr.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Drei!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Der Kranke lag noch immer da wie tot.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Er hatte sich jetzt \u00fcber ihn gebeugt.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Das tr\u00fcbe, grellrote Lampenlicht zeichnete die Augenh\u00f6hle neben der spitz vorspringenden Nase wie ein tiefes, scharf umr\u00e4ndertes Loch in den Sch\u00e4del.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbArmer Kerl!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Das gro\u00dfe, feuchte Handtuch \u00fcber seiner Stirn war jetzt wieder behutsam zurechtger\u00fcckt, er war jetzt abermals in seinen Lehnstuhl zur\u00fcckgefallen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbArmer Kerl!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Und nun wieder nur das leise, unerm\u00fcdliche Br\u00fchen der Lampe, das Ticken der Uhr und Jens, der sich jetzt auf dem alten, wackligen Sofa dr\u00fcben im Schlaf auf die andere Seite gedreht hatte &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf seufzte.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Der schmutzige, gelbe Lichtfleck oben an der alten, rissigen Decke zitterte und zitterte, die Uhr tickte, das Blut summte, er war abermals eingeschlafen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbO &#8230; Oolaf!!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Unten, irgendwo auf dem totenstillen Hofe hatten eben ohrenzerrei\u00dfend ein paar Katzen aufgekreischt; jetzt war auch Jens in die H\u00f6he gefahren.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbUm Gottes willen! Was &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbHalt&#8217;s Maul! &#8230; Diese verfluchten Biester!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Er war jetzt wieder total munter.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens g\u00e4hnte.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbHa &#8230; hach! Ich &#8230; ich glaub&#8216;, ich \u2013 hab &#8217;n bi\u00dfchen geschlafen!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Er hatte den Kneifer, der ihm auf das Sofa gerutscht war,<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Holz-Hamlet\" name=\"124\"><\/a>\u00a0aufgeknipst und dr\u00fcckte ihn jetzt wieder auf seine Stumpfnase. \u00bbHm!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbGeht&#8217;s besser?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbNein! Er schl\u00e4ft immer noch!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbHm!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Eine Weile war alles wieder still. Sogar die Katzen drau\u00dfen hatten sich auf einen Augenblick beruhigt. Jetzt sah auch Jens nach seiner Uhr. Sie war stehngeblieben.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDrei! Nicht wahr?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJa! Erst!!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbSch\u00f6n! &#8230; Ist noch Bier da?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJa! Ich glaube.\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens ging nachsehn. Seine dicken Filzsocken machten seine Schritte unh\u00f6rbar. Vor dem Bette blieb er einen Augenblick stehn.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDu! Vielleicht wird&#8217;s doch besser!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf zuckte nur die Achseln.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Eins &#8230; zwei &#8230; drei &#8230; f\u00fcnf St\u00fcck noch.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDir auch eine?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbNein! Danke!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbAah! das tut wohl! \u2013 \u00dcbrigens &#8230; scheu\u00dflicher Muff hier!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJa! Zum Zerschneiden!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbSchauderhaft! Schauderhaft!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Er hatte sich jetzt, beide H\u00e4nde in den Hosentaschen, dicht vor das Fenster gestellt.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDieses verdammte Viehzeug!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf, der schon eine ganze Zeit auf dem kleinen, rotgeheizten B\u00fccherregal \u00fcber der Kommode gekramt hatte, sah auf.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJa! Wei\u00df Gott! Schon die ganze Nacht!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens sah jetzt auf den Hof hinaus. Er hatte die Gardinen beiseite genommen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Dr\u00fcben auf die dunkle Wand des Hinterhauses hatten die beiden Fenster ihre zwei tr\u00fcben Lichtvierecke gelegt, oben auf einem Schornstein zeichneten sich die schwarzen Schattenrisse zweier Katzen deutlich gegen den blauen Nachthimmel ab. Zwei, drei Sternchen flinkerten m\u00fcde \u00fcber den mit einem leisen, grauen Lichte \u00fcberzogenen D\u00e4chern.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbTegn\u00e9r? Hm! Na! Ist ja schlie\u00dflich egal!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Pl\u00f6tzlich hatten sich beide wieder unruhig umgedreht.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ein scharfes Knacken war deutlich durch das totenstille Zimmer gegangen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbNein! &#8230; Nein! &#8230; Es war wieder nur der d\u00e4mliche Schrank!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch dachte schon &#8230; hm! Wenn&#8217;s nur nicht wiederkommt!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens hatte unwillk\u00fcrlich tief aufgeatmet.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Seiner ganzen L\u00e4nge nach hatte er sich jetzt wieder \u00fcber das Sofa geworfen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf hatte sich den Tegn\u00e9r dicht unter die kleine, altmodische Lampe ger\u00fcckt, um deren Glocke ein gro\u00dfer, gelber Zeitungsbogen gesteckt war, dessen Zipfel bis auf den Tisch herunterreichte.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die Bl\u00e4tter knitterten unter seinen H\u00e4nden. Den Ellbogen aufgest\u00fctzt, las er jetzt halblaut vor sich hin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWie sch\u00f6n die Sonne lacht! Wie freundlich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Zweig zu Zweigen &#8230;\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieder knitterten die Bl\u00e4tter. Die Furche zwischen seinen dichten, buschigen Augenbrauen hatte sich noch tiefer gegraben.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens, der jetzt auf dem Bauch liegend \u00fcber das Seitenkissen des Sofas weg zwischen den Arabesken der Gardinen hindurch den kleinen, gr\u00fcnen Stern dr\u00fcben \u00fcber dem Schornstein beobachtete, langweilte sich scheu\u00dflich.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWillst du nicht lieber &#8217;n bi\u00dfchen schlafen?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbNein!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbAber Kind! &#8230; Warum nicht? Ich l\u00f6se dich ab!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbLa\u00df nur! &#8230; Kann nicht schlafen!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbAe! Eigentlich! Ich auch nicht mehr!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ein langes Schweigen war eingetreten. Stumpf und m\u00fcde starrten die beiden vor sich hin.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDu!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJa?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbNichts!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas denn?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbStill! H\u00f6rst du nichts?!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Unten im Flur krackelte jetzt etwas an der Haust\u00fcr herum. \u00bbAha!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Schl\u00e4frig blinzelte jetzt Jens wieder nach seinem Stern hin\u00fcber. \u00bbHm!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf bl\u00e4tterte wieder weiter.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Unten hatte es unterdessen das Schl\u00fcsselloch gefunden und drehte nun m\u00fchsam auf. Es torkelte herein.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDu! H\u00f6r mal den!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbNa? Ei, du Donnerwetter!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Schwer kam es jetzt die Treppe in die H\u00f6he gestapft. Am Gel\u00e4nder hielt es sich. Manchmal polterte es wieder ein paar Stufen zur\u00fcck. Es schnaufte und prustete. Eine tiefe, heisere Ba\u00dfstimme brummte. Jetzt, endlich kam es schwerf\u00e4llig \u00fcber den Flur. Ein dicker K\u00f6rper war dumpf gegen eine T\u00fcr geschlagen. Ein abgebrochener Fluch, dann half es sich wieder weiter.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbHeiliger Bimbam!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens lachte leise.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jetzt hatte es sich sogar gegen die Wand gestemmt und schurrte sich daran entlang. Ein paar Kalkst\u00fccke waren abgebr\u00f6ckelt und prasselten unten auf die Dielen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas?! Famose Kr\u00f6te!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbStill mal!!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Es kam &#8230; ja! &#8230; es kam sogar &#8230; auf die T\u00fcr zu?<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jetzt &#8230; Schwer war es dagegen gekracht! Der dumpfe Schlag war durch das ganze Zimmer gegangen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbHerrgott! Was ist denn das f\u00fcr ein Knote?!!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf war steil in die H\u00f6he gefahren.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Auch Jens war die Sache etwas bunt geworden &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Sie standen jetzt beide mitten im Zimmer, die Augen aufmerksam auf die T\u00fcr gerichtet.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Es tastete nach der Klinke.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDas hei\u00dft &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Schnell, auf den Zehen, war jetzt Olaf auf die T\u00fcr zugegangen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Aber in demselben Augenblicke war sie auch bereits aufgeprallt und ein unf\u00f6rmiger, schwarzer Klumpen \u00fcber die Schwelle weg prustend ins Zimmer gekugelt.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Der k\u00fchle Luftzug hatte die kleine Lampe neben dem Bett hoch aufflackern lassen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens war sofort zugesprungen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Mit Olafs Hilfe gelang es ihm endlich, den Betrunkenen aufzurichten.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">In dem matten Schein der Lampe jetzt ein blaurotes, gedunsenes Gesicht, das mit seinen kleinen, verschwommenen Augen bl\u00f6de im Zimmer umherglotzte. Unter<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Holz-Hamlet\" name=\"128\">[128]<\/a> dem eingedr\u00fcckten Hut vor d\u00fcnne, flachsblonde Haare in die rote, fette, schwei\u00dftriefende Stirn.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbMein Herr! Bitte!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ein Schlucken und Schnieben war die einzige Antwort.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbSie sind fehlgegangen!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWa &#8230; hbf &#8230; wa &#8230; waas? Hbf! &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbSie sind fehlgegangen!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbAh! &#8230; En &#8230; en &#8230; hbf! &#8230; schul &#8230; jen &#8230; i &#8230; hbf! &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">ich &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbBitte!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbHb! Hbf! &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Hinterr\u00fccks war jetzt der Dicke mit seiner Verbeugung auf den Flur zur\u00fcckgetaumelt. Olaf dr\u00fcckte die T\u00fcr fest an und drehte den Schl\u00fcssel um &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbNette Wirtschaft hier!\u00ab<\/p>\n<div class=\"zenoCOAdRight\" style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Endlich hatten sie sich wieder beruhigt.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf bl\u00e4tterte wieder zerstreut in seinem Tegn\u00e9r herum, Jens hatte sich auf das Sofa zur\u00fcckgeworfen und blinzelte wieder schl\u00e4frig vor sich hin durch die Gardine.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Am Kopfende des Bettes, in irgendeinem Winkel, summte verschlafen ein durch das Licht aufgest\u00f6rter Brummer.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die Taschenuhr tickte, vom Schrank her ein paar Holzw\u00fcrmchen. Jetzt, oben in der dritten Etage, klappte endlich auch die T\u00fcr zu.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Durch die d\u00fcnne Decke durch h\u00f6rte man deutlich, wie es plump auf ein Bett fiel &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Das matte, fahle Licht oben auf den D\u00e4chern war jetzt ein wenig heller geworden &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf sch\u00fcttelte sich. Ihn fr\u00f6stelte. Den Lampendocht schraubte er etwas h\u00f6her. Das scharfe, totblasse Gesicht des Kranken, in dessen feuchte Stirn unter dem Handtuch vor wirr die schwarzen, nassen Haare quollen, zeichnete sich jetzt noch sch\u00e4rfer.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbAch Gott, ja!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">M\u00fcde hatte Olaf den Kopf auf seine beiden Arme gelegt, die er gegen die Tischkante gest\u00fctzt hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pl\u00f6tzlich waren sie beide erschrocken zusammengefahren!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Das Bett hatte diesmal ganz deutlich geknarrt.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ein unruhiges Rauschen. Ein St\u00f6hnen. Bleischwer hatte es auf das bauschige Deckbett geklappt.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Atemlos starrten die beiden hin &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbAh! &#8230; aaah!! &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Schnell hatte sich jetzt Olaf \u00fcber den Kranken gebeugt.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJens! Jens!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbHier!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Der Kranke war jetzt noch unruhiger geworden. Sein Kopf drehte sich nach allen Seiten. Seine tiefliegenden, dunklen Augen waren weit aufgerissen. Seine N\u00e4gel kratzten scharf \u00fcber den Bettbezug. Seine blassen, bl\u00e4ulichen Lippen bewegten sich. \u00bbDu! Komm her!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJa!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Aber wieder lag er jetzt regungslos. Nur seine langen, abgemagerten H\u00e4nde, die unruhig an dem Deckbett zupften. Ein paar Sekunden lang war alles still &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jetzt, kaum h\u00f6rbar:<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWasser &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbSchnell! Schnell!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDa!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf hatte sich mit dem Glase wieder \u00fcber das Bett gebeugt. Vorsichtig, leise schob er dem Kranken seinen langen, sehnigen Arm unter den Kopf. Behutsam r\u00fcckte er ihn ein wenig in die H\u00f6he und dr\u00fcckte ihm das Glas an den Mund &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Gierig hatte der Kranke getrunken! Seine irren Blicke waren jetzt starr auf den schmutziggelben, bebenden Kreis oben \u00fcber den wei\u00dfgestrichenen, niedrigen Querbalken der Decke gerichtet &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Das leise, zitternde Klappen des leeren Glases, das Jens auf den Tisch zur\u00fcckstellte, und die Taschenuhr dr\u00fcben.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbH &#8230; h &#8230; Los! Los denn doch!!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDu! Du!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJa!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbAuf die Mensur! Fertig! Los!!! &#8230; Ah! &#8230; Hier! Hier!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">In die Seite! &#8230; Ah! Aaah! &#8230; Es schmerzt! Es schmerzt, Olaf! Olaf! &#8230; Hu! Das Blut! Das Blut! &#8230; Das ganze Gras &#8230; aaah! &#8230; Das ganze \u2013 Gras &#8230; Das ganze Gras &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens sch\u00fcttelte sich. Es \u00fcberlief ihn.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf hatte sich jetzt noch tiefer \u00fcber das Bett geb\u00fcckt.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbMartin! Martin! Alter Junge!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Seine Stimme zitterte etwas.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJens! &#8217;n frisches Tuch!\u00ab &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbHier!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbAh &#8230; das Gras ist &#8230; feucht! &#8230; k\u00fchl &#8230; so k\u00fchl &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Wir m\u00fcssen fort, Olaf &#8230; Die Droschke &#8230; unten &#8230; Ruhig, Kind! Ruhig! Der Kerl soll dran glauben!! \u2013 Wart mal! Wart mal! Der Brieftr\u00e4ger? Flinsberg, alter Junge! Keinen Schilling mehr, aufs Wort! &#8230; Geld! Geld! Mutterchen hat doch geschickt &#8230; Mutterchen! &#8230; Aber es wird ihr schwer, Olaf! &#8230; Sie sagen&#8217;s nur nicht &#8230; sagen&#8217;s nur nicht! Hier, Herr Doktor! &#8230; Bitte! &#8230; Wundersch\u00f6n! &#8230; das Getreide &#8230; Die V\u00f6gel &#8230; Ach, Herr Doktor! &#8230; La\u00dft doch! &#8230; ihr braucht mich doch nicht zu halten &#8230; ich kann ja allein &#8230; nicht doch! &#8230; La\u00dft doch!!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Er wand sich. Olaf hatte jetzt beide Arme um ihn geschlungen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbNein! Nicht doch! La\u00df doch, Jens! &#8230; Mach keinen Unsinn! Gib meine Mappe her! &#8230; Ich mu\u00df ins Kolleg! &#8230; Sauf&#8217;s! Sauf&#8217;s! &#8230; Rest weg! &#8230; Donnerwetter! So &#8217;ne w\u00fcste Zecherei! &#8230; Aber &#8230; aber &#8230; nicht, nicht doch! &#8230; La\u00df doch \u2013 los!! &#8230; Ach \u2013 la\u00df doch nur! La\u00df!! &#8230; Silentium! Wir wollen eins singen!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Mit seinen abgemagerten Armen schlug er jetzt wild in der Luft herum. Seine langen, schmalen H\u00e4nde schlenkerten in den d\u00fcrren Gelenken.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf st\u00f6hnte.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWir singen eins! &#8230; Das erste Lied! &#8230; Seite &#8230; Nein doch! &#8230; La\u00df! &#8230; La\u00df!! La\u00df doch \u2013 loos!!!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJens! &#8230; Fa\u00df &#8230; mit \u2013 zu!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbLos! Los!! \u2013 Loos!!! &#8230; La\u00dft mich doch! La\u00dft mich doch!! &#8230; Aah! Aaahh!!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbFest! \u2013 Fest!! &#8230; Er \u2013 will \u2013 raus!!!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ein Brett, das sich unten aus der alten Bettlade gel\u00f6st hatte, war jetzt auf die Dielen gekracht. Sie wurden hin und her geschleudert &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Endlich hatten sie Martin in das zerw\u00fchlte Bett wieder niedergezw\u00e4ngt. Er lag jetzt ersch\u00f6pft da. Er schwatzte nur noch halblaut vor sich hin. Das runtergezerrte Deckbett hatte Jens wieder sorgsam \u00fcber ihm zurechtger\u00fcckt. Beide atmeten schwer &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Drau\u00dfen in der Nachbarschaft kr\u00e4hte jetzt ein Hahn.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbAh! Es schmerzt! Es schmerzt ja so!! Aah!! Aaaah!!! &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf! Olaf!!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJa? Mein Junge? &#8230; Ich bin&#8217;s ja! Und Jens! &#8230; Wird dir besser?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Er hatte sich wieder zu ihm niedergebeugt. Seine Brust keuchte noch. Er konnte kaum sprechen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJa! \u2013 Ja &#8230; Die Sonne scheint so wundersch\u00f6n &#8230; Drau\u00dfen &#8230; Heut abend bei Bergenhuus &#8230; am Strand &#8230; Nicht wahr, Nora? &#8230; Ach, schon Morgen &#8230; Blo\u00df ein Frosch! &#8230; Nicht doch &#8230; blo\u00df ein Frosch &#8230; Hier! Hier! Das Gras ist so sch\u00f6n &#8230; Oh, nicht wahr? Wir werden uns nie vergessen? &#8230; Nie &#8230; nie &#8230; Oh, nicht wahr? &#8230; Noch ein Ku\u00df? &#8230; Hm? &#8230; Gute Nacht &#8230; Der Mond &#8230; so sch\u00f6n &#8230; dort &#8230; \u00fcber der See &#8230; so rot &#8230; so gro\u00df &#8230; so grooo\u00df &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Er lag jetzt da, mit halbgeschlossenen Augen. Er l\u00e4chelte.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbEr wird ruhig!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJa &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf hatte sich jetzt wieder aufgerichtet. Einen Augenblick hatte er seinen Arm gerieben. Jens wischte sich mit dem Handr\u00fccken \u00fcber die Stirn.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbSo k\u00fchl &#8230; so sch\u00f6n &#8230; so &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf hatte Martin wieder das feuchte Handtuch festger\u00fcckt. Jens war zur Lampe getreten.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbVier &#8230; vier erst &#8230; h! &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Er stand jetzt wieder am Fenster.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWenn&#8217;s doch erst Tag w\u00e4r&#8216;!!\u00ab<\/p>\n<div class=\"zenoCOAdRight\" style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der fahle Lichtschein drau\u00dfen auf den D\u00e4chern war jetzt heller geworden. Das erste Morgend\u00e4mmern legte ein mattgoldiges Gelb auf die moosigen, schwarzroten Dachziegel und auf den viereckigen Schornstein dr\u00fcben. Der enge Hof unten lag in einem silbergrauen D\u00e4mmerlicht. Langsam schlich sich der anbrechende Morgen an der Fensternische entlang in das dumpfige Zimmer. Das Glanzleder des Sofas hatte leise zu schimmern angefangen, der unruhige Lichtfleck oben an der Decke wurde immer blasser. Der Docht der Lampe, von welcher Olaf den Zeitungsbogen genommen hatte, war nur noch ein r\u00f6tlich kohlender, stinkender Ring.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Drau\u00dfen kr\u00e4hte wieder der Hahn. Ein leiser Windsto\u00df strich am Fenster vorbei. In der Nachbarschaft kr\u00e4uselte sich aus einem Schornstein ein feiner, wei\u00dfer Rauch in das mattblaue, eckige St\u00fcck Himmel \u00fcber den Hinterh\u00e4usern.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWann k\u00f6nnen sie denn da sein?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbIn zwei Stunden, denk&#8216; ich!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens hatte sich wieder umgedreht.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDu! Komm! \u2013 Schnell!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNein! Nein! &#8230; Die Bummelei hat keinen Zweck! Wir wollen jetzt arbeiten! Arbeiten!!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDu!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbHerrgott! Herrgott!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Leise schwatzte er jetzt wieder vor sich hin.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Pl\u00f6tzlich hatte er sich blitzschnell, mit einem j\u00e4hen Ruck, steil aufgerichtet.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJens! &#8230; Schnell! &#8230; Schnell! &#8230; Nie-der! Nie-der!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Der Ver-band!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWir wollen eins singen!! &#8230; Wir wollen eins singen!!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Martin sang &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Seine Stimme gellte heiser durch das Zimmer.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbFest! Halt \u2013 fest!!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbFttt!! Das war ein inkommentm\u00e4\u00dfiger Hieb! &#8230; Bitte den Herrn Unparteiischen zu konstatieren &#8230; h!! &#8230;h!!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Hierher &#8230; Aaaahh!! &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Martin war sich mit beiden H\u00e4nden nach seinem Leib gefahren.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbFa\u00df fest zu! Um \u2013 Gottes willen! &#8230; Er \u2013 rei\u00dft sich &#8230; den \u2013 Verband los!!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Martin raste.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbHalt &#8230; was &#8230; du \u2013 kannst!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens war mit dem Kopf gegen den Bettpfosten geflogen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDie verfluchte Kugel! &#8230; Es wird mir dunkel &#8230; so dunkel &#8230; Jens &#8230; ich sterbe! &#8230; Ich \u2013 sterbe ja!! &#8230; Ida! Mutterchen! &#8230; Sie waren so stolz auf mich &#8230; Ah! Herr Doktor? &#8230; Gratuliere, mein lieber Junge! &#8230; Gratuliere! &#8230; Aber, ich &#8230; ich will ja! &#8230; Nein, Nora! nur ein Frosch, Kind! &#8230; Sieh doch! &#8230; das Meer &#8230; es wird &#8230; ganz schwarz &#8230; schwarz &#8230; Mutterchen! &#8230; Mutterchen &#8230; Es wird ja alles noch gut &#8230; gut &#8230; Ah! Aaah!! &#8230; Gute Nacht &#8230; h! \u2013 h! \u2013 Gute Nacht, Herr &#8230; H &#8230; Herr \u2013 Doktor &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbLa\u00df &#8217;n bi\u00dfchen los! \u2013 Er wird ruhig!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens richtete sich auf. Sein Atem ging schwer, m\u00fchsam.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Er besah sein Handgelenk. Es war blau. Ein paar blutige Streifen zogen sich dr\u00fcber hin.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbL\u00f6sch &#8230; die &#8230; Lampe aus! Sie kohlt!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ersch\u00f6pft war Olaf wieder in seinen Lehnstuhl zur\u00fcckgesunken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Zimmer wurde es jetzt hell. Die Messingt\u00fcren an dem wei\u00dfen Kachelofen neben der T\u00fcr funkelten leise. Drau\u00dfen fingen die Spatzen an zu zwitschern. Vom Hafen her tutete es.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Unten hatte die Hoft\u00fcr geklappt. Jemand schlurfte \u00fcber den Hof. Ein Eimer wurde an die Pumpe gehakt. Jetzt quietschte der Pumpenschwengel. Sto\u00dfweise rauschte das Wasser in den Eimer. Langsam kam es \u00fcber den Hof zur\u00fcck. Die T\u00fcr wurde wieder zugeklappt.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Sie sahen zu dem hellen Fenster hin. Unwillk\u00fcrlich hatten sie beide tief aufgeatmet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDu! Olaf! Sieh mal!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf antwortete nicht. Er hatte nur den Kopf ein wenig zum Bett hingedreht.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbEr liegt wie tot!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch glaube &#8230; Hm!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Er sah nach der Uhr.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWir m\u00fcssen &#8217;n neu&#8217;n Verband anlegen! Gib doch mal den Eisbeutel!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens reichte ihm den frischen Eisbeutel vom Tisch her\u00fcber. Behutsam legten sie Martin den neuen Verband an.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf brummelte etwas Unverst\u00e4ndliches in seinen langen, strohgelben Schnauzbart.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch glaube, die Wunde ist \u2013 nicht sorgf\u00e4ltig genug gereinigt! Es sind sicher noch Stoff\u00e4serchen von der Hose dringeblieben! &#8230; Sieh mal!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Sie hatten sich beide auf die Schu\u00dfwunde niedergeb\u00fcckt, die Martin seitw\u00e4rts im Unterleibe hatte.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDu! Sieh doch nur! &#8230; Er ver\u00e4ndert sich ordentlich!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbHm!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbEr liegt so still!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJa! Wir m\u00fcssen den Arzt holen lassen!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch will klingeln?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJa!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Hastig war Jens zur T\u00fcr gegangen. Grell t\u00f6nte die Klingel unten durch das noch stille Haus &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der erste Sonnenstrahl blitzte jetzt goldig \u00fcber die D\u00e4cher weg in das Zimmer. Er lebte einen hellen Schein auf die dunkelblaue Tapete \u00fcber dem Bett und zeichnete die Fensterkreuze schief gegen die Wand. Die B\u00fccherr\u00fccken auf dem Regal funkelten, die Gl\u00e4ser und Flaschen auf dem Tisch fingen an zu flinkern. Die Arabesken des blanken Bronzerahmens um die kleine Photographie auf dem Tisch mitten zwischen dem wei\u00dfen, auseinandergezerrten Verbandzeug und dem Geschirre glitzerten. Auf den D\u00e4chern drau\u00dfen l\u00e4rmten wie toll die Spatzen. Unten auf dem Hofe unterhielten sich ganz laut ein paar Frauen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDonnerwetter! Ist das eine w\u00fcste Wirtschaft hier!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens, der zum Sofa ging, war \u00fcber ein paar Stiefeln gestolpert, die mitten im Zimmer auf dem verschobenen, staubigen Teppich lagen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbMir ist ganz \u00f6d im Sch\u00e4del!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Schwer hatte er sich wieder auf das knackende Sofa sinken lassen. Olaf hatte nicht geantwortet.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens reckte sich.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bb\u00dcbrigens &#8230; Es war eine schneidige Mensur!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJa! Sehr korrekt!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJa! Sehr ehrenhaft! \u2013 F\u00fcr beide!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbEversen ist ins Ausland, nicht wahr?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWahrscheinlich!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens betrachtete nachdenklich die beiden blitzenden Pistolenl\u00e4ufe \u00fcber dem Sofa. \u2013<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWenn sie nun kommen?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbHm!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbAe!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens g\u00e4hnte nerv\u00f6s.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWo bleibt denn dieser alte \u2013 Ohrwurm?!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWann k\u00f6nnen sie denn hier sein?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf hatte sich vom Bett in die H\u00f6he gerichtet.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch denke, nach sechs?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbHm!\u00ab<\/p>\n<div class=\"zenoCOAdRight\" style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230; \u00bbNa endlich!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens war aufgesprungen. Hastig schlo\u00df er die T\u00fcr auf.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbGuten Morgen, meine Herren!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbGuten Morgen, Frau Br\u00f6mme!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die kleine, d\u00fcrre Frau Br\u00f6mme stand mit ihrem vorgestreckten, \u00e4ngstlichen, verrunzelten Gesicht in der T\u00fcr. Ihre kleinen, grauen Augen hatte sie halb fragend, halb verstimmt gleich auf das Bett gerichtet. Mit ihren d\u00fcrren Fingern zupfte sie an ihrem Sch\u00fcrzenband.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWie steht es, Herr Doktor?\u00ab \u00bbSchlecht! Wollen Sie schleunigst zum Arzt schicken!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf hatte nicht vom Bette aufgesehn.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbAch, du lieber Gott! &#8230; Es wird doch &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbUnd &#8230; bringen Sie bitte etwas frisches Wasser!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJa! Sofort! Sofort! O du lieber Gott! Du lieber Gott!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die letzten Worte waren schon drau\u00dfen vom Flur gekommen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Im Zimmer nebenan wurde es jetzt lebendig. Ein Fenster wurde ge\u00f6ffnet. Jemand stimmte eine Geige.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDer Philologe! Er steht jeden Morgen um sechs auf und spielt! K\u00f6nnten wir nicht das Fenster ein bi\u00dfchen aufmachen? Es ist zum Umkommen!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJa! Etwas!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens \u00f6ffnete. Tief aufatmend sog er die frische Morgenluft ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weich und klagend klangen die T\u00f6ne der Geige, auf der der Philologe jetzt nebenan eine alte Volksballade spielte, auf den sonnigen Hof hinaus in das Zwitschern der Spatzen und das Gurren und Fl\u00fcgeklatschen der Tauben. Von fern, durch die klare Morgenluft, deutlich die hellen, zitternden Schl\u00e4ge einer Turmuhr.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Sie lauschten beide. Ihre bleichen, \u00fcberwachten Gesichter waren tiefernst &#8230; Vor der T\u00fcr hatte es jetzt geklirrt. Jens \u00f6ffnete. Frau Br\u00f6mme kam mit dem Wassereimer und Kaffee. Vorsichtig trippelte sie auf den Tisch zu. Sie lie\u00df kein Auge vom Bett.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbHier &#8230; hier, Herr Doktor! Etwas Kaffee, meine Herren! Du lieber Gott, ja!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf tauchte ein Handtuch in den Eimer und wrang es aus. Es pl\u00e4tscherte. Frau Br\u00f6mme nickte.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens schl\u00fcrfte von dem Kaffee.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWie der arme junge Mann aussieht! Du mein Gott! Ach wissen Sie, es ist eine rechte S\u00fcnde, das Duellieren!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbEh! Der Arzt kommt doch bald?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbSofort! Sofort, Herr Doktor! Sofort! Ach Gott! So ein junger Mann, an den seine Mutter alles gewendet hat! Entschuldigen Sie! Aber sagen Sie selbst, meine Herren! Und schlie\u00dflich, um eine Kleinigkeit, um nichts, wenn man&#8217;s so nimmt&#8216; Das ist doch wahr, meine Herren!\u00ab Olaf und Jens hatten eine sehr reservierte Miene angenommen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbAch ja! Man kann was erleben, wenn man zwanzig Jahre an Studenten vermietet hat!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf war m\u00fcde in seinen Stuhl zur\u00fcckgesunken.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbAch, Sie m\u00fcssen auch sch\u00f6n m\u00fcde sein, Herr Doktor! &#8230; Ja, ein richtiges Buch k\u00f6nnte man schreiben! Glauben Sie? Nebenan wohnte mal ein Herr Eriksen, der kriegte ganz und gar das Delirium! Hier! In meinem Hause! O Gott, wenn ich noch &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbHm! &#8230; Wollen Sie \u2013 gleich noch etwas Eis heraufbringen!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbEis! Eis! Jawohl, jawohl, Herr Doktor! Sofort! O du lieber Gott!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Sie trippelte hinaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbAlte Hexe!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf hatte das zwischen den Z\u00e4hnen vorgezischelt. Jens sch\u00fcttelte sich. Es fr\u00f6stelte ihn.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbUnheimlich!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Nebenan klang noch immer die Ballade durch die d\u00fcnne Holzwand. Im Zimmer fingen die Fliegen an zu summen &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDu!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas denn?!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbEr liegt so auffallend still?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbJa! &#8230; Und &#8230; Herrgott! Sieh mal!! Seine Nase ist \u2013 so spitz? Und &#8230; die \u2013 Augen &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf hatte sich schnell \u00fcber Martin geb\u00fcckt.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Um seinen Mund lag jetzt ein krampfiges L\u00e4cheln. Die Arme lagen lang \u00fcber das zerw\u00fchlte Bett hin. Das scharfe, spitzige Gesicht, auf welches jetzt schr\u00e4g die Sonne fiel, war wachsbleich.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbMan &#8230; man sp\u00fcrt \u2013 den Puls gar nicht \u2013 mehr &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas??\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbAch &#8230; Er &#8230; er ist ja \u2013 tot??!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbW &#8230;??\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbTot!!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbTot?? &#8230; Du meinst &#8230; tot???\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die Worte blieben Jens in der Kehle stecken. Er zitterte.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbTot?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Es war, als ob er an dem Worte kaute.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbEs &#8230; es &#8230; ich will &#8230; die Wirtin &#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbLa\u00df!!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Olaf hatte sich tief \u00fcber die Leiche gebeugt. Er dr\u00fcckte ihr die Augen zu &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Eine Minute war vergangen. Sie hatten nicht gewagt, sich anzusehn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drau\u00dfen kamen jetzt leichte Schritte die Treppe herauf.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die Wirtin sprach mit jemand.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Sie sahen sich an.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbEs kommt wer!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbAch &#8230; wahrscheinlich \u2013 der Arzt!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jens zupfte an dem untersten Knopf seines Jacketts herum. Sein Atem keuchte leise. Unverwandt sahen sie zur T\u00fcr hin.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jetzt &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbH &#8230; herein &#8230;\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbBitte, meine Damen! O du lieber Gott! &#8230; Bitte!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Scheu waren sie jetzt vom Bett zur\u00fcckgetreten. Sie wagten kaum aufzusehn.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">In der offenen T\u00fcr stand eine schm\u00e4chtige, \u00e4ltliche Dame in einem einfachen, schwarzen Tunikakleidchen. Noch halb auf dem Flur drau\u00dfen ein frisches, h\u00fcbsches Gesichtchen, das \u00e4ngstlich suchend, sch\u00fcchtern \u00fcber ihre Schulter sah.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Leise, mit einem halben L\u00e4cheln, war sie jetzt in das dumpfe, unfreundliche Zimmer getreten. Ihre leise zitternde Hand, durch deren lila Zwirnhandschuh ein schmaler Goldreif glitzerte, hatte sie halb wie fragend erhoben &#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jetzt hatte sie sich \u00fcber die Leiche gebeugt &#8230;<\/p>\n<div class=\"zenoCOAdRight\" style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Drau\u00dfen zwitscherten die Spatzen, die Tauben gurrten in der blendenden Morgensonne. Vom Fenster bis zum Bett zog sich ein lichter Balken wimmelnder Sonnenst\u00e4ubchen. Nebenan noch immer die weichen T\u00f6ne der Geige.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbMama!!!\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<div id=\"attachment_13545\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/220px-Buettner_Arno_Holz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13545\" class=\"size-medium wp-image-13545\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/220px-Buettner_Arno_Holz-215x300.jpg\" alt=\"\" width=\"215\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/220px-Buettner_Arno_Holz-215x300.jpg 215w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/220px-Buettner_Arno_Holz.jpg 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13545\" class=\"wp-caption-text\">Arno Holz, Portr\u00e4t von Erich B\u00fcttner (1916<\/p><\/div>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\">In 2022 widmet sich KUNO der<span class=\"apple-converted-space\">\u00a0<\/span><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19652\">Kunstform<\/a><span class=\"apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Novelle. Wir gehen davon aus, da\u00df es sich bei dieser literarischen Kunstform um eine k\u00fcrzere Erz\u00e4hlung in Prosaform handelt, sie hat eine mittlere L\u00e4nge, was sich darin zeigt, dass sie in einem Zug zu lesen sei. Und schon kommen wir ins Schwimmen. Als Gattung l\u00e4\u00dft sie sich nur schwer definieren und oft nur ex negativo von anderen Textsorten abgrenzen. Daher stellen wir in diesem Jahr alte und neue Texte vor um die Entwicklung der Gattung aufzuhellen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Endlich, nachdem jetzt der alte Svendsen unten seine eint\u00f6nige Patrouille eingestellt hatte, konnte sich auch Olaf nicht mehr l\u00e4nger aufrecht erhalten. Die lange Nachtwache, der scharfe Karboldunst, der das ganze enge, schw\u00fcle Zimmer f\u00fcllte, das feine Ticken der Taschenuhr&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/10\/26\/ein-tod\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":82,"featured_media":100084,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[424],"class_list":["post-79244","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-arno-holz"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79244","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/82"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=79244"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79244\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100304,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79244\/revisions\/100304"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/100084"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79244"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=79244"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=79244"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}