{"id":79092,"date":"2022-11-13T00:01:17","date_gmt":"2022-11-12T23:01:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=79092"},"modified":"2022-02-24T18:06:04","modified_gmt":"2022-02-24T17:06:04","slug":"ich-fuhr-aus-dem-tunnel-ins-licht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/11\/13\/ich-fuhr-aus-dem-tunnel-ins-licht\/","title":{"rendered":"Ich fuhr aus dem Tunnel ins Licht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich fuhr aus dem Tunnel ins Licht. Rechts stand die Sonne schon knapp \u00fcber der Muffendorfer H\u00f6he, links bl\u00fchte zwischen Petersberg und Drachenfels der Mond. Sein schimmerndes Eis stach ein Loch aus dem schwarzblauen Himmel. Brack sagt mir nicht alles, dachte ich.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Eisberge warfen lange Schatten \u00fcber das Meer. Ich parkte den VW, \u00fcberquerte die Stra\u00dfe und lief zu den Tischen der Eisdiele, die auf dem B\u00fcrgersteig standen. Brack war schon da, er trank einen Capuccino. Neben der Tasse lagen zwei Euro. Ich setzte mich und bestellte einen Espresso macchiato. Wir sprachen \u00fcber Michael Jackson. \u00dcber Gorki, Gott und den Weltuntergang. \u201eWei\u00dft du\u201c, sagte Brack, \u201edu und Gorki, das passt nicht zusammen.\u201c Nun bricht die alte Rivalit\u00e4t wieder auf, dachte ich, wie damals, als wir um die F\u00fchrung der Sch\u00fclerzeitung k\u00e4mpften &#8230;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sahen uns nach den Schuljahren zum ersten Mal wieder. Da Brack gern Schach spielte, \u00fcberredete ich ihn, an der Bonner Stadtmeisterschaft teilzunehmen. Wir analysierten unsere Partien bis tief in die Nacht. Klassische Musik, Sch\u00fctz, Bach, Beethoven, Glenn Gould, das Deller Consort, Moses und Sigmund Freud \u2013 das waren die anderen Themen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Lieber Janus Rippe,<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">hervorheben will ich sogleich, dass wir deinen letzten Brief in der dir bekannten und, wie du zu verstehen gibst, genehmen Art gelesen und durchaus auch genossen haben. Wie schon so sehr oft, diesmal aber endlich auch mal schriftlich, danken wir f\u00fcr deine Betrachtungen. In einer Angelegenheit habe ich einen Einwand: Dir ein beachtenswerter Umstand des Lebens ist das Altern; ich kritisiere aber die Ma\u00dfst\u00e4be, die du wechselnd anwendest. F\u00fcr dich pers\u00f6nlich habe ich in Bezug auf dieses Thema einen relativ simplen Hinweis: Kokettieren mit dem Begriff Altern spricht enorm deutlich f\u00fcr gut stabiles Jungsein &#8230;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorname, Nachname \u2013 so redete er mich an. Ich erblickte in solchen S\u00e4tzen etwas Literarisches. Wenn die Form Sinn erzeugte, der gelesen werden konnte, auch wenn er nicht gemeint war, gelang das Theater der Worte. Sie spielten dann n\u00e4mlich ein St\u00fcck, das sie hinter den Augen des Lesers auff\u00fchrten. Umgekehrt konnte es genauso sein. S\u00e4tze mit viel Sinn konnten durch die Form entleert werden, dann lag der Witz in der Form. Der Sinn lebte nun jenseits der Inhalte in der Form. Brack collagierte manchmal r\u00fccksichtslos: Der Mensch soll um der G\u00fcte und Liebe willen dem Tode keine Herrschaft einr\u00e4umen \u00fcber seine Gedanken, lautete der eine Satz. Der andere: Ich sterbe, also bin ich. Eine infame Verkettung, wo der Witz die selbstzerst\u00f6rerische Konsequenz ignoriert.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gionos L\u00e4cheln<\/strong>, ein Fortsetzungsroman von Ulrich Bergmann, KUNO 2022<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":62118,\"width\":171,\"height\":250,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62118\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg\" alt=\"\" width=\"171\" height=\"250\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg 342w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-206x300.jpeg 206w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-260x379.jpeg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-160x233.jpeg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 171px) 100vw, 171px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:image -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vieles bleibt in <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> offen und in der Schwebe, L\u00fccken tun sich auf und Leerstellen, man mag darin einen lyrischen Gestus erkennen. Das Allt\u00e4gliche wird bei Ulrich Bergmann zum poetischen Ereignis, immer wieder gibt es Passagen, die das Wiederlesen und Nochmallesen lohnen. Poesie ist gerade dann, wenn man sie als Sprache der Wirklichkeit ernst nimmt, kein animistisches, vitalistisches Medium, sondern eine Verlebendigungsmaschine.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine liebevoll sp\u00f6ttische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/10\/der-kleine-prinz-auf-seinem-ich-planeten\/\">Einf\u00fchrung<\/a> zu <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> von Holger Benkel. Er schreib auch zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em> von Ulrich Bergmann einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Rezensionsessay<\/a>. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em> finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Ich fuhr aus dem Tunnel ins Licht. Rechts stand die Sonne schon knapp \u00fcber der Muffendorfer H\u00f6he, links bl\u00fchte zwischen Petersberg und Drachenfels der Mond. Sein schimmerndes Eis stach ein Loch aus dem schwarzblauen Himmel. 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