{"id":79083,"date":"2022-10-30T00:01:14","date_gmt":"2022-10-29T22:01:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=79083"},"modified":"2022-02-24T17:33:38","modified_gmt":"2022-02-24T16:33:38","slug":"himmelhoch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/10\/30\/himmelhoch\/","title":{"rendered":"Himmelhoch"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Schreibtisch h\u00f6r ich Musik im Gl\u00fchen der Lampe vor meiner Stirn. Ich zieh mich aus der Finsternis des Raums ins Licht. Leicht gebeugt \u00fcber B\u00fccher, Hefte, Schreibpapier wohne ich im Geh\u00e4use. Italienische Opern laufen mir durchs Geh\u00f6r, ohne das Hirn zu ber\u00fchren, fast nur \u00fcbers R\u00fcckenmark. Rossini. Abend f\u00fcr Abend aufgelegt. Du kannst die Sprache subtrahieren, aber dann subtrahierst du fast alles, und so kommt es dann auch oft: Mahlers Titan verklingt und du h\u00f6rst nicht einmal die Stille, wenn dein Grammophon schweigt, dein Player, dein Radio, dein <em>i<\/em>Pod. Du bist ganz tief in der Musik deiner Gedanken, bist ganz au\u00dfer dir bei den Stoffen, die du drehst und wendest, und kommst auf Wegen zu dir, die du nur mit den Schuhspitzen ber\u00fchrst, wenn du nicht gerade fliegst. Ja, und so gef\u00e4llst du dir, weil: der Spiegel, in dem du dich von innen siehst, gl\u00e4nzt nicht so t\u00fcckisch wie das Quecksilber, das du dir wie Honig um den Mund schmierst.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist doch unser ganzes Leben immer nur ein tristes running game, von einem Stolperstein zum andern, von einem Phallus-Sieg zum n\u00e4chsten, sagte ich zu Stella. Ja, antwortete sie, und dieser ganze Stress, diese t\u00e4gliche Sissivo\u00df-Arbeit &#8230;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">O Mensch, hab acht, bedenke, wenn du umkippst, f\u00e4llst du immer tiefer als gedacht, das Schwarze Loch in dir, das dich anzieht, verschluckt dich bedenkenlos, ganz ohne Moral, absolut wertfrei, du bist Natur und nichts als Natur, und so, ganz nat\u00fcrlich, gehst du in dir unter und h\u00f6rst und siehst nichts mehr. Im besten Fall bist du \u00fcber deinen Akten eingeschlafen, schwimmst in den Buchstaben deiner Schrift, ohne zu atmen, ohne zu denken, und vielleicht tr\u00e4umst du, dass du tr\u00e4umen willst, und das zieht sich so hin, ohne dass du dich langweilst, du sackst weg und schwebst im Schein der Lampe \u00fcber der Schreibtischplatte, die ja den Raum des Seins bildet, das du dir hier glatt erschaffst, ohne es zu wissen &#8230; Hedoniker sein bis zuletzt und dar\u00fcber hinaus. Ja, so will ich sterben. Und wieder aufwachen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gionos L\u00e4cheln<\/strong>, ein Fortsetzungsroman von Ulrich Bergmann, KUNO 2022<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":62118,\"width\":171,\"height\":250,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62118\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg\" alt=\"\" width=\"171\" height=\"250\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg 342w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-206x300.jpeg 206w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-260x379.jpeg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-160x233.jpeg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 171px) 100vw, 171px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:image -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vieles bleibt in <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> offen und in der Schwebe, L\u00fccken tun sich auf und Leerstellen, man mag darin einen lyrischen Gestus erkennen. Das Allt\u00e4gliche wird bei Ulrich Bergmann zum poetischen Ereignis, immer wieder gibt es Passagen, die das Wiederlesen und Nochmallesen lohnen. Poesie ist gerade dann, wenn man sie als Sprache der Wirklichkeit ernst nimmt, kein animistisches, vitalistisches Medium, sondern eine Verlebendigungsmaschine.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine liebevoll sp\u00f6ttische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/10\/der-kleine-prinz-auf-seinem-ich-planeten\/\">Einf\u00fchrung<\/a> zu <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> von Holger Benkel. Er schreib auch zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em> von Ulrich Bergmann einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Rezensionsessay<\/a>. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em> finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Am Schreibtisch h\u00f6r ich Musik im Gl\u00fchen der Lampe vor meiner Stirn. Ich zieh mich aus der Finsternis des Raums ins Licht. Leicht gebeugt \u00fcber B\u00fccher, Hefte, Schreibpapier wohne ich im Geh\u00e4use. 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