{"id":79059,"date":"2022-09-13T00:01:51","date_gmt":"2022-09-12T22:01:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=79059"},"modified":"2022-02-24T16:12:40","modified_gmt":"2022-02-24T15:12:40","slug":"kristallin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/09\/13\/kristallin\/","title":{"rendered":"Kristallin"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Menschen sind so seltsam\u201c, sagte ich. \u201eEinmal lief ich in der Nacht auf dem Glatteis, das unter der d\u00fcnnen Schneedecke lag, nach Hause. Da h\u00f6rte ich hinter mir Schritte, die immer n\u00e4her kamen, und eine Stimme sagte: \u201aKann ich Ihnen helfen?\u2019 Die Worte kratzten in der eisigen Luft. So sprechen Schauspieler, wenn sie ihre Rolle memorieren. Die im Netz der K\u00e4lte eingefrorene Stimme kam mir bekannt vor. Ich wagte nicht, mich umzudrehen, obwohl ich sehr neugierig war zu erfahren, wer mir da behilflich sein wollte. Ich hatte Angst zu fallen, mit jedem Schritt sp\u00fcrte ich die Drohung der Gravitation. Ich erblickte die an mir vorbei sto\u00dfende W\u00f6lkung des im Laternenlicht glitzernden Atems, als eine Hand meinen Arm ergriff und mich festhielt, dann schob sich ein l\u00e4chelnder Kopf vor \u2013 es war Toussaint, mein Nachbar im \u201aDragon\u2019! Er starrt mich an und zieht ruckartig seine Hand wieder zur\u00fcck, seine Augen vereisen und, den Mund aufst\u00fclpend, schubst er mich auf dem Glatteis von sich weg und rennt auf und davon.\u201c Stella schloss die Augen und schwieg kopfsch\u00fcttelnd. \u201eUnd dann?\u201c, fragte sie. \u201eIch wei\u00df es nicht\u201c, sagte ich leise, \u201eich glaube, er war so \u00fcberrascht, mich zu treffen, dass er seine Entt\u00e4uschung nur dadurch \u00fcberwand, dass er im Moment des Erkennens f\u00fcr immer mit mir brach.\u201c Stella schaute mich an: \u201eDas kann ich nicht glauben.\u201c \u201eIch habe keine bessere Erkl\u00e4rung\u201c, sagte ich und schaute mit halb geschlossenen Augen ins Leere, \u201eanders kann ich ihn nicht retten.\u201c \u201eMuss das sein?\u201c, fragte sie. \u201eJa\u201c, sagte ich, \u201ees geht ja auch um mich.\u201c<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gionos L\u00e4cheln<\/strong>, ein Fortsetzungsroman von Ulrich Bergmann, KUNO 2022<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":62118,\"width\":171,\"height\":250,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62118\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg\" alt=\"\" width=\"171\" height=\"250\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg 342w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-206x300.jpeg 206w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-260x379.jpeg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-160x233.jpeg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 171px) 100vw, 171px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:image -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vieles bleibt in <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> offen und in der Schwebe, L\u00fccken tun sich auf und Leerstellen, man mag darin einen lyrischen Gestus erkennen. Das Allt\u00e4gliche wird bei Ulrich Bergmann zum poetischen Ereignis, immer wieder gibt es Passagen, die das Wiederlesen und Nochmallesen lohnen. Poesie ist gerade dann, wenn man sie als Sprache der Wirklichkeit ernst nimmt, kein animistisches, vitalistisches Medium, sondern eine Verlebendigungsmaschine.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine liebevoll sp\u00f6ttische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/10\/der-kleine-prinz-auf-seinem-ich-planeten\/\">Einf\u00fchrung<\/a> zu <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> von Holger Benkel. Er schreib auch zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em> von Ulrich Bergmann einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Rezensionsessay<\/a>. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em> finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 \u201eDie Menschen sind so seltsam\u201c, sagte ich. \u201eEinmal lief ich in der Nacht auf dem Glatteis, das unter der d\u00fcnnen Schneedecke lag, nach Hause. Da h\u00f6rte ich hinter mir Schritte, die immer n\u00e4her kamen, und eine Stimme sagte: \u201aKann&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/09\/13\/kristallin\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":41,"featured_media":97855,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[866],"class_list":["post-79059","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-ulrich-bergmann"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79059","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/41"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=79059"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79059\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100249,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79059\/revisions\/100249"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97855"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79059"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=79059"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=79059"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}