{"id":79043,"date":"2022-08-21T00:01:38","date_gmt":"2022-08-20T22:01:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=79043"},"modified":"2022-08-21T04:29:35","modified_gmt":"2022-08-21T02:29:35","slug":"in-wasserloser-ferne","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/08\/21\/in-wasserloser-ferne\/","title":{"rendered":"In wasserloser Ferne"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>In wasserloser Ferne. <\/em>Ich wohne in einer alten Stadt in einem kleinen Haus mit engen Stiegen am gro\u00dfen Platz, der zerfurcht ist von den Schienen der Stra\u00dfenbahn. In der Ferne kreischen die R\u00e4der aus dem blanken Metall der Gleise. Sommerdunkel. Ich stehe im d\u00fcsteren\u00a0 Stiegenhaus eng angelehnt an eine Frau mit weit fliegenden Venus-Haaren. \u2013 Im Kopf bin ich woanders. Ich fahre mit dem Rad \u00fcber den Platz. Ich steige ab, mir ist der Sattel gestohlen worden. Ich habe Durst. Ich stelle das Rad in einen schmalen Gang hinter einem Kiosk\u2026 Dann rei\u00dft mein Ged\u00e4chtnis. Ich sehe, wie es rei\u00dft, ich sehe mir zu, wie ich mich vergesse. \u2013 Ich verlasse den Platz, die Stadt, und gehe den Berg hinunter. Ich will in die Ebene, zum Fluss. Ich habe ja Durst. Ich bin ausged\u00f6rrt, meine Erde braucht Wasser. \u2013 Da laufen Frauen in kleinen Gruppen. Ich stehe mitten unter ihnen. Sie laufen schnell weiter. Ich schaue ihnen nach. Sie bewegen sich in Kampfhandlungen. Eine tonlose Raserei! Sie fl\u00fcchten, pl\u00f6tzlich auf d\u00fcnne B\u00e4ume kletternd \u2013 B\u00e4ume wie Zweige! \u2013,\u00a0 den Berg hinauf zur Stadt, die \u00fcber der Ebene liegt. Solche B\u00e4ume gibt es nur hier. Die Frauen laufen \u00fcber den schlanken Stamm hinauf zur Krone, die sie in den Hang biegen, und springen vom Wipfel wieder zur Erde. Der Baum peitscht die Luft. Manche steigen vielleicht sieben Meter hoch und fallen mit nackten F\u00fc\u00dfen ins Moos, ins Laub- und Nadelbett der Walderde und rennen weiter hinauf zum n\u00e4chsten Baum, der sich biegen l\u00e4sst\u2026 Hinab, denke ich, hinab! Zum rettenden Wasser. Es ist kein Krieg. Jetzt wird es heller. \u2013 Ich schaue zur\u00fcck. Oben am Rand des Felsplateaus lehnen sich die Frauen zu weit vor. Sie k\u00f6nnen sich nicht halten und st\u00fcrzen vom Himmel. Die Bilder verblassen. \u2013 Es ist hei\u00df. Nun wieder die d\u00e4mmrige Luft. \u201eIch lebe gern in deinen Bildern\u201c, sagte Stella. Wir sind mit den K\u00f6pfen im schwarzen Raum des Spiels. \u201eIch stehe fest auf dem Boden des Traums\u201c, sagte ich.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gionos L\u00e4cheln<\/strong>, ein Fortsetzungsroman von Ulrich Bergmann, KUNO 2022<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":62118,\"width\":171,\"height\":250,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62118\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg\" alt=\"\" width=\"171\" height=\"250\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg 342w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-206x300.jpeg 206w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-260x379.jpeg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-160x233.jpeg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 171px) 100vw, 171px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:image -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vieles bleibt in <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> offen und in der Schwebe, L\u00fccken tun sich auf und Leerstellen, man mag darin einen lyrischen Gestus erkennen. Das Allt\u00e4gliche wird bei Ulrich Bergmann zum poetischen Ereignis, immer wieder gibt es Passagen, die das Wiederlesen und Nochmallesen lohnen. Poesie ist gerade dann, wenn man sie als Sprache der Wirklichkeit ernst nimmt, kein animistisches, vitalistisches Medium, sondern eine Verlebendigungsmaschine.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine liebevoll sp\u00f6ttische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/10\/der-kleine-prinz-auf-seinem-ich-planeten\/\">Einf\u00fchrung<\/a> zu <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> von Holger Benkel. Er schreib auch zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em> von Ulrich Bergmann einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Rezensionsessay<\/a>. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em> finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 In wasserloser Ferne. Ich wohne in einer alten Stadt in einem kleinen Haus mit engen Stiegen am gro\u00dfen Platz, der zerfurcht ist von den Schienen der Stra\u00dfenbahn. In der Ferne kreischen die R\u00e4der aus dem blanken Metall der Gleise.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/08\/21\/in-wasserloser-ferne\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":41,"featured_media":97855,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[866],"class_list":["post-79043","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-ulrich-bergmann"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79043","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/41"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=79043"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79043\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103925,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79043\/revisions\/103925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97855"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79043"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=79043"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=79043"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}