{"id":79035,"date":"2022-08-06T00:01:46","date_gmt":"2022-08-05T22:01:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=79035"},"modified":"2022-02-24T14:35:18","modified_gmt":"2022-02-24T13:35:18","slug":"die-tage-fielen-um-wie-dominosteine","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/08\/06\/die-tage-fielen-um-wie-dominosteine\/","title":{"rendered":"Die Tage fielen um wie Dominosteine"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Arbeit am Computer war erm\u00fcdend, die Zeit verging und blieb stehen. Ich las Sartre. Ich spielte mit seinen Ideen in <em>Les jeux sont faits<\/em> und schrieb einen h\u00e4rteren Schluss. Mir gefiel das philosophische Spiel, so lernte ich am besten Franz\u00f6sisch. Ich rief Grandm\u00e8re an, ich brauchte mehr Geld, weil ich l\u00e4nger in Paris bleiben wollte.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Stella fragte mich wieder aus. Sie wollte wissen, welche Frauen ich vor ihr liebte. Ich erz\u00e4hlte ihr von Elisa, die mir alle meine Hemden auf Taille umgen\u00e4ht hat. Stella lachte. Sie hielt dabei die Kaffeetasse schief &#8230; Trink!, dachte ich. Aber sie trank nicht. Stella im kurzen Rock. Keine Jeans. Der Kaffee schwappte nicht \u00fcber, floss nicht auf ihre Haut. Trink doch! Ich hatte zwei Teel\u00f6ffel Salz in ihren Kaffee getan. Sie lachte mich aus, als sie mich musterte. Aber die taillierten Hemden sa\u00dfen verdammt gut. \u201eIch h\u00e4tte dir die Hemden auch umgen\u00e4ht\u201c, sagte sie. Sie stellte die Tasse weg und lehnte sich an mich. Der Jardin war verschwunden. \u201eIch will keine anderen G\u00f6tter haben neben dir\u201c, sagte sie. Sie verpasste mir ihre Religion. Ich sp\u00fcrte, wie sie mich wollte. Je mehr sie mich auslachte, desto mehr begehrte ich sie. Ich bin nicht dein Gott. F\u00fcr mich schon, dachte sie. Ich sah es ihr an. Ihr war alles egal, sie lachte mich aus mit dem Salz auf dem Tisch. Sie ruhte in sich selbst, sie war sicher, dass mich das reizte. Aber ich spielte das Spiel langsamer als sie.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGehen wir\u201c, sagte ich. Ein Wahnwitz diese Sonne. Wir gingen zur \u00cele de la cit\u00e9. Ich redete und redete, spielte mit Worten, Gedanken, Namen, mit der ganzen Welt. Ich erz\u00e4hlte von Wilhelm Reich und den K\u00f6rperstr\u00f6men, zitierte aus dem Kopf die abstruse These von der verwundenden St\u00e4rke des Mannes. Alles was ich sagte, fing sie auf. Stella im hellblauen Rock. Ich schob meine Augen in ihre Augen hinein. Schwindel lief mir \u00fcber die Schultern &#8230;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gionos L\u00e4cheln<\/strong>, ein Fortsetzungsroman von Ulrich Bergmann, KUNO 2022<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":62118,\"width\":171,\"height\":250,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62118\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg\" alt=\"\" width=\"171\" height=\"250\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg 342w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-206x300.jpeg 206w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-260x379.jpeg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-160x233.jpeg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 171px) 100vw, 171px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:image -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vieles bleibt in <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> offen und in der Schwebe, L\u00fccken tun sich auf und Leerstellen, man mag darin einen lyrischen Gestus erkennen. Das Allt\u00e4gliche wird bei Ulrich Bergmann zum poetischen Ereignis, immer wieder gibt es Passagen, die das Wiederlesen und Nochmallesen lohnen. Poesie ist gerade dann, wenn man sie als Sprache der Wirklichkeit ernst nimmt, kein animistisches, vitalistisches Medium, sondern eine Verlebendigungsmaschine.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine liebevoll sp\u00f6ttische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/10\/der-kleine-prinz-auf-seinem-ich-planeten\/\">Einf\u00fchrung<\/a> zu <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> von Holger Benkel. Er schreib auch zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em> von Ulrich Bergmann einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Rezensionsessay<\/a>. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em> finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Die Arbeit am Computer war erm\u00fcdend, die Zeit verging und blieb stehen. Ich las Sartre. Ich spielte mit seinen Ideen in Les jeux sont faits und schrieb einen h\u00e4rteren Schluss. 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