{"id":78999,"date":"2022-06-27T00:01:19","date_gmt":"2022-06-26T22:01:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=78999"},"modified":"2022-06-27T04:44:32","modified_gmt":"2022-06-27T02:44:32","slug":"uranos","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/06\/27\/uranos\/","title":{"rendered":"Uranos"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0 \u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Raum ist schwarz. Langsam flie\u00dft Blau steil hinab, tiefblau, hellblau, zartblau angestrichene Strahlen von Licht. Flirrende T\u00f6ne flie\u00dfen mit, sie schwellen an und f\u00fcllen den Raum so laut, dass die Farben zittern, dann wird es leise. Trommelndes Summen schwingt weiter. Sand weht ins Blau. Aus der Tiefe w\u00e4chst die sich biegende Erde.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In welcher Zeitfuge bin ich?<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun taucht ein Schreibtisch aus dem Boden auf, davor auf einem Stuhl ein Mann im grauen Anzug. Das andere Tier. Sein Haupt und seine Haare sind Schnee und seine F\u00fc\u00dfe Erz aus einem feurigen Ofen. Er kommt mit den Wolken, denke ich. Er h\u00e4lt ein ge\u00f6ffnetes Buch in der Hand. Er rei\u00dft eine Seite heraus, schluckt sie, bl\u00e4ttert weiter und schluckt die n\u00e4chste Seite, bl\u00e4ttert und schluckt. Das hat System. Mein Vater liebt nur sich. Das Buch wird ihm bitter im Magen liegen, aber s\u00fc\u00df sind die Worte im Mund! Er zieht den Schlips fester. Er schreibt. Das Schreiben hat System. Ich erschrecke: Ein Helm, ein Presslufthammer, ein schwebendes Tintenfass, in dem meterhoch die Tinte schwappt<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch sp\u00fcre dich.\u201c<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie ist angetan mit der Sonne, unter ihren F\u00fc\u00dfen der Mond, und in ihrem Haar sind zw\u00f6lf Sterne. Als sagte sie zu ihm: Komm, fahles Pferd, ich will dich reiten! &#8211; Was sagst du da? Sein Schwanz wirft alle deine Sterne auf die Erde.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch wei\u00df\u201c, sagt er.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDu arbeitest wieder an deiner Geschichte, du schreibst deine Geschichte immer wieder um, bis deine Geschichte gar nicht mehr da ist, du l\u00f6schst dich immer wieder aus, aber du kannst dich nicht wegschreiben.\u201c<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch entferne dich\u201c, sagt er, \u201emit jedem Wort, das ich zwischen dich und mich schreibe.\u201c<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas kannst du nicht.\u201c<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie gleitet aus dem Bett, wirft ihr Haar zur\u00fcck, steht auf und geht zu dem Helm. Sie f\u00fchrt ihren Krieg ohne Worte gegen ihn, sie verletzt ihn mit ihrem blo\u00dfen K\u00f6rper.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie nimmt den Helm in beide H\u00e4nde und hebt ihn \u00fcber ihren Kopf.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Worte, die du schreibst, k\u00f6nnen mich nicht treffen.\u201c Sie st\u00f6\u00dft den Helm hinter sich, das Metall schl\u00e4gt scheppernd auf den Boden. \u201eGib mir meine Kinder zur\u00fcck!\u201c, sagt sie scharf.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Er schaut nicht auf. \u201eIch musste sie in meine S\u00e4tze stecken.\u201c<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eLass sie frei!\u201c<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eNein\u201c, sagt er leise.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich vernichte dich, mein Vater. Ich erschaffe mich selbst.\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gionos L\u00e4cheln<\/strong>, ein Fortsetzungsroman von Ulrich Bergmann, KUNO 2022<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":62118,\"width\":171,\"height\":250,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62118\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg\" alt=\"\" width=\"171\" height=\"250\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg 342w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-206x300.jpeg 206w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-260x379.jpeg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-160x233.jpeg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 171px) 100vw, 171px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:image -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vieles bleibt in <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> offen und in der Schwebe, L\u00fccken tun sich auf und Leerstellen, man mag darin einen lyrischen Gestus erkennen. Das Allt\u00e4gliche wird bei Ulrich Bergmann zum poetischen Ereignis, immer wieder gibt es Passagen, die das Wiederlesen und Nochmallesen lohnen. Poesie ist gerade dann, wenn man sie als Sprache der Wirklichkeit ernst nimmt, kein animistisches, vitalistisches Medium, sondern eine Verlebendigungsmaschine.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine liebevoll sp\u00f6ttische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/10\/der-kleine-prinz-auf-seinem-ich-planeten\/\">Einf\u00fchrung<\/a> zu <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> von Holger Benkel. Er schreib auch zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em> von Ulrich Bergmann einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Rezensionsessay<\/a>. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em> finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 \u00a0 Der Raum ist schwarz. Langsam flie\u00dft Blau steil hinab, tiefblau, hellblau, zartblau angestrichene Strahlen von Licht. Flirrende T\u00f6ne flie\u00dfen mit, sie schwellen an und f\u00fcllen den Raum so laut, dass die Farben zittern, dann wird es leise. 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