{"id":78980,"date":"2022-06-02T00:01:12","date_gmt":"2022-06-01T22:01:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=78980"},"modified":"2022-02-24T11:50:05","modified_gmt":"2022-02-24T10:50:05","slug":"langsame-bewegung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/06\/02\/langsame-bewegung\/","title":{"rendered":"Langsame Bewegung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Langsame Bewegung<\/em>. Ich laufe allein durch den Jardin du Luxembourg. Unter einem schwarzblauen Himmel keine Sonne, aber hell leuchten die Wege von wei\u00dfgelber Erde. Der Garten ist ein \u00fcbersichtliches Labyrinth, \u00fcberall wachsen die gleichen Pflanzen aus der Erde. Aus schwarzen T\u00f6pfen. Sie begrenzen die Wege. Ich schaue \u00fcber sie hinweg oder durch sie hindurch in die Weite der nach allen Seiten ins Unendliche sich erstreckenden Anlage. Ich bin allein.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Raum glimmt ganz leicht, die Stimmung ist ruhig. Ich h\u00f6re nichts, auch nicht meine Schritte auf dem festen Boden, auch nicht im Kies der schmalen Seitenwege, die rechtwinklig abzweigen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sp\u00fcre Menschen in meiner N\u00e4he, aber ich sehe sie nicht. In der Ferne gehen bunte Leute, die ich ganz nah an mich heranzoome. Dazwischen liegt ein gemauertes Quadrat: das Fundament der Cheopspyramide, das mir bis zur Schulter reicht. Aber ich sehe dar\u00fcber hinweg, als bef\u00e4nde ich mich einige Meter \u00fcber dem Boden.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bin ich doppelt? Ich sehe mich von oben, wie ich durch die engen Pflanzenalleen gehe. Die zarten Pflanzen leuchten mit ihrem vollen Gr\u00fcn. Die Bl\u00e4tter sind viel zu gro\u00df, aber ich sehe mich da oben nicht, wenn ich unten bin. Ich f\u00fchle mich mal oben, mal unten. Ich bin manchmal oben und unten zur gleichen Zeit.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der fast schwarze Himmel ist weit oben, ich kann durch sein tiefes Blau nicht schauen. Er schwebt, er f\u00e4llt noch nicht \u2013\u00a0 die Erde, auf der ich gehe.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf einmal stehe ich unter Jungen und M\u00e4dchen, die sich zu mir wenden. Ich sage nichts, sie reden mich nicht an. Ich sehe mich gestikulieren, wie immer beim Reden.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein ganzes Leben ist die Inszenierung meines Sterbens. Ich stehe voll hinter mir, das macht mich doppelt stark.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gionos L\u00e4cheln<\/strong>, ein Fortsetzungsroman von Ulrich Bergmann, KUNO 2022<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":62118,\"width\":171,\"height\":250,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62118\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg\" alt=\"\" width=\"171\" height=\"250\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg 342w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-206x300.jpeg 206w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-260x379.jpeg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-160x233.jpeg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 171px) 100vw, 171px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:image -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vieles bleibt in <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> offen und in der Schwebe, L\u00fccken tun sich auf und Leerstellen, man mag darin einen lyrischen Gestus erkennen. Das Allt\u00e4gliche wird bei Ulrich Bergmann zum poetischen Ereignis, immer wieder gibt es Passagen, die das Wiederlesen und Nochmallesen lohnen. Poesie ist gerade dann, wenn man sie als Sprache der Wirklichkeit ernst nimmt, kein animistisches, vitalistisches Medium, sondern eine Verlebendigungsmaschine.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine liebevoll sp\u00f6ttische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/10\/der-kleine-prinz-auf-seinem-ich-planeten\/\">Einf\u00fchrung<\/a> zu <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> von Holger Benkel. Er schreib auch zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em> von Ulrich Bergmann einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Rezensionsessay<\/a>. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em> finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Langsame Bewegung. Ich laufe allein durch den Jardin du Luxembourg. Unter einem schwarzblauen Himmel keine Sonne, aber hell leuchten die Wege von wei\u00dfgelber Erde. Der Garten ist ein \u00fcbersichtliches Labyrinth, \u00fcberall wachsen die gleichen Pflanzen aus der Erde. 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