{"id":78978,"date":"2022-05-28T00:01:44","date_gmt":"2022-05-27T22:01:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=78978"},"modified":"2022-05-28T03:24:21","modified_gmt":"2022-05-28T01:24:21","slug":"wenn-einer-traeumt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/05\/28\/wenn-einer-traeumt\/","title":{"rendered":"Wenn einer tr\u00e4umt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn einer tr\u00e4umt, f\u00e4llt er aus dem Zeitlupentempo seines wachen Lebens. In den rasenden Bildern der Nacht \u00fcberholt er sich, man kann sagen, am Ende eines Traums stehe ich am Ziel und warte auf mich selbst. Aber was ist das Ziel? Der Eiserne Vorhang fiel nicht. Ich lie\u00df mich in ein Phlegma fallen, ohne dar\u00fcber nachzudenken. Ich heischte nach einer moralisch intakten Welt, ich attackierte meine Eltern und warf ihnen Scheinheiligkeit vor, bezichtigte sie der Verlogenheit \u2013 ich dagegen entzog mich den h\u00e4uslichen Pflichten, flunkerte und log, wenn es mir n\u00fctzte, wenn auch nur kurzfristig. Ich belog mich am Ende selbst. Mein Idealismus bestand nur aus Worten und W\u00fcnschen. Ich wollte mich in einem moralischen Schlaraffenland bequem einrichten, als K\u00f6nig nat\u00fcrlich, und dachte kaum \u00fcber den Tag hinaus. Als mir mein Gro\u00dfvater, Studienrat in Bochum, einen Brief schrieb, in dem er mit mir und meiner Verblendung abrechnete, schnappte ich ein, f\u00fchlte mich unverstanden und nun erst recht als verkanntes Genie. Du allein, nur Du hast Schuld an den Tr\u00fcmmern, vor denen Du heute stehst!, schrieb er. Er warf mir vor, mir habe sehr viel daran gelegen, in der Schule eine Rolle zu spielen, au\u00dfer in den F\u00e4chern, die ich f\u00fcr die Versetzung brauchte. Wenn ich mich nicht endlich zu solider Arbeit entschiede, sei ich auf dem besten Wege zu einer verkrachten Existenz. Er nannte mich eine faule Frucht, f\u00fcr die keine Nachfrage bestehe. Nur ein Dummer hofft auf ein Wunder in seinem Lebensweg, meinte er. Wenn ich mich f\u00fcr einen besonders Begnadeten hielte, den die Menschen anbeten und dem sie opfern, dann sei ich ganz und gar vertrottelt. Du hast keine Ahnung vom Leben, schrieb er. Ich sei jeder soliden und ernsten Arbeit mit gr\u00f6\u00dftem Flei\u00df und vollkommenem Erfolg aus dem Wege gegangen. Als meine Fassade Risse bekam, h\u00e4tte ich mit Schwindeleien andere und mich selbst \u00fcber die Tatsachen hinwegt\u00e4uschen wollen &#8230; Das stimmte alles. Ich konnte die Wahrheit nicht akzeptieren.\u201c<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gionos L\u00e4cheln<\/strong>, ein Fortsetzungsroman von Ulrich Bergmann, KUNO 2022<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":62118,\"width\":171,\"height\":250,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62118\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg\" alt=\"\" width=\"171\" height=\"250\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg 342w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-206x300.jpeg 206w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-260x379.jpeg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-160x233.jpeg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 171px) 100vw, 171px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:image -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vieles bleibt in <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> offen und in der Schwebe, L\u00fccken tun sich auf und Leerstellen, man mag darin einen lyrischen Gestus erkennen. Das Allt\u00e4gliche wird bei Ulrich Bergmann zum poetischen Ereignis, immer wieder gibt es Passagen, die das Wiederlesen und Nochmallesen lohnen. Poesie ist gerade dann, wenn man sie als Sprache der Wirklichkeit ernst nimmt, kein animistisches, vitalistisches Medium, sondern eine Verlebendigungsmaschine.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine liebevoll sp\u00f6ttische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/10\/der-kleine-prinz-auf-seinem-ich-planeten\/\">Einf\u00fchrung<\/a> zu <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> von Holger Benkel. Er schreib auch zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em> von Ulrich Bergmann einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Rezensionsessay<\/a>. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em> finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Wenn einer tr\u00e4umt, f\u00e4llt er aus dem Zeitlupentempo seines wachen Lebens. In den rasenden Bildern der Nacht \u00fcberholt er sich, man kann sagen, am Ende eines Traums stehe ich am Ziel und warte auf mich selbst. 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