{"id":78962,"date":"2022-05-05T00:01:13","date_gmt":"2022-05-04T22:01:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=78962"},"modified":"2022-05-05T04:56:57","modified_gmt":"2022-05-05T02:56:57","slug":"ich-beobachte-meinen-schatten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/05\/05\/ich-beobachte-meinen-schatten\/","title":{"rendered":"Ich beobachte meinen Schatten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich beobachte meinen Schatten und stelle mir vor, wie ich zu ihm sage: Du st\u00f6rst mich. \u2013 Er antwortet: Du st\u00f6rst mich noch viel mehr. Ich bin dein Gefangener. Gib mich frei. \u2013 Wie soll das geschehen, frage ich ihn. \u2013 Er sagt, friss mich auf. \u2013 Davon werde ich nicht satt, sage ich, da kann ich dich auch leben lassen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Stella erz\u00e4hlte mir die Geschichte vom Ringversuch mit dem Skorpion. Lange habe man geglaubt, es sei\u00a0 unwahrscheinlich, dass ein Tier mit voller Absicht Selbstmord begehen k\u00f6nne, da man ihm kaum ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Tod \u00fcberhaupt und die Beendigung der Qualen durch ihn zuschreiben k\u00f6nne. Item, das schon aus dem Altertum berichtete Experiment, dass ein durch einen Feuerring eingeschlossener Skorpion darin wie w\u00fctend mit emporgehobenem Schwanzstachel umherlaufe und sich angesichts der Unm\u00f6glichkeit des Entrinnens endlich selbst den t\u00f6dlichen Stich versetze, sei von vielen Beobachtern, besonders von \u00c4rzten, wiederholt worden. Mehrere Beobachter, darunter Allen Thomson, h\u00e4tten behauptet, dass der durch Feuer gereizte Skorpion nach seinem Kopf steche. Das geschehe derart kunstvoll, dass man dem Spinnentier einen eigenen Willen zuschreiben m\u00fcsse. Der Stachel richte sich auf, ein schwingender Degen, und drehe sich zum Nacken des Skorpions, als sei er sein eigener Feind, der ihn angreife.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eJan, wir verstehen den Skorpion und uns am besten, wenn wir uns in ihn verwandeln\u201c, sagte Stella.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWenn die Welt zu Ende geht, ist unser Wille verbrannt. Wenn wir die Welt vernichten, m\u00fcssen wir konsequent sein.\u201c<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDu willst mir sagen, der Tod liegt in der Natur der Natur\u201c, sagte ich.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eJa\u201c, sagte Stella, \u201eer ist sogar unser Wille. Der Skorpion wei\u00df vielleicht nicht, was er tut, er vollzieht nur eine M\u00f6glichkeit, die in ihm angelegt ist, doch seine Reaktion auf die unbezwingbare Gefahr entwickelt sich zur nat\u00fcrlichen Notwendigkeit &#8230;\u201c \u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gionos L\u00e4cheln<\/strong>, ein Fortsetzungsroman von Ulrich Bergmann, KUNO 2022<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":62118,\"width\":171,\"height\":250,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62118\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg\" alt=\"\" width=\"171\" height=\"250\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg 342w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-206x300.jpeg 206w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-260x379.jpeg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-160x233.jpeg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 171px) 100vw, 171px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:image -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vieles bleibt in <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> offen und in der Schwebe, L\u00fccken tun sich auf und Leerstellen, man mag darin einen lyrischen Gestus erkennen. Das Allt\u00e4gliche wird bei Ulrich Bergmann zum poetischen Ereignis, immer wieder gibt es Passagen, die das Wiederlesen und Nochmallesen lohnen. Poesie ist gerade dann, wenn man sie als Sprache der Wirklichkeit ernst nimmt, kein animistisches, vitalistisches Medium, sondern eine Verlebendigungsmaschine.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine liebevoll sp\u00f6ttische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/10\/der-kleine-prinz-auf-seinem-ich-planeten\/\">Einf\u00fchrung<\/a> zu <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> von Holger Benkel. Er schreib auch zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em> von Ulrich Bergmann einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Rezensionsessay<\/a>. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em> finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Ich beobachte meinen Schatten und stelle mir vor, wie ich zu ihm sage: Du st\u00f6rst mich. \u2013 Er antwortet: Du st\u00f6rst mich noch viel mehr. Ich bin dein Gefangener. Gib mich frei. \u2013 Wie soll das geschehen, frage ich&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/05\/05\/ich-beobachte-meinen-schatten\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":41,"featured_media":97855,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[866],"class_list":["post-78962","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-ulrich-bergmann"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78962","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/41"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78962"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78962\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100121,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78962\/revisions\/100121"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97855"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78962"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78962"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78962"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}