{"id":78943,"date":"2022-04-08T00:01:34","date_gmt":"2022-04-07T22:01:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=78943"},"modified":"2022-02-24T06:04:15","modified_gmt":"2022-02-24T05:04:15","slug":"laehmung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/04\/08\/laehmung\/","title":{"rendered":"L\u00e4hmung"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>L\u00e4hmung<\/em>. Ich werde kalt, sp\u00fcre, wie ich anfriere, wie sich Eis bildet zwischen meiner Haut und dem Stuhl, wie das Vakuum zwischen mir und dieser Schauspielerin zusammenzischt und mich innerlich wegbl\u00e4st irgendwohin, wo das Nichts immer kleiner wird und wo mein Lenker zusammenschrumpelt zur Minierbse, wo die Oper, die eben noch lief, aufh\u00f6rt. Wenn das St\u00fcck zu fad ist, l\u00e4uft das Gehirn aus. Das Schwarze Loch rauscht weg, ich dividiere mich perpetuierend, bis der frittige Sekundenwind meine Asche aufwirbelt mitten hinein ins Neonlicht \u00fcber mir: CINZANO.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann schl\u00e4gt auf einmal alles wieder um, ich wachse, das Eis rinnt zu Boden, ich sitze federnd im Stuhl \u2013 und da, wo die Schauspielerin sa\u00df, w\u00e4chst ein Olivenbaum. An dem h\u00e4ngen lauter tote M\u00e4use. Und \u00fcber mir das hei\u00dfe Blechdach. Als ob es zu mir geh\u00f6rt. Diese ganze aggressive Autosuggestion, sage ich zu meinem Lenker, die kann mich mal. Da fliegt zwischen den Neon-Buchstaben ein kleiner Hai, der sperrt sein Maul auf, ein Elektrorasierer, denke ich, der m\u00e4ht die Oliven, wenn sie wachsen, und legitimiert alle Zuf\u00e4lle, die wir uns erz\u00e4hlen &#8230;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Vorstellungen. <\/em>Das Fundament ist gelegt. Ich muss funktionieren. Pronominale Neurosen, mehr habe ich nicht gegen den Wahnsinn der Soziet\u00e4t. Ich lese franz\u00f6sische Philosophie, um die Freiheit zu begreifen und verifiziere nur mein Nichts. Ich schaue meinem Denken zu, wie es sich verbiegt in meinen schl\u00e4frigen Intentionen, weil ich eine B\u00fchne f\u00fcr Psychose 4:48 will. Aber ich bin keine soziologische Forschungsgruppe und habe keine Begr\u00fcndung. Ich habe nichts, an das ich glauben kann. Ich habe nichts, an das ich <em>nicht<\/em> glauben kann.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich brauche Zeit. Ich will eine Formel, die mich erkl\u00e4rt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gionos L\u00e4cheln<\/strong>, ein Fortsetzungsroman von Ulrich Bergmann, KUNO 2022<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":62118,\"width\":171,\"height\":250,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62118\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg\" alt=\"\" width=\"171\" height=\"250\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg 342w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-206x300.jpeg 206w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-260x379.jpeg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-160x233.jpeg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 171px) 100vw, 171px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:image -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vieles bleibt in <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> offen und in der Schwebe, L\u00fccken tun sich auf und Leerstellen, man mag darin einen lyrischen Gestus erkennen. Das Allt\u00e4gliche wird bei Ulrich Bergmann zum poetischen Ereignis, immer wieder gibt es Passagen, die das Wiederlesen und Nochmallesen lohnen. Poesie ist gerade dann, wenn man sie als Sprache der Wirklichkeit ernst nimmt, kein animistisches, vitalistisches Medium, sondern eine Verlebendigungsmaschine.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine liebevoll sp\u00f6ttische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/10\/der-kleine-prinz-auf-seinem-ich-planeten\/\">Einf\u00fchrung<\/a> zu <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> von Holger Benkel. Er schreib auch zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em> von Ulrich Bergmann einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Rezensionsessay<\/a>. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em> finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; L\u00e4hmung. Ich werde kalt, sp\u00fcre, wie ich anfriere, wie sich Eis bildet zwischen meiner Haut und dem Stuhl, wie das Vakuum zwischen mir und dieser Schauspielerin zusammenzischt und mich innerlich wegbl\u00e4st irgendwohin, wo das Nichts immer kleiner wird und&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/04\/08\/laehmung\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":41,"featured_media":97855,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[866],"class_list":["post-78943","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-ulrich-bergmann"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78943","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/41"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78943"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78943\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100087,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78943\/revisions\/100087"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97855"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78943"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78943"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78943"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}