{"id":78931,"date":"2022-03-23T00:01:07","date_gmt":"2022-03-22T23:01:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=78931"},"modified":"2022-02-20T17:20:20","modified_gmt":"2022-02-20T16:20:20","slug":"wenn-ich-ihn-morgen-in-der-stadt-sehe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/03\/23\/wenn-ich-ihn-morgen-in-der-stadt-sehe\/","title":{"rendered":"Wenn ich ihn morgen in der Stadt sehe"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich ihn morgen in der Stadt sehe, rufe ich ihm zu: Guten Tag, Herr Geheimrat, Sie sind dran! Und dann fallen ein paar Lichtstrahlen vom Himmel durch die Luft und malen dem Tod ein paar Knochen zum Fra\u00df auf den gro\u00dfen Platz vor der Universit\u00e4t. Aber das ist nur so eine Idee. Ich kann das, was in mir glaubt, einfach nicht totschlagen. Ich bin mein gr\u00f6\u00dfter Widerspruch und sehe mir gelassen dabei zu, wie ich mich mit mir vertrage. Ach.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt viele Tode, aber wenige Auferstehungen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zweiter Schritt. <\/em>Ich verlie\u00df die Kirche Saint Sulpice. Ich hatte zum ersten Mal geliebt. Ich hatte meine Unschuld verloren, jedenfalls den Teil meiner Unschuld, den ich loswerden wollte. Komm, du s\u00fc\u00dfe Todesstunde! Ich hatte diesen Tod erwartet mit Ungeduld und jahrelang. Sie sagte: \u201eKomm mit!\u201c Sie zog mich tiefer in die Kirche hinein. Da war es dunkel und k\u00fchl. Ich lief barfu\u00df \u00fcber den Steinboden in den Schatten des Kreuzes. Da sp\u00fcrte ich ihre W\u00e4rme in mich hineinflie\u00dfen, sie stieg in mir auf &#8230;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Portal sah ich mich noch einmal um: Ich begriff die Sch\u00f6nheit der Theologie in der Architektur, ich sp\u00fcrte den Gnomon und die Intarsien der Zeit. Ich k\u00f6nnte \u00fcber die Bilder das Glauben noch erlernen, dachte ich, ich sah sie als St\u00fcrme gegen alle Vorbilder. Jedes Bild reichte dem anderen die Hand, da hing eine Seilschaft an der Wand. Ich sagte kein Wort, als wir uns liebten. Sie sagte mir kein Wort zum Abschied. Ich schaute zum Altar. Da war sie nicht mehr. Drau\u00dfen erwartete mich die W\u00fcste. Aber der Staub der Stra\u00dfe sang. Morgen komme ich wieder hierher, um die gleiche Stunde.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gionos L\u00e4cheln<\/strong>, ein Fortsetzungsroman von Ulrich Bergmann, KUNO 2022<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":62118,\"width\":171,\"height\":250,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62118\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg\" alt=\"\" width=\"171\" height=\"250\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg 342w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-206x300.jpeg 206w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-260x379.jpeg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-160x233.jpeg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 171px) 100vw, 171px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:image -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vieles bleibt in <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> offen und in der Schwebe, L\u00fccken tun sich auf und Leerstellen, man mag darin einen lyrischen Gestus erkennen. Das Allt\u00e4gliche wird bei Ulrich Bergmann zum poetischen Ereignis, immer wieder gibt es Passagen, die das Wiederlesen und Nochmallesen lohnen. Poesie ist gerade dann, wenn man sie als Sprache der Wirklichkeit ernst nimmt, kein animistisches, vitalistisches Medium, sondern eine Verlebendigungsmaschine.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine liebevoll sp\u00f6ttische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/10\/der-kleine-prinz-auf-seinem-ich-planeten\/\">Einf\u00fchrung<\/a> zu <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> von Holger Benkel. Er schreib auch zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em> von Ulrich Bergmann einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Rezensionsessay<\/a>. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em> finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Wenn ich ihn morgen in der Stadt sehe, rufe ich ihm zu: Guten Tag, Herr Geheimrat, Sie sind dran! 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