{"id":78899,"date":"2022-01-17T00:01:50","date_gmt":"2022-01-16T23:01:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=78899"},"modified":"2022-02-17T13:30:28","modified_gmt":"2022-02-17T12:30:28","slug":"78899","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/01\/17\/78899\/","title":{"rendered":"Das Leben braucht uns nicht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Leben braucht uns nicht, sagst du, der Satz ist t\u00fcckisch, denn er suggeriert ein Subjekt \u00fcber mir. Ich sage, ich bin das Leben, solange meine Sanduhr tickt, und ich werde nicht wahnsinnig wie H\u00f6lderlin an dem Gedanken, dass ich in meinem Werk vielleicht doch nicht \u00fcberleben k\u00f6nnte. Ich krieg\u2019s ja nicht mit. Ich will mir weder beim Sterben zusehen noch beim \u00dcberleben, und schon gar nicht beim Schlafen oder Ganztotsein. Jetzt bin ich alles, nachher nichts. Die christliche Hoffnung auf das Umgekehrte ist wahrscheinlich ges\u00fcnder, aber eigentlich nur so eine komische Art Apotheose der Depression, um sie ertragen zu k\u00f6nnen. Kann sein, dass Religiosit\u00e4t die beste aller Neurosen ist, was Gesundheit, Leidensf\u00e4higkeit und Lebensl\u00e4nge angeht, aber das will ich nicht. Ich will lieber mein Leiden am Leben so auskosten wie ein Kind, das weint und nicht aufh\u00f6ren will zu weinen, weil es Lust macht. Vielleicht ist die Kunst so ein Weinen und wird zur Kunst des Lebens, wenn wir darin zu leben verstehen. Und ich bin ziemlich sicher, dass es mir gelingt, wenn auch nicht immer, aber doch oft genug. Ein K\u00fcnstler, hart in die Welt hineingesto\u00dfen, aus der er doch fl\u00fcchtet, hin und her geworfen zwischen zwei Welten wie die Meerjungfrau im M\u00e4rchen, braucht einen Teufelspakt, um seine Welt erschaffen zu k\u00f6nnen &#8230;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDu bist kein K\u00fcnstler\u201c, sagte das M\u00e4dchen. Sie durchschaute mich. Ich sah durch das Tuch hindurch auf die goldene Spur. Die Gedanken schwanden, wurden blasser, Blut stieg auf &#8230; das M\u00e4dchen pochte an meiner Haut, ich stie\u00df weit meine T\u00fcr auf. Wir beteten ohne Worte. Das Metrum stimmte. Wir reimten uns.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWann sehen wir uns wieder?\u201c<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eBald\u201c, fl\u00fcsterte sie.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wo?, fragten meine Augen &#8230; Im Himmel, war die Antwort, im Himmel.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gionos L\u00e4cheln<\/strong>, ein Fortsetzungsroman von Ulrich Bergmann, KUNO 2022<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":62118,\"width\":171,\"height\":250,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-62118\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg\" alt=\"\" width=\"171\" height=\"250\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.jpeg 342w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-206x300.jpeg 206w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-260x379.jpeg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6-160x233.jpeg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 171px) 100vw, 171px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:image -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vieles bleibt in <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> offen und in der Schwebe, L\u00fccken tun sich auf und Leerstellen, man mag darin einen lyrischen Gestus erkennen. Das Allt\u00e4gliche wird bei Ulrich Bergmann zum poetischen Ereignis, immer wieder gibt es Passagen, die das Wiederlesen und Nochmallesen lohnen. Poesie ist gerade dann, wenn man sie als Sprache der Wirklichkeit ernst nimmt, kein animistisches, vitalistisches Medium, sondern eine Verlebendigungsmaschine.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine liebevoll sp\u00f6ttische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/10\/der-kleine-prinz-auf-seinem-ich-planeten\/\">Einf\u00fchrung<\/a> zu <em>Gionos L\u00e4cheln<\/em> von Holger Benkel. Er schreib auch zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em> von Ulrich Bergmann einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Rezensionsessay<\/a>. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em> finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Das Leben braucht uns nicht, sagst du, der Satz ist t\u00fcckisch, denn er suggeriert ein Subjekt \u00fcber mir. Ich sage, ich bin das Leben, solange meine Sanduhr tickt, und ich werde nicht wahnsinnig wie H\u00f6lderlin an dem Gedanken, dass&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/01\/17\/78899\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":41,"featured_media":97855,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[866],"class_list":["post-78899","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-ulrich-bergmann"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78899","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/41"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78899"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78899\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":97861,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78899\/revisions\/97861"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97855"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78899"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78899"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78899"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}