{"id":78691,"date":"2024-04-28T00:01:59","date_gmt":"2024-04-27T22:01:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=78691"},"modified":"2024-02-05T06:06:10","modified_gmt":"2024-02-05T05:06:10","slug":"aehrenlese","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/04\/28\/aehrenlese\/","title":{"rendered":"\u00c4hrenlese"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Eine Anthologie ist eine Sammlung ausgew\u00e4hlter Texte oder Textausz\u00fcge in Buchform oder im weiteren Sinne eine themenbezogene Zusammenstellung aus literarischen, musikalischen oder grafischen Werken. Es handelt sich um eine von einem Herausgeber verantwortete Publikationsform.<\/span><\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Walter Benjamin unterscheidet drei Arten von Anthologien: jene, die einen bedeutenden Dichter zum Herausgeber haben, dessen Lyrikauswahl &#8222;eingestandenerma\u00dfen oder nicht normativen Charakter&#8220; hat und deshalb selbst als &#8222;Dokument der hohen Literatur&#8220; gelten darf, ferner jene, deren Herausgeber als Person zur\u00fccktritt und sich rein informative Ziele gesetzt hat, und schlie\u00dflich die &#8222;unerfreulichste Gattung&#8220;, die &#8222;als m\u00fc\u00dfiges Spiel eines Unberufenen ein undeutliches Ineinander eklektischer und informatorischer Gesichtspunkte&#8220; darstellt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Den 50.000 ernsthaft um eigene Lyrik bem\u00fchten Autoren stehen vielleicht 500 Lesern gegen\u00fcber, die Lyrikb\u00e4nde k\u00e4uflich erwerben \u2013 und zwar jeweils nur den besten eines Jahrgangs.\u00a0<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne die Lyrikantho<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Vers1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-12863 alignright\" title=\"Vers1\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Vers1-199x300.jpg\" alt=\"\" width=\"199\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Vers1-199x300.jpg 199w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Vers1.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><\/a>logien von Axel Kutsch w\u00e4re das literarische Leben im deutschen Sprachraum deutlich \u00e4rmer. Lyrik erreicht seit jeher ihre Leser vorzugsweise \u00fcber Sammelb\u00e4nde, und immer wieder leisten diese als Folge der lekt\u00fcre zus\u00e4tzlich Erweckungsdienste f\u00fcr junge Autorinnen und Autoren, die hier Vorbild und Meister entdecken und hoffentlich auch die Erkenntnis, da\u00df fast noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Die erste Anthologie <i>Die fr\u00fchen 80er<\/i>, die au\u00dfer Lyrik auch Prosa enthielt, erschien 1983 in der Autoreninitiative K\u00f6ln. Bis 1993 erschienen dort weitere Lyrikanthologien, die von Axel Kutsch und gelegentlichen Mitherausgebern betreut wurden. <i>Zacken im Gem\u00fct. Deutschsprachige Lyrik der 90er<\/i> Jahre leitete die Zusammenarbeit mit dem sp\u00e4ter in Verlag Ralf Liebe umbenannten Verlag Landpresse ein. Seit 2008 firmieren die Sammelb\u00e4nde unter dem festen Titel <i>Versnetze<\/i>. Lyrik ist in diesen Anthologien nie homogen, resultiert sie doch aus zahllosen Stimmen und Stilen, die hier eine Reihe von Ber\u00fchrungspunkte aufweisen, dort aber auch kaum eine \u00c4hnlichkeit aufweisen und \u00fcber eine erstaunliche Vielfalt verf\u00fcgen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><i>Die Phasen grunds\u00e4tzlicher innovativer Neuerungen sind zwar mit dem Ausklingen der Moderne weitgehend abgeebbt, aber in den \u203aVersnetzen\u2039\u00a0kann man sich davon \u00fcberzeugen, dass zahlreiche Lyriker der Gegenwart sich erfolgreich darum bem\u00fchen, ihre Diktion durch \u203akleine Verschiebungen\u2039\u00a0(Ernst Jandl) aus der Klammer literarischer Einfl\u00fcsse zu l\u00f6sen und individuelle poetische Akzente zu setzen, so dass es eher angebracht ist, von einem neuen Pluralismus statt von Stillosigkeit zu sprechen.<\/i><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span class=\"reference-text\" style=\"color: #999999;\">Axel Kutsch <i>Versnetze_zehn.<\/i><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Kollegen_Cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-53079 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Kollegen_Cover-250x300.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Kollegen_Cover-250x300.jpg 250w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Kollegen_Cover.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><span data-offset-key=\"e5gtm-0-0\">Lyrik-<\/span>Anthologien sind eigenwillig. Diese Bl\u00fctenlese (griechisch <span class=\"Grek\" lang=\"grc-Grek\">\u1f00\u03bd\u03b8\u03bf\u03bb\u03bf\u03b3\u03af\u03b1<\/span> <span class=\"Latn\" lang=\"grc-Latn\">antholog\u00eda<\/span>, deutsch <span lang=\"de\">\u201aSammlung von Blumen\u2018<\/span>) sperrt sich dem summarischen Urteil, weil ihre Einheit bloss eine \u00e4u\u00dferliche, nicht die inhaltlicher Koh\u00e4renz ist. Die Stimmenvielfalt in den <em>Versnetzen<\/em> erscheint wichtiger als die Auslese. Als Herausgeber von Lyrik-Anthologien hat Axel Kutsch einen ganz anderen Begriff davon, was diese althergebrachte Gattung im deutschsprachigem Rahm leisten mu\u00df. Die von ihm seit 1984 fast j\u00e4hrlich herausgegebenen Sammelb\u00e4nde f\u00fcgen sich ineinander mit eiszeitlicher, in geologischen Epochen denkender Zwangsl\u00e4ufig\u00adkeit, als fortschreitende Bewegung. Er denkt in Werkzusammenh\u00e4ngen, was ihn als Herausgeber zu einer Ausnahmeerscheinung macht. Diese Anthologie sind nach Postleitzahlen angeordnet. Zu entdecken ist auf diese \u00fcbergreifende Weise eine Lyriklandschaft, die sich Metropole wie Hinterland widmet. \u00dcber seine Arbeit als Herausgeber von Lyrik-Anthologien berichtet Kutsch im Projekt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/08\/09\/ein-schreibtischtaeter-im-positiven-sinn\/\">Kollegengespr\u00e4che<\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Als Herausgeber ist Axel Kutsch Entdecker, seine Auslese der Gedichte ist unabh\u00e4ngig vom literarhistorischen Rating des Autors.<\/em> <br \/><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Versnetze_zwei-200.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-12865 alignright\" title=\"Versnetze_zwei-200\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Versnetze_zwei-200.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"298\" \/><\/a>Zwischen Verbindlichkeit und Freiheit, zwischen Hierarchie und Innigkeit, Ordnung und Chaos findet er auch die Na\u00addeln im Heuhaufen. Er hat fr\u00fch erkannt, da\u00df die aktuelle Lyrik auf ei\u00adnem viel h\u00f6heren Niveau angesiedelt ist als die sogenannte Popliteratur. Die Postmoderne endete jedoch mit der Massennutzung des Internets, kaum niemand nimmt Notiz von ihrem Sterben, weil das Leben immer mehr von einer immer noch schneller werdenden, ja, wahnwitzigen Schnelligkeit gepr\u00e4gt zu sein scheint.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Literaturtheorie wird zusehends von Literaturmarketing abgel\u00f6st, kompetente Buchkritiken werden durch geschm\u00e4cklerische Literaturtipps ersetzt. Die seri\u00f6se Buchauswahl verschwindet, stattdessen wird alles zur Geschmacksfrage degradiert. Der Markt beeinflu\u00dft die Wahl, bestimmt die Vorlieben und etabliert Werte. Selbst wenn Besprechungen nett gemeint sind, steht darin immer etwas, das erkennen l\u00e4\u00dft, da\u00df nicht begriffen wurde, was die Autoren bei der Schreibarbeit tats\u00e4chlich besch\u00e4ftigt hat. In den seltensten F\u00e4llen wird die urspr\u00fcngliche Aufgabe des Kritikers noch befolgt, \u00fcber Literatur zu schreiben, bevor man sie beurteilt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Axel Kutsch macht die Unsichtbaren sichtbar. Er gibt den Lyrikern das Gef\u00fchl, in der \u00d6ffentlichkeit eine Stimme zu haben.<\/span><\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/versnetze3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-12867 alignleft\" title=\"versnetze3\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/versnetze3-205x300.jpg\" alt=\"\" width=\"205\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/versnetze3-205x300.jpg 205w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/versnetze3.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px\" \/><\/a>Im 20. Jahrhundert versuchten die Autoren, s\u00e4mtliche Regionen des Landes aussch\u00f6pfend zu beschreiben, nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die modernistische Literatur, welche die plurale Identit\u00e4t der alten BRD entdeckte und sich andererseits darum bem\u00fchte, die Weimarer Traditionen wiederaufzunehmen. Die Lyriker der blank generation sind so lebendig wie vielstimmig, sie schreiben keine Befindlichkeitstexte, leisten daf\u00fcr aber sorgf\u00e4ltige Spracharbeit und schreiben poetisch souver\u00e4n, welterfahren und vor allem eigenwillig. Die literarische Str\u00f6mung des Regionalismus wirkt der Globalisierung entgegen, da sie eine starke Bindung zu einer \u00d6rtlichkeit und einen Bezug zur Geschichte entwickeln. Die Antwort der Lyriker auf die Globalisierung liegt in der Anthologie &#8222;Die inneren Fernen&#8220; in der Vertiefung der eigenen historischen Wurzeln. Deshalb sollte sich die neue Literatur nicht frontal gegen die Religionen stellen. Aber sie mu\u00df die sogar bei Atheisten bislang unzureichend ausgebildete Anschauung st\u00e4rken, da\u00df Moral und Ethik keineswegs nur \u00fcber religi\u00f6se \u00dcberzeugungen funktionsf\u00e4hig werden. Es geht um eine Erweiterung des literarischen Felds. Seit einiger Zeit erlebt die deutschsprachige Lyrik eine kleine Renaissance. Das hat einerseits mit dem Wagemut der Kleinverlage zu tun; es h\u00e4ngt aber auch zusammen mit der Wiederentdeckung lyrischer Formen durch j\u00fcngere Autorinnen und Autoren. Es f\u00e4llt auf, da\u00df manche lyrische Innovationen der letzten Jahre aus dem Hinterland kommen, ob aus der Edition YE in Sistig\/Eifel, der Landpresse in Weilerswist, der Edition Das Labor aus Bad M\u00fclheim oder der Silver Horse Edition aus Marklkofen: Ob Peripherie Zentrum oder Zentrum Peripherie ist, entscheiden die interessierten Leserinnen und Leser mit jedem neuen Gedichtband neu.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Aus einer Vielzahl von Lyrikerinnen und Lyrikern entsteht ein Kosmos voller M\u00f6glichkeiten<\/span><\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Vers4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-12868 alignright\" title=\"Vers4\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Vers4-192x300.jpg\" alt=\"\" width=\"192\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Vers4-192x300.jpg 192w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Vers4.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 192px) 100vw, 192px\" \/><\/a>Die in den Versnetze-Anthologien gebotene Vielfalt l\u00e4\u00dft sich im Rahmen dieses Aufsatzes kaum w\u00fcrdigen. Damit stehe ich nicht allein da, kompetente Buchkritiken werden durch geschm\u00e4cklerische Literaturtipps ersetzt. Gedichte, die auf ihre \u00e4sthetische Autonomie pochen und sich implizit als Gegenwelt zur geschichtlichen begreifen, werden dabei dem Generalverdacht ausgesetzt, im &#8222;luftleeren Raum&#8220; zu schweben, ja sogar einer &#8222;Wertverwahrlosung&#8220; Vorschub zu leisten. Die seri\u00f6se Buchauswahl verschwindet, stattdessen wird alles zur Geschmacksfrage degradiert. Der Markt beeinflu\u00dft die Wahl, bestimmt die Vorlieben und etabliert Werte. Selbst wenn Besprechungen nett gemeint sind, steht darin immer etwas, das erkennen l\u00e4\u00dft, da\u00df nicht begriffen wurde, was die Autoren bei der Schreibarbeit tats\u00e4chlich besch\u00e4ftigt hat. In den seltensten F\u00e4llen wird die urspr\u00fcngliche Aufgabe des Kritikers noch befolgt, \u00fcber Literatur zu schreiben, bevor man sie beurteilt. Die Einzigartigkeit von Lyrik liegt, abgesehen von ihrer bestechenden Sch\u00f6nheit, in der Unkenntnis einer prosaischen Realit\u00e4t, die das Herzst\u00fcck so vieler B\u00fccher der Epoche ausmacht.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>In den abseits gelegenen D\u00f6rfern und St\u00e4dtchen, T\u00e4lern und Hochlagen forschen.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem Poetenladen-<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/theo-breuer-versnetze.htm\">Essay<\/a> \u00fcber seine Herausgebert\u00e4tigkeit bemerkte Theo Breuer, da\u00df Kutsch stets gro\u00dfen Wert darauf lege, in den \u201eabseits gelegenen D\u00f6rfern und St\u00e4dtchen, T\u00e4lern und Hochlagen zu forschen, um auch den zur\u00fcckgezogen lebenden originellen Autoren aus dem Hinterland eine Chance zu geben\u201c. Die regional strukturierten \u201eVersnetze\u201c machen deutlich, da\u00df lesenswerte und innovative Lyrik nicht nur in den Metropolen geschrieben wird, ebensowenig vorrangig von angesagten Poeten, deren Werk mit angesehenen Auszeichnungen bedacht worden ist. So finden sich in diesen Anthologien viele interessante Schriftsteller, die bisher kaum von einer breiteren \u00d6ffentlichkeit wahrgenommen worden sind. Der hei\u00dfe Atem unserer nennenswerten\u00a0 Lyrik, die selten so pulsierend war wie in diesen Jahren, weht mit ihrer spannenden Vielfalt in alle Himmelsrichtungen und durch alle Generationen, unabh\u00e4ngig vom Renommee der Verfasser.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Jedes Jahr w\u00e4hlt Axel Kutsch, die repr\u00e4sentativsten und die singul\u00e4rsten Gedichte aus<\/span><\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/versnetze5-200.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-12871 alignleft\" title=\"versnetze5-200\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/versnetze5-200-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/versnetze5-200-198x300.jpg 198w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/versnetze5-200.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><\/a>Die Leser von Lyrik haben nicht den Eindruck einer Unvollst\u00e4ndigkeit von Anthologien und einzelnen B\u00fcchern, sondern den der Unabschlie\u00dfbarkeit dieser Literaturgattung, die einem Leben und vor allem einem damit engverm\u00e4hlten Werk angemessen ist, die gleicherma\u00dfen durch ungew\u00f6hnliche Komplexit\u00e4t wie durch untergr\u00fcndige Verbindungen gekennzeichnet sind. Nachzulesen in den hervorragend edierten B\u00e4nden der &#8222;Versnetze&#8220;. Jedes Jahr w\u00e4hlt Kutsch, die repr\u00e4sentativsten und die singul\u00e4rsten Gedichte aus. So entsteht ein weit gespannter \u00dcberblick zur aktuellen Lyrik, und zugleich ergeben sich neue Perspektiven von experimenteller Poesie \u00fcber Naturlyrik bis zur jungen Dichtung. Erinnerungsbilder tauchen in diesen Anthologien immer wieder auf, Bilder, in denen sich ein Ich seiner Wahrnehmung zu vergewissern sucht. Sie stehen neben leichten, beinahe heiteren Gedichten. Ber\u00fchrend sind die Liebesgedichte, und auch sie sind gepr\u00e4gt von m\u00e4andernden, schwingenden Suchbewegungen. Bisweilen werden sie einer strengen Form unterworfen, die sie mit geschickten Brechungen unterlaufen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Facettenreiche aktuellen deutschsprachige Lyrik quer durch die Generationen und Regionen.<\/span><\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Titel_Versnetze_elf0002-e1551893480185.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-51048 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Titel_Versnetze_elf0002-e1551893480185.jpg\" alt=\"\" width=\"176\" height=\"245\" \/><\/a>Obwohl die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6497\">Resonanz<\/a> der bisherigen \u201eVersnetze\u201c-Ausgaben bei Lesern und Medien gr\u00f6\u00dftenteils positiv war, wird Kutsch vor allem von Autoren konventionellerer Schreibweisen mitunter vorgeworfen, da\u00df ich bei unorthodoxen Texten ein zu gro\u00dfes Herz habe. Die heutige Lyrik ist ein sehr weites Feld, und meine Absicht als Herausgeber ist es, m\u00f6glichst alle Richtungen der gegenw\u00e4rtigen deutschsprachigen Poesie in ihrer quirligen Vielfalt zu vernetzen, wobei ich den Werkstattcharakter, den diese Anthologien auch haben, betonen m\u00f6chte. Freilich \u2013 Dilettantismus, wie er oft im Internet anzutreffen ist, hat keine Chance. Ziel der Anthologien, die Kutsch gelegentlich auch thematisch bzw. als \u00dcberblick \u00fcber die gesamte deutschsprachige Lyrik von den Anf\u00e4ngen bis zur Gegenwart oder eine Epoche anlegt, ist es, die Entwicklung des zeitgen\u00f6ssischen deutschsprachigen Gedichts in seiner Breite zu dokumentieren. In den jeweils rund 200 bis 300 Seiten umfassenden Ausgaben sind in der Regel ca. 150 bis 200 Autorinnen und Autoren aus dem ganzen deutschen Sprachraum vertreten, darunter u.a. Achim Amme, Jochen Arlt, J\u00fcrgen Becker, Hans Bender, Theo Breuer, Ulrike Draesner, Robert Gernhardt, Durs Gr\u00fcnbein, Ulla Hahn, Anton G. Leitner, Friederike Mayr\u00f6cker, Gerhard R\u00fchm, Martin Walser, A.J. Weigoni und Uljana Wolf. Axel Kutsch legt gro\u00dfen Wert darauf, eine \u00dcbersicht \u00fcber Inhalte, Formen und Schreibweisen der facettenreichen aktuellen deutschsprachigen Lyrik quer durch die Generationen und Regionen zu vermitteln.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Das inhaltliche Spektrum in Versnetze_zw\u00f6lf reicht von A wie Affenliebe bis Z wie Z\u00e1topek.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Spektrum der einsilbig oder kakophon, fest- oder freimetrisch, klar oder geheimnisvoll, gereimt oder ungereimt, \u00fcberhitzt oder unterk\u00fchlt, ernst oder ironisch, herb oder sanft, l\u00e4ssig oder forciert formulierten Gedichte in diesen Zeiten der kleinen Verschiebungen reicht vom Konservativen zum Experimentellen, vom Kreuzgereimten zum Alltagsparlando, vom Haiku \u00fcbers Akrostichon zum Sonett, vom Epigramm zum Sprichwort, vom Vierzeiler zum Erz\u00e4hlgedicht, vom lyrischen Stimmungsbild zum antilyrischen Wortschwall, von politisch grundierten, mit suggestiven Botschaften garnierten Versen zur privaten Poesie f\u00fcr \u00f6ffentliche Ohren, vom hermetischen zum offenen Gedicht, vom Block- zum Flattersatz, von der assoziativ verketteten, \u00fcberbordernden paradox-skurrillen Phantasmagorie zur (Realit\u00e4t verfremdenden) lakonischen Inventur, vom Popgedicht zum \u00e4therischen, vom ungelegenen Vers zum Gelegenheitsgedicht, von der notgeborenen Attacke zur m\u00fc\u00dfigen Besinnung, von Allegorie \u00fcber Metonymie, Metapher und Emblem zum Symbol \u2013 oder bewusst davon befreiter Lyrik, vom Nonsens zum Tiefsinn, von reiner Lyrik \u00fcber Metalyrik (Gedichtgedichte) zum didaktischen Lehrgedicht, vom stillen und kurzen, um eine einzige Metapher rankenden Gedicht zur hektischen, \u00fcbers ganze Blatt verlaufenden Montage, vom Stakkato zum Geschmeidigen, vom surrealistischen Purzelbaum \u00fcbers Dissonante zum Volksliedhaften, von der urbanen H\u00e4userzeile zur rustikalen Sumpfdotterblume.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">So h\u00e4tte es ewig weitergehen k\u00f6nnen. Die Redewendung &#8222;Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei&#8220; ist eine Variante eines rheinischen Schlagers. Sie bedeutet, dass alles irgendwann endet &#8211; oder zu Ende geht &#8211; oder an die Endlichkeit der Dinge:<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Dieses Jahr 2023 &#8230; begann wie all die Jahre vorher. Ich rief Axel Kutsch an (vielleicht rief auch er mich an). Jedenfalls fragte einer von uns beiden den anderen: &#8222;Machen wir wieder Versnetze?&#8220;<\/span><\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Wer auch immer wen fragte, ist letztendlich egal. Wie die Jahre vorher, sagte der andere jedenfalls: &#8222;Ja, klar.&#8220;<\/span><\/em><\/p>\r\n<div id=\"Volltext_1\">\r\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Und so begannen wir, wie wir schon 31 mal vorher Anthologien vorbereitet haben: Erst einmal damit die Autorinnen und Autoren einzuladen sich mit aktuellen Gedichten an den &#8222;Versnetze 16&#8220; zu beteiligen. Die Anschreiben gingen Anfang Januar, wie in den 30 Jahren vorher, ganz klassisch per Brief raus. (1994, dem Erscheinungsjahr von &#8222;Zacken im Gem\u00fct&#8220;, dem ersten gemeinsamen Anthologieprojekt, hatte der Verlag weder Homepage noch E-Mail Adresse.) <\/span><\/em><br \/><em><span style=\"color: #999999;\">Als Einsendeschluss wurde der 28. Februar 2023 festgelegt und schon wenige Tage sp\u00e4ter trafen die ersten Manuskripteinsendungen bei Axel ein. Axel machte sich daran zu sichten und auszuw\u00e4hlen. <\/span><\/em><br \/><em><span style=\"color: #999999;\">Und dann traf ihn Mitte Februar der Schlag, also der Schlaganfall. Und er hat Axel heftig getroffen, so heftig, dass er seine so besondere Herausgebert\u00e4tigkeit nicht mehr wird fortsetzen k\u00f6nnen. Auch seine einzigartige Lyrik ist zu einem abrupten Ende gekommen.<\/span><\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Ich bin unendlich traurig, ich vermisse Axel. Ohne ihn w\u00fcrde es diesen Verlag nicht geben<\/em>.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ralf Liebe, Verleger<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"attachment_105170\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-105170\" class=\"wp-image-105170 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/AmRande_Cover-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-105170\" class=\"wp-caption-text\">Am Rande der Sprache steht ein Gedicht. Axel Kutsch &#8211; Das lyrische Werk 1969 &#8211; 2022, Herausgegeben von Katja Kutsch und Gerrit Wustmann. Erschienen im November 2023 im Verlag Ralf Liebe, K\u00f6lner Stra\u00dfe 58 in 53919 Weilerswist<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Lekt\u00fcre zum Einstieg in Kutschs Gedichte zu empfehlen ist der Band <strong>AM RANDE DER SPRACHE STEHT EIN GEDICHT<\/strong>, Das lyrische Werk von Axel Kutsch, 1969 \u2013 2022. Neben Gedichten, die zum Teil in Literaturzeitschriften (u. a. Das Gedicht, Matrix) und Anthologien wie \u0084Jahrbuch der Lyrik\u0093 ver\u00f6ffentlicht wurden, lesen wir 108 zuvor unver\u00f6ffentlichte Gedichte.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>Lesenswert auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/16\/verseschmied-und-lyrikfischer\/\">Gratulation<\/a> von Axel Kutsch durch Markus Peters zum 75. Geburtstag, sowie ein\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/08\/09\/ein-schreibtischtaeter-im-positiven-sinn\/\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Axel Kutsch.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Die Redaktion blieb seit 1989 zum lyrischen Mainstream stets in <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/01\/05\/lyrik-als-seismograph-an-der-epochenschwelle\/\">\u00c4quidistanz<\/a><\/em>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> 1995 betrachteten wir die Lyrik vor dem Hintergrund der Mediengeschichte als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/01\/02\/laboratorium-der-poesie\/\"><em>Laboratorium der Poesie<\/em><\/a><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 2005 vertieften wir die Medienbetrachtung mit dem Schwerpunkt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/01\/02\/transmediale-poesie\/\"><em>Transmediale Poesie<\/em><\/a><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 2015 fragen wir uns in der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/01\/02\/poetologische-positionsbestimmung\/\"><em>Minima poetica<\/em><\/a> wie man mit Elementarteilchen die Gattung Lyrik neu zusammensetzt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 2023 finden Sie \u00fcber dieses Online-Magazin eine Betrachtung als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=78067\">eine Anthologie im Ganzen<\/a>.<\/p>\r\n<!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":61090,\"sizeSlug\":\"large\"} -->\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\u2192 Lyrik lotet das Verh\u00e4ltnis zwischen dem Fremden und dem Eigenen aus. Eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/01\/01\/ein-leben-ohne-poesie-waere-moeglich-jedoch-sinnlos\/\">Einf\u00fchrung<\/a> ins Lyrikjahr 2024.<\/div>\r\n<!-- \/wp:image -->\r\n\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Anthologie ist eine Sammlung ausgew\u00e4hlter Texte oder Textausz\u00fcge in Buchform oder im weiteren Sinne eine themenbezogene Zusammenstellung aus literarischen, musikalischen oder grafischen Werken. Es handelt sich um eine von einem Herausgeber verantwortete Publikationsform. Walter Benjamin unterscheidet drei Arten von&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/04\/28\/aehrenlese\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":105170,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,670,752,104,509,93,143,400,258,674,125,771,863,3960,1581,394,84,1582,129],"class_list":["post-78691","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-achim-amme","tag-anton-g-leitner","tag-axel-kutsch","tag-durs-grunbein","tag-francisca-ricinski","tag-friederike-mayrocker","tag-gerhard-ruhm","tag-hans-bender","tag-jochen-arlt","tag-jurgen-becker","tag-markus-peters","tag-martin-walser","tag-ralf-liebe","tag-robert-gernhardt","tag-sophie-reyer","tag-theo-breuer","tag-ulla-hahn","tag-ulrike-draesner"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78691","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78691"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78691\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":105243,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78691\/revisions\/105243"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/105170"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78691"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78691"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78691"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}