{"id":78621,"date":"2023-04-06T00:01:40","date_gmt":"2023-04-05T22:01:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=78621"},"modified":"2023-10-08T13:36:40","modified_gmt":"2023-10-08T11:36:40","slug":"der-floezgaenger","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/04\/06\/der-floezgaenger\/","title":{"rendered":"Der Fl\u00f6zg\u00e4nger"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span class=\"Stil2\" style=\"color: #999999;\"><em>Solche B\u00fccher sind nicht f\u00fcr einen Nachmittag oder f\u00fcr eine Bahnfahrt, sondern f\u00fcr ein ganzes Leben.<\/em> <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span class=\"Stil2\" style=\"color: #999999;\">Joachim Zelter<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ulrich Bergmanns vielgestaltiges Werk reicht von <em>Begegnungen<\/em>, intensiven Alltagsbeobachtungen, glossierenden Zeitgeistbetrachtungen \u00fcber die Wiederbelebung historischer Figuren bis zum weltl\u00e4ufigen Erz\u00e4hlen. Dieser Autor baut seine B\u00fccher h\u00e4ufig aus lose verkn\u00fcpften, in sich geschlossenen Prosaminiaturen zusammen. Er ist ein Freigeist, ihm gelten nur die Regeln der Syntax, er geht mit k\u00fchler Distanz an allen kunstideologischen Pr\u00e4missen und saisonalen Tendenzen vorbei, ohne sich in der Attit\u00fcde zu verh\u00e4rten. Die <em>Begegnungen<\/em> lassen den Leser eintauchen in seelische Bewegungen, in Prozesse der \u00d6ffnung und Verwandlung, es ist ein Sich heranschleichen an Gef\u00fchlserkenntnisse und Denkersch\u00fctterungen. Dieses Opening ist weniger Meisterwerk als Mixtape, vielseitig wie sprunghaft, mit angemessener Achtlosigkeit aus der H\u00fcfte geschlenzt. Als intensiver Beobachter verf\u00fcgt Bergmann \u00fcber die Begabung, noch die allt\u00e4glichsten Details in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu r\u00fccken, um etwas \u00fcber das Leben und die menschlichen Beziehungen zu erz\u00e4hlen. KUNO pr\u00e4sentierte alle <em>Arthurgeschichten<\/em>\u00a0mit der Warnung:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u00c4hnlichkeiten mit Lebenden oder Toten oder lebenden Toten sind zuf\u00e4llig, rein zuf\u00e4llig, absichtlich zuf\u00e4llig, zuf\u00e4llig absichtlich, rein absichtlich und nichts als die reine Absicht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Metier beherrscht er am besten mit hochkomprimierten Kurztexten. Bergmann bezeichnet den Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper<\/em> als \u201aCriminal Phantasy\u2019. Der Leser findet in diesen Kurzgeschichten eine f\u00fcr diesen Autor typische Montagetechnik, unterst\u00fctzt durch einen imagistischen Bildgebrauch und die Verwendung extremer Bilder. Von der Figurenzeichnung bis zum Handlungsablauf ist jederzeit klar, wie in diesem Zyklus die moralischen Grenzen verlaufen. Er schreibt gegen den dr\u00f6gen Realismus der modernen Literatur an, und in der Tat besteht das Realistische seiner Literatur darin, das Grausame in seine Texte einflie\u00dfen zu lassen, wobei sie plausible Beschreibungen des Innen und des Au\u00dfen seiner Figuren auch ins Fantastische verl\u00e4ngern. Er erkl\u00e4rt uns eine Welt, in der sich die Bedeutung der Wirklichkeit nicht an der Oberfl\u00e4che erschlie\u00dft. Der Leser muss sich selber von der Abgr\u00fcndigkeit \u00fcberzeugen. Hinter Bergmanns Prosaminiaturen verbirgt sich ein opulenter Roman, er kn\u00fcpft an die angels\u00e4chsische Tradition der short story an und muss dem Vergleich mit <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/13\/was-ich-schon-lange-sagen-wollte-ein-pladoyer-fur-die-kurzgeschichte\/\">Alice Munro<\/a><\/span> nicht scheuen. Hat man sich mit den Kurztexten quasi &#8222;aufgew\u00e4rmt&#8220;, geht es zu Bergmanns \u00fcberzeugendsten Zyklus, den <em>Schlangegeschichten<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Schlangen (griechisch\u00a0\u1f44\u03c6\u03b5\u03b9\u03c2 <em>\u00f3pheis<\/em>; lateinisch <em>serpentes<\/em>, verwandt mit altgriechisch\u00a0\u1f15\u03c1\u03c0\u03b5\u03b9\u03bd <em>herpein<\/em> \u201akriechen\u2018) sind eine Unterordnung der Schuppenkriechtiere. Sie stammen von echsenartigen Vorfahren ab. Gegen\u00fcber diesen ist der K\u00f6rper stark verl\u00e4ngert und die Extremit\u00e4ten wurden fast v\u00f6llig zur\u00fcckgebildet.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">(Quelle: Wikipedia, 21. Juni 2018)<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer einer Utopie ins Gesicht geblickt hat, bekommt eine Schlange an den Hals. Ulrich Bergmann \u00fcberw\u00f6lbt das Reale und zieht es zugleich ins Mythische, auch als poetische R\u00fccklage von abhanden gekommenem Wissen und \u00fcbt sich in versuchter N\u00e4he. Diese Prosa changiert, unterst\u00fctzt vom gestalterischen Prinzip der Vermischung zeitlicher Ebenen, zwischen Adaption literarischer Liebesmythen, biblischer Anspielung, fiktionalem Sch\u00f6pfertum und Beziehungstherapie. Schlangen spielen in der Kulturgeschichte und Mythologie und darauf aufbauend selbstverst\u00e4ndlich auch in der Kunst und Literatur eine gro\u00dfe Rolle: So verf\u00fchrte in der alttestamentlichen Sch\u00f6pfungsgeschichte der Bibel eine Schlange Adam und Eva dazu, die Frucht vom Baum der Erkenntnis zu kosten. In den <em>Schlangegeschichten<\/em> von Bergmann wird die Dialektik der Liebenden dekliniert. Die Kernidee dieses Modells besteht darin, da\u00df einander liebende Personen im Sinne der dialogischen Liebe miteinander handeln, wenn sich der Sinn der Gesamthandlung nicht aus der Summe isolierter Einzelhandlungen ergibt, sondern als \u201eSinneinheit\u201c auch die Rezeption der Leser durchwirkt. Bergmann schreibt mit dieser Prosafolge eine Kritik der taktischen Vernunft, sie steht in der Tradition der Kalendergeschichten Johann Peter Hebels und zeigt die Sinnlichkeit der Unvernunft, sie belehrt jedoch nicht. Lakonisch zusammengeschnurrt pr\u00e4sentiert Bergmann in den <em>Schlangegeschichten<\/em>, was sich im Kopf wieder auseinanderfalten mu\u00df. Er hinterfragt mit dieser Prosa die Praktikabilit\u00e4t moderner Paarbeziehungen zwischen Erinnerung, Mythos und Fluchtimpulsen. Das abgr\u00fcndige Gef\u00e4lle zwischen Macht und Geist ist eines seiner Hauptthemen. Das Absurde und Paradoxe unseres Lebens wird in Bildern reflektiert, die uns mit ihren jeweiligen Schlu\u00dfpointen zum Schmunzeln oder Lachen bringen, das oft im Halse stecken bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die Einlassungen des Verstandes gegen\u00fcber den einfachsten Dingen laufen in den <em>Schlangegeschichten<\/em> auf ein unbestimmtes Ende zu, schlie\u00dflich hat es der Autor mit einer exaltierten, manchmal auch malizi\u00f6sen Frau zu tun.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Formganze wird nicht durch metronomgenaues Durchschlagen der Poesie von au\u00dfen \u00fcbergest\u00fclpt, sondern entwickelt sich bruchhaft und widerspruchsvoll gerade aus der Verschiedenheit ihrer Bestandteile. Die Grenze, die ausschlie\u00dft und zugleich auch einschlie\u00dft wird zum wichtigsten Modus menschlicher Beziehung, zwischen Hier und Dort, Eigenem und Fremdem, Innen und Au\u00dfen, Begegnung und Konfrontation, Identit\u00e4t und Alterit\u00e4t. Bergmann unternimmt den Versuch, die vielf\u00e4ltig abgestuften Erfahrungen von Begegnung zu konzeptualisieren, indem er in je unterschiedlichen Formen und Sprachen kulturelle Manifestationen von Liebe analysiert. Es handelt sich bei dieser Prosa um ein sprachlich ambitioniertes Kammerspiel. Bergmann folgt gleichsam als <em>Schlangenbeschw\u00f6rer<\/em> \u00e4sthetischen \u00dcberzeugungen und bekennt sich zur gef\u00e4hrdeten Aufkl\u00e4rung. F\u00fcr ihn gilt Singularit\u00e4t, alles wird gesetzt gegen die Zeitfalle des Modischen. Als H\u00fcter mythologischer Bilder beschw\u00f6rt dieser Schriftsteller nicht nur das Buch der B\u00fccher, er ist sozusagen als Fl\u00f6zg\u00e4nger des Traums unterwegs. Auch seine Schlange ist mitunter ein arglistiges Weib, eines, das seine Ur-\u00c4ngste anregt. Die Liebe ist maximal von einer Exaktheit und von Beweisen entfernt, sie ist ein Gef\u00fchl, eventuell ein Zustand, das dionysische Fest wird vom Alltag unterbrochen. Dennoch bewertet er das Traumsymbol der Schlange mitnichten nur negativ. Und auch der Leser steht nicht wie ein Kaninchen vor der Schlange, er wird gleichsam mit Mann\u2019scher Ironie bedient.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Ich sammle die Texte in einem Konvolut, das ich Splitter nenne. Vieles flie\u00dft in Prosaminiaturen, Erz\u00e4hlungen und Romane.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ulrich Bergmann ist ein geistreicher und augenzwinkernder <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/10\/aussichten\/\">Zeitkritiker<\/a>.<\/span> Ein souver\u00e4ner und am\u00fcsanter Causeur. Ein skeptischer B\u00fcrger mit Grandezza und Temperament. Ein n\u00fcchterner und trotzdem urgem\u00fctlicher Bonner. Ein weiser Patrizier, etwas burschikos und sehr tolerant. Ich denke, er sieht sich als einen im Gewand der Arri\u00e8regarde kost\u00fcmierten Avantgardisten \u2013 vielleicht nach der Devise des dialektischen Materialismus. Ein Schritt zur\u00fcck und zwei nach vorn. War\u2019s nicht auch bei dem von ihm <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=54875\">gesch\u00e4tzten<\/a><\/span> Thomas Mann so \u2013 im Kleid des vollendeten Realismus gebar er eine deutsche Variante des magischen Erz\u00e4hlens lange vor Marquez und Co. Ich mag sowas, und Bergmann liebt\u00a0ganz gewiss Leser wie mich, die ihn und seine Schreibweise durchschauen, wenn auch vielleicht nicht so liebevoll (selbst-)kritisch wie <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/23\/essays-von-holger-benkel\/\">Benkel<\/a><\/span> in Sch\u00f6nebeck.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">KUNO sch\u00e4tzt Ulrich Bergmanns Dialektik sehr, er ist so stimmig, und auch so humorvoll unter der Tarnkappe einer sublimen Ironie!<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ulrich Bergmann hat seine\u00a0<span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=37143\"><em>Splitter<\/em><\/a><\/span>\u00a0f\u00fcr KUNO als Kurator seiner selbst sinnf\u00e4llig angeordnet. Wenn wir dieser Anordnung folgen, lesen wir einiges von dem, was die Redaktion bereits auf KUNO seit dem Originaljahr des\u00a0<span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=37274\">Entstehens<\/a><\/span>\u00a0in die\u00a0<em>Timeline<\/em>\u00a0hat einflie\u00dfen lassen um sichtbare und unsichtbare Korrespondenzen etwa mit Hel oder Holger Benkel aufzuzeigen. Bergmann kommt in seinen\u00a0<span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/12\/02\/aus-doppelhimmel\/\"><em>Splittern<\/em><\/a><\/span>\u00a0als \u00fcberraschend gelassener Kom\u00f6diant und subtiler Arrangeur kleiner zwischenmenschlicher Unf\u00e4lle daher. Im Lauf der Zeit hat er einen eigenen Ton gefunden, er kommt daher wie ein t\u00e4nzelnder Harlekin mit einer federleichten, sp\u00f6ttelnd-hintersinnigen Prosa. Die poetische Lesart begreift sich gleichsam als Summe aller \u00fcbrigen und ist exemplarisch f\u00fcr die von ihnen fokussierte dialogische und intertextuelle Verfasstheit dieser Texte. Die Vielzahl der von Bergmann herausgearbeiteten Bez\u00fcge ist faszinierend und helfen die hochgradig intertextuelle <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/05\/26\/die-bisher-unerzahlte-oder-unerzahlbare-geschichte-vom-reichen-des-wassers\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">Vernetzung<\/span><\/a> zu begreifen.\u00a0Er hat eine Vorliebe f\u00fcr die kleine Form, soda\u00df man bei ihm oftmals eine konzentrierte Detailbeobachtung findet. Sie finden auf KUNO\u00a0ein Aneinanderreihung von Prosafragmenten, Kurzgeschichten, Mini-Reflexionen und Notizen, dank Hyperlink l\u00e4uft die\u00a0<span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/05\/02\/kreativitat-und-disziplin\/\">Lekt\u00fcre<\/a><\/span>\u00a0auf eine Art Lese-Zapping hinaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Es handelt sich um gedankenmusikalische Polaroidbilder zur Illustration einer heimlichen Poetik des Dialogs.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit \u00fcber 30 Jahren verf\u00fcgt Bergmann als intensiver Beobachter \u00fcber die Begabung, noch die allt\u00e4glichsten Details in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu r\u00fccken, um etwas \u00fcber das Leben und die menschlichen Beziehungen zu erz\u00e4hlen. Er bevorzugt eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/05\/23\/poetry-polis\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">Poetik<\/span><\/a> der polyphonen Ich-Erz\u00e4hlung. Bergmann besitzt das Geschick, aus einfachen F\u00e4den, dem Allt\u00e4glichen und Unpr\u00e4tenti\u00f6sen, einen filigranen und faszinierenden Erz\u00e4hlteppich zu weben, ein klares und doch letztlich geheimnisvolles, melancholisches und doch schwebend leichtes Bildnis eines Lebens zu wirken. Da\u00df diese Welt br\u00fcchig ist, zeigt sich im Detail. Wenn er sein Leben in seinen Texten dialektisch paradox durch Spiel, Theater, Phantasie erweitert, wei\u00df er, da\u00df die ungedachten Gedanken und die unrealisierten Pl\u00e4ne immer besser als die gedachten und gelebten sind und der ideale Text eigentlich ein Liebesakt (wie wir in seinen <em>Schlangegeschichten<\/em> nachlesen k\u00f6nnen), der Geburt und Erleuchtung vereint. In Bergmanns <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=37184\"><em><span style=\"color: #ff0000;\">Splitter<\/span><\/em><\/a>-Prosa herrscht die \u00c4sthetik der Fernbedienung, der Autor zappt von einer Szene zur n\u00e4chsten und die Episoden sind ebenso phantasievoll wie nachdenkenswert. Mit all ihren St\u00e4rken und Schw\u00e4chen ist diese Prosa so ambivalent wie das Leben, das dieser Autor einzufangen versucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Das Spiel mit dem Paradoxen ist eine Art geistiges Perpetuum mobile.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese neu geordneten <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=37285\"><em>Splitter<\/em><\/a><\/span> reichen von intensiven Alltagsbeobachtungen \u00fcber Briefwechsel mit den von der Redaktion gleichfalls sehr gesch\u00e4tzten Autoren <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?author=154\">HEL<\/a><\/span> oder <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?author=36\">Holger Benkel<\/a><\/span>, die Wiederbelebung historischer Figuren bis zur reinen Fiktion. KUNOs Interesse an dieser Prosa ist zun\u00e4chst ein stoffliches, gleichzeitig ist unser Interesse ein literarisches. Kaum je wird in der Literatur der Versuch unternommen, nicht allein subjektives Erleben als das vorgeblich die Historie erst Konstituierendes zu gestalten, zuletzt vielleicht bei Thomas Mann. Mit sprachlicher Souver\u00e4nit\u00e4t und lyrischem Gesp\u00fcr vermag Bergmann pr\u00e4gnant und bildreich die ihn umgebenden Gegenst\u00e4nde, Landschaften und Menschen zu beschreiben. Er ist ein Freigeist, ihm gelten nur die Regeln der Syntax, er geht mit k\u00fchler Distanz an allen kunstideologischen Pr\u00e4missen und saisonalen Tendenzen vorbei, ohne sich in der Attit\u00fcde zu verh\u00e4rten. KUNO sch\u00e4tzt den minuti\u00f6sen Selbstinszenierungsprozess des lyrischen Dichter-Ichs von Ulrich Bergmann in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27947\"><span style=\"color: #ff0000;\">Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne \u2026 und Schwerkraft. Gedanken \u00fcber das lyrische Schreiben<\/span><\/a>. Dar\u00fcber hinaus sch\u00e4tzen wir auch seine Kurzprosa sehr, begleiteten uns im Jahr 2016 seine <em>Schlangegeschichten<\/em>, so setzen wir dies in 2017 mit den <em>Arthurgeschichten<\/em> fort. Mit der feinen Ironie des Kenners beschreibt Bergmann eine Gesellschaft, die mit den Konsequenzen ihrer Gewi\u00dfheitsoption nicht mehr angemessen umgehen kann. Diese <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15275\"><em><span style=\"color: #ff0000;\">Splitter<\/span><\/em><\/a> sind eine zeitlose Verteidigung der Meinungs-, Kunst- und ganz besonders der Literaturvielfalt, Bergmann schafft einen pragmatischen Raum f\u00fcr realistische Unendlichkeiten, in einem <span data-offset-key=\"d0acq-0-0\">Essay \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/01\/19\/der-mann-ohne-eigenschaften-eine-utopie\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">Der Mann ohne Eigenschaften<\/span><\/a> denkt er \u00fcber die der Utopie nach.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Wo h\u00f6rt die Wirklichkeit auf, wo beginnt die Kunst? Oder ist das die falsche Frage?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da wir auf KUNO nicht spoilern, empfiehlt die Redaktion die <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=37221\"><em>Splitter<\/em><\/a><\/span> in der Timeline nachzulesen. In dieser Sammlung bringt Bergmann die Poesie der Egozentrik zur Perfektion, hier verbirgt sich eine Art von <em>Lebensbilanz<\/em>, es ist auch ein Journal, ein Notizbuch, und nicht zuletzt so etwas wie eine Gedankenmitschrift. In der kurzen Prosa res\u00fcmiert Ulrich Bergmann das Leben und die Wirklichkeit. Er denkt \u00fcber die Zeit nach, \u00fcber die Tage, \u00fcber das Verrinnen der Zeit und \u00fcber die Verg\u00e4nglichkeit. Er deutet kleine Geschichten an und schafft eine Vielzahl von bemerkenswerten <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/06\/06\/weichselflieder\/\">Prosaminiaturen<\/a><\/span>. Fast jede dieser Miniaturen hat es in sich. Man ist immer wieder versucht, zur\u00fcckzugehen im chronologischen Lauf der Lekt\u00fcre und vorhergehende Sentenzen mit anderen Textteilen in Verbindung zu bringen. Blatt f\u00fcr Blatt gilt es dieses Textsorten-Patchwork nachzuvollziehen, seine l\u00e4ssigen Pointen wirken nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es herrscht die irrige Annahme, das <em>Netzwerk<\/em> sei erst mit dem Internet erfunden worden, es gab jedoch eine Zusammenarbeit von Individuen bereits auf analoger Ebene. Wir stellten auf KUNO sehr gern analoge Literaturzeitschriften vor, z.B. die <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=24175\">Matrix<\/a><\/span>. Der <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1991\/06\/22\/10-jahre-dichtungsring\/\"><em>Dichtungsring<\/em><\/a><\/span> entstand im Umfeld der Universit\u00e4ten Bonn und Bochum und wird bis heute von einer im Bonner Raum angesiedelten Autorengruppe herausgegeben. KUNO <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25201\"><span style=\"color: #ff0000;\">dokumentierte<\/span><\/a> den Grenzverkehr im Dreil\u00e4ndereck. In 2020 hat sich der <em>Leader of the Pack<\/em> aus der <em>Dichtungsring<\/em>-Redaktion verabschiedet. Hier auf KUNO bleibt uns Ulrich Bergmann gl\u00fccklicherweise bis zum Ende erhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Miniaturen<\/strong> (darin enthalten die \u201eSchlangegeschichten\u201c) von Ulrich Bergmann, Bovier-Verlag, Bonn 2018<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kritische K\u00f6rper<\/strong> von Ulrich Bergmann,\u00a0Pop Verlag Ludwigsburg, 2006<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Arthurgeschichten<\/strong> von Ulrich Bergmann, Pop Verlag, Ludwigsburg, 2005<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Bergmann-Erz.Cover_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-51248 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Bergmann-Erz.Cover_-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Bergmann-Erz.Cover_-200x300.jpg 200w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Bergmann-Erz.Cover_-768x1150.jpg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Bergmann-Erz.Cover_-684x1024.jpg 684w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Bergmann-Erz.Cover_.jpg 862w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ulrich Bergmann nennt seine Kurztexte sebstironisch \u201egedankenmusikalische Polaroidbilder zur Illustration einer heimlichen Poetik des Dialogs\u201c. Als Nachschlag pr\u00e4sentierte er uns auf KUNO die Miniserie \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/06\/20\/die-tolle\/\"><em><span style=\"color: #ff0000;\">Die<\/span><\/em><span style=\"color: #ff0000;\"> <em>sch\u00f6ne Polin<\/em><\/span><\/a>, sowie deutsche Seelenlandschaften im Postkartenformat. Mit seinen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/01\/14\/die-erste-postkarte-aus-weimar\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">Correspondenzkarten<\/span><\/a> verschafft er den Lesern das Vergn\u00fcgen von spezieller <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/12\/09\/twitteratur-eine-neue-literaturgattung\/\">Twitteratur<\/a><\/span>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Ein Hinweis auf den Fortsetzungsroman <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=62116\"><em>Gionos L\u00e4cheln<\/em><\/a><\/span>. Vieles bleibt hier offen und in der Schwebe, L\u00fccken tun sich auf und Leerstellen, man mag darin einen lyrischen Gestus erkennen. Das Allt\u00e4gliche wird bei Ulrich Bergmann zum poetischen Ereignis, immer wieder gibt es Passagen, die das Wiederlesen und Nochmallesen lohnen. Poesie ist gerade dann, wenn man sie als Sprache der Wirklichkeit ernst nimmt, kein animistisches, vitalistisches Medium, sondern eine Verlebendigungsmaschine.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">Hommage<\/span><\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Solche B\u00fccher sind nicht f\u00fcr einen Nachmittag oder f\u00fcr eine Bahnfahrt, sondern f\u00fcr ein ganzes Leben. Joachim Zelter Ulrich Bergmanns vielgestaltiges Werk reicht von Begegnungen, intensiven Alltagsbeobachtungen, glossierenden Zeitgeistbetrachtungen \u00fcber die Wiederbelebung historischer Figuren bis zum weltl\u00e4ufigen Erz\u00e4hlen. Dieser Autor&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/04\/06\/der-floezgaenger\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":98374,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3345,94,2827,282,301,866],"class_list":["post-78621","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-alice-munro","tag-holger-benkel","tag-joachim-zelter","tag-thomas-mann","tag-traian-pop","tag-ulrich-bergmann"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78621","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78621"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78621\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104996,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78621\/revisions\/104996"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98374"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78621"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78621"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78621"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}