{"id":78138,"date":"2023-06-02T00:01:23","date_gmt":"2023-06-01T22:01:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=78138"},"modified":"2022-02-20T20:18:39","modified_gmt":"2022-02-20T19:18:39","slug":"unsere-begierden-wachsen-durch-die-schwierigkeiten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/06\/02\/unsere-begierden-wachsen-durch-die-schwierigkeiten\/","title":{"rendered":"Unsere Begierden wachsen durch die Schwierigkeiten"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt keinen Grund, der nicht einen ihm entgegenstehenden habe, sagt die weiseste Partei der Philosophen. Neulich sann ich diesem sch\u00f6nen Spruche nach, den einer der Alten f\u00fcr die Verachtung des Lebens anf\u00fchrt: kein Gut kann uns Vergn\u00fcgen gew\u00e4hren, es sei denn dasjenige, auf dessen Verlust wir vorbereitet sind: In aequo est dolor amissae rei, et timor amittendae;\u00a0wodurch er erweisen wollte, da\u00df der Genu\u00df des Lebens nicht wirklich angenehm sein k\u00f6nne, wenn wir in Furcht stehen, es zu verlieren. Man k\u00f6nnte indessen gerade im Gegenteil sagen, da\u00df wir das Gute um desto fester umfassen und mit unserer Seele daran h\u00e4ngen, um so ungewisser uns sein Besitz ist, und je mehr wir finden, da\u00df es uns geraubt werde. Denn man f\u00fchlt es ganz deutlich, da\u00df, wie das Feuer durch den Beistand der K\u00e4lte heftiger wird, auch unser Wollen durch Widerstand sich sch\u00e4rft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Si nunquam Danaen habuisset ahenea turris,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Non esset Danae de Jove facta parens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und da\u00df unserm Geschmacke nat\u00fcrlicherweise nichts so sehr entgegensteht als die Sattheit, welche aus der Leichtigkeit der Befriedigung entsteht; da\u00df nichts ihn mehr reizt als die Seltenheit und Schwierigkeit. Omnium rerum voluptas ipso quo debet fugare, periculo crescit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Galla, nega; satiatur amor, nisi gaudia torquent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um die eheliche Liebe in Atem zu erhalten, verordnete Lykurg, da\u00df die verehelichten Laked\u00e4monier sich nicht anders als verstohlnerweise begehen sollten und da\u00df es gleich schimpflich sein solle, sie beide beieinander anzutreffen als mit einer fremden Person. Die Schwierigkeit, sich einander an einen sichern Ort zu bestellen, die Gefahr bei der \u00dcberraschung, die Gefahr des Schimpfs des folgenden Tages.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Et languor, et silentium,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230; et latere petitus imo spiritus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist es, was die Br\u00fche so lecker macht. Wie viele sehr \u00fcppig angenehme Spiele entstehen nicht aus der bescheidenen und schamhaften Art, \u00fcber die Werke der Liebe zu sprechen. Die Wollust selbst sucht sich durch den Stachel der Schmerzen zu reizen; sie ist viel verzuckerter, wenn sie kocht und wenn sie durch die Haut brennt. Die Kebse Flora sagte, sie habe den Pompejus niemals umarmt, ohne da\u00df er Zeichen von ihren Bissen davongetragen habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quod petiere, premunt arcte, faciuntque dolorem<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Corporis, et dentes inlidunt saepe labellis &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Et stimuli subsunt, qui instigant laedere id ipsum,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quodcumque est, rabies unde illae germina surgunt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So geht es mit allem. Schwierigkeiten geben den Dingen einen gr\u00f6\u00dfern Wert. Die Einwohner der Mark Ancona tun ihr Gel\u00fcbde lieber dem St. Jakob, und die Einwohner von Galizien unser lieben Frauen von Loretto. Zu L\u00fcttich macht man ein gro\u00dfes Werk aus den B\u00e4dern zu Lucca und in Toskana von den Spawassern. Auf den Fechtb\u00f6den zu Rom sieht man wenig R\u00f6mer, dagegen sind sie voll von Franzosen. Der gro\u00dfe Cato fand sich ebensogut wie wir von seiner Frau bis zum Ekel ges\u00e4ttigt, solange sie die seinige war, und begehrte ihrer, nachdem sie einem andern angeh\u00f6rte. Ich habe einen alten Hengst aus der Stuterei geworfen, mit dem in seinem Harem nichts mehr anzufangen war. Die Leichtigkeit bei seinen gew\u00f6hnlichen Stuten lie\u00df ihn alsbald die Ohren h\u00e4ngen; gegen fremde aber, wenn nur eine an seinem Weideplatz vorbeiging, lie\u00df er sich immer mit seinem sch\u00e4ndlichen Wiehern h\u00f6ren und geriet in die w\u00fctendste Hitze wie vorher. Unser Gel\u00fcsten verachtet, was ihm zur Hand liegt, und f\u00e4hrt dar\u00fcber hin, um demjenigen nachzuhaschen, was ihm schwer zu erreichen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Transvolant in medio posita, et fugienta capta.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Uns etwas verbieten, hei\u00dft uns darnach l\u00fcstern machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nisi tu servare puellam<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Incipis, incipiet desinere esse mea.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es uns v\u00f6llig \u00fcberlassen, hei\u00dft es uns ver\u00e4chtlich machen. Mangel und \u00dcberflu\u00df tun ebendieselbe Wirkung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tibi quod superest, mihi quod defit, dolet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Begierde und der Genu\u00df sind uns beide dr\u00fcckend. Die strenge Spr\u00f6digkeit der Geliebten verursacht uns Verdru\u00df; aber ihre Willigkeit und Nachgiebigkeit tut es, die Wahrheit zu sagen, noch mehr; weil die Unzufriedenheit und der Zorn aus der Hochachtung entspringen, in der bei uns die gew\u00fcnschte Sache steht, und die Liebe sch\u00e4rfen und erhitzen; die S\u00e4ttigung aber gebiert Ekel. Es ist eine stumpfe, abgenutzte, m\u00fcde und schl\u00e4frige Leidenschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Se qua volet reguare diu, contemnat amantem.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Contemnite, amantes:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sic hodie veniet, si qua negavit heri.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum brauchte Popp\u00e4a die Erfindung, eine Larve vor ihr sch\u00f6nes Gesicht zu nehmen, als solchem bei ihren Liebhabern einen h\u00f6hern Wert zu geben? Warum hat man bis \u00fcber die Abs\u00e4tze diese Sch\u00f6nheiten verh\u00fcllt und verschleiert, welche jede zu zeigen w\u00fcnscht, welche jeden gel\u00fcstet zu sehen. Warum verdecken sie mit so vielen Gew\u00e4ndern eins \u00fcber das andere die Teile, die haupts\u00e4chlich der Gegenstand unserer Begierden und der ihrigen sind? Und wozu dienen diese gro\u00dfen Reifen, womit neulich unsre Weiber ihre H\u00fcften bewaffnet haben, als unsre Begierden anzuk\u00f6rnen und uns dadurch anzuziehen, da\u00df sie uns in der Ferne halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Et fugit ad salices, et se cupit ante videri.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interdum tunica duxit operta moram.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wozu dient diese jungfr\u00e4uliche Versch\u00e4mtheit? Diese ruhige K\u00e4lte, diese strengen Mienen, diese ausgekramte Unwissenheit in Dingen, die sie besser wissen als wir, die wir sie darin unterrichten? Wozu anders, als unsern Wunsch nach ihnen zu verst\u00e4rken; als unser Verlangen zu erhitzen und ihm endlich alle diese Zeremonien und Schwierigkeiten aufzuopfern? Denn es ist nicht nur Vergn\u00fcgen, sondern auch Ehre dabei, dieses sanfte Widerstreben, diese kindliche Schamhaftigkeit zu \u00fcberwinden und zu verf\u00fchren, und eine kalte und gestrenge Ehrbarkeit der Gnade und Ungnade unserer Begierden zu unterwerfen. Es ist eine Ehre, sagt man, \u00fcber die Bescheidenheit, die Keuschheit und die M\u00e4\u00dfigkeit zu triumphieren: und wer den Weibern r\u00e4t, diese Sitten abzulegen, der wird an ihnen und an sich selbst zum Verr\u00e4ter. Man mu\u00df sich stellen, als glaubte man, ihr Herz zittere vor Schrecken; der Schall unserer Worte beleidige die Reinigkeit ihrer Ohren; da\u00df sie uns hassen und unserm Ungest\u00fcm aus notgedrungener Not nachgeben. Die Sch\u00f6nheit, so m\u00e4chtig sie ist, kann sich doch ohne diese Nebenhilfen nicht recht genie\u00dfbar machen. Man sehe nur in Italien, wo die meiste und die feinste Sch\u00f6nheit k\u00e4uflich ist, wie sehr sie nach fremden Mitteln und andern K\u00fcnsten suchen mu\u00df, um sie angenehm zu machen; und bei dem allen bleibt sie dennoch, was sie auch tun mag, da es eine k\u00e4ufliche Ware ist, schwach und wenig gesucht, gradeso wie es selbst mit der Tugend unter zwei \u00e4hnlichen Wirkungen geht. Wir halten diejenige f\u00fcr die sch\u00f6nste und die w\u00fcrdigste, welche die meisten Schwierigkeiten und Gefahren zu \u00fcberwinden hat. Es ist eine Wirkung der g\u00f6ttlichen Vorsehung, zuzulassen, da\u00df ihre heilige Kirche beunruhigt werde, wie wir sie von so vielen St\u00fcrmen und Ungewittern beunruhigt sehen, um durch diesen Kampf die frommen Seelen zu erwecken und aus der L\u00e4ssigkeit und Schl\u00e4frigkeit zu rei\u00dfen, in welche sie eine so lange Ruhe versenkt hatte. Wenn wir den Verlust, den wir durch die Anzahl derjenigen erlitten haben, welche den Weg des Irrtums betreten, gegen den Gewinn aufw\u00e4gen, der uns dadurch wird, da\u00df es uns wieder in Atem setzt, unsern Eifer und unsere Kraft von neuem belebt, da\u00df wir Anla\u00df zum Kampf haben, so wei\u00df ich nicht, ob der Schaden so gro\u00df sei als der Nutzen. Wir haben geglaubt, das Band unserer Ehen fester zu kn\u00fcpfen, dadurch, da\u00df wir es ganz und gar unaufl\u00f6sbar machten; aber in eben dem Ma\u00df, wie der Zwang fest zugesch\u00fcrzt hat, in eben dem Ma\u00df hat die Verkn\u00fcpfung des Willens und der Neigung nachgelassen und ist schlaffer geworden. Und im Gegenteil, was in Rom die Ehen so lange Zeit in Ehren und Sicherheit erhielt, war die Freiheit, da\u00df jeder, wer nur wollte, sich scheiden konnte. Sie hielten ihre Weiber besser, weil sie solche verlieren konnten, und bei aller uneingeschr\u00e4nkten Freiheit der Scheidung vergingen f\u00fcnfhundert und mehr Jahre, ohne da\u00df sich jemand derselben bediente.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quod licet, ingratum est; quod non licet, acrius urit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu dem Vorgesagten k\u00f6nnte man auch noch die Meinung eines Alten hinzuf\u00fcgen, da\u00df die Todesstrafen die Verbrechen vielmehr h\u00e4ufen als verringern, da\u00df sie nicht den Willen recht zu tun erzeugen (denn das ist das Werk der Vernunft und der Sittenlehre), sondern blo\u00df die Behutsamkeit, sich nicht \u00fcber den \u00dcbeltaten ertappen zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Latius excisae pestis contagia serpunt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df nicht, ob diese Meinung ganz wahr sei, aber dies wei\u00df ich aus Erfahrung, da\u00df niemals eine Polizei dadurch verbessert worden. Ordnung und Regelm\u00e4\u00dfigkeit der Sitten h\u00e4ngt von ganz andern Mitteln ab.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die griechischen Geschichtschreiber erw\u00e4hnen der Argipp\u00e4er, eines in der Nachbarschaft von Skythien wohnenden Volks, welche ohne Ruten und St\u00f6cke zum Schlagen lebten, die sich nicht nur niemand getraute anzugreifen, sondern jeder, der sich zu ihnen fl\u00fcchtete, war in v\u00f6lliger Freiheit, wegen ihrer Tugend und der Heiligkeit ihres Lebens. Keiner war so k\u00fchn, dagegen zu versto\u00dfen. Man wandte sich an sie, um Zwistigkeiten auszugleichen, die anderw\u00e4rts unter Menschen entstanden. Es gibt Nationen, wo die Befriedigung der G\u00e4rten und Felder, die man einschlie\u00dfen will, in einem gesponnenen Faden bestehet, die sich sicherer befinden und eingeschlossener als durch unsere Gr\u00e4ben und Hecken. Furem signata sollicitant &#8230; Aperta effractarius praeterit.\u00a0Vielleicht dient auch unter andern die Leichtigkeit, in mein Haus zu kommen, dazu, es vor Gewaltt\u00e4tigkeiten in unsern b\u00fcrgerlichen Kriegen zu sichern. Verteidigungsanstalten reizen das Unternehmen und Mi\u00dftrauen den Angriff. Ich habe das Vorhaben der Kriegsm\u00e4chte dadurch geschw\u00e4cht, da\u00df ich ihnen die Schwierigkeiten aus den Augen r\u00fccke und zugleich die Gefahr und jeden andern Stoff zum milit\u00e4rischen Ruhm, der ihnen gew\u00f6hnlicherweise zur Entschuldigung und Rechtfertigung dient. Das, was mit Mut getan wird, f\u00fchrt in den Zeiten, wo die Gerechtigkeit so gut als tot ist, immer Ehre bei sich. Ich mache ihnen die Eroberung meines Hauses zur Niedertr\u00e4chtigkeit und Dieberei. Einem jeden, der anklopft, steht mein Haus offen. Zu meiner ganzen Besch\u00fctzung habe ich nichts weiter als einen T\u00fcrsteher nach altem Brauch und alter Sitte, welcher nicht sowohl dazu dient, meine T\u00fcr zu verteidigen, als sie freundlicher und anst\u00e4ndiger zu er\u00f6ffnen. Ich habe keine andere Haus- oder Schildwache, als welche die Sterne f\u00fcr mich stehen. Ein Landedelmann hat sehr unrecht zu tun, als ob er sich verteidigen wollte, wenn er sich nicht richtig verteidigen kann. Wer nur von einer Seite schutzlos ist, der ist es allenthalben. Unsere Vorv\u00e4ter hatten keinen Gedanken daran, Grenzfestungen zu bauen. Die Mittel anzugreifen, ich meine unsere H\u00e4user ohne Batterien und Kanonen zu \u00fcberraschen, werden von Tage zu Tage st\u00e4rker als die Mittel, sich davor h\u00fcten. Die Menschen werden von jener Seite immer pfiffiger. Verheeren und verw\u00fcsten ist die Sache fast aller; Verteidigen und Beschirmen blo\u00df die Sache der Wohlhabenden. Mein Landsitz war ziemlich befestigt f\u00fcr die Zeit, da er erbaut wurde; von dieser Seite habe ich nichts hinzugetan und w\u00fcrde f\u00fcrchten, da\u00df seine Haltbarkeit mir selbst zum Nachteil ausschlagen m\u00f6chte. Dazu kommt noch, da\u00df friedfertige Zeiten es notwendig machen k\u00f6nnten, die Verteidigungswerke zu vermindern. Es ist gef\u00e4hrlich, sie nicht wiederherstellen zu k\u00f6nnen, und unsicher, sich darauf zu verlassen. Denn in b\u00fcrgerlichen Kriegen kann es unser Bedienter mit der Partei halten, die wir f\u00fcrchten. Und wenn nun gar noch die Religion zum Vorwand dienet, da werden selbst Blutsverwandte unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit Menschen, denen man nicht sicher trauen kann. Der \u00f6ffentliche Schatz erh\u00e4lt unsere Hausbesatzung nicht. Dadurch w\u00fcrde er v\u00f6llig ersch\u00f6pft werden. Wir k\u00f6nnen solche nicht erhalten, ohne zu verarmen, oder wenigstens mit gr\u00f6\u00dferer Beschwerde und Lasten, wenn das Volk nicht dazu beitr\u00fcge. Der Staat wird durch meinen Untergang nicht sonderlich viel leiden. \u00dcbrigens, wenn man dabei zugrunde geht, so halten sich unsre Freunde selbst mehr \u00fcber unsere Unvorsichtigkeit und Unklugheit auf, als da\u00df sie uns unsere Unwissenheit und die Vernachl\u00e4ssigung unserer Gesch\u00e4fte beklagen sollten. Da\u00df so viele bewachte Landsitze zerst\u00f6rt sind, wenn andere sich erhalten haben, l\u00e4\u00dft mich den Verdacht fassen, da\u00df sie sich dadurch geschadet haben, da\u00df sie bewacht waren. Das gibt die Lust und den Vorwand, sie anzugreifen. Alles Bewachen gibt einen Anschein vom Kriege: der mag auch mich \u00fcberfallen, wenn Gott es will; so viel ist aber gewi\u00df, da\u00df ich ihn nicht herbeirufen werde. Durch meine Ruhe hoffe ich, vor dem Kriege sicher zu sein. Ich tue, was ich kann, um diesen Winkel vom \u00f6ffentlichen Sturme zu entfernen, wie ich es mit einem andern Winkel in meiner Seele mache. Mag doch unser Krieg die Gestalt verwandeln, sich vermehren und in verschiedene Parteien ver\u00e4ndern, ich meinesteils wanke nicht aus der Stelle. Unter so vielen Landsitzen, die sich bewaffnet haben, bin ich, soviel ich wei\u00df, der einzige meines Standes, der sich, in Ansehung des Meinigen, einzig und allein auf den Schutz des Himmels verlassen hat. Ich habe nicht einmal weder mein Silberzeug noch meine Familienpapiere oder Tapeten in Sicherheit bringen lassen. Ich will mich weder halb f\u00fcrchten noch halb mich retten. Wenn ein v\u00f6lliges Vertrauen den Schutz des Himmels erwirbt, so wird er mir bis ans Ende angedeihen, wo nicht, so bin ich lange genug dagewesen, um mein Dasein merk- und denkw\u00fcrdig zu machen. Wieso? Nun, seit drei\u00dfig Jahren her.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-16327 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1-275x300.jpg\" alt=\"\" width=\"275\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1-275x300.jpg 275w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1.jpg 550w\" sizes=\"auto, (max-width: 275px) 100vw, 275px\" \/><\/a><span style=\"color: #888888;\">Anmerkung der Redaktion:<\/span> W\u00fcrde Michel de Montaigne im 21. Jahrhundert leben, so er w\u00e4re wahrscheinlich der beliebteste Blogger. Nicht nur in Frankreich. Wir kommen ihm n\u00e4her, indem wir seine <em>Essais<\/em> lesen. Und zwar Wort f\u00fcr Wort. Oder wir nehmen einen charmanten Umweg und lesen Sarah Bakewells <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/01\/michel-de-montaigne-ein-blogger-aus-dem-16-jahrhundert\/\">Wie soll ich leben?<\/a><\/span>. Dies ist nicht nur der Titel ihrer ungew\u00f6hnlichen Biographie, sondern zeigt zugleicht die Methode an, mit der sich die Autorin dem Denken Montaignes n\u00e4hert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong>Lesen Sie auch einen<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12856\"> KUNO-Beitrag <\/a>zu\u00a0 Gattung des Essays.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Es gibt keinen Grund, der nicht einen ihm entgegenstehenden habe, sagt die weiseste Partei der Philosophen. 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