{"id":78126,"date":"2023-08-02T00:01:30","date_gmt":"2023-08-01T22:01:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=78126"},"modified":"2022-02-20T20:18:03","modified_gmt":"2022-02-20T19:18:03","slug":"von-der-maessigung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/08\/02\/von-der-maessigung\/","title":{"rendered":"Von der M\u00e4\u00dfigung"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichsam als ob unsere Ber\u00fchrung etwas Ansteckendes h\u00e4tte, verderben wir durch unser Behandeln solche Dinge, die an und f\u00fcr sich selbst sch\u00f6n und gut sind. Wir k\u00f6nnen die Tugend auf eine Art ergreifen, da\u00df sie dadurch fehlerhaft wird; wenn wir solche mit zu gro\u00dfer Hitze und zu heftiger Gier umarmen. Diejenigen, welche sagen, in der Tugend k\u00f6nne niemals ein \u00dcberma\u00df stattfinden, spielen mit Worten, und erw\u00e4gen nicht, da\u00df da keine Tugend mehr ist, wo sich \u00dcberma\u00df befindet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insani sapiens nomen ferat, aequus iniqui,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ultra quam satis est, virtutem si petat ipsam<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ist eine feine Bemerkung der Philosophie. Man kann sowohl die Tugend \u00fcberm\u00e4\u00dfig lieben als sich ausschweifend bei einer gerechten Handlung benehmen. Auf diese Behutsamkeit zielt die Schrift, wenn sie sagt: \u00bbSeid nicht weiser, als sich geb\u00fchrt, sondern seid weise mit Zucht!\u00ab Ich habe an einem Gro\u00dfen erlebt, da\u00df er die Ehre seiner Religion dadurch verkleinerte, da\u00df er, \u00fcber alle Beispiele von Personen seines Standes hinaus, sich religi\u00f6s bezeigte. Ich liebe die gem\u00e4\u00dfigten Naturen, welche die Mittelstra\u00dfe halten. Wenn mich auch die Unm\u00e4\u00dfigkeit, selbst im Guten, nicht in Harnisch bringt, so setzt sie mich doch in Erstaunen und macht mich irre \u00fcber den Namen, den ich ihr geben soll. Weder die Mutter des Pausanias, welche den ersten Wink gab und den ersten Stein zum Tode ihres Sohnes herbeibrachte, noch der Diktator Posthumius, welcher den seinigen hinrichten lie\u00df, den die Hitze der Jugend so gl\u00fccklich hingerissen hatte, ein wenig aus seinem Glied hervorzutreten, scheinen mir so gerecht als auffallend. Und ich m\u00f6chte eine so wilde und eine so teuer erkaufte Tugend weder anraten noch nachahmen. Der Sch\u00fctze, welcher \u00fcber die Scheibe hinschie\u00dft, fehlt ebensowohl als der, welcher zu kurz schie\u00dft. Und die Augen werden mir ebensowohl geblendet, wenn ich pl\u00f6tzlich in ein helles Licht sehe als in eine gro\u00dfe Dunkelheit. Callicles sagt beim Plato, die \u00e4u\u00dferste Grenze der Philosophie sei nachteilig, und r\u00e4t an, sich nicht tiefer hinein zu wagen, als sofern sie Nutzen gew\u00e4hrt; m\u00e4\u00dfig getrieben sei sie angenehm und gef\u00e4llig; am Ende aber mache sie den Menschen wild und unb\u00e4ndig, zum Ver\u00e4chter der Religion und der b\u00fcrgerlichen Gesetze; zum Feinde des geselligen Umgangs; zum Feinde der menschlichen Freuden; mache unf\u00e4hig zur Verwaltung \u00f6ffentlicher Gesch\u00e4fte, oder dem Nebenmenschen beizustehn, oder sich selbst zu helfen: mache blo\u00df geschickt, sich umsonst nasenst\u00fcbern zu lassen. Er hat recht! Denn so bald sie \u00fcbertrieben ist, legt sie unsre nat\u00fcrliche Freiheit in Sklavenketten und verleitet uns durch ihre l\u00e4stige Spitzfindigkeit, den sch\u00f6nen, ebenen Weg zu verlassen, den die Natur uns anweist. Es ist nach allen Gesetzen erlaubt und recht, unsre Gattin zu lieben: gleichwohl hat die Theologie n\u00f6tig erachtet, dieser Liebe einen Zaum anzulegen und sie in gewissen Schranken zu halten. Wo ich nicht irre, so las ich einst beim Sankt Thomas, in einer Stelle, wo er die Ehen im verbotenen Grade verdammt, unter andern angef\u00fchrten Gr\u00fcnden auch diesen: Es stehe zu befahren, die Neigung zu einer solchen Gattin m\u00f6chte unm\u00e4\u00dfig werden. Denn bef\u00e4nde sich dabei die eheliche Liebe ganz und v\u00f6llig, wie sich zieme, und man \u00fcberlade sie noch dazu mit jener Liebe, die man der Blutsfreundin schuldig, so sei kein Zweifel, dies \u00dcbergewicht m\u00fcsse einen solchen Ehemann \u00fcber den Schlagbaum der Vernunft hinaustreiben.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die Wissenschaften, welche die menschlichen Sitten anordnen, als z.B. die Theologie und Philosophie, befassen sich mit allen Dingen. Keine Handlung, sie sei noch so verborgen oder geheim, kann sich ihren Urteilen und ihrer Gerichtsbarkeit entziehen. Wahre Lehrlinge sind es, die ihre Freiheit verfechten. Die Weiblein lassen nach Lust und Belieben den Buhlen ihre Heimlichkeiten erfahren; den Arzt aber? Ja, das verbietet die Schamhaftigkeit. Ich will also, in ihrem Namen, die M\u00e4nner folgendes lehren, wenn es noch welche geben sollte, die die Sache zu hitzig betreiben, n\u00e4mlich, das Vergn\u00fcgen selbst, das sie in Erkenntnis ihrer Frauen genie\u00dfen, ist verwerflich, wenn nicht M\u00e4\u00dfigung dabei beobachtet wird; und k\u00f6nnen sie in dieser Sache ebensowohl als in einer unerlaubten durch \u00dcberma\u00df und Ausschweifung in Fehler verfallen. Diese unehrbaren Liebesbeweise, zu denen uns die erste Hitze in diesem Spiel treibt, werden nicht blo\u00df nur unanst\u00e4ndiger-, sondern sehr sch\u00e4dlicherweise gegen unsre Weiber verwendet. La\u00df sie doch wenigstens von andrer Hand lernen, unversch\u00e4mt sein! Sie sind immerdar willig genug zu unseren Bed\u00fcrfnissen. Ich habe mich dabei immer an die nat\u00fcrliche und einfache Anweisung gehalten.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Der Ehestand ist eine fromme heilige Verbindung. Das ist der Grund, warum das Vergn\u00fcgen, welches man daraus zieht, ein bed\u00e4chtliches, ernsthaftes und mit einiger Strenge vermischtes Vergn\u00fcgen sein mu\u00df. Es mu\u00df eine gewisserma\u00dfen kluge und gewissenhafte Wollust sein. Und, weil ihr Hauptzweck Erhaltung und Fortpflanzung ist, so gibt es einige, die es in Zweifel ziehen, ob, wann die Beschaffung dieses Endzwecks nicht zu hoffen ist, als z.B., wenn schon die Frau \u00fcber Jahre hinaus ist oder bereits ihre B\u00fcrde tr\u00e4gt, es erlaubt sei, dann noch diesen Beweis der Liebe zu begehren. Nach dem Plato w\u00e4re es ein Menschenmord. Gewisse Nationen (unter andern die mohammedanische) verabscheuen die Vereinigung mit einer Frau, w\u00e4hrend da\u00df sie hohen Leibes ist. Verschiedene andre ber\u00fchren keine Frau, solange ihr Rosenstock bl\u00fcht. Zenobia erlaubte ihrem Ehgemahl nur eine Umarmung, hernach enthielt sie sich von ihm entfernt, die ganze Zeit, bis sie entbunden worden; da sie ihm dann erst wieder gestattete, den Zweck der Fortpflanzung zu bezielen. Ein herrliches, gro\u00dfm\u00fctiges Beispiel eines Eheb\u00fcndnisses!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Plato hat von einem Dichter, der auf diesen Handel sehr gierig und hei\u00dfhungrig gewesen sein mag, folgende Erz\u00e4hlung entlehnt: Jupiter erkannte einst seine Juno mit solcher Glut, da\u00df er nicht Geduld genug hatte, sie zu ihrem Liebeslager zu f\u00fchren; sondern den harten Fu\u00dfboden zum Thalamo erhob und \u00fcber der Freude alle die gro\u00dfen und wichtigen Entschl\u00fcsse verga\u00df, die er mit den \u00fcbrigen auf dem Olymp versammelten G\u00f6ttern genommen hatte. Er r\u00fchmte dabei, er habe sie diesmal ebenso entz\u00fcckend befunden, als da er ihr, ihren Eltern unbewu\u00dft, das erstemal den G\u00fcrtel gel\u00f6st.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die K\u00f6nige von Persien nahmen ihre Gemahlinnen mit in die Gesellschaft, bei ihren Hoffesten; wenn sie aber f\u00fchlten, da\u00df der Wein anfing sie zu erhitzen und da\u00df sie die Wollust gar nicht mehr im Z\u00fcgel halten k\u00f6nnten, so schickten sie solche zur\u00fcck nach ihren Wohnungen im Innern des Palastes, um sie an ihren unm\u00e4\u00dfigen Begierden keinen teilnehmen zu lassen, und lie\u00dfen dann statt ihrer solche Weibsbilder herbeif\u00fchren, denen sie nicht schuldig waren, mit Achtung zu begegnen. Alle Erg\u00f6tzungen und alle Befriedigungen herbergen nicht wohl zusammen bei aller Art Menschen. Epaminondas hatte einen liederlichen Burschen ins Gef\u00e4ngnis werfen lassen. Pelopidas bat ihn, solchen, ihm zu Gefallen, auf freien Fu\u00df setzen zu lassen. Er schlug es ihm ab, verwilligte es aber einer seiner Dirnen, die ihn gleichfalls darum bat, und sagte dabei, es sei eine Gef\u00e4lligkeit, die man wohl einer Freundin gew\u00e4hrte, sie sei aber unter der W\u00fcrde eines Generals. Als Sophokles mit Perikles das Amt der Pr\u00e4tur verwaltete und eben zuf\u00e4lligerweise einen sch\u00f6nen Knaben vorbeigehen sah, sagte er zum Perikles: \u00bbEi, sieh einmal den sch\u00f6nen Knaben!\u00ab \u2013 \u00bbDas w\u00e4re so etwas,\u00ab antwortete Perikles, \u00bbf\u00fcr einen, der nicht Pr\u00e4tor w\u00e4re; denn ein Pr\u00e4tor mu\u00df nicht nur reine H\u00e4nde, sondern auch reine Augen haben.\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Der Kaiser \u00c4lius Verus antwortete seiner Gemahlin, als sie sich dar\u00fcber beschwerte, da\u00df er andern Weibern nachginge, das t\u00e4te er aus Gewissensdrang; denn der Ehestand sei eine Benennung von Ehre und W\u00fcrde und h\u00e4tte mit T\u00e4ndeleien und sinnlichen Begierden nichts zu tun: und unsere Kirchengeschichte hat uns das Andenken jener Frau in allen Ehren auf bewahrt, die sich von ihrem Ehemann scheiden lie\u00df, weil sie seine unversch\u00e4mten und h\u00e4ufigen Betastungen weder beg\u00fcnstigen noch dulden wollte. Kurz, es gibt keine noch so erlaubte Wollust, deren unm\u00e4\u00dfiger Genu\u00df uns nicht zum Vergehen angerechnet werden m\u00fc\u00dfte.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ganz aufrichtig gesprochen aber, ist der Mensch nicht ein armseliges Tier? Kaum steht es, in seinem nat\u00fcrlichen Zustand, in seiner Macht, ein einziges Vergn\u00fcgen ganz und rein zu genie\u00dfen! Und dabei gibt er sich noch M\u00fche, ihrer aus \u00dcberlegung zu entbehren! Als ob er noch nicht elend genug w\u00e4re, wenn er sein Elend nicht noch durch Kunst und Nachsinnen vermehrte?<\/p>\n<div class=\"zenoCOAdRight\" style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fortunae miseras auximus arte vias.Die menschliche Weisheit gibt sich die dumme M\u00fche, die Wollust nach Zahl und S\u00fc\u00dfigkeit zu vermindern, die unser Erbteil ist; eben wie sie sich mit aller Vorliebe besch\u00e4ftigt, ihre ganze Kunst daran zu verschwenden, die \u00dcbel zuzuputzen, zu k\u00e4mmen und zu schminken, um sie uns weniger scheu\u00dflich zu machen. W\u00e4re ich Haupt einer Sekte gewesen, ich h\u00e4tte einen nat\u00fcrlicheren Weg eingeschlagen, ich will sagen, einen wahreren, bequemeren und heiligeren, und h\u00e4tte mich vielleicht m\u00e4chtig genug gemacht, um ihn vorzuschreiben. Obgleich unsre geistlichen und leiblichen \u00c4rzte, nach einem unter sich gemachten Komplotte, keinen Weg zur Genesung finden noch Mittel gegen die Krankheiten der Seele oder des Leibes als durch Qualen, Schmerzen und Leiden. Wachen, Fasten, h\u00e4rne Kleidung, Verbannung in W\u00fcsten und Einsiedeleien, ewige Gef\u00e4ngnisse, Gei\u00dfeln und andre B\u00fc\u00dfungen sind des Endes eingef\u00fchrt; aber unter solchen Umst\u00e4nden, da\u00df es wahre Leiden sein und herbe Bitterkeit bewirken sollen. Wie einem Gallio, von dem man, als er auf die Insel Lesbos ins Elend verwiesen worden, in Rom Nachricht erhielt, da\u00df er sich&#8217;s dort ganz wohl sein lie\u00dfe und da\u00df, was man ihm als Strafe auferlegt h\u00e4tte, zu seiner Bequemlichkeit gedeihe; weswegen man denn einen andern Entschlu\u00df fa\u00dfte und ihm heimzukommen befohlen und bei seiner Frau in seinem Hause zu wohnen, mit dem Beif\u00fcgen, sich da ruhig zu halten, um ja die Strafe so einzurichten, da\u00df ihn solche schmerzte. Denn f\u00fcr denjenigen, dem das Fasten die Gesundheit st\u00e4rkte und Heiterkeit g\u00e4be, dem das Gift besser schmeckte und besser bek\u00e4me als Fleisch, ruf den w\u00e4re es keine heilsame Arznei; sowenig, als in der andern Arzneikunde solche Medizin Wirkung tut, die er mit Vergn\u00fcgen und Wohlgefallen einnimmt. Bitterkeit und Widerwille sind Umst\u00e4nde, die zur Wirkung behilflich sind. Die Natur, welche den Rhabarber als ein gew\u00f6hnliches Nahrungsmittel ann\u00e4hme, w\u00fcrde ihre medizinische Kraft st\u00f6ren. Es mu\u00df etwas sein, das unsern Magen angreift, um ihn zu heilen; und hier hinkt die gemeine Regel, da\u00df die Sachen nur durch entgegenstehende Dinge geheilt werden. Denn ein \u00dcbel heilt hier das andre.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Dieser Eindruck bezieht sich auch gewisserma\u00dfen auf jene sehr alte Meinung, da man dem Himmel und der Natur sich durch Mord und Totschlag angenehm zu machen dachte; welche Meinung in allen Religionen aufgenommen war. Noch zur Zeit unsrer V\u00e4ter w\u00fcrgte Amurath, als er den Isthmus eroberte, der Seele seines Vaters sechzehnhundert junge Griechen, damit dies Blut als Reinigungsbad bei der Auss\u00f6hnung der S\u00fcnden des Verblichenen dienen m\u00f6chte. Und in diesen neuen L\u00e4ndern, die man zu unsrer Zeit entdeckt hat, die, in Vergleichung mit den unsrigen, noch rein, unschuldig und jungfr\u00e4ulich sind, ist der Gebrauch so ziemlich allgemein. Alle ihre G\u00f6tzen schl\u00fcrfen Menschenblut, und es gibt dort manche Beispiele von Grausamkeit. Man verbrennt die Menschenopfer lebendig, und halb gebraten nimmt man sie vom Kohlenhaufen weg, um ihnen Herz und Eingeweide aus dem Leibe zu rei\u00dfen. Andre, besonders Weiber, schindet man lebendig, und mit ihrer blutigen Haut bekleidet oder verlarvt man andre. Auch sieht man nicht weniger Beispiele von Standhaftigkeit und Entschlossenheit. Denn diese armen, zum Opfer erkiesten Menschen, Greise, Weiber, Kinder, gehen einige Tage vorher selbst, herum und betteln die Almosen zusammen, wovon die Kosten bei ihrer Opferung bestritten werden, und beim Schlachtaltar stellen sie sich ein, singend und tanzend mit den \u00fcbrigen Anwesenden.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Als die Abgesandten des K\u00f6nigs von Mexiko dem Ferdinand C\u00f3rtez die Gr\u00f6\u00dfe ihres Herrn begreiflich machen wollten und ihm bereits erz\u00e4hlt hatten, er habe drei\u00dfig F\u00fcrsten unter sich, deren jeder hunderttausend Krieger auf die Beine bringen k\u00f6nnte, und da\u00df er in der sch\u00f6nsten und festesten Stadt unterm Himmel seine Wohnung habe, so f\u00fcgten sie noch hinzu, er habe j\u00e4hrlich f\u00fcnfzigtausend Menschen den G\u00f6ttern zu opfern. Man sagt wirklich, dieser K\u00f6nig habe mit verschiedenen gro\u00dfen benachbarten V\u00f6lkerschaften Krieg unterhalten, nicht blo\u00df, um die Jugend des Landes zu \u00fcben, sondern vornehmlich deswegen, damit er jene Opfer mit Kriegsgefangenen beschicken k\u00f6nne. Anderw\u00e4rts, in einem gewissen Marktflecken, opferte man, um C\u00f3rtez zu bewillkommen, f\u00fcnfzig Menschen auf einmal. La\u00df mich noch diese Erz\u00e4hlung anf\u00fchren: Nachdem einige von diesen V\u00f6lkern vom C\u00f3rtez geschlagen worden, schickten sie Abgeordnete an ihn, um zu kundschaften und ihn um seine Freundschaft zu bitten. Diese Botschafter \u00fcberbrachten dreierlei Gattungen von Geschenken auf folgende Weise: \u00bbHerr\u00ab, sagten sie, \u00bbhier sind f\u00fcnf Sklaven! Bist du ein strenger Gott und n\u00e4hrest du dich von Menschenfleisch und Blut, verzehre sie und wir wollen dir mehr herbringen; bist du ein Gott von sanftm\u00fctigem Sinn, so sind hier Federn und R\u00e4ucherwerk, zum Geschenk f\u00fcr dich; bist du ein Mensch, so nimm dies Gefl\u00fcgel und diese Fr\u00fcchte, die wir dir \u00fcberbringen.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-16327 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1-275x300.jpg\" alt=\"\" width=\"275\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1-275x300.jpg 275w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1.jpg 550w\" sizes=\"auto, (max-width: 275px) 100vw, 275px\" \/><\/a><span style=\"color: #888888;\">Anmerkung der Redaktion:<\/span> W\u00fcrde Michel de Montaigne im 21. Jahrhundert leben, so er w\u00e4re wahrscheinlich der beliebteste Blogger. Nicht nur in Frankreich. Wir kommen ihm n\u00e4her, indem wir seine <em>Essais<\/em> lesen. Und zwar Wort f\u00fcr Wort. Oder wir nehmen einen charmanten Umweg und lesen Sarah Bakewells <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/01\/michel-de-montaigne-ein-blogger-aus-dem-16-jahrhundert\/\">Wie soll ich leben?<\/a><\/span>. Dies ist nicht nur der Titel ihrer ungew\u00f6hnlichen Biographie, sondern zeigt zugleicht die Methode an, mit der sich die Autorin dem Denken Montaignes n\u00e4hert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong>Lesen Sie auch einen<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12856\"> KUNO-Beitrag <\/a>zu\u00a0 Gattung des Essays.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Gleichsam als ob unsere Ber\u00fchrung etwas Ansteckendes h\u00e4tte, verderben wir durch unser Behandeln solche Dinge, die an und f\u00fcr sich selbst sch\u00f6n und gut sind. 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