{"id":78115,"date":"2023-10-02T00:01:47","date_gmt":"2023-10-01T22:01:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=78115"},"modified":"2022-02-20T20:17:04","modified_gmt":"2022-02-20T19:17:04","slug":"das-gefuehl-fuer-das-gute-und-boese","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/10\/02\/das-gefuehl-fuer-das-gute-und-boese\/","title":{"rendered":"Das Gef\u00fchl f\u00fcr das Gute und B\u00f6se h\u00e4ngt gro\u00dfenteils von der Meinung ab, die wir davon hegen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Menschen (sagt eine alte griechische Sentenz) werden von den Meinungen gequ\u00e4lt, die sie von den Dingen hegen, und nicht von den Dingen selbst. Man h\u00e4tte schon einen gro\u00dfen Schritt zur Erleichterung des menschlichen Elendes gewonnen, wenn man diesem wahren Gedanken durchg\u00e4ngig und allenthalben Eingang verschaffen k\u00f6nnte. Denn wenn das \u00dcbel keinen andern Eingang bei uns findet als durch unser Urteil, so scheint es in unsrer Macht zu stehen, es zu verachten oder zum besten zu kehren. Wenn die Sachen sich nach unserm Gutachten f\u00fcgen, warum lenken und beherrschen wir sie nicht zu unserm Vorteile? Wenn das, was wir \u00dcbel und Pein nennen, an sich selbst weder Pein noch \u00dcbel ist, sondern nur insofern ihm unsre Phantasie diese Eigenschaft gibt, so steht es bei uns, es zu verwandeln? Und da wir die Wahl haben und da nichts uns zwingt, so sind wir ganz sonderbare Toren, uns steif und fest auf der Seite zu halten, die uns den meisten Verdru\u00df macht, und den Krankheiten, der Armut und der Verachtung einen so bittern, widrigen Geschmack zu geben, wenn wir solchen einen guten geben k\u00f6nnen? Und wenn das Gl\u00fcck nichts weiter hergibt als die Materie, so ist es unsre Sache, ihr die Form zu geben.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Aber, la\u00df sehen, ob der Satz Stich h\u00e4lt, da\u00df das, was wir \u00dcbel nennen, an sich kein \u00dcbel ist, oder (welches auf eins hinausl\u00e4uft) ob wenigstens so wie es ist, bei uns selbst es stehe, ihm einen andern Geschmack, eine andre Gestalt zu geben? Wenn das urspr\u00fcngliche Wesen der Dinge, die wir scheuen, die eigent\u00fcmliche Macht h\u00e4tte, sich uns nach eigner Willk\u00fcr zu unterwerfen, so w\u00fcrde es diese Willk\u00fcr \u00fcber alle Menschen auf einerlei Art behaupten. Denn alle Menschen sind von einerlei Gattung und sind, das Mehr oder Wenigere vorausgesetzt, mit einerlei Werkzeugen und Organen zum Wahrnehmen und Schlie\u00dfen versehen. Nun aber zeigt die Verschiedenheit der Meinungen ganz deutlich, da\u00df sie nur auf Bedingung bei uns einziehen: Der eine nimmt sie vielleicht bei sich auf f\u00fcr das, was sie wirklich sind; aber tausend andre geben ihnen bei sich eine neue und ganz verkehrte Beschaffenheit.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Wir halten den Tod, die Armut und k\u00f6rperliche Schmerzen f\u00fcr unsre haupts\u00e4chlichsten Feinde. Wer wei\u00df aber nicht, da\u00df dieser Tod, den einige das Schrecklichste aller Schrecknisse nennen, von andern der einzige Hafen gegen die St\u00fcrme dieses Lebens, das h\u00f6chste Gut der Natur, die einzige St\u00fctze unsrer Freiheit, das allgemeine und schnelle Heilmittel gegen alle \u00dcbel genannt wird? Und da\u00df, so wie etliche mit Zittern und Zagen an ihn denken, andre ihn leichter ertragen als das Leben? Jener beklagt sich \u00fcber seine Leichtigkeit:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mors utinam pavidos vita subducere nolles,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sed virtus te sola dare!\u00a0Doch nichts mehr von so tapfern Gem\u00fctern! Theodorus antwortete dem Lysimachus, der ihn zu t\u00f6ten drohte: Du wirst eine m\u00e4chtige Tat ver\u00fcben, wenn du&#8217;s an Gewalt einer Bremse gleichtust. Unter den Philosophen haben die meisten ihren Tod mit Flei\u00df beschleunigt oder sind ihm mit allem Bedacht zuvorgekommen. Wie viele gemeine Menschen sieht man zum Tode f\u00fchren, und nicht etwa blo\u00df zu einem einfachen Tode, sondern begleitet von Schimpf und Schande und zuweilen von den herbsten Qualen, die mit einer solchen Standhaftigkeit erscheinen, der eine aus Hartn\u00e4ckigkeit, der andre aus nat\u00fcrlicher Einfalt, da\u00df man keine Ver\u00e4nderung in ihrer gew\u00f6hnlichen Fassung wahrnehmen kann. Sie beschicken ihr Haus, soweit sie d\u00fcrfen, empfehlen sich ihren Freunden, singen, halten Reden ans Volk und machen gar noch zuweilen Spa\u00df und Scherz zum Lachen. Sie trinken auf das Wohl ihrer Bekannten, so gut wie Sokrates.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Einer, den man zum Galgen f\u00fchrte, sagte, man m\u00f6chte sich ja h\u00fcten, durch eine gewisse Gasse zu gehen; er liefe sonst Gefahr, da\u00df ihn ein Kaufmann anpackte, bei dem er noch von alters her an der Kreide st\u00fcnde. Einer sagte zum Scharfrichter, er solle ihm nicht an den Hals greifen, er m\u00f6chte sonst vor Lachen aufspringen, weil er sehr kitzlich sei. Jener antwortete seinem Beichtvater, der ihm die Verhei\u00dfung gab, da\u00df er heute noch mit unserm Erl\u00f6ser zu Tische sitzen w\u00fcrde: Gehn Sie nur hin und nehmen meinen Platz; denn ich habe Fasttag. Jener andre, dem, als er zu trinken begehrt hatte, der Henker es durch Vortrinken zubrachte, wollte ihm nicht nachtrinken, denn, sagte er, der k\u00f6nnte mir eine b\u00f6se Krankheit mitteilen. Alle Welt mu\u00df von Picard erz\u00e4hlen geh\u00f6rt haben, dem man, als er bereits auf der Leiter stand, Gnade versprach (wie unsre Justiz wohl zuweilen gestattet), wenn er ein gewisses Mensch, das man ihm zeigte, heiraten wollte. Er betrachtete solches ein Weilchen, merkte, da\u00df das M\u00e4dchen hinkte und rief: Schn\u00fcre zu! Schn\u00fcre zu! Das Ding geht schief! So erz\u00e4hlt man etwas \u00c4hnliches, das sich in D\u00e4nemark zugetragen haben soll. Einem Menschen n\u00e4mlich, der verurteilt war, den Kopf zu verlieren, bot man auf dem Blutger\u00fcst unter ebensolcher Bedingung Gnade an, die er aber ausschlug, weil das M\u00e4dchen, das man ihm geben wollte, hohle Wangen und eine Spitznase h\u00e4tte. Ein Bedienter zu Toulouse, der Ketzerei wegen eingezogen wurde, wu\u00dfte keinen andern Grund seines Glaubens anzugeben, als weil es der Glaube seines Herrn w\u00e4re; dies war ein junger Student, der mit ihm im Gef\u00e4ngnis sa\u00df, und blieb der Bediente dabei, lieber zu sterben als sich \u00fcberzeugen zu lassen, da\u00df sein Herr irren k\u00f6nnte. Wir lesen von den B\u00fcrgern der Stadt Arras, da\u00df, als der K\u00f6nig Ludwig der Elfte solche einnahm, sich eine ansehnliche Zahl von ihnen lieber h\u00e4ngen lie\u00df als rufen wollte: Es lebe der K\u00f6nig!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Und unter den kriechenden Seelen der Hofnarren haben sich einige gefunden, die ihr Possenrei\u00dfen selbst im Tode nicht haben lassen wollen. Einer von ihnen schrie, als ihn der Henker von der Leiter stie\u00df: Aufgeschaut! Ein Wort, das er bei seinen Sp\u00e4\u00dfchen immer brauchte. Und ein andrer, den man, in dem Augenblicke, da er den Geist aufgeben wollte, l\u00e4ngs dem Kamine auf einen Strohsack gelegt hatte, antwortete dem Arzt, der ihn fragte, wo er denn eigentlich die Krankheit h\u00e4tte: zwischen der Bank und dem Kamin. Und als der Priester, der ihm die Letzte \u00d6lung geben wollte, seine F\u00fc\u00dfe suchte, die er wegen der Schmerzen an sich gezogen hatte: Sie werden sie wohl, sagte er, am Ende meiner Beine finden. Denjenigen, der ihn ermahnte, er solle sich Gott empfehlen, fragte er: Wer reist hin? Und als ihm dieser antwortete: Das wirst du bald selbst sein, wenn&#8217;s ihm gef\u00e4llt, so versetzt&#8216; er: Sollt&#8216; ich morgen abend wohl angelangt sein? Empfiehl dich ihm nur, verfolgte der andre, du wirst bald dort sein. Nun, fuhr der erste fort, so ist&#8217;s wohl besser, da\u00df ich ihm meine Empfehlungsschreiben selbst \u00fcberbringe!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Im K\u00f6nigreich Narsingen werden noch jetzt die Weiber der Priester mit den Leichen ihrer Ehem\u00e4nner lebendig begraben. Alle \u00fcbrigen Eheweiber werden beim Leichenbeg\u00e4ngnis der ihrigen lebendig verbrannt und sind dabei nicht nur standhaft, sondern sogar fr\u00f6hlich und munter. Beim Tode eines K\u00f6nigs stellen sich nicht nur seine Gemahlinnen, Kebsweiber, G\u00fcnstlinge und alle Minister und Bediente aus dem Volke sehr munter beim Feuer ein, wo sein Leichnam verbrannt wird, sondern suchen auch die gr\u00f6\u00dfte Ehre darin, wenn sie gew\u00fcrdigt werden, ihrem Herrn Gesellschaft zu leisten.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend unsers letzten Krieges im Mail\u00e4ndischen, worin das Volk \u00fcber die abwechselnden Vorteile und Nachteile unwillig ward, fa\u00dfte es eine solche Bereitwilligkeit zum Tode, da\u00df ich meinen Vater sagen geh\u00f6rt habe, wie er es erlebt habe, da\u00df sich wohl f\u00fcnfundzwanzig Hausherrn in einer Woche das Leben verk\u00fcrzt h\u00e4tten: ein Ereignis, das demjenigen nahe kommt, was sich bei den Xanthiern zutrug, welche sich, als Brutus sie belagerte, solchergestalt, M\u00e4nner, Weiber und Kinder, der Wut zu sterben \u00fcberlie\u00dfen, da\u00df man weniger tut, um dem Tode zu entfliehen, als diese taten, um dem Leben zu entgehen; so da\u00df auch Brutus kaum eine kleine Anzahl von ihnen zu retten vermochte.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jede Meinung ist stark genug, um sich der Menschen auf Kosten ihres Lebens zu bemeistern; der erste Artikel des k\u00fchnen Eides, den die Griechen im Medischen Kriege schwuren und hielten, lautete: Jedermann wolle lieber das Leben mit dem Tode als die persischen Gesetze mit den seinigen vertauschen. Wie viele Menschen sieht man nicht in den Kriegen der T\u00fcrken mit den Griechen, die lieber den Tod, und zwar einen sehr bittern Tod erleiden, als ihrer Beschneidung entsagen und sich taufen lassen wollen. Beispiele, deren keine Religion unf\u00e4hig befunden wird.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Als die kastilischen K\u00f6nige die Juden aus ihrem Reiche und Lande verbannt hatten, verkaufte ihnen der K\u00f6nig Johann von Portugal kopfweise um acht Taler die Freiheit, sich in seinem Reiche f\u00fcr eine gewisse Zeit mit Sicherheit aufhalten zu d\u00fcrfen, mit der Bedingung, da\u00df sie nach deren Verlauf es r\u00e4umen sollten; und versprach ihnen alsdann Schiffe herzugeben, die sie nach Afrika \u00fcberfahren sollten. Als der Tag erschienen und es verk\u00fcndigt worden war, da\u00df diejenigen, welche der Bedingung nicht gehorchten, als Sklaven im Lande bleiben w\u00fcrden, gab man eine ganz unhinl\u00e4ngliche Anzahl Fahrzeuge, und diejenigen, die sich darauf einschifften, wurden durch die Schiffsleute so hart und b\u00fcbisch behandelt und unter andern T\u00fccken, die sie ihnen erwiesen, so lange auf dem Meere herumgeschleppt, bis sie ihren Mundvorrat v\u00f6llig aufgezehrt hatten und gezwungen waren, von ihnen so teuer und so lange zu kaufen, ehe sie an Land gesetzt wurden, bis sie nichts mehr zu verkaufen hatten als ihre blo\u00dfen Hemden. Als die Zeitung von dieser Unmenschlichkeit zu denjenigen gelangte, welche im Lande geblieben waren, entschlo\u00df sich der gr\u00f6\u00dfte Teil davon zur Sklaverei; einige taten so, als ob sie die Religion ver\u00e4ndern wollten. Emanuel, Nachfolger des K\u00f6nigs Johann, setzte sie anfangs in Freiheit, und als er hernach seine Meinung \u00e4nderte, befahl er ihnen, das Land zu verlassen, und wies ihnen drei H\u00e4fen an, wo sie sich einschiffen sollten. Er hoffte, sagt der Bischof Osorius (ein nicht unbedeutender lateinischer Geschichtsschreiber f\u00fcr unsre Zeiten), da das Geschenk der Freiheit nicht gewirkt h\u00e4tte, sie zum Christentum zu bekehren, so w\u00fcrde die Schwierigkeit, sich den Diebereien der Schiffsleute auszusetzen und ein Reich zu verlassen, worin sie gro\u00dfe Reicht\u00fcmer bes\u00e4\u00dfen, um nach einem fremden Lande \u00fcberzusetzen, das sie nicht kannten, sie dazu verm\u00f6gen. Da sich aber der K\u00f6nig in seiner Hoffnung betrogen und die Juden v\u00f6llig entschlossen sah, die Fahrt zu unternehmen, so sperrte er zwei von den H\u00e4fen, die er ihnen versprochen hatte, damit das Zaudern und andre Unbequemlichkeiten doch einige bewegen m\u00f6chte, sich zum Ziele zu legen, oder er wenigstens Mittel h\u00e4tte, sie alle an einem Orte zu h\u00e4ufen, um ein Vorhaben auszuf\u00fchren, das er \u00fcber sie beschlossen hatte. Dieses bestand darin: Er befahl, da\u00df man alle Kinder unter vierzehn Jahren aus den H\u00e4nden der Eltern und aus ihrer Aufsicht nehmen, von ihrem Umgang entfernen und an Orte bringen sollte, wo sie in unserer Religion unterrichtet w\u00fcrden.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Er sagt, dieser Befehl habe ein entsetzliches Schauspiel verursacht. Die nat\u00fcrliche Verbindung zwischen Eltern und Kindern, und noch mehr, der Eifer, womit sie ihrer alten Religion anhingen, emp\u00f6rte sich gegen diese gewaltt\u00e4tige Verordnung. Es war dabei nichts Seltenes, V\u00e4ter und M\u00fctter zu sehen, die sich selbst entleibten; und als noch traurigere Beispiele sah man, da\u00df einige aus Liebe und Mitleiden ihre jungen Kinder in tiefe Brunnen warfen und so das Gesetz umgingen. \u00dcbrigens begaben sie sich, da der Termin abgelaufen war und sie keine Mittel zur Abfahrt hatten finden k\u00f6nnen, wieder in die Sklaverei. Einige davon wurden Christen, zu denen oder ihrer Nachkommenschaft christlichem Glauben die Portugiesen jetzt noch, hundert Jahre nachher, nur sehr wenig Vertrauen haben; obgleich Gewohnheit und L\u00e4nge der Zeit weit st\u00e4rker zu dergleichen Ver\u00e4nderungen wirken als jeder andre Zwang.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">In der Stadt Castelnaudari lie\u00dfen sich auf einmal f\u00fcnfzig ketzerische Albigenser mit entschlossenem Mute lieber lebendig auf einem Scheiterhaufen verbrennen, als da\u00df sie ihrer Meinung entsagen wollten. Quoties non modo ductores nostri, sagt Cicero, sed universi etiam exercitus, ad non dubiam mortem concurrerunt!\u00a0Ich habe einen meiner innigsten Freunde dem Tode mit Eifer nachjagen sehen, und zwar mit wahrer Vorliebe, die durch allerlei Arten von \u00dcberzeugung dergestalt in seinem Herzen eingewurzelt war, da\u00df ich ihm solche nicht auszureden vermochte, und die erste Gelegenheit, die sich ihm in einigem Glanze von Ehre darbot, erhaschte er, ohne allen scheinbaren Anla\u00df, und machte seinem Leben auf eine sehr schmerzhafte Art ein Ende. Wir haben zu unsrer Zeit viele Beispiele, sogar von Kindern, welche aus Furcht vor geringen \u00dcbeln sich das Leben genommen haben. \u00dcber diesen Gegenstand sagt einer unter den Alten: Was m\u00fc\u00dften wir nicht alles f\u00fcrchten, wenn wir sogar dasjenige f\u00fcrchteten, was selbst die Feigheit als eine Zuflucht gew\u00e4hlt hat! Wenn ich hier ein Register von solchen Menschen auff\u00fchren wollte, die unter allen Geschlechtern und St\u00e4nden, von allen Sekten, in gl\u00fccklicheren Jahrhunderten den Tod entweder gelassen erwartet oder freiwillig gesucht haben; gesucht, nicht blo\u00df um den \u00dcbeln dieses Lebens zu entgehen, sondern einige sogar blo\u00df um der Sattheit vom Leben ein Ende zu machen und andre wegen der Hoffnung, sich in einer andern Lage besser zu befinden: so w\u00fcrde ich kein Ende zu finden wissen. Denn die Anzahl derselben ist so gro\u00df, da\u00df ich wirklich weniger M\u00fche h\u00e4tte, diejenigen aufzuz\u00e4hlen, die ihn gef\u00fcrchtet haben. Nur dies noch: Pyrrho, der Philosoph, befand sich eines Tages auf einem Schiff in heftigem<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Montaigne-Essays\" name=\"11\"><\/a>\u00a0Sturm, und zeigte denjenigen, die et um sich her am \u00e4ngstlichsten sah, um sie aufzurichten, ein Beispiel an einem Schweine, welches mit auf dem Schiffe war und sich aus dem Ungewitter gar nichts machte.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Wollten wir uns wohl getrauen zu sagen, da\u00df der Vorzug der Vernunft, worauf wir uns so viel zugute tun und verm\u00f6ge dessen wir uns f\u00fcr Herren und Beherrscher der \u00fcbrigen Sch\u00f6pfung halten, uns zu unsrer Qual gegeben sei? Was soll uns die Kenntnis der Dinge, wenn wir dadurch nur feiger werden? Wenn wir dadurch die Ruhe und Gelassenheit verlieren, worin wir uns ohne sie befinden w\u00fcrden? Und wenn solche uns in eine kl\u00e4glichere Fassung setzt als Pyrrhos&#8216; Schwein? Wollen wir die Verstandeskr\u00e4fte, die uns zu unserer gr\u00f6\u00dften Wohlfahrt gegeben sind, zu unserm Verderben anwenden, indem wir uns gegen die Natur und die allgemeine Ordnung der Dinge auflehnen, welche will, da\u00df jedermann seine Kr\u00e4fte und Werkzeuge zu seinem Vorteile benutze? Gut, sagt man; mag eure Regel auf den Tod anwendbar sein! Was k\u00f6nnt ihr aber von der Armut sagen? Und was vom k\u00f6rperlichen Schmerz, welche Aristipp, Hieronymus und die meisten alten Weisen f\u00fcr das \u00e4rgste \u00dcbel gehalten haben? Und wie es diejenigen mit der Tat bekannten, die es mit Worten leugneten? \u2013 Posidonius lag sehr schwer an einer hitzigen und schmerzhaften Krankheit danieder; Pompejus besuchte ihn und entschuldigte sich, da\u00df er zu einer so ungelegenen Stunde k\u00e4me, ihn philosophieren zu h\u00f6ren. \u00bbVerh\u00fcten es die G\u00f6tter\u00ab, antwortete ihm Posidonius, \u00bbda\u00df der Schmerz so sehr mein Herr werde, mich zu verhindern, Betrachtungen \u00fcber ihn anzustellen!\u00ab und begann alsobald von Verachtung der Schmerzen zu sprechen. Indessen kehrten sich die Schmerzen nicht daran und setzten ihm unaufh\u00f6rlich zu; wor\u00fcber er ausrief: \u00bbMacht, Schmerzen, was ihr wollt; ihr sollt mich doch nicht dahin bringen, zu sagen, da\u00df ihr \u00dcbel seid!\u00ab Dies Geschichtchen, das mit solchem Triumphe erz\u00e4hlt wird, was beweist es f\u00fcr die Verachtung der Schmerzen? Es bestreitet blo\u00df Worte. Und dennoch, warum unterbricht er sich in seiner Rede, wenn sie ihm nicht sehr wehe taten? Warum meint er ein so gro\u00dfes Ding zu tun, wenn er solche nicht \u00dcbel nennen will? Hier besteht doch nicht alles in der Einbildung. Wenn wir \u00fcber die andern Dinge nur w\u00e4hnen, so ist hier Gewi\u00dfheit, die f\u00fcr sich spricht; unsre Sinne selbst sind Richter:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Qui nisi sunt veri, ratio quoque falsa sit omnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00f6nnen wir unsrer Haut weismachen, da\u00df sie beim Spie\u00dfrutenlaufen gekitzelt werde? Unserm Gaumen, Aloetrank sei Burgunderwein? Pyrrhos&#8216; Schwein ist hier auf unsrer Seite. Es ist freilich ohne Furcht vorm Tode, aber wenn man es schl\u00e4gt, schreit es und tobt. Wollen wir dem allgemeinen Gesetze der Natur Gewalt tun, nach welchem alles, was da lebt auf Erden, unter dem Leiden von Schmerzen zittert? Selbst die B\u00e4ume scheinen unter den Besch\u00e4digungen zu \u00e4chzen. Den Tod f\u00fchlt man nur durch Nachdenken, weil er eigentlich nur die vor\u00fcbergehende Bewegung eines Augenblicks ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aut fuit, aut veniet; nihil est praesentis in illa.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Morsque minus poenas quam mora mortis habet.\u00a0Tausend Tiere, tausend Menschen sterben, bevor sie vom Tode bedroht worden. Auch ist das, was wir beim Tode haupts\u00e4chlich zu f\u00fcrchten haben, der Schmerz, sein gew\u00f6hnlicher Vorbote. Indessen, wenn ein heiliger Kirchenvater Glauben verdient, so hei\u00dft es:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Malam mortem non facit, nisi quod sequitur mortem.\u00a0Und ich m\u00f6chte noch mit gr\u00f6\u00dferer Wahrscheinlichkeit sagen: Weder das, was vorm Tode hergeht, noch das, was auf ihn folgt, sind Zubeh\u00f6rden des Todes. Wir entschuldigen uns mit Unrecht. Und die Erfahrung hat mich \u00fcberzeugt, da\u00df es vielmehr das Peinliche in der Vorstellung vom Tode ist, was uns die Schmerzen peinlich macht; und da\u00df sie uns deswegen doppelt martern, weil sie uns mit dem Tode dr\u00e4uen. Da uns nun aber die Vernunft wegen unsrer Feigheit anklagt, da\u00df wir eine so pl\u00f6tzlich kommende und vor\u00fcbergehende, so unvermeidliche, so wenig schmerzhafte Sache f\u00fcrchten, so greifen wir zu dem mehr scheinbaren Vorwande. Alle andren Schmerzen, welche keine andre Gefahr bei sich f\u00fchren als die Schmerzen selbst, von denen sagen wir: sie sind nicht gef\u00e4hrlich. Zum Beispiel Zahnschmerzen oder Gichtschmerzen, so sehr sie auch martern; solange sie nicht wegen zu besorgendem Tode unter die Krankheiten gez\u00e4hlt werden.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Nun, wohlan! Wir wollen annehmen, da\u00df wir am Tode haupts\u00e4chlich die Schmerzen in Betracht ziehen! So wie auch, da\u00df die Armut nichts weiter F\u00fcrchterliches habe, als da\u00df sie vermittelst des Hungers, des Durstes, der K\u00e4lte, der Hitze, des Nachtwachens, die sie uns bringt, in seinen Rachen werfe. Also wollen wir es hier blo\u00df mit den Schmerzen zu tun haben! Ich r\u00e4ume ihnen ein, und zwar sehr gern, da\u00df sie das Schlimmste sind, was uns befallen kann; denn ich bin der Mann, der ihnen so feind ist als jemand auf der Welt und sie um so mehr aufs m\u00f6glichste vermeide, weil ich bisher, gottlob, keine gro\u00dfe Gemeinschaft mit ihnen gehabt habe; aber dennoch sag&#8216; ich: Es steht bei uns, wo nicht sie zu vertilgen, wenigstens durch Geduld sie zu vermindern; und wenn auch der K\u00f6rper darunter niederl\u00e4ge, doch die Seele und die Vernunft in ruhiger Fassung zu erhalten. Wenn dem nicht so w\u00e4re, was f\u00fcr Wert h\u00e4tte dann Tugend, Tapferkeit, St\u00e4rke, Gr\u00f6\u00dfe der Seele und m\u00e4nnliche Entschlossenheit? Wo w\u00e4re der Schauplatz, sich zu zeigen, wenn sie keine Schmerzen mehr zu bek\u00e4mpfen h\u00e4tten? Avida est periculi virtus,\u00a0sagt Seneca. Wenn wir nicht mehr auf harter Erde zu schlafen, in voller Waffenr\u00fcstung die Mittagshitze zu ertragen, zu Pferde-und Eselsfleische unsre Zuflucht in Hungersnot zu nehmen haben, wenn wir nicht mehr in der Not w\u00e4ren, uns in St\u00fccke zerhauen, Kugeln aus den Knochen und Splitter aus den Wunden ziehen, und diese selbst mit der Sonde durchw\u00fchlen und beizen und zusammenn\u00e4hen zu lassen, woher wollen wir dann den Vorzug erwerben, den wir \u00fcber den gemeinen Haufen haben wollen? Es ist bei weitem nicht die Flucht vorm \u00dcbel und den Schmerzen, sagen die Weisen, oder \u00e4hnliche gute Taten, sondern die sind die w\u00fcnschensw\u00fcrdigsten, wobei die gr\u00f6\u00dfte Gefahr und M\u00fche ist. Non enim hilaritate nec lascivia nec risu aut ioco comite levitatis, sed saepe etiam tristes firmitate et constantia sunt beat. Und aus diesem Grunde war es unsern V\u00e4tern unm\u00f6glich, sich \u00fcberreden zu lassen, da\u00df die Eroberungen durch Macht und Gewalt bei den Gefahren des Krieges nicht ehrenvoller w\u00e4ren als solche, die man bei aller Sicherheit durch listige Anschl\u00e4ge gew\u00f6nne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Laetius est, quoties magno sibi constat honestum.\u00a0Auch das mu\u00df uns um so mehr tr\u00f6sten, da\u00df nach dem Gange der Natur ein Schmerz, der heftig ist, nicht lange anh\u00e4lt, und wenn er lange dauert, leicht ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Si gravis, brevis; si longus, levis.Du wirst sie nicht lange f\u00fchlen, wenn du sie zu heftig f\u00fchlst, sie werden ihnen selbst oder dir ein Ende machen. Und beides l\u00e4uft auf eins hinaus. Entweder du besiegst die Schmerzen, oder sie besiegen dich. Memineris maximos\u00a0morte finiri; parvos multa habere intervalla requietis; mediocrium nos esse dominos: ut si tolerabiles sint, feramus; sin minus e vita, quum ea non placeat, tanquam e theatro exeamus. Das, was uns die Schmerzen so unertr\u00e4glich macht, ist, wir sind nicht gew\u00f6hnt, unsre vornehmste Zufriedenheit in der Seele zu suchen; uns nicht genug auf diese zu st\u00fctzen, welche die einzige und h\u00f6chste Gewalt \u00fcber unsern Zustand hat. Der K\u00f6rper hat, das Weniger oder Mehr vorausgesetzt, nur <i>einen<\/i> Gang und nur <i>eine<\/i> Falte. Die Seele wei\u00df sich in alle Lagen zu f\u00fcgen und hat das Verm\u00f6gen, allen Empfindungen des K\u00f6rpers und jeden andern Zuf\u00e4lligkeiten Beziehung auf sich und ihre jedesmalige Fassung zu geben, welche die auch sein m\u00f6ge. Indessen mu\u00df man sie studieren und untersuchen und ihre so m\u00e4chtigen Triebfedern in Wirksamkeit setzen. Gegen ihre Neigung und Wahl richten weder Gr\u00fcnde noch Machtspr\u00fcche, noch Zwang etwas aus. Bei so viel tausend Hilfsmitteln, die ihr zu Gebote stehen, la\u00dft uns ihr<i> eins<\/i> geben, das f\u00fcr unsre Ruhe und Erhaltung tauglich ist: und wir werden verm\u00f6ge desselben nicht blo\u00df vor allen Beleidigungen gedeckt sein, sondern sogar, wenn es ihr so gut deucht, durch die \u00dcbel und Beleidigungen, die uns treffen, beg\u00fcnstigt und geschmeichelt werden. Sie macht sich alles ohne Unterschied zum Vorteile. Irrt\u00fcmer und Tr\u00e4ume leisten ihr n\u00fctzliche Dienste, wie andre rechtfertige Materien uns zu beruhigen und zu befriedigen. Es ist leicht zu ersehen, da\u00df das, was uns Leiden und Freuden so innig und tief f\u00fchlen l\u00e4\u00dft, nichts anders sei als der Stachel unseres Verstandes.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die Tiere, deren Verstand im Beschlage liegt, lassen dem K\u00f6rper seine Empfindungen frei und ungezwungen, und diese sind folglich, ungef\u00e4hr, f\u00fcr jede Gattung gleichf\u00f6rmig:\u00a0so, wie sie es durch \u00e4hnliche Anwendung ihrer Bewegungen an den Tag legen. Wenn wir unsern Gliedma\u00dfen die Befugnisse nicht verweigerten, die ihnen hierin geb\u00fchren, so w\u00fcrden wir, wie zu glauben ist, besser daran sein, da die Natur ihnen eine richtige und gleichschwebende Temperatur gegen Wollust und Schmerz gegeben hat, welche nicht fehlen kann, richtig zu sein, da sie durchg\u00e4ngig und allenthalben gleich abgewogen ist. Nachdem wir uns aber von ihren Regeln losgemacht haben, um uns der ungez\u00e4hmtesten Freiheit unsrer Phantasie zu \u00fcberlassen, so la\u00df uns wenigstens das Unsrige tun, diese Phantasie auf die angenehmste Seite zu lenken. Plato f\u00fcrchtet unsre zu gro\u00dfe Empfindlichkeit gegen Schmerz und Wollust deswegen, weil solche die Seele zu fest an den K\u00f6rper bindet und kn\u00fcpfet. Ich im Gegenteile, weil diese Empfindlichkeit die Seele zu sehr vom K\u00f6rper entbindet und ihr gemeinschaftliches Band zu locker macht. Gerade so, wie der Feind durch unsre Flucht nur noch hitziger wird, uns zu verfolgen, so wird der Schmerz noch eingebildeter, wenn er merkt, da\u00df wir vor ihm zittern. Er wird es dem weit wohlfeiler geben, der ihm die Spitze bietet. Man mu\u00df sich ihm widersetzen und festen Fu\u00df halten. Wanken wir aber und weichen zur\u00fcck, so rufen wir ihn herbei und ziehn uns das Verderben, das uns dreute, \u00fcber den Hals. So wie ein Haufen Krieger dem Angriffe um so fester widersteht, als er seine Glieder geschlossener h\u00e4lt, so ist es auch mit der Seele. Aber ich mu\u00df Beispiele anf\u00fchren (sie sind die beste Nahrung f\u00fcr Leute von schlaffen Waden, wie ich bin), aus welchen erhellen wird, da\u00df es mit dem Schmerz gehe wie mit den Edelsteinen, welche eine h\u00f6here oder bl\u00e4ssere Farbe annehmen nach der untergelegten Folie; und da\u00df er bei uns nicht mehr Raum einnehme, als wir ihm zugestehen. Tantum doluerunt, quantum doloribus se inseruerunt.\u00a0Wir f\u00fchlen mehr von einem Schnitte eines Schermessers durch den Wundarzt als von zehn S\u00e4belhieben in der Hitze eines Treffens.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die Schmerzen des Kindergeb\u00e4rens, welche von den \u00c4rzten und von Gott selbst f\u00fcr gro\u00df geachtet und welche bei uns mit so vielen Umst\u00e4nden gefeiert werden, kommen bei verschiedenen ganzen Nationen in gar keine Betrachtung. Ich spreche nicht von den laked\u00e4monischen Weibern: nur von den Weibern unsrer Schweizer Regimenter. Was f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung wird man an ihnen gewahr? Keine andre, als da\u00df sie sich heute, auf dem Marsche hinter ihren M\u00e4nnern her, ein Kind am Halse, schleppen, das sie gestern noch unter ihrem Herzen trugen. Und jene unter uns zusammengelaufenen und braungeschminkten Zigeunerinnen gehen selbst mit ihren neugebornen Kindern hin zum n\u00e4chsten Bache, um sie zu baden und sich selbst darin zu reinigen. Der vielen Weibsbilder zu geschweigen, welche ihre Kinder ebenso heimlich geb\u00e4ren als zeugen, erw\u00e4hne ich hier nur der sch\u00f6nen und edlen Gemahlin des Sabinus, eines r\u00f6mischen Patriziers, welche aus Gef\u00e4lligkeit gegen fremde R\u00fccksichten, allein, ohne Beistand, ohne \u00c4chzen und Schreien die Geburtsschmerzen von Zwillingen aushielt. Ein noch junger Bube in Sparta, der einen Fuchs gestohlen (die Spartaner f\u00fcrchteten mehr die Schande der Dummheit bei einem Diebstahle, als wir die Strafe unsrer Bosheit f\u00fcrchten) und unter seinem Mantel versteckt hatte, wollte lieber erdulden, da\u00df er ihm den Bauch zerbisse, als da\u00df er den Diebstahl eingestanden h\u00e4tte. Und ein andrer, der bei einem Opfer r\u00e4ucherte, lie\u00df sich von einer gl\u00fchenden Kohle, die ihm in den \u00c4rmel gefallen war, bis auf den Knochen brennen, um nicht die heiligen Gebr\u00e4uche zu st\u00f6ren. Und man wei\u00df von einer gro\u00dfen Anzahl, die zum blo\u00dfen Versuch der Tugend, nach den ihnen beigebrachten Begriffen, in einem Alter von sieben Jahren sich haben bis auf den Tod gei\u00dfeln lassen, ohne nur eine Miene zu verziehen. Und Cicero hat ihrer gesehen, die sich in Haufen geteilt, mit F\u00e4usten, F\u00fc\u00dfen und Z\u00e4hnen bis zum Ohnm\u00e4chtigwerden gebalgt und gerauft haben und nicht haben gestehen wollen, da\u00df sie \u00fcberwunden w\u00e4ren. Nunquam naturam mos vinceret, est enim ea semper invicta: sed nos umbris, deliciis, otio, languore, desidia, animum infecimus; opinionibus maloque more delinitum mollivimus.\u00a0Jedermann wei\u00df die Geschichte des Sc\u00e4vola, der sich ins feindliche Lager geschlichen hatte, um den ersten Befehlshaber desselben zu t\u00f6ten, und da ihm sein Anschlag mi\u00dflungen, seine Absicht durch eine h\u00f6chst sonderbare Erfindung erreichen und sein Vaterland vom Verdacht retten wollte. Er bekannte n\u00e4mlich vor Porsenna, dem K\u00f6nig, den er hatte morden wollen, nicht nur seinen Anschlag, sondern f\u00fcgte noch hinzu, in seinem Lager w\u00e4ren noch eine unendliche Anzahl R\u00f6mer, die sich mit ihm zu diesem Anschlag verschworen h\u00e4tten, und um zu zeigen, was f\u00fcr ein Schlag M\u00e4nner sie w\u00e4ren, lie\u00df er ein Gef\u00e4\u00df mit gl\u00fchenden Kohlen bringen, hielt seinen Arm hinein und lie\u00df solchen so lange r\u00f6sten und braten, bis der Feind selbst drob ein Entsetzen f\u00fchlte und die Kohlen wegnehmen lie\u00df. Mehr noch! Jener fuhr fort, in seinem Buche zu lesen, als man ihm im Fleische schnitt; und er, der nicht aufh\u00f6rte, hartn\u00e4ckigerweise \u00fcber die Martern zu lachen und zu spotten, die man ihm antat, dergestalt, da\u00df die erboste Grausamkeit der Henker und alle ihre Erfindungen, womit sie Foltern auf Foltern h\u00e4uften, an ihm zuschanden wurden und ihm gewonnen geben mu\u00dften. Ja, aber das war ein Philosoph! Ei was! Ein Gladiator C\u00e4sars hielt unter fortw\u00e4hrendem Lachen aus, da\u00df man seine Wunden mit Sonden durchw\u00fchlte und genau untersuchte. Quis mediocris gladiator ingemuit? Quis vultum mutavit unquam? Quis non modo stetit, verum etiam decubuit turpiter? Quis, quum decubuisset, ferrum recipere jussus, collum detraxit? La\u00df uns die Weiber gleichfalls auff\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Wer hat in Paris nicht von der Dame geh\u00f6rt, welche sich die Haut abziehen lie\u00df, blo\u00df um eine neue Haut und eine frischere Gesichtsfarbe zu bekommen. Es hat ihrer gegeben und gibt ihrer noch, die sich ihre gesunden Z\u00e4hne ausrei\u00dfen lassen, um eine vollere und angenehmere Aussprache zu gewinnen oder um eine besser stehende Reihe Z\u00e4hne zu bekommen. Wie viele Beispiele von Verachtung der Schmerzen haben wir nicht in dieser Gattung? Was verm\u00f6gen sie nicht! Was f\u00fcrchten sie, wenn es nur einigerma\u00dfen darauf ankommt, ihre Sch\u00f6nheit zu vermehren!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vellere queis cura est albos a stirpe capillos,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Et faciem dempta pelle referre novam.\u00a0Ich habe welche gesehen, die Sand und Asche verschluckten und sehr sorgf\u00e4ltig darauf arbeiteten, sich den Magen zu verderben, um eine blasse Gesichtsfarbe zu haben. Um einen recht schmalen K\u00f6rper zu haben, welche Pein ertragen sie nicht in ihren Schn\u00fcrleibern und Gurten von Fischbein mit gro\u00dfen Kutschen auf den H\u00fcften, die ins Fleisch schneiden und ihnen zuweilen gar den Tod zuziehen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Es ist heutzutage bei vielen Nationen noch Sitte, sich mit Bedacht zu verwunden, um ihrem Worte Glauben zu verschaffen; und unser K\u00f6nig erz\u00e4hlt davon merkw\u00fcrdige Beispiele, die er in Polen gesehen hat und mit ihm selbst geschehen sind. Au\u00dfer denen aber, die meines Wissens von einigen in Frankreich nachgeahmt sind: Als ich von dem ber\u00fchmten Landtage zu Blois heimkehrte, hatte ich kurz vorher in der Pikardie ein M\u00e4dchen gesehen, welche, um die Aufrichtigkeit ihres Versprechens wie auch ihre Treue zu best\u00e4tigen, sich mit einer Haarnadel, die sie in der Flechte trug, vier bis f\u00fcnf Stiche in den Arm gab, da\u00df\u00a0ihr die Haut barst und sich damit einen t\u00fcchtigen Aderla\u00df ersparte.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die T\u00fcrken geben sich f\u00fcr ihre Damen gro\u00dfe Schmarren \u00fcbers Gesicht, und damit die Narben nicht ausgehen sollen, fahren sie alsobald mit Feuer \u00fcber die Wunden her und halten es dar\u00fcber eine unglaublich lange Zeit, um das Blut zu stillen und die Narbe zu bilden. Leute, die es mit ihren Augen gesehen, haben es geschrieben und haben mir&#8217;s zugeschworen. Aber f\u00fcr zehn Asper kann man alle Tage jemand haben, der sich daf\u00fcr einen t\u00fcchtigen Schnitt in die Arme oder Lenden tut. Es ist mir lieb, da\u00df wir die Zeugen gleich bei der Hand haben, wo wir ihrer am n\u00f6tigsten bed\u00fcrfen. Denn die Christenheit l\u00e4\u00dft uns daran gar keinen Mangel leiden, und hat es, nach dem Beispiel unseres heiligen Vorg\u00e4ngers, Leute bei Haufen gegeben, die aus Fr\u00f6mmigkeit haben das Kreuz tragen wollen. Wir wissen von glaubw\u00fcrdigen Zeugen, da\u00df unser K\u00f6nig Ludwig der Heilige so lange ein Hemd von Haaren auf seinem blo\u00dfen Leibe trug, bis ihn im Alter der Beichtvater davon dispensierte, und da\u00df er sich alle Freitage von seinem Priester mit f\u00fcnf kleinen eisernen Ketten die Schultern gei\u00dfeln lie\u00df, welche man des Endes in seinem Bettsacke best\u00e4ndig mitf\u00fchrte.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Wilhelm, unser letzter Herzog von Guyenne, Vater der Alienor, der dies Herzogtum an die H\u00e4user England und Frankreich \u00fcbertrug, trug die letzten zehn oder zw\u00f6lf Jahre seines Lebens best\u00e4ndig einen K\u00fcra\u00df unter einem M\u00f6nchskleid, zur Bu\u00df\u00fcbung. Foulques, Graf von Anjou, tat die weite Reise bis Jerusalem, um sich dort von zweien seiner Bedienten am Grabe unseres Heilandes gei\u00dfeln zu lassen, wobei er einen Strick um den Hals hatte. Aber sieht man nicht noch alle Karfreitage an verschiedenen Orten eine gro\u00dfe Anzahl Weiber und M\u00e4nner sich so wacker gei\u00dfeln, da\u00df zuweilen danach das Fleisch von den Knochen h\u00e4ngt? Dies hab&#8216; ich oft mit angesehen, und es war kein Augenverblenden. Man hat mir wohl gesagt, da\u00df welche darunter gewesen (denn sie gehen verlarvt), welche es f\u00fcr Geld unternahmen, andre bei reiner Religion zu erhalten, durch Schmerzen oder Martern, die um so gr\u00f6\u00dfer sein m\u00fcssen, weil der Sporn der Religion m\u00e4chtiger ist als der Stachel des Geizes.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Q. Maximus begrub seinen Sohn, als er schon Konsul war, M. Cato den seinigen, da er zum Pr\u00e4tor bestimmt worden, und L. Paulus seine beiden S\u00f6hne, kurz hintereinander, mit gesetztem Gesicht und ohne ein Zeichen von Trauer sehen zu lassen. Ich sagte in meinen Jugendtagen von jemand im Spa\u00df, er habe der Gerechtigkeit des Himmels Brillen verkauft. Denn, da er an einem Tage drei erwachsene S\u00f6hne durch gewaltsamen Tod verlor, welches man doch wohl f\u00fcr eine derbe Zuchtrute halten sollte, fehlte sehr wenig, da\u00df er es nicht mit Freuden f\u00fcr eine gro\u00dfe Gnade genommen h\u00e4tte. Ich bin nun freilich nicht von so un-oder \u00fcbermenschlicher Gem\u00fctsart; gleichwohl habe ich ein paar Kinder, die noch in den H\u00e4nden der Amme waren, verloren, in der Tat nicht ohne Betr\u00fcbnis, aber doch ohne Murren. Auch gibt es wohl nicht viele Zuf\u00e4lle, die dem Menschen st\u00e4rker an die Seele greifen. Ich sehe andre gew\u00f6hnliche Ursachen der Betr\u00fcbnis genug, die ich kaum f\u00fchlen w\u00fcrde, wenn sie mir \u00fcberk\u00e4men; und habe wirklich welche verachtet, die mir zugesto\u00dfen sind, denen die Menschen eine so schreckliche Gestalt geben, da\u00df ich mich dessen gegen den gemeinen Mann zu gestehen, ohne rot zu werden, nicht wagen m\u00f6chte. Ex quo intellegitur, non in natura, sed in opinione esse aegritudinem.\u00a0Wer in der Welt wird wohl jemals mit solcher Begierde nach Sicherheit und Ruhe trachten, als Alexander und C\u00e4sar der Unruhe und den Gefahren nachjagten? Teres, der Vater des Sitalces, pflegte zu sagen, wenn er keinen Krieg f\u00fchre, so k\u00e4m&#8216; es ihm vor, als ob zwischen ihm und seinem Stallknecht kein Unterschied sei. Cato, der Konsul, hatte, um sich einiger St\u00e4dte in Spanien zu versichern, den Einwohnern blo\u00df untersagt, Waffen zu f\u00fchren, und\u00a0dar\u00fcber t\u00f6tete sich eine gro\u00dfe Anzahl. Ferox gens, nullam vitam rati sine armis esse. Von wie vielen wissen wir nicht, da\u00df sie den Annehmlichkeiten eines ruhigen Lebens in ihren H\u00e4usern, unter Freunden und Bekannten, entsagt und sich in schaudervolle, menschenleere W\u00fcsteneien begaben, wo sie sich f\u00fcr die Menschen unn\u00fctz, ver\u00e4chtlich und verwerflich gemacht haben und dennoch darin bis zur Affektation gl\u00fccklich befunden haben?<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Der Kardinal Borrom\u00e4us, welcher neulich zu Mailand verstorben ist, f\u00fchrte, umringt von dem Wohlleben, wozu ihn seine hohe Geburt, seine Reicht\u00fcmer und die italienische Sitte bei seiner Jugend einluden, eine so strenge Lebensart, da\u00df derselbige Habit, den er im Sommer trug, ihm auch im Winter diente. Sein Bett war von blo\u00dfem Stroh gemacht, und die Stunden, die ihm von seinen Amtsverrichtungen \u00fcbrigblieben, widmete er best\u00e4ndig dem Studieren. Er lag bei seinem Buch auf den Knien und hatte zu seiner Seite ein wenig Brot und Wasser stehen: dies war der ganze Vorrat zu seinen Mahlzeiten, und die einzige Zeit, die er darauf verwendete.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ich kenne Leute, die ganz wissentlich Vorteil von ihrer Hahnreischaft gezogen haben, deren blo\u00dfer Name so vielen Menschen Angst und Schrecken macht! Wenn der Sinn des Gesichts auch nicht der notwendigste unter den \u00fcbrigen w\u00e4re, so ist er doch einer der angenehmsten. Die angenehmsten und n\u00fctzlichsten unter unseren Gliedma\u00dfen scheinen aber diejenigen zu sein, die zu unsrer Fortpflanzung dienen. Gleichwohl hat es Menschen genug gegeben, die dawider einen t\u00f6dlichen Ha\u00df hegten, und zwar blo\u00df deswegen, weil sie zu liebensw\u00fcrdig w\u00e4ren, und haben sie verworfen, wegen ihrer Kostbarkeit. Ebenso dachte der von den Augen, der sich sie ausri\u00df. Der gr\u00f6\u00dfte und gesundeste Teil der Menschen h\u00e4lt viele Kinder haben f\u00fcr ein gro\u00dfes Gl\u00fcck. Ich und einige andre halten es f\u00fcr ein ebenso gro\u00dfes Gl\u00fcck, keine zu haben. Und als man den Thales fragte, warum er sich nicht verheirate, antwortete er, es w\u00e4re seine Sache nicht, Nachkommenschaft zu hinterlassen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Da\u00df unsere Meinung den Wert der Dinge bestimme, erhellt schon daraus, da\u00df es eine gro\u00dfe Anzahl gibt, die wir nicht einmal darauf ansehen, ob sie einen Wert f\u00fcr uns haben m\u00f6chten, und weder auf ihre Eigenschaften noch auf ihren Nutzen achten, sondern nur auf den hohen Preis, wof\u00fcr sie zu haben sind: gerade, als ob das einen Teil ihres Wesens ausmache, und sch\u00e4tzen ihren Wert nicht nach dem, was sie in sich haben, sondern nach dem, wof\u00fcr wir sie haben. Weshalb ich dann des Daf\u00fcrhaltens bin, da\u00df wir gar sparsame Haush\u00e4lter mit unseren Auslagen sind; je wichtiger sie sind, je dienlicher, gerade weil sie wichtig sind. Unsere Meinung l\u00e4\u00dft solche niemals auf Rechnung der Unkosten bringen. Nach dem Kaufspreise hat der Diamant seinen Wert; nach dem Kampfe die Tugend, nach der Bu\u00dfe die Andacht und nach der Bitterkeit die Arznei.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jener, um zur Armut zu gelangen, warf seine Taler in eben dasselbe Meer, welches andre in allen Tiefen durchsuchen, um Reicht\u00fcmer zu fischen. Epikur sagt: Reich sein erleichtert keine Gesch\u00e4fte, es \u00e4ndert sie nur. So viel ist wahr: Mangel macht keinen Geizigen, sondern der \u00dcberflu\u00df. \u00dcber diese Sache will ich meine eigene Erfahrung mitteilen. Ich habe in dreierlei verschiedenen Umst\u00e4nden gelebt, nachdem ich aufgeh\u00f6rt hatte, ein Kind zu sein. Die erste Zeit, die ungef\u00e4hr zwanzig Jahre gedauert haben mag, brachte ich hin, ohne etwas anders zu haben, als was vom Zufall und von dem guten Willen andrer abhing, und ohne im geringsten etwas Sicheres und Ausgemachtes, worauf ich rechnen k\u00f6nnen. Dem ungeachtet gingen meine Ausgaben ihren lustigen Gang fort und machten mir um so weniger Sorgen, weil sie ganz auf der Verwegenheit des Gl\u00fccks beruhten. Ich war niemals besser daran. Nie fand ich den Beutel meiner Freunde vor mir verschlossen. Ich wu\u00dfte von keiner andern Not, als die ich mir selbst machte; die Not, auf den Tag mit der Zahlung einzuhalten, den ich mir gesetzt hatte, welchen sie mir tausendmal weiter hinausgesetzt haben, weil sie die M\u00fche sahen, die ich mir gab, Termin zu halten; so da\u00df mich meine Ehrlichkeit sparsam, aber nicht knickerig machte.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ich f\u00fchle von Natur eine gro\u00dfe Wollust im Bezahlen, gleichsam als ob ich eine dr\u00fcckende Last von meinen Schultern und das Zeichen dieser Dienstbarkeit abw\u00fcrfe; ebenso wie mir wohl ums Herz wird, wenn ich eine gerechte Handlung ausrichte und jemandem einen Gefallen tue. Die Zahlungen nehme ich jedoch aus, wobei es zu feilschen und abzudingen gibt; denn, wenn ich niemand zu finden wei\u00df, dem ich solche auftragen kann, so schiebe ich sie sch\u00e4ndlicher- und unbilligerweise so lange auf, als ich nur kann, aus Furcht vor dem Gez\u00e4nke, womit meine Laune und mein Ton der Sprache sich gar nicht vertragen. Ich hasse nichts so arg als dies Dingen; es ist ein blo\u00dfes Gewerbe der Prellerei und der Unversch\u00e4mtheit. Nach einer Stunde Ablassens und Zulegens vergi\u00dft der eine und der andre sein Wort und seinen Schwur um f\u00fcnf Dreier mehr oder weniger. Und wenn ich mit Schaden borgte (denn wenn ich nicht das Herz hatte, jemand m\u00fcndlich anzusprechen, so setzte ich das Gesuch zu Papier, welches nicht eben gro\u00dfen Eindruck zu machen pflegt und das Verweigern sehr erleichtert), nun so legte ich die F\u00fchrung meines Handels viel unbesorgter und freier in die H\u00e4nde eines andern, als ich&#8217;s nachher in meine eigne Klugheit und Vorsichtigkeit getan habe. Die meisten Haush\u00e4lter halten es f\u00fcr etwas sehr Schlimmes, so aufs ungewisse zu leben, und bedenken erstlich nicht, da\u00df der gr\u00f6\u00dfte Haufen der Menschen auf keine andere Art lebt. Wie viele ehrliche M\u00e4nner haben nicht ihr gewisses Einkommen an den Nagel geh\u00e4ngt und tun es noch t\u00e4glich, um den Wind der Gunst des K\u00f6nigs oder des Gl\u00fccks zu suchen? C\u00e4sar steckte sich in Schulden von einer Million Goldes mehr, als sein Verm\u00f6gen betrug, um C\u00e4sar zu werden. Und wie viele Kaufleute beginnen nicht ihr Gewerbe mit dem Verkauf ihres Meierhofes, um das Geld nach Indien zu schicken!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tot per impotentia freta!\u00a0Bei einer so gro\u00dfen D\u00fcrre an Fr\u00f6mmigkeit haben wir tausend und aber tausend Kl\u00f6ster, die ganz gem\u00e4chlich daran sind, ob sie gleich t\u00e4glich von der Freigebigkeit des Himmels erwarten, da\u00df er sie speisen werde. Zweitens, so erw\u00e4gen sie nicht, da\u00df das gewisse Einkommen, worauf sie sich verlassen, nicht viel weniger ungewi\u00df ist als die Ungewi\u00dfheit selbst.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Bei mehr als zweitausend Talern Einkommen sehe ich den Mangel ebenso nahe, als ob er mir schon auf den Versen w\u00e4re. Denn \u00fcberdem, da\u00df das Schicksal Mittel hat, der Armut hundert \u00d6ffnungen durch den Reichtum zu machen, indem oft zwischen dem h\u00f6chsten und niedrigsten Gl\u00fccksstand kein Finger breit Raum ist:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fortuna vitrea est: tum, quum splendet, frangitur. Das Schicksal kann alle unsre Graben und W\u00e4lle, wohinter wir uns sch\u00fctzen wollen, gar leicht zerst\u00f6ren; ich finde, da\u00df der Mangel, aus verschiedenen Ursachen, sich ebenso gew\u00f6hnlich bei solchen Personen einstellt, welche Verm\u00f6gen haben, als bei denen, welche keins haben; und da\u00df er allenfalls noch weniger dr\u00fcckend ist, wo er allein hauset, als wo er sich in Gesellschaft des Reichtums antreffen l\u00e4\u00dft. Reichtum besteht mehr in der Ordnung als in der Einnahme: Faber est suae quisque fortunae.\u00a0Und scheint mir ein Reicher, der zur\u00fcckkommt, in Mangel und Geldverlegenheit ger\u00e4t, viel elender daran zu sein als einer, der geradezu arm ist. In divitiis inopes, quod genus egestatis gravissimum est. Die gr\u00f6\u00dften und reichsten Prinzen werden gew\u00f6hnlich von Mangel und Armut in die \u00e4u\u00dferste Not versetzt. Denn kann eine Not gr\u00f6\u00dfer sein als die, verm\u00f6ge welcher man ein Tyrann wird und ein ungerechter R\u00e4uber der G\u00fcter der Untertanen?<\/p>\n<div class=\"zenoCOAdRight\" style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Meine zweite h\u00e4usliche Epoche war, da ich Geld hatte. Nachdem ich dazu gelangt war, sparte ich sehr bald f\u00fcr meine Umst\u00e4nde einen ansehnlichen Notpfennig zusammen. Denn ich meinte, man habe noch wenig, solange man nicht mehr habe, als die laufenden Ausgaben erfordern, noch da\u00df auf solche Einnahmen zu rechnen st\u00fcnde, die erst k\u00fcnftig fallen, so ausgemacht sie \u00fcbrigens auch sein m\u00f6chten. Denn, sagte ich, wie nun, wenn mir dieser oder jener Zufall \u00fcberk\u00e4me? Und zufolge dieser eiteln und t\u00f6richten, Einbildungen tat ich dann sehr kl\u00fcgliche Vorkehrungen, durch mein unn\u00fctzes Zur\u00fccklegen, gegen alle Zuf\u00e4lle; und konnte auch wohl jemandem, der mir zu Gem\u00fct f\u00fchren wollte, da\u00df die M\u00f6glichkeit der Zuf\u00e4lle ins Unendliche ginge, antworten: wenn&#8217;s dann auch nicht gegen alle zureichte, so w\u00fcrde es doch gegen einige und manche dienen. Dies Sparen ging nun nicht ohne viele Sorgen ab. Ich machte daraus ein Geheimnis, und so dreist ich oft bin, ein langes und breites von mir selbst zu schw\u00e4tzen, so sprach ich doch von meinem Geld nicht anders als im Traum; wie diejenigen tun, welche sich arm tr\u00e4umen, wenn sie reich, und reich, wenn sie arm sind und ihr Gewissen von der Aufrichtigkeit freisprechen sich merken zu lassen, was sie eigentlich haben. Sch\u00e4ndliche und l\u00e4cherliche Vorsichtigkeit! Tat ich eine Reise, so meinte ich niemals Geld genug bei mir zu haben; und mit je mehr Geld ich mich beladen hatte, um so mehr hatte ich meine Furcht vermehrt: bald traute ich der Sicherheit der Heerstra\u00dfen nicht; bald nicht der Treue der Leute, welche mein Gep\u00e4ck f\u00fchrten; und niemals war ich \u00fcber meine Sachen ruhig (und ich kenne andre, denen es nicht besser geht), als wenn ich sie unter meinen eignen Augen hatte! Lie\u00df ich meine Schatulle daheim, was setzte es da nicht f\u00fcr Argwohn und qu\u00e4lendes Mi\u00dftrauen, welches ich, was noch das \u00e4rgste war, mir nicht einmal merken lassen durfte! Nach dieser Seite hingen stets meine Gedanken.\u00a0Alles genau berechnet, kostet es immer mehr M\u00fch und Sorge, Geld zu bewahren als zu erwerben. Wenn ich eben nicht alles das tat, was ich hier sage, so kostete mich&#8217;s doch M\u00fche, es zu unterlassen. Bequemlichkeiten schaffte ich mir davon wenig oder gar keine. Ich konnte nun meine Ausgaben ganz wohl bestreiten, aber sie gingen mir nicht williger aus der Hand. Denn wie Bion sagte, der Dickhaarige nimmt es ebenso \u00fcbel, als der eine Glatze hat, wenn man ihm Haare ausrauft. Und hat man sich einmal dazu gew\u00f6hnt und seinen Sinn auf einen Geldhaufen gesetzt, so steht er nicht mehr zu unserm Dienst; man getraut sich nicht, ihn anzur\u00fchren. Es ist ein Geb\u00e4ude, welches nach unserer Meinung zusammenst\u00fcrzen w\u00fcrde, wenn man nur einen Finger daran legte. Die Not m\u00fc\u00dfte einem an der Kehle packen, um ihn anzubrechen, und vorher versetzte ich meine Kleider und andre Sachen und verkaufte mein Reitpferd und lie\u00df mir&#8217;s weit weniger zu Herzen gehen als damals, wenn ich einen kleinen Griff in diesen Lieblingsbeutel tat, den ich beiseite gelegt hatte. Das Gef\u00e4hrlichste dabei aber war, da\u00df man dieser Sucht schwerlich Grenzen setzen (sie sind immer bei Sachen, die man f\u00fcr gut h\u00e4lt, sehr schwer zu finden!) oder den rechten Punkt im Sparen treffen kann. Man geht stets darauf aus, den Haufen zu vergr\u00f6\u00dfern, man tr\u00e4gt ein S\u00fcmmchen nach dem andern hinzu und versagt sich dar\u00fcber wohl gar, niedertr\u00e4chtigerweise, den Genu\u00df seines eignen Verm\u00f6gens, oder man setzt diesen Genu\u00df darin, ihn zu bewachen, nicht zu benutzen. Nach dieser Art des Genusses zu urteilen, sind die Menschen, welche amtshalber die W\u00e4lle und die Pforten einer beg\u00fcterten Stadt bewachen, die reichsten von der Welt.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Jedermann, der viel bar Geld besitzt, ist nach meiner Meinung geizig. Plato ordnet die leiblichen oder menschlichen G\u00fcter folgender Gestalt: die Gesundheit, die Sch\u00f6nheit, die Leibesst\u00e4rke, den Reichtum; und der Reichtum, sagt er, ist gar nicht blind, sondern sehr hellsehend, wenn er von der Klugheit erleuchtet wird. Dionysius der J\u00fcngere, hatte einen guten Einfall. Man gab ihm Nachricht, da\u00df ein B\u00fcrger seiner Stadt Syrakus einen Schatz in die Erde vergraben habe. Er lie\u00df ihm befehlen, ihm diesen Schatz zu bringen; dies tat der Mann, behielt aber einen Teil davon heimlich f\u00fcr sich, womit er nach einer andern Stadt ging, woselbst er, da ihm die Lust am Sammeln vergangen war, ein gem\u00e4chlicher Leben f\u00fchrte. Als Dionysius davon h\u00f6rte, lie\u00df er ihm das \u00fcbrige seines Schatzes wieder zustellen und sagen: Weil er damit umgehen gelernt h\u00e4tte, so g\u00e4be er ihm solchen gern wieder.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">In diesen Umst\u00e4nden war ich einige Jahre. Ich wei\u00df nicht, welcher gute Geist mich herausri\u00df und mir den ganzen Spartopf, wie Dionysius dem B\u00fcrger von Syrakus, zum freien Gebrauch \u00fcbergab. Das Vergn\u00fcgen einer gewissen Reise, die mit gro\u00dfen Kosten verbunden war, hatte mich diese einf\u00e4ltige Grille unter die F\u00fc\u00dfe treten lassen, wodurch ich in eine dritte Art von Lebensweise verfallen bin (ich spreche nach meinem Gef\u00fchl), die gewi\u00df viel angenehmer und viel ordentlicher ist. Sie besteht darin, da\u00df ich meine Ausgaben mit meiner Einnahme gleich laufen lasse. Zuweilen ist die eine ein wenig voraus, zuweilen die andre; aber so, da\u00df sie sich immer leicht einholen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ich lebe von der Hand in den Mund und bin zufrieden, da\u00df ich so viel habe, als zu meinen gegenw\u00e4rtigen und t\u00e4glichen Bed\u00fcrfnissen erfordert wird. Zu den au\u00dferordentlichen \u2013 ja, da reichen alle Vorr\u00e4te in der Welt nicht zu! Und es w\u00e4re unklug, zu erwarten, da\u00df uns das Gl\u00fcck hinl\u00e4ngliche Waffen gegen sich selbst in die H\u00e4nde geben werde. Wollen wir es bek\u00e4mpfen, so mu\u00df es mit unsern eignen Waffen geschehen. Die zuf\u00e4lligen werden uns entstehen, wenn es zum Treffen kommt. Wenn ich spare, so geschieht es blo\u00df in Hinsicht auf einen nahen Einkauf; und nicht auf einen Ankauf von G\u00fctern, deren ich nicht bedarf, sondern um Vergn\u00fcgen zu kaufen. Non esse cupidum, pecunia est; non esse emacem, vectigal est.\u00a0Ich besorge<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Montaigne-Essays\" name=\"29\"><\/a>\u00a0eben nicht, da\u00df mir&#8217;s am N\u00f6tigen fehle; habe auch keine Begier, es zu vermehren. Divitiarum fructus est in copia, copiam declarat satietas.\u00a0Und es ist mir sehr lieb, da\u00df mir diese Weisung in einem Alter geworden sei, das so nat\u00fcrlich zum Geize geneigt ist; und da\u00df ich mich von einer Torheit befreit finde, wel che dem Alter so gew\u00f6hnlich und zugleich die l\u00e4cherlichste von allen menschlichen Torheiten ist.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Feraules, der beide Gl\u00fcckspunkte durchlaufen war und befunden hatte, da\u00df der Zuwachs an Verm\u00f6gen nicht immer einen Zuwachs an Appetit zum Essen, Trinken und Umarmen mit sich bringe, und der auf der andern Seite die Last des Haushaltens auf seinen Schultern empfunden hatte (so wie&#8217;s auch bei mir geht), entschlo\u00df sich, einen jungen Menschen, der sein Freund, aber arm war und dem Gl\u00fcck nachjagte, gl\u00fccklich zu machen, und machte ihm ein Geschenk von seinem ganzen Verm\u00f6gen, das unerme\u00dflich gro\u00df war, mit dem Zusatz alles dessen sogar, was er noch t\u00e4glich von der Freigebigkeit seines g\u00fctigen Herrn und durch den Krieg erhalten m\u00f6chte; unter der Bedingung, da\u00df er ihn dagegen als einen Freund und Gast ehrlich halten sollte. Sie lebten hernach auf diesem Fu\u00df sehr gl\u00fccklich, und beide gleich zufrieden \u00fcber die Vertauschung ihrer Gl\u00fccksumst\u00e4nde.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Das war einmal ein Handel, den ich herzlich gern nachmachen m\u00f6chte. Und lobe ich mir nicht wenig das Gl\u00fcck eines alten Pr\u00e4laten, von dem ich wei\u00df, da\u00df er sich ganz rein seines S\u00e4ckels und seiner Ausgabe und Einnahme begeben, und zuweilen einem ausgew\u00e4hlten Bedienten, zuweilen einem andern \u00fcbertragen hat; wobei er eine ziemliche Anzahl Jahre hingebracht, ebenso unwissend in dieser Art von Haushaltungsgesch\u00e4ften als ein Fremder.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Das Vertrauen in die Redlichkeit andrer ist kein geringer Beweis von eigner Redlichkeit; und Gott pflegt es gew\u00f6hnlich zu beg\u00fcnstigen; deswegen w\u00fc\u00dfte ich kein Haus,\u00a0das ordentlicher und in allem Betracht w\u00fcrdiger und mit mehr Anstand gef\u00fchrt w\u00fcrde als das Haus dieses Pr\u00e4laten. Gl\u00fccklich derjenige, der nach einem so richtigem Ma\u00dfstab seine Bed\u00fcrfnisse geordnet hat, da\u00df seine Reicht\u00fcmer f\u00fcr seinen Gebrauch und seine Notdurft zureichen und da\u00df ihre Anwendung ihn nicht in seinen \u00fcbrigen Gesch\u00e4ften st\u00f6re, denen er ruhig, mit Anstand und Beifall seines Herzens vorsteht. Wohlstand oder Mangel h\u00e4ngen also ab von der Meinung eines jeden. Und ebenso bringen Reichtum, Gesundheit und Ruhm nur gerade so viel Vergn\u00fcgen und Behagen, als derjenige hineinlegt, der sie besitzt. Jedem ist wohl oder weh, je nachdem er sich darin zu finden wei\u00df. Nicht derjenige ist zufrieden, von dem man es glaubt, sondern derjenige, der es selbst glaubt. Hierin allein gibt sich der Glaube Wesen und Wahrheit.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Das Gl\u00fcck tut uns weder wohl noch \u00fcbel: es gibt uns dazu blo\u00df den Stoff und den Samen, die unsre Seele, die m\u00e4chtiger ist als das Gl\u00fcck, nach ihrem Gefallen bearbeitet und anwendet; denn nur sie allein ist Urheberin und Sch\u00f6pferin ihres gl\u00fccklichen oder ungl\u00fccklichen Befindens. Die \u00e4u\u00dfern Zuf\u00e4lligkeiten neh men Geschmack und Farbe an von der innern Beschaffenheit. So wie die Kleider uns nicht mit ihrer eigenen W\u00e4rme erw\u00e4rmen, sondern mit der unsrigen, welche sie zusammenzuhalten und zu vermehren geschickt sind. (Wer damit einen kalten K\u00f6rper bedeckte, der w\u00fcrde damit der K\u00e4lte eben den Dienst der Vermehrung und Erhaltung tun, denn auf diese Weise erh\u00e4lt man den Schnee und das Eis.) Gewi\u00df, es geht mit allem so zu, wie damit, da\u00df einem Faulen das Studieren eine Plage, dem Trunkenbold die Enthaltung von starken Getr\u00e4nken peinlich, dem Leckermaul eine m\u00e4\u00dfige Mahlzeit eine Strafe und dem Weichling Leibes\u00fcbungen eine Marter ist: So ist es mit allem \u00fcbrigen. Die Dinge sind an und f\u00fcr sich selbst nicht so schwer, so schmerzhaft, sondern unsere Schw\u00e4che und Schlaffheit macht sie dazu. Um \u00fcber gro\u00dfe und erhabene Sachen zu urteilen, wird eine gro\u00dfe erhabene Seele erfordert, sonst leihen wir\u00a0ihnen unsere eigne Kleinheit. Ein <i>gerades<\/i> Ruder scheint im Wasser gebrochen. Es tut&#8217;s nicht allein, die Sachen zu sehen, sondern darauf kommt&#8217;s an, wie man sie ansieht!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Nun aber m\u00f6cht&#8216; ich fragen: Warum, nach so vielen Gr\u00fcnden, wodurch man die Menschen auf so mancherlei Weise \u00fcberredet, den Tod zu verachten und die Schmerzen zu ertragen, wir niemand finden, der beides an unsrer Statt \u00fcbernehmen will? Und warum unter so manchen Gedanken, um solches andern zu \u00fcberreden, nicht ein jeder noch einen f\u00fcr sich selbst hinzuf\u00fcge, der sich f\u00fcr seine Laune schicke? Wenn ein Magen die starke Arznei nicht vertragen kann, die sein \u00dcbel an der Wurzel anzugreifen und vom Grunde aus zu heilen vermag, so gebe man ihm doch wenigstens Lenitive, die ihm Linderung schaffen! Opinio est quaedam effeminata ac levis, nec in dolore magis, quam eadem in voluptate: qua quum liquescimus fluimusque mollitia, apis aculeum sine clamore ferre non possumus &#8230; Totum in eo est, ut tibi imperes.\u00a0<span style=\"letter-spacing: 0.05em;\">\u00dcbrigens hintergeht man die Philosophie dadurch nicht, da\u00df man die Schmerzen \u00fcber alle Ma\u00dfen bitter und der Schw\u00e4che der Menschheit unertr\u00e4glich vorzustellen sucht. Denn man n\u00f6tigt sie dadurch nur zu dieser unwiderlegbaren Antwort: Wenn es unertr\u00e4glich ist, in Not und Elend zu leben, so ist doch wenigstens in Not und Elend zu leben keine Not vorhanden. Niemand ist lange elend als durch seine eigne Schuld. Wer nicht Herz genug hat, weder das Leben noch den Tod zu ertragen, wer weder fliehen noch widerstehen will, was ist f\u00fcr den zu tun?<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-16327 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1-275x300.jpg\" alt=\"\" width=\"275\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1-275x300.jpg 275w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1.jpg 550w\" sizes=\"auto, (max-width: 275px) 100vw, 275px\" \/><\/a><span style=\"color: #888888;\">Anmerkung der Redaktion:<\/span> W\u00fcrde Michel de Montaigne im 21. Jahrhundert leben, so er w\u00e4re wahrscheinlich der beliebteste Blogger. Nicht nur in Frankreich. Wir kommen ihm n\u00e4her, indem wir seine <em>Essais<\/em> lesen. Und zwar Wort f\u00fcr Wort. Oder wir nehmen einen charmanten Umweg und lesen Sarah Bakewells <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/01\/michel-de-montaigne-ein-blogger-aus-dem-16-jahrhundert\/\">Wie soll ich leben?<\/a><\/span>. Dies ist nicht nur der Titel ihrer ungew\u00f6hnlichen Biographie, sondern zeigt zugleicht die Methode an, mit der sich die Autorin dem Denken Montaignes n\u00e4hert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong>Lesen Sie auch einen<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12856\"> KUNO-Beitrag <\/a>zu\u00a0 Gattung des Essays.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Die Menschen (sagt eine alte griechische Sentenz) werden von den Meinungen gequ\u00e4lt, die sie von den Dingen hegen, und nicht von den Dingen selbst. Man h\u00e4tte schon einen gro\u00dfen Schritt zur Erleichterung des menschlichen Elendes gewonnen, wenn man diesem&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/10\/02\/das-gefuehl-fuer-das-gute-und-boese\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":70,"featured_media":98980,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1083],"class_list":["post-78115","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-michel-de-montaigne"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78115","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/70"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78115"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78115\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":99000,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78115\/revisions\/99000"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98980"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78115"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78115"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78115"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}