{"id":78067,"date":"2023-03-21T00:01:37","date_gmt":"2023-03-20T23:01:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=78067"},"modified":"2022-10-30T08:17:27","modified_gmt":"2022-10-30T07:17:27","slug":"langsamer-lesen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/03\/21\/langsamer-lesen\/","title":{"rendered":"langsamer lesen, schneller verstehen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Vorbemerkung der Redaktion:<\/span> Zum <em>Welttag der Poesie<\/em> wurde der 21. M\u00e4rz von der UNESCO ausgerufen. Dieser Tag wird seit 2000 jedes Jahr gefeiert, er soll an \u201edie Vielfalt des Kulturguts Sprache und an die Bedeutung m\u00fcndlicher Traditionen erinnern.\u201c Weiterhin soll ein interkultureller Austausch gef\u00f6rdert werden. Der Gedenktag soll dazu beitragen, dem Bedeutungsverlust der Poesie entgegenzutreten. Im 19. Jahrhundert seien, so der Literaturwissenschaftler Nikolas Immer, 20.000 Lyriksammlungen allein im deutschsprachigen Raum ver\u00f6ffentlicht worden \u2013 eine Zahl, die inzwischen utopisch erscheint.<\/p>\n<div id=\"attachment_44595\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-image-44595 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-caption-text\">KUNO dankt Walter Stonet f\u00fcr die Kooperation<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit 1989 untersucht das Online-Magazin KUNO (<em>Kulturnotizen<\/em>) das Spiel mit Sprecher-, Autorin- und Text-Ich, dass sich an bewussten oder verweigerten Identifikationen abarbeitet. Die Redaktion blieb seither stets in <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/01\/05\/lyrik-als-seismograph-an-der-epochenschwelle\/\">\u00c4quidistanz<\/a><\/em>. Lyrik ist eine Gattung, die zwischen den Zeilen Zeit und Raum gibt, weil diese Leerstellen dann ihrerseits vom Leser Raum und Zeit einfordern. Gedichte dehnen sich aus, wenn man sie liest. Das Abtragen der Schichten, Auff\u00e4chern der Bedeutungsstr\u00e4nge, der Rhythmen und Kl\u00e4nge, der Br\u00fcche und Widerspr\u00fcche, die es, diese K\u00f6nigsdisziplin, in sich tr\u00e4gt. KUNO angemessen abzuschlie\u00dfen, bedeutet vom Ende her zu denken und dieses Online-Magazin als eine Anthologie im Ganzen zu betrachten. Was wir Poesie nennen, ist ein hergestellter Speicher, ein narratives Rhizom, in dem die Bedeutung in Bewegung ger\u00e4t. Sp\u00e4testens seit der Pandemie hat sich eine zunehmende Furcht breitgemacht. Die Furcht davor, sich zu einer Haltung zu bekennen, die nicht mehrheitsf\u00e4hig ist. Die Furcht vor den Ausschl\u00e4gen einer Cancel Culture, die ohne Debatte zum sozialen Ausschluss f\u00fchren. Die Redaktion fasziniert bis heute die Vorstellung, dass eine Kultur durch ihre Wegwerfartikel mehr \u00fcber sich aussagt als durch ihre vermeintlich verehrten Kunstwerke oder politischer Korrektheit. H\u00f6henkamm oder <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Trash<\/a>, wer mag dies im 21. Jahrhundert noch zu unterscheiden?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Lyrik interessiert mich eigentlich nicht. Ich wei\u00df nicht, was mich interessiert. Vielleicht Unverschnarchtheit. Echte Lyrik ist tote Lyrik, egal wie h\u00fcbsch sie daherkommt.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Charles Bukowski<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNOs Intention wird geleitet von dem hermeneutischen Imperativ, das Verstehen sei wesentlich das des Fremden. 1995 betrachteten wir die Lyrik vor dem Hintergrund der Mediengeschichte als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/01\/02\/laboratorium-der-poesie\/\"><em>Laboratorium der Poesie<\/em><\/a>. 2005 vertieften wir die Medienbetrachtung mit dem Schwerpunkt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/01\/02\/transmediale-poesie\/\"><em>Transmediale Poesie<\/em><\/a>. 2015 fragen wir uns in der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/01\/02\/poetologische-positionsbestimmung\/\"><em>Minima poetica<\/em><\/a> wie man mit Elementarteilchen die Gattung Lyrik neu zusammensetzt. Es geht auch bei den folgenden essayistischen Kulturnotizen um die Frage der poetischen Produktion. Es sind neue Textformen entstanden, mit denen die Gesellschaft sich von sich selbst erz\u00e4hlt: Soziale Poetik, Sound\u2013Poetik und Social Reading. Geht das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Kulturleistung <em>Poesie<\/em> verloren, zerf\u00e4llt Gemeinschaft buchst\u00e4blich aufgrund von mangelndem Verst\u00e4ndnis.\u00a0Die Redaktion stellt in diesem Essay Autorinnen und Autoren vor, f\u00fcr die Gedichte andauernde Suchbewegungen nach einer Sprache sind, die der Erkenntnis einen Ausdruck verleiht. Lyrik ist das Wortwerden des Unaussprechbaren. Gedichte bleiben f\u00fcr KUNO eine unendliche Geschichte der literarischen Textformen, die einer neuartigen Perspektive Gestalt verleihen. Es bleibt das ewige Zusammenspiel von Textgestalt und Textgehalt. Auch in der freien Gestalt ist die Form ist nicht beliebig, sondern integraler Teil des Denkens. Das Text\u00e4ussere besitzt damit heuristischen Wert, insofern es zum poetischen Gehalt beitr\u00e4gt. Das Wesen der Poesie l\u00e4sst sich nicht abschlie\u00dfend kl\u00e4ren. Was bleibt, was hat man noch in der Hand und was ist l\u00e4ngst entglitten?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ist Lyrik \u00fcbersetzbar?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unl\u00e4ngst gab es eine Diskussion dar\u00fcber, wer die Gedichte von Amanda Gorman \u00fcbersetzen sollte. Dabei wurde nicht nach Qualifikation gesucht, sondern die Verlag suchten nach einer jungen Aktivistin, im besten Fall schwarz. Was an dieser Diskussion befremdete, war das Faktum, da\u00df diese Frage das eigentliche Problem nicht thematisiert: &#8222;Ist Lyrik \u00fcberhaupt in eine andere Sprache \u00fcbersetzbar?&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Ich stehe ja auf dem Standpunkt &#8222;nichts ist un\u00fcbersetzbar&#8220;. Auch Lyrik nicht. Es kommt auf Sprachgef\u00fchl an, auf einen gro\u00dfen Wortschatz, Flexibilit\u00e4t im Hirn, und man muss \u00fcben \u00fcben \u00fcben. Mit Hautfarbe hat das nichts zu tun.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span class=\"pq6dq46d\" style=\"color: #999999;\"><span class=\"d2edcug0 hpfvmrgz qv66sw1b c1et5uql oi732d6d ik7dh3pa fgxwclzu a8c37x1j keod5gw0 nxhoafnm aigsh9s9 d9wwppkn fe6kdd0r mau55g9w c8b282yb mdeji52x e9vueds3 j5wam9gi lrazzd5p oo9gr5id\" dir=\"auto\">N\u00ed Gudix<\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_75681\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-75681\" class=\"wp-image-75681 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Woon\u2013Jung-Chei.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><p id=\"caption-attachment-75681\" class=\"wp-caption-text\">Woon-Jung Chei, Lyrikerin und \u00dcbersetzerin<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Gegenbeispiel verweisen wir auf die \u00dcbersetzerin durch Woon-Jung Chei und ihre kongeniale \u00dcbertragungen <em>Die Sterne \u00fcber dem Land der V\u00e4ter<\/em> von Ko Un. In diesem Band finden wir Erinnertes und aus Empfindungen Imaginiertes, R\u00fcckblicke bis in die fr\u00fchen Wanderjahre, in die Zeit der ersten Auflehnung gegen das Milit\u00e4rregime nach dem zweiten Weltkrieg und darin eingebettet die Utopie oder besser Hoffnung, es werde der Tag des Festes kommen, der Wiedervereinigung des so lange in S\u00fcd und Nord zerst\u00fcckelten \u203aLandes der V\u00e4ter\u2039. Chei ist auch selbst als Lyrikerin hervorgetreten. Ihre Poesie beeindruckt durch ihre Abkehr von k\u00fcnstlicher Komplexit\u00e4t, sie basiert auf nat\u00fcrlicher Einfachheit. Chei schreibt aus ihrem koreanischen Hintergrund heraus \u00fcber die Freiheit, die Liebe und den Tod. Dabei macht die gegenseitige Befruchtung \u00f6stlicher und westlicher Kultur einen besonderen Reiz ihrer Lyrik aus. In ihren Texten beschreibt Chei die Kultur in Korea als Spiegelbild, aber auch als notwendigen Gegenpol, des Existenzkampfes. Hier kann man lesen, da\u00df die Inhalte wichtiger sind als Identit\u00e4tspolitik.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Lyrik ist nach H\u00f6lderlin der Wunsch, \u201edie eigene Rede des andern\u201c zu verstehen.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_9174\" style=\"width: 132px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Bergmann_1_sw.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9174\" class=\"size-full wp-image-9174\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Bergmann_1_sw.jpg\" alt=\"\" width=\"122\" height=\"182\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9174\" class=\"wp-caption-text\">Ulrich Bergmann, ein jovialer und schalkhafter Grandseigneur<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sch\u00e4tzen beim Online-Magazin <em>Kulturnotizen<\/em> im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/08\/09\/literarische-zeitdiagnostik-zum-werteverfall-der-gesellschaft\/\">Poetenpingpong der Positionen<\/a> die \u00e4sthetische Gegenposition eines Ulrich Bergmann, die meistenfalls hinreichend begr\u00fcndet daherkommt. Er ist ein Gl\u00fccksgeborener. Und damit meint KUNO nicht nur das \u00e4u\u00dferliche Gl\u00fcck, sondern die seelische und psychische und, davon ausgehend, geistige und kulturelle Pr\u00e4disposition und Begabung f\u00fcr Gl\u00fcckswahrnehmungen, die ihn selbst noch die Ironisierungen und Parodien seiner eigenen gl\u00fccksbezogenen Gr\u00f6\u00dfenphantasien als Gl\u00fcck erleben l\u00e4\u00dft. Gegen die Auffassung, da\u00df die Verschmelzung von Gl\u00fcck und Kunst eine vormoderne Vorstellung sei, setzt er seine Modernisierungen des Gl\u00fccksempfindens. Wenn er sein Leben in seinen Texten dialektisch paradox durch Spiel, Theater, Phantasie erweitert, wei\u00df er, da\u00df die ungedachten Gedanken und die unrealisierten Pl\u00e4ne immer besser als die gedachten und gelebten sind und der ideale Text eigentlich Liebesakt, Geburt und Erleuchtung vereint. Sein Werk reicht von intensiven Alltagsbeobachtungen \u00fcber die Wiederbelebung historischer Figuren bis zur reinen Fiktion. Er ist ein Freigeist, ihm gelten nur die Regeln der Syntax, er geht mit k\u00fchler Distanz an allen kunstideologischen Pr\u00e4missen und saisonalen Tendenzen vorbei, ohne sich in der Attit\u00fcde zu verh\u00e4rten. Wir verliehen Ulrich Bergmann f\u00fcr die Reihe \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/01\/27\/der-schreiber-ist-beim-schreiben-allein\/\">Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne &#8230; und Schwerkraft. Gedanken \u00fcber das lyrische Schreiben<\/a>\u201d den KUNO-Lyrikpreis 2016. Dr\u00fcber hinaus sch\u00e4tzt die Redaktion seine redaktionelle Arbeit f\u00fcr den Dichtungsring. Diese Literaturzeitschrift widerlegt die Annahme, das <em>Netzwerk<\/em> sei erst mit dem Internet erfunden worden, es gab jedoch eine Zusammenarbeit von Individuen bereits auf analoger Ebene. KUNO <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25201\">dokumentierte<\/a> den Grenzverkehr im Dreil\u00e4ndereck. Auf KUNO ist die Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/01\/18\/kollegengespraeche\/\"><em>Kollegengespr\u00e4che<\/em><\/a> wieder aufgelebt, daher stellen wir auf KUNO den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/12\/14\/apocalypso\/\">Briefwechsel<\/a> von Ulrich Bergmann mit dem Lyriker HEL n\u00e4her vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die Beweg\u00adlichkeit des Denkens mit einem anti\u00adsyste\u00admatischen Impuls verbinden<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_18268\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/PortaitSophieReyer1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18268\" class=\"wp-image-18268 size-thumbnail\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/PortaitSophieReyer1-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-18268\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Konstantin Reyer<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur Gott, auch die Lyrik ist schon oft f\u00fcr tot erkl\u00e4rt worden. Von der Sporaden-Insel Lesbos, dem kulturellen Zentrum des 7. vorchristlichen Jahrhunderts bis hin in die pannonische Landschaft des 21. Jahrhunderts hat die Lyrik diverse \u00dcberformungen erhalten. Der Weg von Sappho zu Sophie findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=18115\">hier<\/a>. Vielf\u00e4ltig ist das lyrische Werk von Sophie Reyer, da\u00df sich als eine lyrische Entpuppung <em>Im Monat der Seidenraupe darstellt<\/em> und in <em>Baumzyklen<\/em> m\u00fcndet. Einzig der Kraft der Sprache verpflichtet sichten ihre Texte die Natureindr\u00fccke. Der Begriff des Differentiellen und der Geist der Dekonstruktion haben ihr die Augen f\u00fcr bestimmte Schreibstrategien ge\u00f6ffnet. Vertiefend von der Redaktion zur Lekt\u00fcre empfohlen, sei das Kollegengespr\u00e4ch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19055\">:2= Verweisungszeichen zur Twitteratur<\/a>\u00a0von Sophie Reyer und A.J. Weigoni zum Projekt <em>Wortspielhalle<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Der Gruss der Lyriker untereinander sollte sein: \u2039Lass dir Zeit!\u203a<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-99108 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Alles-Weitere-Mu\u0308ndlich.jpg\" alt=\"\" width=\"141\" height=\"200\" \/>Selten gab es so viele viel versprechende Talente in der anspruchsvollen Lyrik wie in diesen Tagen, selten eine so gut ausgebildete Lyrikergeneration. Und dennoch f\u00fchrt Lyrik ein Nischendasein. Die Einladung zu einer <em>Verabredung mit meinem Publikum<\/em> mu\u00df man erst einmal am Anschlag finden. Lyriker schreiben im 21. Jahrhundert Gedichte aus dem einzigen Grund, weil sie es wollen; und der \u201aSinnzerstreuungsbeauftragter im Zeilenkrieg\u2018 Ralph Pordzik wei\u00df, wor\u00fcber er textet. Er zeigt sich darin als denkendes, mitf\u00fchlendes, k\u00fcnstlerisches Subjekt auf Augenh\u00f6he mit seinem Gegenstand. Die meisten in diesem Band versammelten Gedichte bestechen durch die Intensit\u00e4t ihrer Bilder und den R\u00fcckgriff auf unterschiedliche Dichtungstraditionen, die fremde Stimmen und Idiome in einer Sprache konzentrierten Ausdrucks und lyrischer Intensit\u00e4t zu einer inneren Welt ertr\u00e4umter Zusammenh\u00e4nge verdichten. Die Dichter auf die sich Pordzik bezieht sind mehr als nur Vorl\u00e4ufer der Heutigen. Insbesondere auch der Radikalit\u00e4t wegen, mit der sie den Wert eines Gedichts von der Gewichtigkeit seines Sujets schieden und einzig an die Pr\u00e4gnanz der sprachlichen Umsetzung banden. Der Lyriker, wie involviert auch immer, ist der Abstandhalter par excellence. Die unpathetische Rede ohne metrischen Leierkasten geh\u00f6rt inzwischen zum Standard. Die durch Einf\u00fcgung von Dingen aus entlegenen Kontexten und \u00fcberraschende Metaphern erzielte Verfremdung z\u00e4hlt heute als surrealistischer Effekt ebenso zum Grundbestand dichterischer Verfahren wie der Umgang mit hyperbolischen und metonymischen Figuren, Bewusstseinsstrom, pointierte Raffung und profanierter Symbolismus. In ihrem lakonischen Grundton verstehen sich Pordziks Gedichte zugleich als Provokation der klanglich wie stilistisch \u00fcberholten Sprache der Poesie und erweisen sich als eine moderne Praxis des Schreibens, die durch ihre strenge, karge Grazie und ihren kunstvollen Gestus psychologischer Selbst\u00fcberwindung fasziniert. Dieser Lyriker ist ein filigraner Wortmetz, der sich jahrelang als Leser in den H\u00f6hen und Niederungen der Literatur getummelt hat und daran sein eigenes Handwerkszeug sch\u00e4rfen konnte. Seine Gedichte sind Explorationen in die Gelassenheit der Passivit\u00e4tskompetenz. In diesem Band wimmelt es von Philosophien, dazu kommen Wortwitze und Wortspielereien. Genau genommen, ist es ein Wimmelbuch f\u00fcr Sprachverliebte. Es ist gro\u00dfartig, wenn sich Literatur so etwas traut, und es ist gro\u00dfartig, wenn sich ein Verlag traut, solche Literatur zu verlegen. <em>Verabredung mit meinem Publikum<\/em> ist ein von jener intellektuellen und poetischen Eigensinnigkeit, die vom gro\u00dfteilig in Fadheit genormten Gedudel des Gegenwartsliteraturbetriebes mit fataler Zwangsl\u00e4ufigkeit auf einen Au\u00dfenseiterposten verbannt wird. Gelegentlich sollte man Verabredungen ernst nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #808080;\"><em>Poesie hat keinen Gesellschaftsvertrag mit der Wirklichkeit.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #808080;\">Theodor W. Adorno<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Rose-und-Nachtigall_Safiye-Can_Liebesgedichte_Vorwort-Gerhardt-Csejka-Nachwort-Murat-Tuncel-594x1024.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-22072 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Rose-und-Nachtigall_Safiye-Can_Liebesgedichte_Vorwort-Gerhardt-Csejka-Nachwort-Murat-Tuncel-594x1024-174x300.jpg\" alt=\"\" width=\"174\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Rose-und-Nachtigall_Safiye-Can_Liebesgedichte_Vorwort-Gerhardt-Csejka-Nachwort-Murat-Tuncel-594x1024-174x300.jpg 174w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Rose-und-Nachtigall_Safiye-Can_Liebesgedichte_Vorwort-Gerhardt-Csejka-Nachwort-Murat-Tuncel-594x1024.jpg 594w\" sizes=\"auto, (max-width: 174px) 100vw, 174px\" \/><\/a>Folgt man den \u00dcberlegungen der\u00a0Kulturkorrespondentin Sigrid L\u00f6ffler in <em>Die neue Weltliteratur und ihre gro\u00dfen Erz\u00e4hler<\/em>, dann handeln die spannendsten Romane der Gegenwart von Migrationsgeschichten. Dies mag f\u00fcr Liebesgedichte nicht weniger gelten. Safiye Can entdeckt in diesem Erlebnis das Substrat der k\u00fcnstlerischen Kreativit\u00e4t. Die Autorin kn\u00fcpft an die Klassiker der osmanischen Lyrik an, indem sie das Prozesshafte der Bewegungen von einer Sprache in die andere \u00fcberf\u00fchrt und sich die vielf\u00e4ltige Gef\u00fchlswelt aneignet. Solche Prozesse pr\u00e4gen Weise die heutige Weltgesellschaft, die von Migrationsstr\u00f6men im gro\u00dfen Stil geschaffen und neu erfunden wird. Die Literatur spielt in diesem Prozess eine wichtige Rolle. Mit nichts als den Mitteln der Sprache stellt Can immer neue Regeln auf und st\u00fcrzt immer neu alle Regeln und alles schon Gewu\u00dfte um. Dort, wo dies gelingt reicht der Impuls \u00fcber die Sprache hinaus, kommt die richtigstellende Kraft der Dichtung ins Spiel. Diese Lyrikerin transformiert die Wirklichkeit. Die Topografie der neuen Weltliteratur benennt L\u00f6ffler mit dem 1990er Jahre-Passus\u00a0aus der Kunstkritik\u00a0<em>Hybrid<\/em>, weil ihre Erz\u00e4hler zwischen zwei Kulturen leben und aus dieser Spannung ihre neue Identit\u00e4t gewinnen. Die Lyrik von Safiye Can durchschl\u00e4gt die Zeiten und verbindet einander ferne R\u00e4ume, und sie verteidigt dem Sinnlichen und dem Unsinnigen seinen Platz in dieser Welt. Gedichte \u00fcber die Liebe sind schwierig, einerseits praktiziert der Poet die Aufl\u00f6sung der Wirklichkeit im Gedicht, andererseits holt sie aus derselben in selbiges herein. Auf dem schmalen Grat zwischen Euphorie und Traurigkeit wandelnd, gelangen ihr vehemente Weltentw\u00fcrfe aus Spiegelbildern, R\u00e4tseln und Tr\u00e4umen. Es geht dieser Lyrikerin um Sehnsucht und Entt\u00e4uschung, um N\u00e4he und Entfremdung und den Versuch, das Amour\u00f6se zu versprachlichen. Das Sch\u00f6ne an der Poesie wie an der Liebe ist das inh\u00e4rente Versprechen, da\u00df da etwas ist im Leben, das nicht aufgeht, das sich nicht b\u00e4ndigen l\u00e4\u00dft, unaufgel\u00f6st bleibt. Diese Gedichte sind Eigen-Sinnigste Lyrik.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Wie ein Arch\u00e4ologe hebt Holger Benkel Dinge, Gedanken, Zusammenh\u00e4nge, die begraben wurden von der Zeit, ans Licht unserer Tage. Und bel\u00e4sst ihnen dabei doch ihr Geheimnis.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_16636\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Benkel12.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16636\" class=\"wp-image-16636 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Benkel12.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"133\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16636\" class=\"wp-caption-text\">Holger Benkel, ein poetischer Feldforscher<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gespr\u00e4ch mit den Toten ist einen nicht unwesentlicher Aspekt des Dialogischen in der Lyrik von Holger Benkel. Gedichte bedeuten f\u00fcr ihn etwas, das Seamus Heaney so beschreiben hat: \u201cdie Authentizit\u00e4t arch\u00e4ologischer Funde, wobei die vergrabene Tonscherbe nicht weniger z\u00e4hlt als die Ansiedlung; Dichtung als Ausgrabung also, als das Ans-Licht-Holen von Fundst\u00fccken, die am Ende als Pflanzen dastehen.\u201d Es um eine Phantasie, die zugleich frei und verbindlich ist. Ein Naturmystizismus wird beschworen und gleichzeitig dekonstruiert. Zu Benkels Realismus geh\u00f6rt eine feine Sensibilit\u00e4t f\u00fcr mythologische Motive, die tiefer und wahrer sind als die Oberfl\u00e4che der sogenannten Wirklichkeit. Klarheit und Magie sind f\u00fcr diesen Lyriker keine Widerspr\u00fcche. Dieser Lyriker hat ein Gesp\u00fcr f\u00fcr das Unvertraute im Vertrauten, das Unheimliche des Allt\u00e4glichen, das Scheinhafte des Realen. Sein Beharren auf der ehemals kultischen oder liturgische Funktion der Poesie ist wohltuend. Zugleich streicht Benkel das Dilemma aller heutigen dichterischen Bestrebungen hervor. In seinen Augen funktioniert die Verkn\u00fcpfung des Sprachmaterials in der Lyrik wie die Technik des Aufnehmens und Schneidens der Bilder im Film (shots and cuts), wobei das beide Verbindende in der Dichtung wie im Film der Rhythmus ist. Wer das Handwerk der Verskunst aus dem Zusammenhang der kultischen Sinngebung herausrei\u00dft, wird mit dem Geschenk der Freiheit belohnt. Der Aufbruch in eine Freiheit ohne jegliche Verbindlichkeit ist das tr\u00fcgerische Geschenk einer Kultur, die nichts so sehr ersehnt wie Autonomie und Ungebundenheit. Benkel stellt die Fragen nach kultureller und nationaler Identit\u00e4t nicht rhetorisch, sondern als dr\u00e4ngende Suche; auch nach dem Ich. Durch die Originalit\u00e4t seiner Wortfindungen kann er das Prestige des Schamanen und Geisterbeschw\u00f6rers noch verwalten. Man muss sich auf dieses Schreiben einlassen, als buchstabiere man mit Benkel die Welt neu. Dann gehen einem Augen und Ohren auf, und viele Zeilen pr\u00e4gen sich nachhaltig ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">In sich gekehrt, um sich der Welt zu \u00f6ffnen. Lyriker versuchen mit ihren Werken immer wieder den eigenen Geist und die eigenen Gesten, mit der Materie zu verbinden<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Sexo-Cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-13606 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Sexo-Cover.jpg\" alt=\"\" width=\"303\" height=\"303\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Sexo-Cover.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Sexo-Cover-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 303px) 100vw, 303px\" \/><\/a>Manchmal erscheinen B\u00fccher mit einem Titel, bei denen man sich wundert, da\u00df es sie noch nicht gibt. Mit ihren <em>Sexophismen<\/em> meldet sich eine k\u00fchne Stimme in der deutschsprachigen Lyrik zu Wort. Swantje Lichtensteins Verse sind ausdrucksstark; sie zeichnet mit Metaphern Sprachbilder in die Vorstellungen der Leser. Diese erotische Dichtung h\u00e4lt gleichsam die Mittelstellung und fundiert eine Grenze zur \u201eplatten Ansicht\u201c, indem sie nicht nur das Erleben m\u00f6glichst deutlich vorstellen, sondern auch die Zusammenh\u00e4ngen der Erlebenskultur und -tradition erschlie\u00dfbar machen und mit <em>Sexophismen<\/em> kommentieren kann. Das Verh\u00e4ltnis dieser beiden Seiten zueinander ist wesentlich f\u00fcr die Stimmung einer gedichteten Erotik. Lesenswert ist dieser Zyklus nicht nur wegen der souver\u00e4n eingesetzten sprachlichen Mittel, die vom volksliedhaften bis zu einem manchmal recht pathetischen Ton reichen und \u00fcber ein gro\u00dfes Formenspektrum verf\u00fcgen, sondern auch wegen der Anregung zu Mit- und weiterdenken. \u201cEntlang der lebendigen Linie\u201c tastet sich diese Lyrikerin sophistisch zu ihren <em>Sexophismen<\/em>, welche mit sogenannten \u201ePortalen\u201c den Lesern Zugang zum Schreiben der Dichterin und Wissenschaftlerin verschaffen. Lichtenstein l\u00e4\u00dft die deutsche Sprache in der Schwebe, geht ihrem Klang nach, ihrem Rhythmus, bis sich Assoziationsr\u00e4ume \u00f6ffnen. Der Verkapselung, Verdichtung und Verknappung ist es wohl auch zuzuschreiben, da\u00df Lichtensteins Gedichte dunkel, oder hermetisch genannt werden. Man muss sich erst mal in diese Sprache hineinlesen. Dieses Buch ist sperrig, kaum da\u00df man glaubt, den Zyklus im Griff zu haben, verrutschen die Zeilen, man bl\u00e4ttert zur\u00fcck und will es genauer wissen. Die M\u00fche wird durch das Dechiffriersyndikat belohnt. Jede Zeile erzeugt einen neuen Text aus einer alten Leserin, dergestalt bewegt sich Lichtenstein augenzwinkernd zwischen Archaik und Moderne.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Bevor Beat zur Pop-Literatur verniedlicht wurde, war er gef\u00e4hrlich. Beat-Literatur hat ihren Reiz nicht verloren, doch in einer Zeit, da Originalit\u00e4t von der Stange erh\u00e4ltlich ist, muss sie sich schriller pr\u00e4sentieren, um noch Aufmerksamkeit zu wecken.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/engstler_strophen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-12890\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/engstler_strophen.jpg\" alt=\"\" width=\"138\" height=\"210\" \/><\/a>Peter Engstlers Gedichte wenden sich radikal gegen alle gesellschaftlichen Normierungen, gegen den ganzen Literaturbetrieb und dies ausdr\u00fccklich auch orthographisch, provozierend mit einer verwegenen Verkn\u00e4uelung von Hybris und Demut, Tiefsinn und Posse. Seine Lyrik streift das Ephemere von den Momenten und Gelegenheiten, die sich dem dichterischen Zugriff bieten, fast vollst\u00e4ndig ab und f\u00fchrt sie in Augenblicke glasklarer Betrachtung \u00fcber. Ohne R\u00fccksicht auf soziale Rituale und Reglements bricht Engstler verkrustete Strukturen auf. Dieser Autor interessiert sich gleicherma\u00dfen f\u00fcr die Wirklichkeit, die Psyche und das Unbewusstsein, hier sucht er nach der letzten Wahrheit. Seine Texte ent\u00e4u\u00dfern die innere Bewegung und verinnerlichen zugleich das \u00c4u\u00dfere. Schon fr\u00fch hat sich dieser Autor in das Biosph\u00e4renreservat an die Rh\u00f6n zur\u00fcckgezogen. Den vulkanischen Ursprung dieses Gebirgszugs ahnt man ebenso als Bodensatz seines Schreibens, wie die offenen Fernen. Aus diesem Hinterland gelingt ihm ein Transfer der Normalit\u00e4t ins Pathetische. Mitunter nicht ohne ironischen Nebenton, der als kritisches Element in seinem Band \u00bbStrophen eins\u00ab mitschwingt. Es geht in diesem Band um die andere Wirklichkeit, die durch Literatur in die Welt kommt. Diese Lyrik ist kein Selbstzweck, sondern eine klug angelegte, tief gestaffelte Vorrichtung, in der das Publikum auf Wortfelder trifft. Behutsam f\u00e4chert Engstler die Variationen des Blicks auf die Gegenwart auf und l\u00e4dt dazu ein, das eigene Begreifen als vorl\u00e4ufiges, verg\u00e4ngliches zu begreifen. Dies ist ein Buch voller Lebensweisheit, aber es stellt diese Weisheit an keiner Stelle zur Schau. Es geht in \u00bbStrophen eins\u00ab darum, den Lesern das Disparate nahezubringen. Mit einfachen Worten: Es geht um prismatische Wahrnehmung.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Eine Linie nehmen und sie spazieren f\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Klee_Cover.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-63828 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Klee_Cover-190x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Klee_Cover-190x300.jpeg 190w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Klee_Cover-260x412.jpeg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Klee_Cover-160x253.jpeg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Klee_Cover.jpeg 379w\" sizes=\"auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><\/a>Diesen Vorschlag des gro\u00dfen K\u00fcnstlers Paul Klee nimmt die Lyrikerin Joanna Lisiak im wahrsten Sinne w\u00f6rtlich: Sie komponiert Gedichte aus W\u00f6rtern, die Paul Klee in seinen Tageb\u00fcchern, Briefen und anderen Schriften benutzt hat. So entstanden sprachintensive und bildreiche Texte, die dazu einladen, die eigenen Gedanken, Assoziationen und Gef\u00fchle spazieren gehen zu lassen. \u201eDer Humor von Paul Klee und von Joanna Lisiak geben sich ein Stelldichein.\u201c Das lyrische Erwachen, gepaart mit dem Bewu\u00dftsein \u00fcber ihre Liebe zur Sprache stellten sich bei Joanna Lisiak fast zwangsl\u00e4ufig ein. Der sprachlich-kulturelle Umstand ist wahrscheinlich verantwortlich daf\u00fcr, da\u00df diese Autorin um den Wert von Handwerk und Sprache wei\u00df und virtuos, sprachspielerisch, mitunter erfinderisch mit der Sprache umzugehen versteht, jedoch keineswegs eine linguistische Bastlerin ist. Auch das akkurate Hinschauen selbst auf vordergr\u00fcndig gew\u00f6hnliche Vorg\u00e4nge und Gegebenheiten, vermag die Autorin immer wieder auf ungew\u00f6hnliche Weise in neues Licht zu r\u00fccken und ihr eigenes Staunen dar\u00fcber literarisch kundzutun. Bei all dieser funkelnden Vielfl\u00e4chigkeit bleiben Lisiaks Texte stets \u00fcberlegt inszeniert und folgen einer Rhetorik, die einzelne Beobachtungen zur Realit\u00e4t und ihre Idiosynkrasien nur so lange ins Rampenlicht stellt, wie es braucht, um realistisch klare Vorstellungen zu erzeugen, die ins Subjektive kippen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Sprache ist Atem, gef\u00fcllt mit Sinn<\/em><em>.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Serhij Zhadan<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_53963\" style=\"width: 197px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-53963\" class=\"wp-image-53963 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-187x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"187\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-187x300.jpeg 187w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-560x899.jpeg 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-260x417.jpeg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-160x257.jpeg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover.jpeg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-53963\" class=\"wp-caption-text\">Coverphoto: Leonard Billek<span style=\"color: #999999;\"><br \/><\/span><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Redaktion verweist auf einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/04\/13\/was-ist-das\/\">Sprechsteller<\/a>, der von zehn Jahren mit einer poetischen Performance abgetreten ist: &#8222;Dieses <em>Ich<\/em> ist <em>kein<\/em> anderer&#8220;, es ist von Buch zu Buch und zu H\u00f6rbuch: A.J. Weigoni. Das Fr\u00fchwerk <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29355\"><em>Wiederbeatmung<\/em><\/a>, die Trilogie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/02\/16\/letternmusik-ein-blick-zurueck-und-nach-vorn\/\"><em>Letternmusik<\/em><\/a> \u2013 ein lyrisches Polydram in f\u00fcnf Akten, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25468\">Dichterloh<\/a> \u2013 ein Kompositum in vier Akten und\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/02\/18\/evolution-des-alphabets\/\"><em>Schmauchspuren<\/em><\/a> \u2013 eine Todeslitanei, erg\u00e4nzt durch die Langgedichte &amp; Zyklen: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=10444\">Parlandos,<\/a> sind erscheinen in einer limitierten und handsignierten Ausgabe von 100 Exemplaren, erg\u00e4nzt durch das auf vier CDs erweiterte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28660\">H\u00f6rbuch<\/a>. Mit dem Holzschnitt pr\u00e4sentiert <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haimo_Hieronymus\">Haimo Hieronymus<\/a> eine Drucktechnik, er hat ihn auf die jeweiligen Cover der Gedichtb\u00e4nde von Weigoni gestanzt. Bei dieser k\u00fcnstlerischen Gestaltung sind <em>Gebrauchsspuren<\/em> geradezu Voraussetzung. Man kann den Auftrag der Farbe auf dem jeweiligen Cover haptisch nachvollziehen, der Schuber selber ist genietet. Und es gibt keinen Grund diese Handarbeit zu verstecken, die Aura des Handgemachten passt zum Genre der Lyrik wie ein Handschuh. Jeder Band aus dem <em>Schuber<\/em> von A.J. Weigoni ist ein Sammlerobjekt. Und jedes Titelbild ein Kunstwerk. Die Redaktion fasst die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42570\">Stimmen<\/a> zu dieser verlegerischen Gro\u00dftat zusammen. Zuletzt bei KUNO, eine Polemik von A.J. Weigoni \u00fcber den Sinn einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/02\/07\/bartleby\/\">Lesung<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Als Angelika Janz im Rheinland in den 70er Jahren erste Schritte in die Literatur- und Kunstszene unternahm, lehrte in D\u00fcsseldorf Joseph Beuys, in der Kunst wurden nicht die Schlachten des 19. Jahrhunderts geschlagen, sondern zwischen Pop Art und Fluxus wurde im Zukunftslabor gearbeitet.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Michael Gratz<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-98669 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Janz_KommaStrich-300x225.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/>Da\u00df moderne Literatur nicht nur im begrenzten Format eines Buches seinen Platz hat, belegen der Multimediak\u00fcnstler <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12763\">Peter Meilchen<\/a>, der Sprechsteller <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/schwebebahn.htm\">A.J. Weigoni<\/a> oder die visuelle Poetin <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?tag=angelika-janz\">Angelika Janz<\/a> nachdr\u00fccklich. Alle vorgenannten Artisten arbeiten sowohl mehrperspektivisch, als auch interdisziplin\u00e4r. Ein Ansatz, der bei den germanistischen Fliegenschi\u00dfdeutern keine gro\u00dfe Beachtung findet, weil die Rezeption von Literatur im Gegensatz zu der von bildender Kunst gr\u00f6\u00dftenteils im 19. Jahrhundert steckengeblieben ist. Die Literaturtheorie sollte daher im 21. Jahrhundert zu einer dienenden Rolle zur\u00fcckfinden und endlich ihre Unterw\u00fcrfigkeit ablegen. Die Collagen von Angelika Janz bestehen jeweils aus Bildelement und Text. Sie weisen Eigenschaften sowohl von Lyrik (Reime und Assonanzen, aber auch rhythmisierte, oft dipodische Sprache) wie auch von Prosa auf. Es ist ein fortw\u00e4hrendes m\u00e4andern zwischen der visuellen und semantischen Ebene. Der charakteristische Stil in ihren experimentellen Texten zeichnet sich durch Metaphern, Neologismen und Gegens\u00e4tze aus. Janz l\u00e4\u00dft sich nicht auf einen bestimmten Kulturbereich oder Sprachzustand eingrenzen, sie generiert ihre <em>Fragmenttexte<\/em> aus zuf\u00e4lligen Textfundst\u00fccken und setzt so auch das naturalistische Begehren auf \u00fcberraschende Weise fort, der materiale Aspekt l\u00e4sst diese Textfragmente gleichzeitig zu Artefakten der bildenden Kunst werden. Ihre Text-Bild-Collagen wurden in Buchform ver\u00f6ffentlicht, man kann sie in Ausstellungen bewundern, frei flottierend zwischen den Kunstgattungen und jenseits des Schubladendenken. Viele ihrer k\u00fcnstlerischen Werke lassen sich unter dem Oberbegriff Visuelle Poesie einordnen. Diese Art der Poesie kann sich zwar als Kunstform verstehen, mu\u00df es aber nicht. Und damit kann man Janz als Ideen- und Formenlieferant f\u00fcr alle Bereiche der modernen Informations- und Kommunikationsgesellschaft verstehen. Sie kann also auch als sogenannte angewandte K\u00fcnstlerin verstanden werden, wenn ihre Innovationen in die Werbung, in die technischen und elektronischen Medien dringen, ohne f\u00fcrchten zu m\u00fcssen, gegen Poetiken oder \u00c4sthetiken versto\u00dfen zu haben. Diese Wortplastiken beziehen auch den Betrachter selber als Textlieferanten in den Entstehungsprozess ein. Auch die Arbeit an \u201eWortbildern\u201c, die mit Hilfe des PC gestaltet werden, gewinnt an Bedeutung. Janz\u2018 respektlose Art, die Vogelfreiheit des gedruckten Wortes bis zur buchst\u00e4blichen Vereinzelung auszuspielen, signalisiert die Elastizit\u00e4t des respektabel Gedruckten, sie wird zu einem k\u00fcnstlerischen Ausdruck zeitgeistiger Verf\u00fcgbarkeit \u00fcber Lebendiges, Lebloses, Bewegliches und Unbewegliche Aufforderung zur Weiterverarbeitung inbegriffen. Angelika Janz ist eine der nachhaltigsten Vertreterinnen dieser literarischen Richtung in Deutschland.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Man k\u00f6nnte Janz Verfahren als eine \u00e4sthetische Prothetik beschreiben. Sie nimmt vorgefundenen Text zur Grundlage und setzt ihm mit der Schere zu, zerlegt und verst\u00fcmmelt ihn. Nun aber wird er repariert oder besser erg\u00e4nzt. <\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Jan Kuhlbrodt<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gedichte, die sich nicht auf Anhieb nicht eindeutig kategorisieren lassen, wecken seit 1989 das Interesse von KUNO als wir die Lyrik als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/01\/05\/lyrik-als-seismograph-an-der-epochenschwelle\/\">Seismograph an der Epochenschwelle<\/a> erkannten. Das Bildzeichen wird seither zum Sprachzeichen und wenn man die Arbeiten von Angelika Janz betrachtet auch umgekehrt. Sie unterscheidet zwischen Bildgegenst\u00e4nden und Textgegenst\u00e4nden, beide k\u00f6nnen miteinander korrespondieren, m\u00fcssen es aber nicht. Diese Gedichte haben eine Wendung, einen Satz, ein Wort, oder auch nur einen Klang, der sie mit der konventionellen Erfahrungswelt kurzschlie\u00dft, einen Anker, an dem man das Verst\u00e4ndnis des wirklich Neuen vert\u00e4uen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Geblieben ist nur das bewegte Bild einer stufenweise verschwindenden sichtbaren Welt.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">P\u00e9ter N\u00e1das<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-98578 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Wortspielhalle_Cover-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" \/>Gestatten wir uns einen Blick zur\u00fcck nach vorn: Im Jahre 1961 schrieb Marshall McLuhan das Buch <em>The Gutenberg Galaxis: The Making of Typographic Man<\/em>, in dem er den Tod des Buches f\u00fcr die 1980er Jahre vorhersagte. Die typographische Kultur hat die Vielfalt der Sinnesempfindungen in den Hintergrund gedr\u00e4ngt, indem sie die Wahrnehmung visuell homogenisierte. Nach McLuhans Argumentation bewirkte die Durchsetzung des Buchdrucks die Entstehung des Nationalismus, des Dualismus, das Dominieren des Rationalismus, die Automatisierung der wissenschaftlichen Forschung sowie die Vereinheitlichung und Standardisierung der Kulturen und die Entfremdung der Individuen. KUNO warf unl\u00e4ngst einen Blick auf das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/01\/02\/laboratorium-der-poesie\/\">Laboratorium der Poesie<\/a>. Die Redaktion betrachtet die <em>Schnittstellen <\/em>zwischen Literatur und digitalen Medien. KUNO versteht digitale Literatur als Text, der wiederum Text verarbeitet und bearbeitet. Auch die Entstehung eines Gedichtbandes ist inzwischen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/2014\/04\/12\/wortspielhalle\/\">das Ergebnis transmedialer \u00dcbersetzungen<\/a>. Die neuen Vertextungsstrategien lassen einem den Glauben an die alten Gewissheiten verlieren, an die Glaubhaftigkeit der Werte, an die Gewissenhaftigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Schreiben von Gedichten \/ ist \u00dcbersetzen \/ aus einer Sprache \/ die es nicht gibt<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Fabjan Hafner<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner G\u00e4nze sinnt KUNO der Frage dem menschlichen Aspekt schriftlicher, visueler und m\u00fcndlicher \u00dcberlieferung nach. Gedichte liefern dabei eine Positionierung, die Leser erkennen sich selbst und das man der Poesie eine Gestalt geben muss, die als Publikation weit mehr ist, als der individueller Geist. Die Lyrik ist von allen Fesseln befreit, es gibt keine R\u00fcckkehr zum Reim, zum Minnelied oder zur Strophenform der Ode. Seit 1989 ist ein neuer Freiraum in die Literatur eingezogen, wir sehen und h\u00f6ren inzwischen die Gedichte, die wir lesen. Gedichte sind nur ein Hauch mit epiphanischen Momenten. In der Lyrik geschieht etwas, das wie eine Losl\u00f6sung erscheint, als w\u00fcrden Strophen sich vom Wollen derer, die sie schreiben, l\u00f6sen, sich wie ein unruhiger Fluss den eigenen Weg suchen und nicht nur \u00fcberraschende Wendungen, sondern auch Staus, Inseln, Stromschnellen erleben und umgekehrt &#8211; die reflektieren, die ihn produzieren und vielleicht auch die, die sie sp\u00e4ter h\u00f6ren und noch sp\u00e4ter auch lesen. Schreiben ist kontemplative Erinnerungsarbeit, die ein Warnzeichen setzt. Sprache ist nicht nur Werkzeug, sondern eine selbst\u00e4ndige, unabh\u00e4ngige Form der \u00c4sthetik. Die Klangfarben der Worte kann man mit Musik verglichen. Worte sind mehr als definierbare Zeichen, Metaphern und Symbole, sie haben auch einen Klang. Ein Zeile in einem Gedicht klingt manchmal wie ein Akkord. Alle Sinne werden angesprochen. Wie das ausschaut, wie es sich anh\u00f6rt und sich lesen l\u00e4sst, zeigt KUNO in 2024, ein Jahr, in dem sich die Redaktion den Luxus erlaubt, sich ausschlie\u00dflich mit der K\u00f6nigsdisziplin der Literatur zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>\u2026will be continued\u2026<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um den Widerstand gegen die gepolsterte Gegenwartslyrik ein wenig anzufachen schickte Wolfgang Schlott KUNO dieses post-dadaistische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/02\/03\/handwerkliche-anleitungen-zur-ueberwindung-von-schreibblockaden\/\">Manifest<\/a>. Portr\u00e4ts von Lyrikerinnen und Lyrikern finden sich in unserem Online-Archiv, z.B. eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12833\">W\u00fcrdigung<\/a>\u00a0des Herausgebers und Lyrikers Axel Kutsch im Kreise von Autoren aus Metropole und Hinterland. Auf KUNO portr\u00e4tierte Holger Benkel au\u00dferdem die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11282\">Br\u00fcder Grimm<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Ulrich Bergmann<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11284\">A.J. Weigoni<\/a>, er schrieb zur Lyrik von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/04\/18\/heiterer-sarkasmus\/\">HEL<\/a> = Herbert Laschet Toussaint, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/09\/08\/sinnlich-fassbare-kunst\/\">Haimo Hieronymus<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/20\/wohnraeume-der-poesie\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/19\/welten-gegenwelten\/\">Werner Weimar-Mazur<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/02\/09\/ein-behutsamer-charakter\/\">Holger Uske<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/06\/kritischer-optimismus\/\">Joachim Paul<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/06\/26\/wohnraeume-der-poesie-2\/\">Peter Engstler<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/10\/27\/kranich-2\/\">J\u00fcrgen Diehl<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/08\/17\/der-grill-auf-der-hauswiese-der-welt\/\">Linda Vilhj\u00e1lmsd\u00f3ttir<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15179\">Sabine Kunz<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=55005\">Joanna Lisiak<\/a>. Lesen Sie auch eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12773\">W\u00fcrdigung<\/a> von Theo Breuer oder eine Empfehlung der kristallklaren Lyrik von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/19\/die-lyrikerin-ines-hagemeyer\/\">Ines Hagemeyer<\/a>. Last but not least: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grunds\u00e4tze seines Schaffens beschreibt.<\/p>\n<div id=\"attachment_46607\" style=\"width: 1290px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Schuber.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-46607\" class=\"wp-image-46607 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Schuber.jpeg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"854\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Schuber.jpeg 1280w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Schuber-300x200.jpeg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Schuber-768x512.jpeg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Schuber-1024x683.jpeg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-46607\" class=\"wp-caption-text\">Der Schuber wurde handgefertigt von Olaf Grevels (Vorwerk Kartonagen) \u2013 Photo: Jesko Hagen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">In 2017 erschien das lyrische Gesamtwerk von A.J. Weigoni. Jedes Buch aus dem \u201eSchuber\u201c ist ein Sammlerobjekt. Und jedes Titelbild ein Kunstwerk! KUNO fa\u00dft die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42570\">Stimmen<\/a> zu dieser verlegerischen Gro\u00dftat zusammen. Probeh\u00f6ren kann man die Gedichte von A.J. Weigoni in der Reihe Metaphon die <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/schmauchspuren.html\">Schmauchspuren<\/a> und das Monodram <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/senora_nada.htm\">Se\u00f1ora Nada<\/a>. Ebenda der <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/letternmusik.htm\">Remix <\/a>der <em>Letternmusik<\/em>. Das Original kann zum Vergleich <a href=\"http:\/\/www.kulturserver-nrw.de\/home\/reviercast\/cast\/reviercast_054.mp3\">hier<\/a> gegenh\u00f6ren. Und au\u00dferdem die <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/clips\/prae_last7.mp3\">Live-Aufnahme<\/a> der <em>Pr\u00e6gnarien<\/em>. Ein Video von Frank Michaelis und A.J. Weigoni aus der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_xE7BPCey68\">Schwebebahn<\/a> findet sich neben dem <em>Schland<\/em> aus <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SMFU2_5xl-E\">Herdringen<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung der Redaktion: Zum Welttag der Poesie wurde der 21. M\u00e4rz von der UNESCO ausgerufen. Dieser Tag wird seit 2000 jedes Jahr gefeiert, er soll an \u201edie Vielfalt des Kulturguts Sprache und an die Bedeutung m\u00fcndlicher Traditionen erinnern.\u201c Weiterhin soll&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/03\/21\/langsamer-lesen\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":98207,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,794,918,1224,900,143,371,94,1952,924,1803,2350,542,919,2608,921,130,3778,1183,1225,691,2688,394,99,448,866,1973,1953,132],"class_list":["post-78067","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-andre-schinkel","tag-angelika-janz","tag-birgitt-lieberwirth","tag-charles-bukowski","tag-friederike-mayrocker","tag-hel","tag-holger-benkel","tag-holger-uske","tag-jan-kuhlbrodt","tag-joanna-lisiak","tag-linda-vilhjalmsdottir","tag-marshall-mcluhan","tag-michael-gratz","tag-ni-gudix","tag-paul-klee","tag-peter-engstler","tag-peter-nadas","tag-ralph-pordzik","tag-sabine-kunz","tag-safiye-can","tag-serhij-zhadan","tag-sophie-reyer","tag-swantje-lichtenstein","tag-theodor-w-adorno","tag-ulrich-bergmann","tag-walter-stonet","tag-werner-weimar-mazur","tag-woon-jung-chei"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78067","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78067"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78067\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104173,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78067\/revisions\/104173"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98207"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78067"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78067"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78067"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}