{"id":78002,"date":"2023-02-26T00:01:20","date_gmt":"2023-02-25T23:01:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=78002"},"modified":"2022-08-21T12:36:02","modified_gmt":"2022-08-21T10:36:02","slug":"das-nippversum-ein-seitenarm-der-guternberggalaxis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/02\/26\/das-nippversum-ein-seitenarm-der-guternberggalaxis\/","title":{"rendered":"Das Nippversum, ein Seitenarm der Guternberggalaxis"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Herr Nipp, ein entfernter Verwandter von Herrn Keuner und Herrn Karl.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit 1994 betreibt Herr Nipp auf KUNO das einfache, das wahre Abschreiben der Welt, er bewegt sich damit zwischen Ereignis und Reflexion. Bereit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1994\/02\/04\/geschichten-schreiben-oder-andere-texte\/\">die erste Geschichte<\/a> von Herrn Nipp zeigt eine melancholischen, zum Selbstmitleid neigenden Kauz. Auf den ersten Blick l\u00e4sst sich Herr Nipp als typischer Sauerl\u00e4nder, katholisch und freiheitsliebend, als ewiger Raunzer charakterisieren. Als repr\u00e4sentativer Kleingartenb\u00fcrger verk\u00f6rpert er die vox populi. \u00c4u\u00dferlich erscheint Herr Nipp als netter, ehrlicher, aber naiver Kerl mit liebem Blick, doch nach und nach erf\u00e4hrt der Leser, was sich hinter der Fassade der Gem\u00fctlichkeit verbirgt. Auf KUNO meldete er sich ein bis zweimal monatlich etwas neurotisch, aber h\u00f6chst empfindsam zu Wort, und agiert als biederer Alltags-Protagonist durch schluffige short &#8211; manchmal auch very short &#8211; stories. Die Realit\u00e4t funktioniert im Sauerland als Eldorado der Fiktionen, das urspr\u00fcngliche Sprachverst\u00e4ndnis schwankt zwischen den Stadtteilen Neheim und H\u00fcsten zwischen Leichtgl\u00e4ubigkeit und Argwohn. Seine kurzweiligen und zuweilen ironischen bis zynischen Kommentare zum Erleben der Welt nutzt der Autor und K\u00fcnstler\u00a0 normalerweise auf der Internetseite von <a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?page_id=21\">Herrn Nipp<\/a>, um L\u00fccken zwischen den Geschichten und Gedichten zu schlie\u00dfen, welche dort regelm\u00e4\u00dfig ver\u00f6ffentlicht werden. Die argw\u00f6hnische Haltung von Herrn Nipp belegt, da\u00df Misstrauen und Spottlust ein Zeichen von solider Gesundheit sind. Als Westfale kommt Herr Nipp gern von H\u00f6lzchen aufs St\u00f6ckchen und glosiert mitunter entlarvend unsere zivilisatorischen Errungenschaften.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Erz\u00e4hlen ist etwas anderes als Information.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Alexander Kluge<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischen 1994 und 2019 begleitete uns Herr Nipp mit <em>unerh\u00f6rten Geschichten. <\/em>Wie lesen im KUNO-Archiv glossierende Anmerkungen die sich schnoddrig mit dem Zeitgeist auseinandersetzen. Oft wird in diesen Kolportagen ein Konflikt zwischen Ordnung und Chaos beschrieben. Wir lesen sowohl \u00fcberraschendes und unerwartetes, potentiell ungew\u00f6hnliches, das auf ein Geschehen verweist einen sich real ereigneten (oder wenigstens m\u00f6glichen) Ursprung des Erz\u00e4hlten verweist. Herr Nipp geht offenen Auges durch die Welt. Sein Sehen, Besehen und Beobachten ist der Ausgangs- und Angelpunkt. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haimo_Hieronymus\">Haimo Hieronymus<\/a> ist ein Poet, wenn er Holzschnitte erstellt, und ein realistischer Tr\u00e4umer, wenn er in Kooperation mit Herrn Nipp kurze Texte verfa\u00dft. Wie ein Dichter schreibt er nicht, dazu ist er zu n\u00fcchtern und zu lapidar; die Fiktion ist nicht seine Sache, es entstehen auch keine imagin\u00e4ren Welten. Die Wirklichkeit und die Erinnerung sind ihm r\u00e4tselhaft genug. Herr Nipp betreibt das einfache, das wahre Abschreiben der Welt, er bewegt sich damit zwischen Ereignis und Reflexion und n\u00e4hert sich einer Topografie der Melancholie. Und dies auch im Buchformat. Zu einem begehrten Sammlerst\u00fcck hat sich unterdessen die Vorzugsausgabe von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12766\"><em>Die Angst perfekter Schwiegers\u00f6hne<\/em><\/a> (2011) entwickelt. Hieronymus hat das Cover einer limitierten Auflage mit einem Holzschnitt versehen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Wir haben die Kunst, damit wir an der Wahrheit nicht zugrunde gehen.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Friedrich Nietzsche<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Beginn des 21. Jahrhunderts mu\u00df man keinen Falken mehr verzehren, um novellistisch t\u00e4tig zu sein. Dank des Kurznachrichtendienstes Twitter ist <em>Mikroblogging<\/em> eine auflebende Form. Herr Nipp dampft die Gattung der <em>Novellette<\/em> in <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=9294\"><em>Unerh\u00f6rte M\u00f6glichkeiten<\/em><\/a> (2012) zu <em>Twitteratur<\/em> ein. Alle Forderungen der Literaturwissenschaft werden in wenigen W\u00f6rtern eingehalten: Zentraler Konflikt, Leitmotiv oder Dingsymbol, straffe und vorwiegend einlinige Handlungsf\u00fchrung, das pointierte Hervortreten eines H\u00f6he- und Wendepunktes, stark raffender Handlungsbericht, besondere Vorausdeutungs \u2013 oder Integrationstechniken, Zur\u00fccktreten ausf\u00fchrlicher Schilderungen \u00e4u\u00dferer Umst\u00e4nde oder psychischer Zust\u00e4nde, hohes Ma\u00df an Objektivit\u00e4t, doch trotzdem subjektive Erz\u00e4hlhaltung usw. (siehe Metzler Literatur Lexikon, 1984. Seite 308ff).<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>B\u00fccher sind eine \u00b4Ware`, die kein Mindesthaltbarkeitsdatum tragen.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Haimo Hieronymus pr\u00e4sentierte 2017 <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41385\"><em>\u00dcber Heblichkeiten, Floskeln und andere Ausrutscher<\/em><\/a> aus den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41816\">Notizb\u00fcchern<\/a> des Herrn Nipp. Wir finden in diesem Buch sprachliche Floskeln, die noch nicht etabliert sind, unverzeihliche Versprecher und Ausrutscher, die zu sprachlichen Kollateralsch\u00e4den f\u00fchren. Der Gang durch diese Notizen und zur\u00fcck zu fr\u00fche Spracherfahrungen ist ein Abenteuer im Online-Archiv von KUNO. Es geht ihm um eine Nat\u00fcrlichkeit des Blicks, die sich nicht einer Grammatik unterzuordnen hat. Der Leser folgt den Bedeutungen der W\u00f6rter und reimt sich daraus eine Geschichte zusammen. Herr Nipp w\u00e4re fast in einer Vielzahl von intertextuellen Verweisungsbez\u00fcgen verschwunden, dem &#8222;Verschwinden des Autors&#8220; sieht sein Co-Autor jedoch gelassen entgegen. Neben dieser <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur<\/em><\/a> finden sich in schl\u00fcssiger Abfolge einige Zeichnungen und Aquarelle abgebildet.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Mit Herrn Nipp zu einer tieferen Unschl\u00fcssigkeit vorsto\u00dfen.<\/em><\/span><\/p>\r\n<div class=\"page\" title=\"Page 73\">\r\n<div class=\"section\">\r\n<div class=\"layoutArea\">\r\n<div class=\"column\">\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach allen Beobachtungen, die er seit 25 Jahren gemacht hat, sieht er, da\u00df immer wieder die gleichen Prinzipien funktionieren. Zwischen Dichtung und Wahrheit und zwischen zwischen Fakt und Fiktion treffen wir bei Herrn Nipp auf die Fiktionalit\u00e4t der scheinbar nichtfiktionalen Texte. Der Sauerl\u00e4nder macht sich in seinem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/04\/20\/fluffige-literatur\/\">Notizbuch<\/a> tiefsch\u00fcrfende Gedanken und schreibt auf, was sich als geballte Informationen herausstellen sollte. Seine short &#8211; manchmal auch very short &#8211; stories geben nicht das Sichtbare wieder, sie machen sichtbar und zeigen die Oxymora seines Schreibens: Ein Aper\u00e7u erh\u00e4lt Rahmen und Inhalt durch das, was in seiner <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/12\/09\/twitteratur-eine-neue-literaturgattung\/\"><em>Twitteratur<\/em><\/a> vergessen gemacht wird, und so weiter und so fort&#8230;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Ein Rhizom ist als unterirdischer Strang grunds\u00e4tzlich verschieden von grossen und kleinen Wurzeln. Zwiebel- und Knollengew\u00e4chse sind Rhizome. Pflanzen mit grossen und kleinen Wurzeln k\u00f6nnen in ganz anderer Hinsicht rhizomorph sein und man k\u00f6nnte sich fragen ob das Spezifische der Botanik nicht gerade das Rhizomorphe ist\u2026 Das Rhizom selber kann die unterschiedlichsten Formen annehmen von der ver\u00e4stelten Ausbreitung in alle Richtungen an der Oberfl\u00e4che bis zur Verdichtung in Zwiebeln und Knollen.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">(Gilles Deleuze und F\u00e9lix Guattari: <em>Tausend Plateaus<\/em>)<br \/><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In ihrer aktuellen Kollaboration verbinden Stephanie Neuhaus und Haimo Hieronymus Fotographien aus der Natur und aktuelle M\u00e4rchen. Dabei stehen in Neuhaus&#8216; Bildern die Pilze im Fokus. Aus sehr pers\u00f6nlichen Perspektiven fotografiert, wirken die organischen Gebilde wie aus der Zeit gefallen. Was wir als Pilze wahrnehmen, ist eigentlich vergleichbar mit Geschlechtsorganen, der eigentliche Pilz, das Hyphengeflecht, bleibt meistens unsichtbar, vor allem unfassbar. Um so erstaunlicher die Formenvielfalt allerorten. Pilze zerst\u00f6ren und ern\u00e4hren, sie leben in Symbiose oder parsit\u00e4r, sie erzeugen Gifte und Heilmittel und immer wirken sie uns irgendwie fremd. Keine Pflanze. Kein Tier. Heimlich und pr\u00e4chtig. Intelligent und unerbittlich. \u00c4hnlich dem Myzel der Pilze verh\u00e4lt es sich mit M\u00e4rchen. Sie ern\u00e4hren sich aus Hoffnungen und \u00c4ngsten, aus \u00fcberbordenem Leben und stumpfem Tod der Menschen. Sie sind nie hundertprozentig fassbar und wenn jemand glaubt, er habe sie wirklich verstanden, tauchen sie unerwartet in neuem Gewand auf.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Vielleicht ist dieses digitale Zeitalter der optimale N\u00e4hrboden f\u00fcr ein neues Erz\u00e4hlen.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Nipp ver\u00e4ndert die Perspektive auf die Figuren und entdeckt neue Facetten und gelogene Wahrheiten. Es handelt sich bei diesen Flunkereien &#8211; oder sollte man besser von M\u00e4rchenparodien schreiben? &#8211; um sorgf\u00e4ltig komponierte Miniaturen, funkelnde Prosast\u00fcckchen, oft mit einer Pointe oder einer Gedankenbewegung, die gelegentlich auch eine autobiografische Erfahrung aus den finsteren W\u00e4ldern des Sauerlands aufgreift. Bitter und b\u00f6se, verst\u00f6rend manchmal, doch immer aktuell. Er findet hiermit sozusagen eine m\u00f6gliche Quintessenz unserer Zeit.<\/p>\r\n<div class=\"page\" title=\"Page 73\">\r\n<div class=\"section\">\r\n<div class=\"layoutArea\">\r\n<div class=\"column\">\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>In Deutschland bildet das [\u2026] Kleinb\u00fcrgertum die eigentliche Grundlage der bestehenden Zust\u00e4nde.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Karl Marx 1848<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der <em>Spie\u00dfer<\/em> ist fast aus dem Duden gefallen. Zeit f\u00fcr eine Rehabilitation. Die absch\u00e4tzige Bezeichnung \u201eSpie\u00dfer\u201c geht auf die im Mittelalter in der Stadt wohnenden B\u00fcrger zur\u00fcck, die ihre Heimatstadt mit dem Spie\u00df als Waffe verteidigten. Soziologisch unterschieden Spie\u00dfb\u00fcrger sich von den in der Vorstadt wohnenden Pfahlb\u00fcrgern, sie geh\u00f6rten jedoch innerhalb der Stadtgesellschaft zu den eher \u00e4rmeren B\u00fcrgern, da sie bei den st\u00e4dtischen Fu\u00dftruppen ihren Dienst taten, w\u00e4hrend wohlhabendere B\u00fcrger daf\u00fcr S\u00f6ldner bezahlen konnten. Der Spie\u00df als Waffe war schmiedetechnisch relativ g\u00fcnstig herzustellen und zugleich gegen die adligen Ritterheere des Hoch- und Sp\u00e4tmittelalters effizient einzusetzen. Er verhalf B\u00fcrgern und Bauern in den Hussitenkriegen zu gro\u00dfen Siegen in den Schlachten gegen die adlige Kavallerie. Durch die sp\u00e4tere Gleichsetzung der Begriffe Treue und Ehre wurde der Treuebruch zu einem Ehrverlust. Die Bezeichnung \u201eSpie\u00dfb\u00fcrger\u201c war also vor den sogenannten \u201e68\u201c-ern positiv besetzt, da der Dienst zur Verteidigung der Heimatstadt als Ehre angesehen wurde.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Der Begriff <em>Ehre<\/em> verlor wie die Bezeichnung <em>Spie\u00dfer<\/em> den traditionellen moralischen Inhalt.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen Ende des 20. Jahrhunderts geh\u00f6rte es zum guten Ton, alles als fragile Konstruktion von Sprache und Macht zu entlarven. Das ist nicht mehr so. Gerade werden in den sogenannten \u201esozialen Medien\u201c alle Relativierungen von Echtheit und Identit\u00e4t aufgrund einer verschwitzten Authentizit\u00e4t aufgegeben, (selbstverst\u00e4ndlich nicht ohne Beweisphoto!). Herr Nipp aus M\u00f6ppelheim l\u00f6ckt in seinen Zeitgeistst\u00fccken seit 1994 gegen den Stachel. Er untersucht, warum der Adler \u00fcber Arnsberg kreist, in H\u00fcsten die K\u00e4lber stehen, in M\u00fcschede die Eulen rufen, in Herdringen die Kr\u00e4hen kreisen, in Bruchhausen die Enten watscheln und sich in Vo\u00dfwinkel die F\u00fcchse davongeschlichen haben. Sein Panoramablick vom Hochsitz ist gepaart mit scharfer Zeitanalyse, meditativer Betrachtung und feinf\u00fchliger Introspektion, so bringt er das Kunstst\u00fcck zustande, die Provinz als etwas lebenswertes darzustellen. Beim Jagen findet Herr Nipp zur\u00fcck zu seinem urt\u00fcmlichen Wesen. Auf der Kanzel kann er den Kreis zu seinem archaischen Dasein schlie\u00dfen, seinem eingebauten Beuteinstinkt nachgehen und also seine \u00e4lteste Lebensform wiederentdecken. Sein <em>M\u00f6ppel<\/em> wartet stets am Fu\u00df des Hochstands. Ortega y Gasset war \u00fcberzeugt, \u201eda\u00df das Sein des Menschen zuerst darin bestand, da\u00df er J\u00e4ger war\u201c. Orion, der gro\u00dfe J\u00e4ger, ist laut der griechischen Mythologie von der Jagdg\u00f6ttin Artemis in den Himmel versetzt worden.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Was f\u00fcr eine verteufelte Besch\u00e4ftigung ist eigentlich die Jagd?<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Jos\u00e9 Ortega y Gasset<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinem Buch <em>Guppy im Gin<\/em> unternimmt Herr Nipp die teilnehmende Beobachtung seiner selbst. Ein knappes Jahr lang horchte er in sich hinein, ging dem Widerhall der Debatten in sich selbst nach. Diese Gebrauchstexte sind zu trocken, zu sprunghaft f\u00fcr Schw\u00e4rmerei. Keine Waldweisheit, keine Mystifizierung des Waldes als h\u00f6heres Wesen findet sich hier. Erdgebunden geht es dem knorrigen Sauerl\u00e4nder um die gro\u00dfen Fragen, und warum man sie einfach nicht beantworten kann. Es ist eine Form von Wirklichkeitsliteratur, die das Dichterische hinter sich gelassen hat. In seinen ebenerdigen Glossen, Zeitst\u00fcckchen und seiner <em>Twitteratur<\/em> zeigt er auf, wie konstituierend das Kleinb\u00fcrgertum f\u00fcr die Zeit nach der narzistischen Versuchung war. Der Ouerbeetdenker r\u00e4umt in seinen zuweilen essayistischen Betrachtungen grunds\u00e4tzlich mit dem rasenden Fortschritt auf, mit dem Glauben, da\u00df der Mensch kraft seines Intellekts zu den Sachen selbst und so zur absoluten Wahrheit vordringen k\u00f6nne. Weiterleben bedeutet im Sauerland das Leben gelassen aushalten zu k\u00f6nnen. Die daraus entstehende Kraft vermag Herr Nipp zu \u00fcbertragen, in Glossen, Twitteratur und sonstige literarische Selbsterkundungen. Als geduldiger Beobachter steht er stets Abseits, quasi als Spie\u00dfer in Reserve. Aus der Pedanterie seiner Abschweifungen gewinnt er Medizin gegen Melancholie. Nicht mittun, Abstand halten, jede Torheit unter Vorbehalt stellen und bis an die Z\u00e4hne mit Skepsis bewaffnet sein. Er hat das Luhmann\u02bcsche Prinzip der Beobachtung h\u00f6herer Ordnung in seinen Zeitgeistbetrachtungen verarbeitet. Dieser Alltagsmensch l\u00e4\u00dft sich das Heimatgef\u00fchl nicht von selbsternannten Heimatpflegern wegnehmen. Seine &#8211; wenn man so will &#8211; historische Aufgabe ist es, das Kleinb\u00fcrgertum mit einem Spie\u00df vor den Identit\u00e4ren und den sich selbst ernannten Reichsb\u00fcrgern zu bewahren.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">In meinem Film bin ich der Star.<\/span><\/em><br \/><em><span style=\"color: #999999;\">Ich komm&#8216; auch nur alleine klar.<\/span><\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Annette Humpe<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Geschichten vom Herrn Nipp bliebt \u00fcber all die Jahre die Hauptperson selbstverst\u00e4ndlich Herr Nipp, der Fragen von Mitmenschen gestellt bekommt oder Erkl\u00e4rungen abgibt. Er antwortet stets mit Weisheiten, die aus der Seele des Sauerl\u00e4nders stammen k\u00f6nnten. Herr Nipp bleibt ein kritischer Kommentator, der die Handlungen der anderen kritisch beobachtet und der Denkende, der \u00fcber die Handlungen der anderen nachdenkt. Der knorzige Sauerl\u00e4nder zeigt dem Leser Haltungen vor und kommentiert diese Haltungen. Er kommentiert aber nicht immer nur mit Worten, sondern auch damit, dass der seine Gespr\u00e4chspartner mit seinen Worten und Fragen irritiert und manchmal verwirrt. \u00dcber all die Jahr behandelten die Nipp-Geschichten Themen, die immer wiederkehren, es ist daher schwierig, eine allgemeine Interpretation zu erstellen. Vielmehr kann man die einzelnen Geschichten separat deuten und sie m\u00fcssen nicht im Kontext mit anderen Geschichten gesehen werden. F\u00fcr KUNO steht zu hoffen, da\u00df diese eigenschaftslose Figur auch weiterhin als denkender Vermittler in Erscheinung tritt.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<div id=\"attachment_99437\" style=\"width: 207px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-99437\" class=\"wp-image-99437 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2004\/07\/HerrNipp-197x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"197\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-99437\" class=\"wp-caption-text\">Herr Nipp, Holzschnit von Haimo Hieronymus<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong>Zu einem begehrten Sammlerst\u00fcck hat sich die\u00a0Totholzausgabe von Herrn Nipps <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12766\"><em>Die Angst perfekter Schwiegers\u00f6hne<\/em><\/a> entwickelt.\u00a0Au\u00dferdem belegt sein Taschenbuch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=9294\"><em>Unerh\u00f6rte M\u00f6glichkeiten<\/em><\/a>, da\u00df man keinen Falken mehr verzehren muss, um novellistisch t\u00e4tig zu sein. Herr Nipp dampft die Gattung der Novelle konsequent zu <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=899\"><em>Twitteratur<\/em><\/a> ein. Und au\u00dferdem pr\u00e4sentiert Haimo Hieronymus die bibliophile Kostbarkeit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41385\"><em>\u00dcber Heblichkeiten, Floskeln und andere Ausrutscher<\/em><\/a> aus den Notizb\u00fcchern des Herrn Nipp. <span data-offset-key=\"bv319-0-0\">Begleitendes zur Ver\u00f6ffentlichung des Buches <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/12\/04\/fatale-wirkungen\/\"><em>Fatale Wirkungen<\/em><\/a>, von Herrn Nipp (Mit Fotos von Stephanie Neuhaus). <\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192\u00a0<\/strong>Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":69710,\"width\":168,\"height\":256,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:image -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese bibliophile Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Nipp, ein entfernter Verwandter von Herrn Keuner und Herrn Karl. 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