{"id":77937,"date":"2024-02-29T00:01:41","date_gmt":"2024-02-28T23:01:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=77937"},"modified":"2024-02-23T14:58:28","modified_gmt":"2024-02-23T13:58:28","slug":"ueber-das-lyrische-werk-von-a-j-weigoni","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/02\/29\/ueber-das-lyrische-werk-von-a-j-weigoni\/","title":{"rendered":"\u00dcber das lyrische Werk von A.J. Weigoni"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Ein Gedicht entsteht \u00fcberhaupt sehr selten &#8211; ein Gedicht wird gemacht.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Gottfried Benn<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dichtung lebt nicht allein von pl\u00f6tzlicher inspiration, sondern ebenso durch kontinuierliche arbeit. in seinem essay <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/verdichtung.htm\">VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/a> l\u00e4\u00dft weigoni, der betont, da\u00df sprache werkzeug sei, bereits im titel die urspr\u00fcngliche bedeutung des worts poet als verfertiger und macher anklingen. mircea eliade schrieb in <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Schmiede-Alchemisten-Mythos-Magie-Machbarkeit\/dp\/3451041758\">Schmiede und Alchemisten \/ Mythos und Magie der Machbarkeit<\/a>:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDas sanskritische <em>taksh<\/em>, \u201everfertigen\u201c, wird gebraucht, um die Komposition der Ges\u00e4nge im Rig-Veda zu bezeichnen \u2026 das alt-skandinavische <em>lotha-smithr,<\/em> \u201eGesangs-Schmied\u201c, und das deutsche Wort <em>Reimschmied<\/em>, \u201epoetaster\u201c, zeigen noch deutlicher die engen Beziehungen zwischen dem Beruf des Schmiedes und der Kunst des Dichters und des Musikers \u2026 Nach Snorri nannten sich Odin und seine Priester \u201eSchmiede von Liedern\u201c.\u00ab noch zu beginn der neuzeit waren handwerk und (dicht)kunst eng verbunden, siehe <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans_Sachs\">hans sachs<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Seit Jahren beobachte ich die bemerkenswerte Entwicklung des Multimediak\u00fcnstlers A.J. Weigoni. Zu seinen besonderen Kennzeichen geh\u00f6rt die Wachheit f\u00fcr die Entwicklung zeitgen\u00f6ssischer Kommunikationstechnologie, deren Nutzung und der spielerisch-experimentelle Umgang mit allen erdenklichen Ausdrucks- und Kommunikations- und Vertriebsformen. Er akzeptiert keine vorgegebenen Kategorien medialer Produktionen, sondern sprengt unbek\u00fcmmert deren Grenzen.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Almuth Keusen\u2013Hickl<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">im altertum verglich man das dichten mit der webkunst. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marcus_Terentius_Varro\">marcus terentius varro<\/a> sprach vom <em>flechten der verse<\/em>. auch kirchenslawisch und arabisch gab es die tradition des verseflechtens. in der dichtung der veden wurde die zungenspitze des dichters, der sein gedicht rezitiert, mit einem weberschiffchen verglichen. im althochdeutschen waren spinnen und weben synonyme f\u00fcr dichten. bei <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Novalis\">novalis<\/a> webt die fabel geschichten. der text ist das gewebe der w\u00f6rter, der sprache und der schrift. verwandt mit text sind lateinisch texere=weben, flechten, zusammenf\u00fcgen, verfertigen, bauen, errichten, eigentlich kunstvoll verfertigen, textus=gewebe, geflecht, zusammenhang der rede, fortlaufende darstellung, gewebe der schrift, text\u016bra=das weben, gewebe, zusammenf\u00fcgung, verbindung, textor=weber und textile=gewebe, zeug, tuch, leinwand.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Schreiben ist eine Wiederaneignung der Welt.<\/em><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_105233\" style=\"width: 293px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-105233\" class=\"wp-image-105233 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/A_J_Weigoni.jpg\" alt=\"\" width=\"283\" height=\"213\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/A_J_Weigoni.jpg 283w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/A_J_Weigoni-160x120.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 283px) 100vw, 283px\" \/><p id=\"caption-attachment-105233\" class=\"wp-caption-text\">A.J. Weigoni und Frank Michaelis bei einer poetischen Performance<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;M\u00f6glicherweise liegt darin der Sinn von Poesie, zu beschw\u00f6ren, was abhanden gekommen ist oder was wir erforschen wollen. Schreiben ist, so besehen, eine Art Wiederaneignung der Welt.&#8220; man k\u00f6nnte auch sagen, poesie entstehe durch wiedergeburten. und tats\u00e4chlich mu\u00df sich ja der mensch, und zumal der kreative und geistige, st\u00e4ndig selbst geb\u00e4ren. bei philosophen, mystikern, dichtern und k\u00fcnstlern ist das motiv der geistigen, literarischen und k\u00fcnstlerischen (selbst)geburt oft mit dem der auferstehung verbunden, die jedes origin\u00e4re werk verlangt. c.g. jung schrieb in <a href=\"http:\/\/www.patmos.de\/band-5-symbole-der-wandlung-p-7761.html\">Symbole der Wandlung<\/a>: \u00bbDie Vertiefung in sich selbst (<em>Introversion<\/em>) ist ein Eingehen in das Unbewusste und zugleich Askese. Aus dieser Handlung entsteht f\u00fcr die Philosophie der Br\u00e2hmanas die Welt, f\u00fcr die Mystiker die Erneuerung und geistige Wiedergeburt des Individuums, das in eine neue geistige Welt geboren wird.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Die \u201eLyrikedition 2000\u201c wird von Heinz Ludwig Arnold herausgegeben. Neben Walter H\u00f6llerer und G\u00fcnter Kunert steht die Nobelpreistr\u00e4gerin Elfriede Jelinek im Programm. Neuere Lyriker, wie Ulrike Draesner, Bj\u00f6rn Kuhligk und A.J. Weigoni, f\u00fchren den Leser in die Gegenwart.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/CoverD.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-11307\" title=\"CoverD\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/CoverD-189x300.jpg\" alt=\"\" width=\"189\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/CoverD-189x300.jpg 189w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/CoverD.jpg 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px\" \/><\/a>weigoni verbindet das profane mit metaphysischem, um heimzukommen \u00bbin die Ewigkeit der Gegenwart\u00ab (<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=1232\">Start up<\/a> in <a href=\"http:\/\/www.allitera.de\/Weigoni,+A.J.%3ADichterloh_Lyrikedition+2000_3-86520-091-5_t.html\">Dichterloh<\/a>) und eine gegenwart zu \u00fcberwinden, die blo\u00df der hauswart der wirklichkeit ist. \u00bbGesucht wird ein Mythos \u2013 zu finden sind viele einzelne Gedichte.\u00ab (<a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/verdichtung.htm\">VerDichtung<\/a>). immerhin kann dichtung magische substanz individuell bewahren, w\u00e4hrend die kollektive magie zerf\u00e4llt und verflacht. so erh\u00e4lt das entfremdete individuum, die zentrale ich-figur moderner lyrik, manches, das sonst verloren geht, noch am leben, wenngleich vom rande der gesellschaft her. nicht zuletzt deshalb hat der schreibproze\u00df auch einen therapeutischen sinn. \u00bbNur wenn man ein Talent auslebt \/ kann man die Narben sch\u00fctzen.\u00ab hei\u00dft es in <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/unbehaust01.htm\">Unbehaust<\/a>, \u00bbEinsamkeit ist auch nur eine Form \/ vor sich selbst zu fl\u00fcchten.\u00ab in <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/dichterloh.htm\">Dichterloh<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">literaturmarkt und literaturbetrieb begegnet weigoni mit distanz. in den<\/span> <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/verweisungszeichen.pdf\"><span style=\"color: #ff0000;\">Verweisungszeichen zur Poesie <\/span><\/a><span style=\"color: #808080;\">und<\/span> <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/verdichtung.htm\"><span style=\"color: #ff0000;\">VerDichtung<\/span><\/a> <span style=\"color: #999999;\">konstatiert er:<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie heutige Marktliteratur ist realistisch, optimistisch, fr\u00f6hlich, sexy und didaktisch \u2026 Die meisten SchriftstellerInnen haben die k\u00fcnstlerische Kontrolle \u00fcber die Resultate ihrer Arbeit verloren und lassen sich vermarkten \u2026\u00a0 Vom utopischen Surplus der Literatur bleibt nicht mehr viel. Statt dieses Mehrwerts liefert die Literatur das, was den Waren zu mehr Wert verhilft \u2026 Die Zielgruppe ist an die Stelle der \u00d6ffentlichkeit getreten.\u00ab, und gibt zu <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/verdichtung.htm\">bedenken<\/a>: \u00bbDas Bed\u00fcrfnis nach Subjektwerdung kann niemals wirklich durch den personalisierten Konsum standardisierter symbolischer G\u00fcter gedeckt werden \u2026 Als Notwehr dagegen bleibt, eine <em>VerDichtung<\/em> zu betreiben, ohne sich Illusionen \u00fcber Kommerzialit\u00e4t und Zeitgeist-Kompatibilit\u00e4t zu machen \u2026 Gedichte m\u00fcssen aus Not und Notwendigkeit entstehen und nicht als Gesch\u00e4ftsgrundlage. Lyrik ist eine Kunstdisziplin, die ihren Weg von unten nach oben antreten muss.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>A.J. Weigoni ist en voc schlechthin, er versagt sich die Koketterie durchgehender Authentizit\u00e4t in einer Zeit der Explosion des Bedeutungslosen ebenso wie die Einkehr in die plane Verst\u00e4ndlichkeit der Selbstvergewisserung. Er zeichnet den Diskurs der schweifenden ortlos gewordenen Raubritter der Wahrnehmung in einer verbleiten Szenerie.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Dieter Wieczorek<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wenigstens in einigen bereichen der gesellschaft, und dazu geh\u00f6ren kultur, bildung, medien, kinderbetreuung, gesundheitswesen und sport, sollten geldmechanismen, mit denen der ideelle wert einer arbeit nur unzureichend erfa\u00dft wird, nicht bestimmen, da sie sonst verwerfungen anrichten und unrecht verursachen. denn nat\u00fcrlich besch\u00e4digt und deformiert die geldgelenkte verwertung literatur und k\u00fcnste. wo die kunst zum nur noch kommerziellen faktor wird, entsteht h\u00e4ufig eher kunstgewerbe. auch der literaturbetrieb ger\u00e4t so leicht zur blo\u00dfen begleitmusik einer strukturellen entwertung der eigentlichen literatur. wenn es allein um die popularit\u00e4t beim publikum ginge, w\u00e4ren iffland und kotzebue die wichtigsten dramatiker der <em>Goethe-Zeit<\/em> gewesen, die man dann besser <em>Iffland-\u00c4ra<\/em> oder <em>Kotzebue-Epoche<\/em>nennen sollte.<\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Die Jaynes\u2019sche These aus den 1970er-Jahren von der \u201cSprache als Wahrnehmungsorgan\u201d findet in Weigonis<\/em><\/span> <span style=\"color: #ff0000;\"><em><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/verdichtung.htm\">Essay<\/a><\/em><\/span><span style=\"color: #999999;\"><em> eine neue Entsprechung.<\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #999999;\">Joachim Paul<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">literarische oder k\u00fcnstlerische wirkungen und erfolge basieren ohnehin h\u00e4ufig auf projektionen, illusionen, mi\u00dfverst\u00e4ndnissen, irrt\u00fcmern, inszenierungen, manipulationen, vereinnahmungen und mi\u00dfbr\u00e4uchen. denn die motivationen, antriebe, ambitionen und intentionen im schreibproze\u00df, die der k\u00fcnstlerische autor selber bewu\u00dft oft gar nicht wahrnimmt oder nicht einmal kennt, und die erwartungen der leser, das sind zwei v\u00f6llig verschiedene wirklichkeiten. manche k\u00f6nnen die produkte der literatur interpretieren, die spezifik ihrer entstehung verstehen schon viel weniger und eigentlich blo\u00df winzige minderheiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">unterm diktat der geldherrschaft verliert die literatur an gesellschaftlichem wert. \u00bbEine Waare mag das Produkt der komplicirtesten Arbeit sein, ihr <em>Werth<\/em> setzt sie dem Produkt einfacher Arbeit gleich und stellt daher selber nur ein bestimmtes Quantum einfacher Arbeit dar.\u00ab schrieb karl marx in <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Kapital-Kritik-politischen-%C3%96konomie-Produktionsprozess\/dp\/3320002627\">Das Kapital. Kritik der politischen Oekonomie<\/a>, und: \u00bbAls Gebrauchswerthe sind die Waaren vor allem verschiedner Qualit\u00e4t, als Tauschwerthe k\u00f6nnen sie nur verschiedner Quantit\u00e4t sein, enthalten also kein Atom Gebrauchswerth.\u00ab gedichte anbieten ist wie mit spielgeld einkaufen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Weigoni zieht die Sprache aus, rei\u00dft ihr die Verkleidungen herunter, sch\u00e4lt sie aus ihren Klischees heraus, f\u00fchrt sie zum Ursprung ihrer Bedeutung zur\u00fcck\u2026 die nackte Sch\u00f6nheit der Worte, z\u00e4rtlich und zornig, stark und klar, bet\u00f6rend und begehrenswert. Sich darin zu verlieren. Zu verlieben. Und vielleicht wiederzufinden, wer wei\u00df\u2026 in einer Wirklichkeit \u2013 mehrdimensional und auf verschiedenen Ebenen erf\u00fchlbar\u2026 bei erh\u00f6hter Temperatur!<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Patricia Brooks<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">selbst wenn man sich anschaut, aus welchen gr\u00fcnden lyrik anderswo noch einen h\u00f6heren \u00f6ffentlichen wert besitzt, findet man daf\u00fcr \u00fcberwiegend au\u00dferliterarische gr\u00fcnde. slawische v\u00f6lker sch\u00e4tzen dichter traditionell, indem sie ihnen als seher und priester sowie lebensweise weltdeuter und ratgeber erscheinen, islamische kulturen, da viele ihrer lyriker mystiker waren und damit religiosit\u00e4t stifteten, trotz des anf\u00e4nglichen mi\u00dftrauens mohammeds dichtern gegen\u00fcber, lateinamerikanische v\u00f6lker, weil dort schriftsteller zwischen tradition und moderne vermitteln und \u00f6fter politische oder soziale aktivisten sind. in nordeuropa, wo regierungen teilweise verdienstvollen autoren lebensstipendien verleihen, gewinnt die literatur ihre wertsch\u00e4tzung nicht zuletzt durch ihre bedeutung f\u00fcr die nationale identit\u00e4t dieser l\u00e4nder. \u00f6sterreich f\u00f6rdert seine kultur unter anderem, da diese, zumindest unbewu\u00dft und indirekt, an die weltmacht der monarchie erinnert, wovon sie praktisch allein \u00fcbrigblieb. kleinere v\u00f6lker sch\u00e4tzen ihre kulturen, die gegenw\u00e4rtigen wie die \u00fcberlieferten, insgesamt mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Fest steht, da\u00df Originalit\u00e4t (au\u00dfer bei besonders kraftvollen Geistern) keineswegs, wie manche meinen, eine Sache des Instinkts oder der Intuition ist. Im allgemeinen l\u00e4\u00dft sie sich nur durch m\u00fchseliges Suchen finden, und sie verlangt, wenngleich von h\u00f6chstem positivem Wert, f\u00fcr ihre Verwirklichung doch weniger Einfall als Auswahl.<\/span><\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_11320\" class=\"wp-caption alignright\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/220px-Edgar_Allan_Poe_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11320\" title=\"220px-Edgar_Allan_Poe_2\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/220px-Edgar_Allan_Poe_2.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"275\" aria-describedby=\"caption-attachment-11320\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-11320\" class=\"wp-caption-text\">Edgar Allan Poe 1848 (Daguerreotypie)<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">edgar allan poe, der ausgepr\u00e4gte wirkungs\u00e4sthetische strategien hatte, stellte die idealistischen motivationen der literatur infrage. etwa schrieb er in <a href=\"http:\/\/www.matoni.de\/dichtk\/poeint1.htm\">Die Methode der Komposition<\/a>: \u00bbFest steht, da\u00df Originalit\u00e4t (au\u00dfer bei besonders kraftvollen Geistern) keineswegs, wie manche meinen, eine Sache des Instinkts oder der Intuition ist. Im allgemeinen l\u00e4\u00dft sie sich nur durch m\u00fchseliges Suchen finden, und sie verlangt, wenngleich von h\u00f6chstem positivem Wert, f\u00fcr ihre Verwirklichung doch weniger Einfall als Auswahl.\u00ab, und: \u00bbDie meisten Verfasser \u2013 insbesondere die Poeten \u2013 m\u00f6chten gern so verstanden sein, als arbeiteten sie in einer Art holden Wahnsinns \u2013 einer ekstatischen Intuition \u2013, und sie w\u00fcrden entschieden davor zur\u00fcckschaudern, die \u00d6ffentlichkeit einen Blick hinter die Kulissen tun zu lassen: auf die verschlungene und unschl\u00fcssige Unfertigkeit des Denkens \u2013 auf die erst im letzten Augenblick begriffene wahre Absicht \u2013 auf die unz\u00e4hligen fl\u00fcchtigen Gedanken, die nicht zu voller Erkenntnis reiften \u2013 auf die ausgereiften Ideen, die verzweifelt als nicht darstellbar verworfen werden \u2013 auf die vorsichtige Auswahl und Ablehnung \u2013 auf das m\u00fchsame Streichen und Einf\u00fcgen \u2013 kurz, auf die R\u00e4der und Getriebe \u2013 die Maschinerie f\u00fcr den Kulissenwechsel \u2013 die Trittleitern und Versenkungen \u2013 den Kopfputz, die rote Farbe und die schwarzen Flecken, die in neunundneunzig von hundert F\u00e4llen die Requisiten des literarischen <em>Histrionen<\/em>ausmachen.\u00abwas kunst und literatur, die keine modelle f\u00fcr die gesellschaft sein k\u00f6nnen, anregt, indem es kreative energien freisetzt, kann zugleich sozial verheerend wirken. eine lebensreal inszenierte phantasiewelt w\u00e4re barbarisch. bliebe das leben nicht hinter der kreativen konsequenz der kunst zur\u00fcck, die stra\u00dfen w\u00e4ren gepflastert mit knochen. \u00bbK\u00f6nnen Sie sich das unvergleichbare Chaos vorstellen, das zehntausend absolut einzigartige Wesen anrichten?\u00ab fragte paul val\u00e9ry in <a href=\"http:\/\/faustkultur.de\/kategorie\/literatur\/buchkritik-monsieur-teste-.html#.UOh1kBwU64A\">Monsieur Teste<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Seit nunmehr vier Jahrzehnten verfolgt Weigoni seine literarischen Investigationen. \u00dcber verschiedene Formate<\/span> \u2013 <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=63\">H\u00f6rspiel<\/a>, <a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=506\">Roman<\/a>,<\/span> <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=395\">Gedicht<\/a><\/span> \u2013 t<span style=\"color: #999999;\">anzt seine Poesie und seine Beobachtungen weben ein Netz zwischen diversen Genres.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Sabine Hoffman<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">weigoni l\u00e4\u00dft sich von desillusionierungen, die entstehen, wenn er mit einer\u00a0massenhaften reproduktion plakativer ideen und <em>Inkompetenzkompensationskompetenz<\/em> (\u201aDehumanisierungsprozess\u2018 in <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/dichterloh.htm\">Dichterloh<\/a>) konfrontiert wird, \u00bbMeine Mitmenschen haben sich \/ einer Sprachschulung unterworfen \/ die darin bef\u00e4higt \/ Fragen wortreich unbeantwortet zu lassen.\u00ab (<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=10467\">Unbehaust<\/a>), die hoffnungen, ernst bloch hatte darauf verwiesen, da\u00df hoffnung nicht zuversicht sei, auf einen lebbaren eigenst\u00e4ndigen wert der literatur, die er als motivation braucht, nicht zerst\u00f6ren, zumal die sprache, die ihm in ihren tiefen und nuancen halt gibt, seine eigentliche heimat ist. \u00bbDie in den Wettern von \u00d6konomie und Politik ungesicherte Existenz scheint im sprachlichen Ausdruck einen Halt zu suchen, den sie andernorts schon lange nicht mehr vermutet.\u00ab, die sehnsucht inbegriffen \u00bbnach dem, was fehlt: Bedeutung, Hunger nach Sinn, Sinngebung\u00ab (briefzitat weigoni). seine texte haben, neben aller analyse, die sie zugleich bieten, oft einen theoretischen, programmatischen, postulierenden ansatz. postulate kompensieren h\u00e4ufig reale erfahrungen. und sie enthalten utopische substanz, indem sie auf uneingel\u00f6stes und unerf\u00fclltes verweisen. andererseits kennt er nat\u00fcrlich die gefahren des theoretisierens und postulierens und reflektiert kritisch seine eigenen ideen, ist also sozusagen ein theorieskeptischer theoretiker.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Durch Sprache zur Welt finden und durch das Buchstabieren der Welt zur Sprache.<\/em><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_19906\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/kuenstlerbuch_unbehaust1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19906\" class=\"wp-image-19906 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/kuenstlerbuch_unbehaust1.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"275\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19906\" class=\"wp-caption-text\">Holzschnitt von Haimo Hieronymus f\u00fcr das K\u00fcnstlerbuch \u201eUnbehaust\u201c<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">weigoni wird vollauf zu recht als sprachakrobat und wortk\u00fcnstler bezeichnet. \u00bbDurch Sprache zur Welt finden und durch das Buchstabieren der Welt zur Sprache.\u00ab hei\u00dft es in <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=10472\">Unbehaust<\/a>, \u00bbEs beginnt immer mit einem Wort.\u00ab und \u00bbSprache schafft Realit\u00e4t, mit Worten und durch Worte konstruieren wir Welt.\u00ab in <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/verdichtung.htm\">VerDichtung<\/a>. angestrebt ist eine \u00bbVerschr\u00e4nkung von Schriftlichkeit, Bildlichkeit und Tonalit\u00e4t\u00ab. der autor, der sich mit sprachtechniken von arno schmidt besch\u00e4ftigt hat, was man etwa in <a href=\"http:\/\/www.lyrikwelt.de\/rezensionen\/letternmusik-r.htm\">Letternmusik<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.lyrikwelt.de\/rezensionen\/dichterloh-r.htm\">Dichterloh<\/a> merkt, erweitert durch die komposition der worte, die musikalischen prinzipien folgt, und mit verfremdungen im wortmaterial seiner kodierten und entkodierenden texte, das er permanent umformt und zu dem auch umgangssprache, redensarten, dialekt und wissenschaftsvokabular geh\u00f6ren, das spektrum des sprachlichen ausdrucks. indem er, neben rhythmen und lautmalereien, sprachliche schichtungen, brechungen und ambivalenzen, inbegriffen ironisierungen, parodien und\u00a0 persiflagen, nutzt und schafft, k\u00f6nnen sich verschiedene sprachebenen ber\u00fchren und verbinden sowie gegenseitig kommentieren und relativieren. derart spielt er auch mit rastern und facetten der verst\u00e4ndigung.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Jede Schrift und jedes Sprechen ist immer mehrdeutig und offen, weil sprachliche Zeichen sich nicht in ihrer konkreten Bezeichnungsfunktion ersch\u00f6pfen, sondern untereinander kommunizieren.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">jean paul sartre sprach vom bedeutungshumus der sprache. literatur wird so zum sprachlabor. franz\u00f6sisch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/\">labour<\/a> hei\u00dft pfl\u00fcgen und ackern, labourer (um)pfl\u00fcgen, ackern, aufw\u00fchlen. laboratorium bedeutete mittellateinisch werkraum, werkstatt, deutsch sp\u00e4ter destillierstube, alchemistenk\u00fcche. manche gedichte, die schrift, zeichnung und metapher, die \u00fcbers sichtbare hinausweist, ineinander \u00fcbergehen lassen, n\u00e4hern sich grafischen formen. zudem verraten die texte ein vertrautsein mit filmischen techniken und besonders denen des <a href=\"http:\/\/www.buecher-wiki.de\/index.php\/BuecherWiki\/LiteraturClips\">filmschnitts<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Wie die B\u00e4ume mit ihren Bl\u00e4ttern zur Jahresneige sich wandeln, ihre ersten abfallen, so sterben auch Wortveteranen, so bl\u00fchen eben geborene W\u00f6rter und sind kr\u00e4ftig wie J\u00fcnglinge<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/150px-Quintus_Horatius_Flaccus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11328 alignright\" title=\"150px-Quintus_Horatius_Flaccus\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/150px-Quintus_Horatius_Flaccus.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"297\" \/><\/a>horaz schrieb in <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Gottsched,+Johann+Christoph\/Theoretische+Schriften\/Versuch+einer+critischen+Dichtkunst\/Horaz+von+der+Dichtkunst\">\u00dcber die Dichtkunst<\/a>: \u00bbWie die B\u00e4ume mit ihren Bl\u00e4ttern zur Jahresneige sich wandeln, ihre ersten abfallen, so sterben auch Wortveteranen, so bl\u00fchen eben geborene W\u00f6rter und sind kr\u00e4ftig wie J\u00fcnglinge. Wir schulden dem Tode uns und das Unsre \u2026 Menschenwerk wird vergehen, Geltung und Ansehn der W\u00f6rter, wie k\u00f6nnten <em>sie<\/em> ewig leben! So werden viele l\u00e4ngst schon untergegangene W\u00f6rter von neuem geboren, es werden vergehn, die heute gesch\u00e4tzt sind, falls es der Sprachgebrauch will.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">viele techniken der dichtung, selbst manche, die wir der moderne zuordnen, sind jahrtausende alt. beispielsweise enthielten religi\u00f6se und magische rituale vielfach sprachakustische elemente. auch mystiker verschiedener religionen, so j\u00fcdische und islamische, kannten buchstabenundzahlenmagie sowie klangundlautmalerei, etwa bei der bezeichnung und anrufung des gottesnamens, lange bevor moderne lyrik sprachspielerisch und lautmalerisch auftrat. lichtenberg zitierte an einer stelle zahlreiche lautnachahmende w\u00f6rter und schrieb dann:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Diese W\u00f6rter und noch andere, welche T\u00f6ne ausdr\u00fccken, sind nicht blo\u00dfe Zeichen, sondern eine Art von Bilderschrift f\u00fcr das Ohr.<\/em><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_98124\" style=\"width: 258px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98124\" class=\"wp-image-98124 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Walter_Benjamin-248x300.jpg\" alt=\"\" width=\"248\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-98124\" class=\"wp-caption-text\">Walter Benjamin<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">bei walter benjamin, einem erkunder der labyrinthe, hei\u00dft es einmal, kindern seien w\u00f6rter wie h\u00f6hlen, zwischen denen sie seltsame verbindungswege kennen. spuren der sprache folgend l\u00e4\u00dft weigoni wortwurzeln anklingen und die w\u00f6rter, als ersp\u00fcrer und erdenker ihrer genesis und helfer bei ihrer geburt, oder wiedergeburt, aus sich selbst wachsen. die wortbildungen der fr\u00fchen sprachen bezogen sich meist auf sinnlich konkrete eigenschaften, merkmale und erscheinungen der bezeichneten dinge, wovon die bildhaftigkeit der sprache bis heute lebt. wer die urspr\u00fcnge der sprache versteht, kommt der poesie schon nahe, die ebenfalls aus bildhaftem und assoziativem wahrnehmen w\u00e4chst, das klang und sinn zusammenf\u00fcgt. man findet so sinnliche versprachlichung und sprachliche versinnlichung, <em>Klang-Rede<\/em> und <em>Wort-Laut<\/em> (<a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/verdichtung.htm\">VerDichtung<\/a>). worte wie <em>Kipppunkt<\/em> (<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12521\">ML I-III<\/a> in <a href=\"http:\/\/www.allitera.de\/Weigoni,+A.J.%3ADichterloh_Lyrikedition+2000_3-86520-091-5_t.html\">Dichterloh<\/a>) oder <em>artIQlation<\/em> (\u201aUEberkommen\u2018 in <a href=\"http:\/\/www.lyrikwelt.de\/rezensionen\/letternmusik-r.htm\">Letternmusik<\/a>) entstehen gleicherma\u00dfen durch spiel und analyse. selbst laute lassen derart sinn anklingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Poesie z\u00e4hlt zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer<\/span> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/B-Cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11332 alignright\" title=\"B-Cover\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/B-Cover.jpg\" alt=\"\" width=\"155\" height=\"250\" \/><\/a>der eigene anspruch ist hoch: \u00bbGedichte sind freie Zeichen, die auf keinen schon fertigen Code bezogen werden k\u00f6nnen, sondern die ihre Leser zum Entwerfen neuer Zeichensysteme herausfordern. Aus dieser Sicht verk\u00f6rpert jedes Gedicht durch seine spezifisch ausdifferenzierte Gestalt eine multiple und komplexe Bedeutung, die nicht unmittelbar auf der Hand liegt, sondern die es im Prozess einer \u00e4sthetischen Reflexion erst und immer wieder frisch zu ergr\u00fcnden gilt. Die \u00e4sthetische Qualit\u00e4t eines Gedichts erweist sich darin, ob sich seine Gestalt bis in die Details hinein durch diesen vom Betrachter auszulotenden semantischen Gehalt erkl\u00e4ren l\u00e4sst; ist das nicht der Fall, h\u00e4tten wir es mit einem Zeugnis blo\u00dfer k\u00fcnstlerischer Willk\u00fcr zu tun.\u00ab (<a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/verdichtung.htm\">VerDichtung<\/a>). tats\u00e4chlich ist die genauigkeit, mit der weigoni, dem das pr\u00e4zise denken sp\u00fcrbar freude bereitet, worte in ihren nuancierten bedeutungen erkundet, erstaunlich. wenn er sprache demontiert und dekonstruiert sowie neu montiert und neu konstruiert, \u00bbaus dem Wortwerk wird ein Wortbruch\u00ab (\u201aWesenheiten\u2018 in\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.literaturkritik.de\/public\/rezension.php?rez_id=9424\">Dichterloh<\/a>), hinterfragt er zugleich ihre strukturen und kodierungen. und wir brauchen die genaue sprache, gerade weil unsere gedanken immer nur vor\u00fcbergehende erkenntnisse enthalten, die wir wieder \u00fcberwinden m\u00fcssen. indem er permanent \u00fcber antriebe und techniken seines schreibens, denkens und empfindens nachdenkt und in gedichten eine intellektuelle reflexivit\u00e4t erreicht, die man sonst eher in essays findet, ist er, als wissender autor, oft selbst der beste kommentator seiner texte. \u00bbEssayist ist man, weil man ein Kopfmensch ist.\u00ab schrieb roland barthes in <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/buecher\/roland-barthes-die-koernung-der-stimme-begehren-geht-durch-die-ohren-1549900.html\">Die K\u00f6rnung der Stimme<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Inh\u00e4rentes Programm aller Dichtung ist es, die Sprache, die uns von der Welt trennt, durchl\u00e4ssig zu machen \u2026 die produktiven Vielheiten unserer Umwelt zu erz\u00e4hlen, erfahrbar und mitteilbar zu machen, eben: Bewusstsein also Realit\u00e4ten mit Kommunikationen zu verunreinigen \u2013 das ist die Aufgabe und die M\u00f6glichkeit zeitgen\u00f6ssischer Literatur.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">will bedeutungen sichtbar werden lassen, ohne sie durch allzu gro\u00dfe eindeutigkeit zu vergr\u00f6bern. dies hei\u00dft auch, das vorgefertigte und verfestigte der sprache, deren verschiedene bewu\u00dftseinsinhalte potentiell stets gleichzeitig verf\u00fcgbar sind, analytisch und sprachgestalterisch zum mehrdimensionalen verst\u00e4ndnis hin aufzubrechen, damit entwicklung m\u00f6glich wird und die w\u00f6rter ver\u00e4nderungen der menschen und ihrer wirklichkeiten nicht nur entsprechen, sondern ihnen vorausgehn k\u00f6nnen. und das verlangt, das denken und erkennen selbst und damit geistige und intellektuelle prozesse und techniken zu reflektieren und zu hinterfragen, bis hinein in die strukturen der gegenst\u00e4nde und wahrnehmungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Zun\u00e4chst liegt es im Schicksal jeder sogenannten \u201eWahrheit\u201c, da\u00df sie den Weg zur\u00fccklegen mu\u00df, der von der Paradoxie zum Gemeinplatz f\u00fchrt<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Kulturgeschichte_der_Neuzeit.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-11334\" title=\"Kulturgeschichte_der_Neuzeit\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Kulturgeschichte_der_Neuzeit-211x300.jpg\" alt=\"\" width=\"169\" height=\"240\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Kulturgeschichte_der_Neuzeit-211x300.jpg 211w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Kulturgeschichte_der_Neuzeit.jpg 492w\" sizes=\"auto, (max-width: 169px) 100vw, 169px\" \/><\/a>es gibt nie nur eine wahrheit, sondern immer verschiedene wahrheiten, die nebeneinander, oder auch gegeneinander, berechtigung haben. egon friedell schrieb in seiner <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Kulturgeschichte-Neuzeit-Egon-Friedell\/dp\/3257802285\">Kulturgeschichte der Neuzeit<\/a>: \u00bbZun\u00e4chst liegt es im Schicksal jeder sogenannten \u201eWahrheit\u201c, da\u00df sie den Weg zur\u00fccklegen mu\u00df, der von der Paradoxie zum Gemeinplatz f\u00fchrt. Sie war gestern noch absurd und wird morgen trivial sein. Man steht also vor der traurigen Alternative, entweder die kommenden Wahrheiten verk\u00fcnden zu m\u00fcssen und f\u00fcr eine Art Scharlatan oder Halbnarr zu gelten, oder die arrivierten Wahrheiten verk\u00fcnden zu m\u00fcssen und f\u00fcr einen langweiligen Breittreter von Selbstverst\u00e4ndlichkeiten gehalten zu werden, sich entweder l\u00e4stig oder \u00fcberfl\u00fcssig zu machen. Ein Drittes gibt es offenbar nicht.\u00ab eben dieses dritte w\u00e4re aber wichtig. \u00bbwas wahrhaft tief geht \/ liegt gut vergraben.\u00ab hei\u00dft es in \u201aVage Vermutung\u2018 (<a href=\"http:\/\/www.kulturserver-nrw.de\/home\/reviercast\/cast\/reviercast_054.mp3\">Letternmusik<\/a>), \u00bbgerade in der fernsten Fremde spricht \/ uns das Vertraute an.\u00ab in \u201aWeite Ferne \u2026 unendlich nah\u2018 (<a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/dichterloh.htm\">Dichterloh<\/a>). letzteres variiert die annahme walter benjamins, die aura sei die \u00bbeinmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie sein mag\u00ab.<\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #999999;\"><em>A.J. Weigoni wei\u00df, wie man Dichtung zu Klang macht. Er bringt Ausdruck und Struktur in Einklang, instituiert damit eine auratische Zeichenhaftigkeit dodekaphoner Expressivit\u00e4t und ver\u00e4ndert die Sprache mit jedem Sprechen. Die Zeichen geraten in Schwingungen, feste Beziehungen zwischen dem Bezeichneten und dem Bezeichnenden l\u00f6sen sich auf.<\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #999999;\">Dr. Tamara Kudrjawzewa<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der autor folgt einem dynamischen denkprinzip, das ihn bef\u00e4higt, sich stets von neuem mit den details der eigenen wahrnehmung zu besch\u00e4ftigen, unter anderem indem er lineares denken sprachlich hinterfragt und aufhebt. der leser oder h\u00f6rer findet bei ihm den stachel, der zur erkenntnis antreibt, und die relativierende und bergende denkhaltung. viele gedanken haben aphoristische sch\u00e4rfe. doch indem er vieles durchschaut und emp\u00f6rt, aufbrausend, sarkastisch darauf reagieren kann, wei\u00df er auch, wie man g\u00fctig handelt. humanit\u00e4t und skepsis bedingen einander. seine skepsis ist die andere seite seines idealistischen anspruchs. und vor allen idealisten steht, sofern sie nicht fr\u00fch zugrunde gehen, die frage, ob sie ihren hei\u00dfen utopischen kern abk\u00fchlen k\u00f6nnen, ohne ihn aufzul\u00f6sen und selber zu erkalten.<\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #999999;\"><em>A.J. Weigoni, in puncto moderner Sprachtheorie und \u00c4sthetik ganz auf der H\u00f6he, setzt die verdinglichten Wendungen und Sprechhaltungen kritisch gegeneinander. Er verfremdet mit seiner Letternmusik das Gewohnte satirisch und polemisch. Seinem zornigen Elan fehlt es bei alledem nicht an Pathos und Sehnsuchtsausdruck. Unversehens entsteht bei dieser linguistischen Abr\u00e4umarbeit ein faszinierender Phantasieraum eigener Art.<\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #999999;\">Prof. Dr. Franz Norbert Mennemeier<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die literarischen techniken seiner texte, die unterwanderungen und verfremdungen vorgepr\u00e4gter sprache, die ironischen untert\u00f6ne, die aphoristischen sentenzen, die filmischen momentaufnahmen, dienen auch einem reflexiv vom intellekt gelenkten und dabei h\u00e4ufig paradoxen und persiflierenden spiel. wenn weigoni postulaten, die ihm abstrakt erscheinen, ob mythen, utopien oder moralvorgaben, mi\u00dftraut, zugleich aber den mangel an ideell gelebtem in vorgefundener wirklichkeit konstatiert, verweist er auf ein grundproblem postmoderner intellektualit\u00e4t. sarkasmus und ironie sind so auch refugien gegen eine totale ern\u00fcchterung, obwohl, oder weil, viele stellen dem analytisch genauen blick eines heiner m\u00fcller, ernst j\u00fcnger, paul virilio oder jean baudrillard nahe kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Als Worte wie aus Seidenkokons entbunden, sind die rigorosen Gedanken, Sentenzen und Illuminationen dieses Poesie-Schamanen das Z\u00fcndholz f\u00fcr sein dichterlohes H\u00f6rspiel.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Francisca Ricinski<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">weigoni mi\u00dftraut jedem systemdenken, schreibt von der <em>Totenstarre des Determinismus<\/em> (<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12521\">ML I \u2013 III<\/a> in <a href=\"http:\/\/www.allitera.de\/Weigoni,+A.J.%3ADichterloh_Lyrikedition+2000_3-86520-091-5_t.html\">Dichterloh<\/a>) und <em>Gletschern der Abstraktion<\/em> (\u201aBewegungsprofil\u2018 in <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=10790\">Dichterloh<\/a>) und versucht die worte zu befreien, indem er sie aus ihren begrifflichen pr\u00e4gungen herausl\u00f6st. \u00bbdie spr\u00f6de Spreu \/ vom Weizen \/ der Sprache \/ trennen\u00ab postuliert das gedicht \u201aPhrasendreschpflegel\u2018 in <a href=\"http:\/\/www.lyrikwelt.de\/rezensionen\/letternmusik-r.htm\">Letternmusik<\/a>. \u201eDie Worte ruinieren, was man denkt.\u201c meinte thomas bernhard. in begriffen degeneriert die substanz. und keine einzige aussage, ja kein einziges wort, ist unter allen umst\u00e4nden g\u00fcltig oder gar allgemeing\u00fcltig.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Wer nicht h\u00f6ren kann, mu\u00df lesen; wer auch nicht lesen kann, mu\u00df\u2026 r\u00fcckschlie\u00dfen.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">HEL<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Hugo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-11342\" title=\"Hugo\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Hugo-300x239.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"239\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Hugo-300x239.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Hugo.jpg 330w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>eine skeptisch-reflexive denkhaltung bewahrt vor illusionen, auch denen eines allzu sehr der vorgefundenen wirklichkeit angepa\u00dften und verpflichteten realismus oder pragmatismus. g\u00fcnther anders schrieb schon vor jahrzehnten: \u00bbWer heute einen Weltausschnitt so wiedergibt, wie er sich der Wahrnehmung bietet, also \u201erealistisch\u201c, der flieht, da das Wahrnehmungsbild mit dem bildlosen Bild unserer heutigen horizontlosen Welt nichts mehr zu tun hat, in einen Elfenbeinturm, auch wenn er diesen Turm mit der Portalaufschrift \u201eWirklichkeit\u201c tarnt.\u00ab\u00a0 <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/4682\/2\">Kein Ding ist so, wie es aussieht<\/a>. wu\u00dfte hugo ball, der die befreiung der dinge von ihren erscheinungen forderte.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Tom T\u00e4ger und A.J. Weigoni kommt das Verdienst zu, die Lyrik nach 400 Jahren babylonischer Gefangenschaft aus dem Buch befreit zu haben.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">lyrikwelt.de<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">indem sprachanalyse und sprachklang, philosophieren und musikalit\u00e4t spielerisch verbunden werden, kommt zum ernst die leichtigkeit und unterwandert so realit\u00e4ten, wo sie nicht \u00fcbersteigbar sind. \u00bbWo gespielt wird, kann logisch (oder zeichentheoretisch) die Wirklichkeit nicht sein. Das wussten schon die alten Griechen: die Darstellung des Ritus ist Literatur \u2013 kein Ritus mehr.\u00ab (briefzitat weigoni). die spielerische aneignung, reflexion und nutzung von medienundkommunikationstechniken, die man in weigonis texten findet, ist nicht zuletzt, \u00fcber die literatur hinaus, deshalb sinnvoll, weil sie angeborene gaben des menschen nutzt, der spielerisch lernt. die gesellschaftsver\u00e4ndernden wirkungen einer spielerischen kultur verlangen freilich sehr viel geduld.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Ganz im Gegensatz zu den anderen \u201cexperimentellen\u201d CDs meiner Sammlung sind die von A.J. Weigoni immer stimmig, ja richtig, philosophische Aufs\u00e4tze auf den Punkt gebracht. Man merkt auch die feine Feile, das Entstehen und die M\u00fche \u00fcber einen langen Zeitraum hinweg.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Dieter Scherr, Literaturhaus Wien<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die stimme sei der \u00bbFingerabdruck des \/ Charakters\u00ab hei\u00dft es im gedicht \u201aLeerstelle\u2018 in <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/dichterloh.htm\">Dichterloh<\/a>. der autor vermittelt texte, die man eigentlich vor augen haben und mehrfach lesen mu\u00df, um ihre sprachlichen nuancierungen und assoziativen ankl\u00e4nge sowie flie\u00dfenden \u00fcberg\u00e4nge und br\u00fcche wahrzunehmen, mit einer stimme, die \u00e4hnlich verfremdet und kommentiert wie das geschriebene wort. \u00bbVorgetragene Poesie strebt danach, die vermeintlich klare Form der Sprache aufzul\u00f6sen und \u00fcber die R\u00e4nder des Verstehbaren zu treiben.\u00ab (briefzitat weigoni). indem er die gedichte sprechend als in musik verwandelte sprache interpretiert und gestaltet, verbindet er wieder, was bei den dichtern der alten kulturen, ob skalden oder veden, nat\u00fcrlicherweise zusammengeh\u00f6rte.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>A. J. Weigoni\u00b4s \u201cSound\u201d besticht durch rhythmische Sicherheit, w\u00e4hrend seine formale Arbeit sich durch Eigenst\u00e4ndigkeit und eine Verweigerung klassisch-seichter Erz\u00e4hlhaltungen auszeichnet. Einen philosophischen Unterbau bietet seine gesellschaftskritische Haltung, die\u2026 den Blick auf die Zukunft gerichtet h\u00e4lt.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Sophie Reyer<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Cover.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-11344 alignright\" title=\"Cover\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Cover-215x300.gif\" alt=\"\" width=\"172\" height=\"240\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Cover-215x300.gif 215w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Cover.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 172px) 100vw, 172px\" \/><\/a>auf die musikalit\u00e4t der zugleich sprachanalytischen texte, und damit das kunstvolle der andeutungsreichen sprache weigonis, sei \u00fcberhaupt hingewiesen. dynamisches sprachspiel und konzentrierte analyse erg\u00e4nzen sich hier, ja gehen auseinander hervor. die sprache flie\u00dft durch pr\u00e4zision, klarheit und konzentration. der zeilenbruch schafft zugleich br\u00fcche und flie\u00dfende \u00fcberg\u00e4nge, so da\u00df bruch, stauung und flu\u00df verschmelzen. zeitgeistgepr\u00e4gten leseundh\u00f6rgewohnheiten, die von sich immer mehr beschleunigenden, und dabei nur selten innehaltenden oder gar vertiefenden, oberfl\u00e4cheneindr\u00fccken bestimmt sind, ist dies freilich etwas sehr fremdes. wer hingegen keinen trends des zeitgeistes folgt, kann nebenfl\u00fcsse schaffen, m\u00e4anderstr\u00f6me der kultur. manche gedichte formulieren die sehnsucht des gehetzten ich nach kontemplativer bergung gegen\u00fcber einer vitalistisch durchorganisierten welt. musik, die metaphysische tiefe und technische perfektion zu verbinden vermag, erscheint in diesem zusammenhang als alternative zur reinen technologie. denn \u00bbdie Musik des \/ Lebens kommt aus \/ der Stille.\u00ab (\u201aMili\\Meta\/Ebenen\u2018 in <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/letternmusik.htm\">Letternmusik<\/a>). bei thomas bernhard findet sich der gedanke, da\u00df das geh\u00f6r das philosophischste aller sinnesorgane sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">im h\u00f6rbuch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=56\">Pr\u00e6gnarien<\/a>, das in der Edition Das Labor erschien und h\u00f6rbar macht, welches vortragstalent weigoni hat, entspricht die musik von philipp bracht (posaune) und frank michaelis (saxophon kunst\u00fcbergreifend dem improvisierenden, und dabei teils auch ironischen, der sprachspiele und sprachexperimente, w\u00e4hrend der maler haimo hieronymus den h\u00f6reindruck verbildlicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Einmal mehr Weigonis Sabotage des Signifikanten? \u2013 Nun, es ist mehr, zweierlei: die Preisgabe der kontextuellen Funktion und die des Wesen des Wortes.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Thomas Laux<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-11346\" title=\"Cover\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Cover.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"196\" \/><\/a>weigonis texte sind ernst jandl und mauricio kagel nahe ger\u00fcckt worden. manches verbindet ihn auch mit ror wolf, so die sprache als akteur und die hinterfragung und behandlung sprachlicher produkte als eigentlicher inhalt der literatur, die deformation und neuformation vorgefundener sprachformen und sprachinhalte, die reflexive und ironische distanz dem material gegen\u00fcber, montagetechniken, die hinwendung zur h\u00f6rbaren literatur, bis hin zum akustisch experimentellen, eine jazz\u00e4hnliche sprachliche improvisation, die thematisierung medialer wirkungen, einfl\u00fcsse der filmkunst, die einbeziehung des profanen, popul\u00e4ren, genrehaften und trivialen, ohne da\u00df damit vordergr\u00fcndig popul\u00e4re leseroderh\u00f6rererwartungen bedient werden. auch korrespondenzen zu ernst jandl, franz mon, ferdinand kriwet, hans g. helms oder elfriede jelinek lassen sich finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>literatur<\/em> und <em>letter<\/em> geh\u00f6ren zusammen. der autor, der von \u00bbPapierwohnungen\u00ab wei\u00df, (\u201aBannkreis\u2018 in <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5270\">Letternmusik<\/a>), f\u00fchlt sich unver\u00e4ndert mit dem buchdruck verbunden. man lese, wie er \u00fcber die verletzbarkeit des papiers, der haut der gedruckten schrift, spricht, das die sprache bei ver\u00f6ffentlichungen tr\u00e4gt und ihn mit andern menschen, ja dem menschlichen \u00fcberhaupt, verbindet: \u00bbZwischen Mensch und Papier gibt es eine Intimit\u00e4t, eine geradezu k\u00f6rperliche Affinit\u00e4t. Papier ist dem Menschen \u00e4hnlich. Es ist schwach und altert. Der kleinste Unfall, und es rei\u00dft. Die Asiaten verehren das Papier f\u00fcr diese Schw\u00e4che, die der unsrigen nahekommt. Das Papier hat sich auf die Seite unserer Verwundbarkeit und Sinnlichkeit gestellt.\u00ab (<a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/verdichtung.htm\">VerDichtung<\/a>). laut chinesischer \u00fcberlieferung wurde papier von menschen erstmals im jahr 105 hergestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Eine virtuelle Realit\u00e4t ist meiner Anschauung nach nur dann sinnvoll, wenn sie eine andere Art der Sinnlichkeit erm\u00f6glicht.<\/em><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_97847\" style=\"width: 206px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-97847\" class=\"wp-image-97847 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/VignettenCover-196x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"196\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-97847\" class=\"wp-caption-text\">Cover: Schreibstab von Peter Meilchen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">als die tiefsten und intensivsten texte und passagen empfinde ich jene, in denen sich, \u00bbauf \/ dem Weg vom Logos zum Eros.\u00ab (<a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/theo-breuer-weigoni.htm\">Vignetten<\/a>) in <a href=\"http:\/\/www.buchvorstellung.de\/rezensionen\/dichterloh.html\">Dichterloh<\/a>), auch vom \u00bbLogos des Fleisches\u00ab (\u201aAn der Demarkationslinie der Sprache\u2018 in <a href=\"http:\/\/www.literaturkritik.de\/public\/rezension.php?rez_id=9424\">Dichterloh<\/a>) ist die rede, intellekt und sinnlichkeit, reflexionen und metaphern verbinden und miteinander verschmelzen. indem der autor k\u00f6rperliches erleben beschreibt und reflektiert, entdeckt er dessen teils verborgenen ausdruck in der sprache. umgekehrt werden sprachk\u00f6rper, \u00bblust<em>lese<\/em>wandelnd\u00ab (\u201aRAPSOdie\u2018 in <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books\/about\/Letternmusik_im_Gaumentheater.html?id=Zgw-AwAACAAJ&amp;redir_esc=y\">Letternmusik<\/a>), erotisiert. besonders in <a href=\"http:\/\/www.planetlyrik.de\/a-j-weigoni-gedichte\/2012\/02\/\">Letternmusik<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.schweitzer-online.de\/iconparc\/webmed\/key=35317390013577255599344875047830O01\/StoreFront\/main.ipm?frame_content=goto.ipm%3Fgoto%3D%2Fbuch%2FWeigoni-A.-J.%2FDichterloh-Kompositum-in-vier-Akten%2F9783865200914%2F%26ip%3Durl_stack_id_prevaa59417bbcwoaalibri%3A2438831\">Dichterloh<\/a>\u00a0 sind, und zwar gerade obwohl die wahrnehmung mehr vom kopf her geschieht und der k\u00f6rper auch als lebendes material betrachtet wird, geistig sinnliche symbiosen von gro\u00dfer intensit\u00e4t und tiefe zu finden, mit denen der reflektierende intellekt sinnliche bedeutungen der worte freilegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Da der Mensch nicht mehr Natur ist, sollte er wenigstens in seiner Sprache so nat\u00fcrlich, so aufrichtig wie m\u00f6glich sein, und eine gegenw\u00e4rtige Sprache finden, die sich \u00f6ffnet f\u00fcr das Mysterium der Dinge.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die dem griechischen philosophen longinus zugeschriebene schrift <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books\/about\/Die_schrift_%C3%BCber_das_erhabene.html?id=W3MIAQAAMAAJ&amp;redir_esc=y\">\u00dcber das Erhabene<\/a>, die noch im 18. jahrhundert nachwirkte, postulierte die einheit aus natur und kunst: \u00bbDann n\u00e4mlich ist Kunst am Ziel, wenn sie Natur scheint; die Natur wieder ist vollendet, wenn sie die Kunst unmerkbar einschliesst.\u00ab heute fragen wir uns, ob \u00bbein reines Schauen \u2026 ohne kuenstlichen Zauber\u00ab (\u201aPoeten der Tatsachen\u2018 in <a href=\"http:\/\/www.versalia.de\/Rezension.Weigoni_A_J_.148.html\">Dichterloh<\/a>) \u00fcberhaupt m\u00f6glich sei. wirkliche naturlyrik gibt es sowieso kaum noch, zumindest in europa, sondern allenfalls kulturnaturlyrik. naturmetaphern beschreiben fast immer bereits menschlich angepflanzte, bearbeitete, produzierte und beeinflu\u00dfte kulturnatur. natursymbole gleichen also mehr forstb\u00e4umen als waldb\u00e4umen. wir sind umstellt von naturattrappenundprothesen. der intellekt hat die seelen der menschen gepflastert wie der asphalt die erde der st\u00e4dte. dabei wurzelt symbolik, zumindest urspr\u00fcnglich, ganz erheblich in der naturbeobachtung, auf die man ganze mythenkomplexe zur\u00fcckf\u00fchren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Im Mythos finden wir die Spuren eines Schmerzes, der sich an ihren Abschied von den H\u00f6hlen, den W\u00e4ldern, den stillen Str\u00f6men kn\u00fcpft.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Nietzsche+Also-sprach-Zarathustra.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11350 alignright\" title=\"Nietzsche+Also-sprach-Zarathustra\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Nietzsche+Also-sprach-Zarathustra.jpg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" \/><\/a>ernst j\u00fcnger schrieb \u00fcber die menschen des altertums: \u00bbIm Mythos finden wir die Spuren eines Schmerzes, der sich an ihren Abschied von den H\u00f6hlen, den W\u00e4ldern, den stillen Str\u00f6men kn\u00fcpft. Er gleicht dem unseren. Wie ein Echo davon kommt in der Sp\u00e4tantike das Ger\u00fccht vom Tode des gro\u00dfen Pan auf. Von dieser Trauer, die dem Verlust des Erd- und Naturgeistes gilt, ist auch Gu\u00e8rins <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=HLLwAAAAMAAJ&amp;q=Gu%E8rins+%22Le+Centaure%22&amp;dq=Gu%E8rins+%22Le+Centaure%22&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=zKbqUKy8I-ig4gTO6oCQAQ&amp;ved=0CEsQ6AEwAQ\">Le Centaure<\/a> durchtr\u00e4nkt. Sie, und nicht die Sehnsucht nach im historischen Sinne abgelebten Zeiten, bildet den Kern der romantischen Philosophie. Auch gibt es keine Lyrik ohne diese Mnemosyne.\u00ab so gesehen bewahren natursymbole verlorene natur, oder zumindest die erinnerung daran, und bergen sie. \u00bbda\u00df ein gro\u00dfer Teil aller Natur-Lyrik, besonders der Romantik, zu den Ausdrucksformen des Archetyps der Gro\u00dfen Mutter geh\u00f6rt.\u00ab erkl\u00e4rte der psychoanalytiker erich neumann. \u00bbund kommen ihnen z\u00e4rtliche Regungen, so meinen die Dichter immer, die Natur selber sei in sie verliebt.\u00ab sagt nietzsches zarathustra.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>A.J. Weigoni geh\u00f6rt zu den meistuntersch\u00e4tzten Lyrikern.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Peter Maiwald<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">aufgrund der immer rasanter werdenden geschwindigkeit der technologischen prozesse brauchen wir mehr als zuvor die f\u00e4higkeit der geistigen vorwegnahme, zur voraussicht m\u00f6glicher gefahren und zum entwickeln alternativer l\u00f6sungsvarianten. bereits darstellungen der h\u00f6hlenmalerei zeigen g\u00f6tter, die in wagen fahren. erst jahrtausende sp\u00e4ter sind die menschen so gefahren. schon leonardo da vinci hatte ein u-boot konstruiert. mondfl\u00fcge geisterten jahrhunderte vor der realen raumfahrt durch die literatur. die phantasie ging also vielfach der technischen machbarkeit voraus. inzwischen hat sich das verh\u00e4ltnis umgekehrt und die geistig-ideellen prozesse bleiben hinterm tempo der technologischen zur\u00fcck, wodurch letztere unter umst\u00e4nden unkalkulierbare wirkungen produzieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Diese\u00a0<em>Letternmusik<\/em>\u00a0erinnert weniger an ein Buch, als eine Partitur, die es in Konzerten der Sprache aufzuf\u00fchren gilt. Erarbietet an einem Notenpult hat dieser Lyriker jedes Wort stimmig auf den Rhythmus, die Materialit\u00e4t des Textflusses, die visuelle Interpretationen und seinen Klang gepr\u00fcft. Lesen Sie diese szenische Lyrik als leises Spiel zum H\u00f6ren: die Bretter, die die Welt bedeuten, knarren bei jeder Vorstellung.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">J\u00fcrgen Diehl<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_11352\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Cover1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11352\" class=\"wp-image-11352 size-medium\" title=\"Cover\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Cover1-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Cover1-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Cover1.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11352\" class=\"wp-caption-text\">Coverphoto des ersten Gedichtbandes, 1985, Heinz G\u00fcnter Mebusch<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">in einem gedicht aus <a href=\"http:\/\/jetzt.sueddeutsche.de\/texte\/anzeigen\/528538\">Letternmusik<\/a> hei\u00dft es: \u00bbMeine Generation ist daran gescheitert \/ das Physische mit dem Intellektuellen zu verbinden.\u00ab \u00bbDie K\u00e4ltetendenz r\u00fchrt vom Eindringen der Physik in die moralische Idee.\u00ab schrieb ossip mandelstam. viele der texte weigonis beschreiben und reflektieren das spannungsfeld zwischen sinnlichkeit und technik sowie die zunehmende technisierung der sinnlichen wahrnehmung, die neue m\u00f6glichkeiten menschlichen erlebens erschlie\u00dft und zugleich verwerfungen verursacht. \u00bbDer Mensch, losgekettet von Religion und Humanismus, ist sein eigenes Produkt geworden, der K\u00f6rper seine einzige Utopie. Nicht dem Sonnenstaat, sondern dem Astralk\u00f6rper gilt die Sehnsucht; nicht Gedanken schaffen eine neue Welt, sondern Pharmazie und Chirurgie einen fortw\u00e4hrend sich erneuernden, in der Erneuerung sich zerst\u00f6renden Leib.\u00ab (<a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/verdichtung.htm\">VerDichtung<\/a>). vielleicht ist die k\u00fcnstlichkeit der medienwelten nur der modische vorbote, die triviale ouvert\u00fcre, zur herstellung eines k\u00fcnstlichen menschen. wozu braucht man noch nat\u00fcrliche natur, denken heute schon viele, wenn man sie im zeitalter ihrer technischen reproduzierbarkeit als k\u00fcnstliche kaufen kann. wom\u00f6glich stehen wir vor einem urknall der technologien, den kulturelle ph\u00e4nomene blo\u00df einleiten und begleiten und der alle bisherige natur hinter sich zur\u00fcckl\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Notate f\u00fcrs Auge, adressiert ans Ohr.\u00a0 So schreibt kein anderer im deutschen Sprachraum.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Theo Breuer<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">im gedichtband <a href=\"http:\/\/www.allitera.de\/Weigoni,+A.J.%3ADichterloh_Lyrikedition+2000_3-86520-091-5_t.html\">Dichterloh<\/a>, der sich unter anderem mit der sprache der neuen medien auseinandersetzt, l\u00e4\u00dft das gedicht \u201aZuegellos zukunftsorientiert\u2018 die vermutung anklingen, da\u00df die technisierung auf paradoxe weise in animalisierungen umschlagen k\u00f6nne. die welt der medien funktioniert mehr noch als die wirkliche nach pawlowschen reflexen. f\u00fchrt uns das virtuelle zuletzt ins animalische zur\u00fcck? descartes betrachtete tiere als automaten. \u00bbWir tun alle Augenblicke etwas, das wir nicht wissen, die Fertigkeit wird immer gr\u00f6\u00dfer, endlich w\u00fcrde der Mensch alles ohne es zu wissen tun und im eigentlichen Verstand ein denkendes Tier werden. Vernunft n\u00e4hert sich der Tierheit.\u00ab hatte lichtenberg <a href=\"http:\/\/www.textlog.de\/lichtenberg-wissen.html\">geschrieben<\/a>. elias canetti prognostizierte, mit wachsender erkenntnis w\u00fcrden dem menschen die tiere wieder n\u00e4her sein. wenn sie dann aber so nahe seien wie schon einmal in den \u00e4ltesten mythen, werde es keine tiere mehr geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ein hauptfeld k\u00fcnftiger naturver\u00e4nderungen scheinen die biotechnologien zu sein, mit denen gleicherma\u00dfen medizinische hilfe und k\u00f6rpermanipulation, chancen der lebenserweiterung und gefahren der lebenszerst\u00f6rung verbunden sind. der mensch kommt bei seinen ver\u00e4nderungen der natur wieder an, wovon er einmal ausgegangen war, beim eigenen k\u00f6rper, der sich einst vielleicht ebenso vom nat\u00fcrlichen leib unterscheiden wird wie eine autobahn von einem trampelpfad. und je mehr der mensch automaten gleicht, umso st\u00e4rker hat er das bed\u00fcrfnis, wieder ganz tier zu werden. bis beide daseinsweisen ineinander aufgehn und eine neue barbarei daraus entsteht. die reaktionsweisen der computer \u00e4hneln schon animalischen instinktverhalten. man mu\u00df nur noch den menschen zwischenschalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Weigoni stellt mit einen H\u00f6rspiel unser Zeitempfinden und unsere Vorstellung von Identit\u00e4t auf die Probe. Der vielfach ausgezeichnete ungarisch-deutsche Schriftsteller und\u00a0 Medienp\u00e4dagoge Weigoni schafft mit seinem Text, Papierger\u00e4uschen und der Stimme von Bibiana Heimes\u00a0 eine Atmosph\u00e4re, die uns einem Gedanken ganz schnell auf den Pelz r\u00fccken l\u00e4sst: wir sind alle Gefangene unserer selbst.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Buchpiloten, Radio Bremen<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">in den lyrikb\u00e4nden <a href=\"http:\/\/www.lyrikwelt.de\/rezensionen\/gedichte-weigoni-r.htm\">Dichterloh <\/a>und <a href=\"http:\/\/lyrikzeitung.com\/2010\/09\/04\/18-letternmusik\/\">Letternmusik<\/a> versucht weigoni die erl\u00f6sung von erfahrungen der lebenswirklichkeit durch virtuelle neukompositionen und neukonstruktionen, die auch, nicht zuletzt durch sprache, indem dichtung zum medium der welterschaffung wird, gegenwelten formieren, und seien es nur \u00bbkleine Sinn-Inseln im Ozean des Unbegreiflichen\u00ab (\u201aKlangwerkzeug im Satzbaukasten\u2018 in <a href=\"http:\/\/reviercast.blogspot.de\/2008\/08\/andrascz-jaromir-weigoni.html\">Dichterloh<\/a>). die gedichte nehmen erscheinungsformen und ausdrucksweisen moderner medienundkommunikationstechniken auf und transformieren diese, indem sie deren sprache spielerisch und virtuos verwenden und zugleich, mit aufkl\u00e4rerischem anspruch, kritisch reflexiv ihre funktionen hinterfragen. im band <a href=\"http:\/\/www.buecher-wiki.de\/index.php\/BuecherWiki\/Parlandos\">Parlandos \/ Langgedichte &amp; Zyklen<\/a>\u00a0 begegnet man etlichen seiner besten, und insbesondere sprachlich dichtesten, texte wieder.<\/p>\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Se\u00f1ora Nada ist ein lyrisches Monodram \u00fcber das \u00dcberwinden von Trauma und Schmerz durch Erkenntnis dank des Eindringens in die unoffenbarte Zwischenwelt. Die Welt zwischen Haben und Sein, zwischen Bestimmung und Freiheit, zwischen Jetzt und Immer.<\/em> <\/span><br \/>\n<span style=\"color: #999999;\">(Ioona Rauschan, Regisseurin des H\u00f6rspiels)<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">weigoni hat ein gesp\u00fcr daf\u00fcr, da\u00df die mentale bewaffnung der individuen im konkurrenzkampf gegeneinander, die den blo\u00dfen egoismus siegen l\u00e4\u00dft, letztlich individualit\u00e4t zerst\u00f6ren und die verwertung menschlicher leistungen menschen entwerten kann. \u00bbWas nutzt uns alle Freiheit \/ wenn wir von der kommerziellen Verwertbarkeit \/ aller menschlichen Regungen \/ vollkommen umgeben sind?\u00ab (<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=10478\">Unbehaust<\/a>). die monodramen <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/unbehaust01.htm\">Unbehaust<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/senora_nada.htm\">Se\u00f1ora Nada<\/a> beschreiben entfremdung, ideelle obdachlosigkeit und existentielle unsicherheit, die der autor wiederholt an frauenfiguren sichtbar macht. der satz \u00bb\u00dcberw\u00e4ltigende Fremdheit wird zum \/ Sinn des Aufbruchs.\u00ab in \u201aUnbehaust\u2018 k\u00f6nnte andeuten, da\u00df menschen gezielt entfremdet werden, weil dies fluchtbewegungen hervorruft, die dynamik erzeugen.<\/p>\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>A text that alludes to Eliot\u2019s Waste Land,was set to music by Tom T\u00e4ger, using minimalist techniques and sound effects like the rustle of paper. <\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Judith Ryan \u00b7 The Long German Poem in the Long Twentieth Century<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_12677\" style=\"width: 142px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/BibianaHeimes.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12677\" class=\"size-medium wp-image-12677\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/BibianaHeimes-132x300.jpg\" alt=\"\" width=\"132\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/BibianaHeimes-132x300.jpg 132w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/BibianaHeimes.jpg 392w\" sizes=\"auto, (max-width: 132px) 100vw, 132px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12677\" class=\"wp-caption-text\">Bibiana Heimes, Darstellerin der Jo Chang<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/unbehaust01.htm\">Unbehaust<\/a>, ein monolog der schwer kranken chinesischen einwanderin jo chang, zielt durch reflexive sprachbehandlung aufs wesentliche und vermeidet so allein schon stilistisch die monologische darstellung von blo\u00df momentanen eindr\u00fccken und privaten befindlichkeiten. das bewu\u00dftsein der krankheit und das leiden an der zivilisation verschmelzen in der hellsicht der figur, die als physisch und psychisch versehrte spricht, was ihre sprache, bei aller sensibilit\u00e4t der wahrnehmung, teilweise hart und abstrakt macht. die emigrantin wird indes exemplarisch, indem sie die aufspaltung der realit\u00e4t in disparate erfahrungssph\u00e4ren und darin ihr eignes fremdsein besonders extrem und existentiell wahrnimmt, und damit auch die seelischen deformationen, komplexe, lebensl\u00fcgen, fragmentierungen, orientierungslosigkeiten und desorientierungen der andern umso genauer erkennt. weigoni selber sucht nach kr\u00e4ften, die das ich wieder defragmentieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Es gibt in der neueren Literatur nicht viele \u00fcberzeugende Langgedichte. Das Geheul von Ginsberg, Der Untergang der Titanic von Enzensberger \u2013 und es ist nicht \u00fcbertrieben, wenn man in diesem Zusammenhang auch das lyrische Monodram Se\u00f1ora Nada von A.J. Weigoni erw\u00e4hnt, vielleicht das faszinierendste deutschsprachige Langgedicht der letzten Jahre. Dieses \u201cNachtst\u00fcck\u201d besticht nicht nur durch seine souver\u00e4ne sprachliche Meisterschaft, sondern auch durch eine gedankliche Tiefe, die dichterisch facettenreich ausgelotet wird.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Axel Kutsch<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die namensgebende figur aus <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/senora_nada.htm\">Se\u00f1ora Nada<\/a>, also nichts, betrachtet ihre wirklichkeit bewu\u00dft aus der distanz und nimmt sie doch, wie in einem reich zwischen alltagsrealit\u00e4t und traumhaftem erleben, hochsensibel wahr. bei ihr, die vielleicht eine utopische figur ist, m\u00f6glicherweise sogar ein utopisches ich des autors selbst, hat man das gef\u00fchl, da\u00df sie aufgrund ihres ganzheitlichen wahrnehmens vollkommen in sich ruht und gerade deshalb die zerrissenheiten ihrer lebenswelt sieht. mehr scheint derzeit kaum machbar. <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/4682\/11\">Kostenlose Menschlichkeit<\/a> (hugo ball) ist immer weniger zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Z\u00e4hes Schreiben n\u00e4hrt den Geist. A.J. Weigoni belohnt seine Leser mit Erkenntnisgewinn.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Mischa Kuball<\/span><\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\" data-contents=\"true\">\n<div id=\"attachment_51506\" style=\"width: 208px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Schmauch_Cover-e1580063964832.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-51506\" class=\"wp-image-51506 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Schmauch_Cover-198x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-51506\" class=\"wp-caption-text\">Original Holzschnitt, direkt auf das Cover gedruckt von Haimo Hieronymus<\/p><\/div>\n<p>der lyrikband \u00bbSchmauchspuren\u00ab von a.j. weigoni enth\u00e4lt gedichte aus den jahren 2005 bis 2015. der titel, der die spuren eines pistolenschusses assoziiert, l\u00e4\u00dft dar\u00fcber nachdenken, ob die abdr\u00fccke des daseins in der literatur nicht ebenfalls schmauchspuren seien. ist der poet als macher und verfertiger zum verschmaucher und zerschmaucher geworden? bei weigoni hei\u00dft es: \u00bbder Bewusstseinsstrom versandet in einer \/ geistigen Mappe zwischen Erinnerungsflecken\u00ab und \u00bbdas Eigentliche verstreicht beim Versuch \/ es im Bild zu bannen &amp; auf magische Weise \/ am Verschwinden zu hindern\u00ab. das cover-motiv des original-holzschnitts von <a href=\"http:\/\/www.buecher-wiki.de\/index.php\/BuecherWiki\/HieronymusHaimo\">haimo hieronymus<\/a> hat ebenfalls etwas schmauchendes.<\/p>\n<p>\u00bbdie Skepsis zum Lebensprogramm machen.\u00ab postuliert der autor. wer dem gl\u00fcck vertraut, ist noch nicht aufgewacht. viele textpassagen benennen desillusionierende erkenntnisse. \u00bbdass Freiheit \/ verloren ist: sobald man sie einsetzt.\u00ab, \u00bbWahrheit gibt es nurmehr als Totalit\u00e6t des Geredes\u00ab oder \u00bbTiefsinnsverweigerung weist auf \/ eine systematische Auswilderung.\u00ab hellsichtig beobachtet weigoni, da\u00df der scheinbar freie mensch tats\u00e4chlich meist blo\u00df rollen bedient, wobei es egal scheint, ob anpassungsrollen oder egorollen, weil beides sowieso ineinander \u00fcbergeht, da der egoistische mensch zum angepa\u00dften menschen wird und umgekehrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Wie immer h\u00f6chste Komplexit\u00e4t, die ich an A.J. Weigoni sch\u00e4tze, weil sie eine Art bewegte Bewegerin ist.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Wer erz\u00e4hlt? \u2013 Vielleicht im Sinne von Mallarm\u00e9: Der Autor ist ein Element des Weltbuches, das ihn schreibt.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Wer verarbeitet? (Hindurchgang) \u2013 In diesem Sinne ist der Leser passage au passant u n d zugleich Medium des Werkes.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Wem geh\u00f6rt eine Geschichte? \u2013 Die Geschichte bleibt ein immaterielles Angebot und ist deshalb potenzielles \u201cPr\u00e4senzGut\u201d Aller.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Angelika Janz<\/span><\/p>\n<p>immer wieder reflektieren die gedichte das spannungsfeld zwischen intellekt und empfinden. schmauchen kann auch genu\u00dfvolles rauchen bedeuten. und genu\u00df gelingt weigoni, dessen texte spielerisch illusionslos und illusionslos spielerisch sind, durch sein spiel mit worten und kl\u00e4ngen. der klappentext nennt seine lyrik \u00bbeine flie\u00dfende Sprachmusik aus Wahrnehmungsfragmenten.\u00ab die gedichte selbst erkl\u00e4ren des dichters intentionen so: \u00bbdas Schriftbild in den Klangleib fliessen lassen.\u00ab und \u00bbeinen gravitationsfreien Schwebezustand anstreben.\u00ab sprachflu\u00df und rhythmus f\u00fchren hier zu einem flie\u00dfen, das den str\u00f6mungen des wassers \u00e4hneln, die nicht ohne strudel und untiefen bleiben und das wogende pulsieren in teils schmerzhafte rhythmik \u00fcbergehen lassen, indem diese lyrik auf unebenem und kantigem untergrund flie\u00dft, in flu\u00dfbetten, die durch heftige bewegungen eingegraben wurden und nie ganz gegl\u00e4ttet werden.<\/p>\n<p>andererseits findet man die f\u00fcrsprache f\u00fcr eine entschleunigung der lebensformen und wahrnehmungen. \u00bbim Schritt-Tempo wird das Unterwegs-Sein \/ geographisch verortet &amp; erweitert\u00ab. der autor sucht nach alternativen zu einer mit rasendem tempo und abrupten wechseln geistig und kulturell durchchoreographierten postmoderne: \u00bbin der Rumpelkammer des Realen \/ am Trauerrand der Erinnerung \/ zwischen Traum &amp; Traumata \/ dem Klang des Quellwassers lauschen.\u00ab die drei h\u00f6rb\u00fccher <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27376\">Schmauchspuren<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25468\">Dichterloh<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.lyrikwelt.de\/rezensionen\/letternmusik-r.htm\">1\/4 Fund <\/a>, die 2015 unterm gesamttitel \u00bb<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=63\">Gedichte<\/a> von A.J. Weigoni\u00ab erschienen sind, bieten ein spektrum seiner sprachundsprechkunst, wobei das h\u00f6rerlebnis zum lesen seiner b\u00fccher einl\u00e4dt und anregt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Die Gedichte sind sein eigentliches Hauptwerk.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ulrich Bergmann<\/span><\/p>\n<p>durch ihr sprachspiel haben weigonis gedichte mitunter etwas hieroglyphenhaftes, das der deutung bedarf. jacques derrida schrieb in \u00bbDie Schrift und die Differenz\u00ab: \u00bbFreud denkt zweifellos, der Traum bewege sich nach dem Vorbild einer Schrift fort, die die W\u00f6rter inszeniert, ohne sich ihnen zu unterwerfen; sicherlich denkt er hier an ein Schriftmodell, das gegen\u00fcber der Rede irreduzibel ist und das wie die Hieroglyphen piktographische, ideogrammatische und phonetische Elemente enth\u00e4lt.\u00ab<\/p>\n<p>genau genommen sind die texte in \u00bbSchmauchspuren\u00ab, die motivisch und stilistisch miteinander verschmelzen, ein einziges gedicht. sie lassen sich indes auch als literarisch verdichtete analytische rede lesen, die gegenw\u00e4rtige lebensformen bedenkt und kommentiert. weigonis lyrik ist bei allem sprachspielerisch strukturierten und musikalisch komponierten zugleich eine intellektuelle, weshalb man sie nicht ohne permanentes nachdenken, das hei\u00dft vorundzur\u00fcckdenken, lesen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Weigoni und\u00a0 T\u00e4ger sp\u00fcren der Sprache vor allem als akustischem Ph\u00e4nomen nach.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Christiane Schl\u00fcter, Buecher-Wiki<\/span><\/p>\n<p>manche passagen klingen wie aufrufe zum handeln, so \u00bbaus der Zufriedenheitsfalle ausbrechen\u00ab oder \u00bbsich nach dem Peitschenknall der Erkenntnis \/ abseilen in die Dunkelheit \/ des gelebten Augenblicks.\u00ab im rhythmisierten tonfall gehen postulieren und konstatieren ineinander \u00fcber. manche akteure einer apologetischen gesellschaft postulieren nur noch, was sie konstatieren k\u00f6nnen, und nennen dies realismus. bei weigoni ist im postulierenden ton oft auch die persiflage nicht weit. wer diese parodierende komponente, die bis zur selbstparodie reichen kann, nicht mitdenkt, wird seine literatur insgesamt nur unvollst\u00e4ndig verstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>weigoni wuchs in einer zeit auf, als kreativit\u00e4t vor allem verst\u00f6\u00dfe gegen normen und konventionen verlangte. die klassische moderne war damals noch nicht so weit entfernt wie heute. so setzte er sich fr\u00fch von \u00e4lteren traditionen ab und versuchte nicht nur ein denken, sondern auch eine literatur ohne gel\u00e4nder, die zugleich denkprozesse und denktechniken sowie die dialektik der ambivalenzen und paradoxien reflektiert: \u00bbjeder Gedanke, den man zu Ende denkt \/ umfasst sein eigenes Gegenteil\u00ab.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Das ist nat\u00fcrlich schon eine starke Pose, mit der Andrascz Jaromir Weigoni auf dem Cover seiner von der Kunststiftung NRW gef\u00f6rderten vierteiligen CD-Edition mit Gedichten zu sehen ist: Langes wallendes Haar, konzentrierter Blick, die Falten treten deutlich hervor und die Finger sind wie beim Rezitieren kelchf\u00f6rmig geformt, als wollte er etwas Wichtiges auf den Punkt bringen. Nur das kurz\u00e4rmlige Hemd im gedeckten Ton wirkt etwas neuzeitlich. Es erinnert, und da sind auch die Initialen, an Albrecht D\u00fcrer, mit der Jahreszahl 1500.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Steffen Tos (NRZ)<\/span><\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\" data-contents=\"true\">\n<div id=\"attachment_98422\" style=\"width: 197px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98422\" class=\"wp-image-98422 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Gedichte_Cover-187x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"187\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-98422\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Leonard Billeke<\/p><\/div>\n<p>hugo friedrich hat wesentliche eigenarten moderner dichtung in seinem buch \u00bbDie Struktur der modernen Lyrik\u00ab beschrieben. in welcher richtung er die moderne sah, ahnt man schon, wenn man \u00fcberschriften seiner kapitel und abschnitte liest, so \u00bbTraditionsbruch\u00ab, \u00bbSprengung der Grenzen\u00ab, \u00bbZerst\u00f6rte Realit\u00e4t\u00ab, \u00bbZerlegen und Deformieren\u00ab, \u00bb\u00c4sthetik des H\u00e4\u00dflichen\u00ab oder \u00bbTheorie des Grotesken und des Fragments\u00ab. seine grundthese lautet, moderne lyrik unterwandere normen und konventionen und sei \u00fcberwiegend dunkel, hermetisch, vieldeutig, entgliedernd, fragmentarisch, paradox, absurd, ambivalent und dissonant. sie bilde nicht die wirklichkeit ab, sondern forme sie um und schaffe gegenwelten. die innere logik werde gegen die \u00e4u\u00dfere gesetzt. das unbekannte sprenge das bekannte auf. mit entsprechenden techniken, etwa der demontage, geht weigoni bis heute \u00fcber literarische zeitgeistmoden hinweg. seiner vorl\u00e4ufer ist er sich dabei bewu\u00dft. \u00bbVerdient haben nur wenige Autoren eine Anerkennung, finanziell und historisch, etwa die Kollegen von DaDa und Futurismus oder die Performer von Jazz meets Lyrics. Diese 5 % sind im Literaturbetrieb eher marginalisiert.\u00ab (Aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28705\">Ich m\u00f6chte lieber nicht<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Mehr als 20 CDs mit H\u00f6rst\u00fccken und H\u00f6rspielen entstanden bis heute, erst in den letzten Jahren widmete sich A. J. Weigoni wieder st\u00e4rker dem Buch. Als roter Faden zieht sich aber durch alles das Wortspiel, die kreative Auseinandersetzung mit der Sprache. Mit Witz und Esprit erforscht er neue Nischen und Unterschlupfe.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Enno Stahl, Heinrich Heine Institut<\/span><\/p>\n<p>friedrich erkl\u00e4rte: \u00bbDas Weltverh\u00e4ltnis der Lyrik im 20. Jahrhundert ist mehrfacher Art. Doch bringt es das stets gleiche Ergebnis hervor: Entwertung der wirklichen Welt.\u00ab, \u00bbDie von der Gewalt der Phantasie entgliederte oder zerrissene Wirklichkeit liegt als Tr\u00fcmmerfeld im Gedicht.\u00ab, \u00bbDies alles dient dem dunklen Ziel, in Dissonanzen und Bruchst\u00fccken eine Transzendenz anzudeuten, deren Harmonie und Ganzheit niemand mehr wahrnehmen kann.\u00ab, \u00bbModernes Dichten ist entromantisierte Romantik.\u00ab \u00bbSeit RIMBAUD und MALLARM\u00c9 ist der m\u00f6gliche Adressat des Dichtens die unbestimmte Zukunft.\u00ab, und fragte: \u00bbSind uns alle diese Dichter so weit voraus, da\u00df noch kein gem\u00e4\u00dfer Begriff sie einholen kann und das Erkennen sich darum an jene negativen Begriffe halten mu\u00df, um einen Notbehelf zu haben?\u00ab auf eben solch unabgegoltenes und uneingel\u00f6stes greift weigoni zur\u00fcck, der in einem brief schrieb: \u00bbKulturell gesehen gibt es wenige bis keine Formen, die im 21. Jahrhundert entstanden sind oder nicht schon im 20. Jahrhundert h\u00e4tten existieren k\u00f6nnen.\u00ab und \u00bbInnovation und Fortschritt sind nicht dasselbe. Die Fortschrittsidee mag Sinn haben in Bezug auf Politik oder Medizin, hat aber keine Verwendung in der Kultur.\u00ab die kunst entwickelt sich nicht geradlinig, sondern eher spiralf\u00f6rmig. und die m\u00fcllkippen der kulturgeschichte halten viel material f\u00fcr kreative r\u00fcckgriffe bereit, das man nur finden mu\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Das lange Gedicht ist, im gegenw\u00e4rtigen Moment, schon seiner Form nach politisch; denn es zeigt eine Gegenbewegung gegen Einengung in abgegrenzte Gebiete und K\u00e4stchen.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Walter H\u00f6llerer<\/span><\/p>\n<p>pierre bourdieu schrieb in \u00bbDie Regeln der Kunst \/ Genese und Struktur des literarischen Feldes\u00ab: \u00bbDer Proze\u00df, der die Werke mit sich rei\u00dft, ist Produkt des Kampfes zwischen denen, denen aufgrund ihrer (Dank ihres spezifischen Kapitals auf Zeit) beherrschenden Position innerhalb des Feldes am Konservieren, das hei\u00dft an der Verteidigung der Routine und der Routinisierung, des Banalen und der Banalisierung, kurz: an der bestehenden symbolischen Ordnung gelegen ist, und denen, die zum h\u00e4retischen Bruch, zur Kritik an bestehenden Formen, zum Sturz der geltenden Vorbilder und zur R\u00fcckkehr zu urspr\u00fcnglicher Reinheit tendieren.\u00ab<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #ff0000;\">Zum Langstreckenpoem aus dem Nachlass, das Holger Benkel als Typoskript vorlag:<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_97843\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-97843\" class=\"wp-image-97843 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Weigoni-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><p id=\"caption-attachment-97843\" class=\"wp-caption-text\">Andr\u00e1s (A. J.) Weigoni (* 18. Januar 1956 in Budapest\/Ungarn, Flucht mit den Eltern nach dem Volksaufstand; \u2020 26. Januar 2021 in D\u00fcsseldorf)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">der text, sozusagen ein digitaler abrei\u00dfkalender, folgt mit 366 strophen der struktur der 12 monate und 366 tage des schaltjahres 2024. zu silvester hei\u00dft es illusionslos: \u00bbauf ein ungerechtes Leben folgt ein gerechter Tod\u00ab, ehe der text mit dem wort \u00bbSchweigen\u00ab endet, literarische wiederbelebungen nicht ausgeschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der gleicherma\u00dfen literarische und geistige text ist eine rhythmisierte montage von gedanken im m\u00e4andernden denken eines labyrinthg\u00e4ngers, ein sprechen in inversionen und emphasen. weigoni schafft wortfelder ohne satzenden, wandert durch sie hindurch und betreibt \u00bbeine unentwegte Suche nach einer Sprache der Sprachlosigkeit\u00ab die abs\u00e4tze stehen, indem sie unterbrochen werden und ineinander \u00fcbergehen, zugleich in distanz und n\u00e4he zueinander. auf diese weise wird im laufe des textes vieles gesagte erg\u00e4nzt, erweitert, relativiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der autor fordert: \u00bbden mikroskopischen als auch den teleskopischen Blick wagen\u00ab. georg christoph lichtenberg meinte: \u00bbEin Mensch, dessen eines Auge ein Perspektiv\u00ab, also fernrohr, \u00bbdas andere ein Mikroskop w\u00e4re, wird unter gew\u00f6hnlichen Menschen eine sonderbare Rolle spielen.\u00ab, theodor w. adorno: \u00bbDer Splitter in unserem Auge ist das beste Vergr\u00f6\u00dferungsglas.\u00ab weigoni schreibt: \u00bbDie strengen Wortbilder zersplittern im Kaleidoskop der Farben\u00ab und \u00bbder Zerst\u00fccktheit der menschlichen Existenz entspricht eine implizite Poetik des Bruchst\u00fccks\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">worte und bilder zerspringen im gedicht wie die wirklichkeit. wir begegnen lebensrealen, analytischen, literarischen und bildlichen splitterungen und spaltungen, und deren \u00fcberg\u00e4ngen. \u00bbAufspaltungen sind das Strukturprinzip des Medienzeitalters.\u00ab \u00bbhypermoderne Aufzeichnungs- &amp; Speichertechnik dokumentiert die Aufspaltung der Lebenswelten\u00ab \u00bbdas Individuum wird durch Kommerzialisierung aller Tr\u00e4ume zerschreddert\u00ab emile m. cioran bemerkte: \u00bbModern sein hei\u00dft, am Ausweglosen herumbasteln.\u00ab helmut hei\u00dfenb\u00fcttel, der im zweiten weltkrieg seinen linken arm verloren hatte, nannte sich als autor einen bastler.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">karl kraus schrieb: \u00bbWas vom Stoff lebt, stirbt vor dem Stoffe. Was in der Sprache lebt, lebt mit der Sprache.\u00ab, \u00bbDer Sinn nahm die Form, sie str\u00e4ubte und ergab sich. Der Gedanke entsprang, der die Z\u00fcge beider trug.\u00ab, aber auch: \u00bbDer Analytiker macht Staub aus den Menschen.\u00ab der text spricht von einer \u00bbWortm\u00fchle\u00ab. das analytische zermahlen der worte, besonders der begriffe, und zumal schlagworte, zu wortmehl oder wortm\u00fcll scheint n\u00f6tig in anbetracht der realit\u00e4t. schon werden wieder festere strukturen gegen die aufspaltungen und aufl\u00f6sungen ersehnt. doch welche?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wenn ein gedicht intellektuell ist, dann dieses. der autor, studierter medienp\u00e4dagoge, bei dessen lekt\u00fcre man merkt, allein schon weil der text voller anspielender, versteckter und abgewandelter zitate steckt, wie sehr er sich mit strukturalismus und postmoderne besch\u00e4ftigt hat, reflektiert sprache, bildwelten und medien sowie deren wirkungen, wobei das denkende und schreibende ich ebenfalls als medium sendet und empf\u00e4ngt. zugleich kann man das gedicht als selbstgespr\u00e4ch lesen, als einen geistigen inneren monolog, mit dem der autor, \u00bbArch\u00e4ologe des Ich\u00ab und \u00bbEthnologe des Alltags\u00ab, \u00bbauf eine Selbstentdeckungsfahrt\u00ab geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbPropagandisten der Desillusionierung haben die Gleichzeitigkeit im Blick\u00ab \u00bbDie geplante Planlosigkeit wird zum Konzept der Wirklichkeitbew\u00e4ltigung\u00ab, indem man improvisiert. susan sontag formulierte: \u00bbDas Ged\u00e4chtnis ist eine Performance.\u00ab arthur schopenhauer fragte: \u00bbWenn die ganze Welt eine B\u00fchne ist, wer sind dann die Zuschauer?\u00ab wohl alle. weigoni beschreibt, wie der \u00bbhypermoderne Mensch\u00ab seine wirklichkeit in echokammern einer medialisierten welt erlebt und kaum erkennt. die \u00bbHyperrealit\u00e4t\u00ab besteht mehr als je zuvor aus virtuellen und hypothetischen wirklichkeiten, bis hin, zuende gedacht, zum gewesenen menschen der postmoderne, der im nachhinein wie erfunden wirkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der autor denkt nach \u00fcber ursachen und folgen von denkundverhaltensweisen, und zwar weit hinaus \u00fcbers blo\u00df private und zeitgeistige, also modische. elias canetti mahnte: \u00bbWer den Zustand der Welt, in dem wir leben, nicht sieht, hat schwerlich etwas \u00fcber sie zu sagen.\u00ab weigoni erkennt: \u00bbhypermoderne Menschen geben die distanzierte Auszenwahrnehmung zugunsten einer identifikatorischen Haltung auf \\ Apokalypse nach innen = Kapitulation des Denkens\u00ab. \u00bbdie hypermodernen Menschen haben sich versteinert\u2026 \\ &amp; in der Contenance eingerichtet \\ unter dieser total individualisierten Lebenslage sind sie gezwungen \\ sich f\u00fcr Selbststeigerungskapazit\u00e4ten zu entscheiden\u2026\u00ab \u00bbdie hypermodernen Menschen stehen im Bann eines Gl\u00fccksversprechens \\ welches sich ihnen nicht offenbaren will\u00ab. aus der nicht-offenbarung gottes ist die nicht-offenbarung des gl\u00fccks geworden. \u00bbdas K\u00fchlschranklicht bietet die <em>einzichte<\/em> Erleuchtung\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em>\u00bbstets muss sich der hypermoderne Mensch seines K\u00f6rpers neu versichern \/ er scheint nurmehr als faszinierendes Kost\u00fcm der Seele zu baumeln\u00ab. t\u00e4towierungen auf der haut lassen sich mit graffitis an der wand vergleichen. beide markieren reviere. graffitis waren einmal subversiv, indem sie auf \u00f6ffentlichen w\u00e4nden sagten: \u00bbDas geh\u00f6rt uns!\u00ab heiner m\u00fcller berichtete: \u00bbDie Wandbilder der Minderheiten und die proletarische Kunst der Subway, anonym und mit gestohlener Farbe, besetzen ein Feld jenseits des Marktes. Vorgriff aus dem Elend der Unterprivilegierten in das <em>Reich der Freiheit<\/em>, das jenseits der Privilegien liegt.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">heute sind tattoos reviermarkierungen hautmaskierter ich-marionetten, die rufen: \u00bbHier bin ich!\u00ab, als ob das nicht klar w\u00e4re, und daf\u00fcr pr\u00e4fabrizierte, zu deutsch vorgefertigte, zeichen, bilder und figuren, also (schnitt)muster, und damit schablonen, verwenden. englisch tattou hei\u00dft zapfenstreich, to tattou trommeln. franz\u00f6sisch tatou bedeutet g\u00fcrteltier. die t\u00e4towierten, fr\u00fcher seefahrer, binnenschiffer und strafgefangene, haben sich in menschliche g\u00fcrteltiere der sp\u00e4ten postmoderne verwandelt: ihre haut, ornament, dekor und etikette, ist eine gestochne g\u00fcrtelrose.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">weigonis gedanken haben einen programmatischen, postulierenden, theoretischen und utopischen ansatz und klingen teilweise wie aufrufe: \u00bbHaarrisse im Gef\u00fcge des Denkens vertiefen\u00ab, \u00bbhermetisch versiegelte Einheiten aufbrechen \\ ein gegenalgorithmisches Verhalten entwickeln\u00ab, \u00bbzum analytischen Vision\u00e4r des Rationalismus werden\u00ab, \u00bbIronie als Gegengewicht zur Gravit\u00e4t\u00ab, doch auch zweifelnd: \u00bbdie existenzielle Metamorphose macht wurzellos\u00ab, \u00bbauf die Himmelsgrotesken folgt der H\u00f6llensturz\u00ab. \u00bbIm Abgrund der Geschichte ist f\u00fcr alle Platz.\u00ab, vermerkte paul val\u00e9ry. am ende ist mehr ironie, die auch makaber sein kann, das positive, das halt gibt, und weniger theorie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der autor hinterfragt das uneingel\u00f6ste und erkennt narrative, erfundene erinnerungen, die teils in algorithmen \u00fcbergehn, und postulate, die vielfach aus legenden bestehn und verblenden k\u00f6nnen, was erneut den analytiker herausfordert. susan sontag schrieb 1996: \u00bbDie Zeit, in der wir leben, wird nicht als utopischer Moment erfahren, sondern als das Ende \u2212 genauer gesagt, als die Zeit unmittelbar nach dem Ende \u2212 jedweder Ideale. (Und deshalb auch als Ende der Kultur: wahre Kultur ist ohne Altruismus nicht m\u00f6glich).\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wenn weigoni fordert: \u00bbin einer intellektuellen Selbsterbauungsnotwendigkeit der historischen Spur folgen\u00ab, als ob menschen aus der geschichte lernen w\u00fcrden, ausnahmen ausgenommen, und in langen historischen prozessen auch gemeinschaften, und \u00bbmit maximaler Sachlichkeit als H\u00f6hlenforscher der menschlichen Abgr\u00fcnde von der gegenw\u00e4rtigen Gattungsbaustelle zu den Primaten zur\u00fcckkehren.\u00ab, so klingt das ernst ironisch und ironisch ernst. der mensch ist biologisch eine affenart, die andere affenarten, und zuletzt wom\u00f6glich sich selber, an den rand des aussterbens bringt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dennoch spricht das gedicht, neben aller analyse, die es als ged\u00e4chtnisarch\u00e4ologie bietet, oft von hoffnungen, auch f\u00fcr eine weit in die zukunft hinein gedachte zeit. \u00bbWer sich das Denken nicht verk\u00fcmmern l\u00e4\u00dft, der hat nicht resigniert.\u00ab, wu\u00dfte adorno. postulate, die h\u00e4ufig reale erfahrungen kompensieren, k\u00f6nnen utopische substanz enthalten und freisetzen, indem sie auf unerf\u00fclltes verweisen. \u00bbVer\u00e4nderungen beginnen mit Verwandlungssehnsucht.\u00ab \u00bbneue Deutungsans\u00e4tze bieten sich an \\ um die Welt auf den Kopf zu stellen \\ damit die Gedanken einen Bodensatz durch die Fusznoten bekommen\u2026\u00ab. \u00bbErfundenes bringt das verborgene Wirkliche ans Licht\u00ab \u00bbDas Ungeahnte spielt in den Zwischenr\u00e4umen.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div data-contents=\"true\">\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wiederbelebungsmasznahme<\/strong>, ein Langstreckenpoem von A.J. Weigoni. Edition das Labor 2024<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Schuber<\/strong><em>. Das lyrische Werk + ein H\u00f6rbuch mit den Gesamteinspielungen<\/em>. Edition Das Labor, M\u00fclheim 2017.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schmauchspuren<\/strong><em>. Gedichte<\/em>. Edition Das Labor, M\u00fclheim 2015.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Parlandos<\/strong><em>, Langgedichte &amp; Zyklen<\/em>. Edition Das Labor, M\u00fclheim 2013.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dichterloh<\/strong><em>. Kompositum in vier Akten<\/em>. Lyrikedition 2000, M\u00fcnchen 2005<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Letternmusik<\/strong>. Gedichte. Rospo-Verlag, Hamburg 1995<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der lange Atem<\/strong><strong>.<\/strong> <em>Gedichte &amp; Collagen 1975\u20131985<\/em>, Verlag Die Schublade Nr. 19 (Zusammenarbeit Bundensring junger Autoren), Mettmann 1985.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<div id=\"attachment_46607\" style=\"width: 1290px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Schuber.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-46607\" class=\"wp-image-46607 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Schuber.jpeg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"854\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Schuber.jpeg 1280w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Schuber-300x200.jpeg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Schuber-768x512.jpeg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Schuber-1024x683.jpeg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-46607\" class=\"wp-caption-text\">Der Schuber wurde handgefertigt von Olaf Grevels (Vorwerk Kartonagen) \u2013 Photo: Jesko Hagen<\/p><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192\u00a0<\/strong>Jeder Band aus dem <em>Schuber<\/em> von A.J. Weigoni ist ein Sammlerobjekt. Und jedes Titelbild ein Kunstwerk. KUNO fa\u00dft die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42570\">Stimmen<\/a> zu dieser verlegerischen Gro\u00dftat zusammen.<\/div>\n<div>\n<p><strong>\u2192\u00a0<\/strong>A.J. Weigoni geriet nie in die N\u00e4he des Verdachts, eine Autobiographie zu schreiben. Daher versteht KUNO diese <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/01\/18\/die-glueckskatastrophe-des-kuenstlerdaseins\/\">essayistische Hinterlassenschaft<\/a> des Ohryeurs als Liebeserkl\u00e4rung an den H\u00f6rsinn.<\/p>\n<p><strong>\u2192\u00a0<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grunds\u00e4tze seines Schaffens beschreibt. Zuletzt bei KUNO, eine Polemik von A.J. Weigoni \u00fcber den Sinn einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/02\/07\/bartleby\/\">Lesung<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192\u00a0<\/strong>Zuletzt bei KUNO, eine Polemik von A.J. Weigoni \u00fcber den Sinn einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/02\/07\/bartleby\/\">Lesung<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gedicht entsteht \u00fcberhaupt sehr selten &#8211; ein Gedicht wird gemacht. Gottfried Benn dichtung lebt nicht allein von pl\u00f6tzlicher inspiration, sondern ebenso durch kontinuierliche arbeit. in seinem essay VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie l\u00e4\u00dft weigoni, der betont, da\u00df&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/02\/29\/ueber-das-lyrische-werk-von-a-j-weigoni\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":36,"featured_media":97843,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,1730,46,918,622,104,1007,749,110,2423,1025,2768,92,1030,93,2425,259,630,44,2694,3971,371,94,3972,36,1019,86,1006,41,306,38,49,107,1455,52,3805,2799,394,2428,221,84,57,35,866,129,428,857],"class_list":["post-77937","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-albrecht-duerer","tag-almuth-hickl","tag-angelika-janz","tag-arthur-rimbaud","tag-axel-kutsch","tag-bibiana-heimes","tag-bjorn-kuhligk","tag-dieter-scherr","tag-dieter-wieczorek","tag-edgar-allan-poe","tag-elfriede-jelinek","tag-enno-stahl","tag-ernst-junger","tag-francisca-ricinski","tag-franz-norbert-mennemeier","tag-gottfried-benn","tag-gunter-kunert","tag-haimo-hieronymus","tag-heinz-guenter-mebusch","tag-heinz-ludwig-arnold","tag-hel","tag-holger-benkel","tag-hugo-friedrich","tag-ioona-rauschan","tag-jesko-hagen","tag-joachim-paul","tag-judith-ryan","tag-jurgen-diehl","tag-leonard-billeke","tag-marina-rother","tag-mischa-kuball","tag-patricia-brooks","tag-peter-maiwald","tag-peter-meilchen","tag-pierre-bourdieu","tag-sabine-hoffman","tag-sophie-reyer","tag-steffen-tos","tag-stephane-mallarme","tag-theo-breuer","tag-thomas-suder","tag-tom-tager","tag-ulrich-bergmann","tag-ulrike-draesner","tag-walter-benjamin","tag-walter-hollerer"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77937","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/36"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=77937"}],"version-history":[{"count":12,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77937\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":105295,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77937\/revisions\/105295"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97843"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=77937"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=77937"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=77937"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}