{"id":77891,"date":"2023-12-14T00:01:53","date_gmt":"2023-12-13T23:01:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=77891"},"modified":"2022-02-26T13:56:11","modified_gmt":"2022-02-26T12:56:11","slug":"vier-asse-auf-der-hand","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/12\/14\/vier-asse-auf-der-hand\/","title":{"rendered":"Vier Asse auf der Hand"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>A.J. Weigoni ist ein genialer Decouvreur von Alltagsmythen, ein Demonteur von Sprache auf hohem Niveau.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Wolfgang Schlott<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_20097\" style=\"width: 152px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/ZombiesCover3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-20097\" class=\"wp-image-20097 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/ZombiesCover3.jpg\" alt=\"\" width=\"142\" height=\"207\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-20097\" class=\"wp-caption-text\">Coverphoto. Anja Roth<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich sind Zombies lebende Tote. Vertieft sich allerdings der Leser in den Kurzgeschichtenband &#8222;Zombies&#8220; von Andrascz Jaromir Weigoni, glaubt er sich eher von toten Lebenden umgeben, die als willenlose Marionetten an F\u00e4den von Hinterm\u00e4nnern und -frauen zu h\u00e4ngen scheinen, um auf diversen gesellschaftlichen Kleinb\u00fchnen dem zu folgen, was Trendsetter, Politiker, Journalisten, Autoren, Regisseure und andere wie auch immer geartete Puppenspieler von ihnen erwarten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Autor, ob nun als Dompteur menschlicher Bestien oder als deren schlichter Beobachter unterwegs, f\u00fchrt den Leser durch einen nicht gerade abgesicherten K\u00e4fig, in dem menschliche Monster und normale Zeitgenossen ihren \u00c4ngsten, Leidenschaften und Alltagsgrausamkeiten ausgeliefert sind. Im Tonfall banal und unaufgeregt, regt der in Budapest geborene Autor dennoch auf und findet je nach Inhalt der jeweiligen kurzen Erz\u00e4hlungen eine ureigene Sprache, die seine Figuren und deren Lebensumwelt \u00e4u\u00dferst zutreffend charakterisiert. Dabei sch\u00f6pft er offenbar aus einem schier unglaublichen Vokabel-Repertiore eines Sprachgenies.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine bedauernswerten Gestalten stellt Weigoni durch grotesken und rabenschwarzen Humor als rettungslose Verlierer dar, die unaufhaltsam global apokalyptischen Niedergangsszenarien ausgeliefert zu sein scheinen. Angesichts der Reaktorkatastrophen im japanischen Fukushima kommt somit ein Teil dieser Szenarien den Realit\u00e4ten erschreckend nah.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Autor beklagt \u2013 allerdings ohne wirklich zu klagen &#8211; Identit\u00e4tsverluste, stellt Geschlechterrollen in Frage. Er setzt unter anderem in der Erz\u00e4hlung &#8222;Werbeblock\u201c einem &#8222;Selbst- und Fremddarsteller\u201c und dessen &#8222;veraltetem Image den coolen Dandy entgegen, der sich vor dem Spiegel selbst entwirft. Ein in W\u00fcrde gealtertes Symbol f\u00fcr galantes Machotum\u2026\u201c Der verunsicherte Mann bleibt somit auch nicht verschont. \u201eMacht, was ihr wollt, aber macht es profitabel!\u201c ist offenbar &#8222;der Leitgedanke\u201c, dem in der kapitalistischen Welt alle Figuren Weigonis mehr oder weniger offensichtlich folgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Sprachjongleur nimmt seine Leser mit auf eine abenteuerliche Reise &#8222;in popmoderner Grossraumprosa\u201c, l\u00e4sst sie an vielen Stationen aussteigen und f\u00fchrt sie in der Umgebung herum. Dabei macht er sie zu Voyeuren gew\u00f6hnlicher Obz\u00f6nit\u00e4ten, die er als Reisef\u00fchrer sprachlich ungew\u00f6hnlichst pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Buch eignet sich weniger als entspannende Urlaubs- oder Feierabendlekt\u00fcre, wohl aber als Lesestoff f\u00fcr gesellschaftskritische Realisten und Surrealisten, die gern in Happen B\u00fccher mit kurzen Erz\u00e4hlungen lesen und durchaus ahnen, dass Menschen nur \u00e4u\u00dferst bedingt aus ihrer Vergangenheit schlauer werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beinahe hoffnungsvoll philosophisch und auffordernd endet das Buch mit der Feststellung: \u201eDie Vergangenheit wird begehbar, ein Zur\u00fcck ist kein R\u00fcckschritt. Ankunft ist ein Prozess, der nicht enden wird.\u201c Damit l\u00e4sst Weigoni seine Leser dann doch nicht vollkommen hoffnungs- und orientierungslos im Chaos &#8211; oder um es aktuell auszudr\u00fccken &#8211; im atomaren Regen stehend zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Kapitalismus bleibt \u00fcbrig, wenn Rituale oder elaborierte Symbolwelten kollabiert sind und nur noch der Zuschauer\u2013Konsument durch die Ruinen und Relikte wandert.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Mark Fisher<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_44223\" style=\"width: 204px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44223\" class=\"wp-image-44223 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz-194x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz-194x300.jpeg 194w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz.jpeg 657w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-44223\" class=\"wp-caption-text\">Covermontage: Jesko Hagen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weigonis Novellenbuch endet mit: <em>\u2026 \u00fcbrigens gibts ein Leben nach der Kunst, vielleicht ist es das bessere. Who cares?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich das &#8218;Kunstwerk&#8216; ausgelesen hatte, versp\u00fcrte ich umgehend die Sehnsucht nach einem (wenigstens) anderen Leben. Die Novellen hatten mich in eine k\u00fcnstliche Welt medialer Kunst hineingezogen. Immerhin kostet das 319 Seiten umfassende Buch mich Wochen, da ich es nur langsam lesen und verstehen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei durchaus vorhandenen <em>\u00c4tschen<\/em>-Teilen zieht es immer wieder in intensiv geschilderte Szenen und in nachdenkenswerte Dialoge hinein, die in der jeweilig dazu geh\u00f6rigen Fachsprache gef\u00fchrt werden. Allein wer diese Szenen nachf\u00fchlen und die Dialoge verstehen will, braucht Zeit und nicht selten Fachw\u00f6rterb\u00fccher. Nat\u00fcrlich lassen sich, ganz der real virtuellen Welt dieser Lekt\u00fcre gehorchend, die meisten den jeweiligen Fachjagons entlehnten W\u00f6rter auch stilgerecht ergooglen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Lautmalend verdichtet<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Un\u00fcberlesbar ist der Autor ein begabter <a href=\"http:\/\/www.bookrix.de\/_title-de-matthias-hagedorn-portraet-eines-ohryeurs\">Lyriker<\/a>. Er versteht es, die Erlebnisse seiner Protagonisten auch lautmalend so zu verdichten, dass er seinen Lesern damit zumutet und erm\u00f6glicht, sie immer wieder durch eigene dazu fantasierte Wortbilder und Vermutungen aufzulockern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer dem Kapitalismus dienenden Welt ger\u00e4t, wenn der Leser sich auf die Folgerungen des Autor einl\u00e4sst, offenbar alles zum Gesch\u00e4ft und nimmt sowohl als Hobby und als auch als Beruf Liebhaber sowie Profis in seinen Besitz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Mediensprache &#8211; einschlie\u00dflich ihrer mehr oder weniger originellen Werbespr\u00fcche und Politphrasen &#8211; wird zu beherrschenden Alltagssprache, welche die Muttersprache im eigentlichen Sinne \u00fcberlagert, verdr\u00e4ngt oder gar zu widerlegen versucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Krimi und Liebesgeschichten<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weigonis Novellen haben dabei durchaus aufregende Krimi-Anteile. Selbst Liebesgeschichten kommen nicht zu kurz. Dennoch bleiben die daraus entstehenden Spannungsh\u00f6hepunkte und emotionalen Szenen irgendwo zwischen Realit\u00e4t und Virtualit\u00e4t stecken. Sie hinterlassen den Eindruck, als w\u00fcrden die Protagonisten nicht leben sondern sich gegen eine gewisse Langeweile um ein vermeintlich zeitgem\u00e4\u00dfes selbst bestimmtes Leben bem\u00fchen. Eigentlich aber werden sie gelebt<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Spannendes Detektivspiel<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr den Leser bleibt das Buch bei aller Verstehensm\u00fche dennoch ein spannendes und verzwicktes Detektiv-Spiel auf der Suche nach einem erf\u00fcllteren Leben mit mehr Tiefe \u2013 und das umso mehr, \u00a0je weiter die handelnden Personen sich davon entfernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der von ihnen angestrebte <em>Cyberspasz<\/em> gleicht bei allem Bem\u00fchen um individuelle Originalit\u00e4t eher seichter Comedy und nicht jenem tiefgr\u00fcndigen Humor, der durchaus noch lebenslustvermittelnd sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Massenmedien l\u00e4sst der Autor feststellen, <em>forcieren das niedere Niveau, z\u00fcchten es gar teilweise.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAlles klappt. Doch nichts gl\u00fcckt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das <em>utopische Konzept der Eigenverantwortung einer Declaration of Independence als MAGNA CHARTA F\u00dcR DAS ZEITALTER DES WISSENS<\/em> in Weignonis Buch behauptet. <em>Cyberspace<\/em> sei d<em>as Land des Wissens<\/em>, und <em>dessen Erforschung die wahrste und h\u00f6chste Berufung der Zvilisation<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst wenn das f\u00fcr die Zivilisation stimmen mag, dr\u00e4ngt sich dem Leser unweigerlich die Frage auf, wie es um unsere Kultur steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei ihr geht es nur angeblich um Aufkl\u00e4rung und eigentlich um deren Wiederverschleierung durch so genannte Wirtschaftwissenschaften und Medien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Somit kommt Weigoni \u00fcber das Zusammenleben seiner Figuren zu dem Fazit:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zusammenhang gibt es nur durch Zitate, Wiederholungen, W\u00f6rterschleifen und Textspiralen. Alles klappt in ihrem Leben. Doch nichts gl\u00fcckt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Buch f\u00fcr kritische Leser, das bei allen vermittelten Sach-Inhalten dennoch ein ausgesprochen belletristisches geblieben ist und daher nacherlebbar unsere kapitalistische Bild und Wort verwertende Mediengesellschaft zu durchschauen hilft .<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Jede Liebesgeschichte ist eine potenzielle Leidensgeschichte. Wenn nicht gleich, dann sp\u00e4ter. Wenn nicht f\u00fcr den einen, dann f\u00fcr den anderen. Manchmal auch f\u00fcr beide.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u00a0Julian Barnes<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An Liebesgeschichten versuchen und versuchten sich Romanciers immer und immer wieder, denn bekannterma\u00dfen bleibt die Liebe am Ende immer unergr\u00fcndlich und unbeschreiblich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch A.J. Weigoni, vor allem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42570\">Lyriker<\/a> und als solcher unweigerlich der Liebe und ihren Begleiterscheinungen zugetan, probiert es mit seinem Roman \u201eAbgeschlossenes Sammelgebiet\u201c auf eine eher ungew\u00f6hnliche Art.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht lange nach der so genannten Wende und dem Fall der Mauer zwischen der Deutschen Demokratischen und der Bundes-Republik suchen und finden im Zeitraum zwischen dem 9. November 1989 und dem 18. M\u00e4rz 1990 \u00a0damalige Zeitgenossinnen und \u2013genossen ihre ganz eigenen Erkl\u00e4rungen f\u00fcr jenes zwischenmenschlich ungeheuer \u00a0anziehende Ph\u00e4nomen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einerseits erleben sie sinnhaft ideologisierend und andererseits zugleich sinnlich l\u00fcstern Teile ihrer Lebens- und Liebesgeschichten. Und da Liebe in der Regel zun\u00e4chst einmal zusammenf\u00fchrt, eignet sich die (Wieder-)Vereinigung der beiden deutschen Staaten nicht zuletzt auch f\u00fcr eine Art Liebesbeweis, dem sich jenes abgeschlossene Sammelgebiet DDR teils freiwillig, teils unter Druck und \u00a0mit den Mitteln einer friedlichen Revolution \u00f6ffnete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob jenes erste Verliebtsein unmittelbar nach der Mauer\u00f6ffnung jedoch zur dauerhaften deutsch-deutschen Liebe f\u00fchren wird, blieb bis zum heutigen Tag offen, zumal viele Liebenden es nach jener Isolierung in ihrem einstigen Staat vorziehen und vorzogen, \u201ein unerforschte Welten aufzubrechen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Zitat von Karl Kraus geht dem Romans voraus:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u201eDie unwahrscheinlichsten\u00a0 Gespr\u00e4che, die hier gef\u00fchrt werden, sind w\u00f6rtlich gesprochen worden; die grellsten Erfindungen sind Zitate.\u201c<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_98410\" style=\"width: 204px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98410\" class=\"wp-image-98410 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/RomanCoverMotiv-e1645710376253.jpg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-98410\" class=\"wp-caption-text\">Postwertzeichen erschienen zum 20. Jahrestag der DDR. Entwertet am 9. November 1989<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesem Motto entsprechend lassen sich Charlotte, Jane und Moritz, die Hauptfiguren des atmosph\u00e4risch \u00e4u\u00dferst dichten Romans \u00fcber ihr Leben, ihren beruflichen Alltag, ihre Liebesversuche und -Gewohnheiten und \u00a0das aus, was sie daf\u00fcr halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Roman gibt in kurzen S\u00e4tzen einen Art Rock\u2019n\u2019Roll-Rhythmus vor und damit den hastigen Takt st\u00e4ndiger Ver\u00e4nderungen, dem heutige wie damalige Zeitgenossen sich offenbar ausgesetzt f\u00fchlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In D\u00fcsseldorf sowie in der \u201eHauptstadt der DDR\u201c, aber auch bei Fluchten nach Paris und R\u00fcgen werden gelebte Tageb\u00fccher aufgebl\u00e4ttert. Sie beschreiben und reflektieren anhand vieler ungew\u00f6hnlicher Metaphern das dortige Leben der Romanfiguren sowie ihr Denken und F\u00fchlen und bieten es somit den Lesern zum tieferen Mit- und Nachempfinden an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weigoni nimmt kenntnisreich sowohl die jeweiligen Ideologien und Glaubensrichtungen seiner Figuren als auch ihre k\u00fcnstlerische und berufliche Ausrichtung zum Anlass, wortspielerisch deren Auffassungen und Empfindungen von ihrer Liebe und ihrem Lebens durchzubuchstabieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Roman wird dadurch zu einem Abbild der 1989-er Generation, die sich abm\u00fcht, zwischen Lebenslust und \u2013unlust ihre Rollen in einer \u201eCoolness der Verzweiflung\u201c zu spielen. Sicherlich ist dem Autor damit auch gelungen, bei der Bew\u00e4ltigung der Vergangenheit der Zweistaatlichkeit und des kalten Krieges behilflich zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal verliert sich Weigoni dabei allerdings im jeweiligen Fachjargon und verlangt den Lesern eine hohe Kenntnis an Fremd- und Fachw\u00f6rtern ab. Somit ist die Lekt\u00fcre ohne W\u00f6rterbuch und\/oder Smartphone sowie \u201ewikipedia\u201c kaum zufriedenstellend zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer sich jedoch auf diese langsame und intensive Lesart einlassen kann, der wird dar\u00fcber sicherlich zu einem intellektuellen Hochgenuss ge- und verf\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Buch ist vor allem politisch und gesellschaftlich \u00a0interessierten\u00a0 Lesern zu empfehlen sowie auch jenen, die sich in der Kunstszene jener Jahre umtun wollen. Da finden \u2013 bei aller Liebe &#8211; Opern- und Musikliebhaber, Film-Fans, Interessenten der bildenden Kunst und der allgemeinen Kunstkritik sowie anderer Gattungen eine F\u00fclle von Erlebnissen und Denkanregungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Im rheinischen Brauhaus ist die Utopie der klassenlosen Gesellschaft zur Realit\u00e4t geworden.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_98379\" style=\"width: 220px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98379\" class=\"wp-image-98379 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Lokalhelden_Cover-e1645862905963.jpeg\" alt=\"\" width=\"210\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-98379\" class=\"wp-caption-text\">Cover: Jo Lurk<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer A.J. Weigoni uneingeschr\u00e4nkt Glauben schenken m\u00f6chte, wird bei der Lekt\u00fcre von seinem Roman <em>Lokalhelden<\/em> vorschnell annehmen, der wahre Rheinl\u00e4nder habe keine Heimat und sein eigentliches Zuhause sei dort, wo Oberg\u00e4riges ausgeschenkt werde \u2013 im rheinischen Brauhaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Der Rausch durch das \u201eLekker Oberg\u00e4rig\u201c f\u00fchrt die Rheinl\u00e4nder nirgendwo hin, diese Typen brauchen immer wieder eine zerst\u00f6rerische Verwirklichung, um \u00fcberhaupt zu existieren. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die tiefgr\u00fcndigen philosophischen und psychologischen Erkenntnisse \u00fcber K\u00f6lsche und andere Anwohner am mittleren Teil des deutschesten aller Fl\u00fcsse scheinen vor allem unter nicht immer geringem alkoholischen Einfluss der jeweiligen Bekenner beobachtet und aufgeschnappt worden zu sein. Und so mancher mehr oder weniger geschw\u00e4tzige Brauhaus-Gast ist, wenn der Autor Recht behalten sollte, offenbar mit einem schier unermesslichen Repertoire wissenschaftlicher Fachausdr\u00fccke gesegnet. (<span style=\"color: #999999;\">Redaktionelle Anmerkung<\/span>: Als Humanist h\u00e4lt Weigoni die Menschen nicht f\u00fcr d\u00fcmmer als sie wirklich sind.)<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Er beherrscht die verlorene Kunst, kleinste Details herauszuarbeiten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das l\u00e4sst nicht allein R\u00fcckschl\u00fcsse auf den schier unermesslichen Wortschatz des hochbegabten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=395\">Lyrikers<\/a> Weigoni zu und macht die Romanfiguren zun\u00e4chst eher unglaubw\u00fcrdig, schafft allerdings Typen, die durch den Autor intellektuell \u00fcberh\u00f6ht werden, ohne dadurch als solche real unvorstellbar zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber 25 Jahre hat Weigoni an diesem intellektuell anspruchsvollen und dennoch nicht abgehobenen Heimatroman gearbeitet. Dabei brachte er manches zusammen, was zun\u00e4chst unvereinbar wirkt, zumal er den Rheinl\u00e4nder u.a. als Meister einer Philosophie widerspruchsloser Widerspr\u00fcche darzustellen wei\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nicht nur dabei verbindet Weigoni manches, was in der Form kaum vorstellbar ist. F\u00fcr ihn wirkt der Rheinl\u00e4nder offenbar wie ein Sammelsurium unterschiedlichster Verhaltens- und Denkschemata. Was im \u00fcbrigen den echten Historiker kaum verwundert, da das Rheinland bereits in vorr\u00f6mischer Zeit nahezu unabl\u00e4ssig von fremden V\u00f6lkern durchwandert und erobert worden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Somit wurde bereits vor Jahrtausenden die rheinische Anpassungsf\u00e4higkeit und Toleranz immer und immer wieder herausgefordert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und da Deutschland im Herzen Europas ebenfalls Jahrtausende lang Durchzugsgebiet war, steht das Rheinland in vielem auch noch nach der sogenannten Bonner Republik f\u00fcr andere deutsche Lande.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Un\u00fcbersichtlich viele <em>Lokalhelden<\/em> l\u00e4sst der offensichtlich \u00e4u\u00dferst belesende Romanautor mit ihren jeweils ureigenen Ansichten auftreten &#8211; ganz im Sinne der heutigen Massengesellschaft, deren Mitglieder zugleich unbedingt als Individualisten gesehen werden m\u00f6chten und dennoch einer gewissen Spezies angeh\u00f6ren wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die Rheinl\u00e4nder stehen fest auf dem Boden ihrer Instabilit\u00e4t.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Lebensstrategien der Rheinl\u00e4nder geh\u00f6ren nach Weigonis Wahrnehmung und Machart u.a., dass \u201eer sich durchs Leben treiben\u201c l\u00e4sst \u201eund hofft, dass ihm irgendwann klar wird, worauf er eigentlich wartet.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist durchaus vorstellbar, dass der Roman <em>Lokalhelden<\/em> eine \u00e4hnlich abwartende Entstehungsgeschichte hat. Immerhin hat der Autor ein Vierteljahrhundert ben\u00f6tigt, um seinen Roman zu jenem Ende zu bringen, auf das er vermutlich gewartet und zugearbeitet hat. Und in dieser Zeit m\u00f6gen ihm diverse rheinische Zeit-Genossinnen und Genossen begegnet sein, denen er in seinem Roman immer wieder ein Kurzaufnahme gew\u00e4hren konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich waren dabei auch diverse Jecken bei unterschiedlichsten Karnevalsereignissen, die ihn einer seiner vielen, eher verst\u00e4ndnislosen Protagonisten fragen l\u00e4sst:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u201eKann eigentlich unsere zivilisierte Welt noch l\u00e4nger akzeptieren, dass Hunderte von Betrunkenen mit bemalten Visagen und lustigen H\u00fctchen durch die Stra\u00dfen marodieren, um eine Schneise der mentalen und \u00e4sthetishen Verw\u00fcstung zu schlagen?\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, denn hier hilft der nahezu zweitausendj\u00e4hrige rheinische Katholizismus. Er hat sich lebenspraktisch immer wieder bew\u00e4hrt und bietet ohne gr\u00f6\u00dferen Aufschub seine Hilfen an.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u201eMan h\u00f6rt sich schlechte Reden an oder h\u00e4lt sie selbst. Hinterher feiert man, dann ist es <em>futschikato<\/em>, wie nach der Beichte.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e\u201eDer Sumpf ist bereits trockengelegt, wozu noch mit Schlamm schmeissen? Es gibt eine Moral, auch im Morast und eigentlich gerade da\u201e, schlie\u00dft der Pastor den Abend\u201c im Brauhaus \u201esalbungsvoll, faltet die H\u00e4nde und ist mit sich und seiner Rolle zufrieden.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kleriker dieser Art sind \u00e4u\u00dferst beliebt in den rheinischen Gefilden. Dogmatische Erzbisch\u00f6fe und ihre geistlichen Helfer bekannterma\u00dfen eher nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich l\u00e4sst Weigoni sich sprachlich wohl klingend, wie es sich f\u00fcr einen begabten Lyriker geh\u00f6rt, \u00fcber alle im ach so toleranten K\u00f6ln lebenden Minderheiten aus. Schwule, Lesben, Transen sind seinem und ihrem eigenen rheinischen Singsang und Charme erlegen. \u00a0Banker, Unternehmer, T\u00fcrken, diverse K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler, Prostituierte, Sozialarbeiter und sogar \u201eHeteronormalverbraucher\u201c stromern durch die unz\u00e4hlige Romanszenen. Einen l\u00e4sst er gar \u201eim heiligen Unernst\u201c frauenemanzipatorische aufst\u00f6hnen:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u201eIhr Weiber seid intellektuell echt unterfordert und emotional \u00fcberfrachtet.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber nicht selten eignen sich Weignonis Ausspr\u00fcche im Sinne kreativ rheinischer Redseligkeit auch als Aphorismen, Kalenderspr\u00fcche und andere Lebensweisheiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allein deswegen ist der Roman mehr als lesenswert. Daher wird hier inhaltlich nichts weiter von den noch so lebensklugen Spr\u00fcchen verraten. Bis auf:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Keine L\u00f6sung ist auch eine L\u00f6sung. Oft sogar die bessere. Auch wenn der Roman endet:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u201eEs l\u00e4sst sich nicht sagen, ob es (das Leben) besser wird, wenn es anders wird; aber so viel kann man wagen: Es muss anders werden, wenn es wirklich gut werden soll.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nach der Lekt\u00fcre des Romans, den ich hier nicht nur Rheinl\u00e4ndern empfehle, kann es nur besser werden, liebe Leserinnen und Leser.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\">***<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend:<\/strong><\/p>\n<div style=\"width: 130px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=34569&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Billie.jpeg\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Billie.jpeg 550w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Billie-136x300.jpeg 136w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Billie-463x1024.jpeg 463w\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"266\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Billy trifft Bibliophilie<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Alle <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=395\">Gedichtb\u00e4nde<\/a> sind zusammen mit dem auf vier CDs erweiterten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28660\">H\u00f6rbuch<\/a> <strong>Gedichte<\/strong> in einem hochwertigen Schuber aus schwarzer Kofferhartpappe erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Eine Werk\u00fcbersicht \u00fcber die akustische Kunst finden Sie in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/metaphon.htm\">MetaPhon<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Auch die Prosa ist in einem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=1016\">Schuber<\/a> erh\u00e4ltlich. Und nur darin enthalten ist das H\u00f6rbuch <strong>630<\/strong> und der Band\u00a0 <strong>Vorlass.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>A.J. Weigoni ist ein genialer Decouvreur von Alltagsmythen, ein Demonteur von Sprache auf hohem Niveau. Wolfgang Schlott Eigentlich sind Zombies lebende Tote. Vertieft sich allerdings der Leser in den Kurzgeschichtenband &#8222;Zombies&#8220; von Andrascz Jaromir Weigoni, glaubt er sich eher von&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/12\/14\/vier-asse-auf-der-hand\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":23,"featured_media":97851,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,368],"class_list":["post-77891","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-karl-feldkamp"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77891","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/23"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=77891"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77891\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100846,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77891\/revisions\/100846"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97851"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=77891"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=77891"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=77891"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}