{"id":77811,"date":"2023-07-14T00:01:21","date_gmt":"2023-07-13T22:01:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=77811"},"modified":"2022-02-25T17:28:33","modified_gmt":"2022-02-25T16:28:33","slug":"ueber-sprache-ueberhaupt-und-ueber-die-sprache-des-menschen-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/07\/14\/ueber-sprache-ueberhaupt-und-ueber-die-sprache-des-menschen-2\/","title":{"rendered":"\u00dcber Sprache \u00fcberhaupt und \u00fcber die Sprache des Menschen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p class=\"imTAJustify\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"ff1 cf0 fs28\">Jede \u00c4u\u00dferung menschlichen Geisteslebens kann als eine Art der Sprache aufgefa\u00dft werden, und diese Auffassung erschlie\u00dft nach Art einer wahrhaften Methode \u00fcberall neue Fragestellungen. Man kann von einer Sprache der Musik und der Plastik reden, von einer Sprache der Justiz, die nichts mit denjenigen, in denen deutsche oder englische Rechtsspr\u00fcche abgefa\u00dft sind, unmittelbar zu tun hat, von einer Sprache der Technik, die nicht die Fachsprache der Techniker ist. Sprache bedeutet in solchem Zusammenhang das auf Mitteilung geistiger Inhalte gerichtete Prinzip in den betreffenden Gegenst\u00e4nden: in Technik, Kunst, Justiz oder Religion. Mit einem Wort: jede Mitteilung geistiger Inhalte ist Sprache, wobei die Mitteilung durch das Wort nur ein besonderer Fall, der der menschlichen, und der ihr zugrunde liegenden oder auf ihr fundierten (Justiz, Poesie), ist. Das Dasein der Sprache erstreckt sich aber nicht nur \u00fcber alle Gebiete menschlicher Geistes\u00e4u\u00dferung, der in irgendeinem Sinn immer Sprache innewohnt, sondern es erstreckt sich auf schlechthin alles. Es gibt kein Geschehen .oder Ding weder in der belebten noch in der unbelebten Natur, das nicht in gewisser Weise an der Sprache teilh\u00e4tte, denn es ist jedem wesentlich, seinen Inhalt mitzuteilen. Eine Metapher aber ist das Wort \u00bbSprache\u00ab in solchem Gebrauche durchaus nicht. Denn es ist eine volle inhaltliche Erkenntnis, da\u00df wir uns nichts vorstellen k\u00f6nnen, das sein geistiges Wesen nicht im Ausdruck mitteilt; der gr\u00f6\u00dfere oder geringere Bewu\u00dftseinsgrad, mit dem solche Mitteilung scheinbar (oder wirklich) verbunden ist, kann daran nichts \u00e4ndern, da\u00df wir uns v\u00f6llige Abwesenheit der Sprache in nichts vorstellen k\u00f6nnen. Ein Dasein, welches ganz ohne Beziehung zur Sprache w\u00e4re, ist eine Idee: aber diese Idee l\u00e4\u00dft sich auch im Bezirk der Ideen, deren Umkreis diejenige Gottes bezeichnet, nicht fruchtbar machen. Nur soviel ist richtig, da\u00df in dieser Terminologie jeder Ausdruck, sofern er eine Mitteilung geistiger Inhalte ist, der Sprache beigez\u00e4hlt wird. Und allerdings ist der Ausdruck seinem ganzen und innersten Wesen nach nur als Sprache zu verstehen; andererseits mu\u00df man, um ein sprachliches Wesen zu verstehen, immer fragen, f\u00fcr welches geistige Wesen es denn der unmittelbare Ausdruck sei. Das hei\u00dft: die deutsche Sprache z. B. ist keineswegs der Ausdruck f\u00fcr alles, was wir <i>durch<\/i> sie \u2013 vermeintlich \u2013 ausdr\u00fccken k\u00f6nnen, sondern sie ist der unmittelbare Ausdruck dessen, was sich in ihr mitteilt. Dieses \u00bbSich\u00ab ist ein geistiges Wesen. Damit ist es zun\u00e4chst selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df das geistige Wesen, das sich in der Sprache mitteilt, nicht die Sprache selbst, sondern etwas von ihr zu Unterscheidendes ist. Die Ansicht, da\u00df das geistige Wesen eines Dinges eben in seiner Sprache besteht \u2013 diese Ansicht als Hypothesis verstanden, ist der gro\u00dfe Abgrund, dem alle Sprachtheorie zu verfallen droht,<a class=\"imCssLink\">*<\/a> und \u00fcber, gerade \u00fcber ihm sich schwebend zu erhalten ist ihre Aufgabe. Die Unterscheidung zwischen dem geistigen Wesen und dem sprachlichen, in dem es mitteilt, ist die urspr\u00fcnglichste in einer sprachtheoretischen Untersuchung, und es scheint dieser Unterschied so unzweifelhaft zu sein, da\u00df vielmehr die oft behauptete Identit\u00e4t zwischen dem geistigen und sprachlichen Wesen eine tiefe und unbegreifliche Paradoxie bildet, deren Ausdruck man in dem Doppelsinn des Wortes <\/span><span class=\"ff2 cf0 fs28\">\uf04c\uf06f\uf067\uf06f\uf073\uf020<\/span><span class=\"ff1 fs28\"> gefunden hat. Dennoch hat diese Paradoxie als L\u00f6sung ihre Stelle im Zentrum der Sprachtheorie, bleibt aber Paradoxie und da unl\u00f6sbar, wo sie am Anfang steht. Was teilt die Sprache mit? Sie teilt das ihr entsprechende geistige Wesen mit. Es ist fundamental zu wissen, da\u00df dieses geistige Wesen sich <i>in<\/i> der Sprache mitteilt und nicht <i>durch<\/i> die Sprache. Es gibt also keinen Sprecher der Sprachen, wenn man damit den meint, der <i>durch<\/i> diese Sprachen sich mitteilt. Das geistige Wesen teilt sich in einer Sprache und nicht durch eine Sprache mit \u2013 das hei\u00dft: es ist nicht von au\u00dfen gleich dem sprachlichen Wesen: Das geistige Wesen ist mit dem sprachlichen identisch, nur<i> sofern<\/i> es mitteil<i>bar<\/i> ist. Was an einem geistigen Wesen mitteilbar ist, das ist sein sprachliches Wesen. Die Sprache teilt also das jeweilige sprachliche Wesen der Dinge mit, ihr geistiges aber nur, sofern es unmittelbar im sprachlichen beschlossen liegt, sofern es mitteilbar ist. Die Sprache teilt das sprachliche Wesen der Dinge mit. Dessen klarste Erscheinung ist aber die Sprache selbst. Die Antwort auf die Frage: was teilt die Sprache mit? lautet also:<i> Jede Sprache teilt sich selbst mit<\/i>. Die Sprache dieser Lampe z. B. teilt nicht die Lampe mit (denn das geistige Wesen der Lampe, sofern es mitteilbar ist, ist durchaus nicht die Lampe selbst), sondern: die Sprach-Lampe, die Lampe in der Mitteilung, die Lampe im Ausdruck. Denn in der Sprache verh\u00e4lt es sich so: <i>Das sprachliche Wesen der Dinge ist ihre Sprache<\/i>. Das Verst\u00e4ndnis der Sprachtheorie h\u00e4ngt davon ab, diesen Satz zu einer Klarheit zu bringen, die auch jeden Schein einer Tautologie in ihm vernichtet. Dieser Satz ist untautologisch, denn er bedeutet: das, was an einem geistigen Wesen mitteilbar ist, ist seine Sprache. Auf diesem \u00bbist\u00ab (gleich \u00bbist unmittelbar\u00ab) beruht alles. \u2013 Nicht, was an einem geistigen Wesen mitteilbar ist, <i>erscheint<\/i> am klarsten in seiner Sprache, wie noch eben im \u00dcbergange gesagt wurde, sondern dieses Mitteil<i>bare<\/i> ist unmittelbar die Sprache selbst. Oder: die Sprache eines geistigen Wesens ist unmittelbar dasjenige, was an ihm mitteilbar ist. Was<i> an<\/i>einem geistigen Wesen mitteilbar ist, <i>in<\/i> dem teilt es sich mit; das hei\u00dft: jede Sprache teilt sich selbst mit. Oder genauer: jede Sprache teilt sich <i>in<\/i> selbst mit, sie ist im reinsten Sinne das \u00bbMedium\u00ab der Mitteilung. Das Mediale, das ist die <i>Unmittel<\/i>barkeit aller geistigen Mitteilung, ist das Grundproblem der Sprachtheorie, und wenn man diese Unmittelbarkeit magisch nennen will, so ist das Urproblem der Sprache ihre Magie. Zugleich deutet das Wort von der Magie der Sprache auf ein anderes: auf ihre Unendlichkeit. Sie ist durch die Unmittelbarkeit bedingt. Denn gerade, weil <i>durch<\/i> die Sprache sich nichts mitteilt, kann, was <i>in<\/i> der Sprache sich mitteilt, nicht von au\u00dfen beschr\u00e4nkt oder gemessen werden, und darum wohnt jeder Sprache ihre inkommensurable einziggeartete Unendlichkeit inne. Ihr sprachliches Wesen, nicht ihre verbalen Inhalte bezeichnen ihre Grenze. Das sprachliche Wesen der Dinge ist ihre Sprache; dieser Satz auf den Menschen angewandt besagt: Das sprachliche Wesen des Menschen ist seine Sprache. Das hei\u00dft: Der Mensch teilt sein eignes geistiges Wesen <i>in<\/i> seiner Sprache mit. Die Sprache des Menschen spricht aber in Worten. Der Mensch teilt also sein eignes geistiges Wesen (sofern es mitteilbar ist) mit, indem er alle anderen Dinge<i> benennt<\/i>. Kennen wir aber noch andere Sprachen, welche die Dinge benennen? Man wende nicht ein, wir kennten keine Sprache au\u00dfer der des Menschen, das ist unwahr. Nur keine <i>benennende<\/i> Sprache kennen wir au\u00dfer der menschlichen; mit einer Identifizierung von benennender Sprache mit Sprache \u00fcberhaupt beraubt sich die Sprachtheorie der tiefsten Einsichten. \u2013 <i>Das sprachliche Wesen des Menschen ist also, da\u00df er die Dinge benennt. <\/i>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Wozu benennt? Wem teilt der Mensch sich mit? \u2013 Aber ist diese Frage beim Menschen eine andere als bei anderen Mitteilungen (Sprachen)? Wem teilt die Lampe sich mit? Das Gebirge? Der Fuchs? \u2013 Hier aber lautet die Antwort: dem Menschen. Das ist kein Anthropomorphismus. Die Wahrheit dieser Antwort erweist sich in der Erkenntnis und vielleicht auch in der Kunst. Zudem: wenn Lampe und Gebirge und der Fuchs sich dem Menschen nicht mitteilen w\u00fcrden, wie sollte er sie dann benennen? Aber er benennt sie; er teilt sich mit, indem er <i>sie<\/i> benennt. Wem teilt er sich mit? Ehe diese Frage zu beantworten ist, gilt es noch einmal zu pr\u00fcfen: Wie teilt der Mensch sich mit? Es ist ein tiefer Unterschied zu machen, eine Alternative zu stellen, vor der mit Sicherheit die wesentlich falsche Meinung von der Sprache sich verr\u00e4t. Teilt der Mensch sein geistiges Wesen <i>durch<\/i> die Namen mit, die er den Dingen gibt? Oder in ihnen? In der Paradoxie dieser Fragestellung liegt ihre Beantwortung. Wer da glaubt, der Mensch teile sein geistiges Wesen durch die Namen mit, der kann wiederum nicht annehmen, da\u00df es sein geistiges Wesen sei, das er mitteile, \u2013 denn das geschieht nicht durch Namen von Dingen, also durch Worte, durch die er ein Ding bezeichnet. Und er kann wiederum nur annehmen, er teile eine Sache anderen Menschen mit, denn das geschieht durch das Wort, durch das ich ein Ding bezeichne. Diese Ansicht ist die b\u00fcrgerliche Auffassung der Sprache, deren Unhaltbarkeit und Leere sich mit steigender Deutlichkeit im folgenden ergeben soll. Sie besagt: Das Mittel der Mitteilung ist das Wort, ihr Gegenstand die Sache, ihr Adressat ein Mensch. Dagegen kennt die andere kein Mittel, keinen Gegenstand und keinen Adressaten der Mitteilung. Sie besagt: <i>im Namen teilt das geistige Wesen des Menschen sich Gott mit.<\/i> Der Name hat im Bereich der Sprache einzig diesen Sinn und diese unvergleichlich hohe Bedeutung: da\u00df er das innerste Wesen der Sprache selbst ist. Der Name ist dasjenige, <i>durch<\/i> das sich nichts mehr, und <i>in<\/i> dem die Sprache, selbst und absolut sich mitteilt. Im Namen ist das geistige Wesen, das sich mitteilt, die Sprache. Wo das geistige Wesen in seiner Mitteilung die Sprache selbst in ihrer absoluten Ganzheit ist, da allein gibt es den Namen, und da gibt es den Namen allein. Der Name als Erbteil Menschensprache verb\u00fcrgt also, da\u00df die Sprache schlechthin das geistige Wesen des Menschen ist; und nur darum ist das geistige Wesen des Menschen allein unter allen Geisteswesen restlos mitteilbar. Das begr\u00fcndet den Unterschied der Menschensprache von der Sprache der Dinge. Weil das geistige Wesen des Menschen aber die Sprache selbst ist, darum kann er sich nicht durch sie, sondern nur in ihr mitteilen. Der Inbegriff dieser intensiven Totalit\u00e4t der Sprache als des geistigen Wesens des Menschen ist der Name. Der Mensch ist der Nennende, daran erkennen wir, da\u00df aus ihm die reine Sprache spricht. Alle Natur, sofern sie sich mitteilt, teilt sich in der Sprache mit, also letzten Endes im Menschen. Darum ist er der Herr der Natur und kann die Dinge benennen. Nur durch das sprachliche Wesen der Dinge gelangt er aus sich selbst zu deren Erkenntnis \u2013 im Namen. Gottes Sch\u00f6pfung vollendet sich, indem die Dinge ihren Namen vom Menschen erhalten, aus dem im Namen die Sprache allein spricht. Man kann den Namen als die Sprache der Sprache bezeichnen (wenn der Genitiv nicht das Verh\u00e4ltnis des Mittels, sondern des Mediums bezeichnet) und in diesem Sinne ist allerdings, weil er im Namen spricht, der Mensch der Sprecher der Sprache, eben darum auch ihr einziger. In der Bezeichnung des Menschen als des Sprechenden (das ist aber z. B. nach der Bibel offenbar der Namen-Gebende: \u00bbWie der Mensch allerlei lebendige Tiere nennen w\u00fcrde, so sollten sie <i>hei\u00dfen<\/i>\u00ab) schlie\u00dfen viele Sprachen diese metaphysische Erkenntnis ein. Der Name ist aber nicht allein der letzte Ausruf, er ist auch der eigentliche Anruf der Sprache. Damit erscheint im Namen das Wesensgesetz der Sprache, nach dem sich selbst aussprechen und alles andere ansprechen dasselbe ist. Die Sprache \u2013 und in ihr ein geistiges Wesen \u2013 spricht sich nur da rein aus, wo sie im Namen spricht, das hei\u00dft: in der universellen Benennung. So gipfeln im Namen die intensive Totalit\u00e4t der Sprache als des absolut mitteilbaren geistigen Wesens und die extensive Totalit\u00e4t der Sprache als des universell mitteilenden (benennenden) Wesens. Die Sprache ist ihrem mitteilenden Wesen, ihrer Universalit\u00e4t nach, da unvollkommen, wo das geistige Wesen, das aus ihr spricht, nicht in seiner ganzen Struktur sprachliches, das hei\u00dft mitteilbares ist. <i>Der Mensch allein hat die nach Universalit\u00e4t und Intensit\u00e4t vollkommene Sprache. <\/i>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Angesichts dieser Erkenntnis ist nun ohne Gefahr der Verwirrung eine Frage m\u00f6glich, die zwar von h\u00f6chster metaphysischer Wichtigkeit ist, aber an dieser Stelle in aller Klarheit zun\u00e4chst als eine terminologische vorgebracht werden kann. Ob n\u00e4mlich das geistige Wesen \u2013 nicht nur des Menschen (denn das ist notwendig) \u2013 sondern auch der Dinge und somit geistiges Wesen \u00fcberhaupt in sprachtheoretischer Hinsicht als sprachliches zu bezeichnen ist. Wenn das geistige Wesen mit dem sprachlichen identisch ist, so ist das Ding seinem geistigen Wesen nach Medium der Mitteilung, und was sich in ihm mitteilt, ist \u2013 gem\u00e4\u00df dem medialen Verh\u00e4ltnis \u2013 eben dies Medium (die Sprache) selbst. Sprache ist dann das geistige Wesen der Dinge. Es wird das geistige Wesen also von vornherein als mitteilbar gesetzt, oder vielmehr gerade in die Mitteilbarkeit gesetzt, und die Thesis: das sprachliche Wesen der Dinge ist mit ihrem geistigen, sofern letzteres mitteilbar ist, identisch, wird in ihrem \u00bbsofern\u00ab zu einer Tautologie. <i>Einen Inhalt der Sprache gibt es nicht; als Mitteilung teilt die Sprache ein geistiges Wesen, d. i. eine Mitteilbarkeit schlechthin mit.<\/i> Die Unterschiede der Sprachen sind solche von Medien, die sich gleichsam nach ihrer Dichte, also graduell, unterscheiden; und das in der zwiefachen Hinsicht nach der Dichte des Mitteilenden (Benennenden) und des Mitteilbaren (Namen) in der Mitteilung. Diese beiden Sph\u00e4ren, die rein geschieden und doch vereinigt nur in der Namensprache des Menschen, entsprechen sich nat\u00fcrlich st\u00e4ndig. F\u00fcr die Metaphysik der Sprache ergibt die Gleichsetzung des geistigen mit dem sprachlichen Wesen, welches nur graduelle Unterschiede kennt, eine Abstufung allen geistigen Seins in Gradstufen. Diese Abstufung, die im Inneren des geistigen Wesens selbst stattfindet, l\u00e4\u00dft sich unter keine obere Kategorie mehr fassen, sie f\u00fchrt daher auf die Abstufung aller geistigen wie sprachlichen Wesen nach Existenzgraden oder nach Seinsgraden, wie sie bez\u00fcglich der geistigen schon die Scholastik gewohnt war. Die Gleichsetzung des geistigen mit dem sprachlichen Wesen ist aber in sprachtheoretischer Hinsicht von so gro\u00dfer metaphysischer Tragweite, weil sie auf denjenigen Begriff hinf\u00fchrt, der sich immer wieder wie von selbst im Zentrum der Sprachphilosophie erhoben hat und ihre innigste Verbindung mit der Religionsphilosophie ausgemacht hat. Das ist der Begriff der Offenbarung. \u2013 Innerhalb aller sprachlichen Gestaltung waltet der Widerstreit des Ausgesprochenen und Aussprechlichen mit dem Unaussprechlichen und Unausgesprochenen. In der Betrachtung dieses Widerstreites sieht man in der Perspektive des Unaussprechlichen zugleich das letzte geistige Wesen. Nun ist es klar, da\u00df in der Gleichsetzung des geistigen mit dem sprachlichen Wesen dieses Verh\u00e4ltnis der umgekehrten Proportionalit\u00e4t zwischen beiden bestritten wird. Denn hier lautet die Thesis: je tiefer, d. h. je existenter und wirklicher der Geist, desto aussprechlicher und ausgesprochener, wie es denn eben im Sinne dieser Gleichsetzung liegt, die Beziehung zwischen Geist und Sprache zur schlechthin eindeutigen zu machen, so da\u00df der sprachlich existenteste, d. h. fixierteste Ausdruck, das sprachlich Pr\u00e4gnanteste und Unverr\u00fcckbarste, mit einem Wort: das Ausgesprochenste zugleich das reine Geistige ist. Genau das meint aber der Begriff der Offenbarung, wenn er die Unantastbarkeit des Wortes f\u00fcr die einzige und hinreichende Bedingung und Kennzeichnung der G\u00f6ttlichkeit des geistigen Wesens, das sich in ihm ausspricht, nimmt. Das h\u00f6chste Geistesgebiet der Religion ist (im Begriff der Offenbarung) zugleich das einzige, welches das Unaussprechliche nicht kennt. Denn es wird angesprochen im Namen und spricht sich aus als Offenbarung. Hierin aber k\u00fcndigt sich an, da\u00df allein das h\u00f6chste geistige Wesen, wie es in der Religion erscheint, rein auf dem Menschen und der Sprache in ihm beruht, w\u00e4hrend alle Kunst, die Poesie nicht ausgenommen, nicht auf dem allerletzten Inbegriff des Sprachgeistes, sondern auf dinglichem Sprachgeist, wenn auch in seiner vollendeten Sch\u00f6nheit, beruht. \u00bbSprache, die Mutter der Vernunft und Offenbarung, ihr \u0391 und \u03a9\u00ab, sagt Hamann. Die Sprache selbst ist in den Dingen selbst nicht vollkommen ausgesprochen. Dieser Satz hat einen doppelten Sinn nach der \u00fcbertragenen und der sinnlichen Bedeutung: Die Sprachen der Dinge sind unvollkommen, und sie sind stumm. Den Dingen ist das reine sprachliche Formprinzip \u2013 der Laut \u2013 versagt. Sie k\u00f6nnen sich nur durch eine mehr oder minder stoffliche Gemeinschaft einander mitteilen. Diese Gemeinschaft ist unmittelbar und unendlich wie die jeder sprachlichen Mitteilung; sie ist magisch (denn es gibt auch Magie der Materie). Das Unvergleichliche der menschlichen Sprache ist, da\u00df ihre magische Gemeinschaft mit den Dingen immateriell und rein geistig ist, und daf\u00fcr ist der Laut das Symbol. Dieses symbolische Faktum spricht die Bibel aus, indem sie sagt, da\u00df Gott dem Menschen den Odem einblies: das ist zugleich Leben und Geist und Sprache. \u2013 Wenn im folgenden das Wesen der Sprache auf Grund der ersten Genesiskapitel betrachtet wird, so soll damit weder Bibelinterpretation als Zweck verfolgt noch auch die Bibel an dieser Stelle objektiv als offenbarte Wahrheit dem Nachdenken zugrunde gelegt werden, sondern das, was aus dem Bibeltext in Ansehung der Natur der Sprache selbst sich ergibt, soll aufgefunden werden; und die Bibel ist <i>zun\u00e4chst<\/i> in dieser Absicht nur darum unersetzlich, weil diese Ausf\u00fchrungen im Prinzipiellen ihr darin folgen, da\u00df in ihnen die Sprache als eine letzte, nur in ihrer Entfaltung zu betrachtende, unerkl\u00e4rliche und mystische Wirklichkeit vorausgesetzt wird. Die Bibel, indem sie sich selbst als Offenbarung betrachtet, mu\u00df notwendig die sprachlichen Grundtatsachen entwickeln. \u2013 Die zweite Fassung der Sch\u00f6pfungsgeschichte, die vom Einblasen des Odems erz\u00e4hlt, berichtet zugleich, der Mensch sei aus Erde gemacht worden. Dies ist in der ganzen Sch\u00f6pfungsgeschichte die einzige Stelle, an der von einem Material des Sch\u00f6pfers die Rede ist, in welchem dieser seinen Willen, der sonst doch wohl unmittelbar schaffend gedacht ist, ausdr\u00fcckt. Es ist in dieser zweiten Sch\u00f6pfungsgeschichte die Erschaffung des Menschen nicht durch das Wort geschehen: Gott sprach \u2013 und es geschah \u2013, sondern diesem nicht aus dem Worte geschaffenen Menschen wird nun die Gabe der Sprache beigelegt, und er wird \u00fcber die Natur erhoben. Diese eigent\u00fcmliche Revolution des Sch\u00f6pfungsaktes, wo er sich auf den Menschen richtet, ist aber nicht minder deutlich in der ersten Sch\u00f6pfungsgeschichte niedergelegt, und in einem ganz anderen Zusammenhange verb\u00fcrgt er mit gleicher Bestimmtheit den besonderen Zusammenhang zwischen Mensch und Sprache aus dem Akte der Sch\u00f6pfung heraus. Die mannigfache Rhythmik der Sch\u00f6pfungsakte des ersten Kapitels l\u00e4\u00dft doch eine Art Grundform zu, von der allein der den Menschen erschaffende Akt bedeutsam abweicht. Zwar handelt es sich hier nirgends weder bei Mensch noch Natur um eine ausdr\u00fcckliche Beziehung auf das Material, aus dem sie geschaffen wurden; und ob jeweils in den Worten: \u00bber machte\u00ab an ein Schaffen aus Materie etwa gedacht ist, mu\u00df hier dahingestellt bleiben. Aber die Rhythmik, nach der sich die Sch\u00f6pfung der Natur (nach Genesis 1) vollzieht, ist: Es werde \u2013 Er machte (schuf) \u2013 Er nannte. \u2013 In einzelnen Sch\u00f6pfungsakten (Genesis 1,3; 1,14) tritt allein das \u00bbEs werde\u00ab auf. In diesem \u00bbEs werde\u00ab und in dem \u00bbEr nannte\u00ab am Anfang und Ende der Akte erscheint jedesmal die tiefe deutliche Beziehung des Sch\u00f6pfungsaktes auf die Sprache. Mit der schaffenden Allmacht der Sprache setzt er ein, und am Schlu\u00df einverleibt sich gleichsam die Sprache das Geschaffene, sie benennt es. Sie ist also das Schaffende, und das Vollendende, sie ist Wort und Name. In Gott ist der Name sch\u00f6pferisch, weil er Wort ist, und Gottes Wort ist erkennend, weil es Name ist. \u00bbUnd er sah, da\u00df es gut war\u00ab, das ist: er hatte es erkannt durch den Namen. Das absolute Verh\u00e4ltnis des Namens zur Erkenntnis besteht allein in Gott, nur dort ist der Name, weil er im innersten mit dem schaffenden Wort identisch ist, das reine Medium der Erkenntnis. Das hei\u00dft: Gott machte die Dinge in ihren Namen erkennbar. Der Mensch aber benennt sie ma\u00dfen der Erkenntnis. In der Sch\u00f6pfung des Menschen ist die dreifache Rhythmik der Natursch\u00f6pfung einer ganz anderen Ordnung gewichen. In ihr hat also die Sprache eine andere Bedeutung; die Dreiheit des Aktes ist auch hier erhalten, aber um so m\u00e4chtiger bekundet sich eben im Parallelismus der Abstand: in dem dreifachen: \u00bbEr schuf\u00ab des Verses 1,27. Gott hat den Menschen nicht aus dem Wort geschaffen, und er hat ihn nicht benannt. Er wollte ihn nicht der Sprache unterstellen, sondern im Menschen entlie\u00df Gott die Sprache, die <i>ihm<\/i> als Medium der Sch\u00f6pfung gedient hatte, frei aus sich. Gott ruhte, als er im Menschen sein Sch\u00f6pferisches sich selbst \u00fcberlie\u00df. Dieses Sch\u00f6pferische, seiner g\u00f6ttlichen Aktualit\u00e4t entledigt, wurde Erkenntnis. Der Mensch ist der Erkennende derselben Sprache, in der Gott Sch\u00f6pfer ist. Gott schuf ihn sich zum Bilde, er schuf den Erkennenden zum Bilde des Schaffenden. Daher bedarf der Satz: Das geistige Wesen des Manschen ist die Sprache, der Erkl\u00e4rung. Sein geistiges Wesen ist die Sprache, in der geschaffen wurde. Im Wort wurde geschaffen, und Gottes sprachliches Wesen ist das Wort. Alle menschliche Sprache ist nur Reflex des Wortes im Namen. Der Name erreicht so wenig das Wort wie die Erkenntnis die Schaffung. Die Unendlichkeit aller menschlichen Sprache bleibt immer eingeschr\u00e4nkten und analytischen Wesens im Vergleich mit der absoluten uneingeschr\u00e4nkten und schaffenden Unendlichkeit des Gotteswortes. Das tiefste Abbild dieses g\u00f6ttlichen Wortes und der Punkt, an dem die Menschensprache den innigsten Anteil an der g\u00f6ttlichen Unendlichkeit des blo\u00dfen Wortes erlangt, der Punkt, an dem sie nicht endliches Wort und Erkenntnis nicht werden kann: das ist der menschliche Namen. Die Theorie des Eigennamens ist die Theorie von der Grenze der endlichen gegen die unendliche Sprache. Von allen Wesen ist der Mensch das einzige, das seinesgleichen selbst benennt, wie es denn das einzige ist, das Gott nicht benannt hat. Vielleicht ist es k\u00fchn, aber kaum unm\u00f6glich, den Vers 2,20 in seinem zweiten Teile in diesem Zusammenhang zu nennen: da\u00df der Mensch alle Wesen benannte, \u00bbaber f\u00fcr den Menschen ward keine Gehilfin gefunden, die um ihn w\u00e4re\u00ab. Wie denn auch Adam sein Weib, alsobald er es bekommen hat, benennt. (M\u00e4nnin im zweiten Kapitel, Heva im dritten.) Mit der Gebung des Namens weihen die Eltern ihre Kinder Gott; dem Namen, den sie hier geben, entspricht \u2013 metaphysisch, nicht etymologisch verstanden \u2013 keine Erkenntnis, wie sie die Kinder ja auch neugeboren benennen. Es sollte im strengen Geist auch kein Mensch dem Namen (nach seiner etymologischen Bedeutung) entsprechen, denn der Eigenname ist Wort Gottes in menschlichen Lauten. Mit ihm wird jedem Menschen seine Erschaffung durch Gott verb\u00fcrgt, und in diesem Sinne ist er selbst schaffend, wie die mythologische Weisheit es in der Anschauung ausspricht (die sich wohl nicht selten findet), da\u00df sein Name des Menschen Schicksal sei. Der Eigenname ist die Gemeinschaft des Menschen mit dem sch\u00f6pferischen Wort Gottes. (Es ist dies nicht die einzige, und der Mensch kennt noch eine andere Sprachgemeinschaft mit Gottes Wort.) Durch das Wort ist der Mensch mit der Sprache der Dinge verbunden. Das menschliche Wort ist der Name der Dinge. Damit kann die Vorstellung nicht mehr aufkommen, die der b\u00fcrgerlichen Ansicht der Sprache entspricht, da\u00df das Wort zur Sache sich zuf\u00e4llig verhalte, da\u00df es ein durch irgendwelche Konvention gesetztes Zeichen der Dinge (oder ihrer Erkenntnis) sei. Die Sprache gibt niemals <i>blo\u00dfe<\/i> Zeichen. Mi\u00dfverst\u00e4ndlich ist aber auch die Ablehnung der b\u00fcrgerlichen durch die mystische Sprachtheorie. Nach ihr n\u00e4mlich ist das Wort schlechthin das Wesen der Sache. Das ist unrichtig, weil die Sache an sich kein Wort hat, geschaffen ist sie aus Gottes Wort und erkannt in ihrem Namen nach dem Menschenwort. Diese Erkenntnis der Sache ist aber nicht spontane Sch\u00f6pfung, sie geschieht nicht aus der Sprache absolut uneingeschr\u00e4nkt und unendlich wie diese; sondern es beruht der Name, den der Mensch der Sache gibt, darauf, wie sie ihm sich mitteilt. Im Namen ist das Wort Gottes nicht schaffend geblieben, es ist an einem Teil empfangend, wenn auch sprachempfangend, geworden. Auf die Sprache der Dinge selbst; aus denen wiederum lautlos und in der stummen Magie der Natur das Wort Gottes hervorstrahlt, ist diese Empf\u00e4ngnis gerichtet. F\u00fcr Empf\u00e4ngnis und Spontaneit\u00e4t zugleich, wie sie sich in dieser Einzigartigkeit der Bindung nur im sprachlichen Bereich finden, hat aber die Sprache ihr eigenes Wort, und dieses Wort gilt auch von jener Empf\u00e4ngnis des Namenlosen im Namen. Es ist die \u00dcbersetzung der Sprache der Dinge in die des Menschen. Es ist notwendig, den Begriff der \u00dcbersetzung in der tiefsten Schicht der Sprachtheorie zu begr\u00fcnden, denn er ist viel zu weittragend und gewaltig, um in irgendeiner Hinsicht nachtr\u00e4glich, wie bisweilen gemeint wird, abgehandelt werden zu k\u00f6nnen. Seine volle Bedeutung gewinnt er in der Einsicht, da\u00df jede h\u00f6here Sprache (mit Ausnahme des Wortes Gottes) als \u00dcbersetzung aller anderen betrachtet werden kann. Mit dem erw\u00e4hnten Verh\u00e4ltnis der Sprachen als dem von Medien verschiedener Dichte ist die \u00dcbersetzbarkeit der Sprachen ineinander gegeben. Die \u00dcbersetzung ist die \u00dcberf\u00fchrung der einen Sprache in die andere durch ein Kontinuum von Verwandlungen. Kontinua der Verwandlung, nicht abstrakte Gleichheits- und \u00c4hnlichkeitsbezirke durchmi\u00dft die \u00dcbersetzung. Die \u00dcbersetzung der Sprache der Dinge in die des Menschen ist nicht nur \u00dcbersetzung des Stummen in das Lauthafte, sie ist die \u00dcbersetzung des Namenlosen in den Namen. Das ist also die \u00dcbersetzung einer unvollkommenen Sprache in eine vollkommenere, sie kann nicht anders als etwas dazu tun, n\u00e4mlich die Erkenntnis. Die Objektivit\u00e4t dieser \u00dcbersetzung ist aber in Gott verb\u00fcrgt. Denn Gott hat die Dinge geschaffen, das schaffende Wort in ihnen ist der Keim des erkennenden Namens, wie Gott auch am Ende jedes Ding benannte, nachdem es geschaffen war. Aber offenbar ist diese Benennung nur der Ausdruck der Identit\u00e4t des schaffenden Wortes und des erkennenden Namens in Gott, nicht die vorhergenommene L\u00f6sung jener Aufgabe, die Gott ausdr\u00fccklich dem Menschen selbst zuschreibt: n\u00e4mlich die Dinge zu benennen. Indem er die stumme namenlose Sprache der Dinge empf\u00e4ngt und sie in den Namen in Lauten \u00fcbertr\u00e4gt, l\u00f6st der Mensch diese Aufgabe. Unl\u00f6sbar w\u00e4re sie, w\u00e4re nicht die Namensprache des Menschen und die namenlose der Dinge in Gott verwandt, entlassen aus demselben schaffenden Wort, das in den Dingen Mitteilung der Materie in magischer Gemeinschaft, im Menschen Sprache des Erkennens und Namens in seligem Geiste geworden w\u00e4re. Hamann sagt: \u00bbAlles, was der Mensch am Anfange h\u00f6rte, mit Augen sah &#8230; und seine H\u00e4nde betasteten, war &#8230; lebendiges Wort; denn Gott war das Wort. Mit diesem Worte im Mund und im Herzen war der Ursprung der Sprache so nat\u00fcrlich, so nahe und leicht, wie ein Kinderspiel &#8230; \u00ab. Der Maler M\u00fcller in seiner Dichtung \u00bbAdams erstes Erwachen und erste selige N\u00e4chte\u00ab l\u00e4\u00dft Gott mit diesen Worten den Menschen zur Namengebung aufrufen: \u00bbMann von Erde, tritt nahe, am Anschauen werde vollkommener, vollkommener werde durchs Wort!\u00ab In dieser Verbindung von Anschauung und Benennung ist innerlich die mitteilende Stummheit der Dinge (der Tiere) auf die Wortsprache des Menschen zu gemeint, die sie im Namen aufnimmt. In demselben Kapitel der Dichtung spricht aus dem Dichter die Erkenntnis, da\u00df nur das Wort, aus dem die Dinge geschaffen sind, ihre Benennung dem Menschen erlaubt, indem es sich in den mannigfachen Sprachen der Tiere, wenn auch stumm, mitteilt in dem Bild: Gott gibt den Tieren der Reihe nach ein Zeichen, auf das hin sie vor den Menschen zur Benennung treten. Auf eine fast sublime Weise ist so die Sprachgemeinschaft der stummen Sch\u00f6pfung mit Gott im Bilde des Zeichens gegeben. Wie das stumme Wort im Dasein der Dinge so unendlich weit unter dem benennenden Wort in der Erkenntnis des Menschen zur\u00fcckbleibt, wie wiederum dieses wohl unter dem schaffenden Wort Gottes, so ist der Grund f\u00fcr die Vielheit menschlicher Sprachen gegeben. Die Sprache der Dinge kann in <i>die<\/i> Sprache der Erkenntnis und des Namens nur in der \u00dcbersetzung eingehen \u2013 soviel \u00dcbersetzungen, soviel Sprachen, sobald n\u00e4mlich der Mensch einmal aus dem paradiesischen Zustand, der nur eine Sprache kannte, gefallen ist. (Nach der Bibel stellt diese Folge der Austreibung aus dem Paradiese allerdings erst sp\u00e4ter sich ein.) Die paradiesische Sprache des Menschen mu\u00df die vollkommen erkennende gewesen sein; w\u00e4hrend sp\u00e4ter noch einmal alle Erkenntnis in der Mannigfaltigkeit der Sprache sich unendlich differenziert, auf einer niederen Stufe als Sch\u00f6pfung im Namen \u00fcberhaupt sich differenzieren mu\u00dfte. Da\u00df n\u00e4mlich die Sprache des Paradieses vollkommen erkennend gewesen sei, vermag auch das Dasein des Baumes der Erkenntnis nicht zu verhehlen. Seine \u00c4pfel sollten die Erkenntnis verleihen, was gut und b\u00f6se sei. Gott aber hatte schon am siebenten Tage mit den Worten der Sch\u00f6pfung erkannt. Und siehe, es war sehr gut. Die Erkenntnis, zu der die Schlange verf\u00fchrt, das Wissen, was gut sei und b\u00f6se, ist namenlos. Es ist im tiefsten Sinne nichtig, und dieses Wissen eben selbst das einzige B\u00f6se, das der paradiesische Zustand kennt. Das Wissen um gut und b\u00f6se verl\u00e4\u00dft den Namen, es ist eine Erkenntnis von au\u00dfen, die unsch\u00f6pferische Nachahmung des schaffenden Wortes. Der Name tritt aus sich selbst in dieser Erkenntnis heraus: Der S\u00fcndenfall ist die Geburtsstunde des <i>menschlichen Wortes<\/i>, in dem der Name nicht mehr unverletzt lebte, das aus der Namensprache, der erkennenden, man darf sagen: der immanenten eigenen Magie heraustrat, um ausdr\u00fccklich, von au\u00dfen gleichsam, magisch zu werden. Das Wort soll etwas mitteilen (au\u00dfer sich selbst). Das ist wirklich der S\u00fcndenfall des Sprachgeistes. Das Wort als \u00e4u\u00dferlich mitteilendes, gleichsam eine Parodie des ausdr\u00fccklich mittelbaren Wortes auf das ausdr\u00fccklich unmittelbare, das schaffende Gotteswort, und der Verfall des seligen Sprachgeistes, des adamitischen, der zwischen ihnen steht. Es besteht n\u00e4mlich in der Tat zwischen dem Worte, welches nach der Verhei\u00dfung der Schlange das Gute und B\u00f6se erkennt, und zwischen dem \u00e4u\u00dferlich mitteilenden Worte im Grunde Identit\u00e4t. Die Erkenntnis der Dinge beruht im Namen, die des Guten und B\u00f6sen ist aber in dem tiefen Sinne, in dem Kierkegaard dieses Wort fa\u00dft, \u00bbGeschw\u00e4tz\u00ab und kennt nur eine Reinigung und Erh\u00f6hung, unter die denn auch der geschw\u00e4tzige Mensch, der S\u00fcndige, gestellt wurde: das Gericht. Dem richtenden Wort ist allerdings die Erkenntnis von gut und b\u00f6se unmittelbar. Seine Magie ist eine andere als die des Namens, aber gleich sehr Magie. Dieses richtende Wort verst\u00f6\u00dft die ersten Menschen aus dem Paradies; sie selbst haben es exzitiert, zufolge einem ewigen Gesetz, nach welchem dieses richtende Wort die Erweckung seiner selbst als die einzige, tiefste Schuld bestraft \u2013 und erwartet. Im S\u00fcndenfall, da die ewige Reinheit des Namens angetastet wurde, erhob sich die strengere Reinheit des richtenden Wortes, des Urteils. F\u00fcr den Wesenszusammenhang der Sprache hat der S\u00fcndenfall eine dreifache Bedeutung (ohne seine sonstige hier zu erw\u00e4hnen). Indem der Mensch aus der reinen Sprache des Namens heraustritt, macht er die Sprache zum Mittel (n\u00e4mlich einer ihm unangemessenen Erkenntnis), damit auch an einem Teile jedenfalls zum <i>blo\u00dfen<\/i>Zeichen; und das hat sp\u00e4ter die Mehrheit der Sprachen zur Folge. Die zweite Bedeutung ist, da\u00df nun aus dem S\u00fcndenfall als die Restitution der in ihm verletzten Unmittelbarkeit des Namens eine neue, die Magie des Urteils, sich erhebt, die nicht mehr selig in sich selbst ruht. Die dritte Bedeutung, deren Vermutung sich vielleicht wagen l\u00e4\u00dft, w\u00e4re, da\u00df auch der Ursprung der Abstraktion als eines Verm\u00f6gens des Sprachgeistes im S\u00fcndenfall zu suchen sei. Gut und b\u00f6se n\u00e4mlich stehen als unbenennbar, als namenlos au\u00dferhalb der Namensprache, die der Mensch eben im Abgrund dieser Fragestellung verl\u00e4\u00dft. Der Name bietet nun aber im Hinblick auf die bestehende Sprache nur den Grund, in dem ihre konkreten Elemente wurzeln. Die abstrakten Sprachelemente aber \u2013 so darf vielleicht vermutet werden \u2013 wurzeln im richtenden Worte, im Urteil. Die Unmittelbarkeit (das ist aber die sprachliche Wurzel) der Mitteilbarkeit der Abstraktion ist im richterlichen Urteil gelegen. Diese Unmittelbarkeit in der Mitteilung der Abstraktion stellte sich richtend ein, als im S\u00fcndenfall der Mensch die Unmittelbarkeit in der Mitteilung des Konkreten, den Namen, verlie\u00df und in den Abgrund der Mittelbarkeit aller Mitteilung, des Wortes als Mittel, des eitlen Wortes verfiel, in den Abgrund des Geschw\u00e4tzes. Denn \u2013 noch einmal soll das gesagt werden \u2013 Geschw\u00e4tz war die Frage nach dem Gut und B\u00f6se in der Welt nach der Sch\u00f6pfung. Der Baum der Erkenntnis stand nicht wegen der Aufschl\u00fcsse \u00fcber Gut und B\u00f6se, die er zu geben vermocht h\u00e4tte, im Garten Gottes, sondern als Wahrzeichen des Gerichts \u00fcber den Fragenden. Diese ungeheure Ironie ist das Kennzeichen des mythischen Ursprungs des Rechtes. Nach dem S\u00fcndenfall, der in der Mittelbarmachung der Sprache den Grund zu ihrer Vielheit gelegt hatte, konnte es bis zur Sprachverwirrung nur noch ein Schritt sein. Da die Menschen die Reinheit des Namens verletzt hatten, brauchte nur noch die Abkehr von jenem Anschauen der Dinge, in dem deren Sprache dem Menschen eingeht, sich zu vollziehen, um die gemeinsame Grundlage des schon ersch\u00fctterten Sprachgeistes den Menschen zu rauben. <i>Zeichen<\/i>m\u00fcssen sich verwirren, wo sich die Dinge verwickeln. Zur Verknechtung der Sprache im Geschw\u00e4tz tritt die Verknechtung der Dinge in der Narretei fast als deren unausbleibliche Folge. In dieser Abkehr von den Dingen, die die Verknechtung war, entstand der Plan des Turmbaus und die Sprachverwirrung mit ihm. Das Leben des Menschen im reinen Sprachgeist war selig. Die Natur aber ist stumm. Es ist zwar im zweiten Kapitel der Genesis deutlich zu f\u00fchlen, wie diese vom Menschen benannte Stummheit selbst Seligkeit nur niederen Grades geworden ist. Der Maler M\u00fcller l\u00e4\u00dft Adam von den Tieren, die ihn verlassen, nachdem er sie benannt hat, sagen: \u00bbund sah an den Adel, wie sie von mir wegsprangen, darum da\u00df ihnen der Mann einen Namen gab.\u00ab Nach dem S\u00fcndenfall aber \u00e4ndert sich mit Gottes Wort, das den Acker verflucht, das Ansehen der Natur im tiefsten. Nun beginnt ihre andere Stummheit, die wir mit der tiefen Traurigkeit der Natur meinen. Es ist eine metaphysische Wahrheit, da\u00df alle Natur zu klagen beg\u00f6nne, wenn Sprache ihr verliehen w\u00fcrde. (Wobei \u00bbSprache verleihen\u00ab allerdings mehr ist als \u00bbmachen, da\u00df sie sprechen kann\u00ab.) Dieser Satz hat einen doppelten Sinn. Er bedeutet zuerst: sie w\u00fcrde \u00fcber die Sprache selbst klagen. Sprachlosigkeit: das ist das gro\u00dfe Leid der Natur (und um ihrer Erl\u00f6sung willen ist Leben und Sprache des <i>Menschen<\/i> in der Natur, nicht allein, wie man vermutet, des Dichters). Zweitens sagt dieser Satz: sie w\u00fcrde klagen. Die Klage ist aber der undifferenzierteste, ohnm\u00e4chtige Ausdruck der Sprache, sie enth\u00e4lt fast nur den sinnlichen Hauch; und wo auch nur Pflanzen rauschen, klingt immer eine Klage mit. Weil sie stumm ist, trauert die Natur. Doch noch tiefer f\u00fchrt in das Wesen der Natur die Umkehrung dieses Satzes ein: die Traurigkeit der Natur macht sie verstummen. Es ist in aller Trauer der tiefste Hang zur Sprachlosigkeit, und das ist unendlich viel mehr als Unf\u00e4higkeit oder Unlust zur Mitteilung. Das Traurige f\u00fchlt sich so durch und durch erkannt vom Unerkennbaren. Benannt zu sein \u2013 selbst wenn der Nennende ein G\u00f6ttergleicher und Seliger ist \u2013 bleibt vielleicht immer eine Ahnung von Trauer. Wieviel mehr aber benannt zu sein, nicht aus der einen seligen Paradiesessprache der Namen, sondern aus den hunderten Menschensprachen, in denen der Namen schon welkte, und die dennoch nach Gottes Spruch die Dinge erkennen. Die Dinge haben keine Eigennamen au\u00dfer in Gott. Denn Gott rief im schaffenden Wort freilich bei ihren Eigennamen sie hervor. In der Sprache der Menschen aber sind sie \u00fcberbenannt. Im Verh\u00e4ltnis der Menschensprachen zu der der Dinge liegt etwas, was man als \u00bb\u00dcberbenennung\u00ab ann\u00e4hernd bezeichnen kann: \u00dcberbenennung als tiefster sprachlicher Grund aller Traurigkeit und (vom Ding aus betrachtet) allen Verstummens. Die \u00dcberbenennung als sprachliches Wesen des Traurigen deutet auf ein anderes merkw\u00fcrdiges Verh\u00e4ltnis der Sprache: auf die \u00dcberbestimmtheit, die im tragischen Verh\u00e4ltnis zwischen den Sprachen der sprechenden Menschen waltet. Es gibt eine Sprache der Plastik, der Malerei, der Poesie. So wie die Sprache der Poesie in der Namensprache des Menschen, wenn nicht allein, so doch jedenfalls mit fundiert ist, ebenso ist es sehr wohl denkbar, da\u00df die Sprache der Plastik oder Malerei etwa in gewissen Arten von Dingsprachen fundiert sei, da\u00df in ihnen eine \u00dcbersetzung der Sprache der Dinge in eine unendlich viel h\u00f6here Sprache, aber doch vielleicht derselben Sph\u00e4re, vorliegt. Es handelt sich hier um namenlose, unakustische Sprachen, um Sprachen aus dem Material; dabei ist an die materiale Gemeinsamkeit der Dinge in ihrer Mitteilung zu denken. \u00dcbrigens ist die Mitteilung der Dinge gewi\u00df von einer solchen Art von Gemeinschaftlichkeit, da\u00df sie die Welt \u00fcberhaupt als ein ungeschiedenes Ganzes befa\u00dft. F\u00fcr die Erkenntnis der Kunstformen gilt der Versuch, sie alle als Sprachen aufzufassen und ihren Zusammenhang mit Natursprachen zu suchen. Ein Beispiel, das naheliegt, weil es der akustischen Sph\u00e4re angeh\u00f6rt, ist die Verwandtschaft des Gesanges mit der Sprache der V\u00f6gel. Andererseits ist gewi\u00df, da\u00df die Sprache der Kunst sich nur in tiefster Beziehung zur Lehre von den Zeichen verstehen l\u00e4\u00dft. Ohne diese bleibt \u00fcberhaupt jede Sprachphilosophie g\u00e4nzlich fragmentarisch, weil die Beziehung zwischen Sprache und Zeichen (wof\u00fcr die zwischen Menschensprache und Schrift nur ein ganz besonderes Beispiel bildet) urspr\u00fcnglich und fundamental ist. Dies gibt Gelegenheit, einen anderen Gegensatz zu bezeichnen, der das gesamte Gebiet der Sprache durchwaltet und wichtige Beziehungen zu dem erw\u00e4hnten von Sprache in engerem Sinne und Zeichen hat, die doch durchaus nicht ohne weiteres mit diesem zusammenf\u00e4llt. Es ist n\u00e4mlich Sprache in jedem Falle nicht allein Mitteilung des Mitteilbaren, sondern zugleich Symbol des Nicht-Mitteilbaren. Diese symbolische Seite der Sprache h\u00e4ngt mit ihrer Beziehung zum Zeichen zusammen, aber erstreckt sich zum Beispiel in gewisser Beziehung auch \u00fcber Name und Urteil. Diese haben nicht allein eine mitteilende, sondern h\u00f6chstwahrscheinlich auch eine mit ihr eng verbundene symbolische Funktion, auf die hier ausdr\u00fccklich wenigstens nicht hingewiesen wurde. Demnach bleibt nach diesen Erw\u00e4gungen ein gereinigter Begriff von Sprache zur\u00fcck, wenn der auch noch unvollkommen sein mag. Die Sprache eines Wesens ist das Medium, in dem sich sein geistiges Wesen mitteilt. Der ununterbrochene Strom dieser Mitteilung flie\u00dft durch die ganze Natur vom niedersten Existierenden bis zum Menschen und vom Menschen zu Gott. Der Mensch teilt sich Gott durch den Namen mit, den er der Natur und seinesgleichen (im Eigennamen) gibt, und der Natur gibt er den Namen nach der Mitteilung, die er von ihr empf\u00e4ngt, denn auch die ganze Natur ist von einer namenlosen stummen Sprache durchzogen, dem Residuum des schaffenden Gotteswortes, welches im Menschen als erkennender Name und \u00fcber dem Menschen als richtendes Urteil schwebend sich erhalten hat. Die Sprache der Natur ist einer geheimen Losung zu vergleichen, die jeder Posten dem n\u00e4chsten in seiner eigenen Sprache weitergibt, der Inhalt der Losung aber ist die Sprache des Postens selbst. Alle h\u00f6here Sprache ist \u00dcbersetzung der niederen, bis in der letzten Klarheit sich das Wort Gottes entfaltet, das die Einheit dieser Sprachbewegung ist.<\/span><\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p class=\"has-large-font-size\">\u00a0<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph {\"align\":\"center\"} --><\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"linkDestination\":\"custom\"} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"alignleft\">\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-98124\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Walter_Benjamin-e1645553136487.jpg\" alt=\"\" width=\"248\" height=\"300\" \/>KUNO erinnert an Walter Benjamin. Er ist ein undogmatischen Denker und l\u00e4\u00dft die Originalit\u00e4t und Einzigartigkeit seiner Gedanken aufscheinen. Bei KUNO pr\u00e4sentieren wir in diesem Jahr Essays \u00fcber den Zwischenraum von Denken und Dichten, wobei das Denken von der Sprache kaum zu l\u00f6sen ist. Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p class=\"imTAJustify\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"ff1 cf0 fs26\">* <\/span><span class=\"fs24 ff1 cf0\">Oder ist es vielmehr die Versuchung, die Hypothesis an den Anfang zu setzen, die den Abgrund allen Philosophierens macht?<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Jede \u00c4u\u00dferung menschlichen Geisteslebens kann als eine Art der Sprache aufgefa\u00dft werden, und diese Auffassung erschlie\u00dft nach Art einer wahrhaften Methode \u00fcberall neue Fragestellungen. 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