{"id":77643,"date":"2023-12-10T00:01:20","date_gmt":"2023-12-09T23:01:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=77643"},"modified":"2023-10-24T17:10:05","modified_gmt":"2023-10-24T15:10:05","slug":"zur-evolutionsgeschichte-des-essays","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/12\/10\/zur-evolutionsgeschichte-des-essays\/","title":{"rendered":"Zur Evolutionsgeschichte des Essays"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Essays sind eine geistreiche Abhandlung, in der wissenschaftliche, kulturelle oder gesellschaftliche Ph\u00e4nomene betrachtet werden. Im Mittelpunkt steht oft die pers\u00f6nliche Auseinandersetzung des Autors mit einem Thema.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-98980\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Michel_de_Montaigne_1-e1645727597349.jpg\" alt=\"\" width=\"275\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter einem Essay versteht die Redaktion eine Abhandlung, in dem der Autor ein Thema diskutiert.\u00a0Seit 2003 arbeitet KUNO daran, den Essay als Ort der Utopie, des Unsagbaren und der Vereinbarkeit des Univereinbaren sollte aus seinem Schattendasein zu befreien. In dieser Gattung vertritt der Autor eine Haltung zu einem bestimmten Thema. Der Essay ist keine fest umrissene Textsorte, er bietet einen gro\u00dfen Spielraum f\u00fcr Ausdrucks- und Gestaltungsm\u00f6glichkeiten. Kein gelungener Essay gleicht einem anderen. Insofern ist der Essay frei von Strukturvorschriften und vorgefertigten Mustern. Essays verzichten auf wissenschaftlich genaue Analytik ebenso wie auf strenge Systematik der Gedankenfolge. Vielmehr ist der Essay ein assoziativ-vernetzender Spaziergang. Kaum eine andere literarische Form ist in gleicher Genauigkeit bis in ihren Gattungsansatz hinein verfolgbar, keine andere Form entzieht sich aber auch so sehr einer definitorischen und selbst der deskriptiven Erfassung wie der Essay. Angelegt ist diese Problematik bereits bei Michel de Montaigne, auf seine \u201eEssais\u201c geht die spezielle Bedeutung \u201eLiterarische Abhandlung\u201c, auf den \u201eliterarischen Versuch\u201c zur\u00fcck. Wir betrachten Montaigne als einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/04\/23\/die-ehe-ist-ein-vertrag-nur-der-erste-anfang-ist-frei\/\">Blogger aus dem 16. Jahrhundert<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Die Verarbeitung der Tageseindr\u00fccke zu dem von ihren Erzeugern und sonstigen Dummk\u00f6pfen dauernd mi\u00dfverstandenen Glossenwerk der Fackel erfolgt nach keinem Plan, der auf \u00bbAktualit\u00e4t\u00ab gerichtet w\u00e4re<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-100060 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Karl_Kraus-e1645635446375.jpg\" alt=\"\" width=\"202\" height=\"300\" \/>Es dauerte etwas, bis ein weiterer analoger Blogger folgte. Karl Kraus war der erste Autor, der die kulturkritische Kommen\u00adtie\u00adrung der Welt\u00adlage zur Dauerbesch\u00e4f\u00adtigung erhob. In der Vorrede zu seiner Zeit\u00adschrift \u201eDie Fackel\u201c sagte er sich von allen R\u00fccksichten auf parteipolitische oder sonstige Bindungen los. Unter dem Motto <i>Was wir umbringen,<\/i> das er dem rei\u00dferischen <i>Was wir bringen<\/i> der Zeitungen entgegenhielt, sagte er der Welt, vor allem der Schriftsteller und Journalisten, den Kampf gegen die Phrase an und entwickelte sich zum wohl bedeutendsten Vork\u00e4mpfer gegen die Verwahrlosung der deutschen Sprache. Durch seinen \u00e4sthetischen Anspruch unterscheiden sich seine Essays vom journalistischen Feuilleton oder vom Traktat, durch seine subjektive Formung vom Bericht. Seine Zeit\u00adschrift \u201eDie Fackel\u201c war gewisser\u00adma\u00ad\u00dfen der erste <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/04\/01\/stereotypen-medial-vernutzten-sprechens\/\">Kultur-Blog<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Henry David Thoreau gilt als Schriftsteller auch in formaler Hinsicht als eine der markantesten Gestalten der klassischen amerikanischen Literatur. Thematisch ist dieser <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/05\/06\/ein-amerikanischer-diogenes\/\">amerikanische Diogenes<\/a> nicht festzulegen. Seine Gegenstandsbereiche sind soziologischer, kunsthistorischer, philosophischer, literaturgeschichtlicher oder wissenschaftlicher Natur. Als sorgf\u00e4ltig feilender Stilist, als hervorragender Sprachk\u00fcnstler hat er durch die f\u00fcr ihn <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/07\/12\/ueber-die-pflicht-zum-ungehorsam-gegen-den-staat-3\/\">charakteristische Essayform<\/a> auf Generationen von Schriftstellern anregend gewirkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>2017 waren von julia kulewatz, die in erfurt und berlin lebt, phantasievolle kurzgeschichten unterm titel \u00bbVom lustvollen Seufzen des Sudank\u00e4fers\u00ab und 2019 \u00bbJenseits BlassBlau\u00ab erschienen, in denen man traumundm\u00e4rchenhafte zwischenwelten findet, die auch abgr\u00fcndiges enthalten.<\/em> <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Holger Benkel<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-104161 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Ko\u0308niginKulewatz-207x300.jpg\" alt=\"\" width=\"207\" height=\"300\" \/>Mit dem Essay \u201eK\u00f6nigin der Nacht\u201c begr\u00fcndet die Schriftstellerin, Literaturwissenschaftlerin und Verlegerin Julia Kulewatz die Edition Schwarzer Kater \u2013 eine Reihe, in der auf den ersten Blick vor allem ungew\u00f6hnliche literarisch-wissenschaftliche Texte ver\u00f6ffentlicht werden. Der vorliegende Text verhandelt die Frage nach der Gegens\u00e4tzlichkeit von Sein und Schein, Wahrheit und L\u00fcge, Licht und Dunkelheit anhand der K\u00f6nigin der Nacht in Mozarts \/ Schikaneders Zauberfl\u00f6te. Die Autorin legt damit einen wertvollen Forschungsbeitrag vor: \u201eWerden und Vergehen reichen einander die Hand. Mit Tagesanbruch hat sich das Spektakel erledigt, und so mancher Betrachter meint, einem Traum oder einer bet\u00f6renden n\u00e4chtlichen Sinnest\u00e4uschung erlegen zu sein.\u201c Die kraftvolle Metaphorik, durch die sich ihre zahlreichen Texte auszeichnen, spiegelt sich auch in diesem Essay wider.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia Kulewatz erh\u00e4llt f\u00fcr den Essay &#8222;Zum Dazwischen als generative Grauzone im Schreiben Herta M\u00fcllers&#8220; den KUNO-Essay-Preis 2023<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em><span class=\"ILfuVd\"><span class=\"hgKElc\">B\u00fccher sind der gesch\u00e4tzte Reichtum der Welt, die richtige Erbschaft von Generationen und V\u00f6lkern.<\/span><\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Henry David Thoreau<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-97870\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/theo-breuer.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"188\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/theo-breuer.jpg 250w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/theo-breuer-160x120.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/>Michael Gratz, ein G\u00f6nner der Verschreibkunst, k\u00fcndigte den Lyriker Theo Breuer auf der Seite <a href=\"http:\/\/lyrikzeitung.com\/\">lyrikzeitung <\/a>in seiner Funktion als Essayist als THE Breuer an. Wir sind froh, da\u00df dieser Kenner der deutschsprachigen Literatur bei <em>kulturnotizen<\/em> den ein oder anderen Essay publiziert hat. Das existenzielle Schreiben kann man bei <em>The<\/em> Breuer als moralische Selbstbehauptung beschreiben. <em>The<\/em> Breuer tr\u00e4gt damit zur Ehrenrettung einer Gattung bei. Leitartikel sind nicht ohne. Schwieriger aber schon eine Kritik, ein historischer Aufsatz. Noch schwieriger eine Reportage. Dann kommen die Glossen, Kolumnen, das ist schon ziemliche Kunst. Der Zeitungsk\u00fcnste h\u00f6chste aber ist: der Essay. Weil der Essay nichts erz\u00e4hlt und nichts bedenkt, weil er im Gegensatz zur Glosse oder Kolumne keine Pointe kennt und keine Moral von der G\u2019schicht, weil der Autor in jeder Zeile gegenw\u00e4rtig und doch am Ende zwischen den Zeilen verschwunden sein muss. Weil ein Essay ein textlicher Schwebezustand ist, ein vages Nichts, das exakt alles enth\u00e4lt: Leitartikel, Reportage, Kritik, historische Betrachtung. Ein Essay kann jede Materialschlacht wagen. Was ihn zusammenh\u00e4lt, ist nicht einmal ein roter Faden. Ihn st\u00fctzen ein paar rote Punkte vielleicht und die Haltung, der Atem dessen, der spricht. So darf ein Essay alles, was er stilistisch tr\u00e4gt. Dieser Prozess, sein Geheimnis, aus intensiver Welt- und Selbstwahrnehmung einen Text im Tone v\u00f6lligen Unbeteiligtseins herzustellen, l\u00e4\u00dft sich auf keiner Journalistenschule lernen. Man sch\u00e4tzt <em>The<\/em> Breuer aus seinen essayistischen Monographien, aber erst hier auf KUNO lief er zur <em>h\u00f6ggschden<\/em> Form auf. Gerne weisen wir auf seinen fulminanten Essay\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19437\">Gedanken \u00b7 G\u00e4nge \u00b7 Spr\u00fcnge<\/a> hin.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Die Arbeit, die t\u00fcchtige, intensive Arbeit, die einen ganz in Anspruch nimmt mit Hirn und Nerven, ist doch der gr\u00f6\u00dfte Genu\u00df im Leben.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Rosa Luxemburg<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Rosa_Luxemburg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15821 size-medium alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Rosa_Luxemburg-300x221.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"221\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Rosa_Luxemburg-300x221.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Rosa_Luxemburg.jpg 342w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Die Redaktion nimmt Rosa Luxemburg beim Wort und versucht in diesem Online-Magazin auch \u00fcberkommene <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/05\/01\/wie-entstand-die-maifeier\/\">journalistische Formen<\/a> neu zu denken. Die Krisen, die unseren Globus sch\u00fctteln, sind begleitet von einer Krise unseres Denkens, die damit auch zu einer Krise unseres politischen, kulturellen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Handelns wird. &#8222;Wir m\u00fcssen unser Denken und Handeln ver\u00e4ndern und weiterentwickeln&#8220;, das ist eine politische Forderung, die in nahezu allen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=16147\">Essays<\/a> von Joachim Paul enthalten ist. In <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=468\">Trans- <\/a>k\u00f6nnen wir seinem wilden, kompromisslosen Denken folgen. Dieses Buch zeigt ihn denkend und es zeigt auch, wie er denkt. Er richtet seine Aufmerksamkeit genau darauf, was dem Denken im Wege steht. Genauer: was das Denken \u00fcberhaupt pr\u00e4sent macht. Paul entwickelt eine Medientheorie, die auf Kulturtechniken setzt: Medien, Netze und Maschinen schreiben mit an unserem Denken.\u00a0 Wenn ein User nur <em>unter<\/em> einem Programm arbeitet, ist er regelgerechter Untertan. Pauls Reflexionen \u00fcber Menschen, Medien, Netze und Maschinen sind eine Flaschenpost an die Zukunft.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Das Spiel mit dem Paradoxen ist eine Art geistiges Perpetuum mobile<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-98374\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1989\/02\/Bergmann.jpg\" alt=\"\" width=\"122\" height=\"182\" \/>Seit \u00fcber 30 Jahren verf\u00fcgt Ulrich Bergmann als intensiver Beobachter \u00fcber die Begabung, noch die allt\u00e4glichsten Details in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu r\u00fccken, um etwas \u00fcber das Leben und die menschlichen Beziehungen zu erz\u00e4hlen. Bergmann besitzt das Geschick, aus einfachen F\u00e4den, dem Allt\u00e4glichen und Unpr\u00e4tenti\u00f6sen, einen filigranen und faszinierenden <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/28\/zwischen-rhein-und-ruhr-und-niederrhein\/\">Erz\u00e4hlteppich<\/a> zu weben, ein klares und doch letztlich geheimnisvolles, melancholisches und doch schwebend leichtes Bildnis eines Lebens zu wirken. Da\u00df diese Welt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/09\/trendy-neo\/\">br\u00fcchig<\/a> ist, zeigt sich im Detail. Wenn er sein Leben in seinen Texten dialektisch paradox durch Spiel, Theater, Phantasie erweitert, wei\u00df er, da\u00df die ungedachten Gedanken und die unrealisierten Pl\u00e4ne immer besser als die gedachten und gelebten sind und der ideale Text eigentlich ein Liebesakt (wie wir in seinen <i>Schlangegeschichten<\/i> nachlesen k\u00f6nnen), der Geburt und Erleuchtung vereint. Mit sprachlicher Souver\u00e4nit\u00e4t und lyrischem Gesp\u00fcr vermag Bergmann pr\u00e4gnant und bildreich die ihn umgebenden Gegenst\u00e4nde, Landschaften und Menschen zu beschreiben. Er ist ein Freigeist, ihm gelten nur die Regeln der Syntax, er geht mit k\u00fchler Distanz an allen kunstideologischen Pr\u00e4missen und saisonalen Tendenzen vorbei, ohne sich in der Attit\u00fcde zu verh\u00e4rten. Ulrich Bergmann setzte sich mit den Wachowski-Br\u00fcdern und der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/06\/the-matrix-has-you\/\">Matrix<\/a> auseinander.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Es hat sich in der Literaturwissenschaft eingeb\u00fcrgert, f\u00fcr kurze Texte, den Begriff \u201eKleine Form\u201c zu verwenden. Dieses \u00b4Beiwerkchen` verweigert sich der umstandslosen Zuordnung.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_97843\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-97843\" class=\"wp-image-97843 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Weigoni-e1645728140426.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><p id=\"caption-attachment-97843\" class=\"wp-caption-text\">Andr\u00e1s (A. J.) Weigoni (* 18. Januar 1956 in Budapest\/Ungarn, Flucht mit den Eltern nach dem Volksaufstand; \u2020 26. Januar 2021 in D\u00fcsseldorf)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Mischung von essayistisch-literarischen und glossierenden Beitr\u00e4gen, l\u00e4dt ein, die einzelnen hochkar\u00e4tigen Bestandteile zu kosten, dabei sollte die entdeckerische Freude an den mal spannenden und emotionalen, mal literarisch verschlungenen, metaphorischen, kognitiven, materialen und medialen Ausfl\u00fcgen ins Reich des Lesens \u00fcberwiegen. Was &#8222;Intertextualit\u00e4t&#8220; genannt wird, bei Weigoni wird es unaufdringlich und ohne \u00dcberheblichkeit Gestalt. In seinem <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/01\/18\/nackte-fakten-verkleidete-fiktionen\/\">Vorlass<\/a><\/em> findet sich die dekonstruktive Aufl\u00f6sung der mehr oder weniger strikt gezogenen Grenzen zwischen Elite- und Massenkultur, zwischen Literatur und Wissenschaft, Kunst und Publizistik. Simultanit\u00e4t ist ein gef\u00e4hrlicher Reichtum, die \u00dcberf\u00fclle von Gelerntem und fl\u00fcchtig Aneigbarem, f\u00fchrt zur Abstraktionen. Die Verflechtungen von Poesie, Kunsttheorie, pers\u00f6nlicher Biographie und politischen Ereignissen, von den Querverweisen zwischen Literatur und Kunst, H\u00f6rspiel und Medienp\u00e4dagogik, Musik und Fussball und von den Bezugslinien zwischen Vergangenheit, Gegenwart und der Zukunft machen dieses Buch zu einer komplexen Lekt\u00fcre. In seinem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/01\/18\/nackte-fakten-verkleidete-fiktionen\/\"><em>Vorlass<\/em><\/a> b\u00fcndelt Weigoni die Motive seines Schreibens in einem vielstimmigen Buch.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">gelesen alles gelesen \/ erdacht erg\u00e4nzt gesagt geschrieben \/ in form gebracht \/ bin ich die struktur deiner zeit \/ und immer ein jetzt \/ die grablegung der sprache hat uns verst\u00e4ndnislos gemacht \/ erwachen \/ wachk\u00fcssen \/ und das\u2026<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Denis Ullrich<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/denis-ullrich-e1505157997454.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-44508\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/denis-ullrich-e1505157997454.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"250\" \/><\/a>Mit seiner\u00a0<em>micropoetry<\/em> gelingt es Denis Ullrich eine \u00fcbernutzte Sprache zu entkernen. Seine vielgestaltigen Texte auf KUNO bewegen sich zwischen Transzendenz und K\u00f6rperlichkeit. Zuweilen hat man den Eindruck, als wollte dieser Autor das ber\u00fchmte Diktum Wittgensteins widerlegen: Wovon man nicht sprechen kann, dar\u00fcber muss man \u2013 nicht schweigen \u2013 sondern dichten! Dieser Autor hinterlies eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur<\/em><\/a> bei der weder \u00e4sthetische \u00dcberh\u00f6hung noch schn\u00f6der Realismus infrage kommen. Ullrichs Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=18423\">Sind wir nicht alle ein bisschen COPY &amp; Paste?<\/a> wurde beim KUNO-Essaypreis 2013 mit einer lobenden Erw\u00e4hnung bedacht. Die Begr\u00fcndung findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12856\">hier<\/a>.\u00a0Die Redaktion verlieh ihm f\u00fcr einen weiteren fulminanten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26608\">Text<\/a> den KUNO\u2013Essay\u2013Preis 2015. Lesen Sie bitte auch: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=33429\">Fragmentarischer Versuch einer Prosaverortung<\/a>, den Prosa\u00fcberflug\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=34426\">Lost in Laberland <\/a>und seinen letzten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=43793\">Rezensionsessay<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Retardierende Momente<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-99669 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Sophie-Reyer.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Sophie-Reyer.jpg 225w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Sophie-Reyer-160x213.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/>Sophie Reyer ging im Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17985\"><em>Referenzuniversum<\/em><\/a> der Frage nach, wie das Schreiben durch das schreibende Analysieren gebrochen wird. Sie gestaltet sich einen Allegorienaufmarsch mit Texteinheiten voller Schalk und Weisheit. Wie jede Schriftstellerin erschafft Reyer eine ganz eigene Wahrnehmung, eine Beobachtung, die sich sowohl aus dem kollektiven wie auch individuellen Bewu\u00dftsein speist.\u00a0Die Generation um Reyer setzt auf die Intelligenz der Menge, auf die Selbstorganisation des Schwarms, auf die Macht derer, die sich selbst erkannt und aus freien St\u00fccken miteinander verbunden haben. Es geht ihnen nicht mehr darum, dass die Einzelnen in einem grossen Ganzen vereinheitlicht werden und ihre eigenen Ideen, Geistesblitze und ihre Kreativit\u00e4t einem fertigen Weltbild unterordnen. Diese Generation kann viele werden und dabei Einzelne bleiben, die mit all ihrer Eigenst\u00e4ndigkeit, Verr\u00fccktheit und mit ihrem individuellen Eigensinn dazu beitragen, die Idee einer Poesie immer wieder neu entstehen zu lassen. Reyer bricht die Idee vom objektiven Ich und vom subjektiven Ich auf und thematisiert in ihrer Poesie Verletztheit, es ist eine wohltuend unsentimentale Sichtweise auf die Welt und ihre Mechanik.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">todesgedanken bei dichtern sind oft auferstehungsgedanken und apokalyptische visionen der umgekehrte ausdruck eines, bewu\u00dften oder unbewu\u00dften, verlangens nach einer besseren gegenw\u00e4rtigen und realen welt, ihrer utopien, ihres kulturidealismus und glaubens.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Holger Benkel<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Benkel12.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-16636\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Benkel12.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"133\" \/><\/a>Wir begreifen die Gattung des Essays auf KUNO als undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Es entstand eine schwer zu \u00fcbersehende F\u00fclle von <a href=\"https:\/\/www.buecher-wiki.de\/index.php\/BuecherWiki\/Literatur\">literarischen<\/a>, kulturkritischen, philosophischen und <a href=\"https:\/\/www.buecher-wiki.de\/index.php\/BuecherWiki\/Aesthetik\">\u00e4sthetischen<\/a> Essays, die trotz ihrer sprachlichen und gedanklichen Verschiedenartigkeit einem gemeinsamen Grundtenor verpflichtet waren: Sie behandelten die Probleme des Individuums und der Gesellschaft in Zeiten des Umbruchs und des Wertewandels. Was den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21478\">Rezensionsessays<\/a> von Holger Benkel die \u00dcberzeugungskraft verleiht, ist die philosophische Anstrengung, denen er sein Material unterwirft, seine Texte zeigen, was der Fokus auf eine Fragestellung sichtbar machen kann, wie diese Konzentration aufdeckt, was dem Schreibenden selbst verborgen blieb, wohl wissend, da\u00df die F\u00fclle der Literatur, der Kunst und des Lebens eben darin liegen, nie alles wissen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Essayisten k\u00f6nnen die Realit\u00e4t nicht \u00e4ndern und auch den Klimawandel nicht aufhalten. Aber sie k\u00f6nnen in Alternativen denken. Das ist nicht viel, aber mehr als weniger;-)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>Zu Beginn des Essayjahres machte sich Holger Benkel <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=13332\">gedanken \u00fcber das denken<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192 <\/strong>In 2013 unternahm Constanze Schmidt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/gedankenspaziergaenge\/\"><em>Gedankenspazierg\u00e4nge<\/em><\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 Gleichfalls in 2013 versuchte KUNO mit Essays <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/02\/mit-essays-licht-ins-dasein-bringen\/\">mehr Licht ins Dasein zu bringen<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192 <\/strong>In 2003 stellte KUNO den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/01\/01\/der-essay-als-versuchsanordnung\/\">Essay als Versuchsanordnung <\/a>vor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Essays sind eine geistreiche Abhandlung, in der wissenschaftliche, kulturelle oder gesellschaftliche Ph\u00e4nomene betrachtet werden. Im Mittelpunkt steht oft die pers\u00f6nliche Auseinandersetzung des Autors mit einem Thema. 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