{"id":77603,"date":"2023-07-12T00:01:49","date_gmt":"2023-07-11T22:01:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=77603"},"modified":"2022-02-22T19:54:49","modified_gmt":"2022-02-22T18:54:49","slug":"ueber-die-pflicht-zum-ungehorsam-gegen-den-staat","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/07\/12\/ueber-die-pflicht-zum-ungehorsam-gegen-den-staat\/","title":{"rendered":"\u00dcber die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bejahe von Herzen den Wahlspruch: \u201eDie beste Regierung ist die, die am wenigsten regiert.&#8220; Gerne w\u00fcrde ich sehen, da\u00df schneller und gr\u00fcndlicher nach ihm gehandelt wird, denn dies w\u00fcrde schlie\u00dflich zu etwas f\u00fchren, das ich ebenfalls glaube: \u201dDie beste Regierung ist die, die \u00fcberhaupt nicht regiert\u201c. Sobald die Menschheit daf\u00fcr bereit ist, wird dies die Regierung sein, die sie hat. Regierungen sind auch im besten Fall nicht mehr als ein Notbehelf, und dabei sind die meisten Regierungen f\u00fcr gew\u00f6hnlich unn\u00f6tig, und alle Regierungen sind es gelegentlich. Die zahlreichen, schwerwiegenden und auch berechtigten Einw\u00e4nde, die gegen eine stehende Armee vorgebracht werden, k\u00f6nnen ebenso gegen eine st\u00e4ndige Regierung vorgebracht werden. Die stehende Armee ist nur ein Arm der st\u00e4ndigen Regierung. Eine Regierung ist nur die Form, die das Volk gew\u00e4hlt hat, um seinen Willen auszuf\u00fchren. Aber genau wie die Armee ist sie anf\u00e4llig daf\u00fcr, missbraucht und zweckentfremdet zu werden, bevor das Volk durch sie handeln kann. Ein Zeugnis daf\u00fcr gibt der gegenw\u00e4rtige Krieg gegen Mexiko, in dem einige Wenige die st\u00e4ndige Regierung als ihr Werkzeugbenutzen, denn zu Beginn des Krieges hat das Volk diesem nicht zugestimmt. Diese amerikanische Regierung \u2013 ist sie nicht nur eine Tradition, die versucht, sich unbeeintr\u00e4chtigt an die kommenden Generationen weiterzugeben, dabei aber jedes Mal ein St\u00fcck ihrer Redlichkeit verliert? Sie hat nicht die Dynamik und Kraft eines einzigen Mannes, denn ein einziger Mann kann sie seinem Willen unterwerfen. Sie ist dem Volk ein defektes und unzuverl\u00e4ssiges Werkzeug. Aber sie ist dennoch notwendig, denn das Volk braucht irgendeine komplizierte Maschine und muss ihr Get\u00f6se h\u00f6ren, um seine Vorstellung von Regierung zu befriedigen. Regierungen zeigen, wie erfolgreich Menschen eingeschr\u00e4nkt werden k\u00f6nnen und sich sogar freiwillig Beschr\u00e4nkungen auflegen, wenn es ihrem Vorteil dient. Das ist in der Tat bemerkenswert. Und doch hat diese Regierung aus sich heraus noch nie ein Unternehmen auf eine andere Weise vorangebracht als durch ihre Bereitwilligkeit, ihm aus dem Wege zu treten. Nichtsiewahrt die Freiheit des Landes. Nichtsiebesiedelt den Westen. Nichtsieschafft Bildung. Das amerikanische Volk hat alles getan was erreicht wurde, und es h\u00e4tte mehr getan, wenn die Regierung ihm nicht hin und wieder im Wege gestanden h\u00e4tte. Denn Regierungen sind Einrichtungen, in deren Gegenwart Menschen dazu neigen, sich voneinander abzuwenden. Und wie gesagt wird: Wenn die Regierung am notwendigsten w\u00e4re, sind die Regierten am meisten allein gelassen. W\u00e4ren Gewerbe und Handel nicht gleichsam aus Gummi, w\u00fcrden sie es nie schaffen \u00fcber die Hindernisse zu springen, die die Gesetzesgeberst\u00e4ndig in ihren Weg legen. Wenn die Regierenden nur nach den Folgen ihres Tuns gerichtet werden sollten und nicht auch nach ihren guten Absichten, m\u00fcssten sie zusammen mit den \u00dcbel gesonnenen Menschen eingereiht und bestraft werden, die Blockaden auf den Schienen errichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber um praktisch und als ein guter B\u00fcrger zu sprechen: Anders als jene, die sich Anarchisten nennen, w\u00fcnsche ich nicht eine sofortige Abschaffung, sondern eine sofortige Besserung der Regierung. Jeder Mann sollte bekannt geben, welche Art von Regierung seinen Respekt gewinnen w\u00fcrde, und dies w\u00e4re der erste Schritt hin zu dieser Regierung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn zum Zeitpunkt der Wahl die Macht in den H\u00e4nden des Volkes liegt, wird einer Mehrheit erlaubt, f\u00fcr eine Zeit lang zu regieren. Der wahre Grund daf\u00fcr ist aber nicht, da\u00df sich diese Mehrheit mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit im Recht befindet oder da\u00df dies der Minderheit gegen\u00fcber am gerechtesten erscheint, sondern da\u00df die Mehrheit physisch am st\u00e4rksten ist. Aber eine Regierung, in der in allen F\u00e4llen die Mehrheit entscheidet, kann nicht auf Gerechtigkeit basieren, nicht einmal insofern wir Menschen diese verstehen. Warum kann es nicht eine Regierung geben, in der nicht die Mehrheiten entscheiden was Recht und Unrecht ist, sondern das Gewissen? In der die Mehrheit nur in solchen Fragen entscheidet, in denen die Regel der Zweckm\u00e4\u00dfigkeit anwendbar ist? Darf ein B\u00fcrger auch nur f\u00fcr einen Moment oder auch nur um ein Jota sein Gewissen dem Gesetzesgeber\u00fcbereignen? Warum hat jeder Mensch dann \u00fcberhaupt ein Gewissen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich glaube, wir sollten zuerst Menschen sein, und dann erst Untertanen. Es ist nicht erstrebenswert, vor dem Gesetz einen Respekt hervorzurufen, wie er vor der Gerechtigkeit besteht. Die einzige Verpflichtung, die zu befolgen ich auch ein Recht habe, ist jederzeit das zu tun, was ich f\u00fcr recht halte. Es ist wahr genug gesagt, da\u00df eine Gemeinschaft kein Gewissen hat, aber eine Gemeinschaft gewissenhafter Menschen ist eine Gemeinschaft mit Gewissen. Das Gesetz hat die Menschen nie auch nur eine Spur redlicher gemacht, und durch ihren Respekt ihm gegen\u00fcber werden auch die Gutveranlagten t\u00e4glich zu Dienerndes Unrechts. Als ein naturgem\u00e4\u00dfes und verbreitetes Ergebnis des ungem\u00e4\u00dfen Respektes gegen\u00fcber dem Gesetz mag eine Einheit Soldaten gelten: Oberst, Leutnant, Unteroffiziere, Gefreite, Rekruten und alle, wie sie in bewundernswerter Ordnung \u00fcber Stock und Stein in den Krieg marschieren, gegen ihren Willen, jawohl, gegen ihren Gemeinsinn und ihr Gewissen, was ihren Pfad in der Tat zu einem steilen Pfad macht und ihnen Herzrasen verursacht. Sie haben keinen Zweifel, da\u00df sie in ein scheu\u00dfliches Gesch\u00e4ft verwickelt sind, sie sind alle dem Frieden zugeneigt. Nun: Was sind sie? Menschen? Oder kleine, bewegliche Festungen und Waffenlager im Dienste eines skrupellosen und m\u00e4chtigen Mannes?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gehe zu einem Milit\u00e4rst\u00fctzpunkt und schaue dir einen Soldaten an; einen Mann, wie ihn die amerikanische Regierung machen kann, oder was sie aus ihm machen kann mit ihren schwarzen K\u00fcnsten, \u2013 ein blo\u00dfer Schatten, nur noch eine Erinnerung an einen Menschen. Ein Mann, lebendig hingebettet und doch noch stehend. Man mag sagen: Bereits beerdigt mitmilit\u00e4rischen Ehren \u2013 obgleich selbst dies anders sein kann:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Keine Trommel, kein Lied war zu h\u00f6ren,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als wir eilig seinen K\u00f6rper zur Grube trugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kein Soldat gab Salut<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00fcber dem Grab, in das wir unseren Helden legten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gro\u00dfteil der Menschen dient dem Staat auf diese Weise: Nicht vorwiegend als Menschen sondern als Maschinen, mit ihren K\u00f6rpern. Sie sind die Armee, die Polizisten, Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter, Ordnungsh\u00fcter und so weiter. In den meisten F\u00e4llen bleibt ihnen kein Raum f\u00fcr pers\u00f6nliche Beurteilung oder moralisches Gef\u00fchl. Sie stellen sich auf eine Stufe mit Holz und Erde und Stein. Vielleichtk\u00f6nnen eines Tages Maschinen gebaut werden, die ihren Zweck ebenso gut erf\u00fcllten. Sie verdienen nicht mehr Respekt als Vogelscheuchen oder ein St\u00fcck Erde. Ihr Wert ist der eines Pferdes oder Hundes. Und doch sind es diese, die gemeinhin als gesch\u00e4tzte und gute B\u00fcrger gelten. Andere, etwa die meisten Gesetzesgeber, Politiker, Rechtsanw\u00e4lte, Minister und Beamte, dienen dem Staathaupts\u00e4chlich mit ihren K\u00f6pfen. Weil sie kaum einmal moralische \u00dcberlegungen wagen, m\u00f6gen sie ebenso gut dem Teufel dienen als Gott, ohne es zu wollen. Wenige nur, wie Helden, Patrioten, M\u00e4rtyrer, Reformatoren und M\u00e4nner, dienen dem Staat au\u00dferdem mit ihrem Gewissen \u2013 und widerstehen ihm deshalb in den meisten F\u00e4llen. Deshalb werden sie vom Staat im Allgemeinen als Feinde behandelt. Ein weiser Mann wird nur als Mann n\u00fctzlich sein, und sich nicht daf\u00fcr hergeben, \u201eLehm\u201c zu sein und ein Loch zu stopfen \u201ewohl vor dem rauen Norden\u201c. Diese Aufgabe wird er seinem Staub \u00fcberlassen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin zu hochgeboren, um mit mir<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu lassen schalten, mich zu untergeben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ein bequemer Dienstmann, als ein Werkzeug,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An irgendeine Herrschaft in der Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der, der sich selbst ganz seinen Mitmenschen hingibt, erscheint ihnen unn\u00fctz und egoistisch. Der aber, der sich ihnen nur teilweise hingibt, wird Wohlt\u00e4ter und Menschenfreund genannt. Wie soll sich ein Mann gegen\u00fcber der amerikanischen Regierung verhalten? Ich antworte, da\u00df er nicht ohne Schande mit ihr verbunden sein kann. Ich kann nicht eine politische Organisation als meine Regierung anerkennen, die zugleich die Regierung eines Sklaven ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Menschen erkennen das Recht der V\u00f6lker auf Selbstbestimmung an. Gemeint ist das Recht, einer Regierung die Treue zu verweigern und ihr Widerstand zu leisten, wenn ihre Unterdr\u00fcckung oder Unf\u00e4higkeit gro\u00df und unertr\u00e4glich werden. Aber nahezu alle Menschen sagen, da\u00df dies heute nicht der Fall ist. Dagegen war es der Fall, denken sie, in der Revolution von 1775. Wenn mir dies jemand damit begr\u00fcnden w\u00fcrde, da\u00df die damalige Regierung schlecht war weil sie bestimmte ausl\u00e4ndische G\u00fcter besteuerte, die in ihre H\u00e4fen kamen, dann w\u00fcrde ich f\u00fcr diese Begr\u00fcndungkeinen Pfennig geben, denn ich kann ohne diese G\u00fcter leben. Alle Maschinen haben ihre Reibung, aber m\u00f6glicherweise tun sie genug Gutes, um das B\u00f6se aufzuwiegen. Jedenfalls w\u00e4re es unrecht, deshalb eine Aufruhr zu erregen. Aber wenn die Reibung \u00fcberwiegt, wenn Unterdr\u00fcckung und R\u00e4uberei \u00fcberhand nehmen, dann sage ich: Lasst uns eine solche Maschine nicht l\u00e4nger dulden. Mit anderen Worten: Wenn ein Sechstel der Bev\u00f6lkerung einer Nation, die sich als Zufluchtsort der Freiheit versteht, Sklaven sind, und wenn ein ganzes Land ungerechterweise von einer ausl\u00e4ndischen Armee \u00fcberrannt, erobert und unter Kriegsrecht gestellt wird, dann denke ich, da\u00df es f\u00fcr einen ehrlichen Mann nicht zu fr\u00fch ist, aufzustehen und zu rebellieren. Was diese Pflicht noch dringlicher macht ist der Fakt, da\u00df nicht das \u00fcberrannte Land unser ist, sondern da\u00df unser die einfallende Armee ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paley, eine anerkannte Autorit\u00e4t in moralischen Fragen, f\u00fchrt in seinem Kapitel\u00fcber die \u201dPflicht zur Unterwerfung unter die Regierung\u201c alle b\u00fcrgerliche Pflichten auf Notwendigkeiten zur\u00fcck. Er schreibt: \u201dSolange es das Wohlergehen der Gesellschaft erfordert, solange der etablierten Regierung nicht ohne allgemeine Ungelegenheit Widerstand geleistet werden kann ist es der Wille Gottes, da\u00df der bestehenden Regierung gehorcht wird \u2013 aber auch nicht l\u00e4nger. Die Frage der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit eines Widerstandes kann damit zur\u00fcckgef\u00fchrt werden auf ein Abw\u00e4gen der Gr\u00f6\u00dfe der Gefahren und Missst\u00e4nde auf der einen, und den Erfolgschancen und Kosten diese zu beheben auf der anderen Seite.\u201c Diese Abw\u00e4gung, schreibt er, soll jeder Mann f\u00fcr sich selbst vornehmen. Aber Paley scheint nie diejenigen F\u00e4lle in Betracht gezogen haben, in denen nicht nach Zweckm\u00e4\u00dfigkeiten entschieden werden kann; in denen ein Volk, wie auch jeder Einzelne, Gerechtigkeit tun muss, koste es was es wolle. Wenn ich einem Ertrinkenden ungerechterweise eine Planke entwinde, muss ich sie ihm zur\u00fcckgeben, auch wenn ich dadurch selbst ertrinke. Dies w\u00e4re, nach Paley, eine Ungelegenheit. Aber wer in einem solchem Fall sein Leben beh\u00e4lt, wird es verlieren. Dieses Volk muss aufh\u00f6ren Sklaven zu halten und Krieg gegen Mexiko zu f\u00fchren, selbst wenn es seine Existenz als Volk kostet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In ihren Handlungen orientieren sich die Nationen an Paley; aber glaubt irgend jemand, da\u00df Massachusetts in der gegenw\u00e4rtigen Krise uneingeschr\u00e4nkt richtig handelt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein tristes Land, eine Hure in silbernem Kleid<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">L\u00e4sst sich die Schleppe tragen, w\u00e4hrend die Seele im Schmutze schleift.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich sind die Gegner einer Reform in Massachusetts nicht hunderttausend Politiker im S\u00fcden,sondern hunderttausend H\u00e4ndler und Farmer hier, die mehr an Handel und Landwirtschaft als an Menschlichkeit interessiert sind und die nicht bereit sind, den Sklaven und Mexikanern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, koste es, was es wolle. Ich streite nicht mit weit entfernten Feinden, sondern mit denen, die nah der Heimat mit denen in der Ferne kooperieren und nachihren W\u00fcnschen handeln, und ohne diese w\u00e4ren jene harmlos. Wir sagen oft, da\u00df die meisten Menschen nicht f\u00fcr Ver\u00e4nderungen bereit sind, aber die Verbesserungen geschehen so langsam, weil die Wenigen ebenfalls nicht weiser oder besser sind als die Vielen. Es ist nicht so wichtig, da\u00df viele so gut tun wie du, als da\u00df es einige uneingeschr\u00e4nkt gut handelnde Menschen gibt, denn dies wird den ganzen Teig durchs\u00e4uern. Es sind tausende, die im Prinzip gegen die Sklaverei und den Krieg sind, die aber unter dem Strich nichts unternehmen, um sie zu beenden. Diejenigen, die sich selbst Kinder Washingtons und Franklins nennen setzen sich nieder mit den H\u00e4nden in ihren Taschen. Sie sagen, da\u00df sie nicht wissen was zu tun ist, und sie tun nichts. Sie stellen sogar die Frage nach der Freiheit hinter die nach freiem Handel. Sie lesen still die aktuellen Preislistenzusammen mit den letzten Nachrichten aus Mexiko und schlafen, vielleicht, \u00fcber beiden ein. Was ist in diesen Tagen der Preis eines ehrlichen und patriotischen Mannes? Sie z\u00f6gern, sie bedauern, und manchmal schreiben sie eine Eingabe, aber sie tun nichts mit Dringlichkeit und Wirkung. Siewarten gut arrangiert, bis andere das \u00dcbel beenden, auf da\u00df sie es nicht l\u00e4nger bedauern m\u00fcssen. H\u00f6chstens, da\u00df sie bei einer Wahl eine billige Stimme abgeben, eine schwache Bef\u00fcrwortung des Rechten, ein Segenswusch, das reicht ihnen. Es sind neunhundertneunundneunzig Bef\u00fcrworter der Tugend auf einen tugendhaften Mann. Aber es ist einfacher, mit dem wahren Besitzer einer Sache zu reden als mit ihrem Verwalter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle demokratische Wahlen sind eine Art Spiel, wie Dame oder Backgammon, mit einem Hauch von Moral in sich, ein Spiel mit Recht und Unrecht. Ihr nat\u00fcrlicher Begleiter ist das Wetten. Der Charakter des W\u00e4hlers ist nicht gefordert. Ich gebe meine Stimme ab, zuf\u00e4llig und wie ich denke, da\u00df es richtig ist, aber ich sorge mich nicht im Innersten darum, ob sich das Rechte durchsetzt. Ich bin bereit, dies der Mehrheit zu \u00fcberlassen. Das Wahlergebnis ist deshalb nie mehr als eine Zweckm\u00e4\u00dfigkeit. Selbst f\u00fcr das Rechte zu stimmen bedeutet, nichts daf\u00fcr zu tun. Es zeigt anderen gegen\u00fcber nur den schwachen Wunsch, da\u00df es vorherrschen m\u00f6ge. Ein weiser Mann wird das Rechte nicht der Gnade des Zufalls\u00fcberlassen, noch wird er w\u00fcnschen, da\u00df es sich durch die Kraft der Mehrheit durchsetzt. Es ist nur wenig Tugend in den Handlungen der Vielen. W\u00fcrde die Mehrheit schlie\u00dflich f\u00fcr die Abschaffung der Sklaverei stimmen, wird es sein, weil es ihnen egal ist oder weil es kaum noch Sklaverei gibt, die durch ihre Stimme abgeschafft werden k\u00f6nnte. Siewerden dann die Sklaven sein. Nur dessen Stimme kann die Abschaffung der Sklaverei beschleunigen, der seine eigene Freiheit daf\u00fcr einsetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich h\u00f6re von einem Kongress, der in Baltimore zur Wahl eines Pr\u00e4sidentschaftskandidaten abgehalten werden soll, und an dem \u00fcberwiegend einflussreiche M\u00e4nner und Berufspolitiker teilnehmen. Dabei denke ich mir: Was bedeutet einem unabh\u00e4ngigen, klugen und anst\u00e4ndigem Mann die Entscheidung, die sie treffen m\u00f6gen? Sollen wir nicht gleichwohl auch von seiner Weisheit und Redlichkeit profitieren? K\u00f6nnen wir uns nicht auf unabh\u00e4ngige Stimmen verlassen? Gibt es nichtviele Menschen in diesem Land, die nicht an Kongressen teilnehmen? Am Ende sehe ich aber, da\u00df der erw\u00e4hnte anst\u00e4ndige Mann auf der Stelle von seiner politische Haltung abr\u00fcckt und an seinem Land verzweifelt, wo doch sein Land mehr Grund h\u00e4tte, an ihm zu verzweifeln. Auf der Stellenimmt er einen der dort gew\u00e4hlten Kandidaten als den einzig verf\u00fcgbaren hin. Damit stellt er unter Beweis, da\u00df er selbst verf\u00fcgbar ist f\u00fcr jeden Zweck der Demagogen. Seine Stimme ist nichtmehr wert als die irgendeines gleichg\u00fcltigen Ausl\u00e4nders oder eines gekauften Einheimischen. Ein K\u00f6nigreich f\u00fcr einen Mann, der ein Mann ist und, wie mein Nachbar sagt, ein R\u00fcckgrat hat, durch das man nicht seine Hand schieben kann. Unsere Statistiken irren sich, die Bev\u00f6lkerung wird zu gro\u00df angegeben. Wieviele M\u00e4nner gibt es in diesem Land auf 1000 Quadratmeilen? Kaum einen. Gibt Amerika Anreize f\u00fcr M\u00e4nner, sich hier anzusiedeln?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Amerikaner ist zu einem alten Kauz geworden, der f\u00fcr seinen Sinn f\u00fcr Geselligkeit bekannt ist, dem es aber an Intellekt und frohgemuter Selbstbehauptung fehlt. Wenn er auf die Welt kommt, ist seine erste und einzige Sorge, da\u00df die Armenh\u00e4user in gutem Zustand sind. Noch bevor er M\u00e4nnerkleidung angelegt hat, sammelt er bereits f\u00fcr die Witwen und Waisen, die einmal sein werden. Kurz, er wagt es nur mit Hilfe einer Versicherungsgesellschaft zu leben, die versprochen hat, ihn w\u00fcrdig zu begrabenes ist selbstverst\u00e4ndlich nicht die Pflicht eines Mannes, sich der Ausrottung eines \u00dcbels zu widmen. Es mag andere Dinge geben, die ihn besch\u00e4ftigen. Aber es ist seine Pflicht, seine H\u00e4nde von diesem \u00dcbel rein zu waschen. Auch wenn er nicht l\u00e4nger \u00fcber das \u00dcbel nachdenkt, darf er es nicht mit seinen Handlungen unterst\u00fctzen. Wenn ich mich anderen Bestrebungen und Betrachtungen widme, muss ich zumindest sehen, ob ich sie nicht auf den Schultern eines anderen Mannes sitzendverfolge. Zuerst muss ich von ihm heruntersteigen, damit auch er sich seinen Bestrebungen widmen kann. Was f\u00fcr gro\u00dfe Unstimmigkeiten geduldet werden! Ich habe einige meiner Nachbarn sagenh\u00f6ren: \u201dSollen sie versuchen, mich zum Niederschlagen eines Sklavenaufstandes heranzuziehen, oder zum Krieg gegen Mexiko! Ich w\u00fcrde gewiss nicht gehen.\u201c Und doch haben genau diese M\u00e4nner, jeder, direkt durch ihre Untertanentreue und so zumindest indirekt durch ihr Steuergeld, einen Stellvertreter gesandt. Der Soldat, der in einem ungerechten Krieg zu dienen verweigert, wird von denen bejubelt, die es nicht verweigern, die ungerechte Regierung zu erhalten, die den Krieg betreibt. Er wird bejubelt von denen, deren eigene Handlungen und Autorit\u00e4t er missachtet und negiert \u2013 als w\u00e4re der Staat so reum\u00fctig, einen Mann zu mieten, der ihn schl\u00e4gt w\u00e4hrend er s\u00fcndigt, aber nicht so reum\u00fctig, auch nur einen Moment mit dem S\u00fcndigen aufzuh\u00f6ren. Auf diese Weisewerden wir durch Ordnung und Gesetz dazu gebracht unserer eigenen Niedrigkeit zu huldigen und sie zu unterst\u00fctzen. Nach dem ersten Scham vor der S\u00fcnde kommt die Gleichg\u00fcltigkeit, war es zun\u00e4chst unmoralisch, so wird es nun morallos, und dies ist sogar ganz n\u00f6tig bei dem Leben, das wir f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein gro\u00dfer und schwerwiegender moralischer Fehler kann sich nur aufgrund eines gleichg\u00fcltigen Wertesystems erhalten, und der kleinen Irrung, der die Tugend des Patriotismus weithin anf\u00e4llig ist, erliegen die Edlen am h\u00e4ufigsten. Menschen, die den Charakter und die Ma\u00dfnahmen einer Regierung missbilligen, ihr aber dennoch Gefolgschaft leisten, sind unzweifelhaft ihre gewissenhaftesten Unterst\u00fctzer und somit oft die gr\u00f6\u00dften Hindernisse einer Reform. Einige schreiben Eingaben, in denen sie den Staat ersuchen, die Union aufzul\u00f6sen und die Forderungen des Pr\u00e4sidenten zu ignorieren. Warum l\u00f6sen sie sie nicht selbst auf \u2013 die Union zwischen sich selbst und dem Staat\u2013 und weigern sich, ihren Anteil in die Staatskasse einzuzahlen? Stehen sie nicht in derselben Beziehung zum Staat wie der Staat zur Union? Und haben nicht dieselben Gr\u00fcnde den Staatgehindert, der Union zu widerstehen, die sie gehindert haben, dem Staat zu widerstehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie kann ein Mann damit zufrieden sein, eine Meinung nur zu haben, und dies genie\u00dfen? Ist es Genu\u00df f\u00fcr ihn, wenn er meint, da\u00df er ungerecht behandelt wird? Wenn du von deinem Nachbar um einen Dollar betrogen wirst, ruhst du nicht zufrieden mit dem Wissen, da\u00df du betrogen wurdest, oder damit zu sagen, da\u00df du betrogen wurdest, oder damit ihm einen Brief zu schreiben, dir dein Geld wiederzugeben. Statt dessen unternimmst du wirksame Ma\u00dfnahmen, um sofort den vollen Betrag zur\u00fcck zu erhalten und wirst zusehen, nie wieder betrogen zu werden. Handlung aus Grunds\u00e4tzen, die Erkenntnis und Aus\u00fcbung des Rechten\u00e4ndert Dinge und Verh\u00e4ltnisse, ist im Tiefsten revolution\u00e4r und achtet nicht auf Bestehendes. Sie teilt nicht nur Staaten und Kirchen, sie teilt Familien. Ja, sie teilt den Menschen selbst, sie trennt das G\u00f6ttliche in ihm vom Teuflischen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ungerechte Gesetze existieren. Sollen wir uns damit begn\u00fcgen, sie zu befolgen? Oder sollen wir danach streben, sie zu \u00e4ndern und ihnen gehorchen, bis wir damit erfolgreich sind? Oder sollen wir sie sogleich \u00fcberschreiten? Unter einer Regierung wie dieser denken die Menschen im Allgemeinen sie sollten warten, bis sie die Mehrheit \u00fcberzeugt haben, die Gesetze zu \u00e4ndern. Sie denken da\u00df, wenn sie Widerstand leisten w\u00fcrden, die Vergeltung daf\u00fcr schlimmer w\u00e4re als das \u00dcbel selbst. Aber es ist die Schuld der Regierung, da\u00df die Vergeltung schlimmer ist als das \u00dcbel. Sie macht sie schlimmer. Warum ist sie nicht geneigt, Ver\u00e4nderungen zu erwarten und bereitet sich auf sie vor? Warum bem\u00fcht sie sich nicht um ihre weise Minderheit? Warum schreit und schl\u00e4gt sie schon, bevor es weh tut? Warum ermutigt sie ihre B\u00fcrger nicht, wachsam zu sein und ihr ihre Fehler zu zeigen, und ihr besser zu tun, als sie ihnen tat? Warum kreuzigt sie Christus erneut, warum exkommuniziert sie Kopernikus und Luther, warum nennt sie Washington und Franklin Rebellen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man sollte meinen, da\u00df eine bewusste und aktive Ablehnung ihrer Autorit\u00e4t das einzige Delikt ist, das von der Regierung nie in Betracht gezogen wurde, denn sie hat keine eindeutige, passende und angemessene Strafe daf\u00fcr vorgesehen. Wenn ein Mann kein Eigentum hat und sich nur einmalweigert, neun Shilling f\u00fcr den Staat zu verdienen, wird er f\u00fcr eine vom Gesetz nicht beschr\u00e4nkte Zeit ins Gef\u00e4ngnis gesteckt, entsprechend dem Gutd\u00fcnken derer, die ihn dorthin gebracht haben. Wenn er aber neunzig mal neun Shilling vom Staat stiehlt, wird er bald wieder frei gelassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die Ungerechtigkeit ein Teil der unvermeidlichen Reibung in der Maschine der Regierung ist, nun gut, nun gut, vielleicht wird sie sich glatt reiben, \u2013 sicherlich wird die Maschine verschlei\u00dfen. Wenn die Ungerechtigkeit eine bestimmte Quelle hat, etwa eine Rolle, ein Seil oder eine Kurbel, mag man abw\u00e4gen, ob die Abhilfe nicht schlimmer ist als das \u00dcbel selbst. Aber wenn das \u00dcbel solcher Natur ist, da\u00df es dich zum Arm der Ungerechtigkeit deinem N\u00e4chsten gegen\u00fcber macht, dann sage ich: Brich das Gesetz! Lass dein Leben ein Gegengewicht sein, um die Maschine zu stoppen. Ich muss sicherstellen, da\u00df ich mich selbst nicht zu dem Unrecht hingebe, das ich verdamme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was die Wege angeht, die der Staat anbietet, um einem\u00fcbel abzuhelfen: Ich kenne sie nicht. Sieben\u00f6tigen viel Zeit, und das Leben eines Mannes ist kurz. Es gibt noch andere Dinge, derer ich mich widmen muss. Ich bin nicht deswegen in diese Welt gekommen, um sie zu einem lebenswerten Ort zu machen, sondern um in ihr zu leben, sei sie gut oder schlecht. Ein Mann kann nicht alles tun, sondern nur weniges, und weil er ohnehin nicht alles tun kann, ist es nicht notwendig, da\u00df er etwas Falsches tut. Es ist so wenig meine Aufgabe, dem Gouverneur oder den Gesetzesgebern Eingaben zu schreiben, als es deren Aufgabe ist, mir welche zu schreiben. Wenn sie meine Eingaben nicht h\u00f6ren, was sollte ich dann tun? In diesem Fall bietet der Staat keinen Weg an: Seine eigene Verfassung ist das \u00dcbel. Das mag hart und st\u00f6rrisch und unvers\u00f6hnlich klingen, aber es bedeutet, den Geist, der es w\u00fcrdigen kann und es verdient, mit der \u00e4u\u00dfersten Freundlichkeit und \u00dcberlegung zu behandeln. Alle Ver\u00e4nderungen zum Besseren sind so, wie Geburt oder Tod, die den K\u00f6rperersch\u00fcttern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich z\u00f6gere nicht zu sagen, da\u00df diejenigen, die sich Abolitionisten nennen, sofort aktiv ihre Unterst\u00fctzung in Person und Eigentum von der Regierung von Massachusetts abziehen sollten und nicht warten sollten, bis sie eine Stimme Mehrheit haben, die das Gute demokratisch bewirkt. Ichglaube, es ist genug, wenn sie Gott auf ihrer Seite haben, sie m\u00fcssen nicht auf das Andere warten. Denn jeder Mann, der mehr im Recht ist als sein Nachbar, stellt bereits die eine Stimme Mehrheit dar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich treffe die amerikanische Regierung oder ihren Vertreter, die Regierung dieses Staates, direkt und von Angesicht zu Angesicht nur einmal im Jahr und nicht \u00f6fter, n\u00e4mlich in der Person des Steuereinnehmers. Dies ist die einzige Art und Weise, auf die ein Mann wie ich sie notwendigerweise trifft, und sogleich sagt sie mit Nachdruck: Erkenne mich an! Die einfachste und wirksamste und in der gegenw\u00e4rtigen Lage der Dinge notwendige Art mit ihr umzugehen, die fehlende Zufriedenheit mit und Liebe zu ihr auszudr\u00fccken ist, diese Anerkennung zu verweigern. Mein Nachbar, der Steuereinnehmer, ist der Mann, mit dem ich fertig werden muss \u2013 denn es sind Menschen, nicht Aktenpapier, mit dem ich streite, \u2013 und er hat aus freien St\u00fccken entschieden, Vertreter der Regierung zu werden. Wie soll er je wissen, was er ist und was er als Beamter der Regierung und als ein Mann tut, bis er gezwungen wird abzuw\u00e4gen, ob er mich, seinen Nachbarn, den er respektiert, als einen Nachbarn und wohlgesinnten Mann oder als einen Verr\u00fcckten und St\u00f6rer der \u00f6ffentlichen Ordnung behandeln soll, und ohne zu sehen, ob er \u00fcber diese St\u00f6rung der guten Nachbarschaft ohne heftigere und ungest\u00fcmere Gedanken und Reden hinwegkommt, die seiner Handlung entsprechen. Ich wei\u00df wohl, da\u00df, wenn tausend, wenn hundert, wenn zehn M\u00e4nner, die ich benenne, \u2013 wenn nur zehn rechtschaffende M\u00e4nner, \u2013 ja, selbst wenn nur ein rechtschaffender Mann in diesem Staat von Massachusetts aufh\u00f6rt, Sklaven zu halten, dem Staat seine Unterst\u00fctzung verweigert und daf\u00fcr ins Gef\u00e4ngnis geschlossen wird, es das Ende der Sklaverei in Amerika bedeuten w\u00fcrde. Denn es ist nicht wichtig, wie klein der Anfang zu sein scheint: Was einmal gut getan wurde, ist f\u00fcr die Ewigkeit getan. Aber wir diskutieren lieber nur dar\u00fcber, wir sagen, da\u00df dies unsere Aufgabe sei. Reformen haben dutzende Zeitungen zudienste, aber nicht einen einzigen Mann. Wenn mein gesch\u00e4tzter Nachbar, der Botschafter des Staates,15der seine Tage einer Einigung in der Frage der Menschenrechte in der Gesetzeskammer widmet, nicht mit den Gef\u00e4ngnissen von Carolina bedroht w\u00e4re, sondern in Massachusetts einsitzen m\u00fcsste, w\u00fcrde dieser Staat, der so bestrebt ist, die S\u00fcnde der Sklaverei auf seinen Bruderstaat abzuschieben (welcher gegenw\u00e4rtig nur einen Akt der Unfreundlichkeit als den Grund f\u00fcr den Streit mit ihm entdecken kann) die Frage in diesem Winterwohl nicht au\u00dfer Acht lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter einer Regierung, die Menschen zu Unrecht einsperrt, ist der wahre Platz f\u00fcr einen gerechten Mann ebenso das Gef\u00e4ngnis. Der rechte Platz in dieser Zeit, der einzige Platz, den Massachusetts f\u00fcr seine freieren und unverzagteren Geister vorsieht, ist in ihren Gef\u00e4ngnissen, ausgeschlossen vom Staat durch ihn selbst, wie sie sich bereits durch ihre eigenen Prinzipien ausgeschlossen haben. Es ist dort, wo sie der entflohene Sklave, der mexikanische Kriegsgefangene und der Indianer, der das seinem Volk geschehene Unrecht anklagt, trifft, auf diesem abgesonderten, aber freierem und ehrbareren Grund, an den der Staat diejenigen bringt, die nicht f\u00fcr ihn, sondern gegen ihn sind. Das einzige Haus in einem Sklavenstaat, in dem ein freier Mann mit Ehre weilen kann. Wer meint, da\u00df der Einfluss der M\u00e4nner dort verloren w\u00e4re und ihre Stimme nicht l\u00e4nger das Ohr des Staates plagen k\u00f6nnte, da\u00df sie in seinen Mauern nicht l\u00e4nger seine Feinde w\u00e4ren, der wei\u00df nicht, um wieviel die Wahrheit st\u00e4rker ist als das Unrecht und wieviel gewandter und effektiver der die Ungerechtigkeit bek\u00e4mpfen kann, der ein wenig davon am eigenen Leib erfahren hat. Gib deine ganze Stimme, nicht nur ein St\u00fcck Papier, sondern deinen ganzen Einfluss! Eine Minderheit ist kraftlos, wenn sie sich der Mehrheit anpasst; sie ist dann nicht einmal eine Minderheit. Aber sie ist unwiderstehlich, wenn sie sich mit ihrem ganzen Gewicht einbringt. Wenn der Staat vor die Wahl gestellt wird, alle gerechten M\u00e4nner im Gef\u00e4ngnis zu behalten oder Krieg und Sklaverei aufzugeben, wird er nicht\u00fcberlegen, was zu tun ist. Wenn tausend M\u00e4nner ihre Steuern dieses Jahr nicht bezahlten, w\u00e4re das keine so gewaltt\u00e4tige und blutige Ma\u00dfnahme wie es ist, sie zu bezahlen und es dem Staat zu erm\u00f6glichen, Gewalt zu \u00fcben und unschuldiges Blut zu vergie\u00dfen. Genau dies ist die Definition einer friedlichen Revolution, wenn eine solche m\u00f6glich ist. Wenn mich der Steuereinnehmer oder ein anderer Beamter fragt, wie es einer getan hat: \u201eAber was soll ich tun?\u201c, dann ist meine Antwort: \u201eWenn du wirklich etwas tun willst, dann lege dein Amt nieder. \u201eWenn der B\u00fcrger seine Gefolgschaft verweigert und der Beamte sein Amt niedergelegt hat, dann ist die Revolution vollendet. Aber selbst angenommen, es flie\u00dft Blut. Wird nicht auch eine Art Blut vergossen, wenn das Gewissen verwundet wird? Aus dieser Wunde flie\u00dft eines Mannes wahre M\u00e4nnlichkeit und Unsterblichkeit, und er blutet bis zu einem immerw\u00e4hrenden Tod. Dieses Blut sehe ich heute flie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe mehr \u00fcber die Inhaftnahme des \u00dcbertreters nachgedacht als \u00fcber das Einziehen seiner G\u00fcter \u2013 obwohl beides demselben Zweck dient \u2013 weil die, die das Recht am unverf\u00e4lschtesten behaupten und folglich dem verdorbenen Staat besonders gef\u00e4hrlich sind, meist nicht genug Zeit f\u00fcr das Sammeln von Besitz aufgewendet haben. Solchen leistet der Staat vergleichsweise wenig Dienste und schon eine kleine Steuer erscheint \u00fcbergro\u00df, besonders wenn sie durch zus\u00e4tzliche Arbeit mit den eigenen H\u00e4nden aufgebracht werden muss. G\u00e4be es einen, der g\u00e4nzlich ohne die Verwendung von Geld lebte, w\u00fcrde wohl selbst der Staat z\u00f6gern, es von ihm zu verlangen. Aber der reiche Mann \u2013 ohne pers\u00f6nliche Vergleiche anstellen zu wollen \u2013 ist immer an den verkauft, der ihn reich gemacht hat. Grunds\u00e4tzlich gesprochen: Je mehr Geld, desto weniger Tugend; denn das Geld tritt zwischen den Mann und seine Ziele und erwirbt sie f\u00fcr ihn, und es war sicherlich keine gro\u00dfe Tugend, das Geld zu erlangen. Geld beschwichtigt viele Fragen, die andernfalls Antworten verlangten, w\u00e4hrend die einzige neue Frage, die es aufwirft, die so schwere wie \u00fcberfl\u00fcssige Frage ist, wie es ausgegeben werden soll. Auf diese Weise wird dem Reichen der moralische Boden unter seinen F\u00fc\u00dfen entzogen. Die M\u00f6glichkeiten des Lebens werden umso kleiner, je gr\u00f6\u00dfer die sogenannten \u201efinanziellen M\u00f6glichkeiten\u201c werden. Das Beste, was ein reicher Mann f\u00fcr sein Wesen tun kann, ist danach zu streben die Lebenseinstellungen zu entfalten, die er hatte, als er arm war. Christus hat den Heroinen entsprechend ihres Wesens geantwortet. \u201dZeigt mir das Steuergeld\u201c, sagte er, \u2013 und einer nahm eine M\u00fcnze aus seiner Tasche, \u2013 wenn ihr Geld nutzt, das das Bild des Kaisers auf sich tr\u00e4gt und welchem er Geltung und Wert verleiht, das hei\u00dft, wenn ihr M\u00e4nner des Staates seid und froh die Vorteile der kaiserlichen Regierung genie\u00dft, dann gebt ihm etwas von seinem Eigenen zur\u00fcck, wenn er es verlangt. \u201eGebt deswegen dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.\u201c Damit machte er sie nicht kl\u00fcger als sie waren, denn sie wollten ihn nichtverstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich mit den freiesten meiner Nachbarn rede, erkenne ich, da\u00df, was sie auch \u00fcber die Wichtigkeit und den Ernst der Frage und ihre Meinung \u00fcber die \u00f6ffentliche Schl\u00e4frigkeit sagen, am Endeherauskommt, da\u00df sie den Schutz der heutigen Regierung nicht er\u00fcbrigen k\u00f6nnen, und da\u00df sie die Folgen f\u00fcr ihr Eigentum und ihre Familien f\u00fcrchten, wenn sie der Regierung ungehorsam w\u00fcrden. Ich f\u00fcr meinen Teil m\u00f6chte nicht daran denken, da\u00df ich mich jemals auf den Schutz des Staates verlassen m\u00fcsste. Aber wenn ich die Autorit\u00e4t des Staates missachte, wenn er seinen Steuerbescheid vorlegt, wird er bald mein Eigentum nehmen und verschwenden und mich und meine Kinder ohne Ende bel\u00e4stigen. Das ist hart. Das macht es einem Mann unm\u00f6glich, redlich und zugleich dem \u00e4u\u00dferen nach bequem zu leben. Es ist die Zeit nicht wert, Eigentum zusammenzutragen, d\u00fcnnes w\u00fcrde sicher von dir genommen werden. Du musst irgendwo mieten oder besetzen, nur eine kleine Saat aufgehen lassen und diese schnell verzehren. Du musst in dir selbst leben, dich nur auf dich selber verlassen, bereit sein f\u00fcr den Aufbruch und darfst nicht zu viele Gesch\u00e4fte haben. Weinmann mag auch in der T\u00fcrkei reich werden, wenn er der t\u00fcrkischen Regierung ein guter Untertan ist. Konfuzius sagte: \u201eWenn ein Staat nach den Prinzipien der Vernunft regiert wird, sind Armut und Elend eine Schande, wenn ein Staat nicht nach den Prinzipien der Vernunft regiert wird, sind Reichtum und Ehre eine Schande.\u201c Nein: Solange ich nicht den Schutz von Massachusetts in einem entfernten s\u00fcdlichen Hafen auf mich ausgedehnt sehen will, in dem meine Freiheit in Gefahr ist, oder solange ich nicht nur darauf aus bin, mir mit friedlichen Unternehmungen daheim Besitz zu verschaffen, solange kann ich es mir leisten, Massachusetts und seinem Recht auf mein Eigentum und mein Leben die Gefolgschaft zu verweigern. Es kostet mich in jeder Weise weniger, die Strafe des Staates f\u00fcr Ungehorsam auf mich zu nehmen als es mich kosten w\u00fcrde, zu gehorchen. Ich w\u00fcrde f\u00fchlen, da\u00df ich in diesem Fall weniger wert w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor einigen Jahren trat der Staat im Namen der Kirche an mich heran und forderte von mir, eine bestimmte Summe f\u00fcr die Unterst\u00fctzung des Pfarrers zu zahlen, dessen Predigten mein Vaterbesuchte, ich aber nie. \u201eZahle\u201c, sagte der Staat, \u201eoder gehe ins Gef\u00e4ngnis.\u201c Ich verweigerte die Zahlung, aber ungl\u00fccklicherweise zahlte ein anderer f\u00fcr mich. Ich sehe keinen Grund, warum der Schulmeister Steuern zahlen sollte, um den Priester zu unterst\u00fctzen, und nicht der Priester, um den Schulmeister zu unterst\u00fctzen. Denn ich war kein staatlicher Schulmeister, sondern finanzierte mich durch freiwillige Gelder. Ich sehe keinen Grund, warum die Lehrst\u00e4tte nicht ihren Steuerbescheid pr\u00e4sentieren und sich darin vom Staat unterst\u00fctzen lassen sollte, genau wie die Kirche. Dennoch, auf Bitten der Stadtr\u00e4te, lie\u00df ich mich herab, eine Erkl\u00e4rung wie die folgende zu verfassen: \u201eWisset, all ihr Menschen dieser Zeit, da\u00df ich, Henry Thoreau, nicht als das Mitglied irgendeiner Gesellschaft gelten m\u00f6chte, der ich nicht beigetreten bin.\u201c Dies gab ich dem Pfarrer der Stadt, und es liegt noch bei ihm. Nachdem der Staat so gelernt hatte, da\u00df ich nicht als ein Mitglied dieser Kirche betrachtet werden m\u00f6chte, hat er mir nie wieder eine solche Forderung gestellt, obwohl er erkl\u00e4rte, da\u00df er damals an seiner Annahme festhalten musste. Wenn ich sie benennen k\u00f6nnte, w\u00fcrde ich mit Sorgfalt aus allen Gesellschaften austreten, in die ich nie eingetreten bin, aber ich wei\u00df nicht, wo eine komplette Liste dar\u00fcber zu finden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe seit sechs Jahren keine Kopfsteuer gezahlt. Darum wurde ich einmal, f\u00fcr eine Nacht, ins Gef\u00e4ngnis geworfen. Als ich dort stand und die dicken Mauern aus soliden Steinen betrachtete, zwei oder drei Fu\u00df stark, die T\u00fcr aus Holz und Eisen, einen Fu\u00df stark, und das eiserne Gitter, da\u00df das Licht teilte, konnte ich mir nicht helfen, \u00fcber die Dummheit jener Einrichtung verwundert zu sein, die mich behandelte, als w\u00e4re ich nur Fleisch und Blut, das eingeschlossen werden k\u00f6nnte. Ich wunderte mich, da\u00df sie zu dem Schluss gekommen war, da\u00df dies der beste Nutzen w\u00e4re, dem sie mich zuweisen konnte, und da\u00df sie nie daran dachte, sich auf irgendeine Weise meiner Dienste zu versichern. Ich sah, da\u00df, obgleich eine Mauer aus Stein zwischen mir und meinen Mitmenschen war, eine immer noch schwerer zu \u00fcbersteigende und zu durchbrechende Mauer verhinderte, da\u00df diese so frei sein konnten wie ich es war. Ich f\u00fchlte mich nicht f\u00fcr einen Moment eingesperrt, und die Mauern schienen mir eine gro\u00dfe Verschwendung von Stein und M\u00f6rtel. Ich f\u00fchlte mich, als ob ich allein von all meinen Mitb\u00fcrgern die Steuer bezahlt h\u00e4tte. Sie wussten einfach nicht, wie sie mich behandeln sollten, und benahmen sich wie schlecht erzogene Leute. In jeder Drohung und jeder H\u00f6flichkeit lag ein Missverst\u00e4ndnis, denn sie dachten, da\u00df ich gerne auf der anderen Seite der Steinmauer stehen w\u00fcrde. Ich konnte nur dar\u00fcber l\u00e4cheln, mit welchem Flei\u00df sie die T\u00fcr \u00fcber meinen Betrachtungen abschlossen, die ihnen hinaus folgten, ohne Netz und Hindernis, wo sie doch das wirklich gef\u00e4hrliche waren. Weil sie mich nicht belangen konnten, beschlossen sie, meinen K\u00f6rper zu bestrafen, eben wie Kinder, die, weil sie die Person, auf die sie b\u00f6se sind, nicht erreichen k\u00f6nnen, seinen Hund schlagen. Ich sah, da\u00df der Staat schwach an Geist war, da\u00df er \u00e4ngstlich war wie eine alleinstehende Frau mit ihren Silberl\u00f6ffeln und da\u00df er nicht seine Freunde von seinen Feinden unterscheiden konnte. Ich verlor allen Respekt vor ihm und bedauerte ihn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf diese Weise konfrontiert der Staat nie das Innere eines, intellektuell oder moralisch, sondern nur seinen K\u00f6rper, seine Sinne. Der Staat ist nicht mit \u00fcberlegener Weisheit oder Redlichkeit ausger\u00fcstet, er besitzt nur \u00fcberlegene physische St\u00e4rke. Ich bin nicht geboren, um mich zwingen zu lassen. Ich will nach meiner eigenen Art atmen. Lasst uns sehen, wer der St\u00e4rkere ist. Welche Kraft hat eine Menschenmenge?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur die k\u00f6nnen mich zwingen, die ein h\u00f6heres moralisches Gesetzbefolgen als ich. Sie zwingen mich, zu werden wie sie. Ich habe noch nie von M\u00e4nnern geh\u00f6rt, die sich von einer Menschenmengen zwingen lie\u00dfen, auf diese oder jene Weise zu leben. Was w\u00e4re das f\u00fcr ein Leben? Wenn ich eine Regierung treffe, die mir sagt: \u201eDein Geld oder dein Leben!\u201c, warum sollte ich mich beeilen, ihr mein Geld zu geben? Sie mag in gro\u00dfen Schwierigkeiten stecken und nicht wissen, was zu tun ist: Das kann ich nicht\u00e4ndern. Sie muss sich selber helfen, wie auch ich es tue. Dar\u00fcber zu jammern w\u00e4re die Zeit nicht wert. Ich bin nicht daf\u00fcr verantwortlich, da\u00df die Maschine der Gesellschaft erfolgreich arbeitet. Ich bin nicht der Sohn ihres Ingenieurs. Ich beobachte, da\u00df, wenn ein Ahorn und ein Kastaniensamen Seite an Seite fallen, der eine sich nicht zur\u00fccknimmt um Platz f\u00fcr den anderen zu machen, sondern beide ihren eigenen Gesetzen folgen und sprie\u00dfen und wachsen und bl\u00fchen so gut sie k\u00f6nnen, bis vielleicht einer den anderen \u00fcberschattet und zerst\u00f6rt. Wenn eine Pflanze nicht entsprechend ihrer Natur leben kann, stirbt sie, und so auch ein Mann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Nacht im Gef\u00e4ngnis war eine neuartige und interessante Erfahrung. Als ich eintrat, genossen die Gefangenen in ihren \u00c4rmelhemden gerade eine Plauderei in der Abendluft an der T\u00fcr. Aber der W\u00e4rter sagte: \u201eKommt Jungs, Zeit abzuschlie\u00dfen\u201c, und so verteilten sie sich, und ich h\u00f6rte den Ton ihrer Schritte in die hohlen Zimmer zur\u00fcckkehren. Mein Zimmergenosse wurde mir vom W\u00e4rter als ein \u201eerstklassiger Kamerad und kluger Mann\u201c vorgestellt. Als die T\u00fcr geschlossen war, zeigte er mir, wo ich meinen Hut hinh\u00e4ngen konnte und wie er alle Dinge eingerichtet hatte. Die R\u00e4ume wurden einmal im Monat gekalkt und zumindest dieser Raum war der wei\u00dfeste, einfachst eingerichtete und wahrscheinlich reinlichste Raum der ganzen Stadt. Nat\u00fcrlich wollte er wissen, woher ich kam und was mich hierher gebracht hatte, und als ich es ihm erz\u00e4hlt hatte, fragte ich ihn wiederrum, wie er herkam; denn nat\u00fcrlich nahm ich an, er sei ein ehrlicher Mann, und wie die Welt geht, so glaube ich: Er war wirklich einer. \u201eNun\u201c sagte er, \u201esie beschuldigen mich, eine Scheune abgebrannt zu haben, aber ich habe es nicht getan.\u201c Soweit ich herausfinden konnte, hatte er sich betrunken in einer Scheune zur Ruhe gelegt und dort seine Pfeife geraucht, und dadurch brannte die Scheune ab. Er hatte den Ruf eines klugen Mannes und hatte bereits etwa drei Monate auf den Beginn seines Verfahrens gewartet. Vielleicht musste er noch einmal solange warten, aber er hatte sich gut eingerichtet und war zufrieden, da er umsonst a\u00df und gut behandelt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er schlief an dem einen Fenster, ich am anderen. Ich sah, da\u00df, wenn einer lange Zeit dort blieb, es seine Hauptaufgabe sein w\u00fcrde, aus dem Fenster zu schauen. Ich hatte bald alle Inschriften gelesen, die dort vorhanden waren, und hatte untersucht, wo fr\u00fchere Gefangene ausgebrochen waren und worein Gitter abges\u00e4gt wurde. Ich h\u00f6rte die Geschichten der verschiedenen Bewohner dieses Raumes und lernte, da\u00df es auch hier Geschichten und Schw\u00e4tzereien gab, die wohl nie hinter den Mauerndes Gef\u00e4ngnisses geh\u00f6rt wurden. Wahrscheinlich ist dies das einzige Haus in der Stadt in dem Versegeschrieben werden, die notiert und von Hand zu Hand gegeben, aber nie ver\u00f6ffentlicht werden. Mir wurde eine recht lange Liste von Versen gezeigt, die von einigen jungen M\u00e4nnern geschrieben worden war, die bei einem Fluchtversuch gefasst wurden und sich durch das Singen dieser Verser\u00e4chten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich quetschte meinen Mitgefangenen so sehr ich konnte aus, denn ich f\u00fcrchtete, ihn nie wieder zusehen. Aber schlie\u00dflich zeigte er mir mein Bett und \u00fcberlie\u00df es mir, die Lampe auszublasen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dort zu liegen war wie eine Reise in ein fernes Land, wie ich es nie erwartet hatte zu sehen. Es schien mir, als ob ich noch nie den Schlag der Stadtuhr geh\u00f6rt h\u00e4tte, die abendlichen Kl\u00e4nge des Ortes, denn wir schliefen bei zwischen den Gittern ge\u00f6ffneten Fenstern. Es war, wie meinen Heimatort im Lichte des Mittelalters zu sehen. Unser Concord wurde zum Rheinstrom, und Visionen von Rittern und Burgen zogen an mir vor\u00fcber. Es waren die Stimmen der alten Einwohner, die ich in den Stra\u00dfen h\u00f6rte. Ich war der unfreiwillige Zuschauer und Zuh\u00f6rer von allem, was in der K\u00fcche desanliegenden Gasthauses getan und gesprochen wurde \u2013 eine ganz neue und einzigartige Erfahrung f\u00fcr mich. Es war eine sehr intime Sicht auf meinen Heimatort. Ich war ganz in seinem Inneren. Ich hatte noch nie sein Gef\u00e4ngnis gesehen. Es ist eine seiner besonderen Einrichtungen, denn es ist eine Kreisstadt. Und ich begann zu begreifen, was seine Einwohner umtrieb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Morgen wurde unser Fr\u00fchst\u00fcck durch ein Loch in der T\u00fcr gereicht, in daf\u00fcr passenden l\u00e4nglichen Zinnschalen, die einen halben Liter Schokolade und dunkles Brot enthielten und einen eisernen L\u00f6ffel. Als sie die Schalen wieder einsammelten, war ich gr\u00fcn genug, da\u00df \u00fcbrig gelassene Brot zur\u00fcckzugeben, aber mein Kamerad nahm es und sagte, ich solle es f\u00fcr das Mittag oder Abendessen aufheben. Kurz danach wurde er herausgelassen, um auf einem benachbarten Feld Heu zu hauen, was er jeden Tag tat. Da er nicht vor Mittag zur\u00fcck kommen w\u00fcrde, w\u00fcnschte er mir einen guten Tag und sagte, da\u00df er bezweifelte, mich je wiederzusehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich aus dem Gef\u00e4ngnis kam &#8211; denn jemand griff ein und zahlte die Steuer \u2013 nahm ich nichtwahr, da\u00df im Allgemeinen gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen stattgefunden h\u00e4tten, so wie bei einem, der in jungen Jahren festgenommen und als ein grauhaariger Greis freigelassen worden w\u00e4re. Und doch nahmen meine Augen eine Ver\u00e4nderung des Umfeldes, der Stadt, des Staates, des Landes wahr, die gr\u00f6\u00dfer war als alles, was die Zeit bewirken k\u00f6nnte. Ich sah den Staat, in dem ich lebte, mit klareren Augen. Ich sah, in welchem Umfang die Menschen, unter denen ich lebte, als gute Nachbarn und Freunde betrachtet werden konnten, da\u00df ihre Freundschaft nur f\u00fcr Sommerwetter galt, da\u00df sie nicht mit Kraft danach strebten, das Rechte zu tun, und da\u00df sie eine von mir verschiedene Rassebildeten durch ihre Vorurteile und Aberglauben, wie Chinesen und Malaien. Ich sah, da\u00df sie in ihren Opfern f\u00fcr die Menschlichkeit keine Risiken eingingen, nicht einmal um ihren Besitz. Ich sah, da\u00df sie nicht gro\u00dfm\u00fctig waren, sondern den Dieb so behandelten, wie er sie behandelt hatte. Siehofften aber, ihre Seelen durch das Befolgen bestimmter Br\u00e4uche und durch ein paar Gebete zu retten, und dadurch, da\u00df sie von Zeit zu Zeit auf einem\u00fcbertrieben geraden, aber nutzlosen Weggingen. Vielleicht richte ich damit meine Nachbarn zu hart, denn ich glaube, da\u00df viele von ihnen nicht einmal wissen, da\u00df sie eine Einrichtung wie das Gef\u00e4ngnis in ihrem Ort haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war fr\u00fcher Brauch in unserem Ort, da\u00df ein armer Schuldner, der aus dem Gef\u00e4ngnis kam, von seinen Bekannten gegr\u00fc\u00dft wurde, die durch ihre gekreuzten Finger schauten, um die Gitterndes Gef\u00e4ngnisses zu symbolisieren: \u201eWie geht es Dir?\u201c Meine Nachbarn gr\u00fc\u00dften mich nicht, aber sahen zuerst mich, dann sich untereinander an, als ob ich von einer langen Reise wiedergekehrt w\u00e4re. Ich wurde festgenommen, als ich auf dem Weg zum Schuhmacher war, um einen ausgebesserten Schuh abzuholen. Als ich am n\u00e4chsten Morgen herausgelassen wurde, ging ich meine Besorgung zu Ende zu bringen. Als ich meinen geflickten Schuh angezogen hatte, traf ich eine Gruppe von Heidelbeersammlern, die schon ungeduldig auf meine F\u00fchrerschaft warteten, und nach einer halben Stunde \u2013 denn das Pferd war schnell bereit \u2013 war ich inmitten eines Heidelbeerfeldes auf einemunserer gr\u00f6\u00dften H\u00fcgel, zwei Meilen von der Stadt entfernt, und der Staat war nirgendwo zu sehen. Dies ist die ganze Geschichte \u201emeiner Gef\u00e4ngnisse\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe mich nie geweigert, die Stra\u00dfensteuer zu bezahlen, denn ich bin so gerne ein guter Nachbar wie ein schlechter Untertan, und was die Unterst\u00fctzung der Schulen angeht, so tue ich mein Bestes, meine Landsleute zu bilden. Es ist nicht wegen eines bestimmten Punktes auf dem Steuerbescheid, da\u00df ich mich weigere, ihn zu befolgen. Ich m\u00f6chte dem Staat schlicht keine Unterst\u00fctzung leisten, sondern mich von ihm zur\u00fcckziehen und mich entschieden abseits von ihm stellen. Auch wenn ich es k\u00f6nnte, w\u00fcrde ich mich nicht um den Weg k\u00fcmmern, den mein Dollar nimmt, bis er schlie\u00dflich einen Soldaten dingt oder das Gewehr, ihn zu erschie\u00dfen. Der Dollar ist unschuldig. Aber ichverfolge sorgf\u00e4ltig die Auswirkung meiner Untertanentreue. Tats\u00e4chlich erkl\u00e4re ich nach meiner Art dem Staat im Stillen den Krieg, obwohl ich immer noch von ihm profitiere und nach Kr\u00e4ften Vorteile aus ihm zu schlagen suche, wie es \u00fcblich ist in einem solchen Fall.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn andere aus Sympathie f\u00fcr den Staat die Steuer zahlen, die von mir verlangt wird, dann tun sie nur, was sie bereits in ihrem eigenen Fall getan haben. Damit beg\u00fcnstigen sie das Unrecht in einem gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00df, als der Staat es von ihnen verlangt. Wenn sie die Steuer aufgrund einer unangebrachten Anteilnahme am Besteuerten zahlen, um seinen Besitz zu sch\u00fctzen oder um zu verhindern, da\u00df er festgenommen wird, dann tun sie dies, weil sie nicht weise abgewogen haben, wie sehr ihre privaten Gef\u00fchle das allgemeinen Gut beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies ist nun meine heutige Position. Aber man kann in einem solchen Fall nicht wachsam genug sein, damit die Handlungen nicht beeinflusst werden durch Starrsinnigkeit oder durch eine unangemessene R\u00fccksicht auf die Meinung der Menschen. Man muss zusehen, da\u00df man nur tut, was einem selbst und der Stunde angemessen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal denke ich: Diese Menschen meinen es gut, sie sind nur unwissend, sie w\u00fcrden besser handeln, wenn sie nur w\u00fcssten, wie. Warum bereitest du deinen Nachbarn den Schmerz, dich entgegenihrer Neigung zu behandeln? Aber dann denke ich: Das ist kein Grund, warum ich tun sollte, wie sie tun, oder es zulassen sollte, da\u00df andere viel gr\u00f6\u00dferen Schmerz anderer Art erleiden. Wiederum sage ich mir manchmal: Wenn viele Millionen Menschen ohne Zorn, ohne b\u00f6sen Willen, ohne pers\u00f6nliche Gef\u00fchle jeglicher Art nur ein paar Shilling von dir verlangen, ohne die M\u00f6glichkeit \u2013 denn so ist ihre Verfassung \u2013 ihren Anspruch zu \u00e4ndern oder zur\u00fcckzuziehen, und ohne die M\u00f6glichkeit deinerseits, ebenfalls Millionen Menschen anzurufen: Warum sich dann dieser \u00fcberw\u00e4ltigenden rohen Kraft aussetzen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Du widerstehst nicht derart stur der K\u00e4lte und dem Hunger, nicht den Winden oder Wellen, du unterwirfst dich still tausend\u00e4hnlichen Notwendigkeiten. Du steckst den Kopf nicht ins Feuer. Aber eben in dem Ma\u00df, in dem ich sie nicht nur als rohe Kraft betrachte, sondern als eine teilweise menschliche Kraft, und in dem ich bedenke, da\u00df meine Beziehung zu diesen Millionen eine Beziehung zu Millionen Menschen ist und nicht zu rohen oder leblosen Dingen, sehe ich, da\u00df ein Apell m\u00f6glich ist, zuerst und sofort von ihnen zu ihrem Sch\u00f6pfer, und zweitens von ihnen an sich selbst. Wenn ich aber meinen Kopf freiwillig ins Feuer stecke, gibt es keinen Appell an das Feuer oder an seinen Sch\u00f6pfer, und ich kann nur mir selbst die Schuld geben. Wenn ich mich selbst \u00fcberzeugen k\u00f6nnte, da\u00df ich ein Recht darauf habe, mit den Menschen zufrieden zu sein, wie sie sind, und sie derart behandeln w\u00fcrde und nicht in einigen Punkten entsprechend meinen Anforderungen und Erwartungen an sie und mich, dann sollte ich wie ein guter Muselmann und Fatalist danach streben, mit den Dingen zufrieden zu sein, wie sie sind, und sagen, es w\u00e4re der Wille Gottes. Und vor allem ist es ein Unterschied, diesem zu widerstehen oder einer rohen Gewalt oder Naturgewalt, denn diesem kann ich mit einiger Wirkung widerstehen, aber ich kann nicht wie Orpheus erwarten, die Natur der Felsen, B\u00e4ume und Tiere zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich m\u00f6chte nicht mit Menschen oder Nationen streiten. Ich m\u00f6chte nicht Haarspaltereien betreiben, \u00fcber Spitzfindigkeiten diskutieren oder mich selbst besser hinstellen als meine Nachbarn. Ich suche eher, ich m\u00f6chte sagen, sogar eine Entschuldigung daf\u00fcr, mich den Gesetzen dieses Landes entsprechend zu verhalten. Ich nur allzu bereit, mich ihnen anzupassen. Ich habe sogar Grund, mir selbst in dieser Frage zu misstrauen, und jedes Jahr, wenn der Steuereinnehmer herumkommt, finde ich mich gewogen die Handlungen und Standpunkte der Landes- und Bundesregierung und den Geist der Menschen zu pr\u00fcfen, um einen Vorwand f\u00fcr die Anpassung zu finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sollen das Land wie unsere Eltern lieben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wenn je nachl\u00e4sst<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser Liebe und Flei\u00df, ihm Ehre zu tun,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00fcssen wir die Folgen tragen, und die Seele lehren Dinge von Gewissen und Religion<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nicht den Willen zu Macht oder Vorteil.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich glaube, da\u00df der Staat bald in der Lage sein wird alle derartigen Arbeiten aus meinen H\u00e4nden zu nehmen, und dann will ich kein besserer Patriot sein als meine Mitb\u00fcrger. Von einem niedrigen Standpunkt aus gesehen ist die Verfassung, mit all ihren Fehlern, sehr gut. Das Gesetz und die Gerichte sind achtenswert, sogar dieser Staat und die amerikanische Regierung sind in vielerlei Hinsicht bewundernswerte und einzigartige Dinge, f\u00fcr die man dankbar sein kann, wie es auch viele sind. Aber von einem h\u00f6heren Standpunkt aus gesehen sind sie so, wie ich beschrieben habe, und wer soll sagen, wie sie von einem noch h\u00f6heren oder dem h\u00f6chsten Standpunkt aus gesehen sind, oder ob sie es \u00fcberhaupt wert sind, von dort angesehen und betrachtet zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch befasse ich mich nicht viel mit der Regierung, und ich m\u00f6chte ihr so wenig wie m\u00f6glich Gedanken zuteil werden lassen. Es sind nur wenige Momente, die ich unter einer Regierung lebe, selbst in dieser Welt. Wenn ein Mann frei ist in seinen Gedanken, Phantasien und Vorstellungen, dann erscheint das, was nicht ist, ihm nie f\u00fcr eine lange Zeit als etwas, das ist, und t\u00f6richte Machthaber und Reformer k\u00f6nnen ihn nicht sehr st\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df, da\u00df die meisten Menschen anders als ich denken. Diejenigen, deren Leben durch ihren Beruf dem Studium dieser oder \u00e4hnlicher Dinge gewidmet ist, stellen mich ebenso wenig zufrieden wie die anderen. Staatsm\u00e4nner und Gesetzesgeber stehen so vollst\u00e4ndig in ihrer Institution, da\u00df sie sie nie deutlich und unverschleiert wahrnehmen. Sie reden von einer bewegten Gesellschaft, aber haben keinen Ruheplatz au\u00dferhalb derselben. Sie m\u00f6gen M\u00e4nner von gewisser Erfahrung und gewissem Urteilsverm\u00f6gen sein und sie haben ohne Zweifel geistreiche und n\u00fctzliche Systeme erfunden, f\u00fcr die wir ihnen dankbar sind. Dennoch liegt all ihr Verstand und all ihre N\u00fctzlichkeit in bestimmten, nicht besonders weiten Grenzen. Sie pflegen zu vergessen, da\u00df die Welt nicht von Politik und Zweckm\u00e4\u00dfigkeit regiert wird. Webster stellt nie das Prinzip hinter der Regierung in Frage, und kann deshalb nicht mit Autorit\u00e4t \u00fcber sie sprechen. Seine Worte sind Weisheit f\u00fcr die Gesetzesgeber, die keine gr\u00f6\u00dfere \u00c4nderung der bestehenden Regierung in Erw\u00e4gung ziehen; aber den Denkern und denen, die Gesetze auf Ewigkeit machen, hat er nichts zu sagen. Ich kenne solche, deren heitere und weise Betrachtungen des Themas schnell die Grenzen seines Geistes und seiner Gastfreundschaft aufzeigen w\u00fcrden. Dennoch, verglichen mit den billigen Erkl\u00e4rungen der meisten Reformer und der noch billigeren Weisheit und Beredsamkeit der Politiker im Allgemeinen, sind seine Worte vern\u00fcnftig und wertvoll, und wir danken dem Himmel f\u00fcr ihn. Verglichen mit ihnen ist er immer kr\u00e4ftig, urspr\u00fcnglich und, vor allem, zupackend. Dennoch ist sein Vorzug nicht Weisheit, sondern Umsicht. Die Wahrheit des Rechtsanwaltes ist nicht Wahrheit, sondern Widerspruchsfreiheit, oder eine widerspruchsfreie Zweckm\u00e4\u00dfigkeit. Die Wahrheit ist immer mit sich selbst im Einklang, es geht ihr nicht in erster Linie darum, zu offenbaren welche Gerechtigkeit f\u00fcr Falschverhalten zu tun ist. Er verdient es, Verteidiger der Verfassung genannt zu werden, und wurde auch so genannt. Er schl\u00e4gt sich nur in Verteidigung. Er ist kein F\u00fchrer, sondern ein Nachfolger. Seine F\u00fchrer sind die M\u00e4nner von 1787. \u201dIch habe nie eine Anstrengung unternommen\u201c, sagt er, \u201eund nie empfohlen, eine Anstrengung zu unternehmen, ich habe nie eine Anstrengung unterst\u00fctzt, und nie eine Anstrengung unterst\u00fctzen gewollt, die urspr\u00fcngliche Einigung zu st\u00f6ren, durch die die unterschiedlichen Staaten in die Union kamen.\u201c Noch an die Zustimmung der Verfassung gegen\u00fcber der Sklaverei denkend sagt er: \u201eWeil sie Teil des urspr\u00fcnglichen Vertrages war \u2013 behaltet sie bei!\u201c Ungeachtet seiner besonderen Geistessch\u00e4rfe und F\u00e4higkeiten ist er nicht in der Lage, eine Gegebenheit aus ihren rein politischen Beziehungen herauszunehmen und sie vorbehaltlos und vern\u00fcnftig zu betrachten. Was, zum Beispiel, obliegt einem Mann hier und heute in Amerika zutun bez\u00fcglich der Sklaverei? Er wagt es, oder wird dazu getrieben, solch haltlose Antworten wie die folgende zu geben, w\u00e4hrend er sogar erkl\u00e4rt, allgemein und als ein Privatmann zu reden. Welche neuen und absonderlichen Verhaltensregeln w\u00fcrde sich daraus ableiten? \u201eDie Art und Weise\u201c, sagt er, \u201eauf welche die Regierung der Staaten, in denen Sklaverei existiert, diese regeln, obliegt ihnen selbst, in Verantwortung gegen\u00fcber ihren Verfassungen, gegen\u00fcber den allgemeinen Gesetzen des Eigentums, der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit, und gegen\u00fcber Gott. Vereinigungen, die andernorts aus Gef\u00fchlen der Menschlichkeit herr\u00fchren, haben nichts damit zu tun. Sie haben von mir nie eine Ermutigung empfangen und werden es nie.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diejenigen, die keine reinere Quelle der Wahrheit kennen, die ihren Strom nicht weiter aufw\u00e4rtsverfolgten, stehen, und stehen weise, bei der Bibel und der Verfassung, und dort trinken sie aus ihr mit Ehrfurcht und Bescheidenheit. Aber die, die gesehen haben woher es in diesen See rinnt, g\u00fcrten ihre H\u00fcften und folgen ihrer Wanderung zu ihrem Ursprung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kein Mann mit einem Geist f\u00fcr Gesetzgebung ist aus Amerika hervorgegangen. Sie sind seltenen der Geschichte der Welt. Es gibt tausende Rhetoriker, Politiker und redegewandte M\u00e4nner, aber derjenige Redner hat noch nicht seinen Mund zum Sprechen ge\u00f6ffnet der f\u00e4hig ist, die vielumstrittenen Fragen dieser Zeit zu regeln. Wir lieben die Redekunst um ihrer selbst willen, und nicht um einer Wahrheit willen, die sie hervorbringt, oder um des Heldentums willen, das sieermutigt. Unsere Gesetzesgeber haben noch nicht den Wert von freiem Handel, von Freiheit, von Gemeinsamkeit und Geradheit f\u00fcr eine Nation erkannt. Sie haben keinen Geist und kein Talent f\u00fcr vergleichsweise einfache Fragen der Besteuerung und der Finanzen, des Handels, der Industrie und Landwirtschaft. W\u00e4ren wir allein auf die wortreichen Weisheiten der Gesetzesgeber im Kongressgestellt, ohne Verbesserung durch die willkommene Erfahrung und die wirksamen Eingaben des Volkes, w\u00fcrde Amerika nicht lange seinen Rang unter den Nationen bewahren. Seit achtzehnhundert Jahren, obgleich ich vielleicht kein Recht habe, dies zu sagen, ist das Neue Testament geschrieben &#8211; aber wo ist der Gesetzesgeber, der Weisheit und Talent genug hat, sich des Lichtes, das es auf die Wissenschaft der Gesetzgebung wirft, zu bedienen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Autorit\u00e4t der Regierung, selbst jener Regierung, der ich mich bereitwillig unterwerfen w\u00fcrde &#8211; denn ich werde freudig denen gehorchen, die besser als ich wissen und handeln, und in vielen Dingen selbst denen, die weder so gut wissen noch handeln k\u00f6nnen &#8211; ist noch immer eine unvollkommene. Um wahrhaft gerecht zu sein muss sie die Zustimmung und das Einverst\u00e4ndnis aller Regierten haben. Sie kann kein anderes Recht\u00fcber meine Person und mein Eigentum haben als das, welche sich ihr gew\u00e4hre. Der Fortschritt von einer absoluten zu einer eingeschr\u00e4nkten Monarchie unweiter zur Demokratie ist ein Fortschritt hin zu einem wahren Respekt vor dem Individuum. Selbst der chinesische Philosoph war weise genug, das Individuum als die Grundlage des Reiches zu betrachten. Ist eine Demokratie, so wie wir sie kennen, die letztm\u00f6gliche Verbesserung? Ist es nicht m\u00f6glich, einen Schritt weiter zur Anerkennung und Regelung der Rechte der Menschen zugehen? Es wird nie einen wahrhaft freien und aufgekl\u00e4rten Staat geben, bis der Staat den Einzelnen als h\u00f6here und unabh\u00e4ngige Kraft anerkennt, von dem aus sich seine eigene Kraft und Autorit\u00e4t ableitet, und ihn entsprechend behandelt. Ich erfreue mich daran, mir einen Staat vorzustellen, derbes sich leisten kann, allen Menschen gegen\u00fcber gerecht zu sein und der den Einzelnen mit Respekt als einen Nachbarn behandelt; der es nicht einmal f\u00fcr unvereinbar mit seinem inneren Frieden h\u00e4lt, wenn Einige au\u00dferhalb von ihm leben wollen, ohne seine Einmischung und Umarmung, jedoch alle Pflichten eines Nachbarn und Mitmenschen erf\u00fcllen. Ein Staat, der diese Frucht hervorbringt und sie endlich auch abwirft, sobald sie reif ist, w\u00fcrde den Grund f\u00fcr einen noch weiter perfekten und ruhmreichen Staat bereiten, den ich mir ebenfalls vorgestellt, aber noch nirgendwo gesehen habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00dcber die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat\u00a0<\/strong>ist ein 1849 erstmals abgedruckter Essay\u00a0von Henry David Thoreau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/220px-1854_Walden_byThoreau.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-14940 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/220px-1854_Walden_byThoreau-174x300.jpg\" alt=\"\" width=\"174\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/220px-1854_Walden_byThoreau-174x300.jpg 174w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/220px-1854_Walden_byThoreau.jpg 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 174px) 100vw, 174px\" \/><\/a>Verfasst in den Zeiten der amerikanischen Eroberung und Sklavenpolitik fordert Thoreaus Essay auf, sich dem positiven Recht des Staates nur zu beugen, wenn es mit der pers\u00f6nlichen moralischen\u00a0Wertung \u00fcbereinstimmt. Er propagiert ein <em>Gewissensrecht<\/em> der Moral gegen Ungerechtigkeiten in der Demokratie mit Aussagen wie: \u201eWenn aber das Gesetz so beschaffen ist, da\u00df es notwendigerweise aus dir den Arm des Unrechts an einem anderen macht, dann, sage ich, brich das Gesetz. Mach\u2019 dein Leben zu einem Gegengewicht, um die Maschine aufzuhalten. Jedenfalls muss ich zusehen, da\u00df ich mich nicht zu dem Unrecht hergebe, das ich verdamme.\u201c Ein weiterer Kritikpunkt Thoreaus ist das Mehrheitsprinzip in Demokratien, \u201e[d]a eine unqualifizierte Mehrheit ungerechte Rechte beschlie\u00dfen kann und ein Mehrheitsbeschluss keines Falls bedeuten, da\u00df die beste Entscheidung getroffen wurde\u201c. Er fordert ein individuelles Gewissensrecht, statt unkritisch Mehrheitsentscheidungen zu folgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> Lesen Sie auch KUNOs <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a><\/span> an die Gattung des Essays.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ich bejahe von Herzen den Wahlspruch: \u201eDie beste Regierung ist die, die am wenigsten regiert.&#8220; Gerne w\u00fcrde ich sehen, da\u00df schneller und gr\u00fcndlicher nach ihm gehandelt wird, denn dies w\u00fcrde schlie\u00dflich zu etwas f\u00fchren, das ich ebenfalls glaube: \u201dDie&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/07\/12\/ueber-die-pflicht-zum-ungehorsam-gegen-den-staat\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":217,"featured_media":99597,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1207],"class_list":["post-77603","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-henry-david-thoreau"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77603","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/217"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=77603"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77603\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":99601,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77603\/revisions\/99601"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99597"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=77603"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=77603"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=77603"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}