{"id":77420,"date":"1990-05-01T00:01:58","date_gmt":"1990-04-30T22:01:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=77420"},"modified":"2024-01-15T11:03:23","modified_gmt":"2024-01-15T10:03:23","slug":"wie-entstand-die-maifeier","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/05\/01\/wie-entstand-die-maifeier\/","title":{"rendered":"Wie entstand die Maifeier?"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"fst\" style=\"text-align: justify;\">Der befreiende Gedanke, einen proletarischen Feiertag als Mittel zum Erlangen des achtst\u00fcndigen Arbeitstages einzuf\u00fchren, entstand zum erstenmal in Australien. Die dortigen Arbeiter beschlossen schon im Jahre 1856, einen Tag v\u00f6lliger Arbeitsruhe zu veranstalten, verbunden mit Versammlungen und Vergn\u00fcgungen, als Manifestation zugunsten des achtst\u00fcndigen Arbeitstages. F\u00fcr den Tag dieser Feier wurde der 21. April bestimmt. Anfangs dachten die australischen Arbeiter nur an eine einmalige Manifestation im Jahre 1856. Schon diese erste Feier \u00fcbte jedoch einen so starken Eindruck auf die proletarischen Massen Australiens aus, wirkte so aufmunternd und agitatorisch, da\u00df man beschlo\u00df, allj\u00e4hrlich diese Feier zu wiederholen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Tat, was k\u00f6nnte der Arbeitermasse gr\u00f6\u00dferen Mut und Glauben an die eigenen Kr\u00e4fte verleihen, als eine Massenniederlegung der Arbeit aus eigenem Willen. Was k\u00f6nnte den ewigen Sklaven der Fabrik und der Werkst\u00e4tte besseren Mut verleihen, als die Musterung ihrer eigenen Truppen? So wurde auch der Gedanke der proletarischen Feier sehr schnell angenommen und begann sich aus Australien \u00fcber andere L\u00e4nder auszubreiten, bis er die ganze proletarische Welt eroberte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als erste folgten dem Beispiele der australischen Arbeiter die Amerikaner. Sie setzten im Jahre 1886 als Tag der allgemeinen Arbeitsruhe den 1. Mai fest. An diesem Tage verlie\u00dfen 200.000 von ihnen die Arbeit und forderten den achtst\u00fcndigen Arbeitstag. Sp\u00e4terhin verhinderten die Regierungsverfolgungen die Arbeiter mehrere Jahre hindurch, diese Manifestation zu wiederholen. Im Jahre 1888 erneuerten sie jedoch ihren Beschlu\u00df und bestimmten f\u00fcr die n\u00e4chste Feier den 1. Mai des Jahres 1890.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inzwischen hatte sich die Arbeiterbewegung in Europa m\u00e4chtig entwickelt und belebt. Ihren gewaltigen Ausdruck fand diese Bewegung durch den internationalen Arbeiterkongre\u00df im Jahre 1889. Auf diesem Kongre\u00df, der 400 Delegierte versammelte, wurde beschlossen, in erster Linie den achtst\u00fcndigen Arbeitstag zu fordern. Worauf der Delegierte der franz\u00f6sischen Gewerkschaften, der Arbeiter Lavigne aus Bordeaux, den Antrag stellte, man m\u00f6ge in allen L\u00e4ndern diese Forderung durch einen allgemeinen Arbeiterfeiertag zum Ausdruck bringen. Da der Delegierte der amerikanischen Arbeiter die Aufmerksamkeit auf den gleichen Beschlu\u00df seiner Genossen in bezug auf den 1. Mai 1890 richtete, so setzte der Kongre\u00df das Datum f\u00fcr den allgemeinen proletarischen Feiertag auf denselben Tag fest.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Arbeiter dachten eigentlich auch in diesem Falle, wie vor drei\u00dfig Jahren in Australien, lediglich an eine einmalige Manifestation. Der Kongre\u00df beschlo\u00df, da\u00df die Arbeiter aller L\u00e4nder mit der Forderung des achtst\u00fcndigen Arbeitstages am 1. Mai 1890 gemeinsam demonstrieren. Von einer Wiederholung der Feier in den darauffolgenden Jahren war nicht die Rede. Niemand konnte nat\u00fcrlich voraussehen, wie gl\u00e4nzend die Ausf\u00fchrung dieses Gedankens gelingen werde und wie schnell sich dieser unter der Arbeiterklasse einb\u00fcrgern werde. Es gen\u00fcgte jedoch, einmal die Maifeier im Jahre 1890 zu begehen, damit jeder sofort begriff und f\u00fchlte, die Maifeier m\u00fcsse eine allj\u00e4hrliche und st\u00e4ndige Einrichtung sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der 1. Mai verk\u00fcndet die Losung des achtst\u00fcndigen Arbeitstages. Aber auch nach der Erlangung dieses Zieles wird die Maifeier nicht aufgegeben. Solange der Kampf der Arbeiter gegen die Bourgeoisie und die Regierung w\u00e4hren wird, solange noch nicht alle Forderungen erf\u00fcllt sein werden, wird die Maifeier der allj\u00e4hrliche Ausdruck dieser Forderungen sein. Wenn aber bessere Zeiten d\u00e4mmern werden und die Arbeiterklasse ihre Erl\u00f6sung in der gesamten Welt erlangt haben wird, auch dann wird wahrscheinlich, zum Gedenken an die ausgefochtenen K\u00e4mpfe und an die erlittenen Leiden, die Menschheit den 1. Mai festlich begehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: Zuerst erschienen in: Sprawa Robotnicza (Arbeitersache)<strong>,<\/strong> Paris, Februar 1894.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Rosa_Luxemburg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-77404 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Rosa_Luxemburg-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Rosa_Luxemburg-198x300.jpg 198w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Rosa_Luxemburg-260x393.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Rosa_Luxemburg-160x242.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Rosa_Luxemburg.jpg 440w\" sizes=\"auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><\/a><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<div style=\"text-align: justify;\">Der letzte Arbeiterdichter \u00d6sterreichs, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/09\/10\/der-letzte-arbeiterdichter-oesterreichs\/\">vorgestellt<\/a> von <span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Peter Paul Wiplinger<\/span><\/span>.<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">Eine Chronik der deutschen Arbeitslosen, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/07\/11\/eine-chronik-der-deutschen-arbeitslosen\/\">dargelegt<\/a> von <span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Walter Benjamin<\/span><\/span>.<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">Der politische Massenstreik und die Gewerkschaften, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/10\/01\/der-politische-massenstreik-und-die-gewerkschaften\/\">analysiert<\/a> von <span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Rosa Luxemburg<\/span><\/span><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Der befreiende Gedanke, einen proletarischen Feiertag als Mittel zum Erlangen des achtst\u00fcndigen Arbeitstages einzuf\u00fchren, entstand zum erstenmal in Australien. 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