{"id":77355,"date":"2021-10-17T00:01:26","date_gmt":"2021-10-16T22:01:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=77355"},"modified":"2026-01-25T05:57:33","modified_gmt":"2026-01-25T04:57:33","slug":"randstaendige-texte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/10\/17\/randstaendige-texte\/","title":{"rendered":"Randst\u00e4ndige Texte"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Wenn es Videoclips gibt, muss auch die Literatur auf die ver\u00e4nderten <\/em><em>medialen Verh\u00e4ltnisse reagieren.<\/em><\/span><\/div>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #999999;\">A.J. Weigoni, 1991<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser <em>Sprechsteller<\/em> hatte ein feines Gesp\u00fcr f\u00fcr eine Literatur in den Zwischenr\u00e4umen des in Bild, Text und Ton \u00fcberlieferten. Literatur im Spannungsfeld der neue Medien hat ihn sowohl in Theorie und Praxis interessiert. Weigoni betrachtete die Gegenwartskultur mit mit analytischem Gesp\u00fcr und einem bewundernswerten Hintergrundwissen<span style=\"font-size: 11.0pt; font-family: 'Verdana',sans-serif;\">. <\/span>So unterschiedlich die B\u00e4nde <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/01\/18\/nackte-fakten-verkleidete-fiktionen\/\"><em>Vorlass<\/em><\/a><\/span> und <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/18\/sprechgesaenge\/\"><em>Parlandos<\/em><\/a><\/span> vom Ansatz her sind, so verdeutlich sich hier in den Glossen, Essays und Sprachpartituren auf unterschiedliche Weise das Miteinander unterschiedlicher K\u00fcnstler.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Um eine Existenzberechtigung zu besitzen, muss die Kritik parteiisch, leidenschaftlich und politisch sein<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Charles Baudelaire<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_53834\" style=\"width: 205px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Vorlass.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-53834\" class=\"wp-image-53834 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Vorlass.jpeg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Vorlass.jpeg 195w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Vorlass-160x246.jpeg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-53834\" class=\"wp-caption-text\">Cover: Original-Schablonendruck von Haimo Hieronymus<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer sich hingegen im Unverbindlichen verschanzt, bef\u00f6rdert die Literatur ins Niemandsland der Beliebigkeit. Dieses Verst\u00e4ndnis von Literatur entstammt dem 19. Jahrhundert, als man an das h\u00f6here Wesen des Schriftstellers glaubte. Das 20. Jahrhundert hat die Leser dazu aufgefordert, in ein pers\u00f6nliches Verh\u00e4ltnis zur Literatur einzutreten. Den meisten Menschen des 21. Jahrhunderts ist bewu\u00dft, da\u00df Literatur nicht unbedingt die Realit\u00e4t aufscheinen lassen muss. Und ebenso vertraut ist es ihnen, dass auch die elektronischen Medien nur eine Version von Wahrheit verbreiten: alle Erkenntnis ist vom Standpunkt des Erkennenden bestimmt. Poesie ist aktuelle und akute Gegenwart, nicht im journalistischen Sinne, sondern in ihrem Streben, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Bewu\u00dftsein zusammenzuf\u00fchren. Gerade weil sich die Leser selbst eine Wahrheit zutrauen, sind sie an Entschiedenheit interessiert. Diese \u00dcberlegungen werden ausgef\u00fchrt im Band Vorlass. Die Essays <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/01\/18\/2-verweisungszeichen-zur-literatur-2\/\"><em>Verweisungszeichen zur Literatur <\/em><\/a><\/span>und <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/01\/18\/verdichtung-ueber-das-verfertigen-von-poesie\/\"><em>VerDichtung <\/em><\/a><\/span>sind zuerst erschienen auf dem Portal vordenker. Hier ist vor allem Joachim Paul fu\u0308r die wohlwollende Zusammenarbeit zu danken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Reflexion <em>Medienpa<\/em><em>\u0308<\/em><em>dagogisches Arbeiten mit Jugendlichen <\/em>wurde vom Minipressenarchiv, Mainz in Auftrag gegeben. Sie beleuchtet die Produktionen <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/03\/27\/vor-langer-zeit-in-einer-analogen-galaxie\/\"><em>Ohryeure, eine akustische Anthologie <\/em><\/a><\/span>und <em><span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/08\/22\/durch-sprache-kenntlich-werden\/\">Zur Sprache bringen<\/a><\/span>, <\/em>die als Ho\u0308rbuch erschienen. H\u00f6rbeispiele sind auf vordenker in der Reihe <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/01\/09\/happy-new-ears\/\"><em>MetaPhon <\/em><\/a><\/span>zu finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Nur die Fiktion ist noch wirklich, weil die Wirklichkeit durch mannigfaltige Wahrheiten verunstaltet wurde<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/schland_dvd_cover-212x3001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-20669\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/schland_dvd_cover-212x3001.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" \/><\/a>Der Band <em>Parlandos<\/em> zeigt Langgedichte und Zyklen, die Weigoni mit diversen K\u00fcnstlern in Bild und Ton umgesetzt hat. <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1992\/12\/13\/schland\/\"><em><span style=\"color: #ff0000;\">Schland<\/span><\/em><\/a> war ist f\u00fcr ihn eine wichtige Arbeit, weil hier Bildende Kunst, Komposition und die Darstellende Kunst sinnf\u00e4llig ineinander gegriffen haben. <em>Schland<\/em> ist ein Zeitfetzen. Ein akustischer Raum in einem r\u00e4umlichen Beh\u00e4ltnis, dem \u201eneuen\u201c DeutSchland, einem fiktiven Staat, tiefste Provinz. Er folgt dem poetischen Kernsatz: \u201eNur die Fiktion ist noch wirklich, weil die Wirklichkeit durch mannigfaltige Wahrheiten verunstaltet wurde.\u201c Mit dem K\u00fcnstler Peter Meilchen arbeitete ich an einem St\u00fcck, das sich zwischen bildender Kunst, Theater und Performance bewegte. Die bisherigen Auff\u00fchrungen best\u00e4tigten: Schland ist nicht nur ein Acker in Herdringen, auf dem Milchproduzenten umherlaufen, Schland ist \u00fcberall. Es geht (ganz im Sinne Poe\u2019s: \u201eMan sieht es und sieht doch hindurch\u201c.) um den Blick, das Sehen, die Kurzsichtigkeit. Im Gegensatz zum oft beliebigem High-Tech-Bilderschaschlik, wurde Schland mit einem scheinbar antiquierten Bildtr\u00e4ger gedreht: Super 8 S\/W-Material. Peter Meilchens Nachbearbeitung mit Tipp-Ex, Tinte, Farbstiften und das partielle Zerkratzen der Filmoberfl\u00e4che kommentiert und verfremdet den Film zugleich. Genauso wie der Blick manipuliert wird, wurde die Tonspur bearbeitet. Wir h\u00f6ren als Continuum: Zikaden aus dem Mittelmeerraum, K\u00fche vom Niederrhein, Kuhglocken aus dem Zillertal und Unken aus dem Aquazoo. Die heile Welt als virtuelles Ereignis.<\/p>\n<p class=\"fliesstext1\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><i>&#8222;Se\u00f1ora Nada ist ein lyrisches Monodram \u00fcber das \u00dcberwinden von Trauma und Schmerz durch Erkenntnis dank des Eindringens in die unoffenbarte Zwischenwelt. Die Welt zwischen Haben und Sein, zwischen Bestimmung und Freiheit, zwischen Jetzt und Immer.&#8220;<\/i> <\/span><br \/>\n<span style=\"color: #999999;\">(Ioona Rauschan, Regisseurin des H\u00f6rspiels)<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_12675\" style=\"width: 248px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Sen\u0303ora-Nada1-238x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12675\" class=\"wp-image-12675 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Sen\u0303ora-Nada1-238x300.jpg\" alt=\"\" width=\"238\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12675\" class=\"wp-caption-text\">Se\u00f1ora Nada. In der H\u00f6rspielfassung wird sie dargestellt von Marina Rother.<\/p><\/div>\n<p class=\"fliesstext1\" style=\"text-align: justify;\">Die Produktion <em>Se\u00f1ora Nada<\/em> provoziert mit einem stream\u2013of\u2013consciousness durch Inhalte und nicht durch Dolby\u2013Surround. Darin begleitet Tom T\u00e4ger die Schauspielerin Marina Rother mit einer Musik der befreiten Melodien. Seine Komposition zu <em>Se\u00f1ora Nada<\/em> ist durchsetzt von minimalistischen und improvisatorischen Erfahrungen, das Klangbild wird von experimentellen Kl\u00e4ngen zu Trivialkl\u00e4ngen in Bezug gesetzt. Die Vertonung ist rasch im Grundtempo. Crescendo- und Decrescendo-Verl\u00e4ufe schaffen fiebrig-erregte Ausdruckszonen wie die buchst\u00e4blich hervorbrechenden Forte- und Fortissimo-Attacken. T\u00e4gers Klanglichkeit bleibt Weigonis Exaltiertheit nichts schuldig. Es gibt Momente, da ber\u00fchren sich Musik und Sprache, wie eine Fingerkuppe vorsichtig in eine gespannte Wasseroberfl\u00e4che eintaucht, ohne sie zerst\u00f6ren zu wollen. Diese behutsamen Momente sind die Augenblicke, in denen f\u00fcr ein paar Takte kaum etwas zu h\u00f6ren ist. Es sind Sekunden von viel gr\u00f6\u00dferer Kraft als jedes Crescendo. Das Angebot, das in dieser Musik liegt, ist eine Herausforderung.<\/p>\n<p class=\"fliesstext1\" style=\"text-align: justify;\">Wenn sich gegen Ende von <span style=\"color: #333333;\"><em>Se\u00f1ora Nada<\/em><\/span>, die Komposition zu einem leeren Quintklang zusammenzieht in der Pianissimo\u2013Dynamik, haben die Takte dieses H\u00f6rst\u00fccks Welten an Ausdruck, Dynamik, Ambitus durchschritten. Man wei\u00df es nicht so genau, ob die Ruhe nach dem Sturm nachklingt oder eine im statischen Quintklang erstarrte Ersch\u00f6pfung. Die Vertonung Tom T\u00e4gers f\u00fcgt sie \u2013 mit allen Kontrasten von Tempoverl\u00e4ufen, Klangdichten, dynamischen Abstufungen \u2013 \u00fcber die Wortbedeutungen hinweg zu <span style=\"color: #333333;\">einer<\/span> einleuchtenden Zyklik. Die Kl\u00e4nge und Strukturen sind eigenartig: \u00e4hnlich und doch immer wieder neu, streng und doch offen. Das Zuh\u00f6ren f\u00fchrte an ein Zeitempfinden heran, wie es in dieser Weise selten zu erleben ist. Jedes Kunstwerk erinnert an den Geist und die Erweiterbarkeit des menschlichen Horizonts. Jedes bedeutende Werk hat das Bewu\u00dftsein ge\u00f6ffnet und nicht einfach nur die \u00f6ffentliche Nachfrage nach Sch\u00f6nheit bedient.<\/p>\n<p class=\"fliesstext1\" style=\"text-align: justify;\">Ioona Rauschans wachsame, im Erz\u00e4hl-Augenblick so genau beobachtende Regie vergegenw\u00e4rtigt jedes dieser literarisch m\u00f6glichen Leben so intensiv, da\u00df sich niemals das Gef\u00fchl eines blo\u00df spielerischen Als ob einstellt. Jedes m\u00f6gliche Leben ist in dem Moment wahr, da es erz\u00e4hlt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>A text that alludes to Eliot\u2019s Waste Land, was set to music by Tom T\u00e4ger, using minimalist techniques and sound effects like the rustle of paper.<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #999999;\">Judith Ryan \u00b7 The Long German Poem in the Long Twentieth Century<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_11527\" style=\"width: 142px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Bibiana-132x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11527\" class=\"size-full wp-image-11527\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Bibiana-132x300.jpg\" alt=\"\" width=\"132\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11527\" class=\"wp-caption-text\">Bibiana Heimes, Darstellerin der Jo Chang in Unbehaust<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Unbehaust<\/em> ist ein ein poetisches Polymorphem. Folgt man den Gedanken Weigonis, ist die H\u00f6rspielfassung von <span style=\"color: #ff0000;\"><em><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/unbehaust01.htm\">Unbehaust<\/a><\/em><\/span> ein St\u00fcck \u00fcber die (m\u00f6gliche) Freiheit des Einzelnen innerhalb der Unfreiheit der Bedingungen. Jeder tr\u00e4umt den autonom-autistischen Traum vom Leben als Held. Jo Chang, die Heldin, mi\u00dftraut diesem Traum. Sie f\u00fchrt ihn vor, destabilisiert, zerrei\u00dft ihn. Das Leben bietet andere Realit\u00e4ten. Und mehr noch \u2013 andere Traumata. Das Formganze dieses Monodrams wird nicht durch metronomgenaues Durchschlagen der Poesie von au\u00dfen \u00fcbergest\u00fclpt, sondern entwickelt sich bruchhaft und widerspruchsvoll gerade aus der Verschiedenheit ihrer Bestandteile. Das H\u00f6rspiel ist gleichsam ein Wassertropfen, in dem sich die Welt spiegelt. Erfahrung einatmen, Gedichte ausatmen. Leben und Dichtung sind nicht getrennte Bereiche, sie entwickeln sich miteinander in Verantwortung und Zeugenschaft. Stenografische Spontaneit\u00e4t und szenografisches Geschick sind in diesem St\u00fcck kein Widerspruch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Langgedicht schraubt sich wie Tunnelbohrer durch zeitgen\u00f6ssische Erfahrungsr\u00e4ume. Ob dieses Monodram etwas bedeuten soll, ist zweitrangig. Entscheidend ist, da\u00df sie sich ereignet. Diese Lyrik ist ein Sprachgeschehen, das die Leser synchron miterleben k\u00f6nnen, vorausgesetzt, er ist bereit, den sprunghaften Wechsel zwischen symbolistischen und gegenst\u00e4ndlichen Weltbeschreibungen mitzuvollziehen. Weigoni liefert in seinem Monodram ein subtiles Kammerspiel eines inneren Monologs. Die Schauspielerin Bibiana Heimes ist Silbe f\u00fcr Silbe auf der Suche nach dem Kern und sieht darin eine Metapher zu den Bekleidungen der eigenen Identit\u00e4t. Sie gestaltet feine Z\u00e4suren im Redefluss mit einer freien, reinen Gelenkigkeit als Sprecherin, eine locker schraffierte Haltungen, \u00fcberhaupt das Skizzenhafte, die hingehauchte, nie vollends auserkl\u00e4rte Figur. Jo Chang laboriert mit Methoden zum Einfangen irrationaler Verbindungen mittels der \u201e\u00e9criture automatique, sie erkennt die seelischen Verkr\u00fcppelungen, Restriktionen und kommunikativen Verarmungen, das Orientierungsdefizit der Mitmenschen, ihre autistischen Tendenzen, Doppelmoral, Neurosen und den Lebensverzicht. Diese Perspektive birgt reizvolle Chancen f\u00fcr kleine Grausamkeiten und unerwartete Wahrheiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Tom T\u00e4ger und A.J. Weigoni kommt das Verdienst zu, die Lyrik nach 400 Jahren babylonischer Gefangenschaft aus dem Buch befreit zu haben.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">lyrikwelt.de<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Parlandos finden sich Langgedichte und Zyklen, die man bereits beim Lesen innerlich h\u00f6rt, der Rhythmus der Stimme wird ebenso h\u00f6rbar wird, wie der Rhythmus der Welt. Als Rezitator inszeniert Weigoni seine Lyrik streng aus der Sprache heraus, er bewegt sich in der Intermedialit\u00e4t von Musik und Dichtung, und sucht mit atmosph\u00e4rischem Verst\u00e4ndnis die Poesie im \u00e4ltesten <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25399\">Literaturclip<\/a><\/span>, den die Menschheit kennt: dem Gedicht!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vorlass<\/strong>, Gebrauchsprosa von A.J. Weigoni, Edition Das Labor 2019.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Parlandos<\/strong>, Langgedichte und Zyklen von A. J. Weigoni, Edition Das Labor, Bad M\u00fclheim 2013.<\/p>\n<div id=\"attachment_12456\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Parlandos-200x3001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12456\" class=\"size-full wp-image-12456\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Parlandos-200x3001.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12456\" class=\"wp-caption-text\">Original-Holzschnitt von Haimo Hieronymus gedruckt auf das Cover<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>Das Tanztheaterst\u00fcck <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/06\/01\/tapes\/\">The Vera Strange Tapes<\/a> war quasi das Vorspiel. In den fr\u00fchen 1990er Jahren pr\u00e4gte eine Gruppe kreativer K\u00f6pfe die deutsche H\u00f6rspielszene mit innovativen Live-Auff\u00fchrungen. Kai M\u00f6nnich, A.J. Weigoni, Marion Haberstroh und Frank Michaelis f\u00fchrten mit ihren Werken <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1992\/12\/13\/schland\/\">Schland<\/a> (1992) und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/21\/5-oder-die-elemente\/\">5 oder die Elemente<\/a> (1993) neue Ma\u00dfst\u00e4be ein.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Alle Gedichtb\u00e4nde von A.J. Weigoni sind zusammen mit dem auf vier CDs erweiterten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28660\">H\u00f6rbuch<\/a> <strong>Gedichte<\/strong> in einem hochwertigen Schuber aus schwarzer Kofferhartpappe erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Eine Werk\u00fcbersicht \u00fcber die akustische Kunst von A.J. Weigoni finden Sie in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/metaphon.htm\">MetaPhon<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Auch die Prosa von A.J. Weigoni ist in einem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/11\/01\/eine-einzigartige-thematische-tiefe\/\">Schuber<\/a> erh\u00e4ltlich. Und nur darin enthalten ist das H\u00f6rbuch <strong>630<\/strong> und der Band\u00a0 <strong>Vorlass.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn es Videoclips gibt, muss auch die Literatur auf die ver\u00e4nderten medialen Verh\u00e4ltnisse reagieren. A.J. Weigoni, 1991 Dieser Sprechsteller hatte ein feines Gesp\u00fcr f\u00fcr eine Literatur in den Zwischenr\u00e4umen des in Bild, Text und Ton \u00fcberlieferten. 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