{"id":7731,"date":"2021-11-13T00:01:00","date_gmt":"2021-11-12T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=7731"},"modified":"2022-02-20T19:42:31","modified_gmt":"2022-02-20T18:42:31","slug":"popkulturelle-blaupause","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/11\/13\/popkulturelle-blaupause\/","title":{"rendered":"Popkulturelle Blaupause"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Dauerbrenner des tropisch aufgeheizten Sommers: eine Hypercalypseleitmelodie verspricht in naher Zukunft eine ferne Sehnsucht zu realisieren. Aufreizend gutgelaunte Moderatoren versuchen die Zwischenzeit zu \u00fcberbr\u00fccken. Nach dem Experiment der globalen Visualisierung hat das Digital\u2013Audio\u2013Broadcasting mit einer Neugestaltung des Programms den Spitzenplatz erobert. Pop ist allgegenw\u00e4rtiger Rohstoff, der \u00fcber Webradios, Mobiltelefone und Unterleibsfernsehen in die Lebenswelt str\u00f6mt und wie die Atemluft von selbst in alle Kan\u00e4le eindringt, eine Kulturleistung tritt zur\u00fcck in den Kreislauf der Natur. Die Informationsgesellschaft befindet sich in einem Zustand aufgekl\u00e4rter Konfusion. Kleinigkeiten irritieren den Zuh\u00f6rer: Das bellende Sensationspathos der Nachrichtensprecher \u00e4hnelt dem trompetenden Ton der Sondermeldungen des grossdeutschen Rundfunks.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neues zur Lage der Detonation. Die Meldungen im Einzelnen: Hintergr\u00fcndige Berichte mit Sprengs\u00e4tzen. Zum Abschluss das Wetter. F\u00fcr das leibliche Wohl gibt es Probleme. Seitdem sich die Ozonschicht fast verfl\u00fcchtigt hat, ist die Stadt im Sommer ein Glutofen. Hitze und Erotik sind ein untrennbares Paar. Nachts m\u00f6chte man am liebsten die eigene Haut abstreifen, um sich frischer zu f\u00fchlen. Gl\u00fccklich k\u00f6nnen sich nur diejenigen sch\u00e4tzen, die fr\u00fchzeitig in eine Klimaanlage investiert haben. Der User wischt sich mit dem Handr\u00fccken den Schweiss von der Stirn, h\u00f6rt nicht zu, braucht den Muzak lediglich, um die Stille zu \u00fcbert\u00f6nen. Die Welt implodiert in slow\u2013E\u2013motion, der unaufh\u00f6rlichen Temposteigerung wird die konzentrierte Kraft des Augenblicks entgegengesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Information at your fingertips. Der User klappert in altmodischer Manier im Zehn\u2013Finger\u2013System in einem monotonen Groove auf einer Tastatur herum. Versucht zum wiederholten Mal den kr\u00e4chzenden Warnton zu ignorieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSave data now\u2026 Save data now\u2026 Save data now\u2026\u00ab, morst der Rechenknecht Macintalk in einer monotonen Endlosschleife. Born\u2013to\u2013be\u2013wired ist er derzeit nicht sehr gespr\u00e4chig, weil das Wortfeld lakonik vom Programmierer aktiviert worden ist. Kaum etwas kann einem mehr auf die Nerven gehen, als Kommunikationsmaschinen, die unabl\u00e4ssig Befehlsfolgen akustisch wiederholen; eine Steigerung w\u00e4ren wahrscheinlich nur die Autoren, die f\u00fcr das Schreiben eben dieser Programme zust\u00e4ndig waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHab&#8216; ich. Gib&#8216; mir die letzte Befehlsfolge!\u00ab, gibt sich der User gehetzt, so als w\u00fcrde die Geistmaschine ihm zuh\u00f6ren, gar verstehen, wom\u00f6glich auf ihn warten. Technik, so scheint es, dient nicht mehr, sie beherrscht sie. Wer sich in diesen Zeiten freiwillig den Computerbefehlen unterwirft, bekommt einen emotionalen backflow, der ihm im wahren Leben verwehrt bleibt. Die hypermodernen Menschen haben intensive emotionale Beziehungen zu ihren Maschinen aufgenommen. Noch sind diese Verbindungen einseitig. Aber Dinge leben, weil die Menschen sie beteiligen. Und irgendwann tragen sie ein Echtheitszertifikat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cyberspasz, a real virtuality<\/strong>, Novellen von A. J. Weigoni, Edi\u00adtion Das Labor, M\u00fclheim an der Ruhr 2012.<\/p>\n<div id=\"attachment_44223\" style=\"width: 204px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44223\" class=\"wp-image-44223 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz-194x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz-194x300.jpeg 194w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz.jpeg 657w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-44223\" class=\"wp-caption-text\">Covermonatge: Jesko Hagen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO \u00fcbernimmt Artikel von Jo Wei\u00df aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/10\/05\/turbokapitalistischer-realismus\/\">Kultura-extra<\/a>, von Karl Feldkamp aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/09\/alles-klappt-in-ihrem-leben-doch-nichts-gluckt\/\">Neue Rheinische Zeitung<\/a> und von <span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Christine Kappe<\/span><\/span> <span data-offset-key=\"cphj4-0-0\">aus der vom Netz gegangenen<\/span> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/01\/ein-buch-ist-eine-stadt\/\">fixpoetry<\/a>. Betty Davis sieht in <em>Cyberspasz<\/em> eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/12\/26\/eine-ebenso-poetische-wie-praezise-geschichtsprosa\/\">pr\u00e4zise Geschichtsprosa<\/a>. Margaretha Schnarhelt erkennt in der <em>real virtuality<\/em> eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/09\/30\/cyberzomb\/\">hybride Prosa<\/a>. Enrik Lauer deutet diese Novellen als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/09\/01\/der-cyberspace-als-wille-und-vorstellung\/\">Schopenhauer<\/a>s Nachwirken im Internet. In einem Essay betreibt KUNO <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/16\/dystopische-zukunftsforschung\/\">dystopische Zukunftsforschung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Der Dauerbrenner des tropisch aufgeheizten Sommers: eine Hypercalypseleitmelodie verspricht in naher Zukunft eine ferne Sehnsucht zu realisieren. 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